30. März 2012

Eldorado Germany - Eine Checkliste für Unternehmen

Dieser Artikel ist für Marketing-Springer entstanden. Elisabeth Göhring widmet sich beim Marketing-Springer Themen um Unternehmenskultur und Management.

Ist Ihr Unternehmen fit für internationale Fachkräfte?


Im Courrier international - als nur ein Beispiel für europäische Presse - liest man vom Wunderkind Europa: L'Allemagne, nouvel eldorado. Qualifizierte Spanier, Franzosen und Italiener kommen ins Land des Fachkräftemangels. Die deutschen Arbeitsämter drehen den Spieß um und fangen an, die Absolventen in den europäischen Ländern für die deutsche Industrie abzufischen. Hunderttausende Ingeneur-Jobs sind unbesetzt. Der Pool ist leer, ein ganz ungewohnter Zustand für die Agentur für Arbeit. Wir brauchen Arbeitslose und finden sie in Süd-Europa. Im ersten Halbjahr 2011 kamen 49% mehr Spanier und 84% mehr Griechen als im Jahr zuvor nach Deutschland. In Baden-Würtemberg gibt es schon wieder Gastarbeiterprogramme.

Der Deutsche fragt: Sind die arbeitslosen Ausländer überhaupt fit für uns?
Sprechen sie deutsch? Sind ihre Abschlüsse und Schulnoten anerkennungsfähig? Sind sie notariell beglaubigt ins deutsche oder schwäbische übersetzt? Die Financial Times berichtet, dass die Goethe Institute einen enormen Anstieg an erwachsenen Schülern verzeichnen, die Deutsch für ihre neuen Jobs lernen müssen. Denn anders als in den Niederlanden oder skandinavischen Ländern, reicht es nicht aus, seine Muttersprache plus Englisch zu sprechen. Deutsch ist immer noch ein Muss, um hier zu überleben.

Sind wir überhaupt fit für die neuen Arbeitnehmer?
Das ist alles schön und gut. Deutsch lernen kann nicht schaden. Aber lernen unsere deutschen Unternehmen auch Europäisch? Strukturen in deutschen Unternehmen sind oft weiterhin extrem quadratisch. Als harmloses Beispiel aus meinem Arbeitsalltag: Unsere Bewerbungsformulare haben wir so toll perfektioniert, dass Postleitzahlen angegeben werden müssen und zwar genau fünf Ziffern und keine Phantasiezahlen. Wir haben das gemerkt, als uns immer mehr internationale E-Mails erreicht haben, weil die Bewerber an unserem Formular verzweifelten. Nun ist das ein relativ einfaches Problem. Wir haben die Restriktionen rausgenommen und die Feldbeschreibungen wenigstens ins Englische übersetzt. Was sollte man außerdem tun, damit man als Unternehmen fit ist für europäische Arbeitnehmer? Ich habe hier eine erste Checkliste zusammengestellt, an der man sich als Personaler oder Firmeninhaber zumindest mal orientieren kann.

Erste Checkliste für Unternehmen

  • Bewerbungsprozesse internationalisieren: Stellenausschreibungen mehrsprachig ausschreiben, Karriereseite der Firma auch auf Englisch anbieten, Prozesse durchlässig machen (siehe Postleitzahlen-Beispiel), Bewerbungen auf Englisch akzeptieren. Offensichtlich empfiehlt es sich dazu, einen Personaler an Bord zu haben, der mindestens fit in Englisch ist.
  • Internationales Willkommenspaket: Stellen sie für Ihre neuen internationalen Mitarbeiter eine Tüte mit kleinen hilfreichen Dingen zusammen: z.B. ein Stadtführer oder eine Karte der Innenstadt, Adressen von hilfreichen Einrichtungen (z.B. Fremdspracheninstitute) und Ämtern, eine Checkliste mit zu erledigenden Formalitäten (Sozialversicherungsnummer, Anmeldungen, Krankenkasse etc.), Hinweise zur Wohnungssuche und so weiter und sofort.
  • Buddy-Programm: Stellen Sie Ihrem neuen Mitarbeiter eine freiwillige Person zur Seite, die nicht nur die Einarbeitung begleiten kann, sondern auch Fragen rund um das Leben in Deutschland und der neuen Stadt beantworten können oder auch willens ist, bei kleinen Formalitäten und Besorgungen zu beraten und zu helfen.
  • Deutschkurse: Bieten Sie Deutschkurse an, wenn Sie mehrere Arbeitnehmer einstellen. Wenn sie nur wenige haben, dann unterstützen Sie das Deutschlernen finanziell und logistisch, geben Sie z.B. einen Zuschuss, erlauben Sie das Lernen während der Arbeitszeit, helfen Sie bei der Anmeldung im Goethe-Institut oder der Volkshochschule.
  • Einarbeitungsunterlagen: Stellen Sie sicher, dass die wesentlichen Informationen, z.B. Unterlagen zur Einarbeitung mehrsprachig anbieten.
  • Vernetzung in der Firma: Treiben Sie eine Vernetzung Ihrer internationalen Arbeitnehmer voran. Das zahlt sich für diese aus (sie fühlen sich nicht allein im neuen Land) und für das Unternehmen, denn sie werden schneller Fuß fassen, Synergien entstehen und letztendlich werden sogar Ihre deutschen Arbeitnehmer profitieren, indem sie z.B. eine neue Fremdsprache lernen oder ihre fachlichen und kulturellen Horizonte erweitern. 
  • Flexibilität: Je nach Unternehmen und gesuchter Qualifikation sollten Sie flexibel sein und nicht auf deutschen Standards bestehen. Sicher: Wenn Sie Ärzte einstellen müssen, dann kommen Sie nicht umhin, alle Abschlüsse auch anerkannt zu haben. Aber wenn es ausschließlich um Kompetenz geht, ist es nicht immer wichtig, dass alles notariell beglaubigt übersetzt und anerkannt ist. Hauptsache jeder weiß, was die Erwartungen sind und wie sie in der täglichen Arbeit erfüllt und überprüft werden können.
Was habe ich vergessen? Was fällt Ihnen noch ein? Haben Sie schon internationale Kollegen? Haben Sie Tipps oder Fragen? Ich freue mich über Ihre Kommentare.

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