1. März 2011

Wie man intuitiv gute Entscheidungen trifft

Beschlüsse steigen
unerwartet aus der Tiefe
Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen, das kling gut. Bei der Wahl einer Pizza im Restaurant mag das auch ein ziemlich risikoloses Vorgehen sein. Oft sind unsere Entscheidungen jedoch von größerer Tragweite: Welchen Job soll ich nehmen, welches Auto kaufen, in welche Wohnung ziehen? Hier will man nicht "Eene Meene Minke" spielen, sondern eine Entscheidung treffen, mit der man auch länger leben kann. Ohne sich über die nötigen Anforderungen bewusst zu sein und ohne die richtigen Informationen zu haben, kann man keine gute Wahl treffen. Das heißt nicht, dass man auf die Intution verzichten soll. Aber man muss ihr auf die Sprünge helfen. So geht's...



1. Ohne Entscheidungsdruck mit der Materie beschäftigen
Uninformierte Entscheidungen sind Glückssache. Aber: Sich unter Entscheidungsdruck zu informieren führt zum Stress. Und Stress ist der schlechteste Ratgeber. Sagen wir, Sie wollen umziehen und müssen die Entscheidung treffen, in welche Wohnung oder welches Haus Sie ziehen. Geben Sie sich ausreichend Zeit, damit Sie sich umschauen können. Versuchen Sie nicht, eine Entscheidung zu treffen, schauen Sie sich einfach interessiert um. Wo würden Sie gerne wohnen, wie groß soll es sein, wieviel darf es kosten, was gefällt Ihnen an einzelnen Objekten und was nicht? Es ist wichtig, dass Sie sich diese Phase ausschließlich zur Information gönnen und bewusst davon absehen, eine Entscheidung zu treffen.

2. Schlafen Sie drüber
Sie müssen sich nun eine Weile vom Problem abwenden oder wie der Volksmund sagt, "eine Nacht drüber schlafen". Je nach Schwere der Entscheidungen kann diese Zeit genauso wie die Informationszeitspanne länger oder kürzer sein. Wenn Sie nicht wissen, welche Pizza Sie wollen, dann sehen Sie sich erst kurz die Auswahl an. Dann beschäftigen Sie sich ein paar Minuten mit den Getränken und den Desserts und dann gehen Sie zurück zur Pizza. Da müssen Sie nicht drüber zu schlafen. Wichtig ist nur, dass Sie dem Unterbewusstsein die Zeit lassen, sich ohne neuen Informationsfluss von außen zu mit den Alternativen auseinanderzusetzen.

3. Entscheiden Sie sich
Nachdem Sie Ihrem Unterbewusstsein die Möglichkeiten gegeben haben, all die Aspekte zu gewichten, kommen Sie zurück zu Ihrer Auswahl. Nun können Sie intuitiv eine Entscheidung treffen. Sie werden überrascht sein, wie gut und natürlich sich diese Entscheidung anfühlt. Die Gefahr, dass Sie Ihre Entscheidung irgendwann bereuen ist nun viel geringer.

Hintergründe
Erste bewusste Entscheidungen sind nötig, um Rahmenbedingungen festzulegen, sagen wir den Mietpreis oder die Größe. Das Unterbewusstsein ist stark darin, all diese und die anderen am Rande wahrgenommenen Aspekte in ihrem komplexen Auftreten aufzunehmen und zu einem Ganzen zusammenzuführen. Sie haben nun also eine informierte Entscheidung getroffen, ohne sich dem Stress des Entscheidungsdruckes auszusetzen. Dafür haben wir unsere Intuition. Weiterführende Hintergründe dazu finden Sie in diesem wissenschaftlichen Artikel: Beeinträchtigt der bewusste Gedanke die Entscheidungsfindung? Der Artikel kommt zu dem Schluss, "dass wir bei komplexen Sachverhalten die beste Entscheidung oft nicht nach reiflicher, bewusster Überlegung treffen. Im Gegensatz zur herkömmlichen Meinung, ist es manchmal besser, die Pro- und Contra-Liste zu verwerfen und unseren Autopilot einzuschalten."

Und wer noch weiter recherchieren will, der kann sich an Arthur Schopenhauer wenden, dem die Einführung des unbewussten Gedankens zugeschrieben wird: "Selten liegt der ganze Proceß unsers Denkens und Beschließens auf der Oberfläche, d.h. besteht in einer Verkettung deutlich gedachter Urtheile; obwohl wir dies anstreben, um uns und Andern Rechenschaft geben zu können: gewöhnlich aber geschieht in der dunkeln Tiefe die Rumination des von außen erhaltenen Stoffes, durch welche er zu Gedanken umgearbeitet wird; und sie geht beinahe so unbewußt vor sich, wie die Umwandelung der Nahrung in die Säfte und Substanz des Leibes. Daher kommt es, daß wir oft vom Entstehn unserer tiefsten Gedanken keine Rechenschaft geben können: sie sind die Ausgeburt unsers geheimnißvollen Innern. Urtheile, Einfälle, Beschlüsse steigen unerwartet und zu unserer eigenen Verwunderung aus jener Tiefe auf." (Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819)

Kommentare:

  1. Schlafen Sie bitte nicht darüber! Machen Sie sich bitte nicht über die in die Zukunft gestaltetet Zeit "zu viele" Gedanken. Es würde den Weg entschärfen - er würde den normativ Angekommenen gleichen. Das will Niemand, denkt es nur nicht und wird sich ähnelnder Weise niederlassen. Das Ergebnis gleicht sich, immer mit Erfahrung aus dem Hintergrund, woher sonst. Das Bewusstsein liegt tief, es ist sozusagen vergraben, verborgen in der eigenen Aktivität - in der man sich all zu wichtig nimmt. Ich halte es mit Kant, er bündelt und entfaltet die Prämissen des Lebens - "tun, können, dürfen (ich: im Sinne der Herausnahme unseres Zeitgeflechtes)wissen, hoffen"! WAS IST DER MENSCH? Ich erwarte nicht viel!
    S.Z.

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  2. "Das Bewusstsein liegt tief, es ist sozusagen vergraben, verborgen in der eigenen Aktivität..." Ein schönes Bild, das darauf hindeuten könnte, dass es eine strenge Trennung von bewusst und unbewusst gar nicht geben kann.

    "Machen Sie sich bitte nicht über die in die Zukunft gestaltetet Zeit 'zu viele' Gedanken." - Ganz genau, das ist der Sinn von "drüber schlafen": Es einfach ruhen lassen, nicht drüber nachdenken, es wird schon aufsteigen aus den "Tiefen des verborgenen Bewusstseins". Man muss nur die Denk-Aktivität einstellen.

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  3. "Schlafen Sie drüber", Machen Sie bitte "NICHT" (dieses oder jenes), denken Sie nicht an einen blauen Elefanten - die Aufforderung, involviert doch schon, dass man gerade heraus dazu geneigt ist (wird) eben dieses oder jenes doch zu tun - gerade wegen des Mechanismus, der zu versprechen versucht, die Gedanken zu verschieben oder zu unterdrücken. Wie könnte man es anders kommunizieren?
    S.Z

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  4. Das Prinzip (das wohl jeder kennt) ist recht schön in einem neuen Buch von Ulrich Schnabel beschrieben ("Muße", Blessing-Verlag 2010), er bezieht sich auf Robert K.Mertons "Serendipity-Prinzip", eine "Mechanik der unbeabsichtigten Genialität". Schnabel listet in dem Kapitel "Der Wert des Nichtstuns" einige berühmte und weniger berühmte Beispiele dafür auf. Auch bei Gerd Gigerenzer ("Bauchentscheidungen", Goldmann 2008) finden sich bemerkenswerte Hintergründe zur Logik der schnellen, uninformierten und oft "intuitiv" genannten Entscheidungen.

    PS: Ein schönes Blog haben Sie da aufgesetzt...;-)

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