Geist und Gegenwart

Erkenne dich selbst. Der Rest kommt (fast) von allein.

16. Juli 2014

Der edle Bruder Neid

Mit Nietzsche lernen, den Neid zu nutzen


"Wo die Gleichheit wirklich durchgedrungen und dauernd begründet ist, entsteht jener, im ganzen als unmoralisch geltende Hang, der im Naturzustande kaum begreiflich wäre: der Neid. Der Neidische fühlt jedes Hervorragen des anderen über das gemeinsame Maß und will ihn bis dahin herabdrücken – oder sich bis dorthin erheben: woraus sich zwei verschiedene Handlungsweisen ergeben, welche Hesiod als die böse und die gute Eris bezeichnet hat." (Nietzsche: Der Wanderer und sein Schatten)


Noch nicht ganz angekommen: Auf dem Weg nach oben.  (Foto: John and Christina via Flickr)

Neid gilt in unserer Gesellschaft gemeinhin als verwerfliche Gefühlsregung, die nur zu Missgunst, Zank und am Ende Totschlag führt. Die Griechen nannten das "Eris": Die Göttin der Zwietracht, die durch ihre Intrigen unter anderem den Trojanischen Krieg heraufbeschwörte. Aber bereits der antike Dichter Hesiod kannte eine zweite Eris, eine die den Menschen antreibt und zu Höherem streben lässt. Diese zwei Zwillingsschwestern kehren in Nietzsches Wanderer und sein Schatten als der "Neid und sein edlerer Bruder" wieder.

3. Juli 2014

Bin ich ein weiser Mensch?

Eine "Anleitung" zur Weisheit in 10 Punkten

Weise werden, das wollen wir alle irgendwie. Durch den eigenen Lebensweg die Ruhe finden, abgeklärt sein, nicht mehr mithetzen, sondern aus der Distanz beobachten und vielleicht kluge Ratschläge geben. Irgendwie ist es aber auch immer aufgeschoben: Alte Männer sind weise, altersweise. Alt und weise - das scheint nichts für uns mitten im Leben zu sein. Oder doch? In der Schule des Lebens von Alain de Botton erschien auf Englisch eine kurze Anleitung zur Weisheit, die ich hier übertragen habe. Auch wenn wir nie vollkommen weise werden können, kann uns das Konzept der Weisheit als ein Fluchtpunkt im Leben den Weg zu einem bewussteren und glücklicheren Leben weisen. Was also ist Weisheit, wodurch zeichnen sich weise Menschen aus?

Unbenannt
Klischee von der Weisheit (Bild: Peter via Flickr CC)

29. Juni 2014

Verführt, benutzt und fallen gelassen

Wie wir Manipulationen erkennen und ihnen begegnen können

In Abwandlung eines bekannten Diktums der Kommunikationstheorie müsste man sagen: Wir können nicht nicht manipulieren. Fast immer, wenn wir kommunizieren, haben wir etwas im Hinterkopf, wollen etwas erreichen oder jemanden von etwas überzeugen. Es bedarf einer ganz anderen Bewusstseinsform, wenn man das ablegen will, man müsste sich davon verabschieden, überhaupt noch etwas zu wollen. Es ist also normal, dass unser Partner, unsere Kollegen oder der Chef uns zu etwas bewegen wollen, das in ihrem Interesse ist. Hoffentlich ist es aber auch in unserem Interesse. Dass wir hin und wieder jemanden in seinem Verhalten manipulieren, kann vorkommen und gehört in einem gewissen Rahmen zum sozialen Austausch. Es gibt aber auch Menschen, deren soziale Interaktion zu großem Teil auf Verführung und Manipulation beruht. Oft sind es sehr interessante, charismatische Menschen, denen es gelingt, uns sehr geschickt für ihre Zwecke einzuspannen. Wir selbst drohen dabei, auf der Strecke zu bleiben.


Manipuliert und verführt? (Quelle: Victoria Nevland via Flickr CC)

17. Juni 2014

Sieben Gründe für unsere Unzufriedenheit im Job

Warum wir in unserem Arbeitsleben oft unglücklich sind

Die Arbeit ist bei den meisten von uns ein großer Teil des Lebens. Man kann es sich eigentlich nicht leisten, damit unglücklich zu sein. Und doch akzeptieren wir dieses Unglück allzu oft. In der Schule des Lebens des britischen Philosophen Alain de Botton erschien ein hervorragender Artikel, aus dem wir lernen können, woraus sich unser Frust im Beruf oft speist: Why you’re probably not enjoying your job very much. Erst, wenn wir die Gründe verstehen, können wir auch etwas gegen den Frust tun.

preparing for a date with misery
Krawatte statt Seele? (Quelle: Gilbert Rodriguez via Flickr CC)

Mit ziemlicher Sicherheit sind Sie einigermaßen frustriert bei der Arbeit. In einer perfekten Welt sollte Arbeit uns so viel positives geben können: eine Berufung und das Gefühl von Errungenschaft, Sinnstiftung, ein Zusammengehörigkeitsgefühl und sogar Freundschaften. Aber eigentlich geht immer etwas schief: Unsere wahren Talente werden nicht erkannt und eingesetzt, die Firma scheint uns nicht würdig, unsere Lebenszeit für sie zu opfern, die täglichen Aufgaben erscheinen trivial, aber stressig und viele im Management sind große kindische Tyrannen, wie wir sie noch im Kleinformat aus dem Buddelkasten kennen.

Oft geben wir uns selbst voreilig die Schuld für diese Misere: Unsere Berufswahl war nicht durchdacht, sondern impulsiv, wir sind eitel und faul und wir haben nicht den Drive unseres ehemaligen Klassenkameraden, der inzwischen ein kleines Imperium führt. Trotz einiger Wahrheit, die vielleicht in unserer Selbstverurteilung liegt, viele Faktoren, die zum Versanden unserer Träume führen, liegen gar nicht innerhalb unserer Kontrolle und Macht, sondern haben ihre wesentlichen Gründe in den Strukturen unserer Anstellungs- und Wirtschaftsverhältnisse. Uns nur selbst dafür verantwortlich zu machen, bedeutet, dass wir diese gesellschaftlichen Realitäten missverstehen. Hier sind einige dieser Faktoren, auf die unsere Frustation im Arbeitsalltag zurück zu führen ist:

15. Juni 2014

Die lange Nacht der Philosophie

Jenseits einer systematischen Wald- und Schreibtischphilosophie

Die lange Nacht der Philosophie in der Wahrnehmung des deutschen Medien- und Event-Publikums scheint vorbei zu sein. Diesen Eindruck hatte ich zumindest gleich, als ich mich durch die überfüllten Flure, Treppen und Räume des Institut Français in Berlin quetschte, das zum ersten Mal nach vergleichbaren Veranstaltungen in Paris und London solch ein Event in Deutschland veranstaltete. Es war dermaßen voll, dass ich mit meiner Begleiterin erst einmal in die Brasserie ging, um Flammkuchen zu essen und mit unseren Nachbarn rechts und links über das Reisen, die Philosophie und die französische Küche zu reden.