23. April 2012

Unser Ich und sein un-freier Wille

Come funziona l’occhio, “Il secolo illustrato”, 1936
Die Philosophie des Geistes ist seit der Antike über das Mittelalter bis heute sicherlich eines der interessantesten wissenschaftlichen Felder. Sie fragt nach der Beziehung zwischen Körper und Geist: Wie bedingt das eine das andere? Ihre Implikationen sind gewaltig und reichen von ganz privaten Fragen wie "Wer bin ich?" bis zu übergreifenden Themen von Moral und Gesellschaft rund um die Freiheit unseres Willens und die daran anschließende Frage, ob wir überhaupt für unser Tun verantwortlich gemacht werden können. Am Anfang steht aber die Frage, was das Ich überhaupt sei.

Das Ich als Facebook-Stream
Es gibt Gründe, warum wir uns als ein Ich erleben. Zum Beispiel die Dauer: Ich war gestern derselbe wie heute und werde auch morgen noch Ich sein. Der Freie Wille: Ich entscheide und handle selbstbestimmt und frei. Die Persönliche Perspektive: Als Wahrnehmungseinheit stehe ich im Mittelpunkt meiner Welt und erlebe sie immer aus dieser Ich-Perspektive. Das Cockpit dafür scheint irgendwie hinter der Stirn zwischen meinen Augen zu sein. Aus solchen Erlebnissen bilden wir unser Ich. Offenbar hat Facebook mit der Time Line genau das versucht zu simulieren. Jeder User soll sich als ein Ich erleben, dessen vollständige und fortdauernde Repräsentation im Browser abgebildet wird. Wir finden hier genau dieselben Zusammenhänge: Unser Leben lässt sich in der Rückschau historisch erleben, die Fotos und Kommentare versichern uns unserer fortwährenden Existenz, wir haben sie dort willentlich gepostet und all das aus der Perspektive eines Ichs im Zentrum. Diese Analogie ist krass vereinfacht, aber sie läuft darauf hinaus, dass es ein Ich nicht einfach gibt, sondern dass es aus Informationen zusammengesetzt werden muss. Ein Ich prägt sich über die Zeit hinweg aus. Es ist kein Ding, sondern ein Vorgang, wie der Philosoph Thomas Metzinger sagt.

Dualismus von Körper und Geist
Am Rande und insgeheim - denn ich nutze Facebook nicht mehr für persönliche Zwecke - applaudiere ich dieser Idee der Time Line. Sie hat es geschafft mit schnöder Technologie an einen sehr intimen und fast mysteriösen Punkt unseres Selbstverständnisses anzuknüpfen: Das subjektiv erlebte Ich im Austausch mit anderen Menschen. Noch etwas bedient der Facebook-Stream: Die intuitive Trennung von Körper und Geist, von der wir im Alltagserleben ausgehen. Die Ich-Geschichte im Browser ist vollkommen abgelöst von unserem Körper. Genauso scheint uns das Bewusstsein ablösbar von unserem Körper zu sein. Für Descartes war der Körper höchst ungewiss, nur die bewussten Gedanken seines Ich schienen ihm garantiert. Aber kann man Körper und Geist trennen? Als moderner, in einer naturwissenschaftlichen Welt lebender Mensch, muss man davon ausgehen, dass der Körper geistige Phänomene hervorruft. Ohne Körper kein Geist.

Warum das Ich so rätselhaft scheint
Der Dualismus, also die Annahme, Körper und Geist seien zwei verschiedene Substanzen, kann nur ein Missverständnis sein, das auf die Rätselhaftigkeit des "immateriellen" Geistes zurück geht. Der Grund dieses Missverständnisses und damit des Rätsels Lösung, wird nicht zuletzt bei der Schnittstelle zu suchen sein, an der sich ein körperliches Phänomen in einen Zustand überführt, den wir als ETWAS erleben, über den wir nachdenken und reden können, den wir bewerten und mit früheren oder vorgestellten Erlebnissen vergleichen können. Diese Schnittstelle zwischen Gehirnaktivität und qualitativem Erleben ist für uns nicht beobachtbar. Wir selbst können unsere Gehirnaktivität nicht erleben oder fühlen, sondern sind einfach mit ihrem Ergebnis konfrontiert. Wir sind also nicht dabei, wenn das Gehirn aus den verschiedenen Repräsentationen ein Ich konstruiert. Die Konstruktion ist perfekt und wäre sie es nicht, würden wir ziemlich gestört sein und als Menschen mit Verantwortung, Motivation, Liebe, Genuss und Moral nicht so selbstverständlich funktionieren können. In diesem Sinne birgt das individuelle Bewusstsein einen ganz klaren Vorteil für das Überleben der Gattung:
Alle Primaten entwickeln zwar vielfältige Interaktionen in ihren Gruppen. Doch die Menschen stechen als »ultrasoziale Wesen« hervor. Ihr Bewusstsein entsteht durch spezielle und hoch entwickelte Formen sozialer Fähigkeiten, bei der Interaktion mit anderen – etwas, das Tomasello »kulturelle Intelligenz« nennt. Und diese Art von kooperativem Denken habe die Gattung Homo sapiens zum Erfolgsmodell der Evolution gemacht. Für den Entwicklungspsychologen ist das menschliche Bewusstsein im Lauf der Evolution vor allem deshalb entstanden, weil es Menschen ermöglichte, höchst effektiv als Gruppe zu agieren. (ZEIT: Ich-Bewusstsein: Was ist das Ich?)
Der un-freie Wille und die Frage nach Verantwortung
Für unser Selbstverständnis als moralische Wesen mit einem freien Willen und der daraus ableitbaren persönlichen Verantwortung tut sich aus der Körperlichkeit aller neuronaler Aktivität ein Widerspruch auf: Triebverzicht, Verantwortung und Moral sind ohne freien Willen nicht denkbar. Das heißt, wir können nicht vollends durch körperliche Vorgänge determiniert sein, weil wir dann ja nicht frei entscheiden könnten, sondern der Kausalität unserer hirnphysiologischen Abläufen unterlägen. Gleichzeitig können wir nicht davon abrücken, dass jegliche kognitive Leistung inklusive unseres Willens auf neuronale Aktivität im Gehirn zurückgeht, also materiell gebunden und somit determiniert also nicht frei ist. Alles andere wäre Hokuspokus und Fernsteuerung durch eine Macht außerhalb unseres Körpers.

Die Neurowissenschaften gehen folgerichtig von einer Determination aller Willensakte durch physiko-chemische Mechanismen im Gehirn aus. Glücklicherweise widerspricht unsere alltägliche Selbsterfahrung dieser Unfreiheit des Willens, eben weil wir das Zustandekommen unseres Bewusstseins und mithin des Willens nicht beobachten und erleben können. In diesem "Leugnen" der fundamentalen Unfreiheit der Hirnprozesse liegt vielleicht die Freiheit des Willens begründet. Da wir so handeln, als ob wir frei seien, determinieren wir uns selbst. Fakt ist, dass unsere eigene Geschichte, die Wertvorstellungen, die wir haben, Belohnungen oder Strafen, die wir erwarten unsere Hirnphysiologie ihrerseits beeinflussen.

Ein einfaches Experiment bestätigt das: Wenn ich hungrig aber ohne Geld auf einem Marktplatz einen leckeren Apfel sehe, werde ich vielleicht versucht sein, zuzugreifen, um in den Menschenmassen zu verschwinden und den gestohlenen Apfel schnell zu essen. Da könnte man meinen, das ist wirklich determiniert. Ein Schimpanse würde auch so handeln: Reiz und Reaktion. Wenn ich mir aber einen Moment Zeit nehme und darüber nachdenke, dann wird mir erst einmal aufgehen, dass mich eventuell jemand beobachtet und ich Ärger kriegen könnte, dann eventuell auch, dass der Obstverkäufer vielleicht weniger Geld auf dem Konto hat, als ich und es unfair wäre, ihm was wegzunehmen. Wenn ich mir noch mehr Zeit nehme, dann komme ich vielleicht auch zu ganz abstrakten moralischen Überlegungen über die Verwerflichkeit des Stehlens usw. Mit anderen Worten, weil ich mir Zeit gelassen habe, ändern sich die Faktoren, die die Mechanismen auf neuronaler Ebene bestimmen. Jetzt müsste man immer weiter zurück gehen und fragen: Aber dass du dir die Zeit genommen hast, ist doch wiederum auf neuronaler Ebene determiniert etc. So kann man sich den grundlegenden Determinanten annähern. Und sie werden sehr basal, animalistisch sein, aber sie entscheiden eben nicht für uns, sondern nur im Zusammenspiel dessen, was wir kulturell gelernt haben und was wir situativ daraus machen.

Das zeigt, dass unsere Entscheidungen oder besser die ihnen zugrunde liegenden neuronalen Prozesse vielfältig determiniert sind. Wir befinden uns in ständigen Feedback-Schleifen, wo das gerade erlebte oder gedachte zurück wirkt auf den kurz bevor stehenden kognitiven Prozess. Unsere mehr oder weniger bewussten Entscheidungen prägen unsere zukünftigen Entscheidungen über nachträgliche Bewertungen durch uns selbst oder die Gesellschaft. Wir nehmen die Folgen unseres Handelns vorweg und entscheiden aufgrund dessen, was wir da erwarten, ganz egal, wie sehr die Prozesse auf der neuronalen Ebene dem Nacheinander von Ursache und Wirkung folgen. Metzinger sagt: "Was uns eigentlich ausmacht, ist ein undurchschaubares und vergängliches Gewirr von Vorgängen."

Der Trugschluss in der ganzen Debatte scheint dort zu liegen, wo mit der Erkenntnis von neuronaler Bestimmung unserer geistigen Vorgänge gleich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. Da wird dann erwartet, dass diese Erkenntnis die gesamte Rechtsprechung oder unser Verständnis von Moral aushebelt. Dabei haben wir oben gesehen, wie stark die Gesellschaft über Ansprüche, Werte und Strafen durch die Feedback-Schleifen auf die neuronalen Prozesse einwirkt. In einem Gespräch in der Frankfurter Rundschau zwischen dem Hirnforscher Wolf Singer und dem Philosophen Julian Nida-Rümelin (PDF) kann man am Ende die Schwierigkeit der Problemlage erahnen:
Wolf Singer: Wenn ich alle entscheidungsrelevanten Variablen kenne, kann ich vorhersagen, wie ein Gehirn entscheidet. Sie wollen immer darauf hinaus zu sagen: "Ein bissl frei sind wir doch." Das geht nicht. Entweder sind Entscheidungen die Folge neuronaler Wechselwirkungen oder sie kommen auf naturwissenschaftlich nicht nachvollziehbare Weise zustande. Da müssen Sie sich schon entscheiden.

Julian Nida-Rümelin: Ich glaube dagegen, dass diese strikte Gegenüberstellung zwischen absolut frei und vollständig determiniert in die Irre führt.
Das mag vorerst unbefriedigend sein, denn wir hätten alle gerne definitive Antworten, wie Wolf Singer sie vorschlägt. Aber dieser sehr einfache Materialismus taugt nicht, unsere Lebenswelt zu beschreiben und ohne Materialismus geht es schon gar nicht. Vielleicht sind wir also doch ein bisschen frei. Und auf dieses Bisschen kommt es an.

Kommentare:

  1. Eine spannende Diskussion, in die Du uns da schickst, Gilbert! Außer Acht gelassen ist hier, dass ja noch gar nicht feststeht, wie unser Gehirn wirklich funktioniert. Es gibt ja z.B. Forscher, die sind der Meinung, dass im Gehirn zwar die Reizverarbeitung stattfindet, die Informationen aber ganz woanders abgespeichert werden und unser Gehirn lediglich die Infos wieder abruft (vgl. McTaggart, Lynn "Das Nullpunkt-Feld" Arkana/Goldmann Vlg.) Zu diesem Thema wird auch ganz interessant im Magazin "Hohe Luft" Augabe 2/12 unter dem Titel "Das Geschwätz der Neuronen" geschrieben. Letzten Endes will der Mensch gerade den Geist via Hirnscans erklären, wie sie auch der Hirnforscher Wolf Singer zu Hilfe nimmt. Der Artikel startet mit dem einfachen Beispiel, dass ein Neuromarketing-Experte (was es jetzt nicht alles gibt!) festgestellt hat, dass bei iPhone-Besitzern der Anblick ihres Geräts der sog. Inselkortex angeregt wird, dieselbe Region, die bei allem aktiviert wird, wenn wir etwas wahrnehmen, was wir kennen und lieben. Auf diese Banalität reduziert wird Forschung dieses Niveaus publiziert und die Welt wird damit glauben gemacht, dass alles erklärbar auf auf einfache Determinanten reduzierbar ist - auch unser Gehirn.

    Die Autoren des Artikels, Tobias Hürter und Thomas Vasek, führen in Anlehnung an den Philosophen Robert Spaemann an, dass Gedanken "einen intentionalen Gehalt" besitzen, "sie beziehen sich auf etwas in der Welt" (Hohe Luft 2/12 S. 64). D.h. zu dem intententionalen Gehalt gehört ein - individueller (Anm. CS) - Kontext. Und dieser Kontext entsteht m.E. durch das Erzählen der eigenen Geschichte. Dieses Erzählen der eigenen Geschichte, dessen sich auch Facebooks Historienfunktion bedient, macht letzten nur für andere sichtbar, was wir tagtäglich tun: Wir erzählen uns unsere Geschichte im Zusammenhang mit der Welt, in der wir leben. Nachdem diese Geschichten von jeder Warte bzw. im Rückblick wieder neu interpretiert und damit neu erzählt werden, spricht m.E. deutlich gegen eine Determinierung. Lassen wir uns also nicht reduzieren auf die einfache Formel "Ich bin mein Gehirn" oder umgekehrt, ebenso wenig wie "Ich bin meine Facebook-Chronik". Nehmen wir doch einfach diese Medien - das Gehirn wie die Facebook-Chronik - als kreatives Spielzeug und schauen, was für neue Geschichten sich damit erzählen lassen!

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  2. Danke, Claudia, für diese Ergänzung. Ich will dem noch etwas aus dem Forum Moralscience hinzufügen. Dort sagt E.W.: "'Freier Wille'? Eine müßige Diskussion. Freie Entscheidung reicht aus. Also sind wir bei Handlungsfreiheit. Und die ist ziemlich einfach: Ich kann immer anders handeln." Und eine Erklärung des Willens über Rationalität und rationale Handlungen: "Ich möchte, habe den Wunsch, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, z.B. viel Geld verdienen. Um das Ziel zu erreichen, lasse ich mich nicht durch meine Begierden, Emotionen, Träume, Traumata, situativen und sozialen Zwänge etc. leiten. Ich sollte also über meine 'Wünsche erster Ordnung' reflektieren. Dann könnten 'Wünsche zweiter Ordnung' hinzukommen: Aus ethischen und moralischen Erwägungen heraus, ordne ich dem Wunsch 'Geld verdienen' nicht alles andere unter: Ich benutze nur die und die Mittel, schließe andere aus [nicht über Leichen gehen z.B.], entscheide mich dann für den und den Weg."

    Finde ich auch sehr bedenkenswert. Es rückt allerdings die Natur zugunsten der Kultur ganz in den Hintergrund.

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    1. Ergänzung: Moralscience ist ein Forum auf Xing.com

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    2. Wer sich bewusst ist, dass, wenn einer mehr Geld verdient, ein anderer weniger verdienen muss, würde es dann noch wollen?
      Mir schieint, dass unsere Nicht-ziviliserten hier noch eine Ethik besitze, die unserer deutlich überlegen ist, was am Ende für die Gemeinschaft bleibt, oder?
      Ich bin weil wir sind! Ego versus Gemeinschaft

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    3. Das ist ein spannendes Thema. Wo steckt der Geist. In unserem Materialismus gehen wir derzeit davon aus, dass unsere Materie durch Anhäufung von Zellen zu einem Gehirn geführt hat, das ein Bewusstsein entwickeln konnte.
      So geht die aktuelle Lehre davon aus, dass unsere Gene größtenteils steuert, was wir sind.
      Bruce Lipton zeigt nun auf, wie das mit den Genen aussieht und wie unser Geist selbst wieder unsere Gene und damit unseren Körper beeinflusst.
      Ob ab Ende es nicht eher so war, dass der Logos zuerst da war, der die Materie geschaffen hat, um sich eine Welt zu erschaffen, in der er sich aufgrund von Sensoren geistig weiter entwickeln kann?
      Hier das Video: http://www.geistundgegenwart.de/2012/04/unser-ich-und-sein-un-freier-wille.html#comment-form_6651735232571292374

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  3. Das "Bisschen" an Freiheit ist wesentlich umfangreicher als allgemein bekannt; allerdings will es sozusagen 'erobert' werden.

    Die oben in dem "kleinen [Gedanken]Experiment" geschilderten Fakten, dass ein Schimpanse auf einen Reiz "reagieren" würde, während wir Menschen uns stattdessen erst einmal "einen Moment Zeit nehmen und darüber nachdenken" können, bevor wir reagieren oder besser gesagt: im Wissen oder "wissend" um das, was wir wollen, "handeln", lassen erkennen, was uns als dann sog. "bewusste" Menschen von Tieren und dem jahrelangen Zustand eines Säuglings und Kleinkindes unterscheidet.

    Dass wir uns von Reiz-Reaktions-Zusammenhängen lösen oder frei machen ("erlösen" oder "befreien"...) können, ist in der Geistesgeschichte schon lange gesehen worden. Der Berliner Philosoph Geert Keil hat in seinem Reclam-Taschenbuch "Willensfreiheit und Determinismus" darauf aufmerksam gemacht, dass John Locke diese Fähigkeit "Suspensionsvermögen" genannt hat. Deswegen können wir das tun und üben, was "Stillhalten" genannt wird. Yogis und Fakire zeigen, wie weit das möglich ist: bis zur Verlangsamung von (vegetativen) Körperfunktionen!

    Auch wer es nicht so weit treiben will, kann sich immer bemühen, jederzeit selbst zu bestimmen zu tun, was er will, statt reflexhaft zu reagieren wie ein Kleinkind oder Tier. Er muss dazu allerdings üben sich durchzusetzen: gegen seine eigene Natur, auf deren Grundlage wir zunächst alle erst einmal - auch über das Kindheitsstadium hinaus - nach angeborenen oder gelernten Reiz-Reaktions-Zusammenhängen "reagieren", solange wir nicht aufpassen, uns über sie hinwegsetzen und "selbst bestimmen", was wir wollen und tun; denn das erfordert unablässige Aufmerksamkeit - am besten in Form von "Achtsamkeit" (s. dazu hier)!

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    1. Danke für diese Ergänzungen! Das ist wirklich äußerst interessant. Ich hatte mal eine Vorlesung bei Geert Keil, wo mich das Thema schon fasziniert hat.

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    2. Die Grundlage unserer Willensfreiheit – "des freien Willens" oder besser gesagt: unserer Willensbildung – ist übrigens auch nicht besonders rätselhaft: im zweiten Teil des kurzen Textes "Hirnforschung und Willensfreiheit" hier (auch hier wiedergegeben) habe ich ab dem Absatz, der mit "Wirklicher psychologischer Sachverstand ermöglicht..." beginnt, einige Detail der sog. Willens- oder Volitionspsychologie erläutert.

      Sie lassen erkennen, dass Willensfreiheit auf Entscheidungsfreiheit beruht, wenn nicht sogar mit ihr identisch ist. Ich "will" (dies haben oder jenes tun) ist ja nur eine Ausdrucksweise, die jemand benutzt, wenn er jemandem anderen sagen will, zu was er sich entschlossen hat.

      Entscheiden setzt Wahlfreiheit und Denkfähigkeit voraus ("Gedankenfreiheit"). Entscheiden kann man sich nur für eine Handlungsmöglichkeit aus einer Menge von mindestens zwei Handlungsalternativen. Sie muss man kennen, erkennen oder sich wenigstens vorstellen können, um überhaupt eine Auswahl zu haben.

      Sich zu einer von ihnen zu entschließen bedeutet dabei, sich auf sie festzulegen und sie im Weiteren so lange zu berücksichtigen, bis man sie wieder "in Frage stellt". Denn darin sind wir ja auch noch frei: wir können unsere Entscheidungen jederzeit überdenken und uns dafür entscheiden, sie zu revidieren, sie aufzugeben – oder sie weiter aufrecht zu halten.

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    3. Ist das so ähnlich wie oben von mir im Kommentar zum Forum Moralscience wiedergegeben? Dann ist das eine sehr klare Herangehensweise, die aber dann nicht befriedigt, wenn man fragt, was auf der materiellen Ebene im Hirn - also physiologisch - passiert und ob das alles determiniert ist oder nicht. Im Moment fehlt mir jedoch der klare Blick dafür, ob das überhaupt eine "korrekte" Frage ist.

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