12. November 2009

Der Choleriker im Büro

Illustration: Martin Rathscheck

Auf Arbeit ist der Choleriker am wahrscheinlichsten auf der Chefetage anzutreffen. Er ist eine geborene Führungspersönlichkeit. Er hat wenig Skrupel Bleistifte zu zerbrechen, Untergebene anzuschreien oder auch mal mit einem Dossier zu werfen. Der Choleriker ist ungeduldig und will, dass die Dinge erledigt werden, sofort. Man darf den Choleriker nichts fragen. Er gibt gerne Anweisungen, aber nie Ratschläge. Ein typischer Dialog zwischen dir und dem Choleriker sieht so aus:


»Chef, wie soll ich dem Kunden denn diese unrealistische Gewinnchance plausibel machen? Wir haben doch nicht einmal eine Marktanalyse gemacht!«

»SCHEISSE, SCHMIDT! Das ist mir ziemlich schnurz! Ich bezahle Sie doch nicht, damit Sie mich fragen, wie Sie Ihre Arbeit machen sollen. Machen Sie jetzt, dass der Kunde unterschreibt!«

Der Choleriker wird von Erfolg angetrieben. Es macht ihm dabei gar nichts aus, nicht gemocht zu werden. Im Gegenteil, Furcht und Abneigung seiner Mitarbeiter künden dem Choleriker von Respekt und sind ihm Zeichen seines Erfolges. »It's lonely at the top ...« summt er vor sich hin. Der Choleriker lässt sich gerne für die Errungenschaften seines Teams feiern. Wenn er dann gut gelaunt ist, haut er dir auf den Arsch und macht zotige Witze. Sollte dank seiner Anweisungen jedoch irgend etwas schief gehen, werden unterstellte Kollegen öffentlich mit zerbrochenen Bleistiften beworfen oder ausgepeitscht. Macht über andere ist für ihn Bestätigung seiner Unfehlbarkeit. Im Bett ist der Choleriker oft Masochist und ejakuliert bei Kontrollverlust, aber das ist ein anderes Thema.

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