9. Juni 2011

Hört überhaupt jemand zu?

Hörhilfen für eine Kultur des Zuhörens
Zuhören ist leichter gesagt als getan. Es klingt so, als müsste man nur dasitzen und sich berieseln lassen. Aber das Gegenteil ist der Fall: Zuhören ist schwierig. Oft erfordert es eine Menge Energie, das Gesagte überhaupt zu verarbeiten und einiges an guten Willen, am Ball zu bleiben. Warum sind wir so schlechte Zuhörer? Wir lernen es nicht in der Schule, anders als z.B. lesen und schreiben. Außerdem hat der Sprecher bei uns die Macht. Er macht die Ansagen: "Hör mir gut zu!" Und: "Tu, was ich dir sage!" Wer zuhört, der dient. Und das kann wundervoll sein. Man nimmt eine bescheidende, aber mächtige und vor allem wahrnehmende Haltung ein.

Es ist unheimlich schwer, überhaupt zu verstehen, was der Gesprächspartner sagt. Oft ist man so auf seine eigenen Interessen im Gespräch konzentriert, dass man nur hört, was diesen Interessen zu dienen oder zuwiderlaufen zu scheint. Oder man ist einfach abgelenkt und ungeduldig, weil man sich lieber einer anderen Sache zuwenden würde. Oder man ist fast paranoid und interpretiert alles als Angriff, was der andere sagt. Oder man hat gerade gegessen, die Augen fallen einem zu und man kann sich kaum konzentrieren. Dabei ist das Zuhören der Schlüssel zur guten Kommunikation. Richtig zuhören verändert und verbessert jede Beziehung, ob auf der Arbeit oder zu Hause. Wenn man das Optimum aus einer Tätigkeit herausholen möchte, muss man sich auf sie konzentrieren. Das gilt auch fürs Zuhören. 

Hier sind ein paar Tipps, wie man gut zuhört
  • Identifizieren Sie zuallererst die Situation und treffen Sie bewusst die Entscheidung: "Ich möchte jetzt konzentriert nur zuhören."
  • Nehmen Sie sich die Zeit, Störquellen auszuschalten und das richtige Umfeld zu schaffen. Wie überrascht wird ihr Partner sein, wenn Sie sagen: "Warte mal; damit ich dir in Ruhe zuhören kann, lass mich mal die Tür und das Fenster zu machen und dann setzen wir und hier hin."
  • Stellen Sie Augenkontakt her und erfassen Sie den Partner in seinem gesamten Körperausdruck: Wie sieht der Partner aus, geht es ihm gut, wirkt er müde, traurig, gestresst, erregt, glücklich...? 
  • Finden Sie interessant, was ihr Partner sagt. Das ist ein aktiver Vorgang, den Sie steuern: das Interessante im Gesagten suchen. 
  • Halten Sie sich zurück mit Ihrer eigene Wertung über das, was der Partner sagt. Vielmehr versuchen Sie nur zu verstehen und haben Sie Mitgefühl.
  • Üben Sie Zurückhaltung mit guten Ratschlägen, solange sie nicht erbeten werden, hören Sie nur zu, unterbrechen Sie den Partner nicht.
  • Bleiben Sie konzentriert! Wenn Sie merken, dass ihr Geist zu wandern beginnt, dann fokussieren Sie sich zurück auf ihr Gegenüber: Was passiert im Gesicht des Partners, gibt es Änderungen in der Körperhaltung, in der Stimmlage, wohin geht die Geschichte...? 
Die Tipps passen vielleicht nicht in jede Alltagssituation, garantieren aber ein wirklich aktives Zuhören, wenn es darauf ankommt. Tun Sie es einfach beim nächsten mal, wenn sich die Gelegenheit bietet. Sie werden sehen, es ist erstaunlich. Erwarten Sie nur nicht, dass es Ihnen sofort damit gedankt wird, dass man auch Ihren Geschichten ausgiebig zuhört. Aber Sie machen den ersten Schritt, die Kultur des Zuhörens in Ihrem Umfeld zu etablieren. Außerdem werden Sie merken, wie viel reichhaltiger Ihre Umwelt wird, wenn Sie ganz bewusst aufnehmen, was andere ihnen sagen. Und ihre Partner werden es Ihnen danken, denn wie oft hört schon jemand wirklich interessiert zu.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen