Geist und Gegenwart

Erkenne dich selbst. Der Rest kommt (fast) von allein.

12. Februar 2017

Der Weg wird durch das Gehen geschaffen

Von der Notwendigkeit des Reisens zu Fuß

"Was soll ich im Wald,
wenn ich dabei an etwas denke,
was nicht im Wald ist?"
(H. D. Thoreau)

Die meisten von uns sitzen heute mehr, als dass sie ihre Beine gebrauchen. Egal ob bei der Arbeit, zu Hause oder in der Fortbewegung dazwischen: Wir sitzen. Henry David Thoreau hat in seinem Text Vom Spazieren bereits in den 1850er Jahren von solchen wie uns gesagt: "diesen Menschen gebühre eine gewisse Anerkennung, weil sie ihrem Leben nicht schon längst ein Ende gemacht haben" (S. 59, Durch Welt und Wiese: oder Reisen zu Fuß).

Der Autor beim Wandern in der nordöstlichen Mecklenburger Seenplatte

Das ist ein mich aufrüttelnder Satz. Thoreau lief nach eigener Auskunft jeden Tag mindestens vier, meistens jedoch mehr Stunden über Hügel, Felder und durch Wälder. Für ihn war das tägliche Sitzen eine Art Krieg des Menschen gegen sich selbst, weil man gewissermaßen sich selbst belagere und versuche, "eine Garnison auzuhungern, der man sich eigentlich verbunden fühlt."

9. Februar 2017

Sophrosyne: Wie der Geist den Körper heilt

Albert Kitzler weiß: Denken heilt!

Manchmal fragt man sich, ob es in den letzten 2000 Jahren überhaupt zu einem Zuwachs an wirklich wichtigem Wissen gekommen ist. Viel haben wir in der Zwischenzeit entdeckt und mit dem Umständen des Lebens haben wir Fortschritte gemacht, aber mit den Weisheiten eines guten Lebens scheinen wir nicht besonders vorangekommen zu sein. All die wichtigen Lektionen zu einem guten Leben rund um Körper und Geist stammen aus der Antike und die hat sie aus dem östlichen Raum übernommen und weiter entwickelt. Alles danach war nur Wissenschaft.

Das eigene Maß begreifen (aus Caspar David Friedrichs Wanderer über dem Nebelmeer)

5. Februar 2017

Introversion und Beruf

Ein kurzes Interview dazu, wie stille Menschen im Büro überleben




In diesem kurzen Interview spreche ich mit Marc Röösli vom Berufungskongress für Hochsensible darüber, wie introvertierte Menschen den Arbeitsalltag überleben und dabei auch erfolgreich sein können. Insbesondere reden wir über drei relativ einfach einsetzbare Strategien:

  1. Plane deinen Tag, damit du durchhältst
  2. Manage deine Energie, iss und trink ausreichend
  3. Suche dir Tätigkeiten, die dir Rückzug und Ruhe ermöglichen

Mit solchen grundlegenden Maßnahmen wird es auch introvertierten Menschen leichter fallen, erfolgreich zu sein und in einer oft für stille Menschen zu laut erscheinenden Arbeitswelt mit Spaß bei der Sache zu bleiben.



Hier gibt es mehr dazu:

29. Januar 2017

Die Unmöglichkeit der Liebe mit Kind

Genervte Eltern im Baby-Clash

"Wir verstehen plötzlich,
dass das Leben ganz buchstäblich
von der Fähigkeit zu lieben abhängt."
(Alain de Botton)

Mein Sohn ist jetzt ein halbes Jahr alt. Er hat mein Leben in vielerlei Hinsicht verändert. Erstaunlich ist dabei, wie so ein kleiner und unfertiger Mensch meine Beziehungen zu meinen Eltern, Schwiegereltern und vor allem zu meiner Frau verändert hat. Zu den Veränderungen, Kämpfen und Zerwürfnissen zwischen Liebenden, wenn sie Eltern werden, komme ich gleich.

Ausschnitt aus Lebenslauf von Adi Holzer

22. Januar 2017

Die Zukunft: ertragen oder erkämpfen?

Jean-Luc Nancy: Der Mensch ist nur noch eine Frage

Ich beginne mit einer Platitude: Wir leben in einer Zeit der Umbrüche! Wir spüren, dass vieles zu Ende geht, seien es die fossilen Rohstoffe und die Belastbarkeit unseres Planeten, seien es die Demokratien und die soziale Marktwirtschaft, wie wir sie kennen, sei es die Vorherrschaft des Westens und des weißen Mannes oder sei es das Zeitalter der Aufklärung, das es immer nur in einer Tendenz gegeben hat, die sich nun aber immer öfter umzukehren scheint. Die gute Nachricht ist, dass es solche Zeiten immer gegeben hat, zum Beispiel mit dem Ende der Antike, des Römischen Reiches, der Renaissance und des Feudalismus. Die schlechte Nachricht ist, dass solche Umruchzeiten lang genug dauern, um ganzen Generationen das Leben übermäßig schwer zu machen. Ja, sogar die Erkenntnis, dass da etwas Neues angebrochen war, war oft nur einige Generationen später zu haben.

Jean-Luc Nancy, (Foto von Georges Seguin (Okki) - CC BY-SA 3.0)