21. Dezember 2011

Pinkers Optimismus oder die Abnahme der Gewalt

Zur Datenlage des humanistischen Fortschritts

Der Autor Sam Harris hat ein wunderbares Interview mit Steven Pinker (Professor der Psychologie an der Harvard University) zu dessen These, dass die Gewalt historisch mehr und mehr abnimmt, veröffentlicht. Siehe auch Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit.

Pinkers These hat mich bereits seit einer Weile fasziniert, nicht zuletzt, weil ich gerne glauben möchte, dass es Grund zum Optimismus gibt und dass unsere auf Wissenschaft und Vernunft basierende Kultur sich am Ende in der Praxis unserer aller Leben und der unserer Kinder bewähren wird. Mir gefällt an Pinkers These, dass sie dem populären Irrglauben widerspricht, früher sei alles besser gewesen. Ich denke, dass dieser Irrglaube einer der Hauptgründe für unsere Unzufriedenheit ist und unseren Willen lähmt, die Welt kontinuierlich besser zu machen. Das Interview mit Pinker liegt nur auf Englisch vor. Es ist jedoch so relevant für unser Verständnis der Menschheit, unserer Geschichte und Zukunft, dass ich wesentliche Teile hier auf Deutsch zugänglich machen möchte. Ich habe einige Passagen ausgelassen, wenn ich sie weniger relevant für das Thema hielt. Ich freue mich auf eine Diskussionen in den Kommentaren. Jetzt aber erst mal viel geschichtsphilosophische Freude mit Steven Pinker...

Ich nehme an, dass die meisten Leute, die Ihre These hören, dass menschliche Gewalt stetig abnehme, sehr skeptisch sind: War das 20. Jahrhundert nicht das gewalttätigste der ganzen Geschichte?
Wahrscheinlich nicht. Die Daten der Jahrhunderte zuvor sind zwar kaum komplett, aber die Schätzungen anhand von Todesfällen im Verhältnis zur jeweiligen Weltbevölkerung zeigen mindestens neun große Schreckensereignisse vor dem 20. Jahrhundert, die schlimmer als der 2. Weltkrieg waren. Diese passierten im Zusammenhang von zusammenbrechenden Imperien, Invasionen von Reitervölkern, Sklavenhandel oder der Vernichtung von Eingeborenen Völkern im Namen von Religionen. der 1. Weltkrieg schafft es nicht einmal in die Top 10.
Außerdem besteht ein Jahrhundert nun mal aus mehr als den ersten 50 Jahren und die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war eine Periode des langen Friedens zwischen den Weltmächten und einem anschließenden neuen Frieden mit erstaunlich geringen Kriegsgeschehnissen.

Aber besonders die "atheistischen Regime" des 20. Jahrhunderts haben doch zig Millionen Menschen ermordet!
Das ist ein populäres Argument der "Theo-Konservativen" und der Kritiker des neuen Atheismus, aber aus vielen Gründen ist das Argument historisch gesehen nicht akkurat.
[...]
Wenn es um die Geschichte der Gewalt geht, ist die signifikante Unterscheidung nicht die zwischen theistischen und atheistischen Regimen. Es ist die zwischen Regimen, die auf dämonisierenden utopischen Ideologien gründen (inklusive Marxismus, Nazismus und militanten Religionen) und den säkularen liberalen Demokratien, die auf dem Ideal von Menschenrechten fußen. Ich beziehe mich auf Daten von Rudolph Rommel, die zeigen, dass Demokratien weitaus weniger mörderisch sind, als alternative Regierungsformen.

Ihre Behauptung, dass die Gewalt abgenommen hat, basiert auf dem Vergleich der Todesraten im Verhältnis zur Größe der Weltbevölkerung. Ist das fair? Sollten wir stolz auf uns sein, einfach nur, weil die Bevölkerung zugenommen hat?
Man kann es sich von allen Seiten ansehen und stellt immer wieder fest, dass es nicht auf die absolute Zahl von Todesfällen ankommt, sondern auf das Verhältnis von Toten zur Bevölkerungszahl. Zuerst einmal wächst mit der Anzahl der Bevölkerung auch die Anzahl der potenziellen Mörder, Despoten und Sadisten. Wenn also im Verhältnis weniger zu Tode kommen, obwohl wir immer mehr Menschen werden, dann muss etwas wichtiges passiert sein, selbst wenn die absolute Anzahl der Toten ansteigt. Denn die Anzahl derer, die nicht der Gewalt zum Opfer fallen ist ja noch viel deutlicher angestiegen.
Zweitens landet man bei Absurditäten wie diesen, wenn man sich auf die absoluten Zahlen stützt: a) Es ist besser eine Population auf die Hälfte zu reduzieren und die Morde im Verhältnis gleich zu halten, als eine Mordrate um ein Drittel zu vermindern. b) Selbst wenn die Zahlenverhältnisse gleich blieben, wäre eine wachsende Bevölkerung immer schlechter dran, denn die absoluten Zahlen von Todesfällen steigen. c) Jedes in die Welt gesetzte Kind ist moralisch gesehen falsch, denn es besteht die Chance, dass es einer Gewalttat zum Opfer fallen wird.
Alles wird ziemlich klar, wenn man sich die Frage stellt: Wie wahrscheinlich ist es, dass ich einer Gewalttat zum Opfer falle, wenn ich in diese oder jene Geschichtsperiode geboren wäre? Wir müssen uns also auf die Rate und nicht auf die Anzahl der Gewalttaten konzentrieren.
[...]

Hatten wir nicht einfach nur Glück? Hätten sich Churchill und Stalin nicht gegen Hitler gestellt und die Deutschen ihre Nuklearwaffen fertiggestellt, dann würden wir jetzt alle unter den Grausamkeiten des Dritten Reiches leben.
Ja, aber das stimmt doch in beide Richtungen. Wie John Mueller sagt, "wäre Hitler in die Kunstszene statt zur Politik gekommen, wäre er im 1. Weltkrieg gefallen, 1923 in der Bierhalle erschossen worden, hätte er die Autounfälle nicht überlebt, die Macht im Reichstag nicht erlangt oder wäre er sonst irgendwie vor 1939 (oder 1940) aus dem Amt entfernt worden, dann hätte dieser Krieg nie statt gefunden."
[...]

Sie schreiben die Abnahme der Gewalt den Kräften der Moderne und der Aufklärung zu. Deutschland aber war eines der kultiviertesten, fortschrittlichsten und kosmopolitischsten Gesellschaften am Anfang des 20. Jahrhunderts. Zeigt uns das nicht, dass kulturelle und intellektuelle Standards keinen Schutz gegen die Barbarei bieten?
Es ist irreführend, eine ganze Gesellschaft auf einen Charakter runterzubrechen. Es gab im damaligen Deutschland Subkulturen, die kosmopolit und liberal waren. Aber es gab auch unter den Eliten Subkulturen, die den Modernismus und die Aufklärung ablehnten und einem romantischen Militarismus und der Blut- und Bodenmentalitär verfallen waren. Das Problem war, dass es den letzteren gelang, die ersteren umzubringen. Soziologische Erkenntnisse zeigen uns, dass das zum Verstummen bringen abweichender Meinungen dazu führen kann, dass sich Glaubenssysteme etablieren, denen ursprünglich nur ganz wenige in einer Gesellschaft zustimmten.

Gab es nicht Zeiten, in denen die Gewalt anstieg und kann das nicht jederzeit wieder passieren? 
Natürlich. Zum Beispiel die gerade von uns diskutierte erste Häfte des 20. Jahrhunderts, der Anstieg von Verbrechen in den 60er Jahren oder die Bürgerkriege nach der Entkolonialisierung in den Entwicklungsländern. Trotzdem: Alle diese Entwicklungen haben sich systematisch in ihr Gegenteil umgekehrt.
Die Abnahme der Gewalt ist nicht stetig gradlinig von einem Maximalzustand furchtbaren Blutvergießens zu einem umfassenden Frieden. Technologie, Ideologie und sozial-kulturelle Veränderungen konfrontieren uns immer wieder mit neuen Formen der Gewalt. Der Punkt ist aber, das die Menschheit in jedem Fall die Gewalt nach diesen Eruptionen reduzieren konnte. Es gibt statistische Beweise für die Zyklen dieser Schocks und den darauf folgenden Erholungsphasen.
Ob die Gewalt in Zukunft wieder zunehmen wird? Das kann natürlich sein. Ich sage nicht, dass das unmöglich ist, sondern dass bisher die Gewalt in der Menschheitsgeschichte nachweisbar abgenommen hat. Das sind zwei verschiedene Behauptungen.
[...]

Können Sie trotzdem irgendwelche Vorhersagen über die Zukunft wagen?
Ich glaube, die humanitären Bewegungen, die seit der Aufklärung an Kraft zugenommen haben, werden weiterhin Fortschritte machen. Die Hexenverbrennung, grausamen Hinrichtungen, Gladiatorenkämpfe, Sklaverei, Kastration und die Kriege zwischen entwickelten Staaten werden sobald nicht wieder kommen. Auch die Todesstrafe, Gewalt gegen Frauen, Menschenhandel, Kindesmisshandlung und die Verfolgung Homosexueller werden weiter zurückgedrängt werden, wenn auch mit gelegentlichen Rückschlägen. Ich wage mich weit hinaus, denn die Erfahrung zeigt, dass die moralischen Kampagnen der jüngsten Vergangenheit erfolgreich sind. Es besteht eine große Chance, dass wir in den nächsten 50 Jahren weniger blutrünstige Despoten haben werden und dass nukleare Waffen geächtet werden. Auf der anderen Seite sind terroristische Attacken und Bürgerkriege schwer einzuschätzen, da sie so sehr von Aktionen einzelner abhängen. Auch Verbrechensraten sind notorisch schwierig vorherzusagen.

Harris und Pinker diskutieren anschließend noch die Frage, ob nicht einzelne Terroristen, die an Massenvernichtungswaffen kommen, ungeahnten Schaden anrichten könnten und ob die anonymen Tötungsmethoden (z.B. Dronen) nicht auch eine Zunahme an Gewalt bedeuten könnten. Aber Pinker lässt sich von seinem Optimismus nicht abbringen. Die historischen Zahlen und geringen Wahrscheinlichkeiten für solche Szenarien sprechen für Pinkers Theorie. Ich kann nur mit Pinker'scher Ironie sagen: "Sein Wort in Gottes Ohr!"  Wenn ich mir die Geschichte ansehe, dann bin ich jedenfalls auch sehr glücklich, in diese Zeit, genauer gesagt, in das Ende der sozialistischen Diktaturen hineingeboren worden zu sein. Nie zuvor wurde uns Individuen im Schnitt solch ein langes, gesundes und auf persönliche Entfaltung ausgerichtetes Leben ermöglicht. Hoffen wir, dass es nicht der große Scheitelpunkt der Geschichte ist, nachdem alles wieder bergab geht.


Kommentare:

  1. Hm.... das hängt doch alles sehr stark an der Definition von Gewalt.
    Früher brauchte ich eine Horde Ritter um ordentlich Gewalt zu verbreiten, was dann auch jeder in der Nähe gesehen hat, heute mache ich das mit einem börsennotierten Unternehmen und die zigfache Zahl an Leichen in Afrika sieht kaum jemand...

    Meine persönliche Meinung ist, daß die Gewalt weder signifikant abgenommen noch zugenommen hat. Sie hat sich nur andere Kanäle gesucht und wird anders wahrgenommen bzw. gar nicht wahrgenommen.
    Eine Abnahme der Gewalt werden wir erst feststellen, wenn sich die menschliche Natur kollektiv verändert hat.

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  2. Hallo Jan, danke für deinen Kommentar. Ist ein interessanter Gedanke und das sollte man auch keineswegs verharmlosen.

    Wenn man sich jedoch wieder Pinkers statistische Methode zugrunde legt, dann kann man ziemlich sicher sagen, dass auch diese andere Form der Gewalt verhältnismäßig abnimmt. Denn Hunger ist geschichtlich und im Verhältnis zur Bevölkerungszahl betrachtet weltweit auf dem Rückzug: "Die Zahl der hungernden Menschen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, steigt jedoch langsamer als die Bevölkerung an: 1990 waren es etwa 822 Millionen, im Jahr 2008 etwa 963 Millionen Menschen." (Wikipedia)

    Das ist genau, was Pinker sagt: Die absoluten Zahlen steigen, aber es nimmt verhältnismäßig ab. Wenn man das umdreht kann man auch sagen: Mehr Menschen als je zuvor können sich ausreichend ernähren.

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  3. Hunger ist die eine Seite. Die Heerscharen an Fabrikarbeitern, die jetzt zwar zu Essen haben, dafür aber unter unwürdigsten Bedingungen (massiver Druck, gesundheitsschädliche Materialien) Produkte für die erste Welt herstellen...

    Ich kann mir vom Bauchgefühl her nicht vorstellen, daß die Zahlen tatsächlich sinken. Im Gegensatz zu Pinker habe ich natürlich keine Statistiken ;-)

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  4. Ja, das Bauchgefühl ist bei solchen Faktenfragen
    nicht so verlässlich. Dazu haben wir ja unsere Wissenschaften ;)

    Aber zum Punkt: Auch die Arbeitsbedingungen haben sich zusammen mit den allgemeinen Lebensbedingungen und im Einklang mit der ganzen Moral der Menschheit historisch stetig verbessert. Hier ein interessanter Ausschnitt von Pinker zum Thema Weiterentwicklung der Moral mit gleichzeitigem Rückgangs des Leids in der Welt (inkl. Minderheiten, Tiere etc.).

    Jan - warum gibst du dich so optimismus-resistent ;) Ich sag ja nicht, dass wir das Himmelreich auf Erden haben, aber warum sollen wir neben den ganzen schlechten Nachrichten nicht auch mal würdigen, wenn irgend etwas nachweislich bergauf geht? Solch ein Fortschritt hilft und motiviert uns vielleicht, weiter an der Besserung der Welt zu arbeiten.

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  5. Dietrich Doerner schreibt z.B:
    "Es ist oft gesagt, aber selten gehört worden, dass der abstrakte Wunsch,
    allen Menschen das Paradies zu bereiten, der beste Weg zur Erzeugung einer konkreten Hölle ist"
    http://ed.iiQii.de/gallery/Die-iiQii-Philosophie/DDoerner_beat_doebe_li
    und bezieht sich dabei ausdrücklich auf Robespierre:
    "Wir wollen in unserem Lande den Egoismus durch die Moral ersetzen"
    ;-)

    "Inoffizieller Zweck ist, im Kollektiv das Kapital zu entmachten und kleinbürgerliche Habgier zu verhindern" (aus: meine jahre mit joschka)
    ;-) Kommt uns das nicht inzwischen bekannt vor?

    An Versuchen, den neuen Menschen zu erfinden hat es in der Geschichte der Menschheit nicht gefehlt:
    Brigitte Hamann schreibt über die Überlegenheits-Strategien in Hitlers Wien:
    http://ed.iiQii.de/gallery/Querdenkerinnen/BrigitteHamann_annefrankguide_net

    Henning Mankell mit Mao:
    http://ed.iiQii.de/gallery/Die-iiQii-Philosophie/Mao_sts_tu_harburg_de
    http://ed.iiQii.de/gallery/Querdenkerinnen/RebeccaMackinnon_edge_org

    Sie alle eint, dass diese Versuche der GLEICHSCHALTUNG DER MENSCHEN ausnahmslos & hoffnungslos gescheitert sind.

    Im übrigen haben sich DIVERSITY-Strategien seit Millionen Jahren in der Evolution als überlegen gezeigt...
    Diversity ist die eigentliche Ressource, aber immer noch nicht auf breiter Front im Alltag umgesetzt.
    (wie auch Eckart Voland als Soziobiologe betont)

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  6. @ Gilbert: Daß ich ein wenig optimismusresistent bin, liegt wahrscheinlich daran, daß ich zuviel Zeitung lese ;-)
    Oder daran, daß ich mir ziemlich sicher bin, daß alle Fortschritte im Bereich Gewalt nichtig werden, wenn die Bevölkerung weiter wächst und wir gleichzeitig kein Mittel finden, den Klimawandel zu verlangsamen oder adäquat auf ihn zu reagieren.

    @ Erich:
    Wenn ich von einer kollektiven Veränderung der menschlichen Natur spreche, dann spreche ich nicht von einer Gleichschaltung von oben.
    Als Freimaurer und als jemand der dem Buddhismus sehr nahe steht, kann es in meinen Augen diese Änderung nur geben, wenn jeder Mensch an sich selbst arbeitet (und nicht an anderen).
    So manch spiritueller Lehrer spricht auch von einem zwingend erforderlichen Bewußtseinssprung der Menschheit, quasi einer Evolution 2.0.
    Ich glaube, daß wir uns dem Punkt, an dem dies nötig wird, nähern und das nicht, weil es insgesamt besser wird, sondern weil es insgesamt schlechter wird.

    Alles Schlechte in der Welt - und die Gewalt gehört dazu - ist Spiegel unserer mangelhaften mentalen Hygiene.

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  7. Zu glauben, alles werde schlechter, ist selbst schon keine gute mentale Hygiene.

    (Und es ist wirklich zu allererst ein Glaube!)

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  8. @ Jan
    ich lese auch zuviel Zeitung und bin von daher mit Punkt 1 Klimawandel prinzipiell deiner Meinung, aber ich sage es in den Worten von
    http://ed.iiQii.de/gallery/Science-TheOnlyNews/PaulREhrlich_stanford_edu
    und unterscheide immer die ultimaten von den individuellen Gründen

    Zu Punkt 2: Ich habe natürlich dir keinen Hang zu Gleichschaltung unterstellen wollen!
    Mehr als interessant finde ich, dass dies immer wieder und v.a. immer noch als Idee existiert, obwohl das Scheitern doch millionenfach bewiesen wurde

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  9. "Zu glauben, alles werde schlechter, ist selbst schon keine gute mentale Hygiene.

    (Und es ist wirklich zu allererst ein Glaube!) "

    Ich glaube ja nicht, daß alles schlechter wird. Ich glaube zum Beispiel, daß meine persönliche Situation sich durchaus im Laufe der nächsten Jahre verbessern wird. Ich sehe auch die enormen Fortschritte, die wir in Deutschland in Sachen Nachhaltigkeit gemacht haben und freue mich darüber.
    Ich bin also nicht in jeder Beziehung Pessimist.
    Nur in Bezug auf den Klimawandel ;-)

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  10. Ein sehr gutes Buch zu dem Thema hat Jan Philipp Reemstma (der ja selbst mal ein Opfer der Gewalt war - Entführung, wenn Ihr Euch erinnert) geschrieben: hier eine Rezension http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/793565/ Ein sehr gutes Buch, in dem Reemtsma auch wie Pinker die Historie beleuchtet, nicht mehr bzgl. Abnahme von Gewalt im Gesamten, sondern auch in Bezug darauf, wie sich unsere Toleranz gegenüber Gewalt verändert hat, wann nämlich wir Gewalt für legitim halten und wann nicht. So kommt er zu dem Schluss, dass Vertrauen und gesundes Misstrauen notwendig sind, um mit Gewalt in unserer Gesellschaft umzugehen.

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  11. Hi Jan, für dich noch ein Tipp, falls du es noch nicht gesehen hast: Klimawandel - ein Glaubenskrieg? Vom Philosophischen Quartett. Fand ich ganz spannend. Solche Entwicklungen versetzen uns oft in Angst und Schrecken und gerade diese Zustände sind meist schlechte Ratgeber. Darüber nachdenken, die Gefahren realistisch einordnen, die Chancen/Lösungsansetze sehen, um nicht in pessimistischer Paralyse zu verharren, ist meine mentale Hygiene. Ab und zu verfalle ich in tiefe Trauer darüber, besonders als ich neulich eine BBC-Reportage zur Entwicklung der Polkappen gesehen habe.

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  12. Pinker: "Aggression und Gewalt sind in der menschlichen Natur angelegt, weil sie in der Evolution förderlich sein können. Der Prozess der Zivilisation läuft aber darauf hinaus, Normen und Institutionen zu schaffen, die Gewalt ersetzen und gewissermaßen unrentabel machen. Geregelter Gewaltverzicht ist schlicht eine Methode des Utilitarismus: Er maximiert den Nutzen für die größtmögliche Zahl."

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  13. Über Xing "Evolutionsmanagement" bin ich auf diese, nun schon etwas ältere Diskussion gestoßen.

    Bei dem Thema Gewalt und dessen statistische Erhebung bin ich etwas ambivalent. Denn hier geht um die Definition, was fällt alles darunter und was wird alles erfasst.

    direkte körperliche Gewalt:
    Zählen dazu nur die Opfer (Tote und Verwundete von Kriegen) oder auch Folter (z.B. in geheimen CIA Gefängnissen), Vergewaltigung, Genital-Vestümmelung, etc.)

    indirekte körperliche Gewalt:
    z.B. Millionen Menschen die an Hunger leiden, da sie die Preise für Grundnahrungsmittel nicht mehr bezahlen können. Welche u.a. durch die Spekulation mit diesen enorm in die Höhe geschnellt sind.

    Psychische Gewalt:
    Erpressung, Mobbing, Verweigerung des Rechts auf Meinungsfreiheit, etc.

    Was ist mit den Staaten und deren Menschen, welche uns nicht genehm sind, und wir sie daher mit Handelsembargo, Schutzzöllen, Verweigerung von Entwicklungshilfe etc. belegen, um sie für uns gefügig zu machen, damit diese Länder eine freiheitlich demokratische Gesellschaft nach unserem Verständnis aufbauen. Ist dies auch Gewalt?

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