5. Mai 2017

Das Büro als Irrenhaus

Alain de Botton über Emotionale Intelligenz und Sinn

"Ein Büro ist ein Irrenhaus ohne Psychotherapeut."

Die School of Life Berlin hatte mich eingeladen, an einem Event mit Alain der Botton teilzunehmen: Emotional Intelligence at Work. Ich bin ohnehin ein langjähriger Fan von Alain de Botton und heute habe ich noch einmal ganz hautnah erlebt, warum.

Alain de Botton fragt nach dem Wahnsinn im Job (Foto: Gilbert Dietrich CC BY-SA 4.0)

Heute ging es um Emotionen am Arbeitsplatz und vor allem, wie unterentwickelt unser Verständnis vom Management unserer Mitarbeiter ist: "Geht mal zu einer Management Schule, ja sogar zur Harvard Business School", so Alain der Botton, "und fragt, ob ihr einen Kurs belegen könnt zu Angst am Arbeitsplatz, zu Streitsucht unter Kollegen oder zum Umgang mit mürrischen Vorgesetzten – man wird euch ansehen, als wärt ihr verrückt." Aber genau das ist das Verrückte, dass wir nicht lernen, wie wir mit Gefühlen am Arbeitsplatz oder wo auch immer umgehen können. Es gibt ein Tabu, wenn es um Emotionen geht, weil wir "professionell" sein wollen. Dabei seien wir – und zwar jeder von uns – viel zu kompliziert, um professionell sein zu können.

Ein Dreijähriger sollte kein Geschäftsführer sein

Arbeit richtig verstanden könnte sogar dieser Ort sein, an dem wir als Erwachsene lernen, emotional zu wachsen und bessere Menschen zu werden. Statt dessen wehren wir uns dagegen und meinen gar, dass die Arbeit als Instrument des Kapitalismus gefälligst nicht an meiner Persönlichkeit zu rühren hätte. Dabei wäre es doch gerade für Vorgesetzte gar nicht so schwer sich auch den Kollegen gegenüber zu öffnen und zum Beispiel zu sagen: "Sorry für mein Gesicht – ich bin gar nicht sauer auf irgend jemanden, sondern nur besorgt und hier ist warum..." De Botton meint, wenn jemand sich in einem Team so öffnet, bereitet das die Grundlage dafür, dass auch andere sich öffnen und eine ganz neue Vertrauenskultur ensteht. Wir alle haben einen "inneren Idioten" und dazu kann man doch auch stehen.

An dieser Stelle forderte er uns auf, uns an unseren Nachbarn zu wenden und ihm oder ihr zu beichten, warum wir hin und wieder unerträglich für unsere Kollegen sind. Ich beichtete, dass meine Mitarbeiter darunter leiden, dass ich oft nicht besonders an Details interessiert bin und diese deshalb auch öfter vergesse oder deren Wichtigkeit für meine Mitarbeiter nicht wahrnehme. Mein Nachbar meinte, er käme manchmal überempfindlich rüber, wenn andere seiner Meinung nach nicht respektvoll genug kommunizierten. An diesem Punkt habe ich mir überlegt, dass ich tatsächlich bei meinem nächsten Team (ich übernehme im Juni eine neue Position in neuer Firma) die Karten auf den Tisch legen werde.

Viele unserer automatisch ablaufenden emotionalen Reaktionen, so de Botton, werden in der Kindheit, in den ersten drei bis fünf Jahren geprägt. "Und wir sind uns doch alle einig, dass ein emotional Dreijähriger kein Geschäftsführer sein sollte." Warum also setzen wir uns nicht mit emotionaler Reife auseinander und machen uns auf den Weg als Persönlichkeiten zu wachsen? Das fange damit an zu begreifen, dass nicht alle um uns herum unsere Eltern sind und dass wir es als Erwachsene in der Hand haben, unsere Emotionen zu regulieren und auf die Situationen und Menschen um uns herum abzustimmen.

Das Kreuz mit dem Sinn

Eine andere emotionale Baustelle ist die Suche nach dem Sinn im Job. Früher war alles "einfacher": Menschen kamen zu einem Arbeitgeber und haben gesagt: Ich hungere, bitte lass mich hier arbeiten. Heute leben viele von uns in einem Umfeld, in dem nicht einmal ein hoher Verdienst noch motiviert.

"Man dachte, dass wir das Leid hinter uns gelassen haben, nachdem uns nun die grundlegenden Dinge des Lebens wie Nahrung, Kleidung und ein Dach über dem Kopf garantiert sind. Aber nein, jetzt fängt das Problem erst richtig an!"

Mit zunehmendem Reichtum nimmt der Grenznutzen des nächsten Euros oder Dollars rapide ab. Was also ist dann noch ein Motivator? Richtig: Unsere Arbeit muss einen Sinn haben und das heißt bei de Botton, sie muss entweder Freude steigern oder Leid mindern. Eben deshalb wollen Leute gern zum Beispiel eine Pension aufmachen, wo sie müden und hungrigen Leuten ein Essen und ein Bett geben können. Das ist sinnvoll, bereitet den Gästen Freude und lindert ihr Leid. Unser Wirtschaftssystem mit extremer Spezialisierung, globaler Ausdehnung und zunehmender Geschwindigkeit arbeitet jedoch genau in die entgegengesetzte Richtung: Die Sinnhaftigkeit unserer Bürotätigkeit ist unter solchen Maßstäben nicht mehr auszumachen. Die Marxisten nennen so etwas "entfremdete Arbeit".

Dabei ist der Sinn nicht verloren gegangen, er ist nur schwerer zu greifen und zu verstehen. Was kann man da machen? De Botton sagt, Manager müssen lernen, den Sinn zu vermitteln und das geht am besten über Geschichten. Die heutigen "Werte" und "Mission Statements", die mancher Arbeitgeber zu halbherzigen Zwecken wie Employer Branding auf Websites und auf Wände schreiben, erzählen keine Geschichten. Geschichten müssen schön und kunstvoll sein, um zu überzeugen (weshalb die Kirchen seit Jahrtausenden so sehr in Schrift, Musik, Malerei und Architektur investieren), sie müssen immer wieder charmant wiederholt werden, damit wir sie erinnern. Kommunikation muss liebevoll sein, um zum Mitmachen zu bewegen. Diese internen Sinnangebote der Arbeitgeber müssen heute mit professionellem Marketing konkurrieren: Sportschuhhersteller oder Automarken machen das extern weit besser, als Arbeitgeber intern für ihre Mitarbeiter.

Als Fazit könnte man sagen: nur über Emotionen wird etwas in Bewegung gesetzt, wie man heute noch im Englischen an der Verwandschaft von "motion", "motivation" und "emotion" sieht. Und ja: Wir alle können bessere Kollegen und bessere Chefs werden. Alain de Botton sagt sogar: Werden wir bessere Menschen, indem wir unsere emotionalen Konflikte, unseren inneren Idioten und unsere Grenzen eingestehen, darüber reden und wo möglich an ihnen wachsen. Wie man ein besserer Manager wird? Indem man versucht, ein besserer Mensch zu werden. The School of Life hat dazu unter de Bottons Führung eigens Programme entworfen, die in verschiedenen Modulen dabei helfen wollen. Eine gute Idee, finde ich, besonders solange alle konventionellen Management-Institute solche ganz grundlegenden Fähigkeiten vernachlässigen.



Das passt dazu:

Kommentare:

  1. Hallo Gilbert, es gibt keine Macht über das Unbewusste.
    Gedeihlichkeit will jeder, wären da nicht noch andere Motivationen.

    Als Vorgesetzter wäre ich zurückhaltend.

    Mein langer Text war weg, daher diese Kurzfassung.

    Gerhard

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    1. Mist, hat die Google-Kommentar-Maschine versagt?

      Aber Macht über das Unbewusste zu etablieren, ist doch das große Anliegen der modernen Psychologie seit Freud. Dein Diktum "es gibt keine Macht über das Unbewusste" würde diese ganze Richtung ins Nichts stürzen, wenn es stimmte.

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  2. Hallo, vielen Dank für diesen Text!
    Ich möchte noch betonen, dass es für viele Menschen und in vielen Situationen eben gar nicht einfach ist, über Emotionen zu reden. Gerade in besonders emotionalen Situationen , aber professionellem Umfeld wird versucht eine Fassade zu halten. Dies ist mit der Angst vor Abwertung und Un- oder gar Missverständnis und damit Zukunftsangst verbunden. Ein Öffnen der Vorgesetzten ist daher eher eine Basis für Vertrauen. In der Übergangszeit muss aber auch mit eben jenem Unverständnis und "Gerede" gerechnet werden.

    Ich bin ein starker Befürworter von Psychologie als Fachthema für Manager und Leitende. Solche Grundlagen zu verneinen oder nicht wahrzunehmen schadet der gesamten Führung sowie Unternehmung.
    Als Problem sehe ich aber (ebenso wie Gunter Dueck, wenn ich mich recht erinnere) das (noch fehlende) emotionale Darauf-einlassen und ehrliche Interesse.
    Das hat auch mit dem Verständnis vom Job eines Managers zu tun(vgl Dueck:richtig, wahr, natürlich). Soll ich darauf achten, das alle ihren Job richtig machen? Entwickle ich aus meinen Mitarbeitern wahre Könner? Gehe ich auf jeden persönlich, ganz natürlich ein?

    Ich persönlich sehe uns hier noch am Anfang eines schönen, aber langen Weges.

    PS: Kommentare vor dem Abschicken immer kopieren ;)!
    PPS: Hat mich gerade auch gerettet!!

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    1. Danke fürs Posten, wenn auch mit Hindernissen! Tut mir leid, dass das so buggy ist.

      Ich glaube, wir müssen auch klären (und vielleicht in jedem Kontext neu), welche Aufgaben ein Manager genau hat. Soll er die Arbeit überwachen? Seine Leute "empowern", sie weiterentwickeln, ist seine Aufgabe v.a. Kommunikation etc. Du hast Recht, der Weg vor uns ist hier und da ziemlich lang, v.a. weil diese Definitionen fehlen.

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  3. 1/3

    Alain der Botton schätze ich sehr. Habe auch einiges von Ihm gelesen und finde die School auf Life auch sehr gut.

    Allerdings denke ich, dass die „entfremdete Arbeit“ einfach Teil des Systems ist. Es mag ja einige Berufe geben die mit einer anderen Herangehensweise sinnstiftender sein können oder sich wenigstens so anfühlen aber es gibt viel mehr Bullshit-Jobs.Das System versucht sich doch krampfhaft selbst zu erhalten. Schon als damals die ersten Weberinnen die Webmaschinen kaputtgeschlagen haben, weil diese Ihnen Ihre Arbeit „weggenommen“ haben hätten wir Menschen eigentlich andere Denkweisen an den Tag legen sollen. Es geht doch immer so weiter. Es werden mehr Jobs wegfallen als neue hinzukommen. Die Jobs die übrig bleiben sind aber nur noch für hochqualifizierte Menschen gemacht und selbst diese wird es zu einem großen Teil nur geben damit eben noch ein Geldkreislauf entsteht. Für einfache bis mittelschwere Arbeit, egal ob körperlich (Roboter) oder geistig (Algorithmen) oder eben die Kombination von beidem (Industrie 4.0) wird es keine praktische Notwendigkeit mehr für menschliche Wertschöpfung geben. Natürlich wird es noch eine „romantische“ geben. Wertschätzung für Handarbeit usw. Das ist auch vollkommen legitim und sehe ich selbst auch so. Aber würden wir diese Wertschätzung und die Anerkennung der Person nur geben wenn diese von dieser Arbeit seinen Lebensunterhalt bestreitet? Oder weil dieser es gern macht, mit Lust und Leidenschaft? Wäre das Produkt seiner Arbeit emotional weniger Wert, weil er nicht gezwungen war, dieses anzufertigen? Sondern einfach weil er die Lust und die Möglichkeit dazu hatte?

    Ich finde Automatisierung sollte man deutlich beschleunigen und nicht aufhalten. In allen Bereichen. Ich finde das gut. Wenn es nach mir geht sollte das noch viel schneller gehen (Akzelerationismus usw.). Es hätte auch schon so sein können. Machen wir uns doch nichts vor: wir könnten ohne weiteres schon heute extrem viele Menschen durch Maschinen ersetzen und bald geht es weiter: Paketzusteller und Lieferdienste durch Roboter oder Drohnen. Wer braucht noch Fahrlehrer bei selbst fahrenden Autos? Wer benötigt bald überhaupt noch irgendwelche Fahrzeugführer? Busse, Schiffe, LKW, Züge, Kapitäne … Der Hamburger Containerhafen ist beispielsweise schon nahezu vollständig automatisiert. Es gibt noch unzählige andere Beispiele. Es gibt kaum einen Beruf der nicht ersetzbar ist. Aber wer gibt Geld aus wenn keiner es mehr verdient? Weder Firmen und Konzerne können ohne Gewinne und Staaten ohne Steuern existieren. Irgendwie haben wir alle so eine Angst vor uns selbst, was wir erreichen können. Dabei sind wir doch ein vernunftbegabtes Tier und können uns entwickeln. Oder doch nicht?

    Diese blinde extrem tief verwurzelte Selbstverständlichkeit einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dieses Dogma das wir schon im Kindergarten lernen: Irgendwann musst du für Geld Arbeiten gehen. Das ist es doch, das wir endlich mal grundsätzlich in Frage stellen müssen! Grundeinkommen und Bürgergeld usw. sind alles gute Ideen aber nur Übergangslösungen. Wir sollten unser Denken mal verändern, unsere Perspektive. Seit wir Jäger und Sammler waren mussten wir bis heute zwingend immer viel Zeit in unseren Selbsterhalt investieren. Wir hatten keine Wahl. Aber wir haben eben die Innovationskraft uns davon weitestgehend zu befreien wenn wir besonnen und fortschrittlich mit Automatisierung und Ressourcen umgehen. Wir haben nur so viel Angst vor dieser ganzen neuen Freiheit, weil wir uns noch so sehr mit unserer Arbeit identifizieren. Auch mit dem ganzen Geltungsdrang: Mein Haus, mein Auto, mein Boot … aber das nimmt ja eh immer mehr ab.

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    1. Ja, wir müssen uns in der Tat Gedanken machen, wie wir damit umgehen, wenn es für die meisten Menschen im Westen keine Arbeit mehr gibt. Aber es ist ja auch ein Traum, der so alt ist, wie der Kapitalismus selbst.

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  4. 2/3

    Genauso verwurzelt ist ja die Ideologie für mehr Leistung auch mehr zu bekommen. Jemand der weniger leistet als ICH soll gefälligst auch weniger bekommen. Angenommen ein Arbeitnehmer könnte durch seine Produktivität 50 anderen Menschen die Existenz sichern. Er hätte alles was er braucht und auch etwas mehr. Die 50 anderen hätten nur was sie brauchen. Der typische FDP-Wähler würde wohl sagen es ist MEINE persönliche Freiheit, dass ich die Früchte MEINER Arbeit ernte und würde das nicht akzeptieren. Warum?

    Diese Sehnsucht nach Sinn ist halt etwas viel komplexeres als nur Emotionen am Arbeitsplatz. Nahezu jeder empfindet es als bescheuert das bsp. Winterkorn umgerechnet einen Stundenlohn von zeitweisen 8.000,- Euro hatte. Warum verdienen Fußballer Millionen? Soziale Berufe wie Erzieher, Lehrer, Pfleger, Hebammen werden unterschwellig immer eher einfacheren schichten zugeordnet. Diese Berufe kosten halt nur Geld und erwirtschaften keines. Es gibt so viel tatsächlich sinnvolle Arbeit die aber gar nicht bezahlt wird, da Sie ehrenamtlich ausgeführt wird. Der Frust bei stumpfsinniger Arbeit liegt doch daran das wir alle irgendwie erkennen das diese eigentlich nicht mehr nötig wäre. Dennoch gibt es genug Leute die für genügend Geld vormittags ein Loch ausbuddeln und es nachmittags wieder zu buddeln würden. Von Montag bis Freitag. Ohne Nutzen, eben für Geld.

    Man kann ja mal versuchen einem „Sexer“ (das sind die Leute männliche Küken in der Geflügelsucht lebendig in einen Shredder werfen weil diese Tiere ökonomisch keiner braucht) seinem Job etwas narratives Motivierendes zu geben … Nein? Wohlmöglich soll der gar keine Emotionen haben … vielleicht so gewollt? Der Controller in der Zeitarbeitsfirma hat evtl. Gewissensbisse, da er ständig Leute hin und her schiebt und dann kündigt obwohl diese sehr flexibel waren und dennoch wesentlich weniger Geld erhalten als andere …. Egal, hier noch ein Boni. BÜCK DICH HOCH!

    Wer würde denn heute freiwillig auf Kühlschrank, Trockner, Waschmaschine, Staubsaugroboter, Spülmaschine, Automower verzichten? Und wenn doch, würden die meisten früher oder später immer daran denken „Verdammt, warum mach ich das wenn eine Maschine das machen könnte?“ Ist ja auch nachvollziehbar. Was in dem Beispiel für das Individuum gilt, gilt eben auch für die ganze Gesellschaft. Natürlich kann man auch eine Arbeit für sich selbst machen. Ein Stück aus Holz schnitzen, weil es eine Leidenschaft ist usw. Ggf. auch Rasen mähen oder sogar das Auto polieren. Das hat ja ggf. auch was meditatives, sich selbst vergessen in Arbeit usw. Das könnte man ja auch immer noch. Man könnte, aber man müsste nicht.

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  5. 3/3

    Aber warum haben wir so eine Angst davor nur noch zu KÖNNEN und nicht mehr zu MÜSSEN?! Das ist doch die Frage mit der wir uns mehr als je zuvor endlich mal intensiv auseinandersetzen müssen. Nicht immer wieder nine to five Kopf in den Sand … bzw. Kopf in Excel oder SAP stecken und hoffen das man selbst sein Leben irgendwie noch rum bekommt bevor der große Knall kommt. Irgendwie finde ich keinen Politiker der diese Frage mal in die Öffentlichkeit gebracht hat. Wohlmöglich weil diese eben von Steuern bezahlt werden? Hmmm … Nahezu alle Parteien oder Kräfte wollen das vorhandene immer nur erhalten und ein bisschen anders machen es aber nie komplett in Frage stellen. Selbst die Extremlinken halten immer am Proletariat fest. Kohlebergbau erhalten und so ein Blödsinn. Derzeit schafft ja (entgegengesetzt zu Marx Prophezeiung) der Kapitalismus die Arbeiterschaft ab und damit ja eigentlich sich selbst…

    Irgendwie müssten wir wieder so einen Sokrates haben, der allen mit bohrenden Zweifeln solange auf die Nerven geht bis es endlich mal Klick macht. Aber die Plutokraten dieser Welt werden auch für diesen einen Schierlingsbecher finden …
    Letztendlich hält unsere eigene Unvernunft uns in Geiselhaft und wir reden es uns irgendwie schön, wie im Stockholm-Syndrom. Identifizierung und Glorifizierung des Geiselnehmers, weil wir von Ihm abhängig sind. Würden wir Menschen global besonnen und vernünftig handeln, würden wir Wohlstand als GENUG ansehen und nicht in VIEL MEHR ALS NÖTIG, würden wir tatsächlich Technologie und Innovation zur Schaffung von Würde für alle Menschen nutzen und nicht für Profite dann würde alles zusammenbrechen. Es ist doch total bescheuert das Vernunft unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem kaputt machen würde, oder nicht? Es basiert ja auf unnötigem und übertriebenem Konsum. Vernunft können bzw. dürfen wir uns nicht leisten.

    Sorry wenn ich hier immer zu solchen Textwüsten neige, aber das sprudelt halt immer aus mir raus. Gerade in Bezug auf Arbeit könnte ich aus eigener Erfahrung Romane schreiben. Es wird so viel gelabert und romantischnaives Zeug in Besprechungen posaunt aber nichts davon umgesetzt. In vielen Jobs erlebt man im Kollegenkreis doch tagtäglich häufig als Emotion nur noch Frust, Ärger, Enttäuschung, Wut und ähnliches. Solange der Rubel rollt spielt nix anderes eine Rolle. Ändern wollen es viele gar nicht mehr, weil die sich an das Jammern gewöhnt und sich darin eingerichtet haben. Man MUSS ja arbeiten gehen, geht ja nicht anders …. Seufz (Knarre-an-den-Kopf-Emoji).


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    1. Ich musste beim Lesen nicht nur an Deichkinds "Bück dich hoch" denken, sondern auch an ihren ebenso grandiosen Song "Denken Sie groß!" Solltest du den nicht kennen, dann unbedingt anhören, denn darin liegt einiges begraben, über das du hier schreibst.

      Ich finde deine langen Kommentare gut, sprudel nur. Was mir helfen würde, wäre so eine Art "Bottom Line". Was genau ist jetzt der Punkt? Aber vielleicht gibt es ihn auch gar nicht, den einen Punkt.

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  6. "Warum haben wir Angst davor, nur noch zu KÖNNEN und nicht mehr zu MÜSSEN." Vielleicht geht die Angst weder ums KÖNNEN noch ums MÜSSEN, sondern ums NICHT-DÜRFEN.

    In vergangenen Zeiten waren die Oberschichten die Müßiggänger, die nicht gezwungen waren zu arbeiten. Heute ist es es umgekehrt. Die unteren Schichten werden arbeitslos, während die oberen Schichten sich mit zuviel Arbeit auch schon gern mal brüsten. Arbeit zu haben wird zum Privileg. Ich denke, es hat einen Grund, warum das so ist. Die oberen Schichten DÜRFEN sich in die Gestaltung der Welt noch einbringen, die unteren NICHT.

    Was soll der Einzelne denn noch tun, wenn die Maschinen alles besser können als der Mensch? Warum soll ich ein schlechtes, hartes Baguette vom Bäcker kaufen, wenn das Industrie-Baguette besser schmeckt? Warum soll ich einen handgestrickten Pullover kaufen oder auch nur anziehen, wenn der maschinengestrickte mir besser gefällt? Wenn Algorithmen in absehbarer Zeit spannendere Krimis schreiben als Fitzek, warum soll ich dann nicht lieber die lesen?

    Zur Gestaltung der Welt nach unseren Vorstellungen braucht es immer weniger Menschen, weil wir eben die Maschinen haben. Also dürfen sich immer weniger Menschen beteiligen und werden kalt gestellt. Zum Beispiel auch mit einem bedingungslosen Grundeinkommen.

    Weder das KÖNNEN noch MÜSSEN macht Angst, sondern das NICHT-DÜRFEN.

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    1. Echt gute Gedanken, vielen Dank für diesen Kommentar. Da kehrt sich etwas um. Auch interessant ist in dem Zusammenhang das das Arbeiten-Dürfen heute auch ein Fluch ist und nicht nur ein segensreiches Dürfen. Wer beklagt sich nicht parallel zum Prahlen mit seiner Arbeit? Galt das für Müßiggang auch? War er Dürfen und Fluch zugleich?

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  7. Arbeiten ist deshalb ein Fluch, weil Arbeiten meistens fremdbestimmt ist. Der Arbeiter gestaltet die Welt nicht nach seinen Wünschen, weil er seine Eigenenergie an den Inhaber der Produktionsmittel abgegeben hat. Das macht natürlich keinen Spaß, umso weniger, wenn der Arbeiter/Angestellte sich mit der Arbeit nicht identifizieren kann oder die Rahmenbedingungen ausbeuterisch sind. Wenn das nicht so wäre, würde der Einsatz von Robotern nicht funktionieren. Der funktioniert ja bloß, weil die meisten Menschen bereits fremdbestimmt arbeiten und zunächst mal froh wären, nicht arbeiten zu müssen. Trotzdem lässt die Depression nicht lange auf sich warten, wenn die Menschen durch Maschinen ersetzt und kalt gestellt werden. Dann kommt es plötzlich raus: immer noch besser, fremdbestimmt am Gestaltungsprozess der Welt teilzunehmen als gar nicht. Am glücklichsten sind die, die eigenbestimmt am Gestaltungsprozess teilnehmen dürfen.

    Depression ist die Krankheit, die bei denen verstärkt auftritt, die am Gestaltungsprozess nicht teilnehmen dürfen. Und davon haben wir in unserem Land schon eine ganze Menge. Ich müsste nachgucken, wieviel Menschen in den industrialisierten Ländern Psychopharmaka nehmen und wieviel davon Rentner sind.

    Viele Rentner tun sich auch in Vereinen zusammen und überschwemmen die Bevölkerung mit ehrenamtlicher Tätigkeit. Was aber, wenn aufgrund von Roboterisierung auch niemand mehr da ist, der ehrenamtliche Tätigkeit braucht? Das Mutter-Teresa-Dilemma: Was würde eine Mutter Teresa machen, wenn es allen Menschen gut ginge? Sie zieht ihren Selbstwert ja daraus, dass es Menschen schlecht geht. Ginge es allen Menschen gut, hätte Mutter Teresa keine Daseinseinberechtigung mehr. Nun gut, Mutter Teresa ist tot, aber das Dilemma, das sie vorgeführt hat, ist geblieben.

    Auch deshalb besteht null Interesse daran, dass die Leute gesund werden. Der kranke Mensch ist nicht nur ein bedeutender Arbeitgeber (10% arbeiten bereits im Gesundheitswesen), er ist auch für eine erhebliche Menge von Leuten Sinnstifter, die plötzlich ein sinnloses Leben hätten, wenn alle gesund wären.

    Die Adligen haben die Arbeit delegiert, aber sie haben mitnichten darauf verzichtet, die Welt zu gestalten. Unter den Adligen gab es den permanenten Wettbewerb, wer mehr Möglichkeiten zur Gestaltung und Einflußnahme hat. Interessant ist der Sonnenkönig, Ludwig XIV., der sich erdreistet hat, die Adligen beinahe vollständig zu entmachten. Das war der Anfang vom Untergang der Monarchie in Frankreich, weil die Adligen anfingen, geschlossen gegen die späteren Könige zu intrigieren. Ludwig XIV. hatte den Adel noch im Griff, aber seine Nachfolger nicht mehr.

    In einer Welt der Roboter und des bedingungslosen Grundeinkommens kann der Mensch tatsächlich tun, was er will, aber es ist niemand mehr da, der sich dafür interessiert oder das braucht. Der vollversorgte Mensch wird zur fensterlosen Monade.

    Das Industrie-Baguette aus dem Supermarkt schmeckt mir übrigens tatsächlich. Es ist nämlich gar nicht wahr, dass das mit angeblicher Liebe Handgemachte besser ist. Es ist schlechter als die Maschinenprodukte. Und was tun wir dann? Schlechtes Baguette essen, um dem Anderen einen Sinn in seinem Leben zu vermitteln? Das kann es ja wohl auch nicht sein!

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    1. Das in jedem Fall ein handgemachtes Baguette schlechter ist als ein industrielles, wage ich zu bezweifeln, aber ich neige auch dazu, Leuten zu erklären, dass sich unsere Nahrungsmittelhygiene und -sicherheit drastisch verbessert hat, seit wir industriell Nahrung herstellen. Die muss in der Tat keineswegs schlechter sein.

      "Auch deshalb besteht null Interesse daran, dass die Leute gesund werden. Der kranke Mensch ist nicht nur ein bedeutender Arbeitgeber..." Das halte ich für Blödsinn, denn niemand denkt so. Wie kommst du darauf, ohne Datenbasis solche Behauptungen aufzustellen? Hast du dazu Umfragen? Es ist vielleicht plausibel, das die Pharmaindustrie irgendwie ein Interesse am Absatz ihrer Produkte hat und deswegen auch auf kranke Menschen angewiesen ist, aber kaum eine Krankenschwester oder Arzt denkt so, denn die sind absolut überlastet und froh über jeden Menschen, der kein Patient wird.

      Dieser Gedanke, dass Arbeit eine Form des Mitgestaltens der Welt ist und dass es andere Formen gibt (siehe deine Gedanken zu Adligen), ist doch ein hoffnungsvoller Gedanke. Das hieße doch, wir brauchen keine Erwerbsarbeit für all die Leute, es gibt andere Wege, die Welt mitzugestalten. Und läuft das BGE nicht genau auf diesen Gedanken zu? Warum trauen wir uns allen nicht ebenso ein Mitgestalten zu, wie es die Adligen vor 300 Jahren hatten? Wir haben ja auch auf anderen Gebieten (Lebensstandard, Bildung, Gesundheit) etc. heute auch als Durchschnittsdeutsche bereits die Adligen von damals überflügelt. Warum also nicht auch in dieser Hinsicht? "Der vollversorgte Mensch wird zur fensterlosen Monade." ist ja bloß ein Bonmot im halbgebildeten Philosophiejargong. Dieser Satz hat keinerlei Evidenz.

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    1. 1/2

      Schöne Diskussion! :)
      Es läuft aber immer auf dasselbe Dilemma raus.

      Entweder wir erfinden etwas und stellen fest das wir damit irgendwie nicht umgehen können und daran zugrunde gehen. Also nutzen wir es nicht.
      Sind aber dann beim "nichtnutzen" ständig frustriert, weil wir ja eben etwas erfunden haben das es schneller, besser, einfacher kann usw.
      Ein Beispiel wäre die Waschmaschine. Wie bescheuert würden wir uns heute vorkommen wenn wir unsere Klamotten mühevoll über ein Waschbrett schrubben würden?
      Ne, ab in die Waschmaschine. Gut, die Waschmaschine schadet uns jetzt nicht. Wobei wir durch die zusätzliche Bewegung am Waschbrett sicher unserer Gesundheit was gutes tun würden.
      Ich habe aus dem Grund nach 8 Jahren Staubsaugroboter wieder auf konventinellen Staubsauger umgestellt. Mehr Bewegung! Abgesehen davon litt der Roboter an einer Form von "digitalen Demenz".
      Der ist nur noch sinnlos im Kreis gefahren. Die Altern wohl wie Hunde... komische Sache. Sollte man bei einer automatisierten Zukunft wohl auch beachten ;)
      Aber das ist doch ein besonnener Umgang mit Technologie, das wir Sie nutzen wie wir wollen und können. Ohne Zwang. Sonst würden wir wie im Film "Wallie" enden.
      Übergewichtig und unbeweglich in schwebenden Stühlen.

      Alternativ können wir, was die andere Seite der Medaille ist, uns selbst am erfinden hindern.
      Wir lassen es erst gar nicht zu in diese Situation zu kommen. Also wir verweigern uns selbst unsere eigene Innovationskraft.
      Das ist in etwa so wie gar nicht wissen zu wollen wir ein Zaubertrick funktioniert um eben die Illusion zu behalten.
      Das mag sogar bei vielen Menschen funktionieren. Genau diese sind in meinen Augen die ganzen dogmatischen Wirtschaftsverfechter (oder FDP-Wähler).
      "Der Mensch ist halt so!" Das passt mir halt nicht. Das klingt immer so als wenn wir als Spezies fertig sind. Zu ende entwickelt.
      Nicht mehr erweiterbar. Das ist doch ätzend. Wer will das denn?

      Man könnte meinen, das egal wie wir es anstellen, eh immer nur Mist dabei raus kommt.
      Genau das ist es ja was mich so frustriert und wo ich eben an die Vernunft im Menschen appelliere einen eben vernünftigen wenn auch nicht optimalen (den den gibt es sicher nicht) Weg aus dieser Misere zu finden.
      Sonst enden wir wirklich wie in dem Klassiger von Zager And Evans - "In The Year 2525". Quasi ein bisschen Deichkind seiner Zeit ... Leider Geil ;)

      Das BGE befürworte ich ausdrücklich. Trotzdem hat Fingerphilosoph recht, das viele daran zu Grunde gehen könnten und auch werden und an Ihrer Faulheit ersticken.
      Bier, Cola, Chips, RTL2 von morgens bis abends. Gibts auch heute schon. Aber das ist eben dennoch eine Minderheit.
      Ein größerer Teil der Menschen wird durch das BGE eben nicht eingeschränkt sondern befreit.
      Diese Menschen werden sich eben neue Ziele suchen, es wird wieder mehr Entdecker geben. Forscherdrang, Neugier ... das werden wir uns mit BGE wieder mehr leisten können.
      Im wahrsten Sinne des Wortes. Einer der Mitglieder des Bündnis Grundeinkommen hat mal davon berichtet wie die meisten darauf reagieren.
      Auf die Frage was diese selbst machen würden, insbesondere ob diese noch arbeiten gehen würden haben die meisten geantwortet: "Natürlich gehe ich noch arbeiten!".
      Auf die Frage was diese glauben wie alle andere reagieren hieß es dann aber: "Die meisten hören sicher auf, die sind alle Faul!" Schon merkwürdig oder?
      ICH bin fleißig, aber DIE ANDEREN sind alle faul? Noch merkwürdiger war die Aussage der Arbeitsministerin Nahles:
      Sie ist gegen das Grundeinkommen, weil Sie will ja nicht vom Staat abhängig sein.
      Ähm ... eine Ministerin will nicht vom Staat abhängig sein? Hallo? Diäten werden nochmal wovon bezahlt?
      Das Grundeinkommen sollte ja eh einfach nur eine Übergangslösung sein bis wir gelernt haben ganz anders zu wirtschaften. Dann könnte Geld eh überflüssig sein.

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  9. 2/2

    Es hat schon was von fortgeführter Aufklärung. Des Verstandes bedienen usw. Von der selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien.
    Arbeiten zu MÜSSEN ist doch auch eine Art Dogma. Wenn wir es eben erreicht haben uns von diesem Zwang zu befreien können wir uns eben weiterentwickeln.
    Man muss eben offen und bereit dazu sein.

    Was das Industrie-Baguette angeht. Ess ich auch gelegentlich. Aber es ist nur halt verlogen beworben. Es hat nichts mit frisch gebacken zu tun.
    Es ist vor drei Monaten irgendwo am Fließband in Rumänien mit duzenden Zusatzstoffen produziert und schockgefroren worden und wurde dann zum verkauf "aufgebacken".
    Es ist deswegen nicht schlecht. Auch wohlmöglich nicht schlechter im objektiven Sinn als das vom Handwerksbäcker.
    Letzteres ist aber eben eher Genuss wegen dem ganzen drumherum. Wegen dem Gefühl. Das hat noch ein Mensch gemacht. Schmeckt halt "ursprünglicher".
    Natürliche Zutaten usw. Ja, das ist quasi postfaktisch. Aber ganz ehrlich, in dem Punkt: Schei** drauf.
    Wie ich schon sagte: Ich anerkenne, wertschätze und respektiere eine Arbeit von einem Menschen unabhängig davon ob dieser mit der Arbeit seinen Lebensunterhalt bestreitet!
    Können, nicht müssen! Und ja, es gilt halt gesellschaftlich sicherstellen das jeder auch kann und DARF. Freiheit, Würde ...
    Letzendlich vertraue im Zweifel halt immer der Natur. Warum? Ganz einfach. Die Natur will kein Geld verdienen. Keinen Profit machen.
    Diese Grundregel kann man universell auf alles anwenden: Will der oder die Person, Firma, Organisation, whatever wirklich primär Profit genereien oder wirklich etwas substainziell Sinnvolles erreichen?
    Derzeit würden sehr viele sehr sinnvolle Entwicklungen mit aller macht verhindert werden, da diese etablierte Geldmaschinen zerstören würden.
    Schöner Film dazu auch von 1996 "Außer Kontrolle" mit Keanu Reeves.

    Ich kann halt nicht anders, bin halt ein Trekkie:
    Schon mal aufgefallen das in den Star Trek Filmen jeder jederzeit sein Essen aus dem Replikator holen kann? Dennoch gibt es immer ein Restaurant oder Cafe (Zehn Vorne).
    Oder eben einen Koch der kocht. Nicht notwendig, wir dennoch gemacht. Manchmal wird der Replikator auch gedisst "... dieses replizierte zeug..."
    In dem Film "Der Aufstand" gab es die Ba'ku. Eine offenbar primitive Spezies die nur mit einfachseten Handwerklichen Maschinen leben.
    Diese haben aber das Wissen und die Fähigkeit zu hochentwickelter Technologie, sie verzichten nur einfach darauf. Auch ein interessanter weg.
    Es gab bei "The Next Generation" auch eine Folge in der Picard einem vorher über 300 Jahre eingeforeren wiederbelebten Menschen (eben aus unserer Zeit) versucht zu erklären,
    das die Menschheit sich weiterentwickelt hat. Besitz, Reichtum, Konsum spielen keine Rolle mehr. Dieser ist völlig desillusieruniert und sagt nur "Wofür dann noch leben?"
    Daran erkennt man doch extrem das Dogma unserer Zeit.

    Wir würden eben nur zu vollversorgen stumpfsinnigen geschlechtslosen asexuellen Humaniden Wesen oder Monaden werden wenn wir es nicht begreifen uns von diesem Dogma zu befreien.
    Eine Richtige "Bottom-Line" habe ich tatsächlich nicht.
    Mir geht es nur (ganz bekennend linksgrün versifft ;) ) darum dieses verkorkste wachstumsbasierte Weltwirtschaftssystem massiv in Frage zu stellen und letztlich darus etwas neues entstehen zu lasen.






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  10. Das Dilemma: Wir erfinden etwas und stellen fest, dass wir damit nicht umgehen können. Also nutzen wir es nicht.

    Genau: Das ist das Dilemma. Man kann das Dilemma sogar noch verschärfen: Ein Einzelner (oder eine kleine Gruppe) erfindet etwas, womit dann die ganze Menschheit nicht umgehen kann (Atombombe oder Schwarzes Loch oder so). Oder einer erfindet etwas und nimmt hunderttausend Menschen den Lebenssinn (den man durchaus in Frage stellen kann, wenn dieser von einer Erfindung eines Anderen abhängt)

    Soll derjenige dann am Erfinden gehindert werden? Ich glaube nicht, dass das funktioniert. Und wäre das okay, wenn man es täte?

    Eine Erfindung verhindern oder nicht nutzen, ist in der Tat frustrierend. Aber sie zu nutzen, ist eben auch frustrierend.

    Okay: Besitz, Reichtum und Konsum spielen künftig keine Rolle mehr. Aber die Maschinen spielen ja auch besser Schach, besser Go, sind intelligenter, freundlicher, hilfsbereiter, backen bessere Baguettes. Wenn sie dann auch noch bessere Musik machen und bessere Bücher schreiben ... Warum sollten wir die Gesellschaft von Maschinen dann nicht der Gesellschaft von Menschen vorziehen?

    Was können wir einander als Menschen bieten, worin WIR die Maschinen übertreffen? Bessere Produkte: Offensichtlich nicht. Worauf gründen wir also einen Austausch, ein Miteinander? Klügere Diskussionen? Angenehmere Gesellschaft? Innovationskraft? Also doch noch mehr Erfindungen?

    Was hättest Du denn beispielsweise in einer solchen Gesellschaft, wo die Maschinen Dir jedes Bedürfnis erfüllen, anzubieten außer der linksgrünen Versiffung? Was macht Dich interessant für Andere? Was soll künftig eine Gesellschaft zusammenhalten, wenn es nicht mehr die wechselseitige Abhängigkeit ist?

    Insofern finde ich die gegenwärtige Entwicklung ganz gut. Denn sie zwingt uns dazu, uns solchen Fragen zu stellen.

    Und jetzt komm mir nicht mit Liebe ... :-)




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  11. 1/2

    Hehe, ich bin der letzte der mit Liebe kommt. Derartige tiefe Emotionen gehen mir nur auf den Sack. Genau wie Hass. Da bin ich ganz Vulkanier ;)

    Du stellst die richtigen Fragen wie ich finde. Ganz genau: "Die gegenwärtige Entwicklung zwingt uns dazu, uns solchen Fragen zu stellen" Ganz genau!
    Aber wo passiert das den richtig groß in der Öffentlichkeit? Vielleicht bei ARTE oder 3Sat oder bald wieder auf der philcolonge.

    Die große Masse amüsiert sich wieder über den neuen Ikea-Werbesport: "Brauchen wir das alles wirklich?" "Brauchen? Nein, aber ich hatte Bock drauf. So wie auf Dich!"
    Auch wenn es sicher schlimmere Beispiele als etwas mehr Deko als nötig bei Ikea zu kaufen gibt, suggeriert diese Werbung doch wieder sich bloß gar nicht erst die Frage zu stellen, was zu viel ist.
    Kaufen, Kaufen, Kaufen ... Konsumieren, Geld ausgeben, Ressourcen verbrauchen...
    Autos produzieren die wir benutzen um zur Arbeit zu fahren wobei die Arbeit teils nicht notwendig ist aber die Fahrt zur Arbeit hin schon gar nicht (dieser Präsentismus ist auch so ein Blödsinn!)
    Eigentlich. Aber wir gehen arbeiten. Um uns ein Auto zu leisten. Was wir aber ohne Arbeit vielleicht gar nicht brauchen, weil wir dann nirgends mehr hinfahren müssten.
    Usw. ... es ist vieles einfach so Absurd!

    Suffizienz ist sowas wie der Knoblauch, wenn die ganzen Waren-, Wachstums- und Kapitalismus-Fetischisten Vampire sind.
    Egal ob im Konsum oder bei der Arbeit werden wir ständig betäubt, damit wir diese permanente kognitive Dissonanz nicht spüren.
    Wenn doch, dann (wie ja richtig beschrieben) Psychopharmaka! Nicht nur, klar, gibt auch viele Fälle von psychischen Erkrankungen die damit gar nichts zu tun haben.

    Antworten hätte ich durchaus viele. Aber ich bin ja eben nur ein Mensch.
    Ich hätte gewisse Wünsche und Vorstellungen wie es sein könnte und sein sollte.
    Obwohl ich ja ehe zur Misanthropie neige habe ich eben diesen funken Hoffnung das die Menschheit sich eben doch vernünftig entwickeln kann.
    "Besser" ist ja auch relativ.
    So wie ich mir das vorstelle würden wir eben die Maschinen und die Technologie eben langfristig nach einer gewissen technologisch-kulturellen Evolution nur noch ergänzend und nicht komplett ersetzend nutzen.
    Dafür wird es aber eben wohl erst schlechter werden müssen damit es langfristig besser geht.

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  12. 2/2

    Das Gesellschaftliche Miteinander würde denke ich gar nicht so massiv leiden.
    Wir würden dennoch lachen, Sport treiben, Familie besuchen, Freunde treffen...
    Warum sollten wir uns das denn auch von Maschinen abnehmen lassen? Die Dinge die wir jetzt gerne machen lassen wir uns doch nicht wegnehmen.
    Das was uns Spaß und Freude bereitet behalten wir einfach. Nur das was nervt delegieren wir an die Maschinen.
    Wir würden ggf. gemeinsam Kochen und Gärtnern... vieles würde sich oberflächlich gar nicht großartig verändern.
    Die Menschen würden halt einfach irgendetwas finden womit Sie Ihr Leben halt rumkriegen wenn man es jetzt mal etwas zynisch beschreiben will.
    Was wir eventuell lernen müssen ist das gute und glückliche auch ohne das Gegenteil erleben zu können. Wann weiß man denn, wann es einem Gut geht, wenn es einem nie schlecht ging?
    Das ist auch so eine der Fragen die wir uns da stellen müssen.

    Entscheidend dafür ist aber eben das JEDEM gleiche Technologie zur Verfügung steht.
    Auch da wieder: Können, nicht müssen. Es soll keinem aufgezwungen werden.
    Jeder kann jederzeit darauf zurückgreifen wenn ihm danach ist.

    Man könnte ja sogar die Leute die unbedingt in einem auf Geld basierten System leben wollen diese Möglichkeit gewähren.
    So wie in einer Art Sonderwirtschaftszone können dann die Leute in den Bereich umziehen und sich wieder unterwerfen und ausbeuten lassen wenn die darauf stehen.
    Manche würden das dann vielleicht als so eine Art Urlaubserlebnis machen. So wie sich heute manche ja gerne an so Mittelalter-Ritter-Spielen vergnügen.

    Das Grundeinkommen sollte man ja auch nicht von heute auf morgen einführen. Das würde nicht gut gehen.
    Es sollte schon eine gewisse Vorbereitung, vielleicht sogar Erziehung geben. In Finnland läuft ja derzeit eine Experiment diesbezüglich mit bisher guten Ergebnissen.

    Mir persönlich fällt der Gedanke an eine Welt ganz ohne Geld eigentlich ziemlich leicht. Ist ein schöner Gedanke ;)
    Das ist sicher absurd, abgehoben und vielleicht auch ein verträumt aber manchmal sehe ich die Gegenwart wohl auch schon aus den Augen von Captain Picard.
    Ist nur ätzend das man aus diesem Tagtraum wieder aufwacht. Heute schauen wir ja auch gern spöttisch auf die Menschen im Mittelalter die an Ablasshandel und so einen Blödsinn glaubten... Heute ist Geld die Religion.


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  13. "Der Aufstand" legt das Problem bloß. Denk dir mal die So'Na und Picard weg. Der Film würde bloß das Leben der Ba'Ku zeigen. Würdest du dir den Film angucken? Also ich nicht. Warum nicht? Der Film wäre todlangweilig.

    Das Leben, wie du es hier vorstellst, wäre langweilig, weil die Herausforderungen fehlen. In dem Leben, wie du es dir vorstellst, wirst du von der Wiege bis zur Bahre vom "System" gepampert. Du hast keine Möglichkeit, deine Probleme selber zu lösen, weil das "System" (die Technik, die Anderen) einspringt, um Probleme an deiner Stelle zu lösen, sobald welche auftauchen.

    Die eigentliche Herausforderung im Leben ist, für sich selber zu sorgen. Da wir schon eine Menge Technik haben und viele Menschen, denen bereits jetzt langweilig ist, gilt diese Herausforderung, für sich selbst und seine Familie zu sorgen, schon heute in weiten Teilen nicht mehr.
    Bereits jetzt ist es so, dass alle möglichen "Helfer" hechelnd bereitstehen, dich zu unterstützen.

    Stattdessen haben wir Berufe, in denen der Mensch sich bewähren kann. Aber in der Tat: es ist absehbar, dass die Berufstätigkeit ein Auslaufmodell ist. Und tatsächlich: man kann über den Sinn von Berufen in der Weise nachdenken, wie du das tust, und zu dem Ergebnis kommen, dass Berufe sch* sind. Das stimmt schon.

    Wo bewährt der Mensch sich aber dann? Im Internet, wohl wissend, dass dies bloß eine virtuelle Welt ist, wo nichts passieren kann? Ätzend, oder nicht?

    Oder ersetzt das Internet die reale Lebensgrundlage und wird zur wirklichen Herausforderung, sodass du zwar keine Rollen mehr als Angestellter, Arbeiter, Chef, Nachbar, Vereinsmitglied, Familienvater mehr spielen musst, dafür aber existenziell von deinen Avataren abhängig bist, die den Lebensunterhalt in Form von Anerkennung (Zahl der Follower) für dich beschaffen? Wenn es so kommen sollte, schränkt dich diese Welt noch mehr ein als die Welt der Berufe.

    Oder bewährt sich der Mensch bei der Gartenparty? Beim gemeinsamen Kochen? In seiner eigenen Kreativität? Gähn! Schon jetzt gibt es bei Amazon Millionen von Büchern, die kein Mensch mehr liest. Ja und?

    Neulich habe ich bei Arte einen Bericht gesehen über die jungen Leute, die ungeheuer viel Mühe aufwenden, um sich selbst in eine der beliebten Film-, Manga- oder Comic-Figuren zu verwandeln. Die jungen Leute treffen sich bei irgendwelchen Cons und der Hauptzweck der Versammlung besteht darin, sich mit anderen verkleideten Typen zusammen fotografieren zu lassen. Das soll dann alles sein, was einem zu tun bleibt? Na ja, wem es Spaß macht. Für mich wäre ein solches Leben nichts (gewesen). Da waren früher ja selbst Fasching und Karneval noch besser. Da hat sich nämlich der sogenannte "kleine Mann" wenigstens noch politisch geäußert und den Finger auf das gelegt, was schief lief.

    Ja, was wäre denn Picard ohne die Borg und andere Gegner, gegen die er sich bewähren muss? Nüscht. Und so eine Welt wünschst du dir? Hast du dir das wirklich gut überlegt? Du weißt ja hoffentlich: man muss vorsichtig sein, mit dem, was man sich wünscht. Man könnte es bekommen.

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    1. Das sind alles treffende Fragen, aber unterschätzen wir nicht die Menschen in ihrer Fähigkeit zu endlosen Sorgen und endlosem Sorgen?

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