14. Oktober 2016

Fakten helfen nicht gegen Populismus, was dann?

Es hilft nur eins: Stimmung machen!

Hilflos sagen deutsche Politiker nach der Konfrontation mit dem Mob in Dresden: "Die wollen sich ja gar nicht argumentativ mit uns auseinandersetzen!" Und fassungslos schaut die Mehrheit der Amerikaner und Europäer auf Trump und fragt: "Warum folgt dem überhaupt jemand, wo er doch aus seiner Charakterlosigkeit, seinen niederen Beweggründen und seiner Unehrlichkeit keinen Hehl macht?" Wir Vernünftigen haben das alles komplett missverstanden. Es geht nicht um Argumente oder Ehrlichkeit! Es geht um Stimmung und das müssen wir endlich verstehen und vor allem ernst nehmen, wenn wir nicht gegen die Populisten und Wahnsinnigen verlieren möchten.

Männer wie Donald Trump und Organisationen wie die AFD bieten ein Ventil für all die, die sich nicht mit einer Kultur identifizieren können, die auf Gleichberechtigung, Toleranz und Anstand besteht. Endlich, so empfinden viele Anhänger solcher Populisten, sagt mal jemand öffentlich, was sich andere nicht trauten. Zu sehr scheinen sich zu viele Menschen von der herrschenden "Political Corectness" bevormundet zu fühlen.

Trump in Stimmung (Karikatur von DonkeyHotey, CC BY-SA 2.0)

Wir haben in Deutschland aus extremen historischen Gründen unsere eigenen Tabus, in den USA wiederum gibt es vor allem Tabus im Zusammenhang mit Ethnien, geschlechtlicher Orientierung und sexuellen Übergriffen. In den letzten Jahren scheint auch mir ein immer größerer Druck gegen "unkorrektes" Verhalten zu entstehen, besonders in den USA, die als Einwanderungsland verschiedenste Sitten und Gebräuche einebnen mussten. Seit meinem Studium an der Brown University und meiner Arbeit bei amerikanischen und amerikanisch geprägten Unternehmen kenne ich die Schulungen, wie man sich nicht verhalten darf, weil es als anzüglich empfunden würde oder welche Fragen man nicht stellen sollte, weil es als Herablassung gegenüber der ethnischen Herkunft verstanden werden könnte. Gerade veranstalten wir in meinem jetzigen Unternehmen Workshops für alle, damit sie sich mit ihren unbewussten Vorurteilen auseinandersetzen können. Das ist alles gut gemeint und hilft der Bewusstwerdung, aber es kann auch zu einer Atmosphäre führen, in der man sich jede Bemerkung zweimal überlegen muss und wo man auf Zehenspitzen um einander herum tänzelt, da mit man sich ja nicht auf die Füße tritt.

Zu viel Political Corectness?

Sascha Lobo hat gerade in Ihr habt Demokratie nicht richtig verstanden! noch einmal darauf hingewiesen, dass es viele Leute gibt, die "das Gefühl haben, man dürfe nicht mehr offen aussprechen, was man denkt." Paradoxerweise tun sie es dann doch auf Facebook, wohl weil es sich in den Filterblasen nur halb-offen anfühlt. Es ist eine schwierige Materie, denn ich selbst denke, dass Kultur auch bedeutet, nicht alles zu sagen, was man gerade im Affekt fühlt. Es bedeutet, ständig dazu zu lernen, die eigenen Vorurteile zu hinterfragen, im Laufe der Zeit toleranter zu werden und Dinge neben uns zu dulden, die wir nicht gutheißen. Aber wie weit soll man Menschen zur "Political Correctness" drängen? Wäre die Attraktivität solcher verrohten Menschen wie Trump und Organisation wie PEGIDA und AFD nicht viel geringer, wenn sie sich nicht als Ventil oder Märtyrer für die freie Meinung inszenieren könnten? Ich vermute, dass wir mit einer forcierten "Political Correctness" zur aufgeheizten Stimmung derer beigetragen haben, die für sich schon lange keine gesellschaftliche Lobby, kein Sprachrohr mehr gesehen haben.

Was zählt ist Stimmung

Müssen wir also Idioten tolerieren? Denn natürlich nervt es, wenn nun in einer aufgeklärten Gesellschaft, die ihr politisches Handeln nicht nur an gemeinsame Werte, sondern auch an überprüfbare Fakten knüpft, eine Gruppe von Leuten einflussreicher wird, die sich einen Dreck um Argumente, Fakten und Wahrheiten scheren. Die große Frage ist natürlich wie immer: Was nun? Der Autor Dan Brown sagt beispielsweise im Spiegel Interview:

"Früher war es relativ leicht, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden, aber heute ist ein Partikel Wahrheit ummantelt von 99 Teilchen, die mit anderen Informationen geladen sind. Es ist eine große Herausforderung, dennoch dieses Körnchen Wahrheit zu finden. Wichtig ist aber vor allem, dass wir uns alle daran beteiligen."

Da will ich eigentlich zustimmen: Ja, wir "alle sollten uns erheben, um Vernunft und Aufklärung zu verteidigen." Aber ist es wirklich zu hoffen, dass wir Anhänger von Populisten und Verschwörungstheorien (und das geht Hand in Hand, wie man zur Zeit auch an Trumps entgleisenden Wahlkampf sieht) mit sachlichen Argumenten, mit Fakten überzeugen können? Das geht gerade nicht, denn ein Hauptmerkmal dieser postfaktischen Geisteshaltungen ist es ja gerade, für den Appell an die Vernunft nicht zugänglich zu sein. Was zählt, ist nicht die Wahrheit, sondern die Stimmung. Das auszusprechen und zu verteidigen, was gefühlt wird, gilt als wahrhaftig. Die eigenen Gefühle und Vorurteile zu hinterfragen, liegt nicht gerade im Trend. Jeder steht auf Teufel komm raus auf seine eigene Version der Wahrheit.

Natürlich schließen sich Vernunft und Stimmung nicht aus, im Gegenteil: Jedes Denken ist auf Stimmung angewiesen oder wird vielmehr von Stimmungen motiviert, geleitet und gefärbt. Aber umgekehrt ist es eben viel schwerer: Stimmungen aus dem Denken oder Vernunft resultieren zu lassen, läuft der kognitiven Kaskade zuwider, die immer von intuitiv (entlastend) zu reflektiert (anstrengend) verläuft. Was heißt das für unsere Trump- und AFD-Anhänger, die von ihren Stimmungen so vernagelt sind, dass sie mit Argumenten nicht mehr zu erreichen sind?

Der Soziologe Heinz Bude meint in seinem Buch Das Gefühl der Welt: Über die Macht von Stimmungen und im Philosophischen Radio des WDR, dass Stimmungen nur mit anderen Stimmungen verändert werden können:

"Viele Leute denken, wir könnten Stimmung durch rationale Gedanken verändern. Nein! Wir können es nur, indem wir eine andere Stimmung aufbringen, um dann rationale Gedanken zu entwickeln. Das ist für die politische Debatte, wie ich finde, eine sehr wichtige Einsicht, weil wir immer gern so tun, auch in der augenblicklichen Debatte in der deutschen Gesellschaft, dass Stimmungen immer nur die anderen haben. Die AFD-Leute, die haben Stimmung, aber wir haben keine Stimmung. Ich glaube, das ist falsch." (Heinz Bude im Gespräch mit Jürgen Wiebicke)

Ob es Kriege sind, die Weltwirtschaftskrisen oder das heute drohende Zeitalter des Populismus – all diesen Entwicklungen liegen Stimmungen zugrunde. Jeder Zustand in der Welt ist durch eine Stimmung gerahmt, sagt Bude. Die Fakten sind meist bekannt, aber nahezu machtlos gegen die tieferen Stimmungen.

Ich bin ja selten mit der CSU einer Meinung, aber mit einem ihrer Mantras haben sie wohl Recht: "Man muss die Sorgen und Ängste der Leute ernst nehmen." Denn Sorgen und Ängste versetzen Leute in prekäre Stimmungen. Freilich heißt ernst nehmen nicht, einfach die Positionen der Populisten mit den einfachen Antworten zu imitieren, worauf es bei der CSU ja allzu oft hinausläuft. Aber man muss schon mehr tun, als sich auf einen Standpunkt zurückzuziehen wie "mit Anti-Demokraten rede ich nicht." Es muss möglich sein, Stimmungen ernst zu nehmen, sie sogar in ihrer Entstehung legitim zu finden, aber dennoch darauf hinzuweisen, dass den der Stimmung zugrunde liegenden Ängsten nicht mit einfachen Antworten in AFD- oder Trump-Manier geholfen ist, weil diese viel schlimmere Folgen haben werden, die man aufzeigen können muss.

Und genau hier zeigt sich doch die Angriffsfläche für eine Gegenstimmung, die man schaffen muss. Die Stimmungsmache muss erst gar nicht rational erklärt werden, sondern kann gern radikal und alarmierend sein; Political Corectness und Stimmung vertragen sich nicht gut mit einander. Ziehen wir den Populisten die Hosen aus, anstatt nur auf unsere Vernunft zu setzen: "Die AFD will das Abendland zerstören und scheißt auf eure Werte." Oder: "Trump will euren Töchtern an die Wäsche!"

Kommentare:

  1. Der Ansatz, dass Stimmungen entscheidend sind, ist absolut richtig. Ist ja auch beispielsweise aus Unternehmens bzw. Marketing-Perspektive (Stichwort Markenbildung) nichts Neues. Und ganz ehrlich: Die etablierten Parteien wissen das doch schon lange auch ganz genau. Was war denn - vor der Flüchtlingskrise - Merkels Erfolgsrezept? Nicht Inhalte oder Fakten sondern eine "muttihafte" einlullende "Ich hab schon alles im Griff"-Stimmung, die sie meisterhaft zelebriert hat.

    Aber ich bin überzeugt, dass Stimmungen und Fakten nicht dauerhaft auseinander laufen können. Von daher ist es schon wichtig, auch argumentativ zu arbeiten.

    Ceta finde ich aktuell ein schönes Beispiel, wo ich bisher keinen einzigen Kommentar eines deutschen Politikers gelesen habe, der mal allgemeinverständlich erklärt, warum das Deutschland nützt. Und das ist nun wirklich nicht schwer.

    Bezüglich des Populismus müssen aber auch in Deutschland die etablierten Parteien ordentlich Selbstkritik üben: Wer als denkender Bürger sich denn nicht schon (weit vor der Gründung einer AFD) über die endlosen nervigen Politikphrasen (ob in Talkshows oder sonstwo) geärgert, die natürlich genauso im post-faktischen Bereich unterwegs waren - und sachliche Argumente vollkommene Fehlanzeige waren.

    Ein kleiner Trost: Demokratie bedeutet nicht, dass der Weiseste herrschen solle. Und das ist vielleicht auch gut so.

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    1. Da stimme ich dir voll zu und dein Beispiel zu CETA ist spot on. Es ist absolut zum Haare raufen, wie wenig in der Politik an Information gedacht wird. Die irrationalen Folgen stellen sich dann auch noch als die Verwirklichung "wahrer Demokratie" dar... verrückt.

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  2. Wie lassen sich Fakten mit Stimmungen verbinden? Wenn die Fakten, beispielsweise Studien, Statistiken etc. keine Fehler enthalten, dann sind Zweifel oder Misstrauen ausgeschlossen. Warum sollte man eine Studie dann überprüfen oder weiteren Analysen unterziehen. Oder alles ist ja im Fluss irgendwie. Sind Fakten wahr oder nicht oder warum sollte man an Fakten zweifeln? Warum sollte man evaluieren? Wie passt man das menschliche Verhalten an Fakten an? Wie seriös oder unseriös sind Studien oder wer gibt die besten Studien heraus? Kann man ja dann nur als Herausgeber seiner eigenen Studie unter anderen Studien, die von der ursprünglichen Studie des Herausgebers abweichen, dann noch weitere Studien hinzuziehen und daraus durch weitere Analysen weitere Fakten gewinnen, die die erste Studie dann wieder überholen? Und was haben dann eigentlich noch Stimmungen darin verloren? Wer die beste Analyse macht, der hat halt Recht? Aber wenn ich von einer "besten Analyse, besten Fakten" spreche, dann werte ich ja schon wieder. Das Urteil über Fakten ist gar nicht möglich, weil man ja dann eigentlich an den Fakten zweifelt? Warum sollte man dann Fakten überhaupt noch prüfen, wenn man ja doch immer wieder daran zweifelt? Weil ja alles immer im Fluss ist? Bildlich gesprochen, weil ich mir gerade nicht anders zu helfen weiß, sind Fakten kein Stein, sondern ein Fluss? Die Stimmungen neigen dazu, dass man sich auf Fakten verlassen möchte, aber wie verlässlich sind sie? Wer hat sozusagen die Hoheit über die Fakten? Der einzelne Mensch oder der genialste aller Menschen oder das System, das am besten geeignet dafür ist? Am besten, schon wieder: am besten sage ich. Ist das der Fehler, dass ich als Mensch immer den Zweifel mit einbeziehe? Wenn ich versuche, mein Vertrauen zu hinterfragen, dann möchte ich mich auf Fakten verlassen können, kann ich aber nicht, weil es mir unmöglich ist, alle Fakten zu kennen und dann auch noch zu überprüfen.

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    1. Vielen lieben Dank für diesen Kommentar. Das ist die zentrale Frage, nicht wahr: "Wie lassen sich Fakten mit Stimmungen verbinden?" Am Ende wollen wir vielleicht doch zu einer gemeinsamen Überzeugung zur "Faktenlage" gelangen? Ich glaube, dass das faktenbasierte Argumentieren eine zweite Stufe über dem "Stimmung Machen" ist. Das heißt, wir müssen uns gemeinsam einstimmen, zu einer gewissen (nicht extremen) Harmonie gelangen, um einander wieder zuhören und beeinflussen zu können.

      Mit all den anderen Fragen hebst du die ganz tiefe Grube der Philosophie und Wissenschaftstheorie aus. Ich kann das nicht alles aufarbeiten, aber vielleicht als erste Annäherung soviel: Es gibt unterschiedliche Ebenen von Fakten und ich würde bei diesem Thema gern auf einer pragmatischen Ebene bleiben, anstatt von so etwas wie Wahrheiten zu reden. Was wahr bedeutet, ist in der Philosophie immer noch sehr umstritten. Manche sagen, war ist eine Aussage, die eine Entsprechung in der Realität hat (sehr schwierig). Andere sagen, wahr ist das, worauf wir uns einigen (nicht sehr befriedigend). Und wieder andere sagen, wahr ist eine Aussage, die mit allen anderen Aussagen widerspruchslos zusammenpasst (schwierig zu überprüfen). Auf diese Ebene würde ich jetzt gern verzichten.

      Ein Glück ist die politische Wahrheit oft schnell zu verifizieren. Wenn z.B. jemand in den USA sagt, "Mexikaner sind Verbrecher", dann kann man schauen, ob im Schnitt mehr Mexikaner unter den Verbrechern sind, als andere Gruppen. Dadurch kann man so eine Aussage verifizieren. Genauso ist es hier bei uns mit Asylbewerbern, es stimmt einfach nicht, dass sie im Schnitt mehr Gesetzesverstöße begehen, als andere. Das sind leicht überprüfbare und im Zweifel widerlegbare Aussagen. Um solche geht es mir. Und darum, dass viele solchen einfachen Argumenten nicht mehr zugänglich sind, weil sie nicht in der richtigen Stimmung dazu sind.

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  3. Ich muss mich also unter den zahlreichen Fakten orientieren oder es ganz sein lassen, sprich, dass es mir egal ist. Dann verlässt man sich aber auf Stimmungen, auf die eigene Intuition. Oder einem Mix aus beiden, aber richtig kann ich damit niemals liegen, also muss ich ständig auch Zweifel an mir selbst haben. Allerdings auch an allen anderen "Materialien" oder menschlichen Meinungen und Stimmungen. Mir ist schon klar, dass ich ja dann völlig meinen eigenen Stimmungen unterworfen bin. Man lässt sozusagen dann den Fluss einfach laufen, denkt sich immer nur seinen eigenen kleinen Selbstanteil darüber. Mehr kann ich nicht, weil ich nicht urteilen sollte darüber, was andere sagen, denken und veröffentlichen. Aber man macht es trotzdem, man bildet sich immer ein Urteil oder verwirft es wieder, aber ich glaube, ich spreche von beidem: Von Fakten und von Stimmungen. Man redet halt viel, kann ja auch nicht immer schweigen, aber das Sprechen ist mal falsch und mal richtig für mich selbst gesehen allerdings. Allen Menschen Recht getan ist eine Kunst die niemand kann? Das ist für den Menschen glaube ich ein Stück zu viel, wenn Menschen meinen, sich diese Aufgabe als höchsten Anspruch der Menschheit vorzunehmen. Es wird aber von Politikern, Wissenschaften etc. wohl so erwartet. Man darf ja nichts falsches sagen, veröffentlichen etc. sonst begeht man Betrug. Ich habe den Eindruck oft, dass dann so eine Art Jüngstes Gericht tagt, dass die Menschheit sich nur noch gegenseitig verurteilt, weil ja irgend etwas immer falsch ist. Die Sehnsucht nach der Wahrheit lässt sich gar nicht ausrotten. Der Mensch meint, dass er die Wahrheit finden und kennen muss. Sei es mit Fakten oder aus eigenen Erfahrungen oder wie auch immer. Bei dem Wahlergebnis Donald Trump habe ich auch ein enttäuschtes Gefühl. Der Mensch lässt sich ja immer nur täuschen. Man steht irgendwie jenseits von gut und böse. Lassen sich diese menschlichen Polaritäten mit Fakten verbinden? Es fühlt sich für mich an wie ein Schuss, und ich weiß nicht ob der Schuss eine Richtung auslöst? Nach vorne oder nach hinten. Schon wieder diese Polaritäten, aus denen man als Mensch sich nicht lösen kann. Mir fällt nur eben spontan ein einziges Faktum ein, das für mich gewiss ist: Als Mensch habe ich einen biologischen Organismus, der, wenn er sich nicht täglich ernährt, verhungert. Es wurde seither noch kein Mensch erschaffen, der sich von Licht oder Luft ernähren kann, weil er abhängig ist vom menschlichen Körper, der sich von Fleisch oder Pflanzen ernährt. Wenigstens ist darauf noch Verlass. Ein Wissen, das wirklich niemand abstreiten kann. Aber sonst kann man sich über alles streiten. Ich glaube, dass man Illusionen braucht, denn das, was ich ich vorherigen Satz gesagt habe, ist zu nüchtern und klingt kalt. Es reicht nicht nur Hirn, sondern ich wünsche mir Hirn und Herz. Das Hirn ist überfordert, wenn das Herz fehlt. Aber ein Herz ohne Hirn ist ein dummes Herz ohne Inspiration. Die Inspiration kommt ja doch auch von Hirn und nicht nur vom Herz. Allerdings verbinde ich das Herz mit Stimmung. Also ist die Stimmung (Herz) genauso wichtig wie die Fakten (Hirn). Tja und der Darm, der verarbeitet das alles dann, wenn die Mischung gut gemischt ist. War jetzt ein Witz, dieser Schlusssatz. Aber warum nicht?

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    1. Das mit dem Darm und dem Gehirn ist gar nicht nur ein Witz. Tatsächlich hat unser Darm einen gehörigen Einfluss auf unser Hirn.

      Stimmung ist ja nichts falsches, genauso wenig wie Intuition, Instinkt, Bauchgefühl oder eben Herz und Seele. Es ist genauso wie du sagst: Ein Hirn ohne Herz ist kalt und ein Herz ohne Hirn ist blind.

      Aber wir sind auch faule Wesen (um Energie zu sparen) und verlassen uns auch dann, wenn es fatal ist, auf unser Bauchgefühl, nur um nicht angestrengt denken zu müssen, unsere Überzeugungen zu überprüfen, die kognitiven Dissonanzen ehrlich und redlich auszugleichen. Das alles kostet zu viel Energie und wir tun alles (gehen über Leichen), um unsere Überzeugung unantastbar zu machen und das bisschen Energie zu sparen. Oder gar zuzugeben, dass man Unrecht hatte? Niemals!

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  4. Die Antwort war für mich aufschlussreich. Schnelle Urteile aus dem Bauchgefühl heraus sollte man nicht fällen. Dass Asylbewerber krimineller eingeschätzt werden, wäre ein solches Urteil. Als ob es bei anderen Nationalitäten, eingeschlossen der deutschen Bürger, keine oder weniger Kriminalität gäbe. Und mal ganz abgesehen von Asylbewerbern werfe ich auch die Frage in den Raum, dass es, so wie ich bisher informiert bin, immer auch gewisse Dunkelziffern gibt, die schwer zu erfassen sind. Deswegen sollte man sich quasi doppelt mit vorschnellen Urteilen zurückhalten.

    Und es stimmt auch, dass man sich Irrtümer, die sie leider erst später dann herausstellen, gerade deswegen, weil man eigene Überzeugungen nicht ausreichend überprüft hat, ganz schwer im Nachhinein erst mal sich selbst eingesteht. Denn logisch, wenn man es sich selbst nicht eingestehen will, wie soll man es dann erst recht bei Personen eingestehen, denen man aus mangelnder Kenntnis und aus eigener Nachlässigkeit, Schaden zugefügt hat.

    Das Problem mit der Wahrheitsfindung hast Du mir sehr gut beschrieben. Ich sehe es sogar ähnlich, bezogen auf die Gerechtigkeit. Beides zusammen, Gerechtigkeit aufgrund der richtigen Einschätzung (Wahrheit) wäre das faire und menschliche Verhalten, das man sich wünscht. Ich würde das ja auch generell jeder Person zusprechen. Jede Person ist daran interessiert, dass man gerecht und ohne Tricksereien und Lügen miteinander umgeht. Aber wenn es jeder richtig machen würde, dann gäbe es eigentlich gar keine Differenzen, oder noch besser gesagt, Missverständnisse. Kognitive Dissonanzen, muss mal googeln, was das ist. Oder ich schau mich einfach mal auf Deinen Seiten hier um.

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  5. Der Einfluss des Darms auf die Gehirnentwicklung gab's gestern bei @3sat / Scobel...

    Populismus ist für mich einfach nur logisch!
    https://ne-na.me/2016/11/10/populismus-was-wir-von-trump-lernen-koennen/
    * Dr. Karl Lueger in Brigitte Hamann
    * Gorgias
    * Mathias Uhl: Angeber haben mehr vom Leben

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