8. Februar 2011

Hilfe bei der Entscheidungsfindung zur Berufswahl

Roulette - detailIn einem Diskussionsforum habe ich verschiedene Coaches folgende Frage gestellt: "Was sind Ihre Lieblingsmethoden, um einem Klienten zu helfen, herauszufinden, was er/sie wirklich arbeiten will?" Ich wollte nun ein paar der Ideen zusammenstellen, die mir besonders gefallen haben und die auch unkompliziert zu implementieren sind:

Häufig wurde vorgeschlagen, eine Art Kompetenzanalyse zu machen oder Stärken und Qualifikationen zu notieren und dann daraus einen Traumjob zu entwickeln. Eine ähnliche Idee ist, die Klienten danach zu fragen, was sie arbeiten würden, wenn Geld keine Rolle spielte. Man kann gemeinsam untersuchen, wie sich Erfahrungen, Kompetenzen, bisherige Berufe, Motivationen oder Visionen zueinander verhalten. Eine SWOT-Analyse (Stärken und Schwächen mit den damit einhergehenden Chancen und Risiken) kann sicher auch dabei helfen, die Möglichkeiten auf realistische Szenarien einzugrenzen.

Folgende Frage setzt eher bei der Kreativität des Klienten an: "Gesetz den Fall, Sie hätten wirklich noch ein zweites Leben als Mensch. Was würden Sie dann mit Ihrer neuen Chance anfangen? Alles ist möglich." Eine andere schöne Idee ist, verschiedene Stellenangebote auszudrucken, an die Wand zu hängen und dann ein Auswahlverfahren mit Begründung durchzuführen. Eine weitere hilfreiche Frage ist: "Wofür werden sie von ihren Mitmenschen bewundert?" Das kann helfen, Begabungen zu identifizieren, die man bei sich selbst gar nicht mehr wahrnimmt. Was mir an der Frage außerdem sehr gefällt, ist die positive und nährende Stimmung. In eine ähnliche, aber mehr auf den Selbstentwurf zielende Frage ist "Wofür wären sie gerne berühmt?"

Ein Trainer und Coach schlug folgende Schritte vor, um herauszufinden, welche Arbeit einem Klienten besonders liegen könnte:
  1. Mittels einer Hierarchie die zehn wichtigsten persönlichen Werte auflisten (höchster Wert = 10)
  2. Verschiedene Berufsbilder zur Gegenüberstellung heranziehen
  3. Jetzt bewertet der Klient, inwieweit er glaubt jeden Wert bei den verschiedenen Berufen umsetzen zu können. -1 für: Wer kann ich nicht umgesetzt werden. 0 für neutral. 1 für: Wert kann umgesetzt werden.
  4. Nun für alle Werte das Produkt aus (Wertigkeit * Einschätzung) bilden
Wichtige Hinweise kamen auch zum Zustand, in dem sich Klienten solchen Überlegungen hingeben. Beispielsweise ist Entspannung sicherlich ein wichtiger Faktor, um überhaupt zu kreativen Ideen zu kommen. Was auch helfen kann, sind visuelle Aufwärmübungen, z.B. sich aus einem Stapel Fotos die drei heraussuchen, die einen am ehesten entsprechen und dann darüber reden. Solche Übungen können helfen, um Kreativität in Gang zu setzen.

Hervorragend finde ich auch den Hinweis, dass es nicht um "ganz oder gar nicht" geht. Man kann also die Akzeptanz von Werten, Träumen und Real-Anforderungen in ein inspirierendes Nebeneinander bringen. Es muss auch nicht immer der Job sein, in dem man sich erfüllt. Manche wollen gerade das nicht. Sie sehen den Broterwerb als das was er ist und haben darüber hinaus andere Aktivitäten, über die sie sich definieren. Das ist in unserem Arbeitsalltag, in dem wir uns gefälligst im Beruf zu verwirklichen haben, eine fast vergessene Alternative. Wenn ich jedoch überlege, wie viel Zeit wir bei der Arbeit verbringen, sehe ich auch gute Gründe dafür, eine Arbeit zu machen, bei der man sich wohlfühlt oder bei der man sich sogar verwirklichen kann.

Kommentare:

  1. Bei einem Seminar mit Studierenden haben wir folgende Form gewählt: die Klientin hat drei Gruppenmitglieder als Repräsentanten der drei Berufs-Alternativen ausgesucht, ihnen Regie-Anleitungen gegeben und dann miteinander diskutieren lassen. Anregungen dazu gibt's bei Schulz von Thun ("Inneres Team") u.a.
    Interessant war der Moment, als ich ihr vorschlug, mal eine der Rollen zu übernehmen. Die Entscheidung, die sehr spontan fiel, war's dann eigentlich...

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  2. Vielen Dank für diesen Tipp. Das kann man wirklich leicht umsetzen, sobald man mit einer Gruppe arbeitet.

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