29. Oktober 2009

Journal of Learning 02 (dritte Sitzung)

Das Erwerben von Fähigkeiten der Teilnehmer in unserer Gruppe läuft bisher vor allem über das sogenannte Practice/Feedback-Modell (Übung/Rückmeldung). In diesem Modell findet man sich zur Simulation von Coaching-Situationen in Dreier- oder Vierergruppen zusammen, wobei ein Teilnehmer den Klienten spielt, einer den Coach und einer oder zwei nur Beobachter sind, die nach jeder Simulation Feedback geben.



In diesem Sinne verliefen auch wieder große Teile der dritten Sitzung, in der es vor allem um aktives Zuhören ging. Das klingt erst einmal trivial, aber es ist alles andere als einfach. Das fängt damit an, dass mancher sich gar nicht so lange konzentrieren kann, um einem anderen aktiv zuhören zu können. Ein weiteres Problem kann sein, dass man sich kaum mit der Bewertung des Gesagten oder gar mit Lösungsansätzen zurückhalten kann. Das sogenannte Spiegeln in Körpersprache und Stimme wird in der Regel den Zugang zum Klienten eröffnen und dem Coach das Zuhören als aktiven Vorgang einsetzen lassen.

25. Oktober 2009

Warum Toni Soprano eher zu einem Coach als zu einem Psychotherapeut gehen sollte

In Coaching and Psychotherapy: Comonality and Difference untersuchen Mike O'Halloran und Evelyn Gilmore unter anderem die unterschiedlichen Gruppen von Klienten, die entweder zum Psychotherapeuten oder zum Coach gehen. Obwohl Psychotherapie seit den 70er Jahren immer mehr davon loskommt, vor allem für psychische Störungen verantwortlich zu sein, ist die öffentliche Wahrnehmung immer noch, dass es die "schwereren Fälle" (Missbrauchsopfer, Beziehungstörungen) sind, die dem Psychotherapeut zukommen. Der Coach scheint eher jemand zu sein, zu dem man geht, wenn man ohnehin "gut funktioniert", sich aber steigern will, ohne dass man glaubt, in seiner Vergangenheit graben zu müssen, um sich weiter entwickeln zu können.


24. Oktober 2009

Existentialismus und Eigenverantwortung

In dem Aufsatz Coaching and Psychotherapy: Commonality and Difference von Mike O'Halloran und Evelyn Gilmore habe ich einen interessanten Absatz zum Thema persönliche Verantwortung, Selbst-Sabotage und Existentialismus gelesen. Im Kern geht es darum, dass Selbst-Sabotage, also der Gedanke, dass Menschen eher durch sich selbst als durch ihre Umwelt blockiert werden, eines der Grundkonzepte von Coaching und Psychotherapie sei.*

Ich war bei der Begegnung damit sehr überrascht, da ich vor und während des Studiums viel aus dem Bereich Existentialismus gelesen habe und erst jetzt diesen Zusammenhang zwischen existentialistischer/persönlicher Verantwortung und dem Problem der Selbst-Sabotage sah.

Ein zentraler Aspekt des Existentialismus ist die Selbstbestimmung. Darin steckt der Gedanke, dass sich jeder einzelne in einer Entfaltung seiner Möglichkeiten selbst befreien kann. Natürlich kann man sich auch davor drücken, wir müssen eben zu jedem Zeitpunkt immer wieder eine Wahl treffen. Und das ist schwer.

Ich habe manchmal Schwierigkeiten, Leuten mit Empathie zu begegnen, die sich permanent über die Umstände beschweren und andere Leute für ihr eigenes Leben verantwortlich machen, also den Locus of Control außen, anstatt innen zu akzeptieren. Das man selbst die Kontrolle habe, ist einerseits eine optimistische Sicht. Andererseits ist es auch eine harte Sicht, die uns unter den Druck setzt, selbst Verantwortung für unser Gedeih und Verderb zu übernehmen.

Es ist einfacher, alles auf die Umstände zu schieben und daher ein verständlicher Reflex. Auf lange Sicht macht es das Leben jedoch schwerer, denn es führt in Abhängigkeiten und den Verlust der persönlichen Freiheit. In der philosophischen Coaching-Praxis muss man die potentielle Härte des Existentialismus berücksichtigen und die Empathie trotzdem aufbringen, um in der Lage zu sein, den Locus of Control langsam und behutsam nach innen zu verschieben.

Was kann ich tun, um meine Situation zu verbessern?
Was sind meine Stärken, die hier helfen können?
Was ist der nächste kleine Schritt, den ich machen kann, um vorwärts zu kommen?

Solche und ähnliche auf die Machbarkeit zielenden Fragen helfen, die Abhängigkeit von den Umständen abzulegen und den Geist auf eine selbstbestimmte und pragmatische Spur des Lebens zu lenken.


*Der Unterschied sei, dass der Psychotherapeut dem Ursprung dieser Sabotage auf den Grund zu gehen versucht, während der Coach den Klienten vor diesem Phänomen nur warnen kann und ihn bitten sollte, eine Strategie zum positiven Umgang mit den inneren Stimmen zu finden.

22. Oktober 2009

Journal of Learning 01 (zweite Sitzung)

Das Ziel des "Journal of Learning" ist es, sich kritisch mit seiner Erfahrung in den Übungen oder den Sitzungen auseinander zusetzen. Es soll helfen, einen Schritt von den routinierten Verhaltensweisen zurück zu tun und sich bewusst selbst zu prüfen. Es ist wie eine persönliche Nachbesprechung, ein Schnappschuss von der Reise in Richtung einer hohen Qualifikation in allen Bereichen des Coachings.

15.10.2009

(a) Kurze Beschreibung des Sachverhalts (Situation, Teilnehmer, Vorkommnisse)
Eine Übung für 3 Personen, wobei A nur zuhören soll, B 5 Minuten über ein Thema reden muss und C die Situation nur beobachten soll. Dies war meine erste Begegnung mit einer Coaching-Situation, wo ich (B) als der Klient, A als Coach und C als Beobachter eingesetzt waren.

11. Oktober 2009

Link-Liste

Links zu interessanten Blogs und Websites
http://mindhacks.com/
http://contemporarypsychotherapy.org/
http://calnewport.com/blog/ (Study Hacks)
Teampedia -  Icebreakers & Team Building Activities (kostenlos)
finfingpotential - kostenlose Psychometrics, Login nötig
http://thiagi.com/ - kostenlose Gruppen Spiele

Deutsche Coaching Verbände
http://www.dbvc.de
http://www.dvct.de
http://www.dvnlp.de

Ausbildungskriterien der Verbände
DBVC: http://www.dbvc.de/cms/index.php?id=371
DVCT: http://www.dvct.de/Kriterien.94.0.html#c425
DVNLP: http://www.dvnlp.de/.../Ueberblick.pdf

Grundlagen
http://de.wikipedia.org/wiki/Gestalttherapie
http://en.wikipedia.org/wiki/Gestalt_therapy
http://en.wikipedia.org/wiki/Maurice_Merleau-Ponty
Lexikon der Gestalttherapie

Philosophische Praxis
http://www.philosophischepraxis.de/
http://www.achenbach-pp.de/

Forum
http://www.coaching-board.de/
https://www.xing.com/net/coaching/
https://www.xing.com/net/coachingconvention/

Coaching-Ausbildungen
http://www.coaching-index.de/
http://www.hamburger-schule.net/

Einen Coach finden
http://www.coach-datenbank.de/
http://www.coachingportal.de/info.html
http://www.coach-profile.de/

Perspektiven- und Verhaltensänderung

Jede Änderung von Perspektiven und/oder Verhalten eines Menschen kann nur beim und durch diesen Menschen selbst geschehen. Der Coach kann diesen Prozess nur unterstützen, leiten und begleiten.

9. Oktober 2009

Leistungsgesellschaft, Glück und Erfolg

In der Leistungsgesellschaft ist es vor allem der Erfolg, der uns glücklich zu machen hat. Er folgt - so die Grundannahme - der von uns erbrachten Leistung. Er lindert den stechenden Neid, den wir fühlen, wenn andere erfolgreich sind. Er verschafft uns Neid erheischende Statussymbole, ein sicheres Einkommen und Familien, die uns als potente Ernährer schätzen. Wir fühlen uns als Mitglieder der Gesellschaft bestätigt, in ihr angekommen. Das alles zusammengenommen lässt uns glücklich sein - angeblich.

Träume und was aus ihnen wird...

Neid ist der eine große Antrieb unserer Gesellschaft und ein sehr moderner. Die Bauern der vergangenen Jahrhunderte waren nicht neidisch auf den Kaiser und dessen unsagbaren Reichtum. Denn sie konnten sich nicht mit ihm vergleichen. Er war aus einer anderen, unerreichbaren Sphäre der Gesellschaft. Heute gibt es keine Stände mehr, jeder trägt Jeans und hat vermeintlich die gleichen Voraussetzungen, um sein eigenes Glück zu schmieden. Es gibt angeblich nichts, dass mich daran hindern würde, ein Kanzler zu werden oder ein Rockstar oder wenigstens ein Millionär.

Wo kommt der Stress her?
Die Logik der meritokratischen Leistungsgesellschaft, wo also der, der sich streckt und Leistung bringt auch seinen Rang verdient, scheint im Umkehrschluss zu meinen, dass der, der keinen Erfolg hat, auch selbst daran Schuld ist. Solche unterschwelligen, aber weit verbreiteten Annahmen setzen viele von uns unter einen immensen Druck, dessen Ursprünge und Alternativen im Alltag oft nicht zu entdecken, dessen Folgen aber in Stress und Unzufriedenheit hart zu spüren sind. Wir haben Angst vor dem Scheitern, denn dann wird unsere Unzulänglichkeit deutlich und wir dem Urteil der anderen ausgesetzt. Und diese Angst vor dem Versagen ist der andere große Antrieb der Leistungsgesellschaft. Anders als zu Zeiten der griechischen Tragödie, als ungenügende Umstände oder zornige Götter noch zum Scheitern führten, kann man heute nicht mehr edel scheitern.

Wundersamer Weise übernehmen viele von uns die egozentrische Lebensphilosophie der Leistungsgesellschaft und versuchen ihr Leben danach auszurichten. Coaching zur Leistungssteigerung hat Hochkonjunktur. Überall kann man lesen, wie man erfolgreich und mithin glücklich wird. Das Einmaleins dazu kommt aus der Management-Schule: Plan & Execute. Die zwei Voraussetzungen: Man muss erstens wissen, was man will und zweitens muss man wissen, wie man es bekommt. Auch Stretch Goals sind beliebt. Also ausschließlich die Früchte begehren, die so hoch hängen, dass man sich danach strecken muss. So wachse man über sich hinaus.

Was will der Mensch wirklich?
Das seien die Rezepte, um erfolgreich und glücklich zu werden. Das eigentliche Problem ist damit jedoch noch gar nicht erkannt: Es ist uns Menschen gar kein grundlegendes Bedürfnis zu planen, Ziele zu setzen und dann auch noch hart daran zu arbeiten. Das ist viel zu anstrengend. Wie überall im Leben geht es vornehmlich darum, Aufwand zu minimieren und angenehm stimuliert zu überleben. Wir wollen essen, uns amüsieren und auf der faulen Haut liegen. Die meisten von uns würden sich freuen, wenn sich die Dinge im Leben so dahinschuckelten. Es wäre doch total pervers, wenn wir nur unter Anstrengungen glücklich sein könnten, indem wir permanent auf Hochtouren funktionieren. Deshalb ist auch Lotto so beliebt. Wenn man die Zahlen angekreuzt und die 10 Euro bezahlt hat, dann hat man alles menschenmögliche für sein Glück getan. Dann heißt es nur noch warten. Wenn es nicht klappt, dann ist es jedenfalls nicht unsere Schuld.

Was ist Erfolg für dich?
Wenn man schon erfolgreich sein will, dann könnte man vielleicht aufpassen, dass man eine eigene Vorstellung von Erfolg entwickelt und nicht einfach die übernimmt, die man von seinen Eltern, Lehrern oder Kultureliten serviert bekommt. Dazu ist es nötig, dass man den Erfolgs-Neid und die Angst zu Scheitern hinter sich lässt und sich Ziele setzt, die einen wirklich erfüllen. Sicher: Diese Ziele zu identifizieren, ist leichter gesagt als getan. Aber sich selbst dazu zu befragen, ist ein guter Anfang.

8. Oktober 2009

Die Erste Sitzung

"Coaching ist ein Prozess, der dem Klienten dabei hilft, über Selbsterkenntnis (self awareness) und soziale Wahrnehmung (socaial awareness) eigene Ziele, Potentiale und Hindernisse zu erkennen und diese durch konkrete Handlungen und Verhalten zu erreichen oder zu überkommen."

Das ist in etwa die Definition, auf die sich unsere Arbeitsgruppe in einigte. Definitionen der anderen zwei Gruppen enthielten noch die Idee der Entfaltung (un-locking), die vielleicht etwas stärker als unser "Potential" zeigt, dass es beim Coaching vor allem darum geht, dass der Klient entdeckt, was er will und was er kann und wie er dahin kommt. "Werde, der du bist" wie Nietzsche sagt. Ein zuerst vages Gefühl entfaltet sich über Bewusstmachung zu einem Aktionsplan, wenn man so will. Weiter Stichworte, zum Thema was Coaching sei:

7. Oktober 2009

Fachliteratur (English)

Empfohlen
  • Co-Active Coaching, Whitworth, Kimsey-House and Sandahl, Davies-Black (publisher)
  • Effective Thinking Skills, Richard Nelson Jones, Cassell
  • The Complete Guide to Coaching at Work, Zeu & Shiffington – McGrath, Hill
  • Coaching for Improved Work Performance, Ferdinand F. Fournies, McGraw Hill
  • Coaching for Performance, 3rd Edition, Sir John Whitmore
  • Psychological dimension of executive coaching, Peter Bluckert

Weiterführend
  • Life Coaching, Eileen Mulligan/ Piatkus
  • Secrets of a CEO Coach, D.A. Benton, McGraw Hill
  • Executive Coaching, Mary Beth O’Neill, Jossey-Bass
  • Take yourself to the Top, Laura Berman Fortgang, Thorsons
  • Take Yourself to the Top of Your Life, Laura Berman Fortgang, Thorsons
  • Living your best life, Laura Berman Fortgang, Thorsons
  • Build your own rainbow, Hobson & Sadly, Lifeskills
  • Time Management, Hobson & Sadly, Lifeskills
  • How to Manage Stress for Success, Sara Zeff Geber, Amacom

Weiterführend II
  • The Inner Game of Work, Timothy Gallwey
  • Excellence in Coaching, The Industry Guide, Passmore editor.
  • Appreciative Coaching, Orem, Binkert, Clancy
  • The Psychology of Executive Coaching, Bruce Peltier
  • The Power of Full Engagement, Jim Loehr and Tony Schwartz
  • Coaching the Team at Work, David Clutterbuck
  • Authentic Happiness, Martin Seligman (www.authentichappiness.com)
  • Awaken the Giant within, Anthony Robbins (on NLP techniques)
  • Goals, Brian Tracy
  • Now discover your strengths, Buckingham
  • What Colour is your parachute?, Richard Bolles
  • What type of career?, Donna Dunning (on the use of MBTI in career coaching)
  • Introducing NLP, Joseph O’Connor and John Seymour
  • A New Earth – awaken to you life’s purpose, Eckhart Tolle

6. Oktober 2009

Willkommen...

...auf meinem Logbuch für Philosophie und Coaching!

Im Oktober 2009 habe ich im Coach Institute Ireland eine Coaching-Ausbildung begonnen, an dessen Ende ein Diploma in Business, Executive and Personal Coaching steht. Die Ausbildung ist von folgenden Körperschaften anerkannt:
  • Institute of Leadership and Management (London)
  • Psychological Society of Ireland (PSI)
  • Engineers Ireland
  • Life & Business Coaching Association of Ireland
Dieser Blog wird mir und interessierten Lesern als Logbuch meiner Lern- und Praxis-Erfahrung dienen. Ich hoffe hier regelmäßig über erlernte und erarbeitete Erkenntnisse berichten zu können. Lesern biete ich hiermit an, auf meine Einträge zu reagieren und bei Interesse mit mir in Kontakt zu treten.

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