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7. August 2014

Es gibt keine Identität ohne Masken

Der freie Umgang mit der Unfreiheit


Bei allem Psycho-, Coaching- und Selbstoptimierungskult, der uns zur Zeit zu überrollen und mit seinen Imperativen zu überfordern scheint, wird eines immer wieder unterschlagen: Die fundamentale Ungerechtigkeit der Verteilung von Kapazitäten, Rechten und Gütern und die damit einhergehende Unfreiheit der vielen in der Gestaltung ihres Lebens. Wenn man an diese Themen so naiv ran geht, dass eben jeder seines eigenen Glückes Schmied sei, dann ist das nicht einmal die halbe Wahrheit.

Die Maske als Medium unserer Identität (Stefano Menegatti via Flickr CC)

Eine treue Leserin kommentierte meinen Artikel Jeder Mensch ist eine Fiktion (Von der Freiheit der Selbsterfindung) folgendermaßen:

16. Juli 2014

Der edle Bruder Neid

Mit Nietzsche lernen, den Neid zu nutzen


"Wo die Gleichheit wirklich durchgedrungen und dauernd begründet ist, entsteht jener, im ganzen als unmoralisch geltende Hang, der im Naturzustande kaum begreiflich wäre: der Neid. Der Neidische fühlt jedes Hervorragen des anderen über das gemeinsame Maß und will ihn bis dahin herabdrücken – oder sich bis dorthin erheben: woraus sich zwei verschiedene Handlungsweisen ergeben, welche Hesiod als die böse und die gute Eris bezeichnet hat." (Nietzsche: Der Wanderer und sein Schatten)


Noch nicht ganz angekommen: Auf dem Weg nach oben.  (Foto: John and Christina via Flickr)

Neid gilt in unserer Gesellschaft gemeinhin als verwerfliche Gefühlsregung, die nur zu Missgunst, Zank und am Ende Totschlag führt. Die Griechen nannten das "Eris": Die Göttin der Zwietracht, die durch ihre Intrigen unter anderem den Trojanischen Krieg heraufbeschwörte. Aber bereits der antike Dichter Hesiod kannte eine zweite Eris, eine die den Menschen antreibt und zu Höherem streben lässt. Diese zwei Zwillingsschwestern kehren in Nietzsches Wanderer und sein Schatten als der "Neid und sein edlerer Bruder" wieder.

29. Juni 2014

Verführt, benutzt und fallen gelassen

Wie wir Manipulationen erkennen und ihnen begegnen können

In Abwandlung eines bekannten Diktums der Kommunikationstheorie müsste man sagen: Wir können nicht nicht manipulieren. Fast immer, wenn wir kommunizieren, haben wir etwas im Hinterkopf, wollen etwas erreichen oder jemanden von etwas überzeugen. Es bedarf einer ganz anderen Bewusstseinsform, wenn man das ablegen will, man müsste sich davon verabschieden, überhaupt noch etwas zu wollen. Es ist also normal, dass unser Partner, unsere Kollegen oder der Chef uns zu etwas bewegen wollen, das in ihrem Interesse ist. Hoffentlich ist es aber auch in unserem Interesse. Dass wir hin und wieder jemanden in seinem Verhalten manipulieren, kann vorkommen und gehört in einem gewissen Rahmen zum sozialen Austausch. Es gibt aber auch Menschen, deren soziale Interaktion zu großem Teil auf Verführung und Manipulation beruht. Oft sind es sehr interessante, charismatische Menschen, denen es gelingt, uns sehr geschickt für ihre Zwecke einzuspannen. Wir selbst drohen dabei, auf der Strecke zu bleiben.


Manipuliert und verführt? (Quelle: Victoria Nevland via Flickr CC)

26. Januar 2014

Was wäre, wenn...

Elena Welsch fragt uns heute, was wäre, wenn wir all die uns runterziehenden Überzeugungen über Bord werfen würden. Lesen Sie selbst...

"Was wäre, wenn wirklich alles möglich wäre? Ohne jegliche Einschränkungen. Wie würde dein Leben aussehen?"

Meine Lieblingsfrage. Ich stelle sie sehr oft. Allerdings erhalte ich sehr selten eine konkrete Antwort darauf. Zumindest, wenn ich die Frage zum ersten Mal stelle. Stattdessen treffen mich meist verwirrte Blicke und die Stille wird - wenn überhaupt - durch ein zögerliches Nachfragen gebrochen… "Wie jetzt? Was meinst du denn damit? Puh, keine Ahnung, da habe ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht." Und genau an dieser Stelle fängt der Spaß für mich erst richtig an.

Walking over Sarajevo
Wenn dir deine Träume keine Angst machen, sind sie nicht groß genug! (Foto: Nicolò Paternoster)

16. Januar 2014

Unfreiwillig allein?

"Die Kunst des Alleinseins" 

Ellen Dunne rezensiert das Buch von Ursula Wagner


Ellen Dunne, Autorin solch spannender Romane wie Wie du mir und Für immer mein, habe ich vor einigen Jahren in Management-Trainings bei unserem ehemaligen Arbeitgeber kennengelernt. Die Initiative dazu muss wohl anfänglich von ihr ausgegangen sein. Denn in unseren Persönlichkeitstests während dieser Trainings wurden wir beide jeweils am anderen Ende des Spektrums von Extroversion (sie) und Introversion (ich) verortet. Extrovertierte Autoren stehen täglich vor ganz speziellen Herausforderungen, zum Beispiel weil das ungeliebte Alleinsein ein essentieller Teil ihrer Profession sein muss. Ellen hat sich immer wieder damit beschäftigt, wie sie sich am besten mit der Notwendigkeit allein zu sein, aussöhnen kann. Nun hat sie auch ein Buch mit dem Titel Die Kunst des Alleinseins gelesen, das inzwischen zu ersten "Friedensverhandlungen" zwischen ihrem extravertierten Selbst und dem nötigen täglichen Alleinsein geführt hat. Aber lesen Sie selbst...


Einsamkeit oder doch ein “goldener Stein”? Eine Annäherung ans Alleinsein.

Die Introvertierten unter Ihnen werden jetzt vielleicht den Kopf schütteln und sich fragen, warum man sich einem so begrüßenswerten Zustand wie dem Alleinsein denn erst annähern muss. Und auch in meiner Kindheit wurde mir immer wieder das Sprichwort vorgebetet: Allein ist ein goldener Stein. Trotzdem: Als vorwiegend extrovertierte Schriftstellerin stellt mich der Kampf zwischen dem für meine Arbeit unverzichtbarem Alleinsein einerseits und dem schier unwiderstehlichen Drang meiner Persönlichkeit danach, in Gesellschaft von Menschen zu sein andererseits, jeden Tag neu auf die Probe.

In ihrem Buch Die Kunst des Alleinseins richtet sich Diplompsychologin Ursula Wagner primär an all jene, die unfreiwillig allein sind. Weil sie langjähriger Single sind, aus einer gescheiterten Beziehung kommen oder durch tragische Lebensumstände ins Alleinsein “gefallen” sind. Nichts davon trifft auf mich zu. Trotzdem habe ich mithilfe des Buches begonnen, das Alleinsein für mich zu erforschen.

8. Dezember 2013

Willkommen in der Entfremdung

Wenn die Beziehung zur Lebenswelt abreißt


Während meines Philosophiestudiums ging ich durch eine tiefe Krise. Ich hatte ganz plötzlich große Schwierigkeiten, mich selbst in Beziehung zu meiner Umwelt und meinen Mitmenschen zu sehen. Alles um mich herum schien mir ziemlich sinnlos und abstoßend. Ich wusste nicht mehr, was ich selbst tun konnte, um irgendwie sinnvoll an der Welt teilzuhaben.

Ich konnte auch kaum mit jemandem drüber reden, denn niemand verstand, wie es mir ging. Wurde ich doch mal gefragt wie ich das beschreiben würde, was ich erlebte, dann sagte ich, dass ich mich von allen Menschen und den Objekten um mich herum vollkommen entfremdet fühlte.

Damit hatte ich zumindest ein Wort. Dieses Wort war wie der Anfang eines Fadens in einem verknoteten Knäuel. Hier konnte ich ansetzen und langsam versuchen, den Knoten zu lösen, in dem ich den Anfang des Fadens in den Fingern behielt und durch das Knäuel zog, um es zu entwirren. Der Faden, den ich so aufnahm, wurde immer länger und das Knäuel langsam kleiner. Die Dinge fingen wieder an, Sinn zu machen.


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Willkommen in der Entfremdung: Was hat diese Welt mit mir zu tun? (Foto: Vincepal via Flickr)


30. Oktober 2013

Wie (un)bewusst lebst Du eigentlich?

Mit mehr Bewusstsein zu einer höheren Lebensqualität

Erkennt sich jemand darin wieder? "Jeden Morgen als erstes den Computer anschalten. Nach der Arbeit sofort die Fernbedienung in die Hand nehmen und den Fernseher anmachen. Jedes Jahr der selbe Urlaubsort. Das selbe Essen. Der gleiche Sex. Alles verkommt zu einer einzigen großen Routine. Dein Gefühl für Entscheidungen geht verloren und Du hörst auf nachzudenken." Stephan Wießler, Trainer und Coach für Charisma und Motivation, erklärt in diesem Artikel, welche Vorteile ein bewusstes Leben für uns hat. Er zeigt uns einige Techniken, mit denen wir uns vergegenwärtigen können, wie unbewusst unser Alltag oft abläuft und andere, mit denen wir nach und nach bewusster leben können.

Bewusstsein, Selbstbewusstsein – was bedeutet das eigentlich? Überleg Dir mal, wie viele Aktionen Du am Tag unbewusst ausführst. Wie viele Handlungen finden automatisiert statt?

13. Oktober 2013

Von der Notwendigkeit, sich Zeit für sich selbst zu nehmen

Ein gutes Leben braucht mehr als einen Autopiloten

Zeit mit sich selbst zu verbringen ist für manche von uns eine Selbstverständlichkeit, für andere ist es ein schwieriges Unterfangen. Nicht nur, weil sie keine Zeit für sich allein finden, sondern vielleicht auch, weil es nur noch schwer auszuhalten ist. Was soll ich tun, wenn ich allein mit mir bin? Fernsehen, lesen, trinken, spazieren gehen, in der Sauna entspannen? Zeit mit sich selbst zu verbringen, sei es lesend, schreibend, malend, laufend oder schwitzend, ist nicht nur gut für den Körper und die Seele, sagt der Philosoph Damon Young. Es kann auch unseren Charakter, unsere Fähigkeiten und Tugenden, unsere ganze Persönlichkeit formen und festigen.


In der Zeit mit sich allein formt sich das ich

Freizeit und Muße formen die Persönlichkeit

Für viele hat "Zeit allein" auch einen Hauch von Verschwendung. Wenn die Zeit, die wir der Arbeit und unseren Pflichten widmen, wertvoll ist, dann ist die Zeit, die davon übrig und ungenutzt bleibt doch ziemlich wertlos. Oder "Zeit allein" ist dann eben Luxus: Aroma-Massage, Sonnenbank, Mani- und Pediküre.

"Zeit allein" ist aber eben auch einfach nur Freizeit oder Muße und das muss weder Verschwendung noch Luxus sein. Schon bei den Römern war Freizeit nicht einfach Faulenzen oder Prassen, sondern die Zeit, in der man sich selbst verfeinerte, seinen Charakter formte und verjüngte.

Der Naturforscher, Künstler und Staatsmann Seneca befasste sich in seiner Freizeit zum Beispiel mit der Philosophie. "Ich befasse mich nicht deswegen mit der Philosophie, um den Tag möglichst unterhaltsam zu verbringen oder die Langeweile aus der Freizeit zu vertreiben", schrieb er in einem Brief an seinen Freund, den Dichter Lucilius. "Es formt und bildet die Persönlichkeit, ordnet das Leben und reguliert das eigene Verhalten."

Für Seneca war Zeit allein eine Notwendigkeit für das gute Leben. Es war die Zeit, Maß zu nehmen, über sich selbst und die Welt nachzudenken und den eigenen Geist im Studium und in Gesprächen zu üben. "Was unseren Charakter wirklich ruiniert, ist wenn wir nicht auf unser Leben zurückblicken", sagt Seneca. Der Charakter, so könnte man Seneca übersetzen, benötigt mehr als einen Autopiloten, er benötigt einen aufmerksamen Kapitän. Die Zeit für sich allein ist deshalb so wertvoll, weil das Ich nicht einfach nur ist, sondern in der Reflexion geformt werden muss.

Sport: Ausdauer, Mut und Problemlösung

Wertvolle Zeit allein muss natürlich nicht zwangsläufig der Philosophie gewidmet sein. Auch Sport und körperliche Anstrengung gehören dazu. Nicht nur, weil es uns entspannt, sondern weil wir uns dabei üben und noch besser in dem werden, was wir gut können wollen. Auch regelmäßiges Joggen verbessert die Ausdauer und nicht nur körperlich: Weniger launisch sein und mehr Ausdauer an den Tag legen können, steht auch unserer Persönlichkeit gut zu Gesicht. Kampfkunst wie Judo oder Boxen kann unseren Mut fördern und die Fähigkeit verbessern, mit Schmerz umzugehen. Ein Spaziergang oder das deutsche Wandern sind nicht nur für Herz und Kreislauf gut: Abstand von den Alltagsproblemen zu gewinnen, hilft uns, neue Ideen zu entwickeln und die Probleme zu meistern. Bergsteigen kann uns helfen, uns selbst und den ganzen Zirkus des Lebens auf die rechte Größe herunter zu schrumpfen.

Allein etwas neues hervorbringen

Kreative Arbeiten in unserer Freizeit helfen uns, unsere Interpretation von Leben und Welt für uns selbst und andere begreifbar zu machen. Durch kreative Arbeit "objektivieren" wir unser Selbst, wie Karl Marx sagen würde, in Sprache und Musik, im Gärtnern oder Basteln. Während solcher Tätigkeiten fällt uns das Reflektieren leichter und vielleicht werden wir ehrlicher mit uns selbst, wenn wir im Flow etwas neues hervorbringen.

Geglücktes Leben ist Sorge um sich selbst

Die Zeit mit sich allein ist also kein Luxus oder irgend eine Verschwendung. Sie ist existentiell wichtig, denn es ist die Zeit, die wir brauchen, um für unser rundum gesundes Selbst Sorge zu tragen. Das ist vielleicht erst mal sehr egozentrisch und eigennützig, aber nicht, weil wir anderen etwas wegnehmen, sondern weil es das Selbst als ein Abenteuer und einen Auftrag versteht: Das Ich als etwas, das man immer mal wieder unter die Lupe nimmt und dann verfeinert. Im besten Fall ist es ganz das Gegenteil von egoistisch, denn wer sich selbst weiterentwickelt, formt und bildet, kann am Ende seinen Mitmenschen mehr geben. Mit mehr Zeit allein können wir widerstandsfähiger, bewusster und wissender werden, wir können unseren Mut entwickeln und unsere eigenen Schattenseiten kennen lernen. Mindestens aber wird es uns mit etwas mehr und ganz bewusst allein verbrachter Zeit einfach besser gehen.

Apropos... Zeit für einen Tee!



Der größte Teil des Textes beruht als Übersetzung auf Damon Youngs Text The Importance of Taking Time Out, der bei der School of Life erschienen ist. Young widmet sich in seinen Büchern wie zum Beispiel Distraction: A Philosopher's Guide To Being Free (bisher nur auf Englisch erschienen, deutsch etwa: Ablenkung: Eine philosophische Anleitung zum Freisein) Alltagsphänomenen unter einem philosophischen Blickwinkel und hilft so, die Zutaten für ein gutes Leben zusammen zu tragen.







Das sollte Sie auch interessieren:

8. Oktober 2013

Atme es weg!

Auf der Website The School of Life meines Lieblingsphilosophen Alain de Botton habe ich einen wirklich inspirierenden kleinen Text gefunden. Der kurze Auszug ist aus Cheryl Strayeds Buch Tiny Beautiful Things, das es leider bisher nicht auf Deutsch gibt. Ich habe den Auszug deswegen unten übersetzt. Ich denke, von ihm können wir einiges lernen. Er geht von der Erkenntnis aus, dass viele negative Gefühle wie Angst, Wut, Verzagtheit und Kummer mit einer gewissen Atemnot einhergehen. Man sieht das schon am Wort Angst, das vom lateinischen angustia kommt, was so viel wie "Enge, Beengung, Bedrängnis" heißt und von angor für "Würgen". Es ist ein bekanntes Phänomen, dass man diese negativen Gefühle nährt, wenn man nicht ausreichend atmet. Beobachten Sie das mal! Und umgekehrt können diese Gefühle beim bewussten und tiefen Atmen nicht fortbestehen. Das können Sie beim nächsten Mal versuchen. Aber jetzt lassen Sie sich erst mal von Cheryl Strayeds Gedanken inspirieren...


Mit jedem Atemzug spürst du, wie es besser wird...


Scared Girl
Scared Girl (von Victor Bezrukov via Wikipedia)

...buchstäblich! Und das ist genau der Anfang, zu dem ich dir rate. Jedesmal wenn du denkst "Ich hasse diesen verdammten Mist", kannst du diesen Gedanken mit einem Atemzug neutralisieren. Beruhige deine Seele. Atme tief und ganz bewusst ein und dann atme aus. Denke nicht "Ich hasse diesen verdammten Mist", wenn du atmest. Gönne dir diese Pause. Puste diesen Mist aus deinen Lungen in den Wind. Und dann mach mit etwas anderem weiter.

Ich habe mich durch so viele Leute geatmet, von denen ich mich unfair behandelt fühlte. Und ich habe mich durch so viele Situationen geatmet, die ich nicht ändern konnte. Manchmal habe ich in völliger Akzeptanz geatmet und was ich ausatmete, war Liebe. Manchmal habe ich in Dankbarkeit geatmet und was ich ausatmete, war Vergebung. Manchmal konnte ich nichts weiter, als einfach nur atmen, zu keinem anderen Gedanken und keinem anderen Gefühl fähig, als dem Verlangen, ohne Kummer und Wut zu sein.

Es funktioniert. Und es funktioniert, weil die Medizin direkt auf die Wunde aufgetragen wird. Es ist kein Zufall, dass du spürst, wie der Schmerz in deiner Brust festsitzt. Wenn du ruhig und bestimmt atmest, dann triffst du das weiße Monster genau dort, wo es wohnt. Du nimmst ihm die Luft und gibst dir selbst neue Gedanken, die dich nähren, anstatt dich zu quälen. Das ist mentale Selbstdisziplin. Ich rate dir nicht, deine negativen Gefühle runterzuschlucken, sondern sie zu akzeptieren und sie mit eigener Kraft zu überwinden, anstatt einen Sog entstehen zu lassen, der dich mitreißt und nur runterzieht.

Das ist natürlich harte Arbeit. Und das ist wichtige Arbeit. Ich glaube, dass so etwas wie Versöhnung auf dieser anderen Seite ist. Versuchs nur!

Herzlichst,

Sugar

11. August 2013

Serendipität oder die in die Wege geleiteten Zufälle

Wie kommt es zu einer geglückten Biographie?


"Die meisten Menschen sind im Grundverhältnis zu sich selbst Erzähler.
Sie lieben nicht die Lyrik, oder nur für Augenblicke, und wenn in den Faden
des Lebens auch ein wenig 'weil' und 'damit' hineingeknüpft wird, so verabscheuen
sie doch alle Besinnung, die darüber hinausgreift: sie lieben das ordentliche Nacheinander
von Tatsachen, weil es einer Notwendigkeit gleichsieht, und fühlen sich durch den
Eindruck, daß ihr Leben einen 'Lauf' habe, irgendwie im Chaos geborgen."
Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften

In der Rückschau mag unser bisheriges Leben eine Art Sinn ergeben. Meine imaginäre Freundin Sabine zum Beispiel: Als Kind hat sie sich für Tiere interessiert, dann war sie in der Schule gut in Naturwissenschaften, hat später Meeresbiologie studiert, dann ein Auslandssemester an der University of Southampton verbracht, wo sie ihren Partner kennengelernt hat. Dann Karriere, Familie, Haus und Garten. Der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt. Das sieht doch aus wie geplant. Da führt eines zum anderen. Ein schöner Lebenslauf.

Freedom of the 'New Press' ~ The Internet was the Battlefield
An jedem Tag kann ein Zufall das ganze Leben ändern (Bild von Viewminder via Flickr CC)

14. Mai 2013

Was willst du wirklich vom Leben? Finde es heraus!

Stephan Wießler ist Trainer und Coach für Charisma und Motivation. In seinen Coachings und Seminaren unterstützt er Menschen dabei, ihre Träume zu entdecken, zu verwirklichen und sich persönlich weiterzuentwickeln. Hier und jetzt zeigt er uns eine sofort anwendbare Methode, mit der wir in etwa einer Stunde herausfinden können, was wir wirklich im Leben wollen und wie wir es schritt für Schritt erreichen. Viel Spaß...

4. Mai 2013

Reiss Profile: Was treibt dich an?

Selbsterfahrung mit dem Persönlichkeitstest von Steven Reiss


"Was macht die Menschen im Leben letztlich glücklich und zufrieden und damit dauerhaft leistungsfähig? Was ist für jeden einzelnen Menschen wirklich wichtig?"

16 Lebensmotive, die uns nach Steven Reiss antreiben

Die Frage nach dem Glück und den wirklich wichtigen Dingen in unserem Leben steht der Analyse meines Reiss Profiles voran, die Reiss Master Svenja Hofert mit mir durchgeführt hat. Und es ist eine gute Frage, eine die durch andere Persönlichkeitstests so deutlich nicht erfasst wird. So sehr ich MBTI oder Big Five als "Bestandsaufnahme" unserer individuellen und überdauernden Persönlichkeitsdimensionen schätze, so sehr bin ich überzeugt, dass ein ergänzender Blick auf die uns antreibenden Motive im Leben sinnvoll sein kann.

Anhand von 16 Lebensmotiven wird im Reiss Profile herausgearbeitet, was mich im Leben antreibt. Daraus könnte sich am Ende nicht nur ein enormer Zuwachs an Verständnis der eigenen Persönlichkeit ergeben, sondern auch eine neue Möglichkeit, eigene Entscheidungen - seien sie beruflicher oder privater Natur - zu überdenken. Die 16 Motive sind: Macht, Teamorientierung, Neugier, Anerkennung, Ordnung, Sparsamkeit/Sammeln, Ziel- und Zweckorientierung, Idealismus, Beziehungen, Familie, Status, Rache/Kampf, Schönheit (Eros), Essen, Körperliche Aktivität, Emotionale Ruhe.

Diese Motive erscheinen dem Laien (und auch manchem Psychologen) erst einmal ziemlich willkürlich zusammengewürfelt, sind aber laut Steven Reiss die grundlegenden 16 Motive, die alles menschliche Verhalten bestimmten, wie Reiss in über 6000 Interviews herausgefunden haben will. Kritiker halten gar die zugrunde liegenden Motivationstheorien aufgrund unzureichender empirischer Belege für wissenschaftlich gescheitert. Mehr noch: Reiss Profile funktionierten im Grunde wie Horoskope, denn die Motive seien so "vage formuliert, dass sich jeder heraussuchen kann, was auf ihn zutrifft und hat nach dem Test das Gefühl, seine Person sei präzise beschrieben worden" (Wikipedia).

13. April 2013

Ich darf das! Die Kraft von Affirmationen

Ausgehend von einem geschenkten Satz, entdeckt unsere Autorin Katrin Hentschel ganz neue Handlungsräume für sich selbst. Aber wie wirken solche Affirmationen, wie finden wir sie und wie können wir sie für uns nutzen? Lassen wir uns von ihr mitnehmen auf eine Entdeckungsreise positiver Glaubenssätze.

"Ich darf das" – ein Satz, der mir schon viel und oft geholfen hat. Er steht ganz dick hinter meinen Ohren geschrieben und hüpft mir regelmäßig in meine Ohrmuschel, wenn mich wieder mal mein schlechtes Gewissen ärgern will.

Es ist ein Satz, den ich von einer Frau geschenkt bekommen habe. Ich sollte ihn überall hinschreiben – auf den Spiegel, an die Türe, in die Schuhe und an all den Orten, an welchen ich ihm ganz oft begegnen muss.

Eine Affirmation öffnet mir neue Räume

Und wie das oft so ist mit Geschenken, weiß man manchmal nicht so recht, ob man sie überhaupt möchte. Ich habe meine Zeit gebraucht um mich mit ihm anzufreunden. Er hat einen egoistischen und eigensinnigen Charakter, mit dem ich zuerst absolut nicht klar kam.

Dennoch habe ich ihn auf ein buntes Papier geschrieben: "Ich darf das!" Ganz dick, mit Ausrufezeichen und in schwarz. Wohl bedacht, bekam ich schon seine erste Wirkung zu spüren: Ein klein wenig Selbstsicherheit drehte sich da in der Bauchgegend hin und her. Ich hing ihn in die Küche, so dass ich ihn jeden Morgen direkt im Blick hatte, bevor mein Tag los ging.

Von da an hatte der Satz mich gepackt und kam immer zum Vorschein, wenn ich mir nicht sicher war: "Was denken wohl die anderen, wenn ich mich heute Mittag nicht zu ihnen an den Tisch setze?" Schwupps war er da und stand mir zur Seite: "Ich darf das!" Schmunzelnd packte ich die Zweifel beiseite und setzte mich auf einen freien Platz zu Kollegen aus einer anderen Abteilung.

Der Satz schmiss einige Teile meines Lebens über den Haufen und brachte mir neue Handlungsoptionen. Dort wo ich früher gedacht hatte, dass sollte man nicht tun, das wirkt arrogant, eigenbrötlerisch, empfindlich oder auf irgend eine andere Art und Weise, dort denke ich mir jetzt öfters: "Was soll's? Ich darf das!"

Wie wirken solche simplen Sätze?

Ich denke, dieser Satz ist einer von vielzähligen Affirmationen. Affirmatio bedeutet im Lateinischen so viel, wie Beteuerung oder Versicherung. Es beschreibt eine Bejahung, Bekräftigung und Bestärkung.

Affirmationen und Glaubenssätze haben einen enormen Einfluss auf unser Denken und Verhalten. Wenn man sie sich immer wieder ins Gedächtnis holt, durch viele Wiederholungen und Aufschrieben, bleiben sie im Hinterkopf und wirken auf unser Verhalten. Verwenden wir solche Sätze dann auch im Alltag, dann beginnen wir sie zu verinnerlichen und danach zu leben. Wir können durch diese bejahenden Worte unsere ganze Lebenseinstellung ändern.

Wie wenden wir Affirmationen am besten an?

Für unseren Geist ist eine Negation nicht relevant. Es ist also wichtig, bei Affirmationen positive Formulierungen zu wählen. Ein kleines Beispiel:

Sagen sie zu sich selbst: "Heute esse ich keine Schokolade" – Was sehen sie vor ihren Augen? Vielleicht eine Tafel Schokolade oder etwas anderes Süßes? Und wo steckt in ihrem Bild das Wort "keine"? Dadurch, dass ihr Geist auf solch eine Vorstellung nicht programmiert ist, stellen sie sich unweigerlich eine Tafel Schokolade vor. So beginnt eher die Lust auf etwas Süßes, obwohl sie eigentlich genau dies vermeiden wollten. Ein innerer Kampf mit dem sogenannten "Schweinehund" entsteht. Und sind wir ehrlich - in diesem Fall gewinnt doch bei aller Liebe die Schokolade.

Versuchen wir deshalb die Formulierung anders aufzubauen: "Heute lasse ich die Schokolade liegen." Sie werden selbst merken, wie sie sich vor ihrem inneren Auge ein Bild hervorholen, in welchem sie die Tafel links liegen lassen können. Sowohl bei unserem eigenen Verhalten als auch bei der Erziehung von Kindern können wir auf dieses Hintergrundwissen bauen. Ich glaube, dass sich dadurch einige Konflikte und zukünftige Verhaltensmuster von Kindern vermeiden ließen.

Nehmen wir an, ein Kind spielt mit der Wasserflasche und man hört nur noch das Knistern der Kunststoffflasche und das geht einem tierisch auf die Nerven. Wie machen wir dem Kleinen verständlich, dass es doch bitte damit aufhören soll? Das typische "Mach nicht so einen Krach" ist viel weniger zielführend, als zum Beispiel: "Stell bitte die Flasche auf den Tisch". Die erste aber typische Aufforderung ist negativ und interpretierbar, während die zweite ganz klar und deutlich eine Aufforderung ohne Negation ist. Das ist nur eines von vielen Beispielen.

Wie sind wir programmiert?

Unsere Erziehung und unser Umfeld beeinflussen unser Verhalten und Denken. Und unser Denken formt unsere Vorstellungen. Oft tun wir also das, was wir jahrelang gelernt haben, manchmal sogar ohne darüber nachzudenken oder es zu hinterfragen.

Wir tun es, weil es immer schon so war, weil es unsere Eltern taten, unsere Freunde und unsere Vorfahren auch. Natürlich hat dieses menschliche Verhalten auch seinen Sinn: Es gibt uns feste Standpunkte im Leben, ohne die wir uns gar nicht weiterentwickeln könnten. Es gibt uns selbst die Möglichkeit, auch mal andere Wege einzuschlagen um auch wieder zurück zu kehren. Eine Art Grundstein, um darauf ein Haus zu bauen oder wie die Mulden in einem Felsen, die es uns Kletterern ermöglichen uns festzuhalten um einen nächsten Griff zu wagen.

Auch, wenn die Welt eigentlich von ständiger Veränderung geprägt ist, sehen wir Menschen oft und vieles wie immer. Dabei ist nichts gleichbleibend. Oft löst eine Affirmation eine Welle aus, die unser ganzes Denken neu programmieren kann. Sie kann uns helfen, wenn wir feststecken oder nicht recht weiterkommen. Wenn wir die Wirkungsweise unserer eignen Worte im Alltag positiv beeinflussen möchten, können wir das nur, wenn wir unsere Wortwahl auch bewusst treffen und uns hin und wieder auf neue Wege trauen.



Wie auch sie zu ihren Affirmationen finden

Sie fragen sich, was geeignete Affirmationen sind und wie sie diese für sich selbst finden? Überlegen sie, was ihnen Mut macht. Fragen sie sich, was im Einklang mit ihren Wünschen und Potentialen steht. Fragen sie sich, was ihnen weiterhilft. Oder auch - so viel Negativität sei gestattet - was sie bisher zurückhält, was sie klein macht und drehen sie das um, formulieren sie die positiven Gegensätze dazu. Geben sie sich etwas Zeit, schlafen sie drüber und schreiben sie geeignet wirkende Sätze auf. Dann sind sie ihren ganz eigenen und wirkungsvollen Affirmationen auf der Spur.

Wir würden gern von ihnen hören, welche Affirmationen für sie funktionieren. Lassen sie es uns und alle anderen Leser einfach hier unten in den Kommentaren wissen! Sie dürfen das!




Weitere Texte von Katrin Hentschel:

Müssen oder Dürfen? Was wir von Kindern lernen können
Erster Klasse zur Endstation Abgestempelt

29. März 2013

Die Gefahr von Psycho-Kult und Selbstoptimierung

Spätestens mit dem Ende des 18. Jahrhunderts ist in Europa und Nordamerika die Ära der Psychologischen Kultur angebrochen. Die Romantiker gingen als erste populäre Jugendbewegung den Weg nach innen und meinten, dort die Welt zu entdecken: in der Introspektion, in den dunklen Höhlen der individuellen Psyche, wo man nun mit ersten Fackeln etwas Licht machte. Was dann folgte, war - begleitet von genereller Individualisierung als Lebensprojektion - der Aufstieg der klinischen und wissenschaftlichen Psychologie. Daran an schließt sich nun die allgegenwärtige Vulgärpsychologie.

Joseph Wright of Derby. A Grotto in the Gulf of Salernum, with the Figure of Julia, Banished from Rome. exhibited 1780
Licht in den dunklen Höhlen unserer Psychen (Joseph Wright of Derby, 1780)

2. März 2013

Ein Käfig aus Gedanken

Elena Welsch ist Coach und erzählt uns heute von diesen typischen und uns allen anliegenden Zwangsjacken des Geistes, den Glaubenssätzen. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, oder? Lesen Sie selbst...

Wie stillen wir unser Bedürfnis nach Freiheit und Streben? (Foto von Elena Welsch)

Glaube kann Berge versetzen, davon bin ich felsenfest überzeugt. Für den Glauben ist es dabei völlig unerheblich, in welche Richtung er die Berge manövriert. So ist es nicht unbedingt selbstverständlich, dass mir mein Glaube Hindernisse aus dem Weg räumt. Im Gegenteil, oftmals setzen wir uns selbst mit negativen bzw. einschränkenden Gedankenmustern richtige Gebirgsketten direkt vor die eigene Nase!

29. Dezember 2012

Wie gute Vorsätze denoch gelingen

Gute Vorsätze - sind das nicht die hohlen Sprüche, die wir uns ziemlich beschwipst am 31.12. gegenseitig schwören oder spätestens morgens über die Kloschüssel gebeugt am 1. Januar uns selbst? Nie wieder Alkohol und Zigaretten, dafür aber mehr Sport! Und man weiß eine Sekunde später, dass daraus nix wird. Dabei ist es gar keine dumme Idee, mal inne zu halten, Bilanz zu ziehen und zu überlegen, was man im nächsten Jahr anders machen könnte. Aus der Psychologie wissen wir, dass uns solche Vorsätze motivieren, die konkret und gut begründet sind und das wir eher die Ziele umsetzen, denen wir uns auch verpflichtet fühlen. Daraus leiten sich ein paar Tipps ab, wie man gute Vorsätze in realistische Ziele verwandeln und die Chancen der Umsetzung drastisch erhöhen kann.

C5: Was sind wirklich gute Vorsätze? (Bild: Pinterest John F. Ptak)

6. Dezember 2012

Reiss Profile: Ein Motiv kommt selten allein

Leben und schreiben mit dem Reiss Profile

Eva-Maria Oberauer, freie Onlinetexterin, Schriftstellerin, ausgebildeter Coach und Reiss Profile Master, untersucht für uns, was sowohl fürs Leben als auch für die Literatur am Reiss Profile dran ist. Als Ellen Dunne hat sie den Roman Wie Du mir veröffentlicht und sich dort mit Werteterror und zugespitzten Motivationen ausgetobt.

Hach, waren das noch Zeiten. Im Streit über die unterschiedlichen Definitionen von Ordnung dem Partner ein pauschales "So bin ich eben" entgegenrotzen. Im Job mit einem Schultertätscheln oder einer Gehaltserhöhung "motiviert werden". James Bonds stoische Unverwundbarkeit in allen Lebenslagen bewundern. Vorbei!

Jetzt stehen wir einander an den Spitzenpositionen der Maslow'schen Bedürfnispyramide auf den Füßen, der Partner will nicht mehr so recht in die alten Rollenschablonen passen, und James Bond schießt wegen posttraumatischem Stress-Syndrom daneben. Ja, die Welt ist eindeutig komplexer geworden. Wir haben begonnen, dem vermeintlich Klaren, Vordergründigen zu misstrauen und suchen gleichzeitig nach einer Landkarte, wollen Beweggründe, Motivation verstehen – in der Realität genauso wie in der Fiktion.

Anton Chigurh in No Country for Old Men
Realität und Fiktion: Was treibt Charaktere an? Z.B. 007 oder Anton Chigurh in No Country for Old Men

26. November 2012

Wie können wir mit Neurotizismus leben und lieben?

Kein Wesenszug sagt so zuverlässig ein Scheitern von zwischenmenschlichen Beziehungen voraus, wie ein hoher Wert an Neurotizismus.

Was ist Neurotizismus?
"Neurotizismus ist das Ausmaß der emotionalen Labilität (Störbarkeit, Ängstlichkeit) bzw. Stabilität als Persönlichkeitsdimension; wird durch Persönlichkeitstests ermittelt und soll Aussagen über eine Disposition für neurotische Störungen ermöglichen (H. J. Eysenck)" Lexikon-Institut Bertelsmann, 1995, S. 328.

Michelangelos David: Nervös, besorgt, ängstlich

Wir haben hier schon öfter vom Big Five, dem Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit gesprochen, aus dem sich fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit ableiten. Dieses lexikalische Modell der Persönlichkeitspsychologie wurde über Langzeitsudien und in verschiedensten Kulturkreisen immer wieder bestätigt.

Eine der Dimensionen wird Neurotizismus genannt und gibt darüber Auskunft, wie emotional stabil eine Person ist. Wer in einem Persönlichkeitstest einen niedrigen Wert beim Neurotizismus hat, wird in der Regel ausgeglichen, entspannt und sorgenfrei sein, seltener negative Gefühle erleben und insgesamt emotional stabil sein. Wer hingegen einen hohen Neurotizismuswert hat, der wird eher emotional labil sein, zu Nervosität neigen, öfter über körperliche Schmerzen klagen, sich oft mit Ärger und Ängsten herumplagen, schnell und intensiv auf Stress reagieren und von seinem hohen Stresslevel nur langsam wieder herunter kommen. Neurotische Menschen fühlen sich schnell unsicher und verlegen und neigen eher zu negativen Stimmungslagen.

21. August 2012

Müssen oder Dürfen? Was wir von Kindern lernen können

Katrin Hentschel ist Erzieherin und beobachtet im Alltag gern die Parallelen zwischen Kindern und Erwachsenen. So auch im folgenden Artikel, in dem sie nicht nur der Frage nachgeht, ob unsere als selbstverständlich begriffenen Ansprüche auch unseren Kindern genügen, sondern auch, was wir im Gegenzug von unseren Kindern lernen können, um besser zu uns selbst zu finden. Aber lesen Sie selbst...

Morgens aufstehen, ein Lächeln auf dem Gesicht haben, sich nochmal kurz umdrehen und dem Vogelgezwitscher lauschen. Das ist für mich die Freude des Lebens: Den Moment genießen. Leider schaffe ich das nicht immer, aber umso mehr freue ich mich über die Augenblicke, in welchen es mir gelingt.

Was braucht das Kind? (Foto von Achim Lippoth gefunden bei NOTSOYELLOW)

24. April 2012

Alles verknotet

Doublebind als Kommunikations- und Verhaltensmuster

Es ist ein Erfahrungswert aus Claudia Schmolls Praxis, dass ganz viele Burnout-Themen mit einem als Doublebind bekannt gewordenen Kommunikationsmuster zusammenhängen. Sie sagt, dass es weniger die Anforderungen der Umwelt allein seien, als vielmehr die verinnerlichte Kommunikationsstrategie, durch die diese Umwelt so überfordernd für den Betroffenen erlebt wird. Es trifft Menschen, bei denen in der Umwelt allein gar nichts so Belastendes vorliegt, die aber innerlich sogar schwer belastet sind - schwerer als andere, die eben nicht auf diese Weise traumatisiert sind. Im folgenden Artikel stellt Claudia Schmoll das Konzept Doublebind vor.

Schon vor über 50 Jahren, als sich eine Forschungsgruppe rund um Gregory Bateson mit der Kommunikation und den Beziehungsstrukturen an Schizophrenie Erkrankter beschäftigte, wurde das Kommunikationsmuster Doublebind beschrieben.¹ Doublebind wurde in der Literatur als Doppelbindung eingedeuscht, ich finde das Wort Doppelknoten passender, weil es sich in der Tat um eine schier unlösbare Kommunikationsfalle handelt. Die Falle besteht zum einen aus einer paradoxen Forderung. Zum anderen ist ihr eine Unlösbarkeit eigen, denn egal, was man dem Gegenüber als Lösung anbietet, es wird das Verkehrte sein. Um dem Ganzen noch eins drauf zu setzen, wird das Widersprüchliche der Botschaft entweder nicht diskutiert oder sogar verleugnet.² Die Paradoxie kann sowohl auf verbaler als auch auf nonverbaler Ebene stattfinden. Zum Beispiel ein ablehnendes Gesicht ziehen und trotzdem sagen "Komm' her, du weißt doch, dass ich dich lieb hab'". Und eine der schlimmsten Arten von Paradoxie ist, jemanden zu schlagen und ihm gleichzeitig versichern, dass man ihn liebt.

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