12. September 2013

Resonante Führung: Sich gegenseitig zum Klingen bringen

Die wirksamste Vorraussetzung effizienter Zussammenarbeit


Wissen Sie, was der Körper einer Geige oder eines Klaviers macht? Er schwingt mit und sorgt dafür, dass die auf den Saiten erzeugten Klänge widerhallen, latainisch: resonare. Hätte der Körper eines Instruments keine Resonanzfähigkeit, würde er also nicht schwingen, dann wären die Töne, die dort rauskämen, ziemlich dürftig. Dieses Bild kann man wunnderbar auf die Führung von Teams übertragen. In ihrem Buch Primal Leadership (Emotionale Führung) haben die Psychologen Richard Boyatzis, Daniel Goleman und Annie McKee eine Führung, die mit positiven emotionalen Signalen und Offenheit ein Team motiviert und mitreißt als resonant und jene Führung, die von Angst, Ärger und Unzugänglichkeit geprägt ist, als dissonant bezeichnet.

Auch negative Gefühle sind ansteckend

Resonante und dissonante Führung haben eines gemeinsam: Sie transportieren und übertragen die Grundhaltung der Führungskraft auf die Mitarbeiter. Als soziale Wesen neigen wir alle mehr oder weniger dazu, die Emotionen um uns herum zu spiegeln. Werden vor allem Gefühle wie Ärger, Misstrauen, Wut und Angst transportiert, dann entsteht Stress bei den Mitarbeitern. Wer zum Beispiel angebrüllt, bloß gestellt oder von der E-Mail seines Chefs runtergeputzt wird, der bekommt es mit einer Schwemme von Stresshormonen zu tun. Dieser Mechanismmus hatte im Laufe der Evolution nur einen Zweck: Zur Flucht oder zum Kampf bereit machen.

Der Schwachsinnskreislauf

Unter Stress bekommen wir den Tunnelblick und verfallen in Aktionismus. Das analytische Denken wird komplett ausgeschaltet. Wir tun alles möglichst schnell, um das Problem aus der Welt zu schaffen und verschwenden keine Sekunde daran zu überlegen, was eigentlich die besseren, nachhaltigen Lösungen für das Problem wären. Die Folge ist, dass der ohnehin schon verärgerte Chef das Gefühl bekommt, wir machen Schwachsinn. Dieser Kreislauf kann bei schlechter Führung zum einzig bestimmenden Motor jeglicher Arbeit werden. Der Chef schnauzt die Mitarbeiter an, die werden daraufhin hektisch und ohne Qualität versuchen, die Probleme zu lösen, was den Chef zu noch mehr Anschnauzen reizt und so weiter. Wer als Chef eine Truppe von dummen Marionetten will, der braucht nur genug rummeckern. In so einem Team schwingt nichts mehr und wenn doch, dann eben nicht in einer harmonischen Tonlage, sondern dissonant.

Es könnte so einfach sein

Nicht nur Ärger und Wut, auch die Abwesenheit jeglicher Emotionen führt zu einem dissonanten Verhältnis. Eine Führung ohne Gefühl verstört, lässt Unsicherheit aufkommen und wird es nicht schaffen, dass Mitarbeiter in einer positiven Grundstimmung zusammen arbeiten.

Man kann es Resonanz nennen oder Sinnzusammenhänge auf der Arbeit: Es verwundert mich immer wieder, wie viele Führungskräfte diese einfachste und wirksamste Vorraussetzung der effizienten Arbeit übersehen können: Positive Grundstimmung. Wer die erzeugt, sorgt dafür, dass Mitarbeiter sich und der Führung trauen, dass sie zusammen arbeiten und nicht gegeneinander, dass sie ihre Intelligenz und Kreativität nutzen und letztlich auch einfach gern da sind, wo der Chef sie braucht: auf der Arbeit. Wer als Chef eines kleinen Teams oder einer großen Firma das nicht beherzigt, kann sich seine Pläne eigentlich auch gleich stecken und Geld ins Klo werfen.

Das Richtige oder im Zweifel einfach gar nichts tun

Um Resonanz zu erzeugen braucht es nicht viel. Etwas Einfühlungsverögen, Humor, Interesse an den Menschen um einen herum. Im Zweifel ist es sogar besser, als Führungskraft gar nichts zu machen, denn die Leute im Team werden für ihre eigene Resonanz sorgen. Wer die als Chef nicht stört, ist schon mal Klasse. Die Realität ist aber, dass viele Chefs durch Micro-Management, Blindheit gegenüber Prioritäten oder schlicht ihre eigene miese Laune die Resonanz des Teams stören. Gute und ganz einfache Mittel, die Resonanz zu fördern sind Teamevents, gemeinsame Trainings, sich gegenseitig schulende Mitarbeiter und einfach das Zulassen und Fördern eines Wir-Gefühls.


Übrigens sind positive Gefühle nicht unter jeder Voraussetzung ansteckend. Interessant sind die Fälle von gutmeinenden und über-resonanten Chakka-Chefs, die ihre Teams mit einer völlig irren Energie und absolut überzogenen Erwartungen an gute Laune und Can-Do-Einstellungen überfordern. Solche Chefs treffen einfach nicht die Tonlage ihrer Mitarbeiter und machen sich zum Obst. Man kann im Video oben am Beispiel der legendär-verrückten Auftritte von Microsofts Steve Ballmer nachempfinden, wie es sich anfühlen muss, so einen Chef zu haben, wenn man nicht selbst komplett high ist.

Eine richtige Balance zu treffen, ist also die Kunst. Auf dem Cover des letzten WUW-Magazins, in dem ich viele Anregungen zu diesem Artikel fand, heißt es sogar, mit Resonanz könne man "Teams müheloser zum Erfolg führen". Mal abgesehen von der falschen Verwendung des Komperativs ("müheloser" gibt es nicht), stimmt es auch nicht ganz, dass man sich dazu keine Mühe geben müsste. Aktiv mit Resonanz zu führen ist schon deswegen schwer, weil der Alltag von Führungskräften alles andere als leicht ist. Sie stehen selbst unter Druck, haben auch blöde Chefs oder einfach den Teller so voll, dass sie denken, keine Zeit fürs Team zu haben. Das geht mir selbst leider auch noch zu oft so. Ich denke dann, ich hätte keine Zeit, meinen Kollegen mal zu zuhören, gemeinsam mit ihnen etwas zu unternehmen oder ihnen einfach mitzuteilen, was sich gerade im Unternehmen tut.

Chefs müssen eigentlich nur verstehen, dass ihre wichtigste Aufgabe darin besteht, ein leistungsfähiges Team nicht daran zu hindern, was es ganz von alleine tut, wenn die Resonanz stimmt: Mit Spaß, Intelligenz und Kreativität ihren Aufgaben nachzugehen. Wenn die Chefs es dann noch schaffen, in einer zum Team passenden Frequenz* etwas mitzuschwingen und eigene positive Impulse zu setzen, dann wird endlich alles gut.



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1 Kommentar:

  1. Ist es nicht so, das oft nicht nur der Chef der auslösende Pol ist, sondern die Mitarbeiter selbst untereinander Unruhe ins Arbeits- und Gemeinschaftsgeschehen bringen. Dann sollte ein guter Chef so aufmerksam sein, um 1) es überhaupt mitzubekommen und 2) so zu handeln, um die betreffenden Mitarbeiter 3) nicht zu brüskieren und 4) ein konstruktives Gespräch in den Vordergrund stellen. Ich persönlich finde es nach wie vor sinnvoll, jedes Monat eine Mitarbeiter-Tagung zu veranlassen, wo die Schwachpunkte einer Zusammenarbeit unter Kollegen/Chef besprochen und ausgearbeitet wird.

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