Die philosophischen Höllen des Byung-Chul Han
Byung-Chul Han ist ein interessanter Philosoph der Gegenwart, einer, dessen Texte ich nicht leiden kann. Gerade deshalb kann ich mich natürlich gut daran reiben und gerade deshalb regen sie mich zum denken an. Warum ich sie nicht leiden kann? Weil sie in Sätzen wie "die Diversität ist eine neoliberale Strategie der Produktion" mit einem ideologischen Furor daherkommen, der sich nicht um Differenzierung bemüht und weil sie in der Aneinanderreihung von Behauptungen deren Begründungsnotwendigkeit schlicht ignorieren. Byung-Chul Hans Texte sind in dieser Hinsicht arrogant und das ist in meinem Verständnis anti-philosophisch. Ideologisch kann man Han deswegen nennen, weil er ohne Interesse an den möglicherweise vielfältigen Zusammenhängen der gesellschaftlichen Phänomene lediglich auf das sogenannte "Neo-Liberale" und den "kapitalistischen Markt" abzielt. Nicht, dass ich damit nicht sympathisiere, aber diese Aspekte allein machen noch keine Realität.So auch in seinem Text "Der Terror des Andersseins" (Auszüge aus Die Austreibung des Anderen, das im September 2016 erscheinen soll) im neuen Philosophie Magazin. Terror? Wirklich? Ich weiß nicht, aber das ist ein starker Begriff in einer Zeit, in der Terror ganz praktisch bedeutet, dass Leute in den U-Bahnen unserer Städte ihre Beine oder ihr Leben verlieren, in einer Zeit, wo die Gemeinschaften im Ursprungsgebiegt unserer Zivilisation zwischen gierigen Diktatoren auf der einen Seite und fanatischen Glaubenskriegern auf der anderen Seite pulverisiert werden. Han setzt noch einen drauf, wenn er sagt, dass dieser vermeintliche Terror des Andersseins "in die Hölle der Konformität" führe. Lautes Gebrüll für einen teilhabenden Beobachter der Wohlstandsgesellschaften.




