4. Februar 2016

Die Befreiung des Selbst

Ein Artikel von Nicholas Wenzel

Die Philosophie kann uns die Möglichkeiten an die Hand geben, aus dem Alltag ein Übungsfeld der Weisheit machen, meint Nicholas Wenzel. Im philosophischen Wirtschaftsmagazin agora42 erinnert er uns daran, woher viele unserer Ansätze zur Verwirklichung eines guten Lebens kommen. Sei es Selbsterkenntnis, Achtsamkeit, die Betonung des Seins über das Haben, ja sogar die Grundsätze der positiven Psychologie, all das finden wir bereits in der antiken Philosophie. Ganz besonders erinnert uns dieser Artikel daran, wie wir im Grunde nicht viel mehr als unsere Gewohnheiten sind und dass wir in unseren Gewohnheiten den größte Hebel finden, um gute Menschen zu sein. Lesen Sie selbst...

Vom Autor empfohlen

Philosophie als Lebensform

Sokrates Verteidigungsrede vor dem Athener Gericht ist berühmt geworden. Er werde nimmer aufhören, zu philosophieren und jedem in seiner gewohnten Art folgendermaßen ins Gewissen zu reden:

"Mein Bester, du bist Athener, ein Bürger der größten und durch Bildung und Macht berühmtesten Stadt, und du schämst dich nicht, dich darum zu kümmern, wie du zu möglichst viel Geld kommst, aber um die Vernunft und Wahrheit und darum, dass du eine möglichst gute Seele hast, kümmerst du dich nicht?"

Als Sokrates starb, verurteilt zum Tod durch den Giftkelch, starb mit ihm der vielleicht berühmteste Verfechter eines kompromisslosen Strebens nach Selbsterkenntnis. Zuvor hatte er zwei Möglichkeiten, sich dem Todesurteil zu entziehen, entschieden in den Wind geschlagen: das öffentliche Bekenntnis, nicht mehr zu philosophieren, und die von seinen Freunden angebotene Fluchtmöglichkeit aus dem Kerker.

Sokrates verunsicherte, irritierte. Denn er stellte infrage, was selbstverständlich war. Er stellte nichts weniger als die Denk-, Wahrnehmungs- und Handelsweisen seiner Mitbürger auf den Prüfstand. Bin ich wirklich tugendhaft? Was ist Gerechtigkeit? Und wer gibt mir überhaupt das Recht, mich um die Belange des Staates zu kümmern, wenn ich nicht einmal Herr meiner Selbst bin? Wer erst einmal mit Sokrates ein Gespräch führte, war sich seiner selbst nicht mehr so sicher. Die Anklage fiel entsprechend aus: Sokrates verderbe die Jugend und erkenne die Götter nicht an. Seine Methode, bekannt als "sokratischer Dialog", ist einfach: Sokrates fragt, um zu verstehen, und hakt nach, wenn er nicht überzeugt ist. Das geht so weit, dass er, wie Platon beschreibt, den Gesprächspartner so weit hat, "dass er Rede stehen muss über sich selbst, auf welche Weise er jetzt lebt und auf welche Weise der das vorige Leben gelebt hat".

Ethische Vortrefflichkeit

Das Verhalten des Sokrates steht sinnbildlich für das Selbstverständnis weiter Bereiche der antiken griechisch-römischen Philosophie, insbesondere der platonischen, aristotelischen und stoischen Schulen. Sie will den Menschen innerlich formen und bilden. Der Stoiker Seneca (4 v. Chr. – 65 n. Chr.) schreibt dazu:

"Sie leitet unser Leben und unsere Handlungen. Sie zeigt uns, was wir tun und lassen sollen. Sie allein garantiert uns ein Leben ohne Furcht."

Nach Meinung dieser Philosophenschulen stellen die Leidenschaften, wie ausschweifende Begierden und übertriebene Ängste, für den Menschen die Hauptursache für Leid, Sorge und Unglück dar. Und die Philosophie – verstanden im wörtlichen Sinn, also als Liebe zur Weisheit – habe den Zweck, den Menschen davon zu befreien. Sie versteht sich als eine Therapie der Leidenschaften und verbindet diese mit einer tiefgreifenden Umwandlung der Denk- und Verhaltensweise. Erst diese ermögliche es, einen Zustand des Glücks, der Reinheit, der Weisheit oder der Vollkommenheit zu erlangen. Erst so könne man, in anderen Worten, tugendhaft werden, eine schöne Seele entwickeln und einen Zustand der Glückseligkeit (altgr.: eudaimonia) erreichen. Und genau das sei das Ziel philosophischer Tätigkeit. Wir philosophieren nicht, so Aristoteles (384–322 v. Chr.), um zu erfahren, was ethische Werthaftigkeit sei, sondern um gute Menschen zu werden. Die hellenistischen und römischen Philosophenschulen stellen daher die Arbeit des Individuums an sich selbst in das Zentrum der philosophischen Tätigkeit.

Erkenne dich selbst

Doch wie sieht die Arbeit an sich selbst aus? Was kann sie bewirken? Und wo setzt sie an? Eine Antwort liefern die Überlegungen über den Begriff der Gewohnheit. Gewohnheit wird in der antiken Ethik im erweiterten Sinn verwendet, das heißt, unter unseren jeweiligen Gewohnheiten wird die Gesamtheit unserer Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster verstanden. Sie beeinflussen die Art und Weise, wie wir mit Misserfolgen und Kritik umgehen, wie wir auf Angst und unvorhergesehene Ereignisse reagieren etc. Gewohnheiten bestimmen unser Leben ganz maßgeblich. Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) geht so weit zu sagen, dass wir zu drei Vierteln wie Automaten agieren. Und eben hier liegt der Ansatz der antiken römisch-hellenistischen Philosophie. Sie fordert dazu auf, unsere Gewohnheiten im Denken und Verhalten minutiös zu prüfen und zu verändern. Denn hier liegt der Schlüssel dazu, ein gutes Leben im Sinne der ethischen Vortrefflichkeit führen zu können.

Die Arbeit an sich selbst beginnt mit geistigen Übungen. So empfehlen die Stoiker das eigene Verhalten zu reflektieren. Dazu gehört es, Grundsätze des eigenen Lebens zu überdenken, die man bislang unhinterfragt für wahr gehalten hat. Der Rückzug in das Selbst – die Meditationen, die Lektüre von Texten über ethische Fragestellungen, die Gespräche mit Vertrauten, der Austausch von Ideen, der philosophische Briefwechsel – stellt dafür die unverzichtbare Voraussetzung dar. Diese Auseinandersetzung muss sämtliche Bereiche des menschlichen Lebens betreffen und minutiös die zahlreichen Facetten der Persönlichkeit zum Gegenstand philosophischer Betrachtung machen: den Umgang mit Ängsten und Begierden, die Arbeitsethik, die persönliche Definition von Erfolg oder die Einstellung gegenüber Misserfolgen und Schicksalsschlägen.

Perspektivenwechsel

Auf die radikale Hinterfragung des eigenen Selbst folgt im nächsten Schritt die Beschäftigung mit den philosophischen Leit- und Lehrsätzen. Diese zielen auf eine Umkehr der gewöhnlichen Denkweise. Ein Blick auf einige Leitsätze macht dies deutlich. Wer Seelenruhe finden wolle, dürfe – so der Stoiker Epiktet (50–138) – zum Beispiel nicht Dinge begehren, über die andere gebieten und deshalb außerhalb der eigenen Einflussnahme liegen. Das Begehren nach vergänglichen Gütern, wie Reichtum, Macht und Ehren, müsse deshalb eingegrenzt werden. Es sei vielmehr eine Haltung wünschenswert, wonach der Mensch den Wunsch hege, "dass sich alles so abspielt, wie es sich abspielt".

Bezeichnenderweise findet sich dieser Gedanke auch in den Weltreligionen wieder, in berühmten Geschichten vielfältig erzählt. So empfiehlt Krishna, eine Inkarnation Gottes, in der Baghavat Gita (eine der zentralen Schriften des Hinduismus) seinem Schützling Arjuna, nicht nach den Früchten der Tat zu begehren. Denn "dein einziges Recht", so lehrt er "ist es zu wirken, und keinen Anspruch hast du auf die Früchte deines Tuns". Er fügt hinzu: "Halte dich niemals für die Ursache der Resultate deiner Arbeit." Im Grunde ist dies der gleiche Gedanke wie bei Epiktet: Man dürfe nicht nach Dingen begehren, die außerhalb der eigenen Macht liegen, wie zum Beispiel die Früchte der eigenen Arbeit. Sowohl die Griechen als auch die Inder verdichteten diesen Glauben in regelmäßigen Ritualen und Praktiken. So ging man in der Antike nach einer erfolgreichen Unternehmung – ganz gleich ob auf dem Schlachtfeld oder im Geschäftsleben – zum Tempel und opferte den Göttern, etwa Fortuna, der Glücksgöttin.

Der Gedanke dabei ist, dass Erfolg oder Misserfolg in großem Maße unabhängig vom eigenen Willen und Handeln ist. Leitsätze wie "Inschallah" im Islam ("So Gott will") oder das Vater Unser des Christentums mit dem Ausspruch "Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden" bringen die demütige Haltung der Weltreligionen auf den Punkt.

Ferner dürfe man nicht, so Seneca, über das Schicksal klagen, sondern müsse damit zufrieden sein und es zum Guten wenden. Was zähle, ist nicht, was passiert, sondern wie man es trägt. Und in eben diesem Geist schreibt der Stoiker Marc Aurel (121–180) in seinen Selbstbetrachtungen:

"Ich Unglücklicher, dass mir das passieren musste! – Nicht doch! Vielmehr: Ich Glücklicher, dass ich unbekümmert bleibe, trotzdem mir das passiert ist, ohne mich von meiner jetzigen Lage niederschmettern zu lassen oder Angst vor der Zukunft zu haben." 

Was beide Denker hier empfehlen, ist eine Umwertung der Situation und Veränderung der Sichtweise. Anstatt sich über ein unerwünschtes Ereignisses zu ärgern, solle man es als Möglichkeit begreifen, seine Gleichmut und Tapferkeit zu üben. Denn es sind, so Epiktet stellvertretend, "nicht die Dinge selbst, sondern die Meinungen über diese, die uns beunruhigen". Daher gehe es darum, seine Meinung über die Dinge zu prüfen und zu ändern.

Herr der Hunde

Doch es reicht nicht aus, durch Übung zu Erkenntnis zu gelangen und sich auf theoretischer Ebene für neue Perspektiven zu öffnen. Es bedarf auch der praktischen Übung, um die philosophischen Leitsätze und Ideen zu einem festen Bestandteil des eigenen Denkens und Handelns zu machen – um sie zu verinnerlichen. Das gelinge über eine regelmäßige Arbeit an sich selbst, eine konstante Erinnerung an die Grundsätze, nach denen man leben will. Dementsprechend groß ist der Stellenwert der Wachsamkeit: Denn allzu leicht kommen die guten Vorsätze unter die Räder der Routine. So empfiehlt der Stoiker Marc Aurel zum Beispiel, sich morgens die Prinzipien zu vergegenwärtigen, nach denen man über den Tag hinweg handeln will. Abends solle man sein Handeln prüfen und ehrlich Rechenschaft ablegen.

Eine weitere Übung besteht in der von Seneca empfohlenen Premeditatio Mallorum: Dabei geht es darum, sich auch mit den Schattenseiten des Lebens zu beschäftigen, wie etwa mit Leiden, bestimmten Schicksalsschlägen oder Misserfolg. Man beschäftigt sich mit diesen Themen, denkt über sie nach, wägt mögliche Reaktionsweisen und Handlungsoptionen gegeneinander ab und entwickelt so Strategien, wie man sich im entsprechenden Fall verhalten will. So empfiehlt Seneca beispielsweise, sich in "Armut zu üben", das heißt, sich immer wieder einige Tage "mit wenig und einfacher Speise, mit derber und schmuckloser Kleidung zu begnügen", um so zu erkennen, dass man auch "ohne Vermögen glücklich leben könne" und die eigene Furcht davor abzustreifen vermag. Dies wird, wenn der Augenblick kommt, helfen, die Ereignisse besser anzunehmen. Plutarch (45–125) schreibt dazu:

"Ihr müsst euch die Prinzipien auf eine so sichere Weise angeeignet haben, dass, wenn eure Begierden, eure Gelüste, eure Ängste wie bellende Hunde aufwachen, der Logos mit der Stimme des Herrn spricht, der mit einem einzigen Ruf die Hunde zum Schweigen bringt."

Für die antike Philosophie bietet somit der Alltag unzählige Möglichkeiten, die Grundsätze einzuüben, nach denen man leben will – bis sie schließlich zu einer Gewohnheit werden. Wer zum Beispiel mutig sein will, solle dies zunächst in einfachen Situationen üben, um nach und nach auch schwerwiegendere Situationen mit der entsprechenden Haltung meistern zu können. So schreibt Aristoteles: "Durch das Verhalten in gefährlicher Lage, Gewöhnung an Angst oder Zuversicht, werden wir entweder tapfer oder feige." Aus den verschiedenen Einzelhandlungen erwachse schließlich die gefestigte Haltung, der Habitus.

Das Gleiche gilt in Bezug auf die kleinen und großen Ärgernisse des Alltags. Man müsse sich täglich darin üben, mit unerwünschten Ereignissen gelassen umzugehen. Sobald in einer Situation, die man nicht ändern kann, Ärger aufkommt – etwa weil eine Person unfreundlich ist, ein Kollege Abmachungen bricht oder eine Unternehmung misslingt –, würde es bedeuten, dass man innehält, sich an den Grundsatz der "Heiterkeit in allen Lebenslagen" (Marc Aurel) erinnert und versucht, diese Haltung umzusetzen.

Selbst-Meißelung

Die hellenistische und römische Philosophie zeigt uns in einer optimistischen und freiheitsbejahenden Haltung, dass wir frei genug sind, uns nach unserem eigenen Bilde zu erschaffen. Das ist, wie ich denke, die große Leistung dieser Philosophie. Dazu gehört, dass man sich von konventionellen Sichtweisen löst und die Arbeit am Selbst in die eigene Hand nimmt. Wachsamkeit, Zwiegespräch mit sich selbst und konstante Übung zeigen den Weg dazu auf. Der antike Philosoph Plotin (205–270) drückt diesen Gedanken schön aus, wenn er schreibt:

"Und wenn du siehst, dass du nicht schön bist, so tu wie der Bildhauer, (…) meißle auch du fort, was unnütz und richte, was krumm ist, das Dunkle säubere und mach es hell, und lass nicht ab, an deinem Bild zu handwerken, bis dir hervorstrahlt der göttliche Glanz der Tugend."

Doch das erfordert Mut, Experiment und Ausdauer: den Mut, Selbstverständliches infrage zu stellen, die Freude am Experimentieren und die Ausdauer im tätigen Bestreben, die Grundsätze zu einer Gewohnheit zu machen. So macht die Philosophie aus dem Alltag ein Übungsfeld der Weisheit.


Das sollte Sie auch interessieren:
Nicholas Wenzel ist Geschäftsführer von InternsGoPro, einem Unternehmen, das sich für bessere Praktika in Europa einsetzt. Davor hat er an der Humboldt-Universität zu Berlin Subjektphilosophie gelehrt und einen Onlinekurs zu sozialen Innovationen für die EBS Universität für Wirtschaft und Recht entwickelt. Die aktuelle Ausgabe des Magazins mit dem Titel Ökonomie & Spiritualität kann im gut sortierten Handel oder hier online erworben werden.




Kommentare:

  1. "Arbeit an sich selbst" ist für mich immer ein Synonym für Arbeit in einer therapeutischen Beziehung gewesen. Ich kann mir Philosophie nicht als einziges Instrument vorstellen. Das hier genannte Überprüfen und Überdenken seiner Gewohnheiten wird gut unterstützt durch die Beschäftigung mit dem Unterbewussten. Erst dadurch kann ich gewahr werden, wie manches Denken und Empfinden überhaupt Platz in mir gewonnen hat. Kann ich per se erkennen, ob die eine oder andere Denkgewohnheit schlecht ist?

    Gerhard

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Gerhard,

    ich denke auch nicht, dass Philosophie ein einziges Instrument ist, aber sie kann uns Instrumente an die Hand geben, wie z.B. fragen, statt nicken oder das sorgfältige Durchdenken unserer Überzeugungen und das Prüfen von Reflexen, die wir haben. Das Philosophiestudium hat mir wirklich geholfen, hinter die ersten Wahrheiten zu schauen und vor allem hat es mir geholfen, der Sprache auf den Grund zu gehen. Und schließlich ist die Sprache unser Medium fürs Denken. Es gibt keine scharfen Gedanken ohne treffende Sprache.

    Das Unterbewusste ist eine Schicht, die uns durch das tägliche "oberflächliche" Schauen und Denken nicht zugänglich ist. Hier bedarf es einer langen Beobachtung unserer eigenen Person und das geht kaum, ohne dass andere uns dabei helfen.

    Ob (Denk-)Gewohnheiten schlecht sind, zeigt sich letztlich darin, welche Konsequenzen sie haben. Das ist natürlich oft subtiler, als man denkt. Zum Beispiel hat es erst mal gar keine Konsequenzen, wenn ich schlecht über andere denke. Was es aber über lange Zeit mit mir macht, das bemerke ich vielleicht gar nicht. Ganz langsam wird man zu einem Griesgram, hasst alle um sich herum, wird einsam, schlecht gelaunt usw. Also, per se kann man das vielleicht nicht immer gleich erkennen, aber man kann sich die Frage stellen: Was macht diese Gewohnheit aus mir, wenn ich sie ins extrem denke. Oder, wenn wir ethisch wie Kant rangehen wollen: Was würde meine Gewohnheit aus dieser Welt machen, wenn alle diese Gewohnheit hätten?

    Viele Grüße!

    AntwortenLöschen
  3. Was, wenn wir in einer Gesellschaft lebten, die gar nicht erst Laster (Süchtge = Suche, weil etwas zu fehlen scheint ... womöglich das eigene Selbst?) erste entstehen. In der sich Mensch ganz autonom auch schon in den ersten Stunden ent-falten kann?
    Ich habe gerade das Buch "Der Verrat am Selbst: Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau" von Arno Gruen begonnen zu lesen. Und mir will scheinen, dass wir noch weit entfernt sind (die Sklaverei ist gerade Mal 200 Jahre im Westen aufgehoben worden), Kindern nicht zum Gehorsam zu trimmen, so dass sie ihr Selbst erfühlen und erfahren können. Ganz im Gegenteil, dürfte dem überwiegenden Teil von uns die Autonomie abhanden gekommen zu sein.
    Daher Bedarf es erst solcher philophischen Denkwerkzeuge, um sich einigermaßen von der Form-ung zu erholen.
    Arno Gruen weist noch auf das Buch "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück: Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit"von Jean Liedloff hin. Darin gibt sie uns sehr viele Hinweise, wie Mensch in Autonomie aufwachsen kann, so dass er gar nicht mehr an sich arbeiten muss, um wieder ein guter Mensch zu werden, da er gleich ein solcher wird.
    Übrigens sprechen die Freimaurer auch davon, dass sie sich als unbehauenen Stein betrachten, der dann via Arbeiten an sich fein gemacht wird. Was für eine brutale Metapher: Hauen wir den Stein = Menschen :-(

    AntwortenLöschen
  4. Herzlichen Dank für Ihren erfrischenden Beitrag. Sie liefern damit eine umfassende Vorlage zur Arbeit an "mir selbst". Philosophieren, um ein guter Mensch zu werden. Sollten wir da nicht Philosophie zum Pflichtfach schon in der Grundschule erklären?
    Ja, hier liegt wahrlich der Schlüssel, um ein gutes Leben führen zu können: immer und immer wieder mutig und wachsam unsere Gewohnheiten im Denken und im Verhalten zu prüfen und zu verändern und daraus unsere gewünschte Haltung zu entwickeln. Und gleichzeitig demütig anzuerkennen, dass doch nicht alles in unserer Macht steht.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für diesen Kommentar, Herr Kiefer. Das fasst ja alles bisher gesagte in einen Kurzen Absatz.

      Viele Grüße!

      Löschen
  5. Zitat "Und gleichzeitig demütig anzuerkennen, dass doch nicht alles in unserer Macht steht". Die Formulierung deutet daraufhin, dass der Verfasser offenkundig der Meinung ist, dass es eine'höhere Macht' gibt die der Mensch demütigend anerkennen soll. So weit ich erkennen kann, sind es nur menschliche Machtausübende, die über die Geschicke der Menschheit Macht ausüben. Gerade so Begriffe wie "Demut" und "Respekt" werden missbräuchlich sehr oft von Machtausübenden für ihren Machterhalt und bzw. Machtausweitung benutzt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Interessant, dass Sie das im Sinne von "höherer Macht" lesen. Ich musste eher an den Zufall denken und wie viel im Alltag einfach passiert, ohne dass wir es beeinflussen könnten (und sollten). Siehe dazu auch Serendipität oder die in die Wege geleiteten Zufälle.

      Oder denken wir an kosmisches Geschehen: Wir können nachts die Milliarden Sterne ansehen und vielleicht im Gefühl der sich einstellenden Ohnmacht so etwas wie Demut und Respekt vor der Unendlichkeit empfinden.

      Ich weiß nicht, ob bei Ihnen Unendlichkeit, Natur und Raum unter "höhere Mächte" fallen... vielleicht. Warum nicht?

      Löschen