2. Oktober 2015

10 Gründe, warum Facebook schlecht für uns ist

Es gibt immer genug Rumgeheule über die heutige Zeit, die Medien, die Jugend und warum alles immer schlechter wird. Heute ist es das Internet, früher war es das Fernsehen, davor das Theater, der Roman und ganz früher die Schrift überhaupt. Ich halte das für blöden Kulturpessimismus, der die wahren Entwicklungen der Menschheit verkennt und sich nach einem besseren Früher sehnt, das es nie gab.

Wir erleben die Welt nur noch für den sozialen Wettbewerb auf Facebook (Bild gemeinfrei unter CC0)

Dennoch gibt es Dinge, die genuin schlecht sind. Dinge, denen ich nichts gutes abgewinnen kann und von denen ich jedem abrate, der es hören möchte: Facebook ist solch ein Phänomen. Ich halte das Internet und auch die meisten sozialen Netzwerke für eine Revolution und eine riesengroße kulturelle Leistung mit positivem Potential. Mit Ausnahme von Facebook. Das ist einfach nur schlecht für uns und hier sind die Gründe:

  1. Facebook befeuert eine Wettbewerbs- und Neid-Kultur und macht damit viele Leute unglücklich. Studien aus den USA und Belgien zeigten ganz klar, dass die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben proportional zur Nutzung von Facebook abnimmt.* Der naheliegende Grund ist, dass man auf Facebook neben den ganzen selbstgerechten Aufregerthemen und den verblödeten Verschwörungstheorien (siehe 5.) vor allem das angeblich so tolle Leben der anderen sieht: Tolles Baby, tolles Auto, toller Garten, toller Urlaub, tolle Katze, toller Hund. Was man aber nicht sieht, ist das wirkliche Leben, der Stress, der hinter all dem steht, die Verschuldung, die Zerwürfnisse. Es entsteht ein falsches Bild des Glücks der Anderen und wenn wir uns daran messen, fühlen wir uns schlecht und zu kurz gekommen.
  2. Facebook bringt uns um die wirklichen Erfahrungen im Leben, weil alle nur noch dabei sind, jeden Augenblick zu fotografieren, anstatt ihn zu leben. Denken wir an all die Baby-, Landschafts-, Tier-, und Party-Fotos. Ein jeder dieser festgehaltenen Augenblicke bedeutet, dass er weniger erlebt wurde, weil jemand statt auf das Geschehen direkt zu blicken auf einen kleinen Bildschirm geschaut und geklickt hat. Übrigens kennen auch Baby, Hund und Katze die Rückseite unseres Handy bald besser, als unser Gesicht. 
  3. Facebook stresst uns, weil wir ständig Angst haben, etwas zu verpassen. Wo ist die Leere hin und die Stille? Wir können heute nicht mal mehr auf einen Bus warten, ohne unser Gehirn mit sinnlosem Blödsinn aus dem Netz zu füllen. Dabei täte es uns gut, mal den Kopf frei zu bekommen und einfach nur in die Gegend zu schauen und durchzuatmen. All diese "Information", die ständig auf uns einströmt, setzt sich in den Ritzen unseres Bewusstseins fest und führt zum Gedankeninfarkt.
  4. Facebook macht doof, weil es dazu einlädt, einfach nur den Daumen hoch zu klicken oder einen kurzen, undurchdachten Kommentar zu hinterlassen. Siehe auch verblödete Verschwörungstheorien und selbstgerechte Aufregerthemen in Punkt 1: Die Kontexte auf Facebook sind so beschnitten und daher so wenig gehaltvoll, weil keiner mehr einen längeren Text lesen kann. Wie auch, man hat ja gar keine Zeit, wenn die ganze Timeline abarbeiten muss. Und das muss man, denn sonst setzt die Angst ein, die Angst, etwas zu verpassen (siehe auch Punkt 3). Auf Englisch gibt es dazu schon ein Wort: Fomo (fear of missing out).
  5. Facebook führt uns systematisch in die Irre, denn es bestätigt zunehmend unsere eigene Sichtweise auf die Dinge. Alles Kontroverse wird aus unserem personalisierten Netzwerk herausgefiltert. Die Algorithmen lernen, was wir mögen, welchen Aussagen wir zustimmen und mit welchen Leuten wir am stärksten interagieren. Das führt dazu, dass uns verstärkt die Sachen angezeigt werden, die wir ohnehin denken. Wir haben so immer weniger die Gelegenheit, neues zu lernen oder unsere eigenen Sichtweisen zu hinterfragen. Wir werden systematisch in eine Form der Idiotie getrieben, unsere Welt verengt sich, Diversität und Meinungsverschiedenheiten werden zugunsten eines falschen Konsens unterdrückt. Facebook ist absichtlich auf die Verkürzung unserer Gedanken, Gefühle und Erlebnisse zugeschnitten.
  6. Facebook frisst unsere Lebenszeit. Es ist auch eine große intellektuelle Katastrophe, wenn man bedenkt, wie viele Bücher nicht gelesen werden, wie viele Gedanken nicht mehr gedacht werden, wie viele tolle Filme nicht gesehen werden, wie viele Gedichte oder Artikel nicht mehr geschrieben werden, weil alle völlig unsinnig Stunden lang auf ihr Handy glotzen.
  7. Facebook macht uns passiv, weil das meiste dort von uns nicht beeinflussbar ist. Wir können es nur zur Kenntnis nehmen, aber nichts daran ändern. Ständige Updates über Dinge, die wir nicht ändern können, lassen uns abstumpfen. Man nennt das erlernte Hilflosigkeit.  
  8. Facebook zensiert verschiedene Inhalte und Links. Manch harmlose und nützliche Website kann nicht verlinkt werden und Facebook schreckt Nutzer ab, manchen Links zu folgen, weil sie angeblich gefährlich sind. Facebook wird zum Netz im Netz. Die Facebook-Zensur ist nicht nur prinzipiell ein Unding, es ist für die nicht-amerikanische Welt auch nicht nachvollziehbar, warum wirklich verfassungsfeindliche Gruppen ihre Plattformen dort unterhalten können und "besorgte Bürger" gegen Andersdenkende hetzen dürfen, während harmlose Inhalte und Bilder schnell zensiert werden.
  9. Facebook erhebt privateste Informationen zu Konsumzwecken, verkauft und verwertet sie ohne unsere Mitbestimmung. Und wir lassen das zu? Wo wir uns sonst wegen jedem Datenskandal in die Hose machen? Wir lassen es nicht nur zu, wir füttern die Maschine freiwillig. Sind wir denn von allen guten Geistern verlassen? Übrigens gehen auch die Rechte an Medien wie Bilder, die wir dort hochladen, an Facebook über.
  10. Facebook ist die nächste Werbeplattform, die diese Welt noch gebraucht hat. Nicht genug, dass Google das Internet erst erschlossen und dann kaputt gemacht hat. Jetzt muss auch noch jeder letzte persönliche Winkel mit Werbung zugepflastert werden. Wir haben es ja nicht anders verdient, denn wir wollen nichts mehr bezahlen. Also zahlen wir mit unserer geistigen Gesundheit und mit dem Geld, mit dem wir uns die tausend Dinge kaufen, die wir nicht brauchen.

Natürlich lebe ich selbst eine Doppelmoral hier. Vor ziemlich genau 9 Jahren erstellte ich mein privates Facebook-Profile und ich liebte es. Vor ungefähr drei Jahren stellte ich fest, wie viel sinnlose Zeit ich dort verbrachte und stellte mein privates Profil ein. Das Profil von Geist und Gegenwart ließ ich jedoch aktiv weiterlaufen, denn von dort kommen wirklich die meisten Leser auf meinen Blog. Die Schattenseite: Besucher die von Facebook kommen, bleiben im Schnitt nur 1 Minute und 43 Sekunden auf Geist und Gegenwart und haben die höchste Absprungrate (schließen die Seite ohne weitere Navigation). Was bitte, kann man denn in unter zwei Minuten Lesen? Besucher die von anderen Sozialen Netzwerken oder inhaltlichen Seiten kommen, bleiben dagegen durchschnittlich über vier Minuten. Sind Facebook-Leser vielleicht nach den ganzen Updates im Sekundentakt einfach nicht mehr in der Stimmung zu lesen?

Inaktives Profil mit Link zu Geist und Gegenwart

Ich habe mich also entschieden, keine Zeit auf Facebook zu verschwenden und mir die Freude am Leben nicht vom dort stattfindenden sozialen Wettbewerb nehmen zu lassen. Auf der anderen Seite nutze ich es als einen Weg, Leser auf meine Artikel aufmerksam zu machen, ohne dabei viel Zeit aufzuwenden, sodass ich mehr Zeit zum Lesen und Schreiben habe. Gleichzeitig will ich niemanden verurteilen, der eine andere Auffassung hat und Facebook viel Gutes abgewinnen kann. Jeder soll machen, was ihr oder ihm gut tut. Aber darüber mal nachdenken, ob es wirklich gut tut, kann nicht schaden.

Sollten Sie, liebe Leser, sich von Facebook entfernen wollen und lieber über andere Kanäle interessante Artikel entdecken wollen, dann machen Sie das. Wir finden schon zu einander.



*Passive Facebook usage undermines affective well-being: Experimental and longitudinal evidence. Verduyn, Philippe; Lee, David Seungjae; Park, Jiyoung; Shablack, Holly; Orvell, Ariana; Bayer, Joseph; Ybarra, Oscar; Jonides, John; Kross, Ethan. Journal of Experimental Psychology: General, Vol 144(2), Apr 2015, 480-488. American Psychological Association

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Kommentare:

  1. Also das der klassische FB-Nutzer nicht länger hier verweilen mag ist doch sehr leicht zu erklären. Wer viel auf FB Infos konsumiert bekommt viele kleine Häppchen, am liebsten mit markanten aufreisserischen Überschriften damit draufgeklickt wird.Wer dann von FB hier landet sieht sich plötzlich mit einem Text in der Größe seines FB Tagesvolumens konfrontiert. Und das schlimmste; Man sollte das Ganze auch noch lesen, und noch schlimmer, verstehen, und die Höchststrafe, darüber nachdenken! Und dann handeln. Das geht nicht nach jahrelangem FB-Konsum......also schnell wieder weg hier! Geballtes Wissen , nee, geht gar nicht! PS Mir gefällt diese Seite hier. Ich denke wir sehen uns wieder!

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    1. Haha, hab ich's mir doch gedacht! Danke für das Kompliment.

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    2. uiui... eben dabei ertappt, wie ich nach einem "like" button für den kommentar gesucht habe... eindeutig zeit zu handeln! merci für den artikel!

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    3. Ich habe kein FB-Account ;-) und bin gerade über 30.... hahaha

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  2. 2004! Uh, war da überhaupt schon jemand auf FB? Du warst mit einer der ersten in Deutschland, würde ich jetzt einfach mal so schreibend sagen. Das Profil dann einzustellen zeugt nach so langer Zeit von größtem Respekt.
    In großer Tiefe kann ich deiner Abhandlung auch zustimmen. Mich würde im Gegenzug mal interessieren, wie lange G+-User z. B. auf deinen Blog verbleiben. ^^

    Um zurück zum Kern der Sache zu kommen: Es ist mit diesen sozialen Medien im Prinzip immer das gleiche. Viele Menschen haben einen komischen Umgang damit, den du ja sehr gut aufgefasst hast. Diese "Fehlverhalten" bringt die genannten Konsequenzen mit sich. Ich beispielsweise nutze FB gezielt, halte es über meine Fanpage als quasi "Newsreader" offen, like seit Kurzem überhaupt nicht mehr (siehe: http://www.blog.adelhaid.de/2015/09/lieber-ein-kommentar-als-ein-like.html) und kommentiere punktueller. Ich habe innerhalb kürzester Zeit festgestellt, dass dies mir und anderen gut tut. Selbstverständlich umgehe ich damit nur eines: diese Like-Un-Kultur, aber das ist schon mal ein großer Schritt, fort von Oberflächlichkeiten.

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    1. Leser, die von G+ kommen, haben im letzten Monat durchschnittlich 9 Minuten und 20 Sekunden verweilt. Dafür sind es aber auch nur 1,5% der Nutzer aus Sozialen Netzwerken, während von FB über 83 Prozent beiträgt.

      Nee, natürlich nicht 2004! Vor 9 Jahren war 2006, oder?

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    2. Das ist mal eine Zahl! 9 Minuten... Ich rechne jetzt lieber nicht nach wie viel mehr das ist und rede mich lieber beim Kommi damit raus, dass ich gedanklich im falschen Jahr be-/gefangen war. ^^

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  3. Interessanter Artikel. Zählt nahezu haarscharf die Gründe auf, warum auch ich mich vor einiger Zeit aus Facebook zurückgezogen habe. Ich habe damals nicht nur meinen privaten FB-Account, sondern auch gleich die Seiten für mein Blog gelöscht. Traffic hin oder her. Ich fühle mich besser seither. ;)

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    1. Danke für den Kommentar! Ich habe auch schon oft überlegt, komplett auszuziehen. Aber vielleicht bin ich im Moment noch zu sehr Opportunist: Da es mir nicht schadet und anderen zu gefallen scheint, spiele ich erst mal mit. Ich finde es auch interessant, auf wie viel positive Resonanz dieser Artikel gerade beim Facebook-Publikum stieß. Wäre das nicht auch schade, wenn es dort nie angekommen wäre?

      Viele Grüße!

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    2. Ich nutze FB als Messenger, das ist für mich die nützlichste Funktion. Liebend gern würde ich es für nichts anderes verwenden, stecke aber auch in diesem Traffic-Dilemma. FB ist für Leser der beliebteste Kanal um meinen Blogs zu folgen. Leider lande ich beim Befüllen der Fanseiten auch immer wieder auf meiner privaten Timeline.

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  4. Ich werde das mal Punkt für Punkt durchgehen, aber nur grob:
    1. Facebook befeuert eine Wettbewerbs- und Neid-Kultur
    Facebook befeuert gar nichts, Facebook ist eine Internetplattform, wo Menschen und Unternehmen miteinander kommunizieren. Und wie es am normalen Markt üblich ist, versucht jedes Unternehmen an seinem eigenen Image zu arbeiten und die Menschen (Dialoggruppe) regieren und agieren darauf. Gehen Sie doch mal Samstags auf den Markt und hören Sie den Gemüseverkäufern zu. Wer hat da wohl die rotesten und saftigsten Tomaten oder die leckersten Bio-Äpfel?
    2. Facebook bringt uns um die wirklichen Erfahrungen im Leben
    Was soll das genau sein? Unterstellen Sie den Leuten, dass sie den Kontakt zur "realen" Welt verlieren? Ich weiß nicht, welche Leute Sie kennen, aber all die Menschen, die ich kenne, persönlich, nutzen Facebook & Co als Kommunikationsmedium. Sie sind weiterhin Eltern, Studenten, ArbeiterInnen / Angestellte, Hobbyfotografen, Genussmenschen .... Und nochmal: Facebook ist eine Internetplattform und die Menschen agieren und reagieren miteinander. Es wird Erfahrung ausgetauscht.
    3. Facebook stresst uns
    Vielleicht Sie, aber mich zB nicht. Ich entscheide eigenständig, wie viel Zeit ich damit verbringe oder auch nicht. Ich bin erwachsen und eigenverantwortlich. Es hat also etwas mit der individuellen Befindlichkeit zu tun oder besser gesagt, mit der eigenen Priorisierung. Der Stress, den Sie meinen, ist ein Individualstress und daher sind Pauschalisieren völlig unangebracht und auch sehr unseriös.
    4. Facebook macht dumm
    Nein, Facebook macht nicht dumm ... Nochmal: Facebook ist eine Internetplattform, auf der Menschen reagieren und agieren. Und auch diese Menschen entscheiden individuell welche Informationen für sie relevant sind oder auch nicht. Man kann also sagen: Wer vorher schon dumm war, bei dem wird sich durch die Nutzung von FB wenig ändern.
    Intellektuelle und emotionale Bildung hat nichts mit der Plattform zu tun, sondern mit den Informationen und Nachrichten, die selbst gewählt werden. Und das liegt wiederum nicht an FB sondern an den Medien, die ihre Nachrichten in den Stream schicken. Jeder FB-Nutzer kann seinen Stream individuell zusammenstellen. Wenn ich vorwiegend Nachrichten aus einer Ecke beziehe, ist die Chance groß, dass mir auch von dieser Ecke Nachrichten vorgeschlagen werden.
    Stellen Sie sich vor, sie stehen vor dem Kiosk und möchten sich eine Zeitung kaufen. Vielleicht gehören Sie zu sen Käufern, die immer die gleiche Tageszeitung konsumieren. Oder sie gehören zu jenen Käufern, die sich Nachrichten und Informationen aus mehreren Zeitungen oder sogar Magazinen beziehen. Anders funktioniert FB auch nicht. So wie sie Ihre Informationen bewusst wählen, tuts auch der User auf Facebook oder andere Soziale Medien. Die Art, welche Informationsquellen nutzen, hat nichts mit der Plattform zu tun, sondern mit dem indivduellen Bedürfnis an Information.
    5. Facebook führt uns systematisch in die Irre
    Ist das so, oder einfach nur ein persönliche Beobachtung? Ich sehe etwas anderes: Ich sehe Menschen und deren Leben aus deren Perspektive. Sie geben uns einen Einblick in ihr Leben. Noch nie war es so einfach, gesellschaftliche und politische Veränderungen aufzufangen und sie festzuhalten. Noch nie konnten wir schneller Nachrichten von der anderen Seite der Erde erhalten. Noch nie war der Zustrom an Informationen so hoch wie heute. Und noch nie war es so einfach mit anderen Kulturen in Kontakt zu treten und mit diesen Menschen zu kommunizieren.
    Es erweitert unseren Horizont und erweitert unser Denken enorm. Wir lernen Sprachen neu kennen und lernen vor allem mehr Verständnis für jene zu haben, dies nicht so gut haben. Wir sind nicht mehr nur Zuschauer von Aktionen, sondern sind mitten drin. Noch nie zu vor konnten sich Menschen so nah kommen.
    Und ja, es gibt Menschen, die dadurch verwirrt sind, aber es sind auch jene Menschen,die auch außerhalb von Facebook und Co mit vielen Herausforderungen des Lebens überfordert sind.

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  5. 6. Facebook frisst unsere Lebenszeit.
    Vor 30 Jahren hätten Sie das auch über jene gesagt, die gerne Fernsehen. Es ist eine dumme Aussage ohne Substanz. Sie nennen es eine "intellektuelle Katastrophe". Selten habe ich mehr Müll gelesen. Wissen Sie, dass es auf FB viele Gruppen und Seiten zu unterschiedlichen Themen aus Kultur und Bildung gibt?
    Ich hab neulich eine Sprachgruppe für Niederländisch auf FB gefunden und ich freu mich, dort aktiv zu werden. Ich bin Fan von 500px und anderen Fotographenseite, wie Handkunstwerk, Social Media, Marketing und natürlich Kunst. Ich hab mittels FB und CO die Möglichkeit mein Kulturverständnis neu zu definieren. Es liegt daher an mir, das reichhaltige Angebot zu nutzen - oder auch nicht.
    7. Facebook macht uns passiv
    Wieder so ein Blödsinn, der nur von jemanden kommen kann, der Online-Kommunikation nicht begriffen hat. Was uns Passiv oder Aktiv macht, liegt an uns selbst. Wenn wir vorm Fernseher sitzen und Privatfernsehen konsumieren, dann ist das eine mehr als passive Haltung. Wenn wir aber uns an Diskussionen beteiligen zB bei Nachrichtenbeiträge, dann ist das doch sehr aktiv. Wir können unterschiedlicher Meinungen sein, können aber durch die Diskussion unseren Horizont erweitern. Und das, lieber Autor, ist eine Sache, die an uns selbst liegt. Passive Menschen werden durch FB und Co nicht aktiver. Aber ohnehin aktive Menschen, kommunikative Menschen, werden das Medium auch aktiv nutzen. Ihr Problem scheint eher, dass Sie nicht verstehen, wie diese Kommunikation funktioniert.
    8. Facebook zensiert
    Das entspricht eindeutig NICHT der Wahrheit. FB hat ein Filtersystem, dass Nachrichten filtert basierend der Infos und Nachrichten, die wir ohnehin beziehen. Das bedeutet: Lese ich vorwiegend den Stream der SZ und weniger der Frankfurter Allgemeinen, dann werden Nachrichten der SZ häufiger in meinem Stream erscheinen. Das ist sehr vereinfacht. FB ist nämlich klever, es merk sich, auf welchen Seiten oder mit welchen Profilen wir am meisten interagieren.
    Außerdem bietet FB ein kleveres Tool namens Interessens- und Freundeslisten. Wir können mittels diesen Listen entscheiden, welche Informationen für uns persönlich eine größere Relevanz haben. Und diese Listenfunktion gibts bereits seit 4 Jahren. Unkenntnis über FB ist nicht dafür verantwortlich zu machen, welche Infos in unserem Stream landen.
    9. Facebook erhebt privateste Informationen zu Konsumzwecken,
    Aber das trifft auch auf Twitter, Google, Apple, Microsoft und Co zu. Bei FB wird es in den nächsten Wochen eine Veränderung geben, denn der EU-Gerichtshof hat beschlossen, dass Daten von Europäischen Nutzern nicht mehr auf amerikanische Server gespeichert und verarbeitet werden dürfen.
    Datenschutz außerhalb FB: Haben Sie vielleicht Bonuskarten? Was glauben Sie denn, was dort mit ihren persönlichen Daten passiert. Haben Sie jemals, bevor sie ein Formular für so eine Bonuskarte ausgefüllt haben, die AGB gelesen? Ich wette: Nicht!
    10. Facebook ist die nächste Werbeplattform
    Wieder nicht verstanden. FB hat über eine Milliarde Nutzer, das ist die größte Kommunikations-Plattform derzeit. FB ist keine karitative Organisation, sondern ein Unternehmen, das Gewinne erwirtschaftet. Und um Gewinne zu erwirtschaften, muss es Umsatz machen. Umsatz machen geht über zwei Wege: Mitgliedsbeiträge von den Nutzern einheben ODER Werbemöglichkeiten für Unternehmen anzubieten. Was wäre Ihnen den lieber? Twitter bietet zudem auch Werbung für Unternehmen an und auch Google macht seit Jahren nichts anderes. Sie unterstelle FB etwas, dass seit Jahren von Google und Co praktiziert wird.
    Zusammenfassend kann man sagen: Sie haben weder Ahnung von FB (kennen nicht mal den Unterschied zwischen Seite und Profil) noch von der Technik, Kommunikationsart oder gar die Menschen, die es sehr individuell nutzen. Sie sind nicht mal ein wenig auf den positiven Aspekt eingegangen nämlich Kommunikation, Information und Interaktion.
    Für mich ist Ihr Beitrag nicht mehr als das frustrierte Gewäsch und ein wenig Esoterik.

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    1. Wow, da hat aber jemand einen Kampf zu kämpfen. Warum so persönlich mit bösen Wörtern wie "Gewäsch" usw? Keiner will Ihnen Ihre Erfahrungen nehmen. Bleiben Sie locker und halten Sie Augen und Ohren offen. Esoterik ist etwas ganz anderes.

      Kleiner Hinweis am Rande: Unterschätzen Sie nicht das Medium. Es ist nicht nur Form, sondern auch Inhalt. Facebook ist nicht Fernsehen. Und natürlich sage ich immer noch dasselbe über Fernseher: Eine riesige Zeitverschwendung.

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    2. So viel sei gesagt:"Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, und wer nicht alles so "glaubt" was er irgendwo liest sondern sich mal bewußtt fragt warum bestimmte Medien etwas transportieren, der wird feststellen........ Je mehr Zeit man verbringt um aus einem riesigen Haufen unsinniger, unnötiger Werbung das für sich vermeintlich wichtige zu sondieren und aufzunehmen, desto weniger Zeit bleibtt für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Und dazu gehören definitiv nicht FB oder Fernsehen oder Smartphones!! Punkt! All diese Medien und Plattformen sind wahre Zeitdiebe da man nach Ihrer Anschaffung oder ihrem Konsum 90 % seiner Zeit damit verbringt Probleme zu lösen die man vorher nicht hatte. Wer sagt das FB als Kommunikationsplattform dient hat vermutlich noch nicht entdeckt das man mit Mobiltelephonen auch direkt jemanden anrufen kann oder wer das denn gar nicht mehr hinbekommt mit dem "miteinander sprechen" eine Textnachricht übermitteln ohne zu wissen wann der Adressat es liest, aber sie sind ja immer "ON" um ja nichts zu verpassen!! Was das für Folgen hat auf die Gesundheit, (Körperhaltung, Feinmotorik, Grobmototik, Organe, etc. kann man wunderschön sehen wenn die 5 bis 6 Jährigen Kinder bei dem Schuleignungstest eine Rolle vorwärts machen sollen......und apropos offene Augen (das bedeutet draussen an der "frischen Luft" ) wo kommen denn all diese zum adipösen Körper neigenden Mensche alle her?? Keine Zeit mehr zu kochen, oder mal gemeinsam mit den Familienmitgliedern zu Essen.......das ist der digitale Alltag, Ich bin in vielen Bereichen froh das es ein Internet gibt und das man Menschen findet die ähnlich denken und sich gegenseitig mit sinnvollen Inhalten austauschen dank www, aber bei aller Liebe,.....FB gehört eindeutig nicht dazu! Fakt ist; Es gibt immer mehr GEhirnbesitzer und immer weniger Gehirnbenutzer. Wer sich Tag für Tag Müll reinwirft ( geistige und körperliche und seelische Nahrung) der kann doch nicht ernsthaft glauben das dann am Ende etwas Anderes herauskommt!!! Ach ja. Ihr Beitrag Alexandra mit dem abschliessenden Satz zeigt sehr deutlich zu welcher Gruppe sie gehören. Und die Menschen die viel Zeit und Engagement aufbringen um darauf hin zu weisen wo die menschliche Rasse hindriftet werden Ihren Beitrag sicher gerne als Referenz heranziehen wie weit es bereits ist. Eindeutig später als 5 vor 12!

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    3. Hallo fresch62, danke für den Kommentar. Die körperlichen Begleiterscheinungen sind auf jeden Fall auch erwähnenswert! Daran habe ich gar nicht gedacht. Ich habe gehört, das Kinder heute ein sehr ausgeprägtes Reaktionsvermögen und hervorragende Finger-Koordination haben, aber Rolle vorwärts... das wird schwierig.

      Ich denke, wir sind uns alle halbwegs einig, dass Pauschalisieren immer Mist ist, aber auf der anderen Seite mal ganz gut tut, um Probleme pointiert aufzuzeigen. Ansonsten soll doch erst mal jeder für sich selbst Verantwortung übernehmen.

      Eine klare Meinung, wie "Verantwortung übernehmen" aussieht (eher weniger FB), habe ich jedenfalls.

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    4. Alexandra hat sich wirklich viel Arbeit gemacht, eine Gegenposition zu formulieren. Allerdings wird diese Arbeit ein Stück weit entwertet durch abschätzige, ja beleidigende "Einsprengsel" wie:

      "dumme Aussage ohne Substanz",
      "selten hab ich mehr Müll gelesen",
      "ein Blödsinn, der nur von jemanden kommen kann, der Online-Kommunikation nicht begriffen hat."
      "frustrierte Gewäsch" etc.

      Die Reaktion des Autors war entsprechend kurz, was eigentlich schade ist, denn einige von A. angeführten Punkte haben ja durchaus etwas für sich!

      Mich hat das erinnert an einen Text über die Verrohung von Online-Kommunikation, der mir gestern begegnete. Daraus ein Zitat:

      "Ein respektloser, unsachlicher, sprich inziviler Tonfall in Leserkommentaren hat einen negativen Einfluss auf den Leser. Vor allem dann, wenn es sich dabei um Kommentare handelt, die nicht der eigenen Meinung entsprechen. Am eindeutigsten zeigt sich die Auswirkung solcher inziviler Meinungsäußerungen auf die Emotionen des Lesers. Sowohl beim Lesen von meinungskonformen als auch von meinungsdissonanten Kommentaren führen Respektlosigkeit und Unsachlichkeit zur Bildung negativer Emotionen wie Wut, Entrüstung und Ablehnung.
      Ebenso zeigt sich, dass eine inzivile Meinungsäußerung dazu führt, dass sich der Leser gegenüber dem gegnerischen Standpunkt verschließt. Das bedeutet, dass der Leser die gegnerischen Argumente ablehnt, wenn diese in einer beleidigenden oder abschätzigen Sprache formuliert sind."

      Nun bemisst sich das, was als "inzivil" wahrgenommen wird, durchaus nach dem Umfeld. Unter einem Artikel bei der WELT oder im Heise-Forum würde Alexandras Kommentar als höchst sachlich und zivil wahrgenommen. Anders hier, wo es überhaupt nicht üblich ist, sich gegenseitig "anzukoffern" und runter zu machen, bloß weil man eine andere Meinung und Sicht der Dinge vertritt.

      Zur Sache (evtl. nehm ich das im Digital Diary mal auf): Gilbert zu unterstellen, er kenne den Unterschied zwischen Profil und Seite nicht ist tatsächlich unsinnig, da er ja beides hat bzw. hatte.

      Andrerseits stimmt auch, dass man mit einer "Seite" nicht alles machen kann, was mit einem Profil möglich ist. Wer also wie Gilbert seit Längerem nur eine Seite pflegt, kann die Entwicklungen der Profile in dieser Zeit nicht aus eigenem Erleben kennen.




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    5. Hallo Claudia,

      danke für deinen Kommentar. Lass uns auf jeden Fall den Link wissen, wenn du das Thema bei dir aufgreifst.

      Interessant, dass man das Gegenteil (Beharren auf der eigenen Meinung) erreicht, wenn man aggressiv kommuniziert. Und es stimmt: Bei Kommentaren wie Alexandras bin ich geneigt, schnell zu denken "das untermauert doch alle meine Vorurteile gegen Facebook-Lovers" obwohl ich generalisierte Vorurteile eigentlich selber gar nicht mag.

      Ich muss dabei an die wissenschaftlichen Communities denken, wo man sich auch sehr hart gegenseitig angreift... halt, nein - nicht sich gegenseitig, sondern die Argumente des anderen. Ich finde das bewundernswert und so etwas animiert mich auch, meine Argumente zu reflektieren und zu differenzieren.

      Absichtlich schenke ich Kommentaren, die mich persönlich "ankoffern" wenig Aufmerksamkeit. Wenn sie dann noch anonym sind, kommentiere ich sie in der Regel gar nicht. Und ich muss sagen, dass ich bisher sehr gut damit fahre. Trotz (oder vielleicht wegen) der bewussten Entscheidung, gänzlich anonyme Kommentare unmoderiert (sie gehen also sofort live) zuzulassen, habe ich kaum mit Trollen oder Beschimpfungen zu tun. Auf der anderen Seite ist mir wichtig, solchen Kommentatoren wie Alexandra klar zu zeigen, dass ich das auf meinem Blog nicht mag. Sowas kann gern bei der Welt hinterlassen werden.

      Beste Grüße,

      Gilbert

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  6. danke für diese aufzählung, darin finde ich sehr viel wahrheit. schlimm ist dass ein rückzug aus den "sozialen" netzwerken oft auch echte soziale rückschläge zur folge hat (so in meinem fall). und das gar nicht unbedingt selbstverschuldet oder gewollt. man bekommt schnell nicht mehr mit, was läuft, was angesagt ist, was los ist. ich laufe keinen trends hinterher, das hat mich noch nie interessiert, aber ich rede ganz einfach von veranstaltungen, konzerten, kultur, oder auch einfach aktionen oder treffen mit freunden, lange gespräche oder ehrlichen austausch. alles das, was früher einmal menschliche interaktion oder auch soziales wachstum ausgemacht hat, ist heute zu einer plattform für oberflächliche selbstdarstellung und wettbewerb verkommen. freundschaften werden heute dadurch definiert, wie gut man sich am gegenüber durch selbstvermarktung messen kann. daher verliert die gesellschaft auch schnell das interesse an jemandem wie mir, der an diesem selbstdarstellungswettbewerb nicht teilhaben möchte. und ich meinerseits verliere dass interesse an solch einer gesellschaft, die ihre wahren werte nicht mehr kennt und auch nicht sucht.
    durch meinen "sozialen rückzug" habe ich zwar nicht mehr viele freunde im echten leben und gehe nicht viel weg, jedoch habe ich das gefühl die wahren werte im leben, die einzigartigen momente und seltenen, jedoch tiefergehenden austausch als den üblichen nichtigen smalltalk, umso mehr wertschätzen zu können und dadurch einiges an reife und selbstwertschätzung gewonnen zu haben. darum kann ich ebenfalls nur jedem raten, sich wieder mehr mit sich selbst und seinen erwartungen und wünschen zu beschäftigen und sich auf die essenziellen dinge in diesem kurzen leben zu konzentrieren und nicht auf diese weise seine zeit zu verschwenden.

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    1. Umso schöner wäre es, wenn es auch abseits von Facebook die Möglichkeit gäbe, einen "Geflüchteten" wie dich online kennen zu lernen: in einem persönlichen Blog, dass du nach eigenem Gusto mit Themen von Wert füllst - und dadurch die Möglichkeit einräumst, zumindest kleine Netzwerke von Menschen zu unterhalten, die zu mehr als FB-Häppchen, Selbstdarstellung und Selbstvermarktung neigen!

      "Anonym" ist so gesehen also frustrierend und eröffnet keine Alternative zu FB.

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  7. Angefangen hat bei mir alles mit YouTube. Da war es nahe liegend, dass ich dann einfach mal auf google+ in die Welt der Sozialen Netzwerke eingetaucht bin. Auf das Forum von "Geist und Gegenwart" wurde ich so auch aufmerksam, weil jemand auf google+ einen Beitrag auf "Geist und Gegenwart" eingestellt hat. Mir hat daran gefallen, dass die Themen zum Diskutieren anregen.
    Dieses Thema, die sozialen Netzwerke, macht mich nun auch gerade nachdenklich. Wenn ich zum Beispiel auf YouTube ein interessantes Video sah, fand ich auf google+ Leute, die sich das Video auch angeschaut hatten. Das war auch mal bei Facebook so. Wie das alles zustande kommt, weiß man eigentlich im Rückblick ja nicht mehr so genau.

    Ich ertappe mich öfters dabei, dass bei mir so eine Art "Jagdinstinkt" ausbricht, wenn ich auf YouTube bin. Es ist schon so, dass der intelligente Algorhythmus meine Interessen schnell herausfindet. Und ich muss sagen: YouTube ist eine Schatzkiste. Als Leserin eines Buches zum Beispiel ging es mir oft ähnlich. Ich lese das Buch und denke: Das ist es! Da schreibt der Autor wunderschön, was ich doch eigentlich immer schon gedacht habe, aber unsicher war, dass ich da allein auf weiter Flur stehe. Oder dass der Autor es einfach in Worte bringt, die mir so kompakt und lebenserfahren nicht möglich sind. Mit dem Kommentieren war ich anfangs überaus zaghaft. Facebook fordert ja regelrecht dazu auf: "Sag etwas darüber."

    Kritisch sehe ich mich deswegen auch, weil es momentan für mich bequemer ist, weil ich bei "echten Personen" in letzter Zeit immer mehr das Gefühl hatte, dass ich mit meinen "echten Kommentaren zu echten Personen" einfach oft genervt habe. Virtuelle Kontakte sind da für mich einfacher. Ich suche dann eben woanders weiter, wenn mal ein Kommentar so sehr daneben geht von mir, dass ich denke, ja jetzt macht es auch keinen Sinn mehr, da bin ich von zu vielen Personen überstimmt, was aber selten der Fall ist, weil ich ja nicht absichtlich "herumstänkere". Ich glaube aber auch, dass ich nicht jede Reaktion auf meine Kommentare unbedingt mitbekommen muss. Manchmal komme ich dann auch erst viel später darauf zurück und finde es einfach rasend interessant, was andere Personen nicht unbedingt zu meinem Kommentar, sondern überhaupt zum Thema sagen. So wie hier jetzt. Das geht in Foren besser. Oder auf YouTube. Auf Google+ passiert es mir schon auch, dass ich einfach zu Plussen anfange, weil mir schöne Fotos gefallen oder Zitate oder nur kürzere Kommentare. Die Kontroverse fällt da dann auch eher heraus. Stimme deswegen auch mit Punkt 5 oben überein (kontrovers diskutieren kann zu kurz kommen). Das fehlt mir aber in meinem wirklichen Alltagsleben. Deswegen finde ich Google+ und YouTube gut. Ich mache mir wirklich Gedanken, spule oft mal zurück, wenn ich was berührt. Schreibe Kommentare dazu, überwiegend positiv. "Kritik" selten, aber dann so, dass ich mal "Dampf abgelassen" habe. Die Gefahr ist, wenn das Herzblut zu sehr im Spiel ist, dass ich unfair werden könnte und lasse die eine Gewitterwolke dann auch gut sein. Sich auf ein Thema total "einzuschießen" finde ich hässlich und auch kindisch, unreif. Twitter verfolge ich selten. Wenn ich kommentiere bin ich sofort im rosa Bereich. Ich habe noch nicht die Erfahrung dort, wie man besser posten kann, kommentieren kann.

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    1. Danke, Gabriele Fritz, für diesen so offenen und differenzierten Kommentar. Das ist wirklich interessant zu lesen, wie verschiedene Leute einen ganz verschiedenen Umgang haben. Das zeigt mich auch, dass nichts durchweg "schlecht" ist, sondern dass es auf den Umgang damit ankommt. Viele Grüße!

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  8. Guter Artikel. Allerdingt gibt es auch Menschen, die durchaus Facebook kontrolliert nutzen. Seitdem ich nebenher selbstständig bin, legte ich wieder ein Profil an. Ebenso das für meine Seite. Diese Plattform gibt mir die Möglichkeit mich weiter zu bilden, in Gruppen zu diskutieren mit Menschen die einfach zu weit weg sind und persönlich einfach nicht kennt. Gleichzeitig nutze ich es um mein Wissen zu teilen und mich als Selbstständige zu verbreiten. Das lustige Katzenvideo ist natürlich einfach nur Unterhaltung. Ich denke nicht unbedingt, dass Facebook schlecht für uns ist. Mit diesem Netzwerk kam jedoch auch der Wandel in der Unterhaltung....wir wollen von morgens bis abends unterhalten werden und sind nicht mehr in der Lage uns selbst zu unterhalten und zu beschäftigen. Ohne Serienstreaming etc. Bücher lesen, Freunde treffen etc ist immernoch ein wichtiger Teil meines Lebens. Und Facebook wird es mir nicht nehmen die schöne Luft beim Warten auf den Bus war zu nehmen. Beim Pferd z.b. bleibt mein Handy vier Stunden im Schrank...weil ich nicht erreichbar sein möchte. Klar für Notfälle wäre es sicherlich nicht schlecht. Aber früher ging es doch auch.
    Mit dem aufkommen dieser Sozialen Medien muss von jedem Einzelnen das Gleichgewicht gefunden und der Umgang gelernt werden. Wenn das nicht passiert, dann läuft es aus dem Ruder. Und Sozialkompetenzen werden verlernt.
    Viele Grüße Johanna

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  9. Man kann dem Artikel ja nur zustimmen, allerdings würde ich besonders die Prämisse von Kritikpunkt 2 skeptisch hinterfragen wollen. Was heißt es denn "wirkliche Erfahrungen" zu machen, was einem angeblich durch Kameras verunmöglicht wird? Wird ein Moment wirklich seines Wertes beraubt, wenn ihm ein Label oder ein bildhaftes Etikett angeheftet wird? Ist Erfahrung ohne irgendeine Form von Minimalrationalisierung überhaupt eine Erfahrung bzw. eine Erfahrung, die es wert ist erinnert oder kommuniziert zu werden?
    Ich stelle für mich persönlich zumindest fest, dass ich einige intensiv erlebte Momente mit einem kleinen Knips viel besser in meinem Gedächtnis behalten kann und sie zudem noch mit weit entfernten Freunden teilen kann.
    Allerdings kann es schon problematisch werden, wenn man gleich Lucky-Luke die Smartphone-Kamera schneller als den eigene Schatten zur Hand weiß...

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    1. Schöner Kommentar, danke sehr!

      Ich denke auch, dass es nicht unbedingt das Erleben verunmöglicht. Allerdings beobachte ich bei mir selbst (ich habe auch ohne Handy immer eine Kamera dabei), dass sich die Technik vor das Staunen schiebt. Ich mache gern gute Bilder, bin dann sehr konzentriert dabei und genieße also den eigentlichen Augenblick weniger bewusst. Stell dir Whale Watching vor, wo alle nur immer auf den perfekten Schnappschuss warten. Ich kann mir schon vorstellen, dass dann weniger "wirklich erfahren" wird, die Geräusche der Walfluken im Wasser, der Geruch von Meer, der Wind auf der Haut, die unendliche Sicht. Ich stelle bei mir fest, dass ich mich regelrecht zwingen muss, einen solchen Moment auch zu erleben. Wenn ich dabei immer Bilder mache, wirds nichts. Aber das ist vielleicht bei jedem anders.

      Viele Grüße!

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    2. Dazu fällt mir Robert Pirsigs Einteilung in einen "classical mode" und einen "romantic mode" ein in "Zen and the Art of Motorcycle Maintenance"
      (nach meiner freien Interpretation natürlich:)
      Der classical mode wäre das Rationalisierende, Symbolisch-Bedeutungshafte, das scheinbar in einem Empfindungsvakuum funktioniert; also wenn man z.B. ein Foto allein einer abstrakten Idee wegen schießt oder analysiert.
      Der romantic mode ist hingegen vollkommen auf die Vielfalt der Sinneseindrücke angewiesen und in diesem Sinn unterbindet das Geknipse und das damit verbundene implizite Sozialnetzwerk einen Zugriff auf eine Perspektive dieser Art, weil es einen in den im Alltag und Berufsleben ständig aktiven classical mode schleudert.

      meine anthropologische Spekulation dazu: Sofern man nicht ständig Rockstar, Mönch (romantic mode) oder theoretischer Mathematiker (classical mode) ist, braucht man scheinbar den Zugriff auf beide Perspektiven um nicht das Gefühl zu entwickeln die Wirklichkeit nie "wirklich" zu erfahren.

      Viele Grüße
      Rafi

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    3. Zur Erinnerung gab es eine Studie, die zeigen, dass Fotografierende schlecher erinnern:

      http://www.onmeda.de/g-psychologie/fotografieren-kann-erinnerung-stoeren-2171.html

      http://www.soundandrecording.de/stories/fotografieren-bei-konzerten-beeintraechtigt-die-erinnerung/

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  10. Hallo Rafi, hallo Gilbert. Ich denke das der Punkt mit dem fotografieren hier nicht richtig erfasst wurde in den Antworten. Der größte Faktor der dafür sorgt das die Realität von uns nicht mehr so richtig gelebt werden kann ist die Zeit! Es ist ja nicht mit dem fotografieren oder dokumentieren getan, sondern es wird gesichtet, Nachbearbeitung, hochgeladen, erläutert, und kommentiert. Somit spielt sich ein immer größer werdender Abschnitt unseres Lebens ca 60 cm vor einem Monitor statt oder beispielsweise mit einem Smartphone in der Hand. Das ist zwar auch real aber eben nur ein digitales Abbild der Realität, und was echt und was gefällt ist lässt sich immer schwieriger erkennen.

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    1. Ja, das kommt auf jeden Fall oft noch dazu. Aber öfter noch dürfte das fotografische Ergebnis des Augenblicks völlig unbeachtet im Speicher des Smartphones der Ewigkeit entgegendauern.

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  11. "Gefälscht" sollte es natürlich heissen.

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  12. Und hier mein Blogpost dazu:

    Facebook, die Wärmestube

    (Warum wird die schöne alte Tradition der Trackbacks eigentlich kaum mehr gepflegt?)

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    1. Danke für den Hinweis! Habe dort nun auch einen Kommentar hinterlassen. Finde ich sehr schön, wie du schreibst und wie deine Leser reagieren. Sehr persönlich und offen. Toll.

      Trackbacks habe ich noch nie so genau verstanden. Hier unter den Kommentaren gibt es einen Link "Link erstellen" - ist es das?

      Übrigens kann ich mir denken, warum der Artikel hier als "neu" angezeigt wird... ich hatte gerade dieses Widget "empfohlener Artikel" installiert und dabei diesen aufgenommen. Vielleicht hat das irgend ein RSS Feeding in Gang gesetzt.

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  13. Facebook konnte ich noch nie leiden. Hatte, habe und werde niemals ein Profil dort haben. Wikipedia ist für mich 1000 mal wichtiger als Facebook. Würde Facebook gelöscht, gehackt und vernichtet wäre es mir egal. Würde mir nichts bedeuten.

    Bin mir sicher das irgendwann das große bereuen los geht ... wenn alle in 20 bis 30 Jahren an jeden Mist in Ihrem Leben ständig durch die Timeline erinnert werden ... und eben alle anderen das ganze Leben anderer Personen nachvollziehen können, ohne ihnen auch nur mal in die Augen gesehen zu haben ... real, face to face.

    Gruselig

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