29. Februar 2012

INTP: Warum wir schizoide Hysteriker brauchen

"Die Zwanghaften sind die Traditionalisten, die Angst vor Veränderungen haben, und die Hysterischen sind diejenigen, die es nicht aushalten, wenn alles gleich bleibt." (Gunter Dueck im wirtschaftsblatt.at)
Sorglos dahin treibend: 'Hawaii, The Surf Rider', Holzdruck von Charles W. Bartlett, 1921

Nach meiner Kindheit - als ich in den Katakomben meines Schlafs noch von Dämonen verfolgt wurde - hatte ich nie wieder Alpträume. Aber wenn ich heutzutage unangenehme Träume habe, dann zeichnen sie sich durch eine Gemeinsamkeit aus: Banale Umstände, so zäh wie Klebstoff, halten mich davon ab, voran zu kommen. Ein ganz typischer Traum: Ich will meine Wohnung verlassen, muss irgend wo hin, und komme nicht los. Ich suche z.B. meine Schlüssel, die Brieftasche oder werde von jemandem in der Wohnung davon abgehalten, zur Tür hinauszugehen. Man braucht dafür keine komplizierte Traumdeutung: Ich habe Angst vor Stillstand, Stagnation und in letzter Konsequenz vor dem Tod.


Fritz Riemann, 1961
OK - das ist vielleicht keine Besonderheit: Wer hat nicht Angst vor dem Tod? Anders ausgedrückt: Manche Menschen benötigen viel Stabilität, mögen keine Ungewissheit, planen und ordnen gern alles. Das heißt nicht, dass sie keine Angst vor dem Tod haben, aber sie haben weniger Angst vor Stillstand und Stagnation, weil ihnen Sicherheit und Berechenbarkeit im Leben wichtiger sind. Fritz Riemann nannte diese Menschen die "zwanghaften" und ihr Gegenteil die "hysterischen" Persönlichkeiten. Ich schrieb bereits über Riemanns vier Grundformen der Angst (schizoid, depressiv, zwanghaft, hysterisch), speziell über die "Schizoiden", denen ich mich selber zurechnen müsste (Schizoid - die Angst vor dem Ich-Verlust). Ich schrieb auch schon, dass niemand nur ein Typ sein kann, sondern immer ein komplexes Wesen aus sich stetig ändernden Komponenten. Jedoch gibt es einige relativ stabile Persönlichkeitsmerkmale. Besonders alles, was wir Temperament nennen, was also aus dem biologischen Make-Up unserer Persönlichkeit kommt, ändert sich über unsere Lebenszeit hinweg nicht in grundlegender Weise (mehr zum Verhältnis Charakter, Temperament und Persönlichkeit). Bei mir sind es diese zwei Grundängste, die meine Persönlichkeit stärker prägen, als ihre Gegensätze: Die Angst vor dem Ich-Verlust (schizoid) und die Angst vor Notwendigkeit und Endgültigkeit (hysterisch). Riemann schreibt über die hysterischen Persönlichkeiten:
"Sie streben ausgesprochen nach Veränderung und Freiheit, bejahen alles Neue, sind risikofreudig; ihnen ist die Zukunft, die mit ihren Möglichkeiten offen vor ihnen liegt, die große Chance. Dementsprechend fürchten sie nun alle Einschränkungen, Traditionen und festlegenden Gesetzmäßigkeiten [...] nichts ist letztlich verbindlich und verpflichtend, nichts hat Anspruch auf ewige Gültigkeit. Für sie soll alles relativ, lebendig und farbig bleiben - nur die Gegenwart, der Augenblick ist wichtig. [...] Vergangenheit ist vergangen und interessiert nicht mehr; die Zukunft ist das weite Feld der Möglichkeiten; aber sie wird nicht eigentlich geplant - das wäre schon wieder zu viel Festlegung - sondern wichtig ist nur, daß man immer offen für sie ist, bereit, sich vom Gegebenen zu lösen." (156)
Nach Riemann ist das Hysterische eine Verweigerung des Erwachsenwerdens. Begünstigt wird diese Verweigerung durch Verhältnisse, in denen es während der Kindheit an Erwachsenen Vorbildern und strukturierenden Rollen mangelt. Hier ist die Anpassung an stete Veränderung und das Leugnen von Verantwortung und Konsequenz eine Strategie, mit den ungünstigen Verhältnissen umzugehen. 

Die hysterische Struktur unserer Gesellschaft 
Hysterische Menschen haben auch die in unserer Welt oft hilfreiche Gabe, Risiken in den Wind zu schlagen und die realistischer Weise zu erwartende Nachteile zu leugnen, bis sie tatsächlich eintreten. Hauptsache, es passiert etwas und der kurze Spannungsbogen von jetzt zu gleich ist geschlagen. Man könnte denken, unsere ganze kapitalistische Gesellschaft ist hysterisch: Hauptsache der kommende Gewinn ist größer, als der gerade eingefahrene. Ob wir den Preis dafür später in anderer Weise zahlen müssen, wird sich zeigen. Schlimmer noch: Dieses hysterische Wirtschaften wird dadurch belohnt und gefördert, dass am Ende die Gemeinschaft für privat eingegangene Risiken gerade stehen muss, während die zwischenzeitlich eingefahrenen Gewinne aus diesen eingegangenen Risiken privat bleiben. Alles ist erlaubt, solange es keinen Stillstand gibt, sondern Wachstum oder Krise. Hysterischen Menschen ist eine ordentliche Krise allemal lieber, als irgendwelche Gemütlichkeit. Der optimistische Glaube in die Katharsis negiert alle auf dem Wege dahin eingegangenen Opfer.

Hysterische Persönlichkeiten im MBTI
Will man das Hysterische in den MBTI-Dimensionen finden, dann liegt es zum einen bei den Wahrnehmungsfunktionen zwischen "Sensing" (S) und "Intuition" (N) nahe beim N, denn die hysterischen Persönlichkeiten lieben die offenen Möglichkeiten. Sie glauben nicht nur, was sie sehen, sondern sind jederzeit bereit, spekulativere Theorien zu akzeptieren. Sie lassen sich nur ungern durch das festlegen, was in der vermeintlichen Realität zu beobachten ist. Vielmehr hoffen sie auf die großen Zusammenhänge, die die kleinen einschränkenden Details der Wirklichkeit transzendieren und damit Möglichkeitsräume eröffnen. Zum anderen findet man die Hysterischen in Hinsicht auf das, was im MBTI "Lebenshaltung" heißt zwischen "Judging" (J) und "Perceiving" (P) nahe beim P. Das heißt, dass die Hysterischen in der Interaktion mit der Welt vornehmlich ihre Wahrnehmungsseite zeigen, also das gerade erklärte Intuitive. Das heißt, dass aus den 16 folgende 4 MBTI-Kombinationen bei Hysterischen wahrscheinlich sind:

  • INFP - Leben in ihrer eigenen Welt mit starken Gefühlen und hohem Ethos, sind loyal, sehen und nutzen ihre Möglichkeiten, sind offen und verständnisvoll, solange ihre Ideale nicht bedroht sind. Sie sind oft perfektionistisch und können Schwierigkeiten haben, Dinge zu Ende zu führen, wenn sie ihren hohen Standards nicht zu genügen scheinen.
  • INTP - Suchen nach logischen Erklärungen, sind theoretisch und abstrakt, eher interessiert an Ideen als an sozialer Interaktion; lieben das große Ganze, nicht die Details. Sie sind ruhig und in sich gekehrt, aber flexibel und anpassungsfähig. Sie haben in ungewöhnlichem Ausmaß die Fähigkeit sich auf ihre Interessen zu konzentrieren. Sie sind skeptisch, oft kritisch und immer analytisch. Es kann ihnen an Konsequenz und Durchhaltevermögen mangeln.
  • ENFP - Sie sind die Veränderer, immer auf der Suche nach Möglichkeiten und ansteckend in ihrem Enthusiasmus. Sie starten oft vieles, ohne es zu beenden. Kreativ und charismatisch bringen sie Spaß und lieben die Menschen um sich herum. Detaillierte und konsequente Arbeit liegt ihnen gar nicht.
  • ENTP - Sehen und analysieren alle komplexen Interaktionen zwischen Menschen, Dingen und Ideen. Dadurch verstehen sie grundlegend, wie die Dinge funktionieren und wie sie verbessert werden können. Sie achten auf Kompetenz und Intelligenz in sich selbst und bei anderen. Sie sind hoch motiviert, die Dinge zu ändern, haben aber ebenfalls weniger Interesse an der konsequenten Durchführung.

Hysterisch schizoide Persönlichkeiten - INTP
Hysterische und schizoide Komponenten geben einen tollen Mix ab. In ihren ungesunden Extremausprägungen formen sie eine asoziale Persönlichkeit, die völlig ungebunden von Mitmenschen und Konventionen in ihrem eigenen Kosmos der Unberechenbarkeit schweben, vermeintlich frei von allem, das andere einschränkt, aber unfähig zur Interaktion mit anderen und zum Aufbau von stabilen Strukturen wie Familie, Beruf und Freundschaften. In normalen oder leicht exzentrischen Ausprägungen jedoch können sie durch die Kombination von Unabhängigkeit auf der einen und der stetigen Suche nach Neuem, gepaart mit großer Akzeptanz für Chaos äußerst kreative und interessante Menschen sein. Angeblich soll Albert Einstein so jemand gewesen sein.

Wollte man hier beschriebenen hysterisch schizoiden Persönlichkeiten in der MBTI-Matrix finden, dann würde man sie am ehesten unter den INTPs finden, denn die schizoide Seite wird durch die Kombination I (Introvert) und T (Thinking) begünstigt, während die hysterische Seite der Persönlichkeit am ehesten einer Kombination von N (Intuition) und P (Perceiving) entspricht. Natürlich kann man Riemanns sehr grobe Temperamente nicht 1:1 als Schablone über andere Temperament-Klassifikationen legen. Vielmehr überspannen die vier verschiedenen Kombinationen der Grundängste (zwanghaft und hysterisch können, weil sie Gegensätze bilden, genauso wenig wie schizoid und depressiv mit einander kombiniert werden) verschiedene der 16 möglichen MBTI-Typen.

Ein Hysteriker: "I'm so in love with you!"
Dieser Blog hier ist mit der Bandbreite seiner Themen im Grunde ein schöner Ausweis einer INTP-Persönlichkeit: Ich greife gern alle möglichen Themen von Philosophie über Psychologie, Politik und Gesellschaft auf, ohne dass ich mich auf ein Thema so sehr konzentrieren kann, dass ich es in seiner Tiefe restlos erkläre. Mich interessiert das Kaleidoskop, die Offenheit des Ausgangs in der Kombination aller Möglichkeiten. Mir reicht es, zu wissen, dass ich etwas verstehen kann, ich muss es aber nicht bis zu Ende verstehen. Im Praktischen leidet bei mir wie bei den meisten hysterischen Charakteren jede Innovation am Mangel ihrer konsequenten Durchführung. INTPs sind zwar sehr offen für jede Veränderung und haben tolle Ideen, aber sie benötigen unbedingt Hilfe bei der systematischen und konsequenten Durchführung. Wir planen nicht gern und halten uns alle Optionen offen, was im Endeffekt dazu führt, dass nichts umgesetzt wird. Wenn dann auch noch die Introversion dazu kommt, dann gibt es nicht einmal die Motivation, nach außen zu wirken. Ein populäres Gesicht findet diese Geisteshaltung in Barack Obama, der auch mit großen Visionen, viel liberaler Toleranz und großem Verständnis für die Zusammenhänge der Weltpolitik angetreten ist und nun im Sumpf der praktischen Details steckt und nichts von seinen Ideen umsetzen kann. Das tolle bei Hysterikern wie Obama: Es macht ihnen nicht allzu viel aus, sie behalten ihre gute Laune, no matter what. Sie können dann ganz charmant singen, wenn andere verzweifeln: "I'm so in love with you!"

Trotzdem will ich eine Lanze für die Hysteriker brechen, denn ohne sie wäre die Welt weniger aufregend und bunt. Uns würden die verrückten Optimisten fehlen, die alles für machbar halten und allen möglichen Lebensstilen gegenüber offen sind. In einer Welt ohne Hysteriker würde vielleicht manches realistischer geplant werden und geordneter ablaufen. Aber vielleicht würde das was umgesetzt würde, sehr viel langweiliger und restriktiver sein. Wie würden die Hysteriker vermissen, die dafür sorgen, dass alle paar Jahre die Karten einmal neu gemischt werden, während sie die Daumen drücken, dass alles gut gehen wird. Im Übrigen hoffe ich, dass Obama im November wieder gewählt wird.

Kommentare:

  1. Lieber Gilbert Dietrich,

    Kompliment für diesen interessanten Artikel!
    Wie immer habe ich mich hier, da und dort wiederfinden können. Ihre Offenheit und die Präszision Ihrer Beschreibungen lassen mich stets interessiert kritisch hinäugen in mein eigenes Wesen, und ich mache dabei wirklich aufschlussreiche Entdeckungen.
    Was nun Ihre Ansicht zu Hysterikern in dieser Welt betrifft, so teile ich diese. Es bedarf ihrer ebenso wie aller anderen, damit die Welt bunt und aufregend bleibt. Dafür, dass sie sich in relativem Gleichgewicht weiterdreht, gibt es ja jene als Gegenpol, die für (zumindest relative) Stabilität sorgen mögen.
    Wie wäre es wunderbar, wenn alle einander bewusst ergänzten und konstruktiv die Geschicke der Welt bestimmten...?
    In diesem Sinne nochmals Danke! für diesen Post.

    Herzliche Grüße
    Angelika Fleckenstein

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  2. ich schliesse mich der Vorrednerin vorbehaltlos an: Toll!
    >damit die Welt bunt und aufregend bleibt...
    > Wie wäre es wunderbar, wenn alle einander bewusst ergänzten
    Arbeitsteilung ist doch eigentlich /normal/, oder?

    Innovative Grüße,
    EF

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  3. "Nach Riemann ist das Hysterische eine Verweigerung des Erwachsenwerdens. Begünstigt wird diese Verweigerung durch Verhältnisse, in denen es während der Kindheit an Erwachsenen Vorbildern und strukturierenden Rollen mangelt. Hier ist die Anpassung an stete Veränderung und das Leugnen von Verantwortung und Konsequenz eine Strategie, mit den ungünstigen Verhältnissen umzugehen."

    1. Es gilt nicht nach einem empfundenen Gebrauch, einer schon empfundenen Lebenswelt zu leben und gar nicht zu denken. Wie kommt es zu einem Zustand der "Nachempfindung", wenn man nicht die eigene Empfindung in das eigene Wort umsetzen kann, sondern das ZITAT und damit die Lebensumstände anderer Personen sich zu eigen macht. Warum fällt die Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit mit Ausprägung jeglicher Umstände meist in die Vergangenheit - und somit in die Verantwortung ANDERER? Für mich ist das keine gute Erklärung!

    Hier hätte ich vorangeganges in Schrift gerne eingefügt (ging leider nicht).
    Es ist absolut wichtig etwas bis zum Ende zu verstehen, ansonsten beginnen wir mit der Wiederholung. Das befördert den Menschen nicht unbedingt in günstige Optionen, wie sollte es auch. Man beginnt ein Thema, hört und sagt nur so viel wie man DENKT, sich in der Lege zu befinden dieses zu erhören oder ertragen - WISCH UND WEG - 5 Jahre später oder auch 10 - das gleiche Thema - Aufnahmefähigkeit hat sich stabilisiert und auch die Ausdauer ist ausgeprägter als zuvor. Wenn es ganz schlimm kommt, erkennen wir nun zehn Jahre verspätatet mit Ausdauer Ursachen und ...Hoffentlich halten wir ehrer durch. DER WECHSEL IST DOCH NICHTS; ER WIRD EINEN DAHIN FÜHREN; WO MAN DOCH SCHON WAR - AUF ANDERE WEISE.

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  4. Mit anderen Worten:
    Nun bin ich Mensch und dennoch Tier, wie unbekümmert ich doch bin.
    Nun bin ich dort und bin ich hier, das feilschen macht mir keinen Sinn.
    Es stapeln sich Geschichten, ihrer Herkunft Liebe.
    Meiner Herkunft ungenau - will ich niemals siegen.

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  5. "Warum fällt die Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit mit Ausprägung jeglicher Umstände meist in die Vergangenheit - und somit in die Verantwortung ANDERER? Für mich ist das keine gute Erklärung!"

    Das ist ein sehr guter Punkt zu meinem lauwarmen Zitat von Riemann. Meine Meinung zu Riemann und der Psychoanalyse wird in meinen Artikeln Die Kritik und Rechtfertigung der Psychoanalyse und Schizoid - die Angst vor dem Ich-Verlust etwas deutlicher. Es läuft darauf hinaus, dass dieser für die Psychoanalyse typische Blick zurück und das "Verantwortlichmachen ANDERER" viel zu vereinfacht ist. Er vernachlässigt beispielsweise die Frage, welchen Einfluss das Kind mit seinen mitgebrachten biologischen Eigenschaften noch vor der eigenen Sozialisation auf die ANDEREN (meistens die Eltern) hat. Denn das dürfte wiederum ganz erheblich den Umgang der Eltern mit dem Kind beeinflussen. Die Psychoanalyse vernachlässigt also die für menschliche Interaktion typischen Feedback-Loops. Millon (Personality Disorders, S. 85f.) spitzt es so zu:

    The question that must be posed, however, is not whether children differ temperamentally but whether a particular sequence of subsequent life experiences will result as a consequence of these differences; childhood temperament would be of little significance if it did not undergird subsequent patterns of functioning. The clinician must ask whether the child’s characteristics evoke distinctive reactions from his or her parents and whether these reactions have a beneficial or a detrimental effect on the child’s development (Kagan, Reznick, & Snidman, 1989; Maccoby & Martin, 1983). Rather than limit attention to the traditional question of what effect the environment has on the child, the focus might be changed to ask what effect the child has on the environment and what the consequences of these are on the child’s development.

    Ich denke, das ist wirklich mal einen eigenen Artikel wert. Danke also für den Hinweis!

    "Es ist absolut wichtig etwas bis zum Ende zu verstehen, ansonsten beginnen wir mit der Wiederholung..."

    Na ja, was soll man dazu sagen... eventuell, dass Sie hier einfach zeigen, dass Sie andere Vorlieben haben als ich, andere Überzeugungen, evtl. resultierend aus einem anderen Temperament. Ich verstehe Ihre Ansicht, teile sie jedoch nicht und finde das ganz hervorragend. Denn wie arm wäre diese Welt, wenn wir alle dieselben Vorlieben beim Erkennen und Verarbeiten unserer Umwelt hätten?

    "DER WECHSEL IST DOCH NICHTS; ER WIRD EINEN DAHIN FÜHREN; WO MAN DOCH SCHON WAR - AUF ANDERE WEISE."

    Ha! Das mag wirklich sein. Und das ist doch wunderbar! Immer wieder auf andere Weise, das ist meine große Hoffnung als Hysteriker.

    Danke auch für die Lyrik!

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  6. Mal wieder zufällig in dem Blog gestöbert: tolle Herleitung mit Riemann. Großes Kompliment und hysterisch-schizoide Grüsse, Svenja Hofert

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  7. Danke fürs Kompliment! Eine Seite des Selbsmanagements erfüllt sich hier von allein: Das Dogma der Planbarkeit passt gar nicht ins Weltbild. Aber das zusammenzubringen mit Zeitmanagement ist hart.

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  8. Mein Profil ist INFP. In welche zweite Kategorie fällt dieses Profil, neben dem hysterischen Anteil.

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    1. INFPs sind wegen der "Fühlen"-Komponente sicher weniger "schizoid", weniger Prozess- und mehr Menschen-orientiert. Nach Riemann könnte das dann eher in Richtung "depressiv" gehen, was aber nicht mit dem Alltagsgebrauch im Sinne von Depression zu tun hat (siehe auch dieser Artikel).

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  9. Ich bin eine Mischung aus ENFP und ENTP, habe den meisten Anteil in der Form der Hysteriker gefunden. In der Tat kann ich charmant und fühlend sein, doch plötzlich spalten sich meine Gefühle vom Verstand ab und stehen bleibt der Verstand. Das erschreckt dann doch einige Menschen. Ich habe starke Fluchtimpulse im Leben und bin unglaublich gern autonom. Auf der anderen Seite, reisse ich Menschen mit, bewege viel, der Energiestrom ist fast endlos.Ich bin als gut gelaunter Sonnenschein unterwegs, wenn, ja wenn da nicht noch die Andere Seite wäre, wie oben beschrieben.

    Meine Eltern sind sicherlich ein Aspekt, stimmt, doch gebe ich Gilbert Dietrich recht, dass Biologische Eigenschaften mitgegeben wurden. Zum Bsp. gibt es in meiner Familie vererbte Hochbegabung und besondere Begabung.

    Ich galt als Kind zuweilen als seltsam, weil meine unglaublich schnellen Gedankensprünge, Sprache, Ausdruck nicht nachzuvollziehen waren. Ich habe das lange nicht verstanden, bis ich lernte, mich auf andere Menschen einzustellen. Bei meinen Kindern sind ebenso recht hohe IQ Werte zu verzeichnen. Es ist jedenfalls spannend zu beobachten, wie verschieden die Anteile in den Menschen verteilt sind und gewisse Grundmuster zu erkennen sind.

    Am liebsten mag ich zwanghafte Menschen, da sie meine "bunte" Art und Weise, zu schätzen wissen und mir doch auch ein gewisses Maaß an Stabilität geben. :-)
    In diesem Sinne wünsche ich den Lesern dieses Forums eine gute Nacht.

    Zaza

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    1. Danke für diesen bereichernden Kommentar, Zaza!

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  10. Ich habe mich vor 30 jahren mal zu einer Psychotherapeutin begeben, weil ich einfach nicht verstand, warum ein an sich pfiffiges Bürschlein wie ich seinen Platz in der Gesellschaft nicht zu finden drohte. Mit der Frau kam ich überhaupt nicht klar! Die erste Stunde war auch die letzte, aber sie gab mir den Riemann als Literaturtipp mit auf den Weg - und im Grunde hat sie mich damit gerettet. Ich bin ein ausgeprägter Schizoider mit zwanghaften Anteilen.
    Für mich ist das geregelt, d.h. ich bin glücklich. Aus aktuellem, persönlichem Anlass beschäftige ich mich nach der langen Zeit wieder damit und habe im Netz erschreckende Oberflächlichkeit, sogar Mist zum Thema gefunden, nehme für mich aber auch in Anspruch Qualität zu erkennen. Das ist der Grund warum ich hier poste.

    Ich denke, der Mensch hat eine grundsätzliche Anlage. Das schließt die Wirkung der Umwelt nicht aus, aber ich denke, davon kann man sich frei machen.
    Das weiter bedenkend, ergab sich sich für mich bei den vier Charakterausprägungen nach Riemann eine Unterscheidung in körperliche und geistige Ausprägungen.
    körperlich: hysterisch und zwanghaft
    geistig: schizoid und depressiv

    Wenn die gegebene Anlage wahr wäre, dann hätte jeder Mensch eine geistige und eine körperliche Ausprägung. Es gäbe dann vier Möglichkeiten:
    - schizoid/zwanghaft bzw. zwanghaft/schizoid
    - schizoid/hysterisch bzw. ...
    - depressiv/zwanghaft bzw. ...
    - depressiv/hysterisch bzw. ...

    Das hat beim Einzelnen eine mehr oder weniger deutliche Dominanz im Körperlichen oder im Geistigen zur Folge. -Was nichts mit nomineller Intelligenz zu tun hat!
    Entsprechend der jeweiligen Dominanz stellte ich das entsprechende Attribut voran.
    Ich, als betonter Schizoider mit zwanghaften Anteilen, bin mit schizoid/zwanghaft gut beschrieben. Riemann bietet in der Richtung nichts und es hatte bei mir lange gedauert neben meinen offensichtlichen schizoiden Anteilen auch die zwanghaften (als Anlage) zu erkennen.
    Kombinationen wie depressiv/schizoid oder hysterisch/zwanghaft sind wegen ihrer Ausschließlichkeit unmöglich.Die nicht als Anlage gegebenen Ausprägungen gilt es zu entwickeln. Für mich als Schizoidem also die Gefühlswelt des Depressiven. Das geht, durchaus gut, aber ich werde deshalb niemals ein depressiver sein. Je besser das einem Menschen gelingt, um so runder/kompletter wirkt er und um so schwieriger sind mir die eigentlichen Anlagen eines solchen Menschen zu erkennen.

    Wobei die schizoid/hysterischen und die depressiv/zwanghaften grundsätzlich leichter zu erkennen sind. Die vier Ausprägungen haben bezüglich ihrer optischen Wirkung im "Tempo der Person" Auswirkungen. Eine schizoid/hysterische Persönlichkeit wird allermeist optisch "schnell" wirken, die depressiv/zwanghafte auffällig "langsam". Die beiden anderen Kombinationen beinhalten jeweils eine "schnelle" und eine "langsame" Ausprägung.

    Haben sie in diesen Richtungen schon mal nachgedacht?

    Mit freundlichem Gruß,
    Nik

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    1. Hallo Nik! Danke für die interessanten Anstöße und Ergänzungen. Da smit dem geistig/körperlich ist ein kreativer Ansatz, muss ich mal wirken lassen.

      Als Tipp: Riemanns Modell ist ja nur eines von vielen ähnlichen und dazu noch ein recht begrenztes, weil nur vier Dimensionen. Haben Sie sich schon mal mit dem Big 5 beschäftigt? Das könnte sehr interessant für Sie sein. Ich habe damit noch weitere Dimensionen meiner Persönlichkeit entdeckt und mein Leben bereichert. Viele Grüße!

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    2. Hallo Gilbert,

      Thomann hat das Modell von Riemann weiter entwickelt, die Ausprägungen anders benannt und das Ganze viel besser aufbereitet. Den kannte ich noch nicht. Als ich mich damit beschäftigt hatte, gab es von Thomann noch nichts.
      Bei ihm heißt das:
      Dauer (zwanghaft)
      Wechsel (hysterisch)
      Nähe (depressiv)
      Distanz (schizoid)

      Das bereitet er optisch in einem Koordinatendiagramm mit 2 Achsen auf, einer Zeitachse mit den Antipoden Dauer/Wechsel und einer Raumachse Nähe/Distanz.

      Ich habe da also gar nichts neues gefunden, denn Thomanns Raum- und Zeitachse entsprechen meiner Interpretation von geistigen und körperlichen Ausprägungen.
      Ebenso geht aus dem Diagramm zweifelsfrei hervor, dass jeder von jeder Achse eine Ausprägung hat.Üblicherweise eine dominante und eine weniger ausgeprägtere.
      Man mag diskutieren ob ein Mensch alle 4 Ausprägungen mit einem mehr oder weniger von der Mitte verschoben Schwerpunkt hat oder nur 2 Anlagen mehr oder weniger ausgeprägt mitbekommt und sich die fehlenden im Laufe der Zeit "erarbeiten" muss.
      Ich, als ausgeprägter Schizoider, incl. der damit in Verbindung gebrachten "Hochsensibilität" und nur mäßig zwanghaftem Menschen, kann für mich sagen, sowohl im depressiven als auch hysterischen Bereich entsprechende, deutliche und typische Eigenschaften entwickelt zu haben - aber ich habe definitiv nicht die Sicht eines Depressiven oder eines Hysterikers! Das ist und bleibt letztendlich für mich eine fremde Welt. Trotz der in diesen Bereichen entwickelten Eigenschaften ist das nicht da. Das gilt auch für das hysterische, wo ich als schwach zwanghafter eigentlich nah dran sein müsste.

      Interessant ist das auch in der Liebe. Die offensichtliche Tendenz in einer solchen Beziehung, die einem selbst fehlenden Ausprägungen über den anderen ergänzen zu wollen, ist mir immer wieder aufgefallen. Es reicht nicht einen entwickelten Menschen mit entsprechenden Eigenschaften zu haben. Meine beiden Frauen waren depressiv/hysterisch und damit meine Komplementäre. Von den beiden habe ich sehr, sehr viel gelernt und die beiden machen mich auch so sicher, dass ich von depressivem oder hysterischenm Erleben letztendlich keine Ahnung habe! -So wie ihnen meine Schizoidität/Zwanghaftigkeit eine fremde Welt ist.

      Ich drücke es mal in einem umgrenzten Bereich an einer Eigenschaft aus, ein Hysteriker kann Geduld üben, ein Zwanghafter *ist* Geduld.

      Das ist auch der Grund, warum mir big 5 und darauf aufbauendes nicht sonderlich gefällt. Das ist gut, wenn mich die resultierenden Eigenschaften eines Menschen interessieren. Da kommt für mich selbst durchaus stimmiges heraus. Je nachdem ob ich in dem jeweiligen Test eher extravertiert oder introvertiert gerate - ich bin in diesem Bereich inzwischen erfreulich ausgeglichen, komme aber deutlich von der introvertierten Seite - kommt bei mir als "Typ" "Lehrer" oder "Wissenschaftler" heraus. Passt in den zugehörigen Beschreibungen.
      Interessant fand ich als 5.Eigenschaft den Neurotizismus, bei dem ich immer Extremwerte in emotionaler Stabilität und Stressresistenz aufweise. Hätte ich für mich nicht als Problem gesehen, aber auch nicht als so dolle Nummer, wie es die Tests ergaben. Da frage ich mich dann schon sehr intensiv wo das herkommt und wie weit das taugt.

      Mit freundlichem Gruß,
      Nik

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  11. Hi! Toller Block!!! Habe auch jetzt vor kurzem angefangen herauszufinden wer ich bin.
    Dazu habe ich aber zwei fragen, undzwar
    1. Kann man 2 Persönlichkeitstypen haben? (Ich bin INTP/ISTP) und
    2. Welche sind die am geeignetesten Gegenpole, was sich auch auf die Partnerschaft bezieht.

    Vielen Dank
    J-N T

    Ps. Habe auch im Google-gegoogelt und bin ehrlich gesagt bis jetzt auf kein Resultat gekommen bzw. habe es dann überlesen.

    Gruß

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  12. Vielen Dank fürs Kompliment!

    Zu deiner Frage: auf den Dimensionen (z.B. zwischn N und S) kann es natürlich zu Verschiebungen kommen, sodass man da auch ambivalent sein kann. Je mehr du in der Mitte liegst, desto weniger bist du "ein Typ".

    Ich glaube nicht, dass es geeignetste Gegenpole gibt. Sich in Partnerschaften zu ergänzen ist wichtig, aber ebenso wichtig ist es, zueinander zu passen. Ein extrem introvertierter wird es immer schwer finden, mit einem extrem extrovertierten zu leben und umgekehrt.

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  13. Das einzig hysterisch-schizoide hier ist der Zwang, andere als hysterisch-schizoid bezeichnen zu wollen. :)

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  14. > P (_Perceiving_) entspricht.

    > Ein _Hysteriker_: "I'm so in love with you!"

    Typos.

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    1. Danke für die Hinweise. Ich nehme an, du bist kein "xNxP", sondern ein "xSxJ" ;)

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