Philosophische Praxis
Erkenne dich selbst. Der Rest kommt (fast) von allein.

18. September 2010

Die richtige Arbeit gibt es nicht, nur richtiges Arbeiten

Wie arbeitet man richtig?

Eine der häufigsten Problemstellungen, die einem als Coach begegnen ist die der Motivation im Berufsleben. Wenn man jemanden fragt, was die perfekte Arbeit wäre, dann hört man oft: "Mit meinem Hobby Geld verdienen!" Das heißt, die Arbeit soll unmittelbar mit den eigenen Interessen verbunden sein. Es hilft auch, eine seltene und gefragte Fähigkeit anbieten zu können, denn dann ist die erfahrene Wertschätzung (Bezahlung und Status) höher. Implizit steckt in dieser Idee jedoch schon der Fakt, dass die meisten von uns das nicht bieten können. In der Mehrheit sind wir Tellerwäscher und nicht Solo-Violinisten...


Was sind die Aspekte, die uns unsere Arbeit lieben lassen? 

Es ist lange schon klar, das Geld nur bis zu einem bestimmten Punkt ein Anreiz sein kann. Das heißt nicht, dass wir nicht trotzdem mehr Geld nehmen und dafür eine Arbeit eben in Kauf nehmen würden, zu der wir ansonsten keinen großen Bezug haben. Auf die Dauer hält uns das jedoch nicht bei Laune. Ähnlich ist es mit Noten für Schüler - sie motivieren auch nur im Zusammenspiel mit anderen Faktoren.

Die Self-determination Theory (SDT) bietet einen guten Ansatz, um Motivation zu verstehen. Nach ihr sind es die Aspekte Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit, die uns in unseren Tätigkeiten aufgehen lassen.
  • Autonomie heißt dabei, dass man über den Einsatz seiner Zeit und Energie selbst bestimmen kann, einzelnen Arbeiten nach eigener Einschätzung eine höhere oder geringere Priorität zumessen kann.
  • Kompetenz ist die Fähigkeit die ganz wesentlichen Dinge der Tätigkeit zu meistern und zu verstehen. Ohne ausreichende Kompetenz steht man unter dem permanentem Stress, seiner Rolle nicht gerecht zu werden.
  • Verbundenheit verweist vornehmlich auf die sozialen Aspekte, im Zeitgeist-Jargon: das Team. Lieben und Sorge tragen und Wertschätzung durch andere erfahren, ist unerlässlich für unsere Motivation.
Für die meisten von uns kommen diese drei Aspekte jedoch nicht ganz leicht zusammen. Daher sind wir alle gut beraten, eine seltenere und gefragtere Fähigkeit auszubilden, als die des Teller Waschens. Man muss ja nicht gleich ein Star-Violinist werden, man kann auch ein exzellenter Koch, Manager oder Coach werden. Ist das erst einmal erreicht, kommt es darauf an, dass man die drei oben genannten Aspekte in seinem Leben etabliert und zusammenbringt.

Ich möchte noch einen wesentlichen Störfaktor ansprechen, der aus dem Fehlen auch nur einer der drei Aspekte resultiert: Stress. Studien zum Beispiel von Robert Sapolsky (siehe Wired-Artikel Under Pressure) zeigen, dass latenter Stress zunimmt, je weiter unten man in der Hierarchie eines sozialen Systems (z.B. Büro) lebt oder arbeitet, je weniger man also über Autonomie verfügt. Die oben angesprochene Verbindung von mangelnder Kompetenz und Stress ist evident. Fehlt die emotionale Verbundenheit, so fehlen positive dem Stress entgegenwirkende Momente. Unfreiwillige Isolation oder gar aktive Ausgrenzung aus Gruppen in einem sozialen System ist einer der größten Stressfaktoren, mit denen wir als soziale Wesen konfrontiert werden können.

Selbst wenn es auf der Arbeit oft hektisch wird, werden wir das gut verkraften, solange wir selbstbestimmt, kompetent und sozial verbunden arbeiten können. Diese Aspekte sind primär und weit wichtiger, als sein Hobby zum Beruf machen zu können oder eine besonders gefragte Fähigkeit vorweisen zu können. Im Idealfall kommt all das zusammen.


Inspiration zu diesem Artikel kam von Study Hacks.

1 Kommentar:

  1. Danke für diesen Artikel. Das Thema Autonomie und Selbstbestimmung für eine intrinsische Motivation hatte mich vor drei Jahren auch sehr beschäftigt. Mir war aufgefallen, wie sich Kollegen nach der Umstellung unserer Entwicklung auf die anarchistisch anmutende SCRUM-Methodik zu engagierten, selbstverantwortlichen Teammitglieder entwickelten und wollte wissen, was das war.
    Später hatte ich dann noch gefragt, ob man gezielt motivieren kann und habe auch diesen Artikel geschrieben:
    Dan Pink sagt: Belohnungen machen das Business langsamer, das weiß die Wissenschaft, aber das Business ignoriert dies
    LG Martin

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