6. Dezember 2009

Philosophischer Bezug zum Coaching

Tempel des Apollo in Delphi - Foto von Patar Knight


In welchem Bezug stehen das Coaching und die Philosophie und ist das Coaching die philosophische Praxis? Coaching arbeitet immerhin mit der ältesten Methode der praktischen Philosopie: dem Fragen stellen. Sokrates lief durch die Straßen und stellte den Bürgern unaufgefordert Fragen zu Moral und Erkenntnis. Sokrates war nicht bei jedem seiner Mitbürger beliebt, er ging ihnen buchstäblich auf den Geist. Der Coach ist in der bedeutend angenehmeren Lage, dass der Klient zu ihm kommt und um seine Fragen bittet. Was geblieben ist, ist die Methode des Fragen stellens. Der Coach so wie der praktische Philosoph leisten nicht die Erkenntnisproduktion, sondern stellen nur die richtigen Fragen. Letztlich laufen diese Fragen auf die Selbsterkenntnis der Klienten hinaus. Das altbekannte gnothi seauton (erkenne dich slebst) war das Motto der Priesterinnen, die im Tempel von Delphi den Ratsuchenden weissagten.

5. Dezember 2009

Online-Diskussionen

Was das Internet am allerbesten kann, ist Menschen miteinander in Kontakt setzen und in beinahe Echtzeit über ihre Interessen diskutieren lassen. Die nötige kritische Masse ist selbst bei Nischen-Interessen schnell erreicht, da es unwichtig ist, ob die Interessenten nahe beieinander leben oder im exakt selben Moment Zeit haben. Coaching kann man nun beinahe keine Nische mehr nennen, so sehr breitet sich das Interesse daran aus. Hier ist eine Übersicht über meine Artikel aus verschiedenen Foren:

29. November 2009

Retroflektion und Introflektion

In folgenden zwei Artikeln möchte ich mich mit den zwei aus der Gastalttherapie kommenden Begriffen Retroflektion und Introflektion beschäftigen. Ich mache das vor allem ausgehend von Peter Bluckerts Buch Psychological Dimensions of Executive Coaching. Beide Begriffe deuten auf Verhaltensweisen, die es uns erschweren, mit Konflikten abzuschließen. Diese Vermeidungsstrategien sind in Coaching-Situationen zu erwarten und bei Auftreten durch Bewusstmachung zu bearbeiten.

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Retroflektion und Introflektion I

Retroflektion
Wir wenden Sachen (z.B. Konflikte), die eigentlich nach Außen gehören, nach innen und erschweren es so, solche Sachen abzuschließen. Z.B.: Wir haben ein Problem mit einer Kollegin und anstatt dieses Problem mit ihr anzusprechen, unterlassen wir das, weil wir meinen, es wäre unklug oder gar schädlich, dort rumzustochern und eventuell Dinge zu verschlimmern. Als Konsequenz wenden wir den Konflikt nach innen und verhindern so, dass er gelöst werden kann. Statt dessen werden wir übervorsichtig mit der Kollegin oder manifestieren Vorurteile, die unser Verhalten dieser Kollegin gegenüber merkwürdig/unbegründet ablehnend erscheinen lassen kann.

Retroflektion und Introflektion II

Introflektion
Das Internalisieren von Überzeugungen, Werten und Anforderungen ist ähnlich wie die Retroflektion bereits ein Nebenprodukt des Lernens im Kindesalter. Bluckert bringt das Beispiel von der Überzeugung, dass man die Finger nicht in die Steckdose stecken soll als ein Beispiel solch einer nützlichen Introflektion. Überblickend betrachtet, halte ich die Introflektion jedoch für ein sehr virulentes Problem unserer Zeit. Die angeblichen Notwendigkeiten der Leistungsgesellschaft bauen zu einem großen Teil auf der ungefragten Übernahme von Überzeugungen, Werten und Anforderungen auf. Durch Introflektion unterwerfen wir uns leicht dem Common Sense und öffnen uns so verschiedenen Formen von Ausbeutung.

23. November 2009

Fünfte Sitzung: Das Rad des Lebens

Zusammen mit einer zweiten Person musste ich in der letzten Sitzung mein "Rad des Lebens" ausfüllen. Auf einer Skala von 0 - 10 musste man angeben, wie zufrieden man mit den folgenden acht Bereichen ist:


  1. Geld
  2. Karriere
  3. Gesundheit
  4. Spiritualität
  5. Kreativität
  6. Beziehungen
  7. Zuhause
  8. Persönliche Entwicklung
Dabei kam es zu sehr interessanten Diskussionen, zum Beispiel was für den einen oder anderen Kreativität überhaupt bedeutet. Und was bedeutet es, wenn man einem Bereich wie Kreativität etwa eine 9 gibt? Kann man mit seiner Kreativität überhaupt zufrieden sein, wenn man ein kreativer Mensch ist und "nebenbei" 10 Stunden aus dem Haus ist, um zu arbeiten? Kreativität ist für mich extrem wichtig, weil ich das Gefühle habe, dass das pausenlose Konsumieren vor allem von Medien, mir nicht gut tut. Ich merke, dass ich mich ausdrücken muss und dass geht nur, in dem ich etwas schaffe, kreiere. Das macht mich glücklich, selbst wenn es nur ein Brot ist, das ich gebacken habe oder ein Foto, das ich bearbeitet habe oder ein kurzes Video, das ich geschnitten habe. Es ist ganz egal, Hauptsache produziert und nicht konsumiert. Dann kann ich auch wieder unbeschwert konsumieren. Was ich außerdem noch gelertn habe, ist im Folgenden aufgeführt.

  1. Ich habe die Eigenschaft, mich ins Geschehen oder in die Arbeit zu werfen. Ich muss aufpassen, dass ich diesen natürlichen Go-With-The-Flow-Ansatz mit strukturierter Herangehensweise ausgleiche.
  2. Ich muss aufpassen, nicht ständig meine eigene Geschichte mit ins Gespräch zu bringen. Es geht um den Clienten.
  3. Ich muss aufpassen, dass ich nicht Themen des Klienten vermeide, die ich aus eigenen Gründen schwer zu diskutieren finde.
  4. Ich muss auf die Zeit aufpassen und vermeiden, einige Dinge auf Kosten anderer mindestens ebenso wichtiger Fragen zu diskutieren.
  5. Wie jeder habe ich beim Sprechen wenier Augenkontakt als beim Zusehen. Um mehr Eindringlichkeit zu gewinnen, könnte ich versuchen, schneller und öfter Augenkontakt harzustellen.
  6. Ich sollte einen richtigen Anfang und ein richtiges Ende um einen runden Prozess herum haben. Am Anfang könnte die Aufforderung stehen, etwas zu sagen, das dem Klienten wichtig ist, am Ende die Frage, ob der Klient fühle, dass irgend etwas Wichtiges nicht besprochen wurde.
  7. Traue niemals deinen Vorurteilen! Menschen, die dir erst suspekt sind, können sich später als extrem sympathisch herausstellen.

18. November 2009

Entrepreneur Ideen

Eine starke Motivation für meine Anstrengugen im Bereich Coaching ist, sich als Berater und Coach irgendwann einmal selbständig zu machen. Ursprünglich kam mir die Idee im Zusammenhang mit meinem Studium und Freunden, die Psychologie studiert hatten. Ich dachte immer, dass man eine Philosophische Praxis aufmachen könnte, die Leuten einfach dabei hilft, Probleme zu erkennen und zu lösen. Dass sich diese Idee im Coaching wiederfindet, bemerkte ich erst viel später.

Um Ideen zur eventuellen Selbständigkeit zu sammeln, spreche ich mit Freunden über meine Pläne, lese entsprechende Fachliteratur und treibe mich in Foren herum, in denen sich andere Coaches tummeln. Hier eine Liste von Ideen, die ich weiterführen werde:
  • biete Coaching speziell für englischsprachige Klienten an
  • biete Coaching zusammen mit Deutsch als Fremdsprache an
  • biete "Integrations-Coaching" für ausländische Klienten an
  • biete ein Online-Supplement an, z.B. Chat-Sprechstunde und E-Mail-Beratung
  • biete Bewerbunugsberatung und oder Bewerbungs-Coaching an
  • nutze einschlägige Bildungs- und Arbeitserfahrungen
    • philosophische ausgerichtetes Coaching
    • Medien- und Online-Beratung
    • Personalführung
  • ...

15. November 2009

The Complete Guide to Coaching at Work

Von diesem Buch von Perry Zeus und Suzanne Skiffington aus dem Jahr 2000 (seitdem immer wieder aufgelegt) habe ich das zweite Kapitel "Who can coach?" (Wer kann coachen?) gelesen. Das Buch, das vom Titel her ein kompletter Ratgeber zum Thema Coaching auf der Arbeit sein möchte, hat mich natürlich interessiert, weil ich auf Arbeit im Grunde häufig in die Situation komme, jemanden zu coachen. Coaching-Techniken kann man auch dann erfolgreich anwenden, wenn man kein komplettes Coaching-Programm aufstellt, sondern einfach einem Mitarbeiter bei dem Erreichen von mehr Einsicht in seine Vorstellungen und Ziele helfen möchte.



Das Kapitel "Who can coach?" Widmet sich zuerst jedoch Themen wie:
  • Der typische Coach
  • Warum möchten Leute überhaupt Coach werden?
  • Die Rolle von persönlichen und institutionellen Werten
  • Qualitäten der Persönlichkeit eines Coaches

12. November 2009

Der Choleriker im Büro

Illustration: Martin Rathscheck

Auf Arbeit ist der Choleriker am wahrscheinlichsten auf der Chefetage anzutreffen. Er ist eine geborene Führungspersönlichkeit. Er hat wenig Skrupel Bleistifte zu zerbrechen, Untergebene anzuschreien oder auch mal mit einem Dossier zu werfen. Der Choleriker ist ungeduldig und will, dass die Dinge erledigt werden, sofort. Man darf den Choleriker nichts fragen. Er gibt gerne Anweisungen, aber nie Ratschläge. Ein typischer Dialog zwischen dir und dem Choleriker sieht so aus:

11. November 2009

Der Sanguiniker im Büro

Illustration: Martin Rathscheck

Auf Arbeit ist der Sanguiniker oft der Pausenclown und Freund des Cholerikers. Meistens trägt er schrille Hemden und Krawatten mit aufgedruckten Disney-Figuren. Er sei gut fürs Team, weil er Spaß bringe und die Leute bei Laune halte, glauben er selbst, sein cholerischer Chef und alle Managementseminaristen. Dass der Sanguiniker seinen Kollegen schier auf die Nerven geht, sehen sie nicht. Der cholerische Chef duldet den Sanguiniker neben sich, denn intuitiv weiß er, dass dieser Harlekin ihm keine Konkurrenz ist...

10. November 2009

Der Phlegmatiker im Büro

Illustration: Martin Rathscheck

Wenn er dürfte, käme der Phlegmatiker gern in Jogginghosen, Pantoffeln und weiten Sweatshirts zur Arbeit. Er nimmt immer den Lift in die zweite Etage zu seinem Schreibtisch. Dort angekommen sitzt der Phlegmatiker erst einmal regungslos vor dem Bildschirm. Seine Physiognomie zeugt dabei von totaler Motivationslosigkeit. Der Mund ist leicht geöffnet, der Blick geht glasig durch den Bildschirm hindurch, die Arme hängen herunter und das Rückgrat ist gekrümmt. Zeitweise zeugen nur das Blubbern und ein fauliger Geruch von Restvitalität tief im Innern des Phlegmatikers. Das kann bis zu 50 Minuten so andauern. Plötzlich erhebt sich der Phlegmatiker...

9. November 2009

Der Melancholiker im Büro


Illustration: Martin Rathscheck

Der Melancholiker ist der einzige, der anständig durchs Arbeitsleben kommt. Er ist pragmatisch und weiß, dass alles was er tut, letztlich sinnlos ist. Er arbeitet still vor sich hin, um es hinter sich zu bringen. Der Melancholiker braucht das Geld für Brot, Bett und Alkohol. Statussymbole sind ihm egal. Im Büro trägt er Turnschuhe aus der vorletzten Saison, ein T-Shirt und bequeme Jeans. Der Melancholiker braucht sportliche Kleidung schon deshalb, weil er täglich die 16 Stockwerke zu seinem Schreibtisch zu Fuß erklimmt. Der Gedanke 40 Sekunden mit seinen schwitzenden und plappernden Kollegen zusammen in einem Aufzug zu stehen und zum Small-Talk gezwungen zu sein, ist ihm ein Horror...

8. November 2009

Peter Bluckert: Psychological Dimensions of Executive Coaching

Dieses Buch ist in der Serie "Coaching in Practice" erschienen. Trotz des Titels - der eine sehr akademische Lektüre nahe legen könnte - ist Bluckerts Buch eine mitunter sehr praktische Einfürung ins Coaching. Der Autor führt uns Schritt für Schritt durch einen Coaching-Prozess. Da wird es mitunter so detailliert, dass verschiedene Planungs-Beispiele für Coaching-Abläufe gezeigt werden. Ebenso nützlich ist es, wenn Bluckert Beispiele für Themen und Fragen im Exekutive Coaching oder im Coaching für die persönliche Entwicklung gibt. Der Autor unterstreicht außerdem, was von einem Coach erwartet erwartet wird, um seinen Job kompetent und professionell auszuführen.

Dieses Buch gab mir einen sehr guten Überblick ins Coaching auf der einen Seite und einen tiefen Einblick in einige der psychologischen Aspekte auf der anderen. Bluckert gibt überzeugende Argumente für eine psychologische Orientierung als Voraussetzung für Coaching. Bluckert gelingt es zu zeigen, wie sich theoretische Konzepte und Psychologie in die Coaching-Praxis umzusetzen. Äußerst wertvoll sind die Erkenntnisse rund um die Prozesse der Veränderung von Individuen. In unserem Alltag werden solche Prozesse schnell mit Feststellung wie der folgenden vereinfacht: "Ich sagte ihm, das er das verbessern muss und inzwischen funktioniert es auch ganz gut." Als Coach muss man verstehen, dass es keine solche einfachen Verknüpfungen gibt und dass der Wandel eines Klienten selbst-motiviert sein muss und durch den Coach sorgfältig in seinen verschiedenen Phasen unterstützt werden muss. Bluckerts Buch machte die Komplexität des Coaching deutlich. Das geht natürlich mit einer gut beaufsichtigten Ausbildung und Praxis einher. Nur eine gründliche Ausblidung verbunden mit der Praxiserfahrung kann das Know-how und das Selbstvertrauen vermitteln, das nötig ist, um erfolgreich und auf hohem Level Klienten als Coach zu helfen.

Eine vollständige Besprechung von mir kann hier auf Englisch gelesen werden.

6. November 2009

Vierte Sitzung: Die richtigen Fragen stellen und nicht richten

In dieser Sitzung ging es zuerst um die Frage, ob und wie man sein eigenes Urteil über eine Person oder eine Situation zurückhalten kann. Eine wichtige Einsicht hier ist, dass man sich der Interpretation von Wirklichkeit bewusst sein muss: Mein Klient kann die Welt unter Umständen ganz anders interpretieren als ich. Diese Einsicht kann zu einem wahrhaften Interesse daran führen, wie mein Klient seine Wirklichkeit interpretiert. Interesse ist also der bessere Ansatz, Urteil sollte vermieden werden. Eine Teilnehmerin schlug vor, das Urteil bewusst durch Mitgefühl zu ersetzen. Was ist aber mit unseren Werten und der Moral?

29. Oktober 2009

Journal of Learning 02 (dritte Sitzung)

Das Erwerben von Fähigkeiten der Teilnehmer in unserer Gruppe läuft bisher vor allem über das sogenannte Practice/Feedback-Modell (Übung/Rückmeldung). In diesem Modell findet man sich zur Simulation von Coaching-Situationen in Dreier- oder Vierergruppen zusammen, wobei ein Teilnehmer den Klienten spielt, einer den Coach und einer oder zwei nur Beobachter sind, die nach jeder Simulation Feedback geben.



In diesem Sinne verliefen auch wieder große Teile der dritten Sitzung, in der es vor allem um aktives Zuhören ging. Das klingt erst einmal trivial, aber es ist alles andere als einfach. Das fängt damit an, dass mancher sich gar nicht so lange konzentrieren kann, um einem anderen aktiv zuhören zu können. Ein weiteres Problem kann sein, dass man sich kaum mit der Bewertung des Gesagten oder gar mit Lösungsansätzen zurückhalten kann. Das sogenannte Spiegeln in Körpersprache und Stimme wird in der Regel den Zugang zum Klienten eröffnen und dem Coach das Zuhören als aktiven Vorgang einsetzen lassen.

25. Oktober 2009

Warum Toni Soprano eher zu einem Coach als zu einem Psychotherapeut gehen sollte

In Coaching and Psychotherapy: Comonality and Difference untersuchen Mike O'Halloran und Evelyn Gilmore unter anderem die unterschiedlichen Gruppen von Klienten, die entweder zum Psychotherapeuten oder zum Coach gehen. Obwohl Psychotherapie seit den 70er Jahren immer mehr davon loskommt, vor allem für psychische Störungen verantwortlich zu sein, ist die öffentliche Wahrnehmung immer noch, dass es die "schwereren Fälle" (Missbrauchsopfer, Beziehungstörungen) sind, die dem Psychotherapeut zukommen. Der Coach scheint eher jemand zu sein, zu dem man geht, wenn man ohnehin "gut funktioniert", sich aber steigern will, ohne dass man glaubt, in seiner Vergangenheit graben zu müssen, um sich weiter entwickeln zu können.


24. Oktober 2009

Existentialismus und Eigenverantwortung

In dem Aufsatz Coaching and Psychotherapy: Commonality and Difference von Mike O'Halloran und Evelyn Gilmore habe ich einen interessanten Absatz zum Thema persönliche Verantwortung, Selbst-Sabotage und Existentialismus gelesen. Im Kern geht es darum, dass Selbst-Sabotage, also der Gedanke, dass Menschen eher durch sich selbst als durch ihre Umwelt blockiert werden, eines der Grundkonzepte von Coaching und Psychotherapie sei.*

Ich war bei der Begegnung damit sehr überrascht, da ich vor und während des Studiums viel aus dem Bereich Existentialismus gelesen habe und erst jetzt diesen Zusammenhang zwischen existentialistischer/persönlicher Verantwortung und dem Problem der Selbst-Sabotage sah.

Ein zentraler Aspekt des Existentialismus ist die Selbstbestimmung. Darin steckt der Gedanke, dass sich jeder einzelne in einer Entfaltung seiner Möglichkeiten selbst befreien kann. Natürlich kann man sich auch davor drücken, wir müssen eben zu jedem Zeitpunkt immer wieder eine Wahl treffen. Und das ist schwer.

Ich habe manchmal Schwierigkeiten, Leuten mit Empathie zu begegnen, die sich permanent über die Umstände beschweren und andere Leute für ihr eigenes Leben verantwortlich machen, also den Locus of Control außen, anstatt innen zu akzeptieren. Das man selbst die Kontrolle habe, ist einerseits eine optimistische Sicht. Andererseits ist es auch eine harte Sicht, die uns unter den Druck setzt, selbst Verantwortung für unser Gedeih und Verderb zu übernehmen.

Es ist einfacher, alles auf die Umstände zu schieben und daher ein verständlicher Reflex. Auf lange Sicht macht es das Leben jedoch schwerer, denn es führt in Abhängigkeiten und den Verlust der persönlichen Freiheit. In der philosophischen Coaching-Praxis muss man die potentielle Härte des Existentialismus berücksichtigen und die Empathie trotzdem aufbringen, um in der Lage zu sein, den Locus of Control langsam und behutsam nach innen zu verschieben.

Was kann ich tun, um meine Situation zu verbessern?
Was sind meine Stärken, die hier helfen können?
Was ist der nächste kleine Schritt, den ich machen kann, um vorwärts zu kommen?

Solche und ähnliche auf die Machbarkeit zielenden Fragen helfen, die Abhängigkeit von den Umständen abzulegen und den Geist auf eine selbstbestimmte und pragmatische Spur des Lebens zu lenken.


*Der Unterschied sei, dass der Psychotherapeut dem Ursprung dieser Sabotage auf den Grund zu gehen versucht, während der Coach den Klienten vor diesem Phänomen nur warnen kann und ihn bitten sollte, eine Strategie zum positiven Umgang mit den inneren Stimmen zu finden.

22. Oktober 2009

Journal of Learning 01 (zweite Sitzung)

Das Ziel des "Journal of Learning" ist es, sich kritisch mit seiner Erfahrung in den Übungen oder den Sitzungen auseinander zusetzen. Es soll helfen, einen Schritt von den routinierten Verhaltensweisen zurück zu tun und sich bewusst selbst zu prüfen. Es ist wie eine persönliche Nachbesprechung, ein Schnappschuss von der Reise in Richtung einer hohen Qualifikation in allen Bereichen des Coachings.

15.10.2009

(a) Kurze Beschreibung des Sachverhalts (Situation, Teilnehmer, Vorkommnisse)
Eine Übung für 3 Personen, wobei A nur zuhören soll, B 5 Minuten über ein Thema reden muss und C die Situation nur beobachten soll. Dies war meine erste Begegnung mit einer Coaching-Situation, wo ich (B) als der Klient, A als Coach und C als Beobachter eingesetzt waren.

11. Oktober 2009

Link-Liste

Links zu interessanten Blogs und Websites
http://mindhacks.com/
http://contemporarypsychotherapy.org/
http://calnewport.com/blog/ (Study Hacks)
Teampedia -  Icebreakers & Team Building Activities (kostenlos)
finfingpotential - kostenlose Psychometrics, Login nötig
http://thiagi.com/ - kostenlose Gruppen Spiele

Deutsche Coaching Verbände
http://www.dbvc.de
http://www.dvct.de
http://www.dvnlp.de

Ausbildungskriterien der Verbände
DBVC: http://www.dbvc.de/cms/index.php?id=371
DVCT: http://www.dvct.de/Kriterien.94.0.html#c425
DVNLP: http://www.dvnlp.de/.../Ueberblick.pdf

Grundlagen
http://de.wikipedia.org/wiki/Gestalttherapie
http://en.wikipedia.org/wiki/Gestalt_therapy
http://en.wikipedia.org/wiki/Maurice_Merleau-Ponty
Lexikon der Gestalttherapie

Philosophische Praxis
http://www.philosophischepraxis.de/
http://www.achenbach-pp.de/

Forum
http://www.coaching-board.de/
https://www.xing.com/net/coaching/
https://www.xing.com/net/coachingconvention/

Coaching-Ausbildungen
http://www.coaching-index.de/
http://www.hamburger-schule.net/

Einen Coach finden
http://www.coach-datenbank.de/
http://www.coachingportal.de/info.html
http://www.coach-profile.de/

Perspektiven- und Verhaltensänderung

Jede Änderung von Perspektiven und/oder Verhalten eines Menschen kann nur beim und durch diesen Menschen selbst geschehen. Der Coach kann diesen Prozess nur unterstützen, leiten und begleiten.

9. Oktober 2009

Leistungsgesellschaft, Glück und Erfolg

In der Leistungsgesellschaft ist es vor allem der Erfolg, der uns glücklich zu machen hat. Er folgt - so die Grundannahme - der von uns erbrachten Leistung. Er lindert den stechenden Neid, den wir fühlen, wenn andere erfolgreich sind. Er verschafft uns Neid erheischende Statussymbole, ein sicheres Einkommen und Familien, die uns als potente Ernährer schätzen. Wir fühlen uns als Mitglieder der Gesellschaft bestätigt, in ihr angekommen. Das alles zusammengenommen lässt uns glücklich sein - angeblich.

Träume und was aus ihnen wird...

Neid ist der eine große Antrieb unserer Gesellschaft und ein sehr moderner. Die Bauern der vergangenen Jahrhunderte waren nicht neidisch auf den Kaiser und dessen unsagbaren Reichtum. Denn sie konnten sich nicht mit ihm vergleichen. Er war aus einer anderen, unerreichbaren Sphäre der Gesellschaft. Heute gibt es keine Stände mehr, jeder trägt Jeans und hat vermeintlich die gleichen Voraussetzungen, um sein eigenes Glück zu schmieden. Es gibt angeblich nichts, dass mich daran hindern würde, ein Kanzler zu werden oder ein Rockstar oder wenigstens ein Millionär.

Wo kommt der Stress her?
Die Logik der meritokratischen Leistungsgesellschaft, wo also der, der sich streckt und Leistung bringt auch seinen Rang verdient, scheint im Umkehrschluss zu meinen, dass der, der keinen Erfolg hat, auch selbst daran Schuld ist. Solche unterschwelligen, aber weit verbreiteten Annahmen setzen viele von uns unter einen immensen Druck, dessen Ursprünge und Alternativen im Alltag oft nicht zu entdecken, dessen Folgen aber in Stress und Unzufriedenheit hart zu spüren sind. Wir haben Angst vor dem Scheitern, denn dann wird unsere Unzulänglichkeit deutlich und wir dem Urteil der anderen ausgesetzt. Und diese Angst vor dem Versagen ist der andere große Antrieb der Leistungsgesellschaft. Anders als zu Zeiten der griechischen Tragödie, als ungenügende Umstände oder zornige Götter noch zum Scheitern führten, kann man heute nicht mehr edel scheitern.

Wundersamer Weise übernehmen viele von uns die egozentrische Lebensphilosophie der Leistungsgesellschaft und versuchen ihr Leben danach auszurichten. Coaching zur Leistungssteigerung hat Hochkonjunktur. Überall kann man lesen, wie man erfolgreich und mithin glücklich wird. Das Einmaleins dazu kommt aus der Management-Schule: Plan & Execute. Die zwei Voraussetzungen: Man muss erstens wissen, was man will und zweitens muss man wissen, wie man es bekommt. Auch Stretch Goals sind beliebt. Also ausschließlich die Früchte begehren, die so hoch hängen, dass man sich danach strecken muss. So wachse man über sich hinaus.

Was will der Mensch wirklich?
Das seien die Rezepte, um erfolgreich und glücklich zu werden. Das eigentliche Problem ist damit jedoch noch gar nicht erkannt: Es ist uns Menschen gar kein grundlegendes Bedürfnis zu planen, Ziele zu setzen und dann auch noch hart daran zu arbeiten. Das ist viel zu anstrengend. Wie überall im Leben geht es vornehmlich darum, Aufwand zu minimieren und angenehm stimuliert zu überleben. Wir wollen essen, uns amüsieren und auf der faulen Haut liegen. Die meisten von uns würden sich freuen, wenn sich die Dinge im Leben so dahinschuckelten. Es wäre doch total pervers, wenn wir nur unter Anstrengungen glücklich sein könnten, indem wir permanent auf Hochtouren funktionieren. Deshalb ist auch Lotto so beliebt. Wenn man die Zahlen angekreuzt und die 10 Euro bezahlt hat, dann hat man alles menschenmögliche für sein Glück getan. Dann heißt es nur noch warten. Wenn es nicht klappt, dann ist es jedenfalls nicht unsere Schuld.

Was ist Erfolg für dich?
Wenn man schon erfolgreich sein will, dann könnte man vielleicht aufpassen, dass man eine eigene Vorstellung von Erfolg entwickelt und nicht einfach die übernimmt, die man von seinen Eltern, Lehrern oder Kultureliten serviert bekommt. Dazu ist es nötig, dass man den Erfolgs-Neid und die Angst zu Scheitern hinter sich lässt und sich Ziele setzt, die einen wirklich erfüllen. Sicher: Diese Ziele zu identifizieren, ist leichter gesagt als getan. Aber sich selbst dazu zu befragen, ist ein guter Anfang.

8. Oktober 2009

Die Erste Sitzung

"Coaching ist ein Prozess, der dem Klienten dabei hilft, über Selbsterkenntnis (self awareness) und soziale Wahrnehmung (socaial awareness) eigene Ziele, Potentiale und Hindernisse zu erkennen und diese durch konkrete Handlungen und Verhalten zu erreichen oder zu überkommen."

Das ist in etwa die Definition, auf die sich unsere Arbeitsgruppe in einigte. Definitionen der anderen zwei Gruppen enthielten noch die Idee der Entfaltung (un-locking), die vielleicht etwas stärker als unser "Potential" zeigt, dass es beim Coaching vor allem darum geht, dass der Klient entdeckt, was er will und was er kann und wie er dahin kommt. "Werde, der du bist" wie Nietzsche sagt. Ein zuerst vages Gefühl entfaltet sich über Bewusstmachung zu einem Aktionsplan, wenn man so will. Weiter Stichworte, zum Thema was Coaching sei:

7. Oktober 2009

Fachliteratur (English)

Empfohlen
  • Co-Active Coaching, Whitworth, Kimsey-House and Sandahl, Davies-Black (publisher)
  • Effective Thinking Skills, Richard Nelson Jones, Cassell
  • The Complete Guide to Coaching at Work, Zeu & Shiffington – McGrath, Hill
  • Coaching for Improved Work Performance, Ferdinand F. Fournies, McGraw Hill
  • Coaching for Performance, 3rd Edition, Sir John Whitmore
  • Psychological dimension of executive coaching, Peter Bluckert

Weiterführend
  • Life Coaching, Eileen Mulligan/ Piatkus
  • Secrets of a CEO Coach, D.A. Benton, McGraw Hill
  • Executive Coaching, Mary Beth O’Neill, Jossey-Bass
  • Take yourself to the Top, Laura Berman Fortgang, Thorsons
  • Take Yourself to the Top of Your Life, Laura Berman Fortgang, Thorsons
  • Living your best life, Laura Berman Fortgang, Thorsons
  • Build your own rainbow, Hobson & Sadly, Lifeskills
  • Time Management, Hobson & Sadly, Lifeskills
  • How to Manage Stress for Success, Sara Zeff Geber, Amacom

Weiterführend II
  • The Inner Game of Work, Timothy Gallwey
  • Excellence in Coaching, The Industry Guide, Passmore editor.
  • Appreciative Coaching, Orem, Binkert, Clancy
  • The Psychology of Executive Coaching, Bruce Peltier
  • The Power of Full Engagement, Jim Loehr and Tony Schwartz
  • Coaching the Team at Work, David Clutterbuck
  • Authentic Happiness, Martin Seligman (www.authentichappiness.com)
  • Awaken the Giant within, Anthony Robbins (on NLP techniques)
  • Goals, Brian Tracy
  • Now discover your strengths, Buckingham
  • What Colour is your parachute?, Richard Bolles
  • What type of career?, Donna Dunning (on the use of MBTI in career coaching)
  • Introducing NLP, Joseph O’Connor and John Seymour
  • A New Earth – awaken to you life’s purpose, Eckhart Tolle

6. Oktober 2009

Willkommen...

...auf meinem Logbuch für Philosophie und Coaching!

Im Oktober 2009 habe ich im Coach Institute Ireland eine Coaching-Ausbildung begonnen, an dessen Ende ein Diploma in Business, Executive and Personal Coaching steht. Die Ausbildung ist von folgenden Körperschaften anerkannt:
  • Institute of Leadership and Management (London)
  • Psychological Society of Ireland (PSI)
  • Engineers Ireland
  • Life & Business Coaching Association of Ireland
Dieser Blog wird mir und interessierten Lesern als Logbuch meiner Lern- und Praxis-Erfahrung dienen. Ich hoffe hier regelmäßig über erlernte und erarbeitete Erkenntnisse berichten zu können. Lesern biete ich hiermit an, auf meine Einträge zu reagieren und bei Interesse mit mir in Kontakt zu treten.

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