12. November 2017

Die Revolte im Angesicht der Absurdität

Jean Paul Sartre und Albert Camus

Das Philosophie Magazin hat mit "Die Existenzialisten: Lebe deine Freiheit" eine hervorregande Sonderausgabe herausgebracht. Welchen wichtigen Einfluss diese relativ kurze französische Episode auf unsere Zeit von der Aufarbeitung des Faschismus über die 68er Revolten, den Feminismus und noch heute hat, wo wir wieder um die Freiheit des Individdums und die Demokratie kämpfen, werde ich hier nicht weiter ausführen. Im Heft wird vor allem auf die drei Protagonisten Simone de Beauvoir, Albert Camus und Jean Paul Sartre eingegangen. Aber auch deren Vordenker vom radikalen Freidenker Marquis de Sade über Søren Kierkegaard, Friedrich Nietzsche, Edmund Husserl und Martin Heidegger bis hin zu den Zeitgenossen Karl Jaspers und Maurice Merleau-Ponty werden thematisiert.

Albert Camus in 1957 (Robert Edwards, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

3. November 2017

Den Planeten managen, ansttat ihn nur zu verbrauchen

Chris D. Thomas' Optimismus im Zeitalter des Aussterbens

Das Leben als Mensch auf diesem Planeten ist eine paradoxe Sache: Wir machen es uns sehr angenehm, mehr als angenehm – luxuriös sogar und der Verlauf der Geschichte zeigt uns, dass es uns in unserem Anthropozän immer besser geht. Dennoch beschweren wir uns fortwährend über die Folgen, die diese zunehmenden Verbesserungen mit sich bringen. Die dramatischsten Spuren hinterlassen wir in unserer Umwelt, was uns wiederum nervös macht, weil wir in dieser Umwelt leben und damit die erreichten Verbesserungen wieder aufs Spiel setzen. Insbesondere haben wir die Tendenz, uns nach einer Zeit zurück zu sehnen, der wir gerade entkommen sind. Im Rückspiegel sieht diese Vergangenheit plötzlich paradiesisch aus.

Warum der Eisbär zum Braunbären werden muss... (Foto: Susanne Miller, Lizenz: public domain CC0)

Dieser verklärende Blick in die Vergangenheit hilft uns leider nicht, denn die Zeit kommt aus der Zukunft, wie Armen Avanessian und die Akzelerationisten sagen. Die Eisbären machen sich schon mal auf den Weg in ihre neue Zukunft ohne Eis. Und wir Menschen täten gut daran, unsere gesamte planetarische Zukunft zu gestalten, anstatt an einer Vergangenheit zu hängen, die es entweder niemals gab oder die zumindest nie wiederkommen wird. Daher fasziniert es mich immer wieder, andere Denkansätze über unser Fortbestehen in der Gegenwart und Zukunft zu entdecken, wie eben bei den Akzelerationisten, bei Bruno Latour oder dem Projekt Dark Mountain.

Leben ist das, was passiert und wir sind ein Teil davon

Eine absolut ideologiefreie Betrachtung auf das Thema Natur- und Umweltschutz bietet uns Chris Thomas, Professor für Biologie an der englischen University of York und Autor des Buches Inheritors of the Earth: How Nature Is Thriving in an Age of Extinction (deutsch etwa: Erben der Erde: Wie die Natur im Zeitalter des Aussterbens gedeiht):

"Leben ist einfach das, was passiert. Leider oder zum Glück hat das Leben keinen Sinn oder letzten Zweck. Es entstand, wird eine Weile bestehen und dann wieder verschwinden. Naturschutz ist eher ein Ding der menschlichen Perspektive auf die Gegenwart oder die nahe Zukunft ..." (Chris Thomas im Interview der NAUTILUS, meine Übersetzung)

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