Geist und Gegenwart

Erkenne dich selbst. Der Rest kommt (fast) von allein.

18. Mai 2015

Warum schlecht geführte Unternehmen aussterben

Führungskultur wird zum messbaren Muss einer jeden Firma

Typisch deutsche Startups haben nicht nur Probleme, wenn es darum geht, richtig mit eingeworbenen Finanzen umzugehen, sie sind oft auch inkompatibel mit den Ansprüchen, die internationale Investoren an die Führung der Unternehmen haben. Besonders, was den Umgang mit Personal, die strategische Weitsicht und diverse Compliance-Themen angeht, scheinen deutsche Firmengründer oft von hinter dem Mond. Ich habe gesehen, wie Firmen auf Investorensuche genau daran gescheitert sind: Schlechter Ruf bei Kunden und Mitarbeitern, keine Führungskultur, rabiater Umgangston, vernachlässigte interne Systeme und eine vernachlässigte Personalentwicklung... dafür legt niemand das Geld auf den Tisch, dass sich die Gründer erträumt hatten.

Gerade haben wir auf dem Startup Camp Berlin noch drüber gesprochen... Führungskultur schlägt alles.

10. Mai 2015

Im fortwährenden Sturz nach allen Seiten

Politik als ausgeweiteter Pannendienst


Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Giebt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Friedrich Nietzsche

Wer wundert sich nicht zunehmend, dass die von uns gewählten Politiker lange nicht mehr die Gestalter zu sein scheinen, die wir uns gewünscht haben? Anstatt Zukunftsvisionen zu entwerfen und die für den Fortschritt legislativen Spielräume zu gestalten, scheint die Politik nur den gerade noch eben selbst gemachten Problemen wie Flüchtlingskatastrophen, Klimawandel und Schuldenpolitik hinterher zu laufen. Überall lodernen Problemherde auf und die Politik wirkt wie eine überforderte Feuerwehr, die von einer zur anderen Brandstelle eilt, um das Feuer auszutreten. Warum ist das so? Und kann man Feuer mit Feuer bekämpfen? Herkules konnte das.

John Singer Sargent: Herkules und die Hydra (Bild: 1921, gemeinfrei)

3. Mai 2015

Margaret Wertheim: Magierin der Zahlen und Körper

Was sagt uns ein gehäkeltes Korallenriff?


"Vier Berge werden zerfallen,
vier Zivilisationen werden untergehen,
vier Äpfel werden verrotten...
Vier ist FÜR IMMER."

In ihrer wunderschönen Radioshow "On Being" hat Krista Tippett die Physikerin Margaret Wertheim interviewt. Wertheim ist dafür bekannt, dass sie sich zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Christine den ästhetischen Randgebieten der Wissenschaften verschrieben hat. So studiert sie zum Beispiel die Nicht-Euklidische Geometrie mit ihren hyperbolischen Formen, die man in Korallen und Seeschnecken finden kann. Sogar beim Häkeln finden sie einen Zusammenhang zu diesen Kreaturen, denn auch hier gibt es die nicht-euklidischen Krümmungen. Häkeln ist tatsächlich die einzige Art, wie man hyperbolische Geometrie im Alltag - also ohne Computermodelle etc. - erzeugen kann. Mit einer Ausstellung von riesigen gehäkelten Korallenriffen haben die Schwestern auf die Folgen der Erderwärmung für die Korallenriffe unseres Planeten aufmerksam gemacht. Aber auch sonst ist die Physikerin eine bemerkenswerte Zeitgenossin, von der wir mindestens lernen können, wie wir trotz aller Dualität das Universum als ein Ganzes lebend erfahren können.


Hyperbolische Strukturen am Meeresgrund (Iridogorgia Koralle - Bild gemeinfrei)

19. April 2015

Ein Fußballstadion ist mehr als die Summe seiner Sitze

Wie die Frage der Bezahlbarkeit soziale Zusammenhänge verschleiert


Michael J. Sandel, US-Amerikanischer Moralphilosoph mit besonderem Interesse an den Themen Wirtschaft und Politik, hat im aktuellen Philosophie Magazin ein interessantes Argument gegen eine Ausweitung des Marktes auf alle Lebensbereiche entwickelt. In Studien und Beobachtungen fiel ihm auf, dass ein Gut - zum Beispiel die Bildung, das Mitgefühl (siehe Pflegeberufe) oder eine Gefälligkeit gegenüber Anderen - entwertet wird, sobald Geld ins Spiel kommt. Geld stört dann die "karitative", selbstlose oder intrinsische Motivation. Mit anderen Worten: Monetäre Anreize - das kennen wir auch von Boni für Arbeitsleistungen - können unter Umständen demotivieren. Jemand mag sich zum Beispiel aufopfern und für einen Freund etwas unangenehmes tun. Wird er jedoch dafür bezahlt, nimmt die Bereitschaft messbar ab. Das Geld verändert also den gesamten Kontext des Freundschaftsdienstes. Die monetären Anreize - so sagt Sandel - untergrüben unser moralisches Verhältnis zur Norm.

12. April 2015

Die Hölle ist, wo es die Anderen nicht gibt

Assimilieren oder Auslöschen: Vom nicht Ertragen des Anderen

Die Menschheitsgeschichte ist ein Gleichmachen oder Auslöschen. Funktioniert das erste nicht, dann machen wir das zweite. Der dritte Weg der Co-Existenz im Dissenz scheint wie im kalten Krieg nur als vorübergehende Notlösung erträglich zu sein. Am Ende wollen wir entweder totale Assimilation oder national/religiös/politisch/ästhetisch/rassisch/sexuell befreite Zonen oder gar Welten. Denken wir an Hitlers Deutsche, an ISIS, PEGIDA oder Putin und die Ukraine. Dabei meine ich nicht nur deren Vorgehen, sondern auch unseren Umgang mit diesen Gruppen und Phänomenen, wie man z.B. an der immer wieder aufkommenden Debatte um ein NPD-Verbotsverfahren sehen kann. Oder auch lustig: Unsere Vorstellung davon, wie der Islam eigentlich sein sollte. Wenn man nicht zu einem Konsens kommt, dann muss das andere verboten oder verdrängt werden. Das gilt sowohl auf der individuell persönlichen Ebene, als auch auf der politischen. Es scheint eine Sehnsucht nach Synthese zu geben, die uns dazu treibt, entweder das Andere uns gleich zu machen oder es auszulöschen. Wo kommt das her?