Suche einer universalen Grammatik
Ein Essay von Jared Marcel Pollen
Träumer und Philosophen haben sich schon lange von der Vorstellung verführen lassen, dass ein universelles Zeichensystems imstande sei, das gesamte menschliche Denken in Schriftzeichen abzubilden. Das Rätsel um das Voynich-Manuskript ist dabei nur ein besonders schönes Beispiel.
Das Voynich-Manuskript
Im Winter des Jahres 1890 entkam ein polnischer Revolutionär namens Michał Habdank-Wojnicz der eisigen Ödnis eines sibirischen Gefängnisses und durchquerte Europa im Verborgenen. In Hamburg versteckte er sich auf einem Schiff mit Kurs auf England – ein Land, das bereits anderen revolutionären Exilanten wie Karl Marx und Peter Kropotkin Zuflucht gewährt hatte. Wojnicz stammte aus einer Adelsfamilie, hatte sich jedoch von seiner Klasse losgesagt. Als junger Mann schloss er sich der revolutionär-sozialistischen Partei "Proletariat" an, die Polen von der zaristischen Herrschaft befreien wollte. Nachdem der Versuch gescheitert war, zwei zum Tode verurteilte Genossen zu befreien, wurde er verhaftet, monatelang in der Warschauer Zitadelle festgehalten und schließlich tief ins Innere des Russischen Reiches deportiert. Fünf Monate nach seiner Flucht ließ er sich in London nieder und eröffnete dort eine Buchhandlung für revolutionäre Literatur.


