29. Januar 2017

Die Unmöglichkeit der Liebe mit Kind

Genervte Eltern im Baby-Clash

"Wir verstehen plötzlich,
dass das Leben ganz buchstäblich
von der Fähigkeit zu lieben abhängt."
(Alain de Botton)

Mein Sohn ist jetzt ein halbes Jahr alt. Er hat mein Leben in vielerlei Hinsicht verändert. Erstaunlich ist dabei, wie so ein kleiner und unfertiger Mensch meine Beziehungen zu meinen Eltern, Schwiegereltern und vor allem zu meiner Frau verändert hat. Zu den Veränderungen, Kämpfen und Zerwürfnissen zwischen Liebenden, wenn sie Eltern werden, komme ich gleich.

Ausschnitt aus Lebenslauf von Adi Holzer

Zuerst will ich ein Licht auf einen völlig zu Unrecht vernachlässigten Aspekt werfen: Mit einem Kind tritt eine ganz neue Liebe in unser Leben. Mir ist das vorher nie klar gewesen, bis ich es selbst gefühlt habe: Ein Kind bringt eine neue Qualität ins Leben, die auf andere Weise nicht zu bekommen ist. Unser Konzept von Liebe ist meistens auf die romantische Liebe zwischen zwei Erwachsenen beschränkt (genau, das, was bei Eltern in der Regel kaputt geht). Dabei gibt es so viele verschiedene Arten von Liebe und die zum eigenen Kind, zum eigenen Baby zumal, ist sicher eine der intensivsten. Vielleicht ist es sogar die einzige Liebe, die es wert ist, diese Bezeichnung zu tragen.

Die vierte Liebe

Die romantische Liebe zwischen zwei Menschen ist meistens eine Suche nach dem Geliebtwerden. Bei einem Baby ist das erst einmal ausgeschlossen – die Liebe hier folgt lediglich einem einseitigen und bedingungslosen Appell der Hilflosigkeit, des Angewiesenseins auf Schutz und Versorgung und der äußersten Verletzlichkeit. Das geht so weit, dass man als neue Eltern nicht einschlafen kann, weil man auf die Atmung des Kleinen hört und sich sorgt, sie könnte verstummen. Alain de Botton meint in seinem Buch Der Lauf der Liebe, wir könnten von dieser Liebe zu unseren Kindern lernen, was es eigentlich heißt zu lieben. Die romantische Liebe mit all ihren überzogenen Erwartungshaltungen (so als wären die Liebenden zwei Babys, die von einander alles erwarten) ist weit davon entfernt, eine wahre Liebe zu sein. Babys lehren uns zu lieben, ohne etwas im Gegenzug verlangen zu können. Es ist eine dienende Liebe, wie wir sie nach dem Ausgang des Mittelalters mit seinem Liebeskonzept der Minne in unserer individualisierten Gesellschaft ansonsten nicht mehr kennen.

Diese vierte Liebe aber, nach der Liebe zu den Eltern, der Selbstliebe und der romantischen Liebe, könnte also die eigentlich Liebe sein. Sie ist eine zwingende Liebe, für die man sich einseitig entschieden hat und für die man volle Verantwortung trägt. Sie zwingt uns, dem liebenden Wesen zu dienen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten und sie ermöglicht uns eine Pause vom andauernden Versuch, unsere eigenen egoistischen Bedürfnissen zu befriedigen. Statt dessen erleben wir die einmalige Erfahrung, dass es etwas wichtigeres als uns selbst gibt, für das wir leben.

Und in der Tat habe ich mich noch nie so deutlich wie ein Glied in der Reproduktionskette der Gattung gefühlt. Ich merke, dass es plötzlich nicht mehr auf meine Gesundheit, meinen Rücken, meinen Schlaf ankommt, sondern dass ich gewissermaßen meinen Körper für die Nachkommen aufopfere. Einige Spinnen halten sich sogar als Nahrungsvorrat für ihre Sprößlinge vor... Soweit geht es bei uns nicht, aber die Richtung stimmt. Jedenfalls bin ich nun noch einmal und ganz unerwartet mit verwirrenden Liebesgefühlen konfrontiert.

Das Ende der dritten Liebe

Am meisten verwirren mich dabei die Veränderungen in der romantischen Liebe zu meiner Frau. Denn genauso, wie unser Sohn unsere Körper zu konsumieren scheint, konsumiert er auch die Liebe zwischen seinen Eltern. Wir haben uns zu einem Kind entschieden, auch weil wir sicher waren, unsere Beziehung verkraftet das und kann daran sogar wachsen. Dass sie auch daran zerbrechen könnte, hatten wir nicht erwartet. Noch nie in einer (oder unserer) Beziehung waren Auseinandersetzungen so heftig und desaströs wie jetzt, wo wir es am wenigsten gebrauchen können. Sie hält mich für faul, hilflos und egoistisch und ich finde sie super dramatisch und aggressiv. Der in Frankreich sogenannte "Baby Clash" ist nicht zu unterschätzen, denn er geht an die Substanz von ohnehin erschöpften und genervten Menschen mit chronischem Schlafmangel.

Gleichstellung ohne Vergleichbarkeit

Themen für potentielle Auseinandersetzungen gibt es eine Menge: allen voran die täglichen Haushaltsarbeiten, die fehlende Zeit füreinander und für sich selbst, fehlender Sex, Geld, die Großeltern, Arbeit und viele mehr. Bei den meisten jungen Eltern ist es aber tatsächlich die Frage, wer macht was, die für den größten Streit sorgt. Einer z.B. geht arbeiten und die andere bleibt zu Hause und kümmert sich um das Baby. Das ist bei aller Modernität in heutigen Familien immer noch das häufigste Szenario. Wenn er dann nach Hause kommt, soll er nahtlos mit der Hausarbeit weitermachen, weil die junge Mutter bis zu dieser Minute nichts anderes gemacht hat und jetzt einfach mal eine Pause braucht. Er hingegen fühlt sich mit seinem Beitrag des täglichen früh Aufstehens und abends Nachhausekommens mit all dem Stress dazwischen unterbewertet. Für ihn sieht es so aus, als müsste er nicht nur auf der Arbeit arbeiten, sondern auch zu Hause und bekäme nie eine Pause. Sie hingegen meint, dass er wohl denke, zu Hause mit dem Kleinen zu sein, hieße, auf der Couch zu entspannen und nichts könnte weiter entfernt von der Wahrheit sein.

Die moderne Erwartungshaltung ist, dass es in allen Dingen eine Gleichstellung in der Beziehung geben müsse, was im Kern eine Gleichstellung im Leiden meint. Aber [...] Leiden ist eine subjektive Wahrnehmung und es gibt zu jeder Zeit für jede Seite die Verlockung, die ernsthafte und wetteifernde Überzeugung zu entwickeln, dass er oder sie am meisten leidet..." (Alain de Botton, Der Lauf der Liebe, S. 144 der englischen Orginalausgabe)

Und tatsächlich ist das ja nicht nur in der Beziehung so, sondern überall nimmt jeder für sich ständig in Anspruch, super beschäftigt und mit allerlei Unannehmlichkeiten geschlagen zu sein. Stress zu haben, gehört bei uns schon zum guten Ton. In der Beziehung ist es nicht anders: Beide wetteifern gegeneinander, wer das schwerere Los hat.

Und genau dieses Wetteifern ist das Kernproblem, denn es verhindert das, was wir in dem Moment am nötigsten haben, um uns verstanden zu fühlen, was die Voraussetzung dafür ist, dass wir uns gegenseitig annähern und helfen: Anerkennung dessen, was man leistet, egal ob auf der Arbeit oder zu Hause. Es ist nur schwer, aus dem Kreislauf auszubrechen und nicht im Wetteifern mitzumachen, sondern den anderen für seinen Einsatz zu danken und zu loben. Warum das schwer ist? Weil das implizit als Einverständnis gewertet werden könnte, dass man selbst nicht so viel tut.

Der Fluch der Romantik

Das ganz große Missverständnis liegt jedoch darin, dass wir meinen, wir könnten eine romantische Liebesbeziehung aufrecht erhalten, obwohl es jetzt eigentlich darum geht, dass ein kleines aber logistisch komplexes Unternehmen Familie mit Haushalt, Krankheit, Schlaf, Erziehung und Bildung, Einkauf und Geld verdienen wie geschmiert läuft. Damit das alles funktioniert, braucht man keine innige Liebe, sondern eine gute Organisation mit einem kleinen Team und striktem Management. Liebe mit ihren Erwartungshaltungen von Verständnis, Intimität, Spaß und Fairness erschwert diese Unternehmung vielmehr. Schließlich führen wir Teams im Beruf ja auch möglichst ohne zu enge und komplizierte zwischenmenschliche Beziehungen. Dort muss alles auf Pragmatik geeicht sein und Pragmatik ist auch das, was eine kleine Familie am nötigsten hätte.

Die Erwartungshaltungen, die wir an die romantische Beziehung haben, sind ohnehin kaum zu befriedigen, erst Recht nicht mit einem Baby im Schlepptau. Sie sind für so viele Missverständnisse, den ganzen Frust und die enorme Enttäuschung verantwortlich, die nun das einmal so romantisch verliebte Pärchen früher oder später einholen und manchmal sogar zugrunde richten. Die romantische Liebe macht sich selbst über ihr schönstes Nebenprodukt (ein neues Leben) unmöglich.

Ich bin schon immer der Überzeugung, dass es für alles im Leben eine Zeit gibt. Jetzt scheint nicht die Zeit für eine romantische Ehe zu sein, sondern die Zeit für so etwas wie eine gereifte Funktionsehe. Das heißt ja nicht, dass die Romantik nicht zurück kommt und wenn sie wieder da ist, dann, um eine große Dimension der Vernunft bereichert. Nur muss man daran arbeiten, dass das Verschwinden der Romantik nicht die Beziehung kaputt macht. Dazu ist es wichtig, die Erwartungshaltungen gegenseitig zu managen und sich einzugestehen, dass es okay ist, wenn das Kind wichtiger als der Partner ist, wenn Schlaf wichtiger als Sex ist und das Funktionieren der Familie wichtiger als das eigene Ego.



Das passt dazu

Kommentare:

  1. Haste mal wieder sehr offen und schonungslos beleuchtet. Und obwohl ich beeindruckt bin, dass dir so eine Art Blick von außen gelingt und ich voller Neugier von diesem mir unbekannten Teil des Kebens lese, hoffe ich ganz naiv dennoch sehr, ihr findet Wege zurück zur romantischen und gleichzeitig gereiften Ehe.

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  2. Es ist halt die Frage, wie geerdet die Beziehung ist. Und auch, wie neurotisch die Ehepartner sind. In solch einer Lage müssen ja geradezu ureigenste Probleme hochpoppen.
    Vielleicht solltest Du, bevor Du nachhausekommst, Dir eine halbe Stunde Atmen gönnen. Deine Partnerin weiß ja nicht, wann Du Schluß hast. Ich würde mich in einem Park für 30 Minuten sammeln und erst dann nachhause kommen. Denn von einer Anforderung in die nächste, ohne Pause, das halte ich für fatal.

    Berichte doch bitte weiter, wie es geht :-)

    Gerhard

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  3. Also "Gleichstellung" ist das für mich nicht, wenn die draußen arbeitende Person ohne Pause zuhause weiter arbeiten soll. Ich hab' zwar kein Kind, stelle mir aber vor, dass ein viel schlafender Säugling durchaus über den Tag diverse Phasen der Entspannung zulässt.
    Ich wünsche dir, dass Ihr diese Phase meistert - Gerhards Vorschlag ist schon mal eine Idee.

    Was die "dienende Liebe" angeht: eine Schrumpform (!)davon erleben Menschen, die ein geliebtes Haustier versorgen, insbesondere, wenn es neu und jung ist, etwa eine kleine Katze. Es ist zwar insofern nicht vergleichbar, als man eine Katze auch wieder "abschaffen" kann und dieser Fakt natürlich unbewusst eine Rolle spielt. Aber man denkt nicht im Traum daran, sondern zerfließt vor liebevollem Entzücken und achtet von früh bis spät darauf, dass es dem Kätzchen gut geht und dass es die Wohnung nicht "zerlegt", sondern lernt, was es darf und was nicht.

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  4. Ich sehe das etwas anders wie Claudia. Dennoch bleibt: Freiraum in irgendeiner Form muss sein!

    Gerhard

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    1. Danke für die hilfreichen Worte und guten Wünsche von allen. Ich will nicht den Eindruck erwecken, als sei etwas zum Scheitern verurteilt. Vielmehr will ich sagen, man muss sich wenigstens vorübergehend von romantischen Vorstellungen trennen können, wenn man eine Beziehung durch dick und dünn fortführen möchte. Dazu ist die Ehe eigentlich auch da. Das merkt man, wenn man den Pfarrern oder Standesbeamten zuhört, die wenig davon reden, wie wir bis ans Lebensende zusammen Schokolade und Erdbeeren unter der Bettdecke essen werden, aber viel davon, was es heißt sich gegenseitig auf ein gemeinsames Leben zu verpflichten.

      Oder, um es mit einem meiner Lieblingsphilosophen Arnold Gehlen zu sahen: Die Liebe entfremdet sich zur Ehe, zu einer Institution. Somit finde eine Objektivierung des (Liebes-)Verhältnisses statt, die nötig sei, damit sich die Menschen eben nicht fremd werden und die Beziehung von Dauer sein kann.

      Zu der Frage, was gerecht und ausgewogen im Teilen der Bürde ist, kann ich auch zu keinem Urteil kommen, daher ja die Teilüberschrift "Gleichstellung ohne Vergleichbarkeit" – man kann die Leistungen nicht vergleichen und gegeneinander aufrechnen. Das muss man aber erst mal begreifen, schwierig...

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  5. Die Art von romantischer Liebe wie ihr sie hattet ist tot. Vielleicht kommt oder wächst eine andere Art von Liebe aber dieselbe wird es nicht mehr sein. Überflüssig zu überlegen, ob das Kind Konflikte nur offen gelegt oder verursacht hat.
    Was Du ganz richtig erkannt hast oder zum Glück so empfindest: Die Liebe zum Kind ist bedingungslos und erwartet keine Gegenleistung und keinen Dank. Bewahre dir diese Einstellung, auch wenn das Kind älter wird. Sätze wie: du bist undankbar - sie fallen sehr schnell. Und es tut weh, sie vom eigenen Partner dem Kind gegenüber geäußert zu hören.

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  6. Sehr ehrlich, aber auch ziemlich kopflastig. Mit Kindern können wir (wieder) lernen, eine Herzensverbindung aufzubauen: die natürliche Verbindung direkt von Herz zu Herz, unter Umgehung des Kopfes. Das hilft dann auch zwischen Erwachsenen.

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    1. Sicher, beides muss zusammen kommen... und noch vieles mehr.

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    2. ClaudiaBerlin (siehe oben) hat mit mir zu diesem Artikel passend einen Artikel mit dem Titel Beziehungsfalle Kind Die meisten Paare empfinden sie als Krönung ihrer Liebe. Doch allzu oft werden die Sprösslinge zur Belastungsprobe für das Glück der Eltern. Warum nur? geteilt. Danke, Claudia!

      Im Wesentlichen finde ich dort meine Gedanken bestätigt, zentral z.B. dieses Zitat:

      Die Hamburger Paartherapeutin Anke Birnbaum sagt:„Liebe hat überhaupt keine Aussagekraft, wie eine Partnerschaft verlaufen wird.“ Ihr Heidelberger Kollege Arnold Retzer, Autor der Streitschrift„Lob der Vernunftehe“, stuft die Geburt eines Kindes als „erste und zentrale Krise einer Beziehung“ ein. Er rät Paaren deshalb ganz unromantisch, sich „auf die banale Organisation des Alltags zu konzentrieren. Teamwork ist gefragt, nicht mehr.“

      So viel zu kopflastig versus Herz. Natürlich ist Liebe wichtig, wie in meinem Artikel einleitend ja deutlich gemacht. Aber in dieser Lebensphase hilft Romantik nicht.

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    3. "Teamwork ist gefragt, nicht mehr." Das ist es. Das und das tägliche Staunen über das kleine Wunder, für das ihr die Verantwortung tragt. Alles andere muss und kann warten.

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  7. "Und tatsächlich ist das ja nicht nur in der Beziehung so, sondern überall nimmt jeder für sich ständig in Anspruch, super beschäftigt und mit allerlei Unannehmlichkeiten geschlagen zu sein. Stress zu haben, gehört bei uns schon zum guten Ton. In der Beziehung ist es nicht anders: Beide wetteifern gegeneinander, wer das schwerere Los hat."

    Das stimmt. Das ist der Knackpunkt. Es sind so angeborene Eigenschaften. Vielleicht kann man Neidgefühle entwickeln oder man denkt, man müsste um das Glück ringen. Plötzlich steht man sich als Konkurrenten gegenüber. Ich habe gerade den Gedanken, dass es interessant sein könnte, wenn Ihr euch beide zusammensetzt und über diesen Knackpunkt sprecht. Aber ich bin mir wirklich auch nicht so sicher. Entweder den Focus darauf richten, aber das macht das Darüberreden auch schwierig, weil man sich gegenseitig noch mehr in dieses Problem verstrickt und gar nicht "locker" darüber spricht. Trotzdem sehe ich eine Chance, wenn das Gespräch entsteht darüber. Oder jeder für sich, sogar ganz egoistisch aufschreiben, was jetzt jeder einzelne (für sich) vom Glück erwartet. Danach diese beiden Seiten vergleichen, was dabei herausgekommen ist. Vielleicht sehen diese beiden Spalten sehr unterschiedlich aus, aber dann könnte sich ja die "Luft" vielleicht wieder klären. Wenn sich Standpunkte "verrückt" haben, kann es so ehrlicher zutage treten. Vielleicht schämt man sich und denkt, dass man zu wenig einbringt, traut sich nicht, Forderungen zu stellen. Auf dem Papier geht es einfacher oder es kommen ganz unerwartete neue Ansichten und Aussichten, von denen man vorher gegenseitig nichts wusste. Die Erwartungen könnten auseinandergelaufen sein und es wäre eine Chance, sie wieder zusammenzuführen.

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  8. "Das ganz große Missverständnis liegt jedoch darin, dass wir meinen, wir könnten eine romantische Liebesbeziehung aufrecht erhalten, obwohl es jetzt eigentlich darum geht, dass ein kleines aber logistisch komplexes Unternehmen Familie mit Haushalt, Krankheit, Schlaf, Erziehung und Bildung, Einkauf und Geld verdienen wie geschmiert läuft."

    Mit extremen Ansichten funktioniert es nicht: Die Familie ist keine Firma, aber auch kein ständiges Schweben auf Wolke 7. Um diese Überzogenheit mal zum Ausdruck zu bringen, wage ich mal eine steile These, dass ich bei dem Einfordern nach einer Liebe auf Wolke 7 eigentlich einen Vergleich anbringen kann, sich besser einen Romeo oder eine Julia zu suchen. Genauso kann man sich einen Manager oder eine Managerin suchen, wenn man eine Familie als Unternehmen denkt.

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  9. " ... meine Beziehungen zu meinen Eltern, Schwiegereltern und vor allem zu meiner Frau haben sich verändert ...".

    So kann es auch immer wieder vorkommen, dass das bei den eigenen Eltern und Schwiegereltern ähnlich war, dass sich deren eigene Ehen durch den Einfluss der Eltern und Schwiegereltern so verändert hat, dass es zu Zerwürfnissen geführt hat. Sozusagen sehe ich es so, dass sich dieses "Phänomen" in die nächste Generation einfach überträgt. Und häufig mischen zusätzlich noch die nächsten Geschwister oder Tanten und Onkel mit. Aber das ist auch wieder Ansichtssache, wie eng das Bedürfnis nach ständigen Kontakten zu den eigenen Familienangehörigen ist, wenn man bereits selbst eine Familie oder Lebensgemeinschaft gegründet hat. Mein Bedürfnis (persönlich) war nach engen Familiengeflechten aus der Sicht meines Partners zu schwach ausgeprägt. Es wird einem dann auch zusätzlich von den nächsten Angehörigen, eigentlich von allen, zu wenig Familiensinn "vorgeworfen". Eine Enge, aus der ich ausgebrochen bin, weil mein Verhalten ja doch nur ungenügsam war. Oder besser gesagt, ich suchte dazu immer den Abstand, was dazu geführt hat, dass man sich von beiden Seiten wieder getrennt hat.

    Aber natürlich gibt es Familien, wo das sehr gut gelingt, wo man sich freut auf die Zusammenkünfte aller Angehörigen "an einem Tisch". Das kann alles sehr gut zusammenpassen, nur macht es keinen Sinn, wenn einer sich überfordert fühlt und insgeheim sich nicht zugehörig fühlt. Das merkt auf Dauer auch der Partner oder die Partnerin, ja und leider auch diese Familienangehörigen. Aber gut ist immer, wenn man darüber spricht, wenn die Gespräche gelingen, so gut gelingen, dass man auch gerne sich die Zeit dafür nimmt. Es ist sehr wünschenswert für mich in diesem Zusammenhang mit dieser Geschichte, dass man zusammen bleibt.

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    1. Vielen Dank für die Kommentare! Das ist völlig richtig, drüber reden ist enorm wichtig und wahrscheinlich das, was am meisten hilft. Oder manchmal auch aufschreiben – auch das hat uns schon geholfen.

      Ich merke an allen Kommentaren, dass da viel (Mit-)Gefühl mitschwingt und dafür möchte ich mich bedanken. Ich will aber auch noch mal sagen, dass ich die hier im Artikel geschilderten Herausforderungen für absolut normal halte und keine Zweifel daran habe, dass wir das meistern werden. Die Erkenntnisse aus dem Recherchieren zum und Schreiben des Artikels und aus dem Lesen all der Kommentare sollen dabei helfen.

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