3. April 2012

Lars von Trier: Melancholia

Eine Rezension des Films Melancholia von Lars von Trier
Am Wochenende habe ich den Film Melancholia gesehen. In Ankündigungen wird der Film als Weltuntergangsdrama oder gar als Science Fiction bezeichnet. Denn ein fremder Planet - Melancholia - nähert sich der Erde aus der finsteren Leere des Weltalls, rauscht an ihr vorbei und wird durch die Erdgravitation in eine Kurve gezwungen, in der beide Planeten letztendlich kollidieren.


Dance Of Death: Earth And Melancholia, Planeten auf Kollisionskurs (Wikipedia)

Das Ende hier zu verraten, ist auch kein Spannungskiller, denn es geht gar nicht um Planeten. Es ist kein Armageddon mit Bruce Willis, sondern ein Film, in dem es um eine schlimme Depression geht. Insofern sind die Genre-Bezeichnungen reines Marketing, das im Kino zur Enttäuschung der Apokalypse-Freunde führen muss. Melancholia versucht eher in eine Reihe mit Odyssee 2001, Contact und Tree of Life zu treten: Alles eher psychologisch-philosophische Geschichten, als Sci Fi.

Albrecht Dürer: Melencolia I
Der "Dance Of Death", in den sich die Planeten Erde und Melancholia begeben, ist eine extrem schöne und beängstigende Metapher für die Depression der Protagonistin Justine, gespielt von Kirsten Dunst. William Styron hat das in seinem Buch Darkness Visible (Sturz in die Nacht: Die Geschichte einer Depression) ganz genau so beschrieben. Das unaussprechliche Grauen, das an einem vorbeirauscht und einen hoffen lässt, dass es nun vorüber ist, kommt unbarmherzig zurück und leitet die totale Finsternis ein. Gleichzeitig beschreibt Styron auch die Begriffsgeschichte dieser Krankheit von ehemals Melancholie zu heute Depression. Lars von Triers Geschichte erinnert natürlich auch mit aller macht an Albrecht Dürers Bild Melencolia I: Besonders der im Hintergrund zur Erde fallende Komet mit dem daneben stehenden Schriftzug "Melencolia I" scheint für von Triers Film Inspiration gewesen zu sein. Wie bei Dürer ist auch im Film sämtliches Gerät und jeder gesellschaftliche Zusammenhang - z.B. Justines eigene Hochzeit - für die Betroffene eingefroren und bedeutungslos. Ihr Zustand verschlimmert sich zusehends. Wenn am Ende irgend jemand den Weltuntergang nicht fürchten sollte, dann ist es sicher Justin. Ihre Depression ist so schwer und hoffnungslos, dass man sich fragt (wenn man zwischen den atemberaubend schönen Bildern die Zeit und Nüchternheit hat), warum sie nicht medizinisch behandelt wird. Aber das ist mit Sicherheit zu nüchtern und normal gedacht und hätte eben keinen so schön düsteren Film abgegeben. Ich bin kein Fan von Kirsten Dunst, denke aber, dass sie eine äußerst gute Darstellung gegeben hat und den Preis Prix d'interprétation féminine auf dem Festival de Cannes 2011 verdient hat. Vielleicht, weil sie - wie übrigens auch Lars von Trier - die Depression aus eigener Erfahrung kennt. Ein absolut empfehlenswerter Film für Menschen, die nicht immer fröhlich sein müssen und nicht in jedem Film unbedingt ein Happy End benötigen.



Regie: Lars von Trier, Drehbuch: Lars von Trier: Produktion: Meta Louise Foldager, Louise Vesth, Kamera: Manuel Alberto Claro, Schnitt: Molly Malene Stensgaard

Kirsten Dunst: Justine, Charlotte Gainsbourg: Claire, Alexander Skarsgård: Michael, Brady Corbet: Tim, Cameron Spurr: Leo, Charlotte Rampling: Gaby, Jesper Christensen: Little Father, John Hurt: Dexter, Stellan Skarsgård: Jack, Udo Kier: Hochzeitsplaner, Kiefer Sutherland: John

1 Kommentar:

  1. Sehr gut erkannt, verstanden, was auch immer und geschrieben.
    Danke

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