8. Dezember 2013

Willkommen in der Entfremdung

Wenn die Beziehung zur Lebenswelt abreißt


Während meines Philosophiestudiums ging ich durch eine tiefe Krise. Ich hatte ganz plötzlich große Schwierigkeiten, mich selbst in Beziehung zu meiner Umwelt und meinen Mitmenschen zu sehen. Alles um mich herum schien mir ziemlich sinnlos und abstoßend. Ich wusste nicht mehr, was ich selbst tun konnte, um irgendwie sinnvoll an der Welt teilzuhaben.

Ich konnte auch kaum mit jemandem drüber reden, denn niemand verstand, wie es mir ging. Wurde ich doch mal gefragt wie ich das beschreiben würde, was ich erlebte, dannberlin sagte ich, dass ich mich von allen Menschen und den Objekten um mich herum vollkommen entfremdet fühlte.

Damit hatte ich zumindest ein Wort. Dieses Wort war wie der Anfang eines Fadens in einem verknoteten Knäuel. Hier konnte ich ansetzen und langsam versuchen, den Knoten zu lösen, in dem ich den Anfang des Fadens in den Fingern behielt und durch das Knäuel zog, um es zu entwirren. Der Faden, den ich so aufnahm, wurde immer länger und das Knäuel langsam kleiner. Die Dinge fingen wieder an, Sinn zu machen.


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Willkommen in der Entfremdung: Was hat diese Welt mit mir zu tun? (Foto: Vincepal via Flickr)


Entfremdung in der Moderne

Mir fiel zuerst auf, dass der Begriff der Entfremdung eine eher politisch-wirtschaftlich gefärbte Prägung in der Philosophie der westlichen Moderne hat: Kurz gesagt beschreibt der Begriff, wie die Errungenschaften der menschlichen Zivilisation sich gegen das Wohl eben dieser Zivilisation zu wenden drohten. Das ist die Geschichte von Frankensteins Monster, das als Wunder der Wissenschaft zur Bedrohung seines Erschaffers wurde. Die Schöpfung entfremdet sich vom Schöpfer und gefährdet ihn. Marx' Beispiel von der Arbeitsteilung, durch die sich die Effizienz der modernen Industrie auszeichnete, fällt da hinhein: Die von einzelnen Arbeitern geschaffenen Werkstücke, waren keine Werke mehr, sondern nur noch Fragmente. Von einem Tisch konnte ein Tischler ehemals sagen: "Das ist mein Werk." Wenn aber einer nur noch Nägel macht, der andere den Leim, der dritte eine Platte und noch einer die Tischbeine, dann geht der Sinn fürs Gesamtwerk Tisch verloren, der Arbeiter kann sich mit dem Produkt nicht identifizieren. "Der Arbeiter, der seine Arbeitskraft verkauft, produziere nicht nur für sich selbst und sei zufolge der Arbeitsteilung nur ein Glied in der Produktionskette. Das Arbeitsprodukt werde ihm entfremdet, und so entfremde er sich auch von seinen Mitmenschen. Im Geld zeige sich das entfremdete Wesen des Daseins, das die Menschen beherrsche, das diese zu allem Übel auch noch anbeteten" (aus dem von mir in 2003 angelegten Artikel Entfremdung in Wikipedia*).

Subjektivität braucht Entfremdung

Auf den ersten Blick hatte das mit meiner existentialistischen Sinnkrise nicht viel zu tun. Eher fand ich mich in Jean-Paul Sartres Verständnis einer absurden Welt wieder, die in mir einen Ekel hervorrief, weil sie mir fremd geworden war und mit mir nichts mehr zu tun hatte. Bei Heidegger gibt es diese Betonung der "Eigentlichkeit" und noch früher bei Rousseau die Idee vom Naturzustand. Das hört sich immer so an, als könnte man die eigene Entfremdung auflösen, wenn man "zu sich selbst" findet oder in Einklang mit seiner bzw. der menschlichen Natur lebt. Das aber hat mich nie überzeugt. Vielmehr verstand ich es als ein Grundmuster unserer Existenz: Die Welt, die wir uns erschaffen, wird uns fremd und feindlich. Die Philosophin Rahel Jaeggi bringt diese zwei Aspekte des Existentialistischen und des Politischen zusammen:

"Entfremdung meint die Unfähigkeit, sich die Welt anzueignen, sich zu ihr in Beziehung zu setzen. Das ist aber weniger ein Problem der Individuen als eines des Zuschnitts von Normen, Praktiken und Institutionen, der Rollenangebote und der Identifikationsmöglichkeiten. Wenn kollektive Rollenerfahrungen problematisch werden, ist es mit individueller Feinjustierung nicht getan." (Philosophie Magazin Nr. 01 / 2014, S. 65)

Das heißt natürlich auch, dass eine gewisse Entfremdung immer zum Leben gehört und dass das Aushalten dieser Entfremdung ein ganz wesentlicher Bestandteil der eigenen Identität ist. Der Kulturwissenschaftler Achim Trebeß bringt das auf die knappe Formel "Subjektivität braucht Entfremdung" (in Entfremdung und Ästhetik, Stuttgart und Weimar, 2001, S. 192). Ein Naturzustand des Menschen, in dem es keine Entfremdung gibt, das heißt in dem wir in totalem Einklang mit unserer Umwelt leben, kann es nicht geben und hat es nie gegeben. Anthropologisch gefasst könnte man sagen: Der Mensch, das entfremdete Tier.

"Es gibt den Menschen nicht jenseits der Gesellschaft, auch nicht jenseits sozialer Rollen. Und nicht jenseits dessen, was man faktisch tut. [...] Rollen sind innen und außen, sie geben mir, indem ich mich in ihnen artikuliere, überhaupt erst die Möglichkeit, zu etwas Bestimmten zu werden." (Rahel Jaeggi im Philosophie Magazin Nr. 01 / 2014, S. 64)

Was diese Auffassung so interessant macht, ist das letzte Wort des Zitats: "werden". Jaeggi begreift das Selbst des Individuums nicht als etwas statisches, dem man selbst treu sein könnte, sondern als etwas, das sich entwickelt, das "zu etwas Bestimmten" wird. Sie findet dafür den Begriff der Aneignung.

Entfremdung 2.0: Selbstverwirklichung

Wir kommen also aus den Rollen und der Fremdbestimmung durch Institutionen nicht heraus. Vielmehr besteht die Aufgabe darin, sich mit ihnen anzufreunden, sie uns anzupassen, uns ihnen anzupassen, eine Annäherung zu wagen, die zu einer Aneignung führen kann:

"Die Entfremdung besteht nicht darin, dass es überhaupt Muster sozialen Verhaltens gibt, und auch nicht darin, dass sich die Resultate meines eigenen Tuns sich in eine von mir nicht geplante Richtung entwickeln. Entfremdung besteht da, wo keine Aneignung solcher Entwicklungen stattfinden kann. Diese Störung im Verhältnis von Individuum und Welt ist der entscheidende Punkt: Einerseits bildet sich das Subjekt erst in der Aneignung und Ausbildung sozialer Praktiken: in dem, was es tut, durch seine Projekte, die Auseinandersetzung mit anderen. Doch genau in diesen Prozessen ist es auch störbar; etwa, wenn eine Rolle zu eng ist. Oder ich mir inmitten der Eigendynamik der Ereignisse die praktische Frage 'Was soll ich tun?' gar nicht mehr stelle." (Rahel Jaeggi im Philosophie Magazin Nr. 01 / 2014, S. 64)

Für Jaeggi ist dieses Verdecken und Unterlassen praktischer Fragen, die rauschende und alles übertönende "Eigendynamik der Ereignisse" ein wesentliches Merkmal von individueller Entfremdung in der Gesellschaft. Wenn wir uns dieser Eigendynamik überlassen und aufhören zu fragen, werden wir es schwer finden, uns zu uns selbst und zu den Verhältnissen, die uns bestimmen, in Beziehung zu setzen. Wir werden das spüren, wenn wir uns gehetzt fühlen, wenn uns der Sinn im Alltag abhanden kommt und wir einfach kein zufriedenstellendes Verhältnis zwischen uns und unserer Umwelt mehr herstellen können. Willkommen in der Entfremdung!

Entfremdung
von Rahel Jaeggi
Marx ist tot und seine frühindustrielle Arbeitswelt ebenso. Inzwischen ist es nicht mehr so, dass vom Arbeitenden nur noch die Hand gebraucht wird, oder irgend ein Muskel. Jetzt leben wir in einer Welt, in der viele ganz in ihrer Arbeit aufgehen, sogar freiwillig. Von anderen wird verlangt, dass sie mit Leib und Seele dabei sind. Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen zunehmend und die meisten streben nach einer Tätigkeit, in der sie sich selbst verwirklichen können. Dieses "sich selbst verwirklichen" ist offenbar ein Versuch, aus der Fremdbestimmung heraus zu treten, also der Entfremdung zu entgehen. Das "Ich selbst" als erfüllte und holistische Einheit ist jedoch eine Utopie. Weder gab es je dieses Ich, noch wird es je existieren, noch könnte ich beschreiben, was dieses Ich sein soll. Denn die Differenz zu den anderen, zu den Institutionen, also zur Gesellschaft, ist schlicht eine Voraussetzung für jedes menschliche Subjekt**. Die Idee der Selbstverwirklichung birgt in sich die Gefahr von vorangetriebener Entfremdung. Besonders dann, wenn ich selbst gar nicht mehr beschreiben kann, wie das Ergebnis einer solchen Verwirklichung aussehen soll und wenn ich diesem gesellschaftlichen Anspruch, dass man sich im Job gefälligst selbst zu verwirklichen hat, hinterherrenne und somit unter einen diffusen Druck gerate. Wie viele Menschen werden unglücklich, brennen vollkommen aus und verlieren die Beziehung zum eigenen Lebensumfeld, weil sie von solchen oft nicht erfüllbaren Ansprüchen unter Druck gesetzt werden?

"Es geht nicht darum, sich pausenlos angestrengt zu verwirklichen, sondern es geht um Erfahrungsoffenheit, Lebendigkeit, gelingende Aneignung - und das ist im Falle der Arbeitserschöpfung ganz offensichtlich nicht gegeben. Was heute als Selbstverwirklichung begriffen wird, ist eine Zumutung, ein falsches Erwartungsprofil." (Rahel Jaeggi im Philosophie Magazin Nr. 01 / 2014, S. 65)

Also, mal durchatmen, die Luft rauslassen und viere gerade sein lassen. Öffnen wir die Augen, Ohren und die Herzen: Was passiert um uns herum? Welche Gelegenheiten ergeben sich? Wie gut gehts mir, wo ich bin? Was könnte besser sein und was ist dazu nötig? Wo will ich hin und mit wem? Was sind die Anknüpfungspunkte mit anderen, die ich mag, mit Ideen, die mir entgegenkommen oder mit Tätigkeiten, die mir liegen? Das sind praktische Fragen, mit denen wir den Faden aufnehmen können, anstatt nur angstvoll auf das Knäuel von Fremdbestimmung und verwirrenden Umständen zu starren.


*Dieser Artikel ist aus einer Arbeit bei Volker Gerhardt an der Humboldt Universität entstanden, die ich unter dem Eindruck meiner psychologischen Krise geschrieben hatte. Es ist interessant zu sehen, wie sich so ein Artikel durch die Mitwirkung vieler anderer Autoren, die zum teil harsch urteilen und umschreiben, über zehn Jahre hinweg entwickelt. Ein ganz eigenes Beispiel dafür, wie sich ein Werk von einem Autor entfremdet.

**Es ist interessant, wie die Sprache hier schon immer mitgedacht hat: Subjekt heißt übersetzt das Unterworfene. So wie auch im Wort Individuum schon zum Ausdruck kommt, dass es etwas von der Umwelt abgetrenntes und unteilbares ist. In beiden Wörtern schwingt also die Entfremdung immer schon mit.

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Kommentare:

  1. Sehr schön beschrieben, und Jaeggis Artikel muss ich mir mal irgendwo besorgen.

    Ergänzend noch ein paar unordentliche Gedanken:

    Das Problem aktueller Entfremdung entsteht sicher auch daraus, dass der Einzelne heute trotz zunehmender Selbstverwirklichungsmöglichkeiten immer rascher innerhalb der kulturellen Nische, in der er sich eingerichtet hat (und die Arbeit ist ein Teil davon) von den Entwicklungen und neuen Vokabularen abgehängt wird. Wie immer man ein "Ich" ausdifferenzieren möchte, eine der allen Ichs gemeinsamen Grundbestimmtheiten ist eine gewisse (evolutionsbasierte?) Trägheit. Die führt dazu, dass das von Jean Améry so genannte kulturelle Altern, das "die Welt nicht mehr verstehen" immer früher einsetzt bzw. auch mehrere Male gemeistert und überwunden werden muss. Gerade in Dienstleistungsgesellschaften ist das permanent akut, man hat's sozusagen in jeder Sekunde vor Augen wie bei einer auf die Windschutzscheibe projizierten Geschwindigkeits- und Informationsanzeige.

    Pillen helfen nur bedingt, man muss sich wohl notfalls ausgewogen schizophren in einer privaten und öffentlichen Welt einrichten. Der Gedanke mag erst einmal zur Schnappatmung führen, doch genau darin liegt eine der phantastischen Möglichkeiten der Moderne, die einen nicht mehr auf lebenslange Rollen festlegt.

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    1. Danke! Tipp: Mal zu Philomag surfen und dort runter scrollen, wo man in die Ausgabe reinlesen kann. Bestimmt kann man da das Interview nachlesen.

      Das mit dem kulturellen Altern ist eine interessante Idee. Die ganze Zeit denke ich, ich bin voll auf der höhe mit Medien usw. Und dann kriege ich mit, dass niemand mehr E-Mails schreibt und auch Facebook schon wieder out ist. Geil.

      Und schon ist man wieder rausgefallen aus der Kultur.

      Sich ausgewogen schizophren in einer privaten und öffentlichen Welt einzurichten führt zu Schnappatmung? Ich dachte, das sei die einzige Möglichkeit des Umgangs in der Kultur überhaupt.

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    2. Das mit Philomag hat nicht geklappt. Aber bei Suhrkamp ist ja jetzt ihr Buch erschienen, das klingt so spannend, dass ich es mir antun werde.

      Wobei ich inzwischen am Überlegen bin, wie sinnvoll der Begriff der Entfremdung eigentlich wirklich ist. Wo will man nicht-entfremdet denn hin? Denn der Verdacht der Entfremdung heißt doch, es müsse ein nicht-entfremdetes "Ur-Irgendwie" geben, oder die Nicht-Entfremdung war schon immer Utopie. Mal sehen, ob Jaeggi da Aufklärung bietet jenseits oller Marx- oder Adorno-Phrasen.

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    3. Genau das ist ihr Punkt: Entfremdung nicht als Gegenstück zum Paradies, sondern als Unfähigkeit, sich mit der Welt zu arrangieren. Das heißt, es gibt kein nicht-entfremdet, aber ein mehr oder weniger entfremdet. Marxistisch versiert ist sie aber und das kommt immer durch, auch wenn sie selbst sich nicht als Marxistin versteht.

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  2. Was ist denn, wenn wir mit Ignoranz die Teile der Welt ausblenden, von denen wir uns komplett entfremdet fühlen und (hoffentlich) eine Nische finden, mit welcher wir uns in Beziehung setzen können.

    Haben wir uns dann durch die Ignoranz nicht noch weiter entfremdet - aber gerade dadurch einen Weg gefunden, den Fokus auf einen Teil der Gesellschaft zu legen, der uns Nahe stehen könnte?

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es in den nächsten Jahren unter Jugendlichen mehr und mehr Entfremdung gegenüber den klassischen Berufen geben wird und viele junge Menschen ihre (berufliche oder auch private?) Zukunft komplett im Internet sehen.

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    1. Ich weiß nicht, was das Ausblenden bringt. Einerseits ist es wichtig, Filter zu haben und nicht alles zur Kenntnis zu nehmen. Auf der anderen Seite spricht das nicht gerade für Erfahrungsoffenheit. Rahel Jaeggi würde also deinem Ansatz hier sicher nicht folgen wollen.

      Vielleicht kann man es einfach zur Kenntnis nehmen und sich dabei im Klaren sein, dass es eine Option ist, die man aber sich selbst nicht unbedingt zu eigen machen muss. Mir ist immer ganz wichtig, dass man fremdes einfach stehen lassen kann, ohne es zu bewerten oder ein Urteil zu fällen.

      Gestern sah ich einen Beitrag über einen Deutschen, der nach Kanada ausgewandert ist und dort am äußersten Rand der Zivilisation lebt. Das kann man machen, den Fokus so sehr einengen und damit der unmittelbaren Entfremdung entgehen. Natürlich ist dann alles, was weiter weg liegt um so deutlicher von jeglicher Aneignungsmöglichkeit getrennt und mithin entfremdet.

      Schlecht ist das deshalb nicht, wenn es sich durchhalten lässt.

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  3. Ich hab das schon an verschiedenen Orten kommentiert, nun hier nochmal. :-) Die Selbstverwirklichung, zu der sich sicher viele angehalten fühlen, hat in einem ganz bestimmten Rahmen stattzufinden. Nämlich innerhalb von etwas, das wir "Karriere" nennen. Der Verbündete bei dieser Selbstverwirklichung soll nicht der Partner oder die Familie sein (was z.B. bei Selbstverwirklichung in einer Vater- oder Mutterrolle so sein könnte), sondern ausgerechnet eine Firma, im schlimmsten Fall ein Konzern, der von Systemen gelenkt ist und bei dem sich niemand mehr so recht persönlich für andere verantwortlich fühlt. Ich halte das für gefährlich.

    Ein bisschen ist das Leben doch wie das Schreiben an der Wandtafel: Man muss manchmal zwei Schritte zurück treten, um zu sehen, was man da überhaupt macht. Um sich selbst wieder zu sehen. Nur: Dafür braucht man zum einen Zeit, zum anderen auch die Bereitschaft, ein Gesamtbild zu sehen, das in Teilen stark verbesserungswürdig erscheint.

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  4. Grundvoraussetzung des Denkens - sofern es das menschliche Zusammenleben im weitesten Sinne betrifft - ist die "Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion".

    Macht oder Konkurrenz

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    1. Da würde mich eine Abstimmung über das Verständnis des Aphorismus interessieren: Ist das nun Pro oder Contra Religion?

      Grundvoraussetzung des Schreibens - sofern es den Anspruch auf Verständlichkeit erhebt - ist die Befreiung aus der Unklarheit.

      Wenn es religionskritisch gemeint ist, müssen Sie's unbedingt mal erklären, wie man zu diesem Verständnis gelangt. Und was es mit dem Thema zu tun hat sowieso.

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  5. Betrachtet man jedoch das Wort „Entfremdung“ einmal aus eine anderen Perspektive, kann es jedoch genau das Gegenteil bedeuten, nämlich der Prozess zum nicht mehr fremd fühlen. Durch die genaue Beschäftigung mit den Dingen, die einem fremd oder absurd erscheinen (und in meiner Welt sind das sehr, sehr viele) lernt man zumindest sich selbst recht gut kennen und bewahrt sich auch einen analytischen und hinterfragenden Blick auf die Welt. Kennt man die Aspekte oder Punkte, die einen selbst befremden oder sogar abstoßen, kann man sich auf die lange Suche nach ähnlich denkenden oder fühlenden Menschen machen. Dadurch verschwindet die Absurdität natürlich nicht, aber zumindest fühlt man sich nicht mehr so allein mit seiner Sicht auf die Dinge und kann gegenseitig von den gemachten Erfahrungen profitieren. Grundsätzlich ist es auf jeden Fall gut sich, diese Fremdperspektive zu bewahren. Abhängig davon in welchem Maßstab die Entfremdung stattfindet, bieten da sicherlich bikulturelle Erfahrungen einen Vorteil, die man entweder durch längere Auslandsaufenthalte sammeln kann oder wenn man eben in zwei oder mehr Kulturkreisen aufwächst bzw. lebt.

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