7. Januar 2013

Mutig sein und den Mund aufmachen!

Für 2013 habe ich mir vorgenommen, was ich mir 2012 schon vorgenommen hatte. Nicht, weil ich 2012 nichts von dem erreicht hätte, sondern weil ich 2013 noch mehr erreichen könnte. Und dazu haben mich die Punkrocker von Pussy Riot inspiriert...

Taugt zum Vorbild für 2013: Pussy Riot auf dem Roten Platz (Foto von Denis Bochkarev)

Wenn ich mir etwas vornehme, fürs neue Jahr oder so, dann befolge ich die Regeln fürs Fassen guter Vorsätze nicht unbedingt. Es fängt schon damit an, dass meine Vorsätze nicht spezifisch sind. Das liegt aber nicht daran, dass ich mir keine Mühe gebe, es richtig und detailliert zu machen, sondern weil mich die Details im Leben als Verbesserungspotenzial nicht besonders interessieren. Ich will nicht irgend ein vermeintliches Laster ablegen oder eine neue Sprache lernen. Ich will keine kleinen Details in meinem Leben verbessern. Letztlich leben wir zwar durch die Details, aber ich denke, dass sich eine gute "Philosophie" oder die Werte, die wir haben, letztlich in konkrete Taten und Erlebnisse also Details übersetzen. So ähnlich wie Margret Thatcher ihren Vater mit folgenden Worten zitiert: 
"Pass auf deine Gedanken auf, denn sie werden deine Worte. Pass auf deine Worte auf, denn sie werden zu deinen Taten. Pass auf deine Taten auf, denn sie werden deine Gewohnheiten. Pass auf deine Gewohnheiten auf, denn sie werden zu deinem Charakter. Pass auf deinen Charakter auf, denn er wird zu deinem Schicksal."
Ich zäume Thatchers Pferd lieber von hinten auf und frage mich, welches "Schicksal" oder besser Leben ich haben möchte und wie mein Charakter sein soll. Für 2012 hatte ich mir zwei Sachen vorgenommen: 1. aktiver werden, raus gehen, mehr erleben und 2. mutiger sein, den Mund aufmachen, für meine Werte einstehen. 

Das heißt, ich will gewohnheitsmäßig mutig sein, mich nicht nur trauen, mal vom 10-Meter-Turm ins Wasser zu springen, sondern ich möchte durch alle meine Worte und Taten mich selbst als jemanden wahrnehmen, der für seine Werte und Interessen gerade heraus eintritt, anstatt zu hoffen, dass er nicht vom Leben, vom Chef oder vom Partner "geprüft" und "bestraft" wird. Lange hoffte ich, mich so durchmogeln zu können, auf dass sich alles irgendwie bequem zurechtschütteln würde. Ich versuchte, lieber nicht von anderen wahrgenommen zu werden, unter dem Radar durchzutauchen. Ich glaube, das geht auch ganz gut, solange man keine Verantwortung für andere hat, solange man keine Kinder hat, kein Team führen oder mit einem Partner zusammen leben will. Spätestens dann muss man für seine eigenen und die Interessen der anderen im Leben einstehen.

Um noch einmal auf Pussy Riot zurück zukommen: Neben viel Aktivität und Kreativität zeigen sie eine Menge Mut. Das hat einige von ihnen ins Gefängnis gebracht, aber wird dieser Umstand am Ende ihres Lebens die Bilanz versauen? Ich denke nicht, denn sie werden sagen können: Wir haben gegen diesen ganzen totalitären, rückwärts gewandten und frauenfeindlichen Mist die Klappe aufgemacht, wir haben was riskiert und der Bewegung in unserem Land geholfen, die für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte eintrat. Ich finde das beispielhaft und inspirierend.

Nach Thatchers Vater stellt sich also jetzt die Frage: Welche Gedanken soll ich haben, damit meine Worte und Taten den Mut auf die Strecke bringen, der sich dann in meinen Gewohnheiten manifestiert, zu meinem Charakter und schließlich zu meinem Leben (was Thatcher "Schicksal" nennt) wird?

Leerer Mut und hilflose Moral
Dazu wäre vielleicht erst mal zu klären, warum gerade Mut so wichtig ist? Samuel Johnson, der populärste englische Literat und Gelehrte des 18. Jahrhunderts, brachte es auf den Punkt: "Mut ist die größte Tugend, denn ohne Mut bleiben alle anderen Tugenden ungenutzt." Das ist ziemlich einleuchtend, denn was hilft es, die moralisch anspruchsvollsten Werte zu haben, wenn man sich nicht traut, dafür einzustehen. Mut ist allerdings moralisch betrachtet neutral. Mut kann sowohl dem Guten wie dem Bösen dienen. Mut ohne Moral ist leer, aber Moral ohne Mut ist hilflos.

Konsequenzen des Mutes: Nadezhda Tolokonnikova (Pussy Riot) im Moskuaer Tagansky Gericht (Foto von Denis Bochkarev)

Wie man mutig ist
Was sind - ganz konkret - mutige Worte oder Taten? Man muss ja nicht immer gleich ein Regime herausfordern, wie es Pussy Riot gemacht habe. Oft reicht es schon, überhaupt den Mund aufzumachen und zu sagen, was man denkt. Das fängt im Privatleben an, wo man auch dem Partner gegenüber unmissverständlich klar machen muss, wo bei aller Notwendigkeit zum Kompromiss die Grenzen sind, die man als Individuum aufrecht erhalten muss. Sei es nötige Zeit alleine, ein geliebtes "Laster" oder irgend eine Freiheit, die man nicht bereit ist, aufzugeben. Auf der Arbeit mag es nötig sein, das Richtige zu tun, ohne vorher zu fragen. Gerade, wenn man mit einem "Nein" vom Chef rechnet. Es wird sich hinterher zeigen, ob es richtig war oder ob der Chef Recht hatte. Oder man geht auf die Straße und tritt für seine Überzeugungen öffentlich ein. Ein Risiko gibt es immer. Man kann mit anderen darüber in Konflikte geraten oder sogar abgestraft werden. Man muss mit den Konsequenzen des eigenen Mutes rechnen, bereit sein, sie in Kauf zu nehmen und genau darin zeigt sich der Mut. Woran scheitert es denn meistens? Scheu vor Auseinandersetzung, Angst vor Fehlern und vor Strafe? Man muss sich eben fragen: Will man am Ende eines Lebens sagen können, man hat etwas zum Guten verändert, ist für sich und seine Mitmenschen eingetreten oder hat etwas schönes vorm Untergang bewahrt? Das ist doch allemal aufregender und lohnender, als sagen zu können, man sei allen Problemen erfolgreich aus dem Wege gegangen oder nie mit jemandem in Konflikt geraten.

Es gibt viele Wege, wieder Mut zu fassen. Bei mir hilft, Punkrock hören und den Mund auf machen. In dem Sine wünsche ich uns allen ein mutiges 2013!

Kommentare:

  1. Ich denke Mut muß man nicht "beweisen", vielleicht nur sich selbst. Es hat auf jeden Fall mit genügend Reife zu tun und man muß aufpassen, was man unter Mut denn eigentlich versteht. Deine Meinung einfach im Job das zu tun, was du für "richtig" hältst, kann ganz schön in die Hose gehen und würde ich niemanden raten. Alternative? Mit dem Chef ein Gespräch führen und ihn überzeugen, das halte ich für viel mutiger. Mut zu fassen, beim Punkrock hören, ist schon seltsam, aber zur richtigen Zeit, den Mund aufzumachen und seine Meinung zu sagen, das finde ich sehr gut und in diesem Sinne mutig. Übrigens kann niemand allen Problemen erfolgreich aus dem Wege gehen, das wäre zu einfach. Das Leben zwingt uns direkt dazu Probleme in Angriff zu nehmen und je nach dem, wie es gelingt, lernen wir daraus. Dazu gehört auch der Mut.

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  2. Hallo Waltraud,

    danke für deinen Kommentar! Natürlich meine ich nicht, dass man im Job einfach das tun soll, was man für "richtig" hält. Ich meine eher Gewissenskonflikte, die auch auf Arbeit passieren können. Wenn man den anderen nicht umstimmen kann, muss man sich eben auch widersetzen können und dazu braucht es Mut. Ziviler Ungehorsam ist nicht umsonst.

    Wieso ist es seltsam, wenn Musik hören dabei hilft, Mut zu fassen? Es wird viele Wege geben, die dabei helfen. Musik kann ein inspirierender Weg sein.

    LG, Gilbert

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