19. März 2017

Was macht die School of Life in Berlin?

Interview mit dem Mitbegründer und Geschäftsführer Thomas Biller

Vor bald einem Jahr hat die School of Life endlich ihre Dependance in Berlin eröffnet. Endlich sage ich, denn die School of Life ist eine Institution, die man dringendst erfinden müsste, wenn es sie nicht schon seit neun Jahren in London und seit dem zunehmend auch in anderen Städten gäbe. Der Philosoph Alain de Botton hat die School of Life eröffnet, um Menschen zu helfen, das zu lernen, was man an Schulen und in Universitäten immer noch nicht lernt: ein gutes und erfülltes Leben zu führen.

Alain de Botton, Dörte Ilsabe Dennemann und Thomas Biller in der TSOL Berlin (© Katherina Nobis)

Mit einer Kombination aus Philosophie, Lebenshilfe, etwas Psychologie und einer guten Prise modernen geschmackvollen Lifestyles stößt sie in eine Lücke, die sich nun auch in Berlin dank vermehrtem Tourismus und der Zuwanderung kreativer und internationaler Menschen mit ihrer urbanen Orientierungslosigkeit auf hohem Niveau aufgetan hat. Dazu bietet die School of Life Seminare und Veranstaltungen zu solchen Themen wie Selbsterkenntnis, gute Arbeit, gesteigerte Kreativität, gelungener Umgang mit Konflikten und natürlich auch dem Leben in romantischen Beziehungen auf deutsch und englisch an. Eine Veranstaltung, auf die ich mich jetzt schon freue, ist Alain de Botton On Love – wir verlosen dazu beizeiten Eintrittskarten für den 4. Mai.

Zum anstehenden einjährigen Jahrestag habe ich mit Thomas Biller, Mitgründer und Geschäftsführer der School of Life Berlin gesprochen. Ich will herausfinden, was die School of Life und ihre Mitarbeiter hier in Berlin ausmacht und wo die Reise einer solchen Schule des Philosophischen Lebens hingehen soll.

Gilbert: Thomas, lass mich mit einer persönlichen Frage anfangen: Wo bist du aufgewachsen und was hat dich dabei nachhaltig geprägt?

Thomas: Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf in Niederbayern. Nachhaltig geprägt hat mich die Enge dort, das Unternehmer-Sein meiner Eltern, der recht frühe Tod meines Vaters und später dann die vielen guten Freunde, die mir aufgezeigt haben, was das Leben sonst noch zu bieten hat.

Hast du so etwas wie eine persönliche Lebensphilosophie? Wann lässt sich ein oder dein Leben als gelungen beschreiben?

Früher hatte ich keine wirkliche Lebensphilosophie. Heute würde ich sagen, meine Lebensphilosophie ist: sei mutig und verlasse die eigene Komfortzone. Es erwarten dich spannende Dinge. Die zweite Lebensphilosophie habe ich von einem Freund geklaut. Sie lautet: Möglichst wenig Schaden anrichten. Ein gelungenes Leben ist für mich ein Leben in dem sich diese beiden Punkte widerspiegeln.

Du kommst ja eher aus der Comedy-Ecke, hast lange mit Tommy Wosch für das Fernsehen produziert, wie kommst du jetzt dazu, eine philosophische Lebensschule zu leiten?

Ich habe nach den vielen Jahren als Fernsehproduzent noch einmal nach einer neuen Herausforderung gesucht. Also habe ich eine Koch- und Patisserieschule in London besucht, um dann Restaurant zu eröffnen. In London aber bin ich auf meinem täglichem Weg zur Schule an der School of Life vorbeigegangen, bin neugierig geworden und hab mich dann ein paar Monate später um eine Lizenz beworben. Nachdem ich ursprünglich Philosophie und Literatur studiert habe, hat sich der Kreis also wieder geschlossen. Ein Restaurant möchte ich aber immer noch gerne eröffnen.

Kannst du etwas dazu sagen, wie der Gründungsprozess mit deiner Mitgründerin aussah? Wie habt ihr euch gefunden und wie habt ihr zu den Machern der School of Life gefunden?

Mein Mitgründerin Dörte Ilsabe Dennemann und ich haben uns im Sommer 2013 in London auf einem Summit der TSOL getroffen. Dort wurde das Lizenzkonzept vorgestellt. Wir haben uns dann gemeinsam um die Lizenz für Berlin beworben und haben schließlich im Herbst 2015 den Zuschlag erhalten. Berlin als eine spannende, wichtige Metropole in Europa hat großes Potential für solch eine Schule des guten Lebens.


Wir leben in politisch und wirtschaftlich aufregenden Zeiten, wie kann die Philosophie uns da helfen?

Die Philosophie kann uns sehr gut dabei helfen genau zu denken, über die Bedeutung der Begriffe nachzudenken, die in die politische Diskussion geworfen werden, sie zu hinterfragen. Sie kann aber auch helfen sich seiner eigenen Werte bewusst zu werden, auf deren Basis man sich seine Meinung zu politischen und wirtschaftlichen Themen dann bilden kann.

Nächsten Monat wird es euch in Deutschland, Berlin nun schon seit einem Jahr geben. Beschreibe mal dieses erste Jahr. Was hat euch überrascht, was ist euch gelungen, welche Dinge sind nicht so gelaufen?

TB: Da gäbe es viel zu erzählen. Es ist so viel passiert in diesem ersten Jahr. Wir haben mit einem kleinen Team angefangen und mit wenigen Seminaren und Events. Heute nach einem Jahr haben wir pro Monat 20 und mehr Events. Die Teilnehmerzahlen steigen, wir probieren neue Formate aus, haben Seminar in Englisch im Programm und beginnen nun auch mit größeren Events wie der Lecture mit Alain de Botton am 4. Mai. Und wir haben tolle Mitarbeiter und DozentInnen gefunden, die die Idee und den Geist der School of Life in den Classroom bringen. Was mich am allermeisten freut ist die Tatsache, dass es uns gelungen ist, die School of Life Berlin zu einem Ort zu machen, an dem Menschen zusammenkommen, die sich vorher nicht kannten, und sich in einer offenen, neugierigen und geschützten Atmosphäre über die wichtigen Dinge im Leben intensiv austauschen. Das Feedback der Teilnehmer macht uns sehr stolz. Was uns noch nicht perfekt gelungen ist noch mehr Leute für Themen zu begeistern, die ich persönlich für sehr wichtig halte, wie z.B. “Die Kunst, allein zu sein” oder das Thema “Geld und gutes Leben”. Aber daran arbeiten wir.

Und wenn du dir die School of Life in Berlin in fünf Jahren vorstellst, wie sähe das aus?

In fünf Jahren haben wir – wie in London – Teilnehmer aus der ganzen Welt, die ihren Berlinbesuch mit einem Besuch der School of Life verbinden. Außerdem veranstalten wir regelmäßig große Events mit den wichtigsten Philosophen und Psychologen aus der ganzen Welt und laden bekannte Künstler, Politiker und Wissenschaftler ein, um über ihre “Life Lessons” zu berichten. Und in fünf Jahren gibt es die School of Life nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen großen Städten Deutschlands, in Form von festen Standorten oder von Pop-ups.

Dabei wünsche ich euch viel Erfolg und ich danke dir sehr für das Gespräch. Ich freue mich riesig auf eure nächsten Veranstaltungen, nicht zuletzt auf solche mit wichtigen Philosophen wie Alain de Botton. 



Das passt dazu:

Verlosung

Die School of Life Berlin wurde am 21. April 2017 ein Jahr alt! Zu diesem Anlass verlosten wir Eintrittskarten für die Veranstaltung Alain de Botton on Love. Die Karten sind inzwischen vergriffen, aber es kommt bestimmt bald wieder eine Verlosung.

Kommentare:

  1. Klingt sehr spannend.
    Wäre gerne dabei am 4. Mai.

    Gerhard

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    1. Danke, Gerhard. Ich werde demnächst hier noch genauer schreiben, wie die Karten zu gewinnen sind. Bist du denn in oder nahe bei Berlin?

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  2. Lieber Gilbert,
    ich bin in Würzburg, was nicht heißt, dass ich nicht nach Möglichkeiten suchen könnte, nach Berlin zu kommen.
    Ich habe nochmal kurz Deine Einleitung zum Artikel gelesen:
    "Themen wie Selbsterkenntnis, gute Arbeit, gesteigerte Kreativität, gelungener Umgang mit Konflikten und natürlich auch dem Leben in romantischen Beziehungen"

    Irgendwie scheint mir das nicht komplett. Eine Therapeutin sagte mir, daß ihre Klienten weniger Probleme hätten, ihr Leben "richtig und vernünftig" zu leben, sondern daß sie vielmehr in ständigem Kampf um elementares Zurechtkommen begriffen sind.
    Was ist mit solchen Leuten? Was ist mit Leuten, deren Problem in den Ursprungsfamilien zu suchen ist. Stichwort: Transgenerationale Weitergabe von Traumen (in Form von Angst und Depression).
    Philosophie wird wohl nur denen helfen können, die quasi in Unkenntnis guter Möglichkeiten und Methoden sind, aber ansonsten gut funktionieren.

    Gerhard

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    1. Ich glaube, da hast du Recht, lieber Gerhard! Philosophische Seminare oder Veranstaltungen so wie auch Coaching oder sonst eine Lebensberatung können keine Therapeuten ersetzen und sollen das auch gar nicht. Das sind in meinen Augen klar von einander abgegrenzte Gebiete. Ich bin ja auch hin und wieder als Coach tätig und verweise Menschen mit mir klinisch erscheinenden Problemen an Therapeuten, genauso wie Therapeuten auch Menschen, die nur eine Beratung suchen, an Coaches verweisen.

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  3. Es gab mal ein Buch, war es von Tilman Moser (?), indem es um punktgenaue, unbewusste Intervention ging: Ein Erwachsener etwa gab , meist unbewusst oder sich nicht völlig im Klaren über die Wirkung, einem Heranwachsenden den entscheidenden Schubser, vielleicht in Form einer Bestätigung, daß er o.k. sei. Diese Fallgeschichten waren berückend, weil es tatsächlich nur wenig bedurft hat, den entscheidenen Kick in einem vielleicht sonst schlecht verlaufenden Leben zu setzen.

    Es geht also um Aha-Erlebnisse! Diese können uns helfen.

    Gerhard

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