6. August 2020

Gegen eine Rückkehr zur »Pathologie der Normalität«

Dieser Artikel von Helmut Johach erschien zuerst in der Agora42, Corona & die Zombiewirtschaft

Nach Corona weiter wie bisher?

Dass ein "Zurück zur Normalität" problematisch ist, zeigt sich schon daran, dass das Reisen nach Wiedereinführung von Grenzkontrollen in Europa und Rückholaktionen aus der ganzen Welt längst nicht mehr so selbstverständlich ist wie früher. Was soll man überdies unter "Normalität" verstehen? Die Bilder und Informationen aus Bergamo am Beginn der Krise haben uns erschreckt, aber das Elend, das uns aus Ländern in Asien, Afrika und Lateinamerika entgegenkommt, ist nicht weniger schlimm. Das Sars-CoV-2-Virus und die getroffenen Gegenmaßnahmen haben die Situation der Betroffenen schon jetzt so nachhaltig verändert, dass es eine "Normalität" für alle auf absehbare Zeit nicht mehr geben wird.

Erich Fromm 1974
"Pathologie der Normalität" – Erich Fromm (Müller-May / Rainer Funk, CC BY-SA 3.0 de)

Bei der Behandlung des Themas Normalität in Zeiten der Corona-Krise stellen sich zwei Fragen. Erstens: Hat die Corona-Krise mit ihren Restriktionen nicht auch etwas Gutes, das bei der Diskussion über die Wege in eine wiederherzustellende Normalität berücksichtigt werden sollte? Zweitens: Besteht vielleicht eine Diskrepanz zwischen dem, was gesellschaftlich als "normal" und "gut" angesehen wird und dem, was für den Einzelnen und sein leib-seelisches Wohlbefinden gut ist? Zur Beantwortung der ersten Frage kann man sich auf eigene Eindrücke und Erfahrungen stützen. Zur zweiten Frage hat sich der Psychoanalytiker und Sozialphilosoph Erich Fromm (1900–1980) Gedanken gemacht und sie mit seiner These von der "Pathologie der Normalität" beantwortet.

Die Pathologie der Normalität

Erich Fromm gehörte nach seiner Ausbildung als Soziologe und Psychoanalytiker dem Frankfurter Institut für Sozialforschung an und emigrierte aufgrund der Judenverfolgung durch die Nazis in die USA. Auch in späteren Jahren blieb der früh entwickelte kritische Ansatz in seinem Werk weiter wirksam. So sprach er in Wege aus einer kranken Gesellschaft (1955) von einem durch das kapitalistische Wirtschaftssystem vorgeprägten "Defekt", der einen Menschen erzeuge, der "wie ein Automat handelt und fühlt"; und in seinem Bestseller Haben oder Sein (1976) kritisierte er nicht nur die "Religion des Industriezeitalters und der kybernetischen Ära", sondern thematisierte auch die Umweltzerstörung und die Grenzen des Wachstums.

Als Therapeut, der sich mit der Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft befasste, stellte Fromm fest, dass gerade die gesellschaftlich Angepassten keineswegs die Gesündesten sind, sondern mit psychosomatischen Erkrankungen und Burnout oder mit Problemen wie Interesse- und Sinnlosigkeit zu kämpfen haben. Suchtprobleme, Depression und Suizid verschwinden nicht, wenn es den Menschen materiell besser geht. Leistungsdruck, Konkurrenz und das ständige Drängen nach "Haben" und "Mehr-haben-Wollen" machen vielmehr die Menschen krank:

"Unsere Gesellschaft ist aufgebaut auf dem Prinzip, das Ziel des Lebens sei die größere Produktion und die größere Konsumtion. Fortschritt von Wirtschaft und Technik. Nicht der Mensch! (...) Viele Menschen, das heißt: die Normalen, sind so angepaßt (...), die sind so entfremdet, sind so zum Instrument, sind so roboterhaft geworden, daß sie schon gar keinen Konflikt mehr empfinden."

Dies äußerte Fromm 1980 in einem Interview kurz vor seinem Tod. Ihm zufolge sollen die Menschen ihr roboter- oder zombiehaftes Mitlaufen im gesellschaftlichen Hamsterrad aufgeben und sich der Sinnfrage stellen. Seine Kritik richtet sich gegen die Pathologie des entfremdeten Daseins und der gesellschaftlichen Strukturen, in denen wir leben, denn es sind deren verinnerlichte Automatismen, die unser Denken und Handeln bestimmen und die verhindern, dass wir zur Besinnung kommen.

Hier stellt sich die Frage, worin die Krise möglicherweise ihr Gutes hat, denn dass das Corona-Virus unser gewohntes Alltagsleben mit seinen Automatismen kräftig durcheinander gewirbelt hat, steht außer Zweifel. Einige Beispiele: Zu Ostern gab es diesmal keine kilometer langen Staus auf den Autobahnen, der Papst spendete seinen Segen "Urbi et Orbi" am leeren Petersplatz und die Ausgangsbeschränkungen wurden zwar als einengend empfunden, aber vereinzelt hörte man etwas von überraschenden Entdeckungen in der näheren Umgebung und wiedergewonnener Freude an der Natur.

Die Krise stellt uns vor die Frage, was wir zum Leben wirklich brauchen und was nicht. Dass die Lebensmittelgeschäfte geöffnet blieben, war notwendig; andere Konsumgüter konnten warten. Mittlerweile ist auch der Einzelhandel wieder angelaufen und die Einkaufsmeilen in den Städten sind neu belebt. Deren Ziel ist es, bald wieder die früheren Umsätze zu erreichen und wenn möglich zu übertreffen – nach finanziellen Verlusten die übliche Steigerungslogik. Aber müssen wir da unbedingt mitmachen? Brauchen wir das bunt bedruckte T-Shirt, weil es zum Wegwerfen günstig, das neue Smartphone, weil es angeblich besser als das Vorgängermodell ist? Und müssen wir zum Shoppen mal rasch am Wochenende nach London fliegen? Derartige Exzesse sollten wir rigoros streichen. Beim Konsum könnten wir mehr auf Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltverträglichkeit achten und den alten Spruch wiederentdecken, dass "Weniger manchmal mehr" ist. Genuss braucht Zeit und keine Hektik, sonst werden wir selbst zu Automaten.

Dies gilt nicht nur im Kleinen, sondern auch im Großen.

"Der Immer-Weiter-Schneller-Mehr-Kapitalismus der letzten 30 Jahre muss aufhören. (...) Ein Auslöser der Pandemie liegt auch am Raubbau an der Natur, in der Rodung der Regenwälder. Deswegen müssen wir umdenken und können nicht einfach zur Normalität der Globalisierung zurück- kehren. (...) Die Grenzen der Ressourcen sind endlich und wir nehmen uns ein Vielfaches dessen, was uns zusteht. Wir leben nicht über unsere Verhältnisse, sondern über die Verhältnisse der anderen und unserer Kinder und Enkel."

Das hat kürzlich nicht etwa ein linker Degrowth- und Postwachstumsökonom gesagt, sondern CSU-Entwicklungsminister Gerd Müller.

Der ganz normale Wahnsinn

Unser Weg aus der Krise darf also keine Rückkehr in die Pathologien der alten Normalität darstellen. Dabei gilt es zu bedenken, dass die Lasten der Corona-Pandemie auf verschiedene Gruppen der Bevölkerung ungleich verteilt sind. Nicht nur hierzulande besteht die große Sorge der arbeitenden Bevölkerung darin, ob angesichts von Homeoffice und verordneter Kurzarbeit das Geld noch langt bzw. ob angesichts der weltweit grassierenden Rezession der eigene Job in Gefahr ist. Vor allem prekär Beschäftigte und Solo-Selbstständige machen die bittere Erfahrung von Kündigung und Insolvenz. Die Schließung von Kindergärten und Schulen traf vor allem Mütter und Alleinerziehende, die neben Haushalt und Homeoffice auch noch das Homeschooling der Kinder übernehmen und fehlende Kindergartenbetreuung ersetzen mussten. Zu kurz kamen Bedürfnisse von Kindern, die sich nicht mit ih- ren Spielkameraden treffen konnten und auf die Großeltern verzichten mussten. Besonders benachteiligt sind Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien, denen Entwicklungschancen vorenthalten werden. Rückkehr zur Normalität bedeutet in diesem Fall zumindest, dass Kindertagesstätten und Schulen wieder voll und nicht nur im wöchentlichen Schichtwechsel geöffnet werden. Digitaler Fernunterricht zu Hause kann die Schule nicht ersetzen, denn es fehlen der lebendige Austausch und das soziale Miteinander.

Die Digitalbranche wird weiter von der Corona-Epidemie profitieren, wenn die bisher als Notlösung praktizierten Ausweichmöglichkeiten künftig stärker unseren Alltag bestimmen sollten. Aber ist diese Notlösung nicht eben nur dies: eine Notlösung? Betriebe und Teams sind darauf angewiesen, dass man mit Kolleginnen und Kollegen zusammenkommt und nicht nur zu Hause allein am Computer arbeitet. Video- und Telefonkonferenzen sind zwar manchmal hilfreich, weil sie weite Wege ersparen, sie können jedoch reale Kontakte nicht ersetzen. Der nur noch virtuell und digital verbundene Mensch ist sich selbst und den anderen entfremdet, ohne es zu merken. Wird sich also vielleicht zeigen, dass wir nicht mehr, sondern weniger Digitalisierung brauchen? Dass die "Normalität" mit Smartphones verkoppelter und von den gestressten Eltern der digitalen Abhängigkeit überlassener Jugendlicher ziemlich pathologisch war?

Eine speziell geforderte Gruppe sind die in Krankenhäusern und Altenheimen beschäftigten Pflegekräfte. In der Krise erkannte man ihre "Systemnotwendigkeit". Ihr enormer Einsatz wurde zwar allseits gelobt, teilweise auch durch einmalige Prämien anerkannt, eine tarifliche Aufwertung der Pflegetätigkeit und eine Aufstockung der notwendigen Stellen ist bisher jedoch nicht in Sicht. Der anhaltende Trend zur Privatisierung des Gesundheitswesens und das damit verbundene Sparen am Personal sprechen dagegen. Hier wäre es im Sinne der Gesundheit aller zu begrüßen, solche pathologischen Trends umzukehren.

Eine kontroverse Diskussion löste das Ansinnen von Managern der Autoindustrie aus, dem mangelnden Absatz von Fahrzeugen mit einer "Kaufprämie" nachzuhelfen. Eine solche Prämie wäre der dringend notwendigen Verlagerung großer Teile des Güter- und Personenverkehrs auf die Schiene zuwidergelaufen. Ferner wäre der Kauf hochpreisiger Energieschleudern, wie zum Beispiel so genannter SUVs, aus Steuergeldern subventioniert worden, während man andere Bevölkerungsgruppen, die sich kein Auto leisten können und in der Krise existenziell auf Unterstützung angewiesen sind – wie beispielsweise frei- beruflich Kulturschaffende –, im Regen stehen gelassen hätte. Die Autoindustrie wird sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass nicht nur ein Umstieg auf nichtfossile Antriebsenergien, sondern auch ein genereller Abbau des Kfz-Bestands erforderlich ist. Mit der Verwirklichung der Klimaziele oder wenigstens einer Annäherung daran kann nur gerechnet werden, wenn die Zahl der Kfz-Neuzulassungen nicht Jahr für Jahr weiter ansteigt. Ähnliches gilt für die Anzahl der Flüge. In beiden Fällen könnte die Corona-Krise dazu genutzt werden, sich zur Verlangsamung des Klimawandels auf ein dauerhaft niedrigeres Niveau als zuvor einzustellen.

Weniger Haben, mehr Sein

Das Sars-CoV-2-Virus und die getroffenen Gegenmaßnahmen haben die Situation der Betroffenen schon jetzt so nachhaltig verändert, dass es eine Normalität für alle auf absehbare Zeit nicht mehr geben wird. Normalität muss vielmehr regional und global, für verschiedene Bereiche der Gesellschaft, sozial, klassen- oder schichtmäßig und vielleicht sogar für jeden Einzelnen neu definiert werden.

Die Corona-Krise ist jedoch nicht nur ein Unglück, das wir möglichst rasch überwinden müssen, um zu früheren "glücklichen Zuständen" zurückzukehren und mit dem Wirtschaftswachstum fortzufahren wie bisher. Die Überproduktion und der Hyperkonsum von sogenannten "Gütern", die das Klima, die Umwelt und die Menschen in anderen Regionen der Erde belasten, machen uns nämlich keineswegs glücklich, da sie für mehr Aufwand, Hektik und Stress und letztlich weniger Befriedigung bei uns sorgen. Die Einschränkungen während der Krise können uns Hinweise darauf geben, wie es gelingen kann, ein einfacheres Leben zu führen, das heißt, weniger "haben" zu wollen, um mehr zu "sein", mehr zu spüren, was uns gut tut, welche Fähigkeiten wir haben und wie wir mit anderen verbunden sein können, ohne mit ihnen zu konkurrieren.

Die spürbare Hilfsbereitschaft in der Krise war ein gutes Zeichen. Wir sind keine seelenlosen Automaten, die man nur mit Daten zu füttern braucht, damit sie weiter funktionieren. Als soziale Wesen brauchen wir lebendige Kontakte, menschliche Zuwendung und Anerkennung. Auf manches andere können wir verzichten.



Dr. phil. Helmut Johach hat in Philosophie und Soziologie promoviert und ist Gründungsmitglied der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft.

Kommentare:

  1. Lieber Helmut, ein sehr schöner Beitrag! Mir als unverbesserlichen Grundeikommen-Befürworter ist natürlich sofort eingefallen: Wie viel problemloser wäre alles gewesen, hätten wir das BGE schon vor Corona gehabt.
    Herzlich Günter

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  2. ...nun könnte der hier zitierte Erich Fromm doch in die "Hall of Fame" dieser wirklich guten und anregend-scharfsinnigen Seite unter der Rubrik "Philosophen und Dichter" aufgenommen werden, oder?

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    1. Vielen Dank für diesen Hinweis! Wir haben die Seite entprechend aktualisiert: www.geistundgegenwart.de/p/philosophen.html.

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    2. Und natürlich auch vielen Dank für das Kompliment!

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  3. Das Problem ist immer noch, dass niemand eine Alternative zum "Wachstumszwang" weiß!

    Im Artikel wird einerseits eine wünschenswerte Wende weg vom entfremdeten Dasein gefordert, andrerseits aber auch auf die Situation vieler vom Rückgang Betroffener hingewiesen, die fürchten, dass das Geld nicht zum Leben reicht.

    Kurzarbeit und das Canceln der Insolvenzmeldepflicht sind gerade stark verlängert worden. Das bedeutet doch, dass alles getan wird, um die "alte Normalität" weitestgehend zu erhalten (koste es, was es wolle!), in der Hoffnung, Corona wäre bald vorbei und man könne dann genau so weiter machen, die Verluste aufholen.

    Dabei wäre doch eine Schrumpfung der Wirtschaft sowohl wg. Klima als auch wg. Entfremdung/Produktions- und Konsum-Orientierung eigentlich wünschenswert.

    Ein Widerspruch, den auch dieser Artikel nicht auflöst. Ich fürchte, die Zeit des Lockdowns hat neben punktueller "Besinnung auf das Wesentliche" die negative Folge, dass jetzt vielen bewusst ist, wie sich die Folgen gestalten, wenn wir alle "nurmehr das Nötigste" kaufen.

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  4. Toller Beitrag. "Sein oder Haben" von Erich Fromm ist mein unangefochtenes Lieblingsbuch.

    Auch wenn es mir eigentlich nicht liegt versuche ich mich mal kurz zu fassen:
    Meiner Ansicht nach liegt die industrialisierte westliche bzw. ja eigentlich globale Konsumgesellschaft in einer Mischung zwischen kollektiver erlernter Hilflosigkeit und einer Art Stockholm-Syndrom. Wir haben uns in wenigen hundert Jahren eine Lebenswelt geschaffen in der wir uns im Grunde von Irrsinn und Irrationalem Verhalten abhängig gemacht haben. So viele eigentlich völlig schwachsinnige Jobs die aber irgendwie so eine perverse eigene ökonomische (keine ökologische!) Nachhaltigkeit geschaffen haben. Hauptsache irgendwie wird Geld verdient und ausgegeben.

    Ich meine uns gibt es als Menschen in heutiger vorm seit etwa 250.000 Jahren.
    Vor 70.000 Jahren haben wir komplexere Sprache erlernt und unser Hirn hat sich angepasst. Vor etwa 12.000 Jahren neolithische Revolution, erste Zivilisation, Städte, weg vom Jäger & Sammler-Dasein zur Sesshaftigkeit durch Land- und Viehwirtschaft. Geld, Lohnarbeit und Kapitalismus sind ja erst seit roundabout 500 Jahren ein Thema. Natürlich ist in der Zeit unfassbar viel auch wesentlich besser geworden, gar keine Frage. Dennoch haben wir uns in der verhältnismäßig kurzen Zeit selbst so eine krasse Gehirnwäsche verpasst, das der Verlust von Geld und (Erwerbs)arbeit das schlimmste ist?!?

    Vor etwa 200 Jahren haben die Weberinnen die ersten Webmaschinen kaputt gehauen, weil die Maschinen ja den Menschen die Arbeitsplätze weggenommen haben. Aber ist das nicht eigentlich Irrsinn? Heute gibt es das gleiche Gejammer wegen Automatisierung und Digitalisierung. Ich sehe das Problem gar nicht in dem technischen Fortschritt. Den begrüße ich und fördere ich wo es nur geht. Das Problem sind die Macht- und Eigentumsverhältnisse. Der indirekte Zwang zur Erwerbsarbeit um überhaupt existieren zu können und zu dürfen. Wir könnten schon längst in einer weitestgehend vollautomatisierten Welt leben wo kaum noch Jemand etwas tun MUSS sondern die aller meisten sehr viel tun KÖNNEN. Dieses Verhältnis von KÖNNEN und MÜSSEN hat auch viel mit Erich Fromm zu tun ...

    Es mag kitischig naiv und nerdig sein ist mir aber egal: Ich bleibe ein Fan von Star Trek Picard in den alten Folgen ... 90er Jahre ... Geld ist als Konzept überwunden weil überflüssig geworden, Technologie erfüllt materielle Grundbedürfnisse und erhält sich selbst, es gibt schlichtweg keine Notwendigkeit mehr für materiellen Reichtum und Besitz ... der Mensch entwickelt sich weiter, das ist sein Ziel, "Lebenssinn" ... nicht Geld, Besitz, Konsum und arbeiten bis zum umfallen. Die Maschinenkraft ist für alle da, nicht nur für einige Wenige ... hat Karl Marx schon gesagt.

    Wenn die Arbeitskraft eines Menschen nicht mehr benötigt wird, so heißt es ja nicht das der Mensch überflüssig ist. Jeder Mensch ist grundsätzlich erst mal wertvoll. Es ist dieses ganze verkrustete Denken wie ich finde... dieser ganze verkorkste calvinistisch protestantische Arbeitsethos ... Leistungskultur, Leistungsgesellschaft usw ...

    Nicht der technologische Fortschritt ist "der Feind" sondern wenn dann die, die verhindern das dieser sozialsiert und demokratisiert wird.

    Könnte da noch ewig weiterschreiben und mehr ins detail gehen aber ich wollte mich ja kurz fassen...

    Im Grunde sind wir so eine art Puppe oder Coucoun der nicht weiß was für eine Art Schmetterling aus uns werden wird. Daher schlüpfen wir nicht. Bis vor ein paar Hundert Jahren krochen wir so als Raupe durch die Gegend. Dann eben dieser Übergangsprozess in dem wir jetzt alle feststecken ...
    Es wird zeit das wir ausbrechen und endlich neu denken lernen. Erich Fromm ist da, finde ich, ein gute Leitfaden.

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  5. Etwas größer gefasst, könnte man sagen: Corona und die Maßnahmen bringen alte Missstände nochmal neu ans Tageslicht. Das kapitalistische Wirtschaften mit ewigem Wachstum, zum Beispiel. Wie Harald Lesch einmal sagte: "Wir wollen unendliches Wachstum in einem endlichen Garten." Zwar gibt es kaum mehr eine Firma, die nicht in irgend einer Broschüre das Wort "Nachhaltigkeit" gequält hat, aber eigentlich ist sie kein wirkliches Ziel. Die Flüchtlinge sterben weiterhin vor sich hin, auch weil wir Europäer ihre Heimatländer runtergewirtschaftet haben. Die Schwere zwischen Arm und Reich… alles schon seit Jahren, Jahrzehnten bekannt.

    Für mich als Künstler und Tontechniker ist es eine herbe Krisenzeit, aber wenn man etwas nachdenkt, bemerkt man vor allem, dass man sich durch das Internet quasi verramscht hat. Die Möglichkeit, jederzeit entdeckt werden zu können, bezahlt man mit dem Verschenken seiner Werke auf YouTube und/oder Spotify. CDs zum Anfassen verkaufen sich nur noch bei Konzerten. Einnahmen gibt es nur noch bei Konzerten. Konzerte gibt es nicht mehr. Das Internet frisst seine Künstler.

    Streaming ist kein Ersatz. Weder vom Erlebnis her, noch vom Geld her.

    Etwas anderes ist es da, ein lahmes Business-Meeting, für das "wichtige" Leute durch die Welt fliegen, durch eine Videokonferenz zu ersetzen. Auch das ist nicht das gleiche, logisch. Aber da kann man sich fragen, ob man das vorher wirklich in der Form gebraucht hat.

    Die Kultur als Möglichkeit der Reflektion und des Gefühlsspiegels täte nun besonders gut. Aber in mir keimt der Verdacht auf, dass gerade die, die am lautesten demonstrieren, der Kultur sowieso am fernsten sind.

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  6. Gilbert: "Die Überproduktion und der Hyperkonsum von sogenannten "Gütern", die das Klima, die Umwelt und die Menschen in anderen Regionen der Erde belasten, machen uns nämlich keineswegs glücklich, da sie für mehr Aufwand, Hektik und Stress und letztlich weniger Befriedigung bei uns sorgen."

    Und dazu kommen noch die
    automatisierten Automaten.

    Stell dir mal vor, ein Autobauer hat komplett auf Robotik umgestellt und produziert, was das Zeug hält. Nun passiert ein Fehler und die Maschinen können nicht mehr abgestellt werden.

    Im Prinzip ist das unser altes Wirtschaftsdenken.

    Meinem Gefühl nach bietet uns "Corona" die Gelegenheit, alte eingefahrene Strukturen neu zu denken, die wir ohne Corona in den nächsten 100 Jahren noch nicht in Frage gestellt hätten.

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    1. Ja genau, das wäre die Hoffnung! Deswegen schreiben kluge Leute solche Texte (diesen Text oben habe ich nicht geschrieben), weil damit die Hoffnung verbunden ist, dass wir nicht einfach zur dysfunktionalen Normalität des Zuvor zurückkehren.

      Meine Diagnose ist: Einiges wird anders bleiben und besser werden (z.B. weniger Dienstreisen mit dem Flugzeug oder Auto), anderes wie die Konsumorientierung wird sich nicht so schnell ändern Lassen.

      Beeindruckend ist aber, dass selbst aus wirtschaftsorientierten Organisationen wie dem Weltwirtschaftsforum solche Sätze zu lesen sind: Der Neoliberalismus hat ausgedient!

      Das lässt hoffen.

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