23. März 2012

Gunter Dueck mit Riemann zur Psychologie des Wandels

von Fritz Riemann
Gunter Dueck ist einer der besten öffentlichen Redner, die mir in Deutschland zur Zeit bekannt sind. Seine Vorträge lohnen sich immer, weil man innerhalb von wenigen Minuten auf unterhaltsame Weise dramatisch klüger wird. Im unten eingebetteten Video erklärt er die Zumutungen des Wandels und Fortschritts in Unternehmen und der Gesellschaft anhand der Riemann'schen Unterscheidung von zwanghaften und hysterischen Charakteren. Zu Riemanns Buch Grundformen der Angst: Eine tiefenpsychologische Studie sagt Gunter Dueck: "Das muss man irgendwie gelesen haben. Das ist so von 1970 rum. Wissenschaftler mögen es nicht, weil es eine literarische Glanzleistung ist und alles so gut beschreibt. Es ist nicht wirklich bewiesen, aber man kann gut darüber reden."


Noch mal zur Erinnerung die vier Ausprägungen nach Riemann*:
  • Schizoid: Die Angst vor der Selbsthingabe, als Ich-Verlust und Abhängigkeit erlebt
  • Depressiv: Die Angst vor der Selbstwerdung, als Ungeborgenheit und Isolierung erlebt
  • Zwanghaft: Die Angst vor der Wandlung, als Vergänglichkeit und Unsicherheit erlebt
  • Hysterisch: Die Angst vor der Notwendigkeit, als Endgültigkeit und Unfreiheit erlebt

Am Rande geht Dueck auch auf die schizoiden und die depressiven ein und stellt die lustige Theorie auf, dass die depressiven Internet-Nutzer auf Facebook sind, weil da alle Freunde sind und die schizoiden sind bei Google Plus, weil man sich da durch Argumentation und Faktenkenntnissen von einander abgrenzt.

Dueck beschreibt, wie wir uns und unsere Kinder zur Zwanghaftigkeit erziehen und dann aber Flexibilität und Lust am Wandel erwarten. Am Ende geht er auch auf Neuronen-Potentiale, also Alpha-Wellen (entspannter Wachheit: "mit Opa ist schöner") und Beta-Wellen ("Management-Meeting") ein und fordert "hirnwellengerechte Erziehung", anstatt zu versuchen, alle Menschen in dasselbe gewünschte Schema zu pressen (mehr zu Erziehung auch in Duecks Blog-Artikel Der Oberschicht-Code). Natürlich schließt er in dem Vortrag auch an sein Buch Professionelle Intelligenz an. Aber ich will gar nicht lange drüber schreiben, denn so gut, wie er redet kann man gar nicht schreiben:

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