16. Januar 2012

Schizoid - die Angst vor dem Ich-Verlust

Der folgende Artikel ist als ein sehr persönlicher Bericht zu meiner schizoiden Disposition. Vielleicht hilft er anderen Betroffenen sich selbst besser zu verstehen. Er ist keine strikt wissenschaftlich-psychologische Betrachtung und dient weder zu Diagnose- noch Therapiezwecken. Tipps zu weiterführender Literatur zum Thema gibt es in meiner Bibliothek unter Bücher speziell für Schizoide empfohlen


Dragan Bibin (Dark Silence In Suburbia
Mitten im Studium überfiel mich meine psychische Grundstimmung hinterrücks. Mit Panik und Angst lähmte sie mich wochenlang. Die Uni, die Studenten, Kollegen und Freunde - sie alle gingen mir verloren, waren für mich nicht mehr erreichbar. Weil sie mich nicht verstanden und ich sie nicht verstand. Schlimmer noch: Ich hatte den Wahn, unsichtbar zu sein und erschrak immer, wenn mir bewusst wurde, dass ich nicht unsichtbar war. Es dauerte Jahre, bis mir klar wurde, was passiert war und noch länger, bis ich verstand, die Angst zu meistern.

Eines der ersten psychologischen Bücher, die ich noch vor der Abiturstufe las, war Fritz Riemanns Grundformen der Angst: Eine tiefenpsychologische Studie. Es ist ein herrliches Buch für alle, selbst Heranwachsende, die mehr über sich selbst lernen möchten. Wunderbar einfach zu lesen und bei der pubertären Sinn- und Selbstentdeckung äußerst hilfreich. Damals ahnte ich noch nicht, dass es mich auf die große Krise meines Lebens vorbereiten würde.

Es gibt einen starken anhaltenden Drang bei uns allen, uns irgendwie zu klassifizieren. Besonders in der Adoleszenz, wenn wir danach suchen, wer wir wirklich sind. Riemanns Buch hat mir sehr dabei geholfen. Für meine Eltern jedoch war es anstrengend, denn ich ließ fortan keine Gelegenheit aus, meinen Erzeugern unter die Nase zu reiben, was sie angeblich bei der Aufzucht falsch gemacht haben. In den Grundformen der Angst geht es nämlich darum, wie uns ganz frühe Kindheitserlebnisse zu mehr oder minder gestörten Persönlichkeiten mit unterschiedlich gewichteten Ausprägungen von Urängsten machen. Riemann war also Psychoanalytiker und seine Arbeit zeigt das mit allen einschlägigen Fragwürdigkeiten und Problemen. Als Beispiel: Riemann sieht in den vier Grundformen der Angst eine Entsprechung zu den kosmischen Kräften, also der Rotation der Erde um die Sonne, der Eigenrotation der Erde, der Schwerkraft und der Fliehkraft. Das ist schön gedacht, sehr poetisch und genau das Problem, das psychoanalytischen Theorien immer wieder vorgehalten wir: Sie sind empirisch nicht herleitbar, können experimentell nicht überprüft werden oder - wie Vladimir Nabokov sagen würde, sind lediglich eine Anwendung griechischer Mythen auf die Geschlechtsteile (siehe Kritik der Psychoanalyse). Aber genug der Häme, hier sind die vier Grundformen nach Riemann zusammengefasst:
  1. Schizoid: Die Angst vor der Selbsthingabe, als Ich-Verlust und Abhängigkeit erlebt
  2. Depressiv: Die Angst vor der Selbstwerdung, als Ungeborgenheit und Isolierung erlebt
  3. Zwanghaft: Die Angst vor der Wandlung, als Vergänglichkeit und Unsicherheit erlebt
  4. Hysterisch: Die Angst vor der Notwendigkeit, als Endgültigkeit und Unfreiheit erlebt.
Der Typ 1 interessierte mich am meisten, denn ich erkannte mich in Riemanns Schilderungen wieder. Wie deutlich dieser Zug noch mein Leben prägen würde, war mir da noch nicht klar. Durch die spätere Beschäftigung mit Jung und dem nach ihm konstruierten MBTI fiel mir auf, dass es einen Zusammenhang geben müsse, zwischen der schizoiden Persönlichkeit und der Introversion. Der Zusammenhang zeigt sich vage im Streben nach allein sein, jedoch gehören die beiden Konzepte unterschiedlichen Kategorien an, einmal der Kategorie der Angst bei Riemann und dann der Kategorie mentaler Informationsverarbeitung bei Jung. Im heutigen vorurteilsgeladenen Sprachgebrauch ist der "soziale Introvertierte" das, was die Psychologen den Schizoiden nennen. Schon vor Riemann haben Analytiker wie Karl Menninger mit The Human Mind (1930) die Persönlichkeitstype des Schizoiden als Einsamen beschrieben und weiter ausdifferenziert. Riemann aber versteht die Psychoanalyse insgesamt als Verarbeitung der individuellen Angst und die Aufdeckung der Geschichte dieser Angst. Ohne diese Aufarbeitung, so Riemann, wäre es nicht möglich, sich der Angst zu stellen und sie zu überwinden. Ganz konsequent diesen psychoanalytischen Denkfiguren verpflichtet, führt er auch diese Einsamen auf die Angst vor Ich-Verlust, Abhängigkeit und Hingabe zurück. Anders als bei die Introversion, scheint das ausgeprägt Schizoide also etwas zu sein, dass wir besser überwänden, anstatt es dauerhaft zu integrieren. Was aber zeichnet die schizoide Persönlichkeit aus und wodurch kommt es zur Ausprägung?
"Jeder Mensch hat seine persönliche, individuelle Form der Angst, die zu ihm und seinem Wesen gehört, wie er seine Form der Liebe hat und seinen eigenen Tod sterben muß."
Schizoid - Überbewertung von Selbstbewahrung und Ich-Abgrenzung
"Auf die Umwelt wirken solche Menschen fern, kühl, distanziert, schwer ansprechbar, unpersönlich bis kalt. Oft erscheinen sie seltsam, absonderlich, in ihren Reaktionen unverständlich oder befremdend."
Das liegt daran, dass sie sich ihre Unabhängigkeit bewahren möchten und sich nur ungern für die Zwecke anderer einspannen lassen. Individualisten, Einzelgänger, Introvertierte, Eigenbrötler, Nerds und Eremiten - das ist die verdächtige Klientel der Asozialen, denen Riemann mit dem Begriff schizoid aus der Neurosenlehre nachgeht. In mitmenschlichen Beziehungen und in der Liebe neigt der Schizoide zur "Enttäuschungsprophylaxe": Viele seiner Verhaltensweisen laufen darauf hinaus, sich vor Verletzungen oder das Verlassenwerden durch andere zu schützen. Er benötigt die Objektivierung des anderen, die je nach Schwere bis hinein in den Sadismus und letztlich Triebtäterschaft gehen kann. Man sieht hier Riemanns eigentliche Stoßrichtung: Es geht ihm um wirklich gestörte Menschen und weniger um Menschen, die eine Marotte haben, sich gerne mal zurückziehen oder irgendwie sozial unbeholfen wirken. Die Grenzen sind fließend. Zum Beispiel beschreibt Riemann, wie Aggressionen - die für Schizoide oft nur schwer zu kontrollieren seien - gleichermaßen Abwehr der Grenzverletzung und auch Kontaktaufnahme seien:
"Aggression kann bei ihm daher eine Form der Werbung sein, die uns vergleichsweise erinnert an die noch ungekonnten Versuche der Annäherung an das andere Geschlecht, wie sie für die Pubertät charakteristisch sind. Hier wie beim Schizoiden besteht die gleiche Mischung aus Angst und Begehren, das Verbergen der Gefühle, das rauhe, aggressive Anfassen statt der nicht gewagten oder nicht gekonnten Zärtlichkeit, die Angst, sich zu blamieren, die Bereitschaft, sich sofort zurückzunehmen, das Umschlagen von Zuneigung in Abneigung und der Zynismus bei wirklichem oder vermeintlichem Abgelehnt werden. [...] Aggressivität fällt ihnen leichter, als das Äußern von Zuneigung und anderen positiven Gefühlen."
Probleme entstehen oft dadurch, dass schizoide Menschen es schwer haben einzuschätzen, was adäquat ist und was nicht. Ihre eigenen Leistungen kommen ihnen an einem Tag als glanzvoll vor und am nächsten als völlig ungenügend. Soziale Konventionen können ihnen Rätsel aufgeben. Was als Witz gemeint war, kann zynisch und verletzend ankommen. Was Schizoide oft nicht wissen, ist dass die Probleme nicht aus ungenügenden Fähigkeiten, sondern aus ungenügenden Sozialkontakten herrühren:
"Durch die Ferne zur mitmenschlichen Umwelt weiß er zu wenig von anderen; es entstehen zunehmend Lücken in der Erfahrung über sie, und daraus Unsicherheiten im mitmenschlichen Umgang. So weiß er nie recht, was im anderen vorgeht, denn das erfährt man, wenn überhaupt, ja nur in vertrauter Nähe und liebender Zuwendung. Daher ist er auf Vermuten und Wähnen angewiesen in seiner mitmenschlichen Orientierung, und deshalb wieder zutiefst unsicher, ob seine Eindrücke und Vorstellungen von anderen, ja schließlich sogar, ob seine Wahrnehmungen nur seine Einbildung und Projektion, oder aber Wirklichkeit sind."
"Diese Unsicherheit kann alle Schweregrade annehmen, von immer wachem Mißtrauen und krankhafter Eigenbezüghchkeit bis zu eigentlich wahnhaften Einbildungen und Wahrnehmungstäuschungen, bei denen man dann innen und außen tatsächlich verwechselt, ohne daß die Verwechslung als solche erkannt wird, weil man nun seine Projektionen für die Wirklichkeit hält."
Jeffrey Harp (Dark Silence In Suburbia)

Wie wir schon bei Introvertierten gesehen haben, kommt es auch bei Schizoiden zu kompensatorischen Leistungen. Die Wahrnehmung über die Sinnesorgane wird durch den Drang, das Geschehen und die Mitmenschen zu beobachten und zu interpretieren geschärft. Schizoide verlassen sich gerne auf den Intellekt, das Schlussfolgern und die Logik, denn hier sind "reine Erkenntnisse" möglich, die frei von Emotionen und Deutungen anderer aus sich selbst heraus Bedeutung haben. Hier deutet sich also - mit dem oben erwähnten MBTI betrachtet - ein "T" (für thinking = denken) zusätzlich zum "I" (für Introvert) an. Schizoide werden also in der Regel in eine der folgenden vier Kategorien fallen:

  • INTP - Suchen nach logischen Erklärungen für alles, das sie interessiert, sind theoretisch und abstrakt, eher interessiert an Ideen als an sozialer Interaktion; lieben das große Ganze, nicht die Details. Sie sind ruhig und in sich gekehrt, aber flexibel und anpassungsfähig. Sie haben in ungewöhnlichem Ausmaß die Fähigkeit sich auf ihre Interessen zu konzentrieren. Sie sind skeptisch, oft kritisch und immer analytisch.
  • INTJ - Sind originell und setzen viel Energie daran, ihre Ideen umzusetzen und Ziele zu erreichen. Sie sehen schnell die Muster in ihrer Umwelt und können weitreichende Erklärungen dazu aufstellen. Wenn sie interessiert sind, organisieren sie ihre Aufgaben und führen sie zu Ende. Skeptisch und unabhängig haben sie hohe Kompetenz- und Leistungsstandards für sich selbst und andere.
  • ISTP - Tolerant und flexibel; sind ruhige Beobachte bis ein Problem auftaucht, dann arbeiten sie schnell und problemlösend. Realistisch analysieren sie Fakten und verstehen schnell, was funktioniert und was nicht. Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung faszinieren sie. Sie achten Logik und Effizienz.
  • ISTJ - Ruhig und ernsthaft. Verbindlich und verlässlich sowie gründlich und akkurat. Realistisch und logisch planen sie und lassen sich auch durch Ablenkung nicht abbringen. Haben Freude an Ordnung und Organisation auf der Arbeit und zu Hause. Sie achten Traditionen und Loyalität.
Die Unzuverlässigkeit der Welt und andere Bedingungen der schizoiden Persönlichkeit
Wie erklärt der Psychoanalytiker Riemann nun die Individualgeschichte einer schizoiden Persönlichkeit? Auch hier wieder sehen wir Parallelen zu den Introvertierten und den mit ihnen eng verwandten Hochsensiblen:
"Konstitutionell entgegenkommend ist dafür einmal eine zartsensible Anlage, eine große seelische Empfindsamkeit, Labilität und Verwundbarkeit. Als Selbstschutz legt man dann eine Distanz zwischen sich und die Umwelt, weil man zu große physische und psychische Nähe wegen der radarähnlich fein reagierenden Sensibilität und gleichsam Durchlässigkeit als zu »laut« empfindet. So ist für den Schizoiden die Distanz notwendig, damit er überhaupt der Welt und dem Leben gewachsen ist."
Wir können daraus schließen, dass die Hochsensibilität oder die Introversion im Jung'schen Sinne der Riemann'schen schizoiden Persönlichkeit determinierend vorausgeht. Das ist jedoch nach Riemann nur die halbe Miete. Wichtiger noch sind für Riemann die Umweltfaktoren unmittelbar nach der Geburt:
"Von großer Wichtigkeit ist dabei besonders, daß das Kind genügend körpernahe Zärtlichkeit erlebt. Erfährt das Kind dagegen in dieser Frühstzeit die Welt als unheimlich und unzuverlässig, als leer, oder aber als überrennend und überschwemmend, wird es sich von ihr zurücknehmen, abgeschreckt werden. Anstatt sich vertrauend der Welt zuzuwenden, wird es ein ganz frühes und tiefes Mißtrauen erwerben. Sowohl die Leere der Welt, die das Kind erlebt, wenn es zu oft und zu lange allein gelassen wird, als auch ein Übermaß an Reizen und wechselnden Eindrücken, oder eine zu große Intensität der Reize, wirken schizoidisierend auf es; es wird dann bereits im ersten Ansatz seiner Weltzuwendung gestört und gleichsam auf sich selbst zurückgeworfen.
[...]
Besonders leicht kommt es zu solchen frühen schizoidisierenden Schädigungen auch bei den von Anfang an ungeliebten oder unerwünschten Kindern; weiter bei solchen, die frühen Trennungen etwa durch längeren Klinikaufenthalt wegen Erkrankungen, oder dem Verlust der Mutter ausgesetzt waren. Gleiches gilt bei lieblosen oder zu gleichgültigen Müttern, bei zu jungen Müttern, die für die Mutterschaft noch nicht reif waren, gilt auch für die »goldene-Käfig-Kinder«, die oft lieblosem oder gleichgültigem »Personal« überlassen werden, weil die Mutter »keine Zeit« für sie hat; auch die Mütter, die nach der Geburt zu früh wieder arbeiten und das Kind zu lange sich selbst überlassen müssen, können ihm nicht das geben, was es hier braucht."
Aber auch Reizüberflutung und labile Umstände - im Grunde alles, was ganz früh die Geborgenheit und Stabilität der Umwelt infrage stellt - begünstigten nach Riemann die Ausprägung einer schizoiden Persönlichkeit.  Schutzmechanismen und die oben genannte Enttäuschungsprophylaxe sind die Reaktionen auf ein labiles und unzuverlässiges Umfeld. Auch unzureichendes oder unpersönliches Stillen durch wechselnde Bezugspersonen, verstärke das Gefühl der Unzuverlässigkeit der Umwelt.
"Die Folge aller beschriebenen Störungen ist jedenfalls, daß das Kind sich von Beginn an gegen die Welt wehren und vor ihr schützen muß, oder von ihr enttäuscht wird. Wenn es draußen keinen adäquaten Partner findet, greift es auf sich selbst zurück, nimmt sich selbst zum Partner, und vollzieht den Schritt von sich weg auf das Du hin unzureichend."
Es fällt auf, wie stark Riemann die frühesten Kindheitserlebnisse für die Ausprägung eines schizoiden Charakters verantwortlich macht. Die ersten Verlust- und Enttäuschungsängste sind entscheidend, wenn wir uns noch - im Vergleich zu anderen Tieren - als zu früh geborene in totaler Abhängigkeit befinden und eine verlässlich-stabile Umwelt überlebenswichtig ist. Riemann kann trotzdem nicht ganz von Gesellschaftskritik lassen und geht über die Kindheit hinaus:
 "Aber auch die gesamte Umweltsituation des westlichen Menschen wirkt sich schizoidisierend aus: die Welt gibt uns immer weniger Geborgenheit; trotz allem Komfort fühlen wir uns immer gefährdeter, und unser Lebensgefühl wird labilisiert durch die Überfülle an Reizen, denen wir ausgesetzt sind und gegen die wir uns nur schwer abschirmen können [...] Als Gegenbewegung läßt sich die zunehmende Neigung zum Yoga, zu meditativen Übungen bewerten, und das spürbar werdende Bedürfnis nach einer Rückbesinnung auf die Innenwelt läßt sich noch im Gebrauch der Drogen erkennen; die Hippies und Gammler wollen bewußt auf die Errungenschaften einer Technik und Zivilisation verzichten, deren unkontrollierte Herrschaft uns allen immer fragwürdiger geworden ist."
Der Schizoide als exemplarischer Mensch
Für Riemann sind die Schizoiden deswegen auch so eine Art exemplarischer Existenz. In ihnen sähen wir das Prekäre des Menschen auf seiner Linie zwischen Abhängigkeit von anderen und Individualität - beides gleichermaßen notwendig und nur in einer Balance durchzuhalten. Fehltritte führen in den Abgrund und die "Genies" unter den Schizoiden wissen das, setzen es um in Literatur und Kunst.
"Die positiven Seiten schizoider Menschen zeigen sich vor allem in souveräner Selbständigkeit und Unabhängigkeit, im Mut zu sich selbst, zur Autonomie des Individuums. Scharfe Beobachtungsgabe, affektlos-kühle Sachlichkeit, kritisch-unbestechlicher Blick für Tatsachen, der Mut, die Dinge so zu sehen wie sie sind, ohne mildernde oder beschönigende Verbrämungen, gehören zu ihren Stärken. Sie sind am wenigsten beengt durch Traditionen und Dogmen irgendwelcher Art, sie machen sich von nichts abhängig, übernehmen nichts, bevor sie es nicht geprüft und durchdacht haben. Unsentimental, hassen sie allen Überschwang, alle Unklarheit und Gefühlsduselei. Sie vertreten ihre Überzeugungen klar und kompromißlos und haben über alles ihre eigene selbständige Meinung. Sie haben meist eine ironisch-satirische Seite und einen scharfen Blick für die Schwächen anderer; man kann sie daher schwer täuschen und sie sind im mitmenschlichen Kontakt oft »unbequem«, weil wenig bereit, Unechtheit und Fassadenhaftes gelten zu lassen. Sie glauben an ihre Fähigkeiten und vermögen es, weitgehend ohne Illusionen zu leben; das Geschick möchten sie meistern, Schicksal ist ihnen etwas zu Überwindendes - der Mensch als Selbstgestalter seines Schicksals."
Die Überwindung der schizoiden Krise und das Meistern der Angst
Als Heranwachsender gefiel mir das alles sehr. Und auch jetzt denke ich, dass es Schlimmeres als eine leicht schizoide Persönlichkeit gäbe. Auf der anderen Seite war es essentiell, den Sprung zum Vertrauen zu wagen und die anderen in mein Leben zu lassen. Wohl wissend, dass sie mich verletzen und verlassen können. Auch sehend, dass sie genau das taten. Und trotzdem... oder eben erst Recht! Ich erinnere mich, dass ich als Jugendlicher immer wieder zwischen diesen Bewusstseinszuständen hin und her schwankte: Ganz bewusst andere an mich heranlassend und dann auch wieder der Enttäuschungsprophylaxe wegen einen Schritt zurücktretend und mir sagend, dass ich auch ohne diese Menschen könnte, ja dass mein Leben sogar einfacher und konsequenter wäre, wenn die anderen nicht da wären.

Young Davis  (Dark Silence In Suburbia)  
Riemann sagt, dass Schizoide Angst am stärksten fühlen, denn das Alleinsein und die Isolierung wirken angstverstärkend. Ironischer Weise zielt das ganze schizoide Konzept darauf ab, der Angst zuvorzukommen oder sie abzuspalten. Wenn es aber ein Ereignis gibt, dass die Dämme brechen lässt, dann rollt die Angst wie eine Flutwelle durch das Leben. Panik macht sich breit, besonders die Angst, verrückt zu werden nimmt schreckliche Ausmaße an, weil man sich selbst nicht mehr ins Ganze einordnen kann. Die Gedanken irren in Schleifen und Kreisen nur um dieses Thema und finden keinen Halt. Besonders verstört hat mich das, was die Psychologen "Objektverlust" nennen: Ich konnte keine Beziehung mehr zur Außenwelt und meinen Mitmenschen herstellen. Am schlimmsten waren Freunde und Familienangehörige mit ihren guten Ratschlägen und ihren hilflosen Versuchen, mich zu verstehen. Was am Ende hilft, ist das Zurückfinden in größere Zusammenhänge. Etwas mit anderen erleben, etwas anfangen, was wirklich große Bedeutung hat, Sport treiben, um den Körper als Gegengewicht zu fühlen. Die schlimmer Krise dauerte einige Wochen, die Angst vor der Rückkehr der Panik hatte ich noch Jahre. Ich fing an zu schreiben, als Therapie, und fand einen neuen Weg zu mir.

Im Nachhinein war es gut. Ich habe etwas in mir durchbrochen, mein Problem kennengelernt. Es hat mich kalt angestarrt und ich habe angefangen, ihm tapfer in die Augen zu blicken. Ich fing an, gegen das Schizoide zu arbeiten, bewusst mich in gesellschaftliche Zusammenhänge und mitmenschliche Beziehungen zu begeben. Ich hatte verstanden, dass ich mich verletzlich und verwundbar machen musste, um überhaupt die Chance auf ein bedeutungsvolles Miteinander in der Welt zu haben. Ich glaube, dass mich das Einlassen auf das Spiel mit anderen mein schizoides Ich entschärft hat und mir ermöglicht, das beste aus beiden Welten zu haben: Die Liebe der anderen und die Unabhängigkeit und Freude an mir selbst. Das schizoide Monster wird aber immer irgendwie da sein. Ich halte es in Schach und starre es an, wenn es sich zeigt. Mich zwingt es nicht mehr in die Knie.


Im Artikel Die schizoide Persönlichkeitsstörung gehe ich stärker auf die Frage ein, was eine schizoide Persönlichkeitsstörung ist. Einem schizoiden Charakter nach Riemann liegt nicht unbedingt eine schizoide Persönlichkeitsstörung oder schizotype Störung zugrunde. Wer eine handfeste Persönlichkeitsstörung bei sich vermutet, sollte therapeutische Hilfe aufsuchen. Alle anderen, die nur neugierig sind und sich im Text wiedererkennen, lege ich die Lektüre von Fritz Riemanns Grundformen der Angst: Eine tiefenpsychologische Studie ans Herz.

Weitere Empfehlungen gibt es in meiner Bibliothek unter Bücher speziell für Schizoide empfohlen.

Kommentare:

  1. Danke für die tolle Darstellung. Ich habe ihren Blog Ende letzten Jahres entdeckt und bin immer wieder begeistert über jeden neuen Artikel. Zu Riemann könnte ich meinen Versuch beschreiben, meine hysterischen Anteile in das “normale “ Kräfteverhältnis zurückzubekommen. Spannend einmal zu lesen, wie es einem anderen Riemann-Typ geht.
    Mit freudiger Erwartung auf den nächsten Beitrag sende ich beste Grüße.

    AntwortenLöschen
  2. Wow... ich bin in gewisser Weise sprachlos. Zum einen, über diesen unglaublich gut geschriebenen Artikel zum andern über die schiere Fülle an Erkenntnis.
    Es schließt an an meine langsam wachsende Vermutung, daß es noch etwas hinter Hochsensibilität und Hochbegabung gibt.
    Ich finde mich jedenfalls in vielerlei Hinsicht hier wieder und bin inzwischen etwas verwirrt ob der ganzen unterschiedlichen Kategorisierungen.
    Was natürlich wunderbar passt ist, daß ich auf meinem Burn-Out-Höhepunkt eine Panikattacke mit Depersonalisation hatte. Das ist der absolute Gipfel der Angst vor dem Verlust des Ich...

    AntwortenLöschen
  3. Andererseits trifft eben nur ein bisschen zu und bei weitem nicht alles.
    Sehr faszinierend finde ich dazu folgende Wikipedia-Feststellung: "Menschen mit einer solchen Störung bilden kompensatorisch oft ein hohes Maß intuitiver Fähigkeiten aus, mit denen sie sich zugleich schützen und Überlegenheit gewinnen."

    Ich habe wirklich das Gefühl, daß es da unheimlich viele Zusammenhänge mit Hochsensibilität, Hochbegabung und Introversion gibt.

    AntwortenLöschen
  4. Danke für die Kommentare! Freut mich, dass die Artikel ankommen und Lust auf mehr machen.

    Jan - ich glaube, ganz wichtig ist, dass wir wissen, dass alle diese Beschreibungen (Hochsensibel, Introversion, Schizoid) erstmal nur Konzepte aus Sprache sind, die versuchen, bestimmte Phänomene zu erklären, ohne sie letztlich streng wissenschaftlich begründen zu können. Es gibt da viele Grauzonen und viele Überlappungen zwischen diesen Beschreibungen. Auf jeden Fall aber sind sich Introversion, Hochbegabung und ein schizoider Charakter auf vielen Ebenen ähnlich und eventuell bedingen sie sich auch gegenseitig. Jung und Rieman würden natürlich auch immer sagen, dass nie jemand gnaz komplett nur ein Typ oder Charakter ist - wir haben immer viele auch gegensätzliche Elemente in uns. Intuition, Sensibilität der Wahrnehmung und Intellekt werden bei diesen Charakteren kompensatorisch gestärkt.

    Wenn ich aus meiner Perspektive Ordnung in die Kategorisierungen bringen sollte, dann sähe die so aus:

    Introversion als z.T. schon hirnphysiologisch angeborene Eigenschaft macht unter anderem hochsensibel (meistens auch etwas eingenbrötlerisch). Die schizoide Persönlichkeit - wenn wirklich, wie von Riemann postuliert, in der frühern Kindheit ausgeprägt - verschärft die Introversion und die Introversion verstärkt ihrerseits den schizoiden Charakter. Wie so oft kommen verschiedene Gegebenheiten (physische, familiäre, gesellschaftliche) zusammen.

    AntwortenLöschen
  5. Interessante Ordnung der Kategorien.
    Ich habe mir mal die Klassifikation nach ICD und DSM angeschaut und vieles scheint tatsächlich eine Sache der Dosierung zu sein.
    Wenn ich mir die maximale Introversion vorstelle und dann noch etwas drauflege, dann sehe ich durchaus Parallelen zur Schizoiden Persönlichkeitsstörung.

    Bezüglich der Hochsensibilität bin ich momentan ziemlich unsicher. Ich persönliche würde Hochsensibilität als in frühster Kindheit erworbene Fähigkeiten bezeichnen, die aber gewisser hirnphysiologischer Voraussetzungen bedürfen.

    AntwortenLöschen
  6. Jung und Rieman würden natürlich auch immer sagen, dass nie jemand gnaz komplett nur ein Typ oder Charakter ist - wir haben immer viele auch gegensätzliche Elemente in uns...
    Ja natürlich! aber zu verstehen, dass Menschen verschieden SIND, denken, fühlen etc. ist der Kern für Selbst-/Fremdwahrnehmung
    http://ed.iiQii.de/gallery/Die-iiQii-Philosophie/DavidKeirsey_keirsey_com

    AntwortenLöschen
  7. Verstärkt wird die mangelnde Wahrnehmung 'Der Anderen' dadurch, dass diese ja gleich aussehen, wären sie grün wie Marsmännchen oder 'andere Ausländer' würden wir sofort sehen, dass sie anders sind...
    http://ed.iiQii.de/gallery/KeyPerformance/HansAsperger_letsgetfreaky_de

    AntwortenLöschen
  8. "Ich glaube, dass mich das Einlassen auf das Spiel mit anderen mein schizoides Ich entschärft hat und mir ermöglicht, das beste aus beiden Welten zu haben:"

    "Schizoid:
    Die Angst vor der Selbsthingabe, als Ich-Verlust und Abhängigkeit erlebt"

    Depressiv:
    Die Angst vor der Selbstwerdung, als Ungeborgenheit und Isolierung erlebt

    Zwanghaft:
    Die Angst vor der Wandlung, als Vergänglichkeit und Unsicherheit erlebt

    Hysterisch:
    Die Angst vor der Notwendigkeit, als Endgültigkeit und Unfreiheit erlebt."

    Ich frage mich gerade, woran das wohl liegt, dass sich eine nicht mindere Masse von Menschen auf Theorien versteift - auf Theorien, die sie selbst zweifeln lässt und diese dennoch anerkennt und wiederum doch Geltung verschafft.
    Ich bin äußerst bestürzt über die Angelegenheit der Annahme von Eindrücken und Wesensarten denen man sich gleich selbst zuordnet.
    Wenn Wissenschaft bedeutet, dass sich z.B. Probanden (wie oft in geschlosssenen Fragebögen vorhanden) einordnen, dann ist das für mich nur eine Anlehnung an das "OHNEHIN GESAGTE WORT, IN DAS IN EINEM JEDEN STIMULIERBARE - ALSO DIE ANLEHNUNG" - nicht das EIGENE BEWUSSTE ERLEBTE mit dem eigenen Wort dazu (das ist/wäre doch unbedingt nötig, um einen Kreislauf des Lebens in Echtheit zu SICH und den evtl. vorhandenen Austauschpersonen zu erzeugen).
    Eine Änliche Beinhaltung und Zuordnung meiner Selbst würde ich vollkommen aus einer Theorie ausschließen. Das bedeutet nicht die Missachtung jener.

    "Die Welt ist ein Theaterstück. Spielt eure Rollen gut! Ihr spielt ums Leben.
    Seid Freund! Seid Feind! Habt Macht! Habt Glück!

    Ich spiel nicht mit. In jedem Stück muß es auch Menschen, die bloß zuschaun, geben.

    Und wenn das Stück mißfällt - so laß mich schließen -
    ist das noch längst kein Grund, aufs Publikum zu schießen. (Erich Kästner)"

    AntwortenLöschen
  9. Manche Zufälle machen mir Angst... :o ;-)
    Ich habe exakt einen Tag, bevor Du diesen Beitrag veröffentlicht hast eine Hörbuchsammlung bekommen, in der Riemens Ausführungen zum Thema "Schizoid" enthalten sind...
    Das wäre eigentlich auf der Leseliste ganz hinten gelandet...

    AntwortenLöschen
  10. "Ich frage mich gerade, woran das wohl liegt, dass sich eine nicht mindere Masse von Menschen auf Theorien versteift - auf Theorien, die sie selbst zweifeln lässt und diese dennoch anerkennt und wiederum doch Geltung verschafft."

    Hm, das wär schon eine interessante Frage, die man untersuchen evtl. sollte, wenn es dazu konkreten Anlass gäbe. Ich weiß aber momentan von keinem, der sich auf Theorien versteift, die er gleichzeitig anzweifelt.

    In meinen Annäherungen an Hypothesen, Ideen und Theorien, geht es mir darum, Phänomene der Psyche, der Persönlichkeit und des Charakters zu umkreisen. Man nimmt eine Theorie oder Hypothese wie eine gefärbte Brille, hält sie sich vor Augen und versucht dadurch die Phänomene zu betrachten. Durch jede verschieden gefärbte Brille sehen die Phänomene je anders aus. Und je mehr verschiedene Perspektiven man ausprobiert hat, desto mehr Facetten der Phänomene hat man sehen und kennen gelernt. Das ist doch spannend. Für mich jedenfalls.

    Übrigens habe ich gerade von einem geneigte Leser und Blogger eine Kopie von Miltons "Personality Disorders in Modern Life" bekommen mit einem langen Kapitel über schizoide Persönlichkeit. Ich freu mich auf die Lektüre.

    AntwortenLöschen
  11. Hallo Gilbert,

    Du hast Recht mit deiner Vermutung, es gibt einen Zusammenhang mit Introversion und Schizoider Persönlichkeit. Bei einer wissenschaftlichen Big Five Studie wurde das u.a. festgestellt: "...histrionic and narcissistic were associated with high E, schizoid and avoidant with low E..." (Mit "E" ist Extaversion gemeint).
    Das heißt natürlich nicht das jeder schizoide Introvertiert ist, aber es gibt wohl eine Tendenz dazu.

    Studie: Paul T. Costa Jr.Robert R. McCrae (1990). Personality Disorders and The Five-Factor Model of Personality.

    AntwortenLöschen
  12. Hallo Lars, vielen Dank für diese wichtige Ergänzung. Da werde ich noch etwas genauer nachlesen. Das Five-Factor Model of Personality verdient eigentlich noch mal eine eigene Betrachtung. Vielleicht gleichzeitig mit der Klärung der Frage, was in der Psychologie eigentlich Persönlichkeit ist in Abgrenzung zu Charakter und Temperament.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Gilbert,

      Zum Thema Persönlichkeit, und welchen Teil davon Temperamente/Charakter/Persönlichkeitstests wie Big Five und MBTI ausmachen, bzw. was in einem Persönlichkeitstest gemessen wird und was nicht, habe ich einen Blogartikel geschrieben. Eine interessante (meines Wissens nach wie vor unbeantwortete) Frage ist auch, zu welchem Teil der Persönlichkeit psychische Krankheiten gehören. Ist vielleicht interessant für dich:
      http://www.typentest.de/blog/2011/10/was-ist-eigentlich-personlichkeit-eine-definition/

      Löschen
    2. Ich würde mich selbst als schizoiden Menschen sehen, bin auch mal so "diagnostiziert" worden, und habe mich auch sehr über den ausführlichen Artikel gefreut. Allerdings kann ich mich in den Darstellungen nicht wirklich wiederfinden. Leute sagen mir oft, ich würde unglaublich ruhig und stabil wirken, aber in mir drinnen ist gar keine Ruhe. Ich fühle mich rastlos und habe, egal ob allein zu hause oder zusammen mit anderen, *immer* das Gefühl, mich verteidigen zu müssen, weil mir normale Abwehrmechanismen wie Aggression "fehlen" bzw. weil es mir extrem schwer fällt, diese zu artikulieren. Keine Ahnung, wie es anderen schizoiden Menschen geht - aber ich habe viel zu viel Angst vor anderen Menschen, um ihnen gegenüber schroff oder krass distanziert aufzutreten. Es ist eher so ein inneres Ding: ich mache Konversation, aber eigentlich fühle ich mich abwesend und ganz weit weg. Das hat mit Ruhe und Ausgeglichenheit nicht viel zu tun, und es hilft mir echt wenig, dass ich stark ausgeprägte analytisch-intellektuelle Fähigkeiten habe. Was mir fehlt, und was ich auch als typisch schizoid halte, das ist dieses Gefühl persönlicher Identität und Ganzheit. Ich fühle mich abgeschnitten, von mir und von der Welt. Autonomie wäre was anderes ...

      Löschen
  13. Die Riemann Kategorien werden u.a. auch im Buch von Gunter Dueck vorgestellt, vgl.

    http://www.geistundgegenwart.de/2011/10/gunter-dueck-professionelle-intelligenz.html

    AntwortenLöschen
  14. DANKE !!! Wirklich ganz SUPER ,HILFREICH !!!

    AntwortenLöschen
  15. DANKE !!! Wirklich ganz SUPER ,HILFREICH !!!

    AntwortenLöschen
  16. Ich fand die Riemannsche Typologie immer etwas stigmatisierend und negativ formuliert. Aber genau darin liegt bei genauerer Betrachtung ihre Stärke: es geht um die Überwindung von Ängsten. Touch your fear, don't be afraid!

    AntwortenLöschen
  17. Ich weiß nicht, was unter "Objektverlust" bzw. "Angst vor dem Verlust des Ich" gemeint ist. Ich erlebe manchmal einige Tage so als würde nicht ich sie erleben, sondern ein anderer, als würde mir alles passieren, von außen auf mich zukommen und als hätte ich keine Kontrolle mehr darüber. Ist es vielleicht das?

    AntwortenLöschen
  18. Das ist schwer zu sagen... die Frage ist auch, wie du dich dabei fühlst? Sind es Angstgefühle oder Leere oder vielleicht aber positive Gefühle? Wenn du darunter leidest - das gilt generell für solche Zustände -, ist es Zeit, mit einem Psychologen darüber zu reden.

    AntwortenLöschen
  19. "Ich glaube, dass mich das Einlassen auf das Spiel mit anderen mein schizoides Ich entschärft hat und mir ermöglicht, das beste aus beiden Welten zu haben: Die Liebe der anderen und die Unabhängigkeit und Freude an mir selbst." Mir scheint, da wurde das schizoide Ich von einem narzisstischen Ich entschärft ;-)

    AntwortenLöschen
  20. Hallo, ich bin etwas erschrocken, da ich feststellen muß dass mein Mann höchstwahrscheinlich zu der Sorte der schizoiden Menschen gehört. Er ist selbst Arzt und würde sich das niemals eingestehen. Wie könnte ich ihn also dazu bewegen sich mit seinem Problem zu befassen??

    AntwortenLöschen
  21. Es ist ja nicht unbedingt ein Problem... vielen "schizoiden" geht es auch ganz gut mit ihrer Disposition. Und vielleicht beschäftigt er sich ja bereits damit und sagt nur nix?

    AntwortenLöschen
  22. Möglich, aber eher unwahrscheinlich - aber wie könnte ich das herausfinden? Ist es gut ihn darauf anzusprechen?? Auf frühere Fragen über seine Kindheit kommen nicht wirklich viele Angaben - er meidet dieses Thema... Es ist leider oft schwer seine Schroffheit zu ertragen...

    AntwortenLöschen
  23. Ich lese zum erstmal den Blog. Ich habe gelesen die schizoide Persönlichkeit ist hochsensibel einerseits aber andererseits hat sie Probleme mit der Emotionalität und Empathie? Wie funktioniert das mit dem Umgang mit den Mitmenschen im Beruf und sonst? Was hilft die Probleme zu meistern? Offen die Probleme zu thematisieren? Wie macht ihr das?

    AntwortenLöschen
  24. Hören Sie doch um Himmels Willen auf, sich selbst zu psychiatrisieren. Sie begehen damit einen Verrat an sich selbst. Sie beleidigen und entwerten Ihre kostbare und einzigartige Persönlichkeit.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Solch ein Kommentar hat eine grundsätzliche Relevanz, auf die ich gleich zu sprechen komme, allerdings ist er in dieser zu knappen und demotivierenden Form ungeeignet und schreckt Leser ab, sich mit Themen auseinanderzusetzen und sich dazu zu äußern.

      Denn hier geht es nicht darum, sich selbst zu "psychiatrisieren". Wenn Sie von Psychiatrie eine Ahnung hätten, wüssten Sie das. Hier geht es darum, dass sich Leute selbst lernen, besser zu verstehen.

      Es kann aber auch passieren - und da wird der Kommentar grundsätzlich relevant - dass man etwas liest und sich damit fälschlicherweise identifiziert. Bevor man also konkrete Schlüsse zieht, weil man sich in einem gut geschriebenen und recherchierten Artikel selbst erkennt, sollte man doch lieber fachliche Hilfe suchen, z.B. Psychologen oder - wenn denn nötig - Psychiater.

      Löschen
    2. Witzig, dass Ihre Reaktion auf meinen Ihnen nicht gefallenden Kommentar geradezu reflexartig darin besteht, mich gleich mal zu psychiatrisieren. Wie aufs Stichwort! Anhand eines zweieinhalbzeiligen Kommentars eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung diagnostizieren und den Verfasser gleich mal zum Psychiater schicken zu wollen, dazu gehört schon was. Hätte ich vor, Sie - Wurst wieder Wurst - jetzt ebenfalls zu psychiatrisieren, würde ich Ihnen vermutlich einen narzisstischen Defekt an die Backe kleben. Aber vermutlich sind Sie bloß ganz normal eitel.;o)

      Löschen
    3. Nein, ich meine doch nicht Sie, sondern will Leser allgemein warnen, sich zu schnell als "schizoid" zu identifizieren, nur weil sie sich im geschriebenen wieder erkennen.

      Löschen
  25. ich habe lange, viele Monate, nach Erklärungen und Bedeutung dessen gesucht was ich erleben musste, viel gelesen über Persönlichkeitsentwicklung-/und Störung und glaube hier meine Antwort gefunden zu haben. Es geht dabei nichtmal um mich selbst sondern um einen Menschen den ich zutiefst geliebt habe, trotz seiner "Macken" die ich nie toleriert aber nie verstanden habe, trotz des immer wiederkehrenden Rückzugs, der Abgrenzung, Kälte und Festhalten, der Nähe und beanspruchten Distanz. Es hilft mir zu verstehen, es hilft nicht zu helfen, schon gar nicht wenn man Hilfe angeblich nicht benötigt.

    AntwortenLöschen
  26. Lieber Gilbert
    ich brauche unbedingt ihren Rat. Ich mache gerade ein Austauschjahr und habe vor kurzem ihren Artikel ueber die Introversion entdeckt und weiss nun das ich introvertiert bin. Kurz Zeit nachdem ich diese Erkenntnis akzeptiert habe , habe ich diesen Artikel gelesen und nachdem ich lange gegruebeln und recherchiert habe (ich habe sehr lange ueberlegt, da ich eigentlich keine Selbstdiagnose machen will), bin ich mir ziemlich sicher, dass ich eine schizoide Persoenlichkeitsstoerung habe. Fuer mich war es eine grosse Erleichterung, endlich eine " Erklaerung" fuer meine Eigenart zu haben.
    Mein Problem ist, dass ich ein Austauschjahr mache und das Ziel waere ja, fliessend die Sprache sprechen zu koennen. Allerdings besteht bei mir nur eine sehr gerninge Interesse(und diese Interesse habe ich nur, weil ich mich dazu verpflichtet fuehle, da meine Eltern sehr viel fuer mein Austauschjahr bezahlt haben) mit anderen Mitmenschen Freundschaft zu schliessen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Iluma,

      zuerst einmal solltest du dich nicht darauf versteifen, eine Störung zu haben (siehe auch hier: Die schizoide Persönlichkeitsstörung). Erst recht gibt es keinen Grund dazu, wenn du selbst nicht darunter leidest, sondern "nur" den Druck der Gesellschaft (Eltern etc.) spürst, dich anders zu verhalten. Wenn das so ist, leg eine Pause ein und denk drüber nach: Was willst du erreichen und welches Verhalten ist dazu nötig? Gibt es Alternativen zu diesem Verhalten, wenn es dir unangenehm ist? Welche? Z.B. beim Lernen der Sprache: Du wirst auch ohne übermäßig aktive Kontaktaufnahme genug in die Sprache eingebettet werden, um zu lernen, z.B. indem du zuhörst, einkaufen gehst, ein Buch liest, fern siehst oder Radio hörst. Du kannst sogar an Online-Kursen teilnehmen, wo du auch sprechen musst, ohne aber unbedingt jemandem gegenüber zu sitzen. Sei kreativ und finde Wege, deine Ziele so zu erreichen, wie es dir passt. Solltest du darüber hinaus unter deinen persönlichen Besonderheiten wirklich leiden, dann suche professionelle Hilfe auf.

      Viele Grüße und alles Gute!

      Löschen
  27. Sehr schöner Artikel.

    Ich befasse mich mitlerweile auch schon seit Jahren mit Typologie (hauptsächlich MBTI / Jung's Kognitive Funktionen)und bin nunmehr zu dem Entschluss gekommen, dass auch wenn zu den MBTI ISTP's zähle, es dennoch einen Unterschied zwischen 'herkömmlichen' ISTPs und mir gibt. Namentlich: Das territorielle, und aus MBTI- Funktionssicht ist mein Se nicht sonderlich ausgepträgt.

    Was ich sagen kann, ist das ich defintiv Ti Dominant bin - als ich Jung's Definition vom 'Typus des Introvertieren Denkers' gelesen hatte, bestand kein Zweifel mehr.

    Nun stellt sich für mich aber eine Frage, bei du dir mir ggbf. helfen könntest, Licht ins dunkel zu bringen: Ich halte mich 'hochgradig', oder zumindest 'äußerst solide' Schizoid. Es gibt Phasen in denen ich 'wachse' und offener bin, meine natürliche Einstellung jedoch trifft die Faust aufs Auge. Ganz besonders der Zwispalt den ich persönlich als 'Kopf gegen Herz' bezeichne, wenn immer sich Gefühle in mir breit machten. Der innere Zwispalt, den ich bis heute nicht solide vereinigen kann/konnte.

    Das bräuchte mit Sicherheit Zeit und Übung - bis das passiert, ist aber meist niemand mehr in der Nähe - bzw. die Person die für die Gefühle 'verantwortlich' war, ist längst aus Frust verschwunden.

    Neben Schizoidität habe ich Alexithymie in Betracht gezogen, im Nachhinein bieten meine persönliche Erfahrungen eine gesunde Grundlage für Beides zur freien Ausfaltung an.

    Nun aber zur eigentlichen Frage: Typologie + Krankheitsbilder (Asperger's, Alexithymie, Schizoidität) - die Frage nach dem Huhn oder dem Ei?

    Viele dieser 'Krankheiten' scheinen standardgemäß auf inferior-Fe Typen gemünzt zu sein, und ich bin mir unschlüssig ob zuerst die Archtypen existierten, oder Jung seine Typen inklusive dieser Züge eingeteilt hat. Hast du eine Idee welcher Ansatz der realistischere wäre?

    Ich denke das größte Problem in meinem Fall ist die Teilnahmlosigkeit. 'Freude' ist mir nahezu gänzlich fremd. Ich bin, nicht mehr, nicht weniger. Emotional Neutral, zur Frustration vieler. Viele können mich nicht verstehen, ich kann sie nicht verstehen, und ich muss ehrlich sagen, dass mir die Vorteile der emotionalen Gleichgültigkeit als sinnvoller erscheinen, als dumme/irrationale Entscheidungen in einem Gefühlstumult zu fällen.

    Andere scheinen mehr Spaß und Freude zu empfinden als ich, aber gleichermaßen exponentiel größeres Leid - weshalb sich mir immer die Frage stellt, will man Schizoidität wirklich ablegen, nur um das Glücksspiel einzugehen das man lediglich gute, bzw. mehr gute als schlechte Erfahrungen macht?

    In der Regel sind es Fehlschläge / Enttäuschungen die mich in meiner Schizodität festigen - bzw. mich schlussendlich immer wieder zurück katapultieren, unabhängig des Fortschritts der dazwischen gemacht wurde - und nur selten habe ich die nötige Energie es nicht erst mal hinzunehmen und durchzukauen.

    AntwortenLöschen
  28. Hallo sobernessoflife! Danke für deinen Kommentar und deine Frage! Ich kann sie nicht wirklich beantworten, aber immerhin meine Interpretation dazu liefern: Ich denke, dass Archetypen, Persönlichkeitstypen oder Begriffe wie "schizoid" nur verbale Krücken sind, um psychische Phänomene in Worte zu fassen und zu beschreiben. Sie sind keine manifesten Dinge oder natürliche Phänomene, sondern nur Theorien, Beschreibungen, Interpretationen.

    Der Begriff "inferior-Fe Typen" beschreibt eine Menge von Individuen, die bestimmte Persönlichkeitsmerkmale haben, die unter Umständen auch auf bestimmte hirnphysionlogische Merkmale zurückzuführen sein könnten. Wenn das so ist, dann stellt sich das Henne-oder-Ei-Problem nicht, dann sind beide Ei.

    Zu deinem schizoiden Erleben kann ich nur sagen, dass ich es nachempfinden kann. Wenn du wirklich drunter leidest, könnte eine Aufarbeitung unter professioneller Anleitung weiter helfen. Für mich war es ein schockhafter Moment meines Lebens, der mich aus der Einbahnstraße gerissen hat. Ich kann nun in beide Richtungen reisen. Aber wer weiß schon, was man machen kann, jeder ist völlig anders und es gibt kaum allgemein gültige Rezepte.

    Sich selbst lieben, ist wichtig. Und andere dann an sich heran lassen, kann nicht schaden. Wie das bei anderen geht? Keine Ahnung.

    AntwortenLöschen
  29. Ein sehr spannender Artikel, Gilbert. Vielen Dank auch für die Offenheit. Bin heute über einen twitter-Beitrag auf diesen Blog gestoßen. Nun bin ich neugierig auf das Buch von Riemann geworden.

    Ich habe seit über 40 Jahren eine generalisierte Angststörung und Panikattacken. Geboren Anfang der 60er Jahre gab es für mich als Kind keinerlei psychologische Hilfe. Ich lebte in meiner eigenen Welt, sehr zurückgezogen und mit dem Gefühl in einer Glasglocke zu sitzen und der ständigen Angst mich einfach aufzulösen.

    Später als Erwachsene habe ich mehrere Therapien gemacht, die Angst kam aber immer irgendwann wieder. Inzwischen habe ich die Hoffnung aufgegeben, sie noch loszuwerden.

    Bisher habe ich mich noch nicht mit psychologischen Theorien beschäftigt, mir war das immer suspekt. Ich mag es nicht, wenn Menschen in Kategorien eingeordnet werden.

    Aber dieser Blogpost hat mein Interesse geweckt, doch mal in die wissenschaftliche Seite einzutauchen.

    Herzliche Grüße!

    AntwortenLöschen
  30. Danke für deinen Kommentar, Carolina! Ich würde auch davon abraten, Menschen in Kategorien einzuordnen. Vielen hilft es aber, einen Namen für das zu finden, was ihnen an sich selbst merkwürdig oder gar störend vorkommt. Einfach, um sich damit arrangieren zu können, es annehmen und besser ins Leben integrieren zu können. Mit der Angst ist es meiner Erfahrung nach ebenso: Man muss sie annehmen, als einen Teil seiner selbst verstehen und nicht versuchen, sie als anormal von sich abzutrennen. Keine Angst zu haben ist angesichts der Absurdität des Lebens weitaus unverständlicher, als zu viel Angst zu haben. Das soll aber nicht heißen, dass Therapien nicht auch eine wichtige Option sind, besonders dann, wenn der Leidensdruck so groß ist und man sich selbst nicht helfen kann.

    AntwortenLöschen
  31. Interessanter Artikel. Mich würde interessieren, wie dein "schizoides Monster" aussieht, bzw. was Du in diesen 3 Wochen der Krise erlebt hast, von denen Du schreibst. Hattest Du etwa Agressionen anderen gegenüber und die Angst ihnen etwas anzutun erlebt? Das ist nämlich bei mir der Fall und ich frage mich ob es nur eine Angststörung ist. Ich war noch nicht beim Therapeuten, alles deutet aber auf eine schizoide PS mit starker narzisstischer Kompensation hin, die so tief in mir verankert war, dass ich mich Jahrzehnte lang für einen Extroverten gehalten habe. Danke für die Antwort.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nein, Aggressionen hatte ich gar keine. Ich war eher wie versteinert und taub. Alles, was ich fühlte, war eine ungeheure Leere, eine Abwesenheit von Sinn und Verbundenheit. Alles um mich herum, ob Mensch, Tier oder Gegenstand, war mir fremd und unerreichbar. Wenn jemand zu mir sprach, hatte ich erstens Schwierigkeiten, es aufzunehmen und etwas Sinnvolles zu antworten und zweitens kam es mir hohl und sinnlos vor. Die Erkenntnis, dass man von anderen nicht verstanden wird (und auch sie selbst nicht verstehen kann), sondern dass man sich nur seinen Reim auf den anderen macht, der mit ihm/ihr rein gar nichts zu tun hat, war schockierend. Am ehesten war so eine Art Leere-Trauer-Angst-Gemisch in mir, aber keine Wut oder Aggression.

      Wenn du diese Ängste und Aggressionen hast, kann ich dir nur raten, Hilfe zu suchen und nicht zu viel selbst zu rätseln, was es sein könnte. Am Ende ist das auch nicht das wichtigste, sondern eine Beziehung zur Welt und den Mitmenschen herzustellen, die dir selbst gefällt und weder anderen noch dir schadet.

      Alles Gute!

      Löschen
  32. gut gemacht! und auch ein guter artikel!

    AntwortenLöschen
  33. Hallo Gilbert,
    wenn du Dir eine Beziehung mit einer Frau ideal ausmalen würdest, wie müsste sie handeln oder sein? Nach unendlichen Berg- und Talfahrten mit meinem Partner sucht er nun wieder die Einsamkeit und ich leide in meiner Ohnmacht. Kann ich etwas tun außer los lassen und warten?

    AntwortenLöschen
  34. Ich bin verheiratet und werde hier nichts anderes sagen, als: "mit der idealen Frau" ;)

    Wichtig ist mir, Freiraum zu bekommen. D.h. nicht, dass ich ganz allein sein muss, aber dass ich auch mal in Ruhe gelassen werden kann.

    Ich kenne deinen Partner nicht und kann also auch nicht sehen, was seine Gründe für sein Verhalten sind. Wenn er selbst darunter leidet, sollte er Hilfe suchen.

    Ich fürchte, du kannst nicht viel mehr tun, als ihm seinen Freiraum zu geben. Aber niemand kann von dir verlangen, an der Beziehung zu leiden. Wenn es deine Lebensqualität zu sehr beeinträchtigt, musst du die für dich besten Konsequenzen ziehen.

    AntwortenLöschen
  35. Hallo nochmal Gilbert ! danke für deine Antwort in dem anderen blog heute. deine Beschreibung vom 23.3. wie Du dich fühltest , erinnert mich sehr an das was mein Bekannter beschrieb. er litt extrem darunter nicht verstanden zu werden . fühlte sich nicht . fühlte extremes Misstrauen allem und jedem gegenüber. ich versuchte mich in ihn hineinzuversetzen. aber es gibt scheinbar eine Bodenlosigkeit auf die sich nichts aufbauen lässt. Es geht das ihm immer schlecht . er ist oft krank. hochgradig sensibel und hochgebildet. andere schätzt er oft als oberflàchlich ein und lehnt andere Ansichten fast immer ab.
    in zahlreichen Foren gibt es Schizoide, die sich selbst erkannt haben, die Austausch suchen. Auch Du wirkst auf mich aufgeschlossen. Wie hast Du das geschafft ? mein Bekannter hat Therapien abgebrochen . War kurz vorm Suizid . Wie groß muss der Druck denn werden um sich für Hilfe zu öffnen ??
    Ich empfinde die Schizoide PS als eine der erschreckendsten Störungen. Sie bewegt sich m. E. bei starker Ausprägung am Rande des menschlichen Empfindens .
    Ja. ich bin wohl am Ende meiner Mittel. Ich bin sehr an traurig .
    Sandra

    AntwortenLöschen
  36. Schizoides Verhalten ist Selbstschutz und kann tatsächlich überwunden werden. Ich spreche von mir selbst. Es gehört wirklich der Wunsch nach Überwindung der Einsamkeit dazu und also das Aufsuchen sozialer Beziehungsfelder. Als Sensibler hast du nach dieser Rosskur den unschätzbaren Vorteil, sozial kompetent UND in einer Dimension jenseits der gesellschaftlichen Konvention zuhause zu sein. Du siehst Horizonte, die andere nicht ahnen und bist trotzdem tolerant geworden. Alles selbst erfahren, es ist ein langer und verschlungener Weg.

    AntwortenLöschen
  37. Ich möchte meinem Beitrag noch etwas Wichtiges hinzufügen:
    Mein Lieblingszitat ist “The observer is the observed“. Jiddu Krishnamurti hat in meinen Augen viel zu gesundem Leben beigetragen, indem er qua Existenz zeigte, dass ungespaltenes Leben auch vollumfänglich in einer gespaltenen Gesellschaft möglich ist.
    Der Schizoide leidet unter seiner Notwendigkeit, auf Distanz zu halten und findet im täglichen Leben auch wenige integrierende Faktoren, weil die gesellschaftlichen Verhältnisse disparat geworden sind. An der inneren und äußeren Front zu kämpfen, bis Harmonie daraus geworden ist, ist ein Kraftakt. Aber es lohnt die Mühe, besser: es ist die einzige Art zu leben.
    The Inner is the Outer, I am the World and the World is you. (JK)

    AntwortenLöschen
  38. Dieser Artikel hat gerade heute Abend Super gut getan. Und beim letzten Satz musste ich so herzergreifend lachen das es mich im Bauch gekitzelt hat. Danke

    AntwortenLöschen
  39. Die Artikel sind sehr aufschlussreich. Ich pflege seit Jahren eine Freundschaft mit - aus meiner Sicht - einem schizoiden hochintelligenten Menschen. Die "Nichtbeziehungsfähigkeit" hatte ich als Teenager ursprünglich völlig falsch verstanden und habe mich dann doch einmal nach dessen sexueller Orientierung erkundigt. Die Frage hatte für große Augen und völlige Verblüffung gesorgt. Dann war ich auch erst einmal ratlos - weil ich diese Form der Gefühlsarmut nicht einordnen konnte. Deshalb ist es auch vielleicht einmal wichtig zu sagen, dass man solche Menschen nicht stigmatisieren oder gleich therapieren sollte - es gibt eben noch mehr, als den "Durchschnittsbürger". Und dieser Mensch ist definitiv kein Durchschnitt. Ich kann allerdings bestätigen, dass Teamwork auf Arbeitsebene nicht einfach ist und die Arbeitserfüllung in der Selbständigkeit mit Erfolg praktiziert wird. Man quatscht auch nicht einfach miteinander - sondern es gibt selten einen Chat via Internet und nur wenn die Stimmung entsprechend ist, kann man sich unterhalten - dann aber auch lange und mit viel Humor. Ich habe gelernt, dass es 2 Möglichkeiten für eine gute Konversation gibt - Fachthemen, die sachbezogen sind (und dazu viele Fragen stellen) und Themen, die nicht die Persönlichkeit oder das nähere persönliche Umfeld betreffen. Da ich beruflich auch mit Persönlichkeitsprofilen und vielen Menschen zu tun habe, möchte ich das so begründen. Wenn man sich sein ICH vorstellt, kann man das stark vereinfacht, wie eine Zielscheibe in 3 farbige Sektoren teilen - Mitte grün (totale Wohlfühlzone), dann eine gelbe Risikozone (auf die lässt man sich ein, aus Neugier oder weil man muss) und außen die rote Panikzone. Ganz oft bewegen wir uns in der gelben Zone und je nach unserer Anpassungsfähigkeit, ist diese Zone größer oder kleiner (das gilt für alle Zonen). Bei schizoiden Personen ist schnell die rote Zone erreicht, deshalb sind Zeiten für sich selbst sehr wichtig - dort befindet sich die Wohlfühlzone und wenn eine zweite Person dazu kommt - bei aller Liebe - sind schizoide Personen schnell bei gelb/rot, weil eben genau die dort geforderten (teils nicht vorhandenen) sozialen Gefühle zu Stresssituationen führen und dieses Fehlen mit "Flucht" oder z.T. aggressivem Verhalten beantwortet wird. Das ist in dem Fall durchaus zu erwarten. Vielleicht hilft diese persönliche (nicht wissenschaftliche) Darstellung, ein besseres Verständnis von sich selbst oder dem/der schizoiden Parter/in zu erhalten. Bei mir funktioniert das ganz gut.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für diesen Kommentar, der eine wirklich hilfreiche Perspektive aufzeigt. Ich habe übrigens hier für alle Interessierten noch ein paar Buchempfehlungen zum Thema zusammengetragen: Bücher speziell für Schizoide empfohlen. Vielleicht ist ja was hilfreiches dabei.

      Löschen
  40. hallo gilbert,
    ich habe jetzt einfach per versuch ins internet schizoid eingegeben, kam sofort auf deine seite und finde mich in praktisch allem was hier steht über schizoid.
    seit über einem jahr mache ich kunsttherapie und es geht mir immer schlechter weil die therapeutin mich komplett auf mich zurückweist - nur - da ist nicht s... und das immer klarer zu erkennen das da nichts ist, kein ich macht mich ganz fertig. vor 3 jahren ein burnout seitdem nicht mehr möglich.
    frage: als masseurin kann ich nicht mehr arbeiten, ich bin geistig sehr wendig und stark lösungsorientiert. was könnte ich arbeiten ich habe solche angst abhängig zu werden von wem. bzw nicht versorgt zu sein.
    was ist für mich wichtig zu beachten?
    und wenn ich in eine selbsthilfegruppe gehen würde, muß ich angst haben vor den männern bzw den anderen weil man nie weiß ob sich nicht wer auf mich einklingt und mich nicht mehr in ruhe läßt ?
    danke
    verzweifelt bin ich auch wegen meinem sohn der auch in diese richtung neigt.

    AntwortenLöschen
  41. Ich finde es sehr fragwürdig, wenn man sich selbst als schizoide einstuft oder einen Partner und Bekannten so einschätzt.
    Ich habe im Laufe meiner psychiatrischen Behandlungen schon mehrere Diagnosen erhalten. SVV, NSP, Anpassungsstörung, PTBS, Depression, Anngststörung usw. SPS war nur eine davon. Ich denke zu jedem Zeitpunkt stimmten die Diagnosen immer ein bisschen. Ich denke auch das rein technisch die Diagnosen immer noch richtig sein könnten. Es müssen z.B. nur drei von 6 Kriterien und bei anderen neune von 14 Kriterien übereinstimmen usw. ICD10 ist keine exacte Wissenschaft.
    Ich kritisere es aber, dass man sich selbst eine Zuordnung gibt, weil Personen, die nicht betroffen sind und nicht genügend Kenntnisse haben, sich eine fundierte Meinung zu bilden, versuchen mit etablierten Klischees sich eine Vorstellung zu schaffen. Diese Klischees sind nicht selten Stigmata. Man wir in eine Schublade gesteckt und belächelt oder gemobbt. Schizoide sind keine Sheldon Coopers, die in lustigen Situationen andere zum Lachen bringen. Das finde ich sogar beleidigend. Diese Figur einer Fernsehserie ist eine karikierte Darstellung eines schizoiden Menschen.
    Ich kann nicht über meine SPS lachen. Bei mir verursacht sie die Unfähigkeit mit Menschen Intimität zu schaffen; stets bin ich misstrauisch. Ich bin vor kurzen 38 Jahre alt geworden. Ich bin Single. Gerne würde ich eine Freundin kennenlernen. Sicher bin ich wie Shaldon Cooper und will mit der Frau gerne vorher eine Beziehungsrahmenvereinbarung treffen. Das geht aber nicht im Leben und das würde keine Frau mitmachen. Ich habe eine nette Frau gerade kennengelernt. Wir hatten schon drei Dates. Nächste Woche treffen wir uns erneut und sie sagte, dass irgendetwas nicht mit mir in Ordnung sei und ich solle ihr davon erzählen. Das werde ich nicht tun können, weil ich angst habe, zu vertrauen. Ich kann ihr auch nicht anbieten, dass ich daran interessiert bin, dass wir uns gegenseitig helfen, regelmäßig Sex machen und eventuell zusammen ein Kind haben könnten.Ich will zu dem in gewissen Abständen meine Ruhe haben und nicht mit ihr engen emotionalen Austausch pflegen. Dafür wäre ich bereit bei ihrem Bedürfnis nach gesellschaftlichen Ereignissen mitzumachen. Wenn das ginge, dann wäre es für mich sehr einfach. Aber sie will mit mir nächstesmal über Gefühle sprechen. Sie hätte den Eindruck, dass da irgendwas mit mir lossei. Das ist eine Konfliktsituation. Ich will nicht mit ihr darüber reden. Ich will ein Date und dabei nur z.B. ins Kino gehen und dann über den Film reden. Sie soll mir auch nicht über ihre Gefühle erzählen, es sei denn es geht um den Film.
    Bei Sheldon Cooper ist das lustig, aber in meinem Leben empfinde ich es als großen Konflikt, der mich belastet.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Den Konflikt kenne ich aus Sicht deiner Freundin. Mein damaliger "Angebeteter" hat genau so reagiert, wie du es beschreibst. Ich war allerdings viel zu jung um seinen Konflikt zu erkennen - geschweige denn zu verstehen. Er hatte immer etwas Kühles und Unnahbares an sich - wie ein Denkmal. Es kann natürlich sein, dass dieses Verhalten besonders anziehend auf deine Freundin wirkt, wenn sie dich vielleicht durch besondere Zuwendung "erobern" will. Das kann für dich ganz schön anstrengend werden und glaube mir, wenn sich eine Frau in dich verliebt, will sie definitiv in deiner Nähe sein und nicht nur über den Kinofilm reden. Du schreibst, du möchtest trotzdem eine Freundin. Frage sie doch mal was ihr an dir gefällt - auch wenn für dich vielleicht Lob nicht wichtig ist - es hilft dir etwas, sie besser einzuschätzen. Im Gegenzug kannst du natürlich auch Komplimente machen und du könntest ihr natürlich auch sagen, wie deine Traumfrau sein sollte. Sie muss dann entscheiden, ob es aus ihrer Sicht sinnvoll ist, eine Beziehung mit dir aufrecht zu halten. Wenn ja, dann solltest du ihr auch Stück für Stück etwas mehr Vertrauen schenken und ihr auch sagen, was dir schwer fällt und was nicht. Sie hat sich wahrscheinlich noch nie mit dem Thema 'schizoid' beschäftigt - das solltest du ihr nachsehen.

      Löschen
    2. irgendwie ist der rat gut gemeint, aber die sache ist für mich sehr kompliziert. Ich treffe, die Frau immernoch und sie schein in mich verliebt zu sein. Letztens wollte sie auch, dass ich mit ihr in ihre Wohnung gehe. Ich befürchtete, dass sie Sex haben wollte.

      Löschen
    3. Ich glaube, ich kann dich verstehen - es verunsichert dich wahrscheinlich, weil du nicht weißt, was dann in ihrer Wohnung passiert. Wenn sie dich eingeladen hat, ist das erst einmal ein Vertrauen, was sie dir entgegen bringt. Natürlich fühlt sie sich dort sicher und kann dir gegenüber etwas offensiver sein - das wirkt auf dich möglicherweise bedrohlich. Dein Bauchgefühl ist aber keinesfalls falsch - es ist gut möglich, dass sie dort versucht einen viel engeren Kontakt mit dir zu bekommen. Ich habe z.B. früher immer gesagt bekommen, 'das mit uns beiden wird nichts' - diese Info hat mir aber nicht gereicht. Er hatte ja auch recht und hat sich sehr unwohl gefühlt, wenn ich ihm zu nahe gekommen bin. Das Problem war, dass mich meine eigenen 'Schmetterlinge im Bauch' völlig blind für seine schwierige Situation gemacht haben und ich wusste nicht, dass es schizoide Menschen gibt. Deshalb habe ich weiter oben geschrieben, dass das bei ihr auch so sein kann. Ich bin jetzt seit vielen Jahren in einem Beruf tätig, wo man mit sehr vielen unterschiedlichen Leuten zu tun hat und bin auch auf dem Gebiet Personalprofiling ausgebildet. Das hat mir viele Jahre später erst die Augen für die damalige Situation meines Freundes geöffnet. Deshalb engagiere ich mich auch hier und möchte wirklich helfen - aber keinesfalls Angst machen. Wenn du generell Angst vor Sex mit anderen hast, dann kann das Erlebnis für dich auch sehr unangenehm sein. Ich würde dir auf jedenfall nicht raten, es einfach mal auszuprobieren - einfach um dich nicht zu beschädigen. Wenn sich so eine Situation für dich ergibt, hast du aus meiner Sicht nur die Chance, konsequent 'nein' zu sagen. Du kannst ihr auch ganz klar sagen, dass du sie magst, dass aber Sex mit ihr nie für dich in Frage kommt. Ihre erste Überlegung könnte dann zwar sein, dass du dich eher zu Männern hingezogen fühlst - das kannst du aber auch gleich richtigstellen. Das fällt unglaublich schwer - weiß ich aus leidiger Erfahrung, weil du wahrscheinlich gar keine Lust hast, dich für deine Gefühle zu rechtfertigen - das ist die Kompliziertheit, von der du wahrscheinlich sprichst. Ich finde es trotzdem gut, wenn du versuchst, nicht völlig in Isoliertheit zu leben. Je älter du wirst, um so schwieriger gestaltet sich das Miteinander. Ich kann dir auch für eine Selbstreflektion nur das Buch "Grundformen der Angst" von Riemann empfehlen - du wirst vielleicht sagen - ja, da erkenne ich mich in den ersten Kapiteln wieder - vielleicht wäre das aber auch ein Geschenk 'durch die Blume' für deine Freundin, damit sie kapiert, was dir so zu schaffen macht. Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass du für dich eine gute Lösung findest - dabei ist ein bisschen Egoismus besser, als still ertragenes Leid oder Angstzustände. Ich schaue ab und zu hier rein - wenn du möchtest, können wir uns gern weiter austauschen ;-)

      Löschen
  42. Es gibt wenige Foren für Menschen, die die Diagnose SPD haben. Sicher ist klar. Wenn man nach Quellen sucht, dann findet man stets nur die Aufzählung der Diagnosekriterin des ICD10 oder DsM4.
    Riemann selbst ist aber schon ziemlich veraltet und für viele, die beginnen sich damit zu beschäftigen, kann es hilfreich sein.
    Wenn man jedoch wirklich einen Weg aus der Langeweile sucht, dann muss man weiter nach Hilfen suchen. Leider tritt die SPD oft mit weiteren Diagnosen wie Depressionen oder Abhängigkeiten auf..
    Als Betroffener ist man da ziemlich ratlos.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, die Literatur von Riemann ist in einer etwas antiquierten Sprache - inhaltlich aber super. Ich habe keine annähernd gute Literaturquelle mit aktuellem Datum gefunden. Schade. Die Schulmedizin befasst sich meist mit jedem Krankheitsbild einzeln und ist in dieser Hinsicht auch nicht hilfreich für Betroffene - der Mensch als Ganzes wird eher bei Heilpraktikern gut behandelt (das sind z.T. auch ausgebildete Ärzte mit Krankenkassenzulassung, die sich von der reinen Schulmedizin verabschiedet haben - hier würde ich zuerst suchen). Zum Thema Sucht habe ich vor kurzem einen interessanten Vortrag gehört - da ging es nicht vordergründig um Drogen oder Alkohol, sondern um körperliche/seelische Defizite, die der Körper versucht auszugleichen (ja, auch durch rauchen/trinken, aber auch Schokolade essen, Ticks, ständig irgendetwas prüfen oder wiederholen, etc.). Da wurde erzählt, dass man meist unbewusst mit jeder Suchthandlung versucht, den Körper/die Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen. In Verbindung mit SPD wurde hier im Forum auch schon der Dopaminmangel (Glückshormonmangel) angesprochen, der auch bei Depressionen eine Rolle spielen kann. Es wäre aber viel zu einfach, wenn das gleich die Lösung wäre. Es gibt eben auch "geprägte" Verhaltensweisen, die ganz fest im Wesen verankert sind und so tief im Unterbewusstsein sitzen, dass Medikamente unangebracht sind, weil es eben eine Wahrnehmung ist und keine Mangelerscheinung im Sinne der Schulmedizin. Also Kopf trotzdem hoch und positiv denken, bei mir hilft Schokolade :-)

      Löschen
  43. Hallo Gilbert,
    ich habe gerade einen Artikel über Metakognitives Training gelesen, bin mir aber nicht sicher, ob dieses Training auch als therapeutischer Ansatz bei schizoiden Persönlichkeitsstörungen geeignet sein könnte. Kannst Du dazu was sagen? Zu meinem Hintergrund: ich bin nicht persönlich betroffen, habe aber eine Schwester, die sich quasi "über Nacht" von ihrer Umwelt, Arbeit, Familie, Freundeskreis abgewandt hat und der letztendlich eine schizoide Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde. Medikamente hat sie nur in den Momenten genommen, in denen sie im Anfangsstadium in der Klinik war, kaum draußen, hat sie die abgesetzt. Der einzige Kontakt in die Umwelt ist ihr Betreuer, der einmal in der Woche bei ihr zuhause vorbei schaut, Geld für Einkäufe bringt usw. Alle weiteren Kontakte lehnt sie konsequent ab. Ich selber fliege alle 2-3 Monate hin, um sie wenigstens für Sekunden an ihrer Wohnungstür zu sehen, ein Geschenk o.ä. reinzureichen und dann mit der Bemerkung. "Ich habe jetzt keine Zeit!" wieder von ihr die Tür vor die Nase zu bekommen. Auf Medikamente, die letztendlich das Bewusstsein beeinflussen, wird sie sich nie freiwillig einlassen. Ein Versuch könnte ja das Angebot eines MKT sein. Oder was meinst Du?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Jan, es ist kaum möglich, hier Ratschläge zu geben oder einzuschätzen, ob deine Schwester so ein Angebot überhaupt in Erwägung ziehen würde. So wie du schreibst, scheinst du es aber richtig zu machen: Dich nicht aufzudrängen, aber das Signal zu geben, dass du da bist. Menschen sind ja nicht unveränderlich. Irgendwann ist sie vielleicht froh, dass du dich immer wieder zeigst und prinzipiell für sie da bist. Ansonsten meine ich, dass sie selbst Hilfe wollen muss, um sie zu akzeptieren. Ich wünsch dir alles Gute!

      Löschen
    2. Hallo Gilbert, danke für die Antwort. Ich sehe das im Prinzip auch so, habe aber immer wieder die leiste Hoffnung, irgendwo den Dreh zu finden, dass sie vielleicht wieder ein bisschen nahbarer wird. Aber - richtig - es muss von ihr aus gehen und ich werde also geduldig warten und versuchen präsent zu bleiben. Viele Grüße.

      Löschen
  44. Ich wurde auch als schizoid diagnostiziert. Ob es stimmt, weiß ich nicht, ich finde mich aber
    im Artikel und vor allem in einigen Kommentaren wieder. Vor allem finde ich da aber meinen Vater. Jahrezehntelang hatte ich weder Freunde noch Bekannte. Andere Menschen interessierten mich nur im Allgemeinen in ihrem Verhalten und ihrem Tun. Das Konzept der Freundschaft beginne ich gerade erst zu verstehen nach gefühlten tausend Jahren Einsamkeit und ich habe seit einiger Zeit einen Lebenspartner, aber getrennte Wohnungen versteht sich.
    So wie ich das schon in einem anderen Kommentar gelesen habe fehlt auch mir ein Identitätsgefühl
    und wenn ich zurückdenke waren die Projektionen und die angenommenen Verhaltensweisen von meinen Eltern lange Zeit übermächtig. Inzwischen durchschaue ich manches wenigstens und kann
    dann daran arbeiten. Doch ich bin immer noch einsam und habe auch keine Beziehung mit mir. Es
    ist immer noch so, als würde ich widerwillig das Leben von jemand anders leben.

    AntwortenLöschen
  45. Warum brauche ich private Kontakte? Beruflich kann ich es noch nachvollziehen, da verdient man Geld. Aber warum soll ich meine private Zeit in irgendwelche verblödete private Kontakte zu investieren mit den Menschen welche sich nur aus einem Grund zusammentun - weil sie auf die Bestätigung ihrer eigenen Wichtigkeit und ihrer Existenz von den anderen angewiesen sind.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Du scheinst dir da etwas zu sicher zu sein, was die Motivation anderer anbelangt. Das hat für mich einen gefährlich verurteilenden Unterton. Für manche mag das Beweggrund genug sein, meiner persönlichen Erfahrung nach haben sich freundlich gesinnte Menschen aber eher für mich interessiert, weil sie emotionalen Austausch suchen und Freude daran haben, Gleichgesinnte zu kennen. Ich finde, das lässt einen sich auf eine bestimmte Art lebendiger fühlen und bewahrt einen vom Abheben. Nachdem ich mich mit meiner besten Freundin zum Kaffeetrinken getroffen habe, bin ich in der Realität und am Boden der Tatsachen angekommen, weil ich mir wieder vor Augen geführt habe, dass es auch ganz andere Lebenswelten als die eigene gibt und sich die Welt nicht nur um meine Person dreht. Das tut einfach gut, beruhigt und befreit. Natürlich könnte ich in der Kaffeezeit etwas "Wichtigeres" tun, aber ginge es mir damit besser? Je besser ich mich fühle, desto mehr Motivation habe ich, andere Dinge anzupacken. Was wiederum Bestätigung gibt, was doch grundsätzlich ersteinmal nicht schaden kann, solange man seine Bestätigung nicht aus den falschen Quellen zieht oder eingebildet wird. Es ist schön, zu wissen, dass es jemanden gibt, der dich schätzt, dem du sympathisch bist und dem du Freude machst, unabhängig davon, ob du dich schon selber schätzt oder nicht. Schon an jemanden zu denken, der in meinen Augen ein "guter Mensch" und ein "Zugewinn für die Welt" ist, gibt mir ein Lächeln. In unsicheren Zeiten an die sehr wenigen Menschen zu denken, auf die ich mich immer verlassen kann, selbst wenn alles schieflaufen sollte, ist mir eine unglaubliche Hilfe. Letztendlich gibt es eben andere Menschen auf der Welt und man muss nicht nur mit sich selber klarkommen. Dass man das so gut wie möglich versucht, lässt sich kaum verurteilen, ist doch für beide Seiten angenehmer so.

      Löschen
  46. Vielen Dank Gilbert für deine gute Beschreibung und deine ruhige Art, im Diskussionsforum Antworten zu geben! Alles hat mir sehr geholfen. Liebe Grüße.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für dein Feedback! Ich wünsche dir alles Gute!

      Löschen
  47. http://pierfrancesconatale.blogspot.it/2014/06/schizoid-girl.html

    AntwortenLöschen
  48. Danke, vorallem... für den Hoffnungsschimmer, dass es auch einen weg daraus gibt, wenn man bereit ist , sich dem entgegen zustellen...

    AntwortenLöschen
  49. Danke für diesen Artikel! Deine persönliche Reise mit der Welt zu teilen ist ein sehr netter Zug von dir. Einiges ist mir hier klar geworden. Mein Freund wurde kürzlich als schizoid diagnostiziert, mir ist aber schon lange bewusst, dass er anders tickt, als jeder, den ich kenne. Ich weiß, dass er intelligent ist und einen ausgesprochen scharfen Verstand besitzt. Er argumentiert tadellos, zu einer Vielzahl von Themen und hat mich des Öfteren vom Gegenteil dessen überzeugt, was meine feste Überzeugung war, ohne dabei emotional geworden zu sein. Das beeindruckt mich sehr. Wenn es um Organisatorisches und Selbstdisziplin geht, scheitert er aber erstaunlicherweise auf ganzer Linie. Er ist nicht fähig, sich eine Wohnung zu suchen, für eine Klausur zu lernen, banale persönliche Aufgaben anzugehen. Er schafft sein (zweites) Studium nicht. Dabei könnte er es doch theoretisch, das weiß ich! Ihn scheint das gar nicht zu stören. Wenn ich mit ihm darüber rede, verhält er sich jedoch, als wäre es ein zu intimes Thema und wie ich es auch anstelle, ich überrolle ihn damit. Ich hüte mich natürlich davor, ihm das Gefühl zu geben, ich würde ihm Vorwürfe machen, da ich selbst sehr sensibel und verletzlich bin. Er spricht einfach nicht mit mir darüber. In manchen Dingen verstehe ich ihn mittlerweile gut, andererseits fühle ich mich oft unverstanden. Es scheint ihn an vielen Tagen nicht zu interessieren, wo ich bin und was ich tue. Manchmal redet er geradezu unpersönlich mit mir und wird mir eigenartig fremd. Ich muss zugeben, es belastet mich, von seiner Störung zu wissen. Kaum jemand wünscht sich einen gefühlskalten Partner, jeder möchte geliebt werden. Besonders quält mich die Frage, ob er seine Gefühle nicht angemessen zeigen, oder ob er tatsächlich nicht/sehr wenig -"abgeflacht"- fühlen kann. Damit könnte ich nicht leben. Wenn ich ihn frage, meint er, ersteres sei der Fall, aber ich zweifle leider. Er weiß genau, dass mir das Wissen um ein emotionales Band mehr bedeutet als Intellekt. Mir tut er leid und ich würde ihm gerne helfen, aus dieser Lebenslage herauszufinden. Ich kann nicht glauben, dass eine Störung wie diese, die vornehmlich in der Kindheit geprägt wurde, nicht "heilbar" sein soll. Mit dem Gegenteil des damals erlebten, s.h. Geborgenheit, Vertrauen, Stabilität, positiver Motivation, emotionaler Zuwendung. Könnte es dadurch verschwinden? Einmal habe ich ihn (unbemerkt) beim Weinen beobachtet, als er Musik gehört hat. Daran erinnere ich mich gern, ich klammere mich daran als einen Beweis seiner sensiblen Gefühlswelt, die ich mir ausmale. Seine Berührunen deuten ebenso auf zärtliche Gefühle hin, allerdings weiß ich, dass er Beziehungslektüre betreibt und solche schlicht erlernbar sind. Ich sehe an deinem Beispiel, dass sich sehr wohl etwas für dich verändert hat und du klingst für mich beileibe nicht verhärtet, kalt oder berechnend. Keinesfalls uninteressiert an Mitmenschen. Was kann ich tun? Hat dir jemand gehofen? Ich bitte um ehrliche Stimmen!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für deinen Kommentar!
      Solche "Diagnosen" sind immer heikel, weil sie suggerieren, es gäbe da diese Störung und damit ist alles gesagt. Dem ist ganz und gar nicht so. Ich schreibe hier am Anfang des Artikels ganz bewusst von "Disposition". Wichtig ist, dass wir verstehen, dass alle Persönlichkeitsmerkmale (und somit auch wirkliche Störungen) nicht nach einem dualen 1/0 oder An/Aus Prinzip funktionieren, sondern dass es sich um graduelle Merkmale handelt. Jeder z.B. ist mal traurig. Und wer zur Melancholie neigt, ist nicht gleich depressiv. Wer aber immer extrem melancholisch ist und nur traurig, mit der Folge, dass das ganze Leben unzumutbar wird, der braucht Hilfe.

      Bei mir selbst ist das Schizoide nicht so stark ausgeprägt, dass man von einer Störung sprechen würde. Wenn man wie ich so eine Veranlagung/Disposition hat, dann ist es sogar möglich, sich selbst zu verändern, die Ausprägung der Veranlagung zu mildern. Man muss nicht mal eine Therapie machen, wenn man sich selbst gut kennen lernt. Wer jedoch eine extreme Ausprägung hat, der wird sich schwer selbst helfen können und dem kann man auch nicht guten Worten und Zärtlichkeit helfen.

      Ich kann dir aber versichern, dass Gefühle da sind. Nur wann und wo und welche, das sind die Fragen. Ich bin oft auch sehr unberührt in intimen Situationen, die eigentlich Gefühle erfordern (sie werden gewissermaßen wegen Gefahr durch Überlastung und emotionelle Überforderung unterdrückt). Und ich kann in Konzerten, zu Hause allein mit Musik oder auch bei Dokumentationen extrem emotional sein.

      Vielleicht hilft dir die Lektüre der Kommentare oben, wo schon auf mögliche Hilfen eingegangen wird.

      Liebe Grüße und alles Gute!

      Löschen
  50. Hallo,

    erst mal ein großes Kompliment und auch ein großes Danke für den Artikel und die ganze Homepage. Sauge in den letzten Tagen alles auf.

    Zwar habe ich noch keine offizielle Diagnose, aber ich sehe mich auch als sehr schizoid und introvertiert an. Alles spricht dafür. Wohne viele Jahre alleine, seit über einer Dekade Single, abgesehen von der Arbeit und ein bisschen Familie nahezu kaum soziale Kontakte. Das zu ändern erscheint mir aber irgendwie gar nicht erstrebenswert. Ich hab einfach nicht den Eindruck dadurch etwas zu gewinnen.
    Stärkere Gefühle und Emotionen, egal ob allgemein als gut (liebe, Zuneigung, etc.) oder schlecht (trauer, Wut, Hass) bezeichnet empfinde ich pauschal eher als störend und sehr belastend.

    Riemann habe ich auch gelesen. Ich hatte aber eher das Gefühl das Buch liest mich, und nicht ich das Buch.

    Habe vieles erkannt und da ist auch eine großes emotionales Entwicklungsdefizit in mir. Aber mir fehlt irgendwie die Lust, das Interesse, die Motivation daran wirklich etwas zu verändern. Diese Einsicht mich verletzbar und verwundbar zu machen ist einfach nicht da ... es ist halt so ein abwägen ... ist es das wirklich Wert? Und wenn nein, was dann überhaupt? Gibt es langfristig nur das "emotionale Verhungern" das in total depressive Suizidalität führt (oder ich fange an einem Volleyball ein Gesicht aufzumalen und nenne Ihn "Wilson"!) wenn ich mich nicht öffne? Öffne ich mich, kann ich dann noch zurück, wenn ich erkenne, es war ein Fehler? Kann ich die emotionale leere nicht mit was anderem füllen und damit irgendwie das leben "rum kriegen"?

    Gerade was Riemann zu den positiven Eigenschaften schizoider genannt hat, könnte ich so in meinen Lebenslauf schreiben. Ich will davon nichts einbüßen oder verlieren, wenn ich mich verletzbar mache. Geht das überhaupt?

    Ich habe halt häufig den Eindruck das ich nicht nur den Menschen überdrüssig bin, sondern das ich dem Mensch sein überdrüssig bin ... gefangen in einer Form, in einem psychophysischen Zwang, ein soziales Wesen sein zu müssen ... auch wenn ich es eigentlich nicht sein will ... "verhungert" so meine "Seele"?

    Glücklich oder Zufrieden bin ich nicht. Ich weiß gar nicht wie es mir geht.
    Lebensfreude empfinde ich auch nicht besonders. Bin einfach nur da. Neben den genannten Punkten habe ich auch noch alle Anzeichen eines Bore-Out-Syndroms, weil mein Job mich total langweilt und unterfordert.







    AntwortenLöschen
  51. Jetzt noch einmal aufmerksamer gelesen.
    Was mich etwas verwundert an allem, ist, daß es viele Menschen gibt und geben muß, die ein Kämpfen mit sich haben. Die Schwierigkeiten können im einzelnen Fall variieren, aber die Conditio humana scheint die des Kampfs und der Schwierigkeiten zu sein.
    Bei mir ist es Angst und Depression gewesen, die weitreichend mein Leben bestimmten. "Bei anderen ist es etwas anderes".
    Ich frage mich also tatsächlich, wieso Leben so ablaufen muß?! In Meinen Augen gibt es nur eine kleine Minderheit an "Naturburschen" und "Almsennerinnen". Die meisten müssen ruppig, holzig und sperrig durchs Leben gehen.

    Nochmal danke für Deine Offenheit!
    Gerhard

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich denke, dass wir Menschen für bestimmte evolutionäre Errungenschaften bezahlen müssen, z.B. mit Rückenschmerzen für den aufrechten Gang und mit psychischen Beschwerden für ein zur Selbst- und Zeitreflexion fähiges Gehirn.

      Löschen
  52. sehr schön und einfühlsam geschrieben. danke

    AntwortenLöschen

Top 3 der meist gelesenen Artikel dieser Woche