Geist und Gegenwart

Erkenne dich selbst. Der Rest kommt (fast) von allein.

22. Februar 2020

Psychologie und Philosophie der Pferdestärken

Das Auto als Mutterersatz und Antidepressivum?

Wir haben ein Auto. Meistens steht es rum, in unserer Freizeit bringt es uns in den Wald, an den See oder in den Urlaub. Werden wir Menschen das Auto jemals wieder loswerden können? Das frage ich mich manchmal, wenn ich einerseits sehe, wie wenig sinnvoll, wie klimaschädlsich ein eigenes Auto ist und wenn andererseits klar ist, dass es industriell gar keinen Schwenk weg vom Auto gibt. Statt vernunftorientiert in der Breite auf öffentliche Verkehrsmittel zu setzen, sehen wir momentan das Hinüberretten des Individualverkehrsmittels Autos in eine Zeit, nach dem Verbrennungsmotor. Das lässt vermuten, dass es beim Individualverkehr gerade nicht um Vernunft geht. Was steckt denn vielleicht philosophisch und tiefenpsychologisch hinter diesem Fetisch Auto?

Fetisch Auto: Ausschnitt aus "Natural Beauty" von Sebastian Schrader

8. Februar 2020

Impeachment III: Freispruch bei eingestandener Schuld

Sternstunden des postfaktischen Zeitalters

Das Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trum ist vorbei und das Ergebnis wahrlich keine Überraschung. Wie ich schon im ersten Artikel zu dieser Serie schrieb:

"Dieses Verfahren hat noch nie funktioniert (wenn die Amtsenthebung des Präsidenten das Erfolgkriterium ist) und es wird auch diesesmal nicht ohne Weiteres funktionieren, obwohl Trump und sein Staabschef Mulvaney vor Kameras die Vorwürfe glassklar und für jeden nachvollziehbar bestätigt haben ..." (Impeachment erklärt)

Es war also überhaupt nicht überraschend, dass es keine Zweidrittelmehrheit im republikanisch bestimmten Senat für die Amtsenthebung des republikanischen Präsidenten gab. Zumal weitere Zeugen und Dokumente von den Republikanern im Verfahren nicht zugelassen wurden. Aber es gab ein paar andere Überraschungen, die wir uns ansehen sollten und es gibt mit großer Sicherheit einige Folgen, über die wir jetzt schon spekulieren können.

Trump freigesprochen (Quelle: Andrea Hanks, The White House)

18. Januar 2020

Impeachment II – Donald J. Trump auf der Anklagebank

Ein Versuch, die Demokratie durch ihre Institutionen zu retten

Nachdem Präsident Trump nun im Senat angeklagt wurde und das eigentliche Verfahren beginnt, will ich dem ersten Artikel Impeachment erklärt: Das Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump diesen zweiten hinzufügen, in dem ich noch mehr politischen Kontext beschreibe, der in den deutschen Nachrichten nicht vorkommt und der sich genauer mit den nun im Verfahren abzeichnenden Vorgängen und ihren Folgen befasst.

Abstimmung über die Einleitung des Verfahrens gegen Trump (Quelle: Wikipedia, Public Domain)

Erinnern wir uns an 2016, als fassungslose Demokraten nach Trumps gewonnener Wahl sagten: Wie schlimm kann es schon werden? Wir haben doch unsere "check and balances", also die Gewaltenteilung, um jemanden wie Trump, der von Politik nichts versteht, in Schach zu halten. Wer hätte damals geahnt, wie dringend nötig diese von einander getrennten Gewalten einmal werden und wie anfällig sie auch sind, wie wir z.B. am US Justizministerium sehen können (dazu gleich mehr). Die USA befinden sich jedenfalls im politischen GAU – in einer Verfassungskrise – und können jetzt endlich einmal die Nothaltesysteme der Demokratie in Form des Amtsendhebungsverfahrens gegen Donald John Trump in Aktion sehen.

11. Januar 2020

Im Hier und Jetzt leben!

Was ist das Problem mit dieser gutgemeinten Aufforderung?

Gestern Abend rief Dominik vom Deutschlandfunk Nova an und fragte mich, was ich von solchen Aufforderungen, wir müssten wieder mehr im "Hier und Jetzt" leben, hielte.



Ich verstehe schon, was damit gemeint ist: Weniger Ablenkung, weniger Notification, einfach mal den Augenblick genießen. Nur gibt es damit einige Probleme, wenn man solche eigentlich ganz selbsstverständlichen Dinge so hyped und verabsolutiert. Beispielsweise diese hier:

  1. Das ist ja schon wieder eine Aufforderung, die gar nicht so leicht umzusetzen ist und gerade dadurch auch schon wieder Druck erzeugt: "Jetzt leb doch endlich mal im Hier und Jetzt! Kannst du das etwa nicht? Was stimmt denn mit dir nicht?"
  2. Es ist eine Fluchbewegung und wie alle solche Fluchtbewegungen, löst sie Probleme aus, sie hinterlässt Wüsten und macht die Flüchtenden schutzlos gegenüber "Menschenfängern" oder Schleppern.
  3. Die Fähigkeit, nicht im Hier und Jetzt zu leben, ist eine sehr wertvolle Fähigkeit, die uns Menschen auszeichnet und von den meisten anderen Lebewesen, die nämlich weder weit zurück in die Geschichte schauen, noch ihr Leben in die Zukunft entwerfen und planen.

14. Dezember 2019

Das Leben durch luzide Träume verändern

Der Traum in der Philosophie und seine Nutzbarmachung

Die Philosophen haben sich bis zum kometenhaften Aufstieg der Psychologie seit dem 19. Jahrhundert gern einmal mit dem Träumen auseinandergesetzt. Besonders viel wurde dem Träumen bis zur Romantik nie zugetraut. Für Platon war der Traum lediglich der Ausdruck der vernunftlosen Seelenanteile, aus dem wir uns keinerlei Erkenntnis erhoffen konnten. Aristoteles nahm immerhin die Abhängigkeiten des Traumes von Sinneseindrücken zur Kenntnis, die während des Träumens unabhängig von der Realität bewegt werden konnten. Armseligerweise ist die größte Bedeutung des Traumes für die moderne abendländische Philosophie in Descartes' methodischem Zweifel an der Wahrhaftigkeit der Bewusstseinsinhalte zu sehen. Die Romantik dann endlich begreift das Träumen als ergänzende und dem Denken mindestens ebenbürtige Bewusstseinstätigkeit mit sogar transzendentaler Potenz zum Göttlichen. 

Franz Marc: Liegender Hund im Schnee (gemeinfrei)

Mit der Psychologie verschwindet der Traum aus der Philosophie und wird letztlich nur noch funktional besprochen: Wie kommt es zum Träumen und was nutzt uns das? Diese funktionalen Fragen passen in unser modernes Zeitalter der individuellen Selbstoptimierung und so verwundert es nicht, dass die Phänomene des Traumes nach ihrem Nutzen befragt und auf seine durch uns aktiv kontrollierbaren Anteile hin gewertschätzt wird. Dem Klarträumen kommt dabei in Freud'scher Tratition die Bedeutung zu, die Verwandlung von unbewussten und nicht kontrollierbaren in bewusste und steuerbare Geistesinhalte auf die Spitze zu treiben. Wie das funktioniert, beschreibt Sebastian Jacobitz von schlafenguru.de in den folgenden Absätzen ...

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