18. Mai 2015

Warum schlecht geführte Unternehmen aussterben

Führungskultur wird zum messbaren Muss einer jeden Firma

Typisch deutsche Startups haben nicht nur Probleme, wenn es darum geht, richtig mit eingeworbenen Finanzen umzugehen, sie sind oft auch inkompatibel mit den Ansprüchen, die internationale Investoren an die Führung der Unternehmen haben. Besonders, was den Umgang mit Personal, die strategische Weitsicht und diverse Compliance-Themen angeht, scheinen deutsche Firmengründer oft von hinter dem Mond. Ich habe gesehen, wie Firmen auf Investorensuche genau daran gescheitert sind: Schlechter Ruf bei Kunden und Mitarbeitern, keine Führungskultur, rabiater Umgangston, vernachlässigte interne Systeme und eine vernachlässigte Personalentwicklung... dafür legt niemand das Geld auf den Tisch, dass sich die Gründer erträumt hatten.

Auf dem Startup Camp Berlin: Führungskultur schlägt alles.

Jetzt wird es erst einmal noch schlimmer, bevor es besser wird: David Ulrich und Allan Freed, Wirtschaftswissenschaftler und Mitbegründer einer Consulting-Firma, haben in der Harvard Business Review einen Index vorgestellt, der Firmen parallel zu den üblichen Finanz-Checks unter dem Gesichtspunkt guter Führung bewertet. Kommt der zum Einsatz, dann werden es solche Firmen noch schwerer haben, Investoren zu finden. Ein Finanz-Index zeigt, wie gesund die Firma unter Hinblick auf Einnahmen, Geldflüsse und möglichen Profit ist. Ulrich und Freed zufolge, könne damit aber keinesfalls ausreichend auf den Marktwert einer Firma geschlossen werden. Der Führungs-Index weist darüber hinaus aus, wie solide die Firma in ihrem jeweiligen Marktumfeld von der Führungsriege gesteuert wird. Denn nur gut geführte, kollaborierende, sich weiter entwickelnde und intern informierte Mitarbeiter sind innovativ und leistungsfähig. Investoren sind also nicht unbedingt auf den Trichter gekommen, weil sie besonders menschenfreundlich sind, sondern weil es wirtschaftlich sinnvoll ist.

Investoren sind schon seit einiger Zeit auch an diesen weniger finanzlastigen Dimensionen interessiert, konnten diese bisher aber nicht messen, sondern bewerteten das mit einem Bauchgefühl oder Informationen vom Hören-Sagen. Der erarbeitete Führungs-Index soll Investoren nun mit größerer Objektivität darüber informieren, wie bereit die Führungsriege eines Unternehmens für die kommenden wirtschaftlichen Herausforderungen ist. Damit verglichen, ist der Finanzindex doch relativ eindimensional, denn er gibt lediglich eine Prognose darüber ab, wie wahrscheinlich das Unternehmen seine Schulden zukünftig zurückzahlen wird.

Ulrich und Freed haben ihren Index über Meta-Studien und direkte Befragungen erstellt und bringen damit viele einzelne Dimensionen von Führung zusammen in einen Katalog mit den zwei großen Kategorien "Individuum" (z.B. Kompetenzen und Charaktereigenschaften des CEOs) und "Organisation" (z.B. Führungswerkzeuge im Unternehmen). Jeder dieser Kategorien werden fünf Faktoren zugeordnet:

Individuum:
  • Persönliches Können: In welchem Maße zeigen die Führungskräfte persönliche Merkmale, die sie zum Management befähigen (intellektuell, emotional, sozial, ethisches Verhalten)?
  • Strategie: In welchem Maße können die Manager Strategie und Vision formulieren und an die Gegebenheiten anpassen?
  • Umsetzung: In welchem Maße setzt die Führung Vorhaben um und liefert Ergebnisse?
  • Mitarbeiterführung: In welchem Maße etabliert die Führung Kompetenz, Bereitschaft und Kooperation bei den Mitarbeitern für Gegenwart und Zukunft?
  • Berechenbarkeit: In welchem Maße verhalten sich die Führungskräfte gemäß den Erwartungen von Kunden und Partnern?

Organisation:
  • Kulturelle Kraft: In welchem Maße etabliert die Führung eine angemessene Kundenorientierung im Unternehmen?
  • Talent-Management: In welchem Maße sind Manager in der Lage, die passenden Mitarbeiter einzustellen, zu halten und sich von den nicht geeigneten Mitarbeitern zu trennen?
  • Kultur und Werte: In welchem Maße schaffen Führungskräfte ein Umfeld der Leistung und des korrekten Verhaltens?
  • Information: In welchem Maße gelingt es der Führung, Informationsflüsse den Unternehmensinteressen gemäß zu steuern?
  • Praxis: In welchem Maße etabliert die Führung eine Verwaltung und Organisation, die der heutigen Veränderungsgeschwindigkeit in der Wirtschaft gerecht wird?

Dieser Index, so denke ich, kommt zwar von einem fundamental profitorientiertem Denken (dass wir ja nur deshalb mit "schlimm" und "verbrecherisch" assoziieren, weil es an solchen Werten gefehlt hat), hilft aber dabei allen: den Mitarbeitern, der Wirtschaft und Innovation und natürlich den Investoren, die das Geld für Mitarbeiter und Ideen bereitstellen. Kurzfristig ließen sich damit Themen wie soziale Verantwortlichkeit, Risikomanagement oder Führungskräfteentwicklung besser steuern.

Dinge, die wir schon lange für wichtig und richtig hielten, werden nun endlich messbar und Gründer werden gezwungen, sich strategisch um Firmenkultur, Transparenz und Mitarbeiterentwicklung zu kümmern. Es wird uns allen zugute kommen. Wer das in seiner Firma noch nicht noch nicht kommen sieht, sollte sich auf den Weg machen, denn die schlecht geführten Unternehmen werden endlich untergehen.



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