29. Oktober 2009

Journal of Learning 02 (dritte Sitzung)

Das Erwerben von Fähigkeiten der Teilnehmer in unserer Gruppe läuft bisher vor allem über das sogenannte Practice/Feedback-Modell (Übung/Rückmeldung). In diesem Modell findet man sich zur Simulation von Coaching-Situationen in Dreier- oder Vierergruppen zusammen, wobei ein Teilnehmer den Klienten spielt, einer den Coach und einer oder zwei nur Beobachter sind, die nach jeder Simulation Feedback geben.



In diesem Sinne verliefen auch wieder große Teile der dritten Sitzung, in der es vor allem um aktives Zuhören ging. Das klingt erst einmal trivial, aber es ist alles andere als einfach. Das fängt damit an, dass mancher sich gar nicht so lange konzentrieren kann, um einem anderen aktiv zuhören zu können. Ein weiteres Problem kann sein, dass man sich kaum mit der Bewertung des Gesagten oder gar mit Lösungsansätzen zurückhalten kann. Das sogenannte Spiegeln in Körpersprache und Stimme wird in der Regel den Zugang zum Klienten eröffnen und dem Coach das Zuhören als aktiven Vorgang einsetzen lassen.

In dieser Übung ging es also darum, als Coach das aktive Zuhören zu erproben. Mir persönlich half es, den Klienten vor allem anzusehen, seine Körpersprache zu spiegeln und ganz bewusst ein genuines Interesse an seiner Geschichte zu entwickeln. "Den Klienten anprobieren" war ein Stichwort, das fiel. Sich in den anderen inklusive seiner Körpersprache, seiner Stimmlage und Sprache hineinzuvesetzen und ihn damit quasi von außen nach innen und von innen nach außen heraus zu verstehen. Das gelang eigentlich ganz gut und ich erinnerte mich daran, wie ich bereits als Kind immer anfing die Leute, mit denen ich mich unterhielt, zu imitieren (vorausgesetzt, ich mochte sie). Hier liegt eine weitere Barriere: Wer den Klienten nicht mag, hat es schwerer, sich in ihn hineinzuversetzen und Empathie aufzubringen. Aber auch das ist etwas, das man lernen kann und wird. Das Ziel der Übung war zunächst aber nur, zu wiederholen, was der Klient gesagt hatte und dann mit den anderen Gruppenmitgliedern gegenzuprüfen, ob alles dasselbe gehört und verstanden hatten.


In der Rolle des Beobachters und Feedback-Gebers fühle ich mich immer ganz besonders wohl. Das ist keine Anforderung für mich. Klient oder Coach sein, ist schon schwerer. Als Klient erzählte ich eine persönliche Geschichte vom Tod meiner Katze und wie das mein Verhältnis zu meinen Eltern änderte. Interessant daran war, dass der Coach beim Paraphrasieren tatsächlich Problemfelder und Interpretationen aufzeigen konnte, an die ich zuerst gar nicht gedacht hatte. Im Strengen Sinne hat er mich also nicht verstanden, sondern interpretiert. Nun wird jeder wissen, dass man diese beiden Vorgänge nicht voneinander trenne kann. Erfolg war aber, wenn jemand die Rede des Klienten in etwa so interpretiert hatte, wie der Klient selbst. Eine interessante Übung, weil man zwangsläufig entdeckt, dass man beides tut: Übers Ziel hinausschießen und gar nicht erst am Ziel ankommen.

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