Philosophische Praxis
Erkenne dich selbst. Der Rest kommt (fast) von allein.

1. April 2012

Schuldgefühle - Nietzsches große Gesundheit

Dieser Artikel ist dem neuen deutschen Philosophie Magazin zu verdanken. In der letzten Ausgabe gab es eine gute Beilage zu Nietzsches Genealogie der Moral. Danke!

Nietzsche war krank: Augenschmerzen, Migräne, Magenschmerzen, Schlaflosigkeit und Depressionen quälten ihn die längste Zeit seines kurzen Lebens. Etwa ein Viertel dieses Lebens verbrachte er dann auch noch in geistiger Umnachtung. Er hatte nur etwa 30 Jahre um etwas zu schaffen. Und was für 30 Jahre das waren! Die Werke Siegmund Freuds, Carl Gustav Jungs, Jean-Paul Sartres, Michel Foucaults oder Thomas Manns wären ohne Nietzsches Wirken auf undenkbare Weise ärmer, jedenfalls anders ausgefallen. Was machte Nietzsche so einflussreich und was kann man heute von ihm fürs Leben lernen?

Hans Olde: Der kranke Nietzsche auf dem Balkon der Villa Silberblick, Sommer 1899 (Wikipedia)

Von wegen, nur in einem gesunden Körper wohne auch ein gesunder Geist! Nietzsches Denken war von einer radikalen Freiheit gekennzeichnet, von einer Offenheit auf der einen und von einem Widerwillen der Unterordnung unter eine von Schuld geprägte Moral auf der anderen Seite:
"Der Mensch hat allzulange seine natürlichen Hänge mit »bösem Blick« betrachtet, so daß sie sich in ihm schließlich mit dem »schlechten Gewissen« verschwistert haben. Ein umgekehrter Versuch wäre an sich möglich [...] nämlich die unnatürlichen Hänge, alle jene Aspirationen zum Jenseitigen, Sinnenwidrigen, Instinktwidrigen, Naturwidrigen, Tierwidrigen, kurz die bisherigen Ideale, die allesamt lebensfeindliche Ideale, Weltverleumder-Ideale sind, mit dem schlechten Gewissen zu verschwistern."
Wunderbar zu lesen!
Die Macht unserer Erzieher und unsere zweite Unschuld
Diese Moral des schlechten Gewissens, dessen Entstehung Nietzsche in seinem Buch Jenseits von Gut und Böse: Zur Genealogie der Moral untersucht, kennen wir alle. Unaufhörlich wurde seit unserer Kindheit auf uns eingeredet: "Mach dies nicht, mach das nicht!" "Sei artig!" "Benimm dich" "Das gehört sich nicht." "Das ist deine Schuld." Als soziale Wesen, die wir sind, verinnerlichen wir solche Indoktrinationen sehr früh. Manche von uns so weit, dass sie auch als Erwachsene, wenn sie die beengenden Instanzen aus Elternhaus, Kindergarten und Schule hinter sich lassen, diese Doktrinen mit nehmen, sich nie von ihnen frei machen. Wir merken das daran, wenn wir uns selbst ständig kritisch begleiten, unsere Gedanken und Taten verurteilen. Das fängt bei harmlosen Beobachtungen an: "Das war jetzt keine gute Idee." Und hört bei schlimmen und selbstverletzenden Urteilen wie "Du kannst nichts" oder "Du bist eben nichts wert" noch lange nicht auf. Selbst die unter uns, die sich solche im wahrsten Sinne vernichtenden Selbstgespräche nicht antun, sind durchdrungen von Schuldgefühlen gegenüber ihren "natürlichen Hängen", also den Impulsen, Wünschen und Begierden, die unsere nackte Existenz von uns verlangt.

Wo kommt das her? Von unseren Eltern und Lehrern? Aber wo haben die und deren Eltern und Lehrer es her? Für Siegmund Freud ist es der Preis, den wir für die Kultur zu zahlen haben: Dafür, dass wir nicht über einander herfallen, morden, rauben, vergewaltigen. Dafür, dass wir auch eine sublime und sublimierende, also von der Verdrängung profitierende Kunst und Literatur entwickeln. Nietzsches Hoffnung liegt in der Überwindung dieser Kultur. "Gott ist tot" ist keine Feststellung Nietzsches, sondern ein Ausdruck der Sehnsucht nach der Überwindung einer Kultur, die ihren Ausgang in solch schlimmen Ideen wie der Erbsünde haben, eine ewige Schuld, mit der man bereits geboren wird und die einen ins Grab begleitet:
"Die Heraufkunft des christlichen Gottes [...] hat deshalb auch das Maximum des Schuldgefühls auf Erden zur Erscheinung gebracht. Angenommen, dass wir nachgerade in die umgekehrte Bewegung eingetreten sind, so dürfte man mit keiner kleinen Wahrscheinlichkeit aus dem unaufhaltsamen Niedergang des Glaubens an den christlichen Gott ableiten, dass es jetzt bereits auch schon einen erheblichen Niedergang des menschlichen Schuldbewusstseins gäbe; ja die Aussicht ist nicht abzuweisen, dass der vollkommne und endgültige Sieg des Atheismus die Menschheit von diesem ganzen Gefühl, Schulden gegen ihren Anfang, ihre causa prima zu haben, lösen dürfte. Atheismus und eine Art zweiter Unschuld gehören zu einander."
Und ich denke, da ist etwas dran: Wir sind heute weniger eingezwängt von moralischen Fähigkeiten in der Lage, uns mit Körper und Geist zu verwirklichen, ohne dass deswegen jede Moral zerbräche. Denken wir zum Beispiel an heute offen gelebte und gesetzlich geschützte Homosexualität. Allerdings scheint das Schuldgefühl hartnäckiger zu sein, als Nietzsche hoffte. Es ist eben nicht nur an die Existenz eines Glaubens gekoppelt, sondern hat sich von ihm abgelöst und findet auch in jeder säkularen Moral ihren fruchtbaren Boden. Und ganz ohne aus Triebverzicht resultierenden Schuldgefühlen wird es auch nie gehen. An diesem Punkt - wir kommen wieder zur Kultur - muss man einen Unterschied machen zwischen einer Moral, die Raub und Mord in Schach zu halten versucht und einer, die jedem Menschen von Geburt an zu vermitteln versucht, er sei schuldig, sündig und müsse schon wegen seiner bloßen Existenz Buße tun. Der heutige säkulare Rechtsstaat verlangt Buße, wenn man gegen die Rechte verstoßen hat und nicht, weil man überhaupt geboren wurde.

Seele - die problematische Psyche
Spätestens seit Freud wissen wir jedoch, dass schon eine säkulare Moral und Erziehung über ihre nötige Triebunterdrückung genügt, um jeden Menschen mit einer problematischen Psyche auszustatten. Aber das heißt es eben auch, Mensch zu sein. Eine Psyche, ist nur als problematisch zu haben. Es gibt keine Seele ohne Schmerzen. Sie ist Ausdruck dessen, was Nietzsche die "Verinnerlichung des Menschen" nennt. Die Seele entstand, als die in Tieren nach außen gerichteten Instinkte und Triebe (gegenseitige Tötung ist im Tierreich auch innerhalb der selben Art und sogar Familie an der Tagesordnung) sich beim Menschen nach innen wandten, Freud würde sagen: unterdrückt wurden. Das sind Gedanken, die die moderne Anthropologie in Begriffen wie Entlastung (z.B. bei Gehlen) versus Entfremdung (z.B. bei Adorno) stark geprägt haben. Auch Nietzsche wusste natürlich um die Janusköpfigkeit, die zwei Seiten der einen Medaille:
"Der Mensch, der sich, aus Mangel an äusseren Feinden und Widerständen, eingezwängt in eine drückende Enge und Regelmässigkeit der Sitte, ungeduldig selbst zerriss, verfolgte, annagte, aufstörte, misshandelte [...] – dieser Narr, dieser sehnsüchtige und verzweifelte Gefangne wurde der Erfinder des »schlechten Gewissens«. Mit ihm aber war die grösste und unheimlichste Erkrankung eingeleitet, von welcher die Menschheit bis heute nicht genesen ist, das Leiden des Menschen am Menschen, an sich: als die Folge einer gewaltsamen Abtrennung von der thierischen Vergangenheit, eines Sprunges und Sturzes gleichsam in neue Lagen und Daseins-Bedingungen, einer Kriegserklärung gegen die alten Instinkte, auf denen bis dahin seine Kraft, Lust und Furchtbarkeit beruhte." 
Und dann...
"Fügen wir sofort hinzu, dass andrerseits mit der Thatsache einer gegen sich selbst gekehrten, gegen sich selbst Partei nehmenden Thierseele auf Erden etwas so Neues, Tiefes, Unerhörtes, Räthselhaftes, Widerspruchsvolles und Zukunftsvolles gegeben war, dass der Aspekt der Erde sich damit wesentlich veränderte. [...] Der Mensch zählt seitdem mit unter den unerwartetsten und aufregendsten Glückswürfen, die das »grosse Kind« des Heraklit, heisse es Zeus oder Zufall, spielt, – er erweckt für sich ein Interesse, eine Spannung, eine Hoffnung, beinahe eine Gewissheit, als ob mit ihm sich Etwas ankündige, Etwas vorbereite, als ob der Mensch kein Ziel, sondern nur ein Weg, ein Zwischenfall, eine Brücke, ein grosses Versprechen sei..."
Die große Gesundheit
Was lernen wir daraus als Individuen, aber auch als Gesellschaft? Für mich gilt erst einmal: Mehr wagen! Sich nicht klein machen lassen von irgend welchen Dos und Don'ts der Götter und Lehrer. Die Anmaßung des Goethe'schen Prometheus gefällt mir: "Hier sitz' ich, forme Menschen nach meinem Bilde, ein Geschlecht, das mir gleich sei, zu leiden, weinen, genießen und zu freuen sich, und dein nicht zu achten, wie ich!" Das ist die sich selbst genommene Freiheit, die immer wieder hergestellte große Gesundheit, auch wenn Prometheus dafür bestraft wird und elendig leiden muss.

Prometheus: "Ich dich ehren? Wofür?"
Die existentialistische Freiheit, die ich als Mensch erleiden muss, kann ich auch umkehren und für mich in Anspruch nehmen. Natürlich achte ich Gesetze und die Würde anderer Menschen. Aber darüber hinaus ist es meine Entscheidung, wie ich lebe und ich muss mich von niemandem beurteilen lassen oder mich rechtfertigen. Der Tod ist ein großer Erlöser, denn er sagt uns schon im Leben, dass wir nur die eine Chance haben, ein Mensch mit Courage zu sein und das beste daraus zu machen. Was dieses beste ist, muss jeder für und durch sich selbst entscheiden. Das heißt auch, auf der Hut zu sein vor den Einflüsterungen der Gesellschaft, ihrer Lehrer und der Propaganda. Ungleich wichtiger ist, sich selbst nicht einzureden, dass man nichts könne, ein Niemand und nichts wert sei. Das Problem daran ist, dass es schwer ist. Es ist viel leichter, sich gehen zu lassen und das zu machen, was alle machen, was unterstützt und finanziert, sprich: was durch die Gesellschaft gewollt wird. Die größtmögliche Gesundheit des Geistes erleben wir nur jenseits des schlechten Gewissens, der kleinlichen Doktrinen und der Verachtung für unsere Instinkte und Körper. Sich davon frei zu machen, muss jeder selbst leisten. Und man muss es immer wieder leisten, weil wir immer wieder eingeholt werden von diesem schlechten Gewissen, das die Kultur und der Triebverzicht uns aufbürden.




Alle Zitate aus: Jenseits von Gut und Böse. Zur Genealogie der Moral. Zweite Abhandlung: »Schuld«, »schlechtes Gewissen« und Verwandtes. Das Werk, das aus einer Vorrede und drei „Abhandlungen“ besteht, gehört zu den einflussreichsten Schriften Nietzsches. Er legte hier keine Aphorismen vor wie in den meisten anderen seiner Werke, sondern längere, systematische Texte mit durchaus wissenschaftlichem Anspruch: Er stellt darin soziologische, historische und psychologische Thesen auf. Nietzsche wollte anders als klassische Moralphilosophen keine Moral herleiten oder begründen, sondern die geschichtliche Entwicklung und die psychischen Voraussetzungen bestimmter moralischer Wertvorstellungen nachvollziehen. Er fragt also nicht, wie die Menschen handeln sollten, sondern warum Menschen (Einzelne oder Gruppen) glauben, sie sollten auf bestimmte Weise handeln, oder andere dazu bringen wollen, so oder so zu handeln. (Quelle: Wikipedia)

Kommentare:

  1. "Ungleich wichtiger ist, sich selbst nicht einzureden, dass man nichts könne, ein Niemand und nichts wert sei. Das Problem daran ist, dass es schwer ist. Es ist viel leichter, sich gehen zu lassen und das zu machen, was alle machen, was unterstützt und finanziert, sprich: was durch die Gesellschaft gewollt wird." (zit. s.o.) Kann man es wirklich in 'schwerer' und 'leichter' einordnen? Ich meine, es kommt auf die eigene Haltung an, was als schwerer oder leichter empfunden wird. Und es kommt auf die Handlungsmöglichkeiten an, ob man aus Liebe oder Angst handeln kann.

    Zur Haltung: Vorneweg gesagt, ich bin kein Brecht-Kenner, habe mir aber von einem Kenner sagen lassen, dass "Haltung" für Brecht etwas ist, das man sich täglich neu erarbeiten muss, etwas, das durch Gesellschaft und das Wirken eines kapitalistischen Umfelds immer wieder in Frage gestellt wird. So dass man gezwungen ist, stets aufs Neue zu reflektieren und sich seine Position zu erarbeiten, wenn man nicht, wie Du es formulierst, das machen will, was alle machen. Meine eigene erarbeitete Haltung ist, dass es für mich 'schwerer' ist, mit Dingen konform zu gehen, die ich ethisch für nicht angemessen halte. Deshalb ist es 'leichter', nachzudenken und im Zweifelsfall auch mal gegen den Strom zu schwimmen.

    Und da komme ich zum zweiten Punkt: Ich stimme mit Jampolsky überein, der schreibt, dass es nur zwei grundsätzliche Handlungsmotive gibt, das sind Liebe und Angst. Das Konformgehen in einer Gesellschaft hat etwas mit Angst zu tun, was passiert, wenn man in die Freiheit ginge. Welcher Philosoph sagte gleich wieder, dass Gesellschaft entstünde, wenn Grenzen gezogen werden? War es Hegel? Ich weiß es nicht mehr, jedenfalls bringt jede gedachte Regelübertretung die Angst mit sich, dass man aus dem System Gesellschaft herausfällt - pathologisch als "das schlechte Gewissen" eingeordnet. Es gehört eine gehörige Portion Mut und Selbstvertrauen dazu, wirkliche Freiheit zu leben und Teil der Gesellschaft zu bleiben. Es gehört ein ethisches Bewusstsein dazu, sich als Teil der Kultur zu begreifen, in ihr zu leben und gleichzeitig traditionelle Vorstellungen und Maßregelungen zu überschreiten. Es gehört Zufriedenheit und innere Balance dazu, es auszuhalten, mal anderer Meinung zu sein.

    Es wäre schön, wenn diese Art von Freigeist und ethischem Verständis in der Schule gelehrt würde - wie oft in meinen Kommentaren bin ich der Meinung, dass ganz viel an der Bildung hängt - und ich bin der Ansicht, dass hier bewusst an Lehrinhalten gespart wird, um die Gesellschaft nicht auf den Kopf zu stellen.

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  2. Vielen Dank, Claudia, für deinen wieder sehr reflektierten und pointierten Kommentar! Zu deiner Frage, ob man es wirklich in leichter und schwerer einteilen kann: Ich will da nicht für alle Menschen sprechen, sondern aus meiner Perspektive. Und ich finde es hart, dem sanften Druck zu widerstehen, der uns in die "richtige" Richtung lenkt. Es fällt mir schwer, groß und nicht kleinlich zu sein, den Mund aufzumachen, wenn ich mit Dingen nicht einverstanden bin. Ich mach es trotzdem, aber einfacher wäre es, sich einzureihen.

    Aber Nietzsche meint ja noch mehr. Ihm reichte es ja nicht, einen Gott und seine (Sklaven-)Moral zu stürzen, sondern er wollte einen neuen Menschen, der Gott nicht nötig hat, vielmehr gottgleich ist (siehe meine Anspielung oben auf Prometheus):

    "Aber irgendwann, in einer stärkeren Zeit, als diese morsche, selbstzweiflerische Gegenwart ist, muss er uns doch kommen, der erlösende Mensch der grossen Liebe und Verachtung, der schöpferische Geist, den seine drängende Kraft aus allem Abseits und Jenseits immer wieder wegtreibt, dessen Einsamkeit vom Volke missverstanden wird, wie als ob sie eine Flucht vor der Wirklichkeit sei –: während sie nur seine Versenkung, Vergrabung, Vertiefung in die Wirklichkeit ist, damit er einst aus ihr, wenn er wieder an's Licht kommt, die Erlösung dieser Wirklichkeit heimbringe: ihre Erlösung von dem Fluche, den das bisherige Ideal auf sie gelegt hat. Dieser Mensch der Zukunft, der uns ebenso vom bisherigen Ideal erlösen wird, als von dem, was aus ihm wachsen musste, vom grossen Ekel, vom Willen zum Nichts, vom Nihilismus, dieser Glockenschlag des Mittags und der grossen Entscheidung, der den Willen wieder frei macht, der der Erde ihr Ziel und dem Menschen seine Hoffnung zurückgiebt, dieser Antichrist und Antinihilist, dieser Besieger Gottes und des Nichts – er muss einst kommen..."

    Interessant, dass Nietzsche eben gerade nicht den Nihilismus will, sondern eine neue und zukunftsgewandte Wertigkeit. Daher kam ja dann auch der ganze Aufbruch in der Kunst und Literatur, aber natürlich auch die Missverständnisse, die solche Worte in Kriege verwandeln wollten.

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  3. und wiederum ein sehr schöner Artikel, vielen herzlichen Dank!

    >Die existentialistische Freiheit, die ich als Mensch erleiden muss, kann >ich auch umkehren und für mich in Anspruch nehmen. Natürlich achte ich >Gesetze und die Würde anderer Menschen.

    ;-) Wir sollten Kinderbücher und dergleichen lesen, daraus lernt man am meisten. Unsere Tochter macht bsp.weise ein Referat zu Danton.
    Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit ist vom Club des Cordeliers durch "virales Marketing" verbreitet worden und hat es geschafft, die faktische Adelsherrschaft seit der Antike zu überwinden...
    Heute Wesenskern der europ. Verfassung und des Weltbilds.
    Soviel zur sog. Alternativlosigkeit!

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  4. Für mich als Kind aus adventistischem Hause war die Begegnung mit so manchem Nietzschen Gedanken ... erschütternd. Vor ca. 8 Jahren las ich in einem Urlaub den "Antichrist". Obwohl ich mich bereits 1987 aus meinem gelernten Leben mit Gott verabschiedet hatte, musste ich ganz schön schlucken angesichts einiger harter Sätze...
    Vielleicht ist mein Leben einfach zu unausgelastet und lässt mir Lücken für das Wahrnehmen von (gefühlten) Defiziten. Und so kam es, dass ich mich vor einigen Monaten wieder irgendwie angezogen fühlte vom "Gottes-Gedanken". Allerdings scheint tatsächlich kein Weg rein zu führen, es sei denn, ich bekenne mich schuldig und einer Erlösung bedürftig. "Sünde" - damit kann ich nichts anfangen, und wenn ich Mist baue, hat der immer (in engem oder weitern Sinn) mit anderen Menschen zu tun. Was soll Gott dazwischen?
    Neulich hab ich einen Baptisten-Gottesdienst miterlebt und war sehr überrascht von der Lockerheit, mit der es dort zuging. Aber auch die war nur dazu da, eine herzig-wohlig-warme Abhängigkeit zu feiern . Und so sehr ich mir auch die Zugehörigkeit zu einem "Club" wünsche - nein, ich könnte nicht unterschreiben, was dort hochgehalten wird. Nun, wer weiß - vielleicht gibt es da etwas, das ich auch heute noch nicht ganz verstanden habe. Die Suche hört nie auf, oder? Nietzsche entdeckt zu haben, war/ist jedenfalls eine große Bereicherung!

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    1. Jungen Menschen beim Aufwachsen einzureden, dass sie schuldig sind, und sie damit in ein Leben der Schuldgefühle zu schicken, finde ich die "Erbsünde" der christlichen Religion. Ein Gott, dem das gefiele, wäre eine traurig-grausame Gestalt.

      Welche Suche meinst du? Würde es nicht reichen, dass es einen selbst gibt, dazu andere geliebte und weniger geliebte Menschen, dass man selbst Vertantwortung hat, ein Gewissen als Mensch und nicht als "Geschöpf"? Mir reicht das, denn darin finde ich alle moralischen Möglichkeiten, die ein Mensch nur haben kann. Selbst Demut, Glaube, Liebe - alles denkbar und lebbar ohne einen Gott oder Heilsversprechen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich nach irgend etwas suchen müsste.

      Wonach suchst du?

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