Geist und Gegenwart

Erkenne dich selbst. Der Rest kommt (fast) von allein.

29. März 2015

Das Ende des Hoffens

Kann ein Leben ohne Zukunft Qualität haben?

Die Prozesse, die wir initiieren, um alles besser zu machen, entfremden sich uns und ihrem Zweck und wenden sich letztlich gegen uns. Das ist alles höchst sinnlos und erscheint unveränderlich. Das Trotzdem, die Tat, so würde Albert Camus vielleicht sagen, ist gleichzeitig Auflehnung gegen das Absurde und Eingeständnis der Sinnlosigkeit dessen, was über diese Tat selbst hinausgeht.

In vielerlei Hinsichten starren wir immer wieder ohne viel Hoffnung ins Nichts, sei es das eigene unfassbar begrenzte Leben, furchtbare Kriege oder die unaufhaltsam scheinende Naturvernichtung. Und vielleicht ist es das, was wir lernen müssen: Absurde Hoffnungen fahren lassen, damit wir zu Sinnen kommen und uns den sich stellenden Herausforderungen zuzuwenden können. Das eigene und einzige Leben als Auflehnung gegen die endlos reproduzierte Sinnlosigkeit und seine traurigen Umstände...

Verlosung: Drei kostenlose Exemplare

Lest den gesamten Text in der neuen Ausgabe des philosophischen Wirtschaftsmagazins agora42. Wir verlosen drei Exemplare. Hier steht, wie ihr mit etwas Glück an euer Exemplar kommt:

Wir verlosen drei Exemplare der neusten Ausgabe des philosophischen Wirtschaftsmagazins agora42 mit dem Titel "Qualität"...
Posted by Geist und Gegenwart on Sonntag, 29. März 2015


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22. März 2015

Soll man Kunst kaufen?

Ein Leben ohne Kunst ist möglich, aber sinnlos

Kunst hängt in Museen, wird bei Sothebys für Millionen versteigert oder ist etwas aus einem anderen Jahrhundert. Jedenfalls ist Kunst nichts für mich und meinesgleichen. So in etwa war mein Verständnis der Materie. Bis ich an einem Samstag Nachmittag durch die Galerien der Alten Baumwollspinnerei in Leipzig schlenderte, um auch das mal gesehen zu haben. In einer der Galerien blieb ich wie gefesselt vor einem Ölgemälde stehen, das ganz im Stil der alten Meister einen Monster-Truck abbildete. Ja, richtig gelesen: Einer dieser Pickups mit grotesk großen Rädern. Dieser Gegensatz des modern-absurden Sujets und des klassischen Mediums der Sinngebung per Ölfarbe auf Leinwand faszinierte mich. Irgendwann riss ich mich seufzend los und ging nach Hause. Schade, dachte ich, dass man so etwas nicht in sein eigenes Zuhause hängen kann. Kann man nicht? Fragte ich mich in meiner Wohnung vor leeren Wänden. Warum denn nicht? Und ich recherchierte, wer der Künstler war, was er sonst so produziert und wo er schon ausgestellt hatte. Eine Woche später fuhr ich wieder hin und sprach mit dem Galeristen.

Paul Klee Ausstellung: Das Museum der bildenden Künste in Leipzig, März 2015 (Foto: G. Dietrich)

Heute war ich im Leipziger Museum der bildenden Künste und schaute mir die Paul Klee Ausstellung an. Sie heißt im Untertitel "Sonderklasse Unverkäuflich", weil Klee verfügt hatte, dass diese in seiner Sonderklasse gesammelten Werke nicht verkauft werden sollten. Auf diese Art entzog er sie dem Kunstmarkt und behielt sie für sich, seine Frau Lily und den Nachlass. Ein überaus kluger Zug, wenn man bedenkt, wie viele Werke von Künstlern auseinander gerissen in der Welt verstreut und somit fragmentiert sind. Klee konnte schon zu seinen Lebzeiten die Werke in Retrospektiven zeigen, die ihm besonders am Herzen lagen oder die er für besonders wichtig hielt. Nun war Klee aber ganz und gar kein Marktverweigerer. Vielmehr ging er sehr berechnend und bewusst mit dem Kunstmarkt um, indem er Preisstrukturen festlegte und seine Bilder danach klassifizierte. Galeristen ärgerten sich darüber schon mal, weil sie meinten, die Bilder für diese Preise nicht verkaufen zu können. Dabei weiß heute jeder, dass eine gewisse Knappheit auf dem Markt herrschen muss, damit die Dinge "wertvoll" bleiben. Klee hatte Jahre, in denen er mehr als Tausend Bilder vollendete. Wenn er davon leben wollte, war die gezielte Knappheit gar nicht so doof.

19. März 2015

Wie man die richtige Arbeit findet

Was soll ich arbeiten, fragt sich nicht nur der Philosoph


Der Philosoph Alain de Botton ist einer der wenigen heute lebenden Philosophen, die sich ganz der Praxis der Philosophie verschrieben haben. Wir sind der Meinung, dass Philosophie keine große Relevanz haben kann, wenn wir sie nicht für unseren Alltag nutzbar machen können. In seinem Book of Life spricht de Botton über alle möglichen Aspekte des modernen Lebens, eben auch über Arbeit. Hier ist, was er sagt...

Was machen Sie eigentlich gern? (Bild gemeinfrei)

Der Anspruch, dass Arbeit erfüllend, anstatt einfach nur schmerzhaft notwendig sein müsse, ist eine sehr neue Erfindung. In älteren Wörterbüchern wie dem von Samuel Johnson aus dem Jahr 1755 tauchen Wörter wie Erfüllung nicht einmal auf. In der heutigen reichen Welt erhoffen wir uns nicht einfach nur Geld, sondern wir schuften mal mehr mal weniger, weil wir Sinn und Befriedigung im Alltag suchen. Das ist ein sehr großer, oft vielleicht überzogener Anspruch, der sich nicht selten in eine Karrierekrise am Sonntag Abend übersetzt. Auf der Suche nach erfüllender Arbeit können uns die folgenden sechs praktischen Ideen helfen:

15. März 2015

Individualität und Einheit

Zur Trennung und dem Eins-Sein von allem

Wie wird man "Administrator" seines Lebens, anstatt immer nur "User" zu bleiben? Diese dringende Frage stellt Reinhard Herrmann und entfaltet dabei beinahe kosmologische Erklärungsansätze, um sie wieder ins Praktische unseres Lebens zu übersetzen. Aber lesen Sie selbst...

Räumen Sie noch Ihren Schreibtisch auf oder stellen Sie sich schon andere Fragen? (Lizenz: CC0)

Irgendwann kommen Menschen an den Punkt, wo sie beginnen, andere Fragen zu stellen. Fragen, die viel tiefer greifen, als bisher. Die Gründe dafür sind so unterschiedlich wie die Individuen und das Lebensalter. Der eine ist erst 25, der andere schon 78. Manche haben eine schwere Krankheit überstanden, die Existenz oder den Lebenspartner verloren. Vielleicht ist man einfach auch nur der ewig seichten Oberflächlichkeit überdrüssig, die den Lebens-Pool mit Belanglosigkeit überschwemmt hat und man hat es satt, in diesen Pfützen Tag für Tag gelangweilt herumzutreten. Entscheidend ist nicht das Entstehungsdatum oder der Beweggrund, sondern die Tatsache, dass man sich auf die Suche begeben hat, um Antworten für sich selbst zu finden, die nicht auf der Straße liegen. Wissen Sie, welche Art von Fragen ich meine? Gut, dann haben Sie sich schon einige in dieser höheren Qualität gestellt. Herzlich willkommen.

7. März 2015

Esoterik zwischen Philosophie und Nonsens

Wo kommt Esoterik her und was sind ihre Mechanismen?

Die Esoterik hat über die zweitausend Jahre der abendländischen Philosophiegeschichte einen lustigen Salto hingelegt. In der antiken Philosophie gab es zuerst das Wort "exoterisch", das die philosophischen Werke beschrieb, die sich nach außen ("exo") an die Bevölkerung wandten. Später beschrieb man die Schriften, die vom Volk wohl kaum zu verstehen waren als "esoterisch", also nach innen gerichtet. Das Innen meinte dabei die Gemeinschaft der Philosophen und ihrer Schulen, also das, was man heute universitäre Philosophie nennen würde. Diese "esoterischen" Schriften handelten also nicht von magischen, irrationalen oder innerlichen Dingen, sondern zeichneten sich lediglich dadurch aus, dass sie ein philosophisches Verständnis voraussetzten.

Glauben Sie an Horoskope? Wahrscheinlich nicht, wenn Sie ein Stier sind. (Lizenz: CC0 Public Domain)

Esoterik und Idiotie

Heute ist es geradezu umgekehrt: Esoterische Schriften oder Lehren, man denke an die New-Age-Bewegung mit ihrer Astrologie, den UFOs und Verschwörungstheorien, setzen keine philosophische Kenntnis voraus, sondern setzen geradezu auf die Unkenntnis der Philosophie und Wissenschaften. Esoterik wendet sich also gerade nicht mehr an einen inneren Kreis der Gebildeten, sondern an den großen Kreis der Öffentlichkeit, dem es an Bildung mangelt, der aber nach Sinn sucht und der die vermeintlich verlorengegangene Einheit von Mensch und Universum - wenigstens für sich selbst - wiederherzustellen versucht. Dabei ist das Unwissen vor allem methodischer Art, denn die Theorien können durchaus randvoll mit interessantem Halbwissen und zusammengewürfelten Fakten aus den Naturwissenschaften sein. Es fehlt aber die Logik, das methodische Denken und das skeptische Schlussfolgern, also all die Werkzeuge, auf die wir uns als denkende Wesen zu Zwecken der Kommunikation und Erkenntnisgewinnung geeinigt haben. Schade, denn so werden mitunter interessante Ansätze und Ideen, die oft im Zentrum von esoterischen Sytemen stehen, volkommen diskreditiert und für ernstzunehmende Lösungsansätze unbrauchbar.