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Erkenne dich selbst. Der Rest kommt (fast) von allein.

24. Dezember 2017

Erinnerungen und was sonst von der Kindheit bleibt

Acht Kindheitserinnerungen von acht Autoren

Vor zwei Wochen schrieb ich einen kleinen Text über das Erinnern, die Nostalgie und die Kindheit. Seitdem haben mich viele Zuschriften von Freunden, Autoren und Bekannten erreicht, in denen sie von ihren Erinnerungen berichten, ein paar spontane Erinnerungen kann man auch in den Kommentaren unter dem ursprünglichen Artikel lesen. Ohne weitere Worte will ich einige der mir zugesandten Erinnerungen einfach hier wiedergenben. Viel Spaß beim Lesen und Erinnern und vielen Dank an die Autoren!

Io und Beat, Foto von Elisabeth Göhring

12. Dezember 2017

Schreibt mir eure Kindheitserinnerungen!

Was haben unsere Erinnerungen mit uns heute noch zu tun?

Wir alle haben wohl mehr oder weniger starke Kindheitserinnerungen. Ich habe eine ganze Menge davon. Viele meiner Erinnerungen betreffen das soziale Lernen, beispielsweise, wie mir meine Mutter das erste uns einzige Mal in meinem Leben eine scheuerte, weil ich sie vor anderen im Kindergarten eine "blöde Kuh" genannt hatte. Was das heute noch mit mir zu tun hat? Vielleicht habe ich damals eine wichtige gesellschaftliche Lektion gelernt, etwa wie sehr eine öffentliche Kränkung Menschen zum äußersten bringen kann (denn schlagen war tabu). Eine andere Erinnerung ist, wie die Mutter meines Freundes ihm zur Strafe mir anbot, all seine Süßigkeiten aufzuessen. Was ich dann prompt tat. Es fühlte sich nicht gut an. Eine dritte Erinnerung ist, wie ich einen erwachsenen Mann auf einer Leiter ein Arschloch nannte und wegrannte. Nur, um zu Hause ganz außer Atem anzukommen, wo mein Vater schon auf mich wartete, weil er einen Telefonanruf von eben diesem Mann bekommen hatte. Natürlich habe ich auch tolle prägende Erinnerungen wie die Fahrradtouren mit Freunden zu den Seen im Berliner Norden oder die schier endlosen Sommer mit den Pferden auf dem Gestüt in Graditz, wo meine Tante lebte.

Bilder meiner Kindheit

Eine Erinnerung ganz anderer Art habe ich an die ostberliner Neubauwohnung, in der ich in den 70er Jahren aufwuchs und wie schrecklich ich unser schwarzes Bakelittelefon mit der schwergängigen Wählscheibe und dem brutalen Klingeln fand. Dieses Klingeln schien ab und an ohne jegliche Vorwarnung das ganze Haus zu erschüttern. Irgendwie war es mir unheimlich, dass da jemand mir noch unbekanntes aus der Ferne so ein brutales Geräusch über ein totes Gerät in meiner Wohnung verursachte. Das Klingeln erschreckte mich nicht nur durch seine Plötzlichkeit, sondern – und das ist jetzt natürlich die nachträgliche Interpretation des Erwachsenen – gab mir auch das Gefühl dafür, wie es sein müsste, nicht da zu sein. Denn das Klingeln wäre trotzdem da, nur eben ungehört. Es jagte mir kalte Schauer über den Rücken und ich ging nicht ran.