18. Juli 2012

Das Drei-Einige Gehirn und die Evolution der Persönlichkeit

Ich bin ja immer sehr an Typologien der Persönlichkeit interessiert und neulich fiel mir ein Buch mit dem vielversprechenden und umfassenden Titel Evolution der Persönlichkeit: Die Grundlagen der Biostruktur-Analyse in die Hände, das eine sehr einfache triadische Typologie skizziert. Geschrieben von Juergen Schoemen.

L'inactuel
Das Drei-Einige Gehirn
Die Biostruktur-Analyse geht von nur drei Grund-Komponenten der Persönlichkeit aus und ist damit Rekordhalter der Reduktion. Auch die Dreieinigkeit Gottes und alle anderen magischen Spielchen rund um die Zahl drei werden gleich mit erklärt und zwar durch die triadische Struktur unseres Gehirns: das Stammhirn, das Zwischenhirn und das Großhirn. Da unser Gehirn aus diesen drei Hauptstrukturen aufgebaut sei, verstünde es alle Dreier-Konzepte besonders gut. Die Reihenfolge der Ausbildung dieser Struktur entspräche der evolutionären Entwicklung der Wirbeltiere vom Reptil (Stammhirn) über die frühen Säugetiere (Stammhirn + Zwischenhirn) bis zu den Primaten (Stammhirn + Zwischenhirn + Großhirn). Zurück geht diese Idee auf den US-amerikanischen Hirnforscher Paul D. MacLean und seine Arbeiten in den 60er Jahren. Inzwischen sind einige der evolutionären Aspekte überholt, zum Beispiel weiß man, dass alle modernen Wirbeltiere inklusive der Reptilien das Stammhirn von noch älteren gemeinsamen Vorfahren "geerbt" haben. Außerdem zeigen "Stammhirn-Tiere" (insbesondere Vögel) außerordentlich kognitive Fähigkeiten, die weit über das hinausgehen, was McLean dem Stammhirn zuschreibt. Welche Funktionen schreibt die Biostruktur-Analyse den drei unterschiedlichen Hirnen nun zu?

Das Stammhirn (Basalganglien) - Gefühle
Die Aufgabe des Stammhirns ist basale Selbsterhaltung durch reguliertes Atmen, Stoffwechsel und die Grundmuster des Verhaltens rund um Ernährung, Aggression und Fortpflanzung gesteuert durch grundlegende Gefühle wie Hunger, Kälte, Schmerz. Alles was automatische Routinen im Verhalten sind und in Alltags-Rituale mündet wird dem Stammhirn zugeschrieben.

Das Zwischenhirn (Limbische System) - Emotionen
Über Emotionen bringt das Zwischenhirn die freie Handlung mit hinein, die das Stammhirn in seinen Routinen nicht erlaubt. Das erweitert die kognitiven Fähigkeiten um das Element des individuellen Lernens und damit der Erweiterung der Erfahrung durch spielen und üben.

Das Großhirn (Neokortex) - Kognition
Im Großhirn entwickeln wir ein Modell von der Welt, auch von uns selbst und interpretieren unseren ständigen Wahrnehmungsfluss. Hier entwickeln wir Szenarien, Alternativen und Pläne. Wenn sich das Stammhirn auf die Vergangenheit und das Zwischenhirn auf die Gegenwart bezieht, dann richtet sich das Großhirn auf die Zukunft. Hier kommt auch die Sorge ins Leben, die Angst vor der Zukunft.

Die drei Hirne arbeiten natürlich zusammen, jedes erfüllt seine Zwecke, aber sie bringen auch Konflikte mit sich, z.B. Affekte, die uns zu Handlungen nötigen, die wir später im Großhirn bereuen. Soweit so gut, das kann man nachvollziehen. Der eigentlich mutige Sprung ist nun, das in Persönlichkeitstypen zu übersetzen und davon auszugehen, dass jeder von uns einer Grundstruktur unterliegt, die je einem dieser Hirne stärker zuzuordnen ist, als den anderen. So sei das Verhalten einiger eher durch das gefühlsmäßig-instinktive Stammhirn geprägt, während andere durch das emotional-impulsive Zwischenhirn und wieder andere durch das rationale Großhirn stärker geprägt seien.

Was ist ihr dominantes Gehirn?
  1. Streben sie in menschlichen Kontakten eher nach Nähe, haben ein Gespür für andere und sind allgemein beliebt? Bauen Sie gern auf Vertrautes, Verlassen sich auf Ihre Erfahrung und vermeiden radikale Veränderungen? Arbeiten Sie eher intuitiv, verlassen sich auf Ihre ersten Eindrücke, Ihr Fingerspitzengefühl und ihre Fantasie? Haben Sie Erfolg vor allem über ihre Sympatiewerte? Gratulation: Dann sind Sie nach der Biostruktur-Analyse eher ein "Stammhirnmensch". 
  2. Streben sie in menschlichen Kontakten eher nach Dominanz und Überlegenheit? Haben Sie eine natürliche Autorität und neigen zum Wettbewerb? Leben Sie eher in der Gegenwart, erfassen blitzschnell augenblickliche Situationen, handeln impulsiv, sind aktiv und dynamisch? Arbeiten Sie gern konkret und praktisch, orientiert am Machbaren und neigen Sie zur Improvisation? Können Sie andere mitreißen? Dann sind Sie wohl am ehesten ein "Zwischenhirnmensch". 
  3. Gehen Sie bei menschlichen Kontakten eher auf Distanz? Sind sie zurückhaltend und eher introvertiert? Denken Sie zukunftsgerichtet, planvoll, nehmen etwaige Konsequenzen vorweg und wollen Fortschritt? Arbeiten Sie gern systematisch und analytisch, haben Sie ein hohes Abstraktionsvermögen und einen Hang zur Perfektion? Überzeugen Sie andere eher durch kühle Ratio als durch Motivation und Sympathie? Dann sind Sie eher ein zerebraler "Großhirnmensch". 

Das sympatische an diesem Ansatz ist, dass es uns nahelegt, wir könnten die eigene Dominanz ganz leicht erkennen und uns ihr gemäß authentisch verhalten. Wenn wir das nicht tun, so die Autoren, würden wir uns permanent stressen und es würde sich keine nachhaltigen Erfolge in Leben und Beruf einstellen können. Die Stärke der Biostruktur-Analyse - eine sehr simple und leicht verständliche Unterteilung in nur drei Faktoren - ist zugleich ihre Schwäche. Das ist zu simpel und jeder, der sich versucht einzuordnen, wird Schwierigkeiten haben, sich auf eine Dominanz festzulegen. Es ist Konsens, dass diese drei Hirnstrukturen vorliegen und dass sie ihre Einflüsse auf unser Handeln als Persönlichkeiten haben. Ein wissenschaftlicher Nachweis, dass jeder von uns konstant durch eine der drei Hirnstrukturen dominiert wird, ist mir nicht bekannt. Problematisch finde ich auch, Präferenzen wie planvoll, analytisch, perfektionistisch und introvertiert zusammenzufassen und andere Kombinationen wie extrovertiert, sympathisch, perfektionistisch und planvoll gewissermaßen auszuschließen.

Was sagen Sie? Erkennen Sie sich wieder? Welches ist ihr dominantes Gehirn?

Kommentare:

  1. Ich liebe auch solche Zuordnungsspielchen, zugegeben. Es gelingt mir in diesem Fall sogar, mich mit mir selbst auf ein vermutlich bei mir dominantes Gehirn zu einigen: das Großhirn. Das Problem dabei sind aber, dass, wie schon im Artikel erwähnt, implizit negative und positive Bewertungen in den Beschreibungen stecken, die sich aus unserer Kultur und ihren derzeitigen Machtverhältnissen und Präferenzen ergeben. Außerdem stelle ich bei mir fest, dass ich nicht klar nachvollziehen kann, ob mein heutiges dominantes Gehirn meine Default-Grundeinstellung war, oder ich sie selbst als Anpassung an meine Umgebung vorgenommen habe. Im Laufe des Lebens verändert sich nämlich das dominante Gehirn, so zumindest meine laienhafte These.

    AntwortenLöschen
  2. Kann man sich wirklich einem zuordnen? Ich finde, das ist situationsbedingt. Ich für mich kann nach dieser Einteilung nicht sagen, dass ich einen dominanten Gehirnteil habe, denn wie gesagt: Es kommt auf die Situation darauf an. Außerdem ist doch gerade das Zusammenspiel dieser drei Komponenten das, was einen Menschen auszeichnet bzw. uns unterscheidet WIE die drei zusammenarbeiten.

    Wenn, dann würde ich diesen Ansatz dazu nutzen, mich weiterzuentwickeln: Angenommen, ich würde tatsächlich schwerpunktmäßig mit nur einen Gehirnteil die Welt wahrnehmen, dann könnte ich anhand des Modells Alternativen entwickeln, auf die Welt zuzugehen. So käme ich zu Varianten der Wahrnehmung und der Handlung, die in der Folge zu anderen Ergebnissen führen können. Und das wiederum könnte u.U. je nach Situation ganz hilfreich sein.

    AntwortenLöschen
  3. Hallo doncish! Danke für den Kommentar. In der Bio-Strukturanalyse gehen sie allerdings davon aus, dass die Dominanz angeboren ist und sich im Laufe des Lebens nicht mehr grundlegend ändert. Das ist - soweit ich weiß - in der Persönlichkeitspsychologie auch common sense. Allerdings lernen wir uns natürlich immer besser kennen und schaffen es damit, ausgeglichener zu sein und weniger dominante Aspekte unserer Persönlichkeit zum Tragen kommen zu lassen, wo nötig.

    Lustig an dem Buch ist, dass es eigentlich diese Analyse verkaufen soll in Form von Seminaren, Workshops etc. Das macht mich skeptisch. Am Ende wird noch verraten, wie man dieses Wissen als Vertreter/Verkäufer nutzen kann. Wenn man weiß, was die Konsum- und Kaufmotive von Personen sind (z.B. Sicherheit der Stammhirne, Status der Zwischenhirne und Individualität bei Großhirnen), dann weiß man gleich, wie man diesen Leuten das Konsumgedöns aufschwatzen kann. Das heißt dann "Neuro-Selling". Das zeigt auch, wozu es da sein soll: Schnell und ohne wissenschaftliche Analyse Leute in eine Kategorie stecken und das auszunutzen. Klar steckt das auch in jeder Werbekampagne. Und dazu mag die Biostruktur-Analyse auch taugen, aber ansonsten ist es zu grobschlächtig.

    Was Claudia sagt, stimmt schon, man kann es als ersten Ausgangspunkt nehmen, um sich kennen zu lernen und Einseitigkeiten auszugleichen. Aber sehr schnell wird man dann doch eine differenziertere Analyse wollen.

    AntwortenLöschen
  4. Wenn eine Persönlichkeitstheorie sagt, alles ist angeboren und ändert sich nicht, bin ich gleich sehr skeptisch. 1. Frage die da aufkommt: Woher wissen die das? Gibt es Studien dazu, oder hat jemand einfach mal eine These aufgestellt, weil sich das gut anhört? In diesem Fall wohl eher Letzteres. So eine These ist interessant, taugt aber für nicht viel mehr als den Stammtisch. Natürlich ändert sich niemand um 180 Grad. Aber es gibt Veränderungen in der Persönlichkeit, bei manchen mehr, bei manchen weniger. Bei den Big Five gibt es einige interessante Studien dazu.

    Wenn die Theorie sich dann mit allen möglichen Zusammenhängen, Gott oder gar völlig zufallsgebundenen Zahlenspielchen zusammenbringt, bin ich erst recht skeptisch. Denn dann haben wir es meist mit jemandem zu tun, der seiner Theorie händeringend Plausibilität verschaffen will und deswegen Vergleiche mit allem möglichen heranzieht.

    Die Beschreibungen der drei verschiedenen Gehirne erschließen sich mir nicht ganz und ich kann da auch nicht zustimmen. Ich sehe da weder deutliche Zusammenhänge bei den Eigenschaften noch deutliche Trennungen - außer von den Überlensinstinkten des Stammhirn-Teils zu den anderen Beiden.
    Die Beschreibung der Zwischenhirn-Eigenschaften passt allerdings kurioserweise viel besser auf das Stammhirn (Instinkte). Dominanz, Überlegenheit, Wettbewerb, das sind doch alles grundlegende Überlebensinstinkte und müssten daher dem Stammhirn zugeordnet sein, nicht dem Zwischenhirn. So ist das ganze System bereits in sich unlogisch und macht kaum Sinn.

    Ich gebe dir Recht Gilbert, dass es hier wohl eher um das verkaufen eines Programms geht, als um eine ernsthafte Persönlichkeitstheorie. Wissenschaftliche Relevanz hat das ganze jedenfalls nicht und ich sehe auch nicht, wie das in der Praxis funktionieren soll.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Lars, vielleicht müssen wir auch trennen zwischen der ursprünglichen neurologischen Forschung und der Vereinnahmung und Vereinfachung dieser Forschung durch die Wirtschaft. Paul D. MacLeans Theorie des "Dreieinigen Gehirns", die er an der physiologischen und psychiatrischen Fakultät der Yale Medical School entwickelt hat, hat in der Fachwelt viel nach vorne gebracht. Daraus nun aber grobschlächtig die Leute in drei Typen einteilen zu wollen, ist sicher zu weit hergeholt. Selbst wenn da was dran wäre, fällt diese Einteilung weit hinter die nötige Komplexität anderer Typologien zurück.

      Löschen
  5. Das dreieinige Gehirn aus den 60iger Jahren. Fragen Sie mal einen Evolutionsbiologen, was er davon hält.

    Sorry, aber das ist einfach nur unwissenschaftlich und schon lange in der Mottenkiste verschwunden. Grade durch die Fortschritte in der Hirnforschung und was man über die Evolution des Gehirns wirklich rausgekriegt hat.

    Aber Sie haben es ja selbst gesagt: "Ich bin ja immer sehr an Typologien der Persönlichkeit interessiert"

    Der Mensch ist eine Sinnproduktionsmaschine - auch wenns Unsinn ist.

    LG EW

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, die 60er... habe ich leider selbst nicht miterleben dürfen ;)

      Die Skepsis im Artikel ist ja recht deutlich, von daher kein Dissens. Wer die Geschichte der Physiologie, Psychiatrie und Hirnforschung kennt, weiß allerdings auch, dass solche Mottenkisten einst fruchtbar waren und "die Fortschritte in der Hirnforschung" durchaus auf früheren Bemühungen und Erkenntnissen wie denen von MacLean beruhen.

      Nur die Arroganz hat schon immer alles besser gewusst und noch nie einen Lehrer gebraucht.

      Löschen
  6. "Wenn sich das Stammhirn auf die Vergangenheit und das Zwischenhirn auf die Gegenwart bezieht, dann richtet sich das Großhirn auf die Zukunft. Hier kommt auch die Sorge ins Leben, die Angst vor der Zukunft."

    Tut mir leid, aber solche Sätze sind einfach Unsinn. Vor allem schon die "Personalisierung" der einzelnen Gehirnteile. Statt einem Geist in der Maschine machen Sie jetzt gleich drei auf. Ziemlich schizophren.

    "Es ist Konsens, dass diese drei Hirnstrukturen vorliegen und dass sie ihre Einflüsse auf unser Handeln als Persönlichkeiten haben."

    Das ist entweder Ausdruck des Nicht-Wissens oder schlicht gelogen.

    Und by the way ist das nur einfach Ausdruck einer Ideologie. Nennen Sies Konstruktivismus, ich würds einfach Hirnmythologie nennen. Nicht mehr der Mensch, die Person, sondern "unsere" Gehirne "modellieren" die Welt.
    Wenn Sie vielleicht die 60iger nicht erlebt haben (ich nur als Kind), die 80iger als Hochzeit der Konstruktivisten scheinbar schon. Zum Glück sind die fast alle ausgestorben mittlerweile.

    AntwortenLöschen
  7. Lieber EW, Sie kennen ja das Geist-und-Gegenwart-Kaleidoskop inzwischen ganz gut... Wenn sie selbst Interesse haben, mal etwas zu schreiben (Hirnforschung, Hirnmythologie, Neuro-Trend, Evolution, Moral, analytische Philosophie etc.), dann würde mich das selbstverständlich freuen. Ich bin da Pluralist und kann gar nicht genug verschiedene Meinungen lesen. Lassen Sie es mich wissen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. oh ja, ich bin auch extremer Pluralist, aus folgendem Grund:
      Die Lebensversicherung der Mehrheit sind die abweichenden Denker...
      wie vor allem jetzt in der sog. Finanzkrise zu merken:
      http://ed.iiQii.de/gallery/Querdenkerinnen/CharlanNemeth_berkeley_edu

      Löschen
  8. Ich denk drüber nach.
    Wie wärs über das meist-unterschätzte "Gehirn"?
    Das Kleinhirn.
    [wieso taucht das nicht auf bei MacLean?]
    Immerhin hat es 50% aller ZNS-Neurone.
    Evolutionsbiologen sehen hier auch den eigentlichen Fortschritt und Unterschied zu unseren Vettern den Schimpansen. Wir können mit Körperroutinen - der konzertierten genauen Koordination von vielen Musekln - einen Ball in einen Basketballkorb werfen. Oder einen Nagel in die Wand hauen. Ein Schimpanse lernt das nie.
    Sprache und damit der ganze soziale Quatsch kamen erst später und sind eher Ausflüsse dieser Fähigkeit/Eigenschaft.
    Vor den "geistigen" Fähigkeiten kommen immer erst die Körperlichen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Kleinhirn auch im Zusammenhang mit evolutionärer Entwicklung fände ich spannend. Habe davon selber auch noch keine Ahnung. Also jederzeit gern an gilbert.dietrich@geistundgegenwart.de

      Löschen
  9. Vielleicht sollte man erstmal eine "Einführung ins Gehirn und seine Funktionen" geben? Denn die oben verwendete Nomenklatur und Funktionszuschreibung ist schlichtweg falsch: "Stammhirn" gibts nicht mehr (das hatte übrigens das Zwischenhirn als intergralen Bestandteil).
    Auch die Zuschreibung von "Gefühlen" (was ist das?) und Emotionen ist falsch. Die meisten Funktionen des limbischen Systems - Emotionen - sind in Großhirnarealen lokalisiert (so man sie überhaupt lokalisieren kann). "Gefühle" - wie sich Emotionen "anfühlen" - sind sowieso was subjektives und schwer direkten Arealen zuzuordnen.

    Die Biostrukturanalyse ist alles andere, aber nicht Bio (oder meint Bio = Biographie?) Aus falschen Prämissen folgert alles mögliche. Das grenzt für mich hart an Esoterik. Oder eben so Management-/Recruiting-Gelaber.

    AntwortenLöschen
  10. "Einführung ins Gehirn und seine Funktionen" klingt ambitioniert, würde mich aber interessieren.

    AntwortenLöschen
  11. Ich versuche es mal mit einer etwas anderen Herangehensweise.
    Ziemlich gut hat es mal wieder GD, der Graf Dracula des Managements beschrieben:
    http://www.omnisophie.com/day_171.html

    M.E. sind wir heute recht komplexen Sachverhalten ausgesetzt, quantitativ als auch quantitativ.
    Die Neigung, Komplexität kurz & einfach zu erklären zu wollen geht meist schief...
    Wer aufmerksam den Alltag beobachtet wird immer wieder folgendes Muster erkennen:
    Die meisten Zuhörer schalten nach wenigen Sätzen oder ca. 2-3 Minuten praktisch ab
    und nehmen 'nur' noch die emotionale Botschaft wahr.
    Dies kann jedeR selbst empirisch überprüfen.
    Eine lebhafte Schilderung eines sozialpädagogischen Sachverhalts beim Elternabend,
    respektive eines Getriebe-Differentials, der Funktionsweise der DNA-Polymerase oder gar der sog. Spiel-'Theorie'
    wird bei vielen Lesern & Zuhörern nicht ankommen, weil es typischerweise am Basis-Wissen fehlt,
    diese Informationen sachlich zuzuordnen und damit im Alltag was konkretes anfangen zu können.

    So fasst dies z.B. Matthias Nöllke in folgende Worte: Keine Argumente! (!sic!)
    "Was jemand im einzelnen äußert, gerät erstaunlich schnell in Vergessenheit.
    Als Zuhörer picken wir uns das heraus, was für uns wichtig ist...
    Wir behalten nur einen Bruchteil in Erinnerung.
    Und selbst diesen Bruchteil prägen wir uns nicht im Wortlaut ein, sondern wir passen alles,
    was wir aufnehmen unserem Verständnis an...
    Mehr als 3 Kernbotschaften sollten Sie niemandem zumuten...
    Wir differenziert, hat schon verloren, könnte man die Sache polemisch zuspitzen"
    http://ed.iiQii.de/gallery/KeyPerformance/MatthiasNoellke_noellke_de

    Mit anderen Worten: Selbst die Kernthesen dieses BLOG-Artikels sind weitgehend unbekannt.
    Das Medium twitter, blog, socmedia tragen das ihrige an Schnelladaption bei.
    Solange immer noch ca. 80-90 % der Menschen beim Thema 'Neurobiologie' vollständig abschalten,
    müssen 'wir' reduktionistisch vereinfachen - leider!
    vgl. auch: http://ed.iiQii.de/gallery/KeyPerformance/DietramScheufele_dietramscheufele_com

    AntwortenLöschen
  12. Um auch mal ein paar große Denker zum Thema zu zitieren; "Facts are stupid things" (Ronald Reagan).
    Oder Dorothy Sayers: "My lord, facts are like cows. If You look them in the face hard enough, they generally run away."

    Also einverstanden. Wenns zu kompliziert wird, sollte man es den Experten überlassen oder zumindest denen, die ein wenig verstehen von Naturwissenschaft. Sonst kommt nur Gelaber raus oder - etwas freundlicher - freies Assoziieren für das jeweilige Argumentationsziel (Weltanschauung).

    Einer meiner Journalistenlehrer hat übrigens immer gesagt: "Was sich nicht in zehn Sekunden erklären lässt, ist bullshit". Und das war weit vor twitter und feessbuuk und unserem "emotionalen" Zeitalter (die Werber haben dann doch gesiegt am Ende und "das Leben" kondensiert in ein paar Slogans: welche Persönlichkeit hättens denn gern von den dreien oben? ;-)).

    AntwortenLöschen
  13. „Reifikation ist mehr als eine metaphysische Sünde, es ist eine logische Sünde. Es ist der Fehler, eine Notationshilfe zu behandeln als sei es ein substantivischer Begriff, was ich Konstrukt genannt habe als sei es beobachtbar, einen theoretischen Ausdruck als sei es ein Konstrukt oder indirekt beobachtbar.“ (Abraham Lerner, The Conduct of Inquiry, Chandler 1964)

    Das fällt mir dazu auch noch ein ;-)

    Meistens schwindeln diese Art Psychologischer Theorien dann aber einen naturwissenschaftlichen Zusammenhang daher - wie oben geschehen. Denn ohne Naturwissenschaft glaubt eben kein Mensch diese geisteswissenschaftlichen Konstrukte.

    AntwortenLöschen
  14. "Was sich nicht in zehn Sekunden erklären lässt, ist bullshit"
    wie passend; 'wir haben heute eine hochkomplexe Welt, u.a. Handys, Kulturen, Datenbanken, Proteomik(?) etc. etc., die zweifellos einiges an ZEIT erfordern um damit zurecht zu kommen;
    trotzdem meinen wir in 10 s alles kommentieren zu können müssen.
    Das wierderspricht jeglichem Gesunden Menschenverstand

    AntwortenLöschen
  15. http://neurosciencenews.com/meta-consciousness-seat-brain-dorsolateral-prefrontal-cortex-frontopolar-precuneus/
    Some people are more conscious than others ;-)

    +http://www.rowohlt.de/buch/Heinar_Kipphardt_Traumprotokolle.1293298.html hat sowas schon lange versucht ...

    "During wakefulness, we are always conscious of ourselves. In sleep, however, we are not. But there are people, known as lucid dreamers, who can become aware of dreaming during sleep. Studies employing magnetic resonance tomography (MRT) have now been able to demonstrate that a specific cortical network consisting of the right dorsolateral prefrontal cortex, the frontopolar regions and the precuneus is activated when this lucid consciousness is attained. All of these regions are associated with self-reflective functions. This research into lucid dreaming gives the authors of the latest study insight into the neural basis of human consciousness"

    AntwortenLöschen
  16. > "Was sich nicht in zehn Sekunden erklären lässt, ist bullshit"
    wie passend;

    Sie haben damit angefangen, dass man "reduzieren" muss. Weil die Leute zu doof sind, "komplexe" Sachverhalte aufzunehmen, von denen sie keine Ahnung haben.

    Und was hat das Thema mit "lucid dreamers" zu tun?
    Manche sind noch nicht mal "bewusst", wenn sie wach sind.

    Und "komplex" steht in vielen Kontexten für "ich hab keine Ahnung davon, find das aber gut, weil ichs ja auch "erfühlen" oder sonstwie erfahren kann. Verstehen muss ichs nicht, da es ja sooo komplex ist.."
    Wie wärs eine Nummer kleiner mit "kompliziert"?

    AntwortenLöschen
  17. sorry, Komplexität klingt für mich nicht anders als kompliziert;
    sorry 2, ich habe u.a. Matthias Nöllke zitiert und dafür geworben, den empirischen Versuch mit den genannten Beispielen zu unternehmen, Menschen _im Alltag_ für Neues, Unbekanntes zu begeistern. Es ist eine Zeit- und Interessensfrage.
    Dies ist keinesfalls ein Plädoyer sich nicht mit schwierigen Dingen auseinanderzusetzen und auch überhaupt keine Wertung, dass 'die Leute' zu doof sind.
    Ich plädiere dafür die Diskussion gg.falls telefonisch weiterzuführen, weil es doch keine weiteren Wortbeiträge von weiteren Interesierten gibt

    AntwortenLöschen
  18. Ich lade Sie in mein XING-Forum ein, wenn Sie wollen?
    https://www.xing.com/net/pri0ed4fcx/moralscience/

    Da gings auch mal um Komplexität, Bewusstsein etc.
    Und da sind auch ein paar Fachleute: wie Theologen, Biologen, Ökonomen, Philosophen.

    LG EW

    AntwortenLöschen
  19. Holla, da ist man mal ein paar Tage auf See, reduziert die ganze Komplexität des Lebens auf reine Anschauung und schon geht es hier ab. Ich finds gut, dass ihr da ins Diskutieren kommt, denk aber auch immer wieder: "Seins nicht so verbissen!" Schreiben, denken usw. kann auch Spaß machen und man muss sich nicht verurteilt fühlen, denn irgendwer weiß es immer besser. Ist ja auch gut so. Und was überhaupt totaler Quatsch ist, ist diese künstlich aufgemachte Opposition von denken und fühlen. Da sollte man nicht in jede Falle tappen. Kann ich noch mal sagen, dass der Artikel oben ganz dezidiert kritisch ist und diese "Analyse" ablehnt? Nur weil man mal über was schreibt, schlägt man sich doch nicht automatisch auf die Seite des Gegenstands. Halten Sie die Augen offen und die Köpfe hoch! Und gestehen wir den anderen immer was zu, das hält klug.

    AntwortenLöschen