29. Januar 2017

Die Unmöglichkeit der Liebe mit Kind

Genervte Eltern im Baby-Clash

"Wir verstehen plötzlich,
dass das Leben ganz buchstäblich
von der Fähigkeit zu lieben abhängt."
(Alain de Botton)

Mein Sohn ist jetzt ein halbes Jahr alt. Er hat mein Leben in vielerlei Hinsicht verändert. Erstaunlich ist dabei, wie so ein kleiner und unfertiger Mensch meine Beziehungen zu meinen Eltern, Schwiegereltern und vor allem zu meiner Frau verändert hat. Zu den Veränderungen, Kämpfen und Zerwürfnissen zwischen Liebenden, wenn sie Eltern werden, komme ich gleich.

Ausschnitt aus Lebenslauf von Adi Holzer

22. Januar 2017

Die Zukunft: ertragen oder erkämpfen?

Jean-Luc Nancy: Der Mensch ist nur noch eine Frage

Ich beginne mit einer Platitude: Wir leben in einer Zeit der Umbrüche! Wir spüren, dass vieles zu Ende geht, seien es die fossilen Rohstoffe und die Belastbarkeit unseres Planeten, seien es die Demokratien und die soziale Marktwirtschaft, wie wir sie kennen, sei es die Vorherrschaft des Westens und des weißen Mannes oder sei es das Zeitalter der Aufklärung, das es immer nur in einer Tendenz gegeben hat, die sich nun aber immer öfter umzukehren scheint. Die gute Nachricht ist, dass es solche Zeiten immer gegeben hat, zum Beispiel mit dem Ende der Antike, des Römischen Reiches, der Renaissance und des Feudalismus. Die schlechte Nachricht ist, dass solche Umruchzeiten lang genug dauern, um ganzen Generationen das Leben übermäßig schwer zu machen. Ja, sogar die Erkenntnis, dass da etwas Neues angebrochen war, war oft nur einige Generationen später zu haben.

Jean-Luc Nancy, (Foto von Georges Seguin (Okki) - CC BY-SA 3.0)

13. Januar 2017

Mehr Melancholie wagen!

Die Rehabilitierung eines guten Gefühls von Michael Kauberger

Von Michael Kauberger, studierter Philosoph aus Wiesbaden, ist gerade das Buch Melancholisch und stolz darauf: Kein Glück ohne Schwermut erschienen. In folgendem Artikel geht Kauberger auf die für uns unverzichtbaren Aspekte der Melancholie ein, erklärt, warum wir zu ihr stehen sollten und bricht mit den typischen Vorurteilen gegenüber Melancholikern.

Ist der Melancholiker einfach eine Spaßbremse?

"Ich bin Ich" lautet der Schlachtruf unserer Spaß- und Konsumgesellschaft. Er steht als Sinnbild für eine tautologisch individualistische Scheinoriginalität: Jeder will "Ich" sein. Um ein starkes "Ich" zusammenzustellen, bedarf es allerlei: Neben den typischen "Mein Haus, mein Auto, mein Boot"-Besitztümern gehören ein durch Ellenbogeneinsatz erkämpfter, oberer Platz auf der beruflichen Hierarchieleiter oder zumindest eine klare Perspektive in diese Richtung genauso wie ein gewisser Lifestyle aus Partys und albernem Posen für Selfies in den sozialen Netzwerken dazu.

Melancholiker widersetzen sich diesem Zeitgeist. Beim rücksichtslosen Wettbewerb um die Karrierespitze scheitern sie aufgrund innerer Zweifel meist kläglich oder treten erst gar nicht zu ihm an. Statt auf die blinde Aneignung von immer mehr Besitz setzen sie gerne auf Bescheidenheit. Und auf Partys und angesagten Massenevents sieht man sie vergleichsweise selten bis gar nicht. Aufgrund des letzten Punkts werden sie häufig als "Spaßbremsen" bezeichnet, schlimmstenfalls werden sie sogar als Kranke fehldiagnostiziert, denen es offensichtlich an Unbeschwertheit und Lebensfreude fehle.

8. Januar 2017

Das Geräusch der Stille

Gibt es noch irgendwo Freiheit vom Lärm?

"Es ist unser Recht per Geburt,
ruhig und ungestört den Lauten
der Natur zu lauschen und ihnen
den Sinn zu entnehmen,
den sie uns erschließen."
(Gordon Hempton)

Wie hört es sich an, wenn Schnee fällt und niemand in der Nähe ist? Erinnert ihr euch an den Sound des Sommerwinds im Gras? Oder das Rauschen der Blätter im Herbstwald? Und wer sehnt sich nicht manchmal nach Stille, richtiger Stille – etwas Raum und Zeit ohne Familie, Kollegen, Nachbarn, Verkehr, Werbung oder Radio und Fernseher? Für mich ist die Sehnsucht nach Stille so etwas wie ein metaphysischer Durst. Stille nährt nicht wie Wasser und Luft meinen Körper, sondern sorgt dafür, dass mein Geist gesund bleibt. Auf der Suche nach Stille treibt es mich zum Beispiel in die Wälder und an die Seen im Nordosten Europas. Manchmal muss ich dann tatsächlich ins Wasser und untertauchen, um überhaupt so etwas wie Stille zu finden. Denn immer öfter fällt mir auf, dass wir keine Orte mehr haben, an denen wir für längere Zeit keinen Lärm hören. Selbst im dünn besiedelten Nordosten Deutschlands gibt es nur weniger Wälder, in denen man nicht den Verkehr auf der nächsten Landstraße oder Autobahn hört. Oder die Traktoren und Mähdrescher, die ein Feld bewirtschafteten. Mindestens aber hört man alle paar Minuten ein Flugzeug, dass über unsere Köpfe hinweg den nächsten Flugplatz ansteuert. Wo gibt es noch Stille? Ja, was überhaupt ist Stille?

Ein Moment der Stille im Wald (Foto: Gilbert Dietrich, CC BY-SA 4.0)

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