9. Februar 2014

Hard Rock Gehirn: Musik und Persönlichkeit

Warum wir die Musik lieben, die wir lieben


Es ist faszinierend, welche große Rolle Musik in unseren Leben spielt. Musik ist uns nicht nur wichtig, wenn wir ihr konzentriert bei einem Konzert oder beim Abspielen einer CD lauschen, sondern beinahe überall und immer: Im Auto, zu Hause, auf der Arbeit - überall dudelt es. Beinahe alle menschlichen Zeremonien werden von Musik begleitet, von der Taufe über die Hochzeit bis zur Beisetzung. Etwa 14% eines Menschenlebens im Wachzustand werden heute mit einem Soundtrack unterlegt.¹ Ich selbst liebe das Gedudel weniger und höre eigentlich kaum Musik nebenbei, sondern nur ganz gezielt entweder zum Genuss oder zur Unterstützung einer körperlichen Aktivität, die Energie von mir verlangt. Eine Ausnahme: Ich kann nicht Staub saugen, ohne laute Musik über Kopfhörer zu hören, weil ich den Staubsaugerlärm wirklich nicht ertrage.


Die Band Superman in meinem alten Berliner Lieblingsclub Mad'n'Crazy (Foto von mir)


Ich bekenne, dass ich gern extrem schwere Gitarrenmusik höre, dabei alles angefangen von solchen Urvätern wie Led Zeppelin, Black Sabath über Metallica, Kyuss, Pantera und Slipknot bis hin zu Type O Negative, Karma to Burn, Mogwai und allem, was Jack White mit seiner Gitarre heute so macht.

Mich fasziniert die Aggression in den Stimmen und Gitarren und das Adrenalin auf den Konzerten. Eine Masse von Menschen scheint sich völlig gehen zu lassen, Arme, Beine und Köpfe rasten völlig aus und doch scheinen alle auf einer Welle zu schwingen. Mehr Schäden als ein oder zwei gewöhnliche Platzwunden sind in der Regel nicht zu verzeichnen, dafür gibt's aber jede Menge roher ursprünglicher Gefühle, viel unverfälschte Euphorie und letztendlich positive Energie. Schauen Sie selbst:



Auch wenn ich die Musik ganz allein genieße, stellt sich große Euphorie ein. ich muss sie laut hören, um einen Effekt zu erzielen, aber dann reißt sie mich so mit, dass ich ein ganz anderes Energielevel erreiche. Natürlich ist dort auch eine Portion Aggression und vor allem die Lust daran, das langweilige und oft verlogene Allerweltsgedudel unserer Massenmedien, der Konsumeinrichtungen (wie ich Kaufhaus- und Supermarktmusik hasse!) und alltäglichen Begegnungen, die zwangsläufig zivilisiert und freundlich sind, zu zerreißen. Verstehen wir uns nicht falsch: Sich zivilisiert zu benehmen, ist wichtig, aber es gibt für alles einen Ort und eine Zeit und nichts stimmt ohne sein Gegenteil. Heavy Metal, Punk und Rock helfen mir, im Kontakt zu bleiben, mit dem, was neben meiner öffentlichen Person sonst noch zu mir gehört: Aggression, Unruhe, Aufbruch, Hass, Schmerz, ein grundlegendes Nichteinverständnis mit dem, was die menschliche Welt um uns herum ausmacht, oder wie es Slipknot auf den Punkt brachte "People = Shit". Und das alles kommt zusammen in einem unglaublich befreienden und euphorischen Schrei aus dem Bauch über die Brust bis in den Hals. Oft kommt er dann nicht aus dem Mund - ich will ja nicht verrückt wirken-, aber im Kopf ist er angekommen. Und dann weiß ich, dass es mehr gibt, als diese emotional reduzierte Welt, auf die wir uns alle jeden Tag immer wieder einigen müssen.

Was macht Musik in unserem Kopf?

Mal vom Headbanging abgesehen - dem Haareschütteln und gewaltsamen Hinundherwerfen des Oberkörpers auf Heavy Metall Konzerten - welchen Effekt hat Musik auf uns und in welchem Verhältnis steht sie zu unserer Persönlichkeitsstruktur?

Interessant ist, dass Musik so starke Belohnungsgefühle im Hirn hervorruft, obwohl es keinen eigentlichen Nutzen hat wie - sagen wir - Essen oder Sex. Musik funktioniert also hier wie eine Droge. Man kann in Experimenten leicht zeigen, dass unsere Gehirne mit Dopamin geflutet werden, wenn wir unsere Lieblingsmusik hören. Das Gleiche passiert Menschen und Tieren beim Essen und Sex. Aber nur Menschen fahren so sehr auf Musik ab. Was genau passiert nun, wenn wir Musik hören? Es ist vor allem die Interaktion verschiedener Hirnareale, die das Musikhören so spannend, interessant und angenehm macht. Valorie Salimpoor, eine Neurowissenschaftlerin, beschreibt, was in ihrem Gehirn passiert, wenn sie klassische Musik hört:

"Oh Gott, gerade habe ich eine Menge Dopamin ausgeschüttet und mein Nucleus Accumbens (aka Glückszentrum) im basalen Vorderhirn tritt mit meinem Superior Temporal Gyrus in Kontakt, wo akustische Reize mit Emotionen zusammengebracht werden. Dadurch kommen nun Erinnerungen an die Zeit hoch, als ich 12 war und Geige spielte. Das wiederum bringt mein visuelles Zentrum ins Spiel und ich stelle mir vor, wie ich in diesem perfekt synchronisierten Orchester die Geige spiele. Ich kann jeden nächsten Ton eines jeden einzelnen Instruments vorhersagen und ahne auch, wie das gesamte Orchester gleich spielen wird."

Dieses Vorhersagen der nächsten Töne scheint ein zentraler Aspekt beim Musikgenuss zu sein. Ich kenne diese Glücksgefühle von mir selbst, wenn ich weiß, wie gleich das Drum-Solo geht oder das Gitarrenriff oder die Stimme. Es ist wie ein Gefühl großer Macht, als wenn man selbst diese bombastischen Töne mit der Kraft der eigenen Gedanken erschafft. Und warum lieben wir jeweils unterschiedliche Musik? Schon früh im Leben, so erklärt die Neurowissenschaftlerin, legen wir im Hirn Muster von Musik an, je nachdem mit welcher Musik wir in der Kindheit in Berührung kommen. Später im Leben gleichen wir unsere musikalischen Erlebnisse immer wieder mit diesen Mustern ab.

"Der Nucleus Accumbens funktioniert auf der Grundlage dieser Muster wie eine Vorhersagemaschine. Anhand ähnlicher Musik, die du zuvor gehört hast, sagt diese Gehirnregion vorher, wie gut dir die nächsten Töne gefallen werden. Sollten sie dir sogar besser gefallen, als vorhergesagt, dann erlebst du das als extrem angenehm. Sollte dir das Gehörte weniger gefallen, als vom Nucleus Accumbens antizipiert, dann fühlst du dich gelangweilt oder enttäuscht."

Musik empfinden wir also nicht deswegen als extrem gut, weil sie in unser erlerntes Schema passt, sondern gerade deswegen, weil sie leicht von diesem Schema abweicht und dennoch zu bestimmten Teilen berechenbar ist. Aber nicht nur solche früh erlernten Muster scheinen einen Einfluss darauf zu haben, welche Musik wir lieben. Es gibt einige Anhaltspunkte dafür, dass Musikgeschmack auch von unseren Persönlichkeitsdimensionen abhängig ist, die zu einem großen Teil angeboren sind.

Die vier grundlegenden Dimensionen des Musikgeschmacks

Peter J. Rentfrow und Samuel D. Gosling von der University of Texas haben in umfangreichen Studien vier grundlegende Dimensionen unserer Vorlieben von Musik herausgearbeitet und dann untersucht, in welchem Zusammenhang diese Dimensionen zu unseren fünf Hauptdimensionen stehen. Die vier herausgearbeiteten musikalischen Dimensionen sind:

  1. besinnlich und komplex (z.B. Blues, Jazz, Klassik und Folk)
  2. heftig und rebellisch (z.B. Rock, Alternative und Heavy Metal)
  3. euphorisch und konventionell (z.B. Pop, Country und Soundtracks)
  4. dynamisch und rhythmisch (z.B. Rap/Hip-Hop, Soul/Funk und Dance)

Die Autoren der Studie gestehen ein, dass man nicht davon ausgehen kann, dass diese vier Dimensionen unabhängig von Epochen und Geographien grundlegend sind. Aber sie sind zumindest robust und belastbar über verschiedene heute in der westlichen Welt lebende Ethnien hinweg. Erwähnenswert finde ich noch, dass alle 1704 Studienteilnehmer junge Studenten waren, also wiederum ein sehr eingeschränkter junger und privilegierter Personenkreis innerhalb eines eingeschränkten Kulturkreises. Wer sich für die Details interessiert, kann die gründlich aufgearbeitete Studie The Do Re Mi’s of Everyday Life: The Structure and Personality Correlates of Music Preferences [PDF in Englisch] online nachlesen.

Musikgeschmack und Persönlichkeit

Rentfrow und Gosling haben dann mit diesen Studenten Persönlichkeitstests gemacht, um zu untersuchen, welche Zusammenhänge es zwischen dem Musikgeschmack auf der einen Seite und den Persönlichkeitsdimensionen, dem Selbstbild und den kognitiven Fähigkeiten auf der anderen Seite gibt. Dazu haben sie unter anderem mit dem Big Five gearbeitet, ein sehr valides und anerkanntes Modell der Psychologie, mit dem jede Persönlichkeit durch ihre individuelle Kombination der Ausprägungen der fünf Hauptdimensionen NeurotizismusExtraversionOffenheit für ErfahrungenVerträglichkeit und Gewissenhaftigkeit beschrieben werden kann. Die Psychologen kamen damit faszinierenden Zusammenhängen zwischen diesen Persönlichkeitsdimensionen und den Dimensionen des Musikgeschmacks auf die Spur.

  1. Zum Beispiel korreliert reflektive und komplexe Musik positiv mit Offenheit für Erfahrungen, verbaler Gewandtheit und politischem Liberalismus... Diese Korrelationen deuten darauf hin, dass Menschen mit einer Vorliebe für reflektive und komplexe Musik eher kreativ und mit aktivem Vorstellungsvermögen ausgestattet sind, ästhetische Erlebnisse schätzen, sich für intelligent und tolerant halten und konservative Ideen eher ablehnen.
  2. Die Liebhaber heftiger und rebellischer Musik - also beispielsweise Rock, Alternative und Heavy Metal - sind ebenfalls sehr offen für neue Erfahrungen, halten sich für intelligent und sind in der Regel wortgewandt. Interessanterweise zeigen solche Fans keine Anzeichen von Neurotizismus, obwohl ersichtlich ist, dass diese Musik häufig negative Emotionen inszeniert. Generell sind Fans heftiger und rebellischer Musik eher neugierig, gehen gern mal Risiken ein und sind körperlich aktiv.
  3. Fans der euphorisch-konventionellen Musik, sind eher extrovertiert und verträglich, oft gewissenhaft und konservativ, aber eher nicht offen für neue Erfahrungen und nicht so wortgewandt. Sie sind Frohnaturen, sehr sozial orientiert, eher konventionell, verlässlich und hilfsbereit.
  4. Die Liebhaber der dynamisch-rhythmischen Musik sind ebenfalls extrovertiert und verträglich, aber eher liberal und weniger konservativ, als die Fans der euphorischen Klänge. Sie sind sehr gesprächig und voller Energie.




Ich muss sagen, ich erkenne mich selbst ganz gut wieder in der zweiten und teilweise auch in der ersten Dimension. Auch interessant ist die Erkenntnis der Psychologen, dass Hard Rock Fans von ihrer Lieblingsmusik weitaus stärker mitgerissen werden, als die Fans anderer Musik. Ein Einruck, den ich bestätigen kann, wenn ich an die Konzerte denke. Übrigens höre ich auch sehr gern traurige Musik (reflektiv/komplex), etwas Eagle Seagull, ohne dass ich jemand bin, der oft traurig ist. Im Gegenteil, mein Umfeld bestätigt mir oft, eine Frohnatur zu sein. Ich denke, dass traurige Musik, genauso wie traurige Filme oder Horror-Movies eine reinigende Wirkung haben: Ich registriere diese Trauer in der Musik, kann mich dem Schmerz aussetzen, ohne dass ich ihn selbst mit allen Konsequenzen erleiden muss. Für Psychologen ist klar, dass gehörte Emotionen nicht eins zu eins übernommen werden, sondern ein Gegenstand unseres Bewusstseins werden, mit dem wir uns gefahrlos auseinandersetzen können.

Bei der Psychologin Marilia Priyanka Fernandes fand ich noch die leider nicht weiter belegte Aussage, dass Heavy Metal und andere verzerrte Musik Deltawellen im Hirn erzeuge. Diese Deltawellen haben Menschen ansonsten nur, wenn sie tief und traumlos schlafen. Folgerichtig kommt die Psychologin zu dem Schluss: "Unsere Leistungsfähigkeit hinsichtlich jeglicher Aktivität wird in diesem Zustand nicht gut sein." Wir wussten es doch schon immer: Heavy Metall Fans sind Zombies und zu nix gut zu gebrauchen. Außer eben zum Headbanging (siehe Video oben).

Was ist eure Lieblingsmusik und was fühlt ihr dabei? Passt sie zu eurer Persönlichkeit? Eure Kommentare würden mich interessieren.



1) The sounds of social life: A psychometric analysis of students’ daily social environments and natural conversations. Journal of Personality and Social Psychology, 84, 857–870

Kommentare:

  1. Richtig cooles Thema, danke dafür! Ich mag eigentlich alle der Musikrichtungen, doch am meisten bewegt mich immer schon die melancholische, egal ob hart, alternative oder Klassik. Merke auch, dass die Wahl meiner Musik mit meiner Stimmung verbunden ist. Und das eher "verstärkend", d. h. wenn ich schlecht drauf bin, höre ich keine aufheiternde Popmusik sondern geh in die Vollen mit Selbstmitleid. Wie ist das bei dir?

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    1. Das geht mir ganz genauso! Obwohl ich selbst gut melancholisch hören kann, wenn ich gut drauf bin. Wenn ich mies drauf bin, höre ich lieber kräftige, aggressive Musik. Ganz viele Lebensphänomene sind bei mir an die Energie gekoppelt, die ich habe oder benötige. Essen, Musik hören, Sport machen - alles Energielieferung.

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  2. Also mich macht Heavy Metal nicht aggressiv sondern dumpf. Ich mache meine Musik großteils selbst - dabei komme ich drauf, wie ich mich fühle. Ich mag alles. Klassik, Folk und Volksmusic, World, Rock und Popo, sogar recht viele Schlager. Ich mag es am liebsten von Musik in die gedankliche Ferne geführt zu werden - ins Narrenkast'l hören, könnte man Analogie sagen.

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    1. -o bei Pop,l echt sorry blöder Tippo

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    2. :) Kein Problem, ist ein echt lustiger Tippfehler, da gibts ja auch hin und wieder was zu hören. Musik selbst machen, ist natürlich die Kür des Ganzen. Beneidenswert.

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  3. Grüssi,

    anscheinend funktioniert das mit der Dopaminausschüttung beim Musikhören nicht sonderlich gut in meinem Gehirn, denn ich bevorzuge die Musikrichtung Stille. Auch wenn ich hin und wieder gern etwas Musik höre, ohne sagen zu können, das höre ich besonders gern. Wobei, andersherum, heftiges und sehr rhytmisches mich zum flüchten bringen kann.

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  4. Was für Wellen sind denn Deltawellen? Man liest immer wieder über "Hirnwellen" und die werden für alles mögliche verantwortlich gemacht, aber was das für Dinger sind, wird nie klar.

    Aber was die Musik angeht... als aktiver Musiker schätze ich es, oft keine Musik zu hören. Denn mein Gehirn springt unweigerlich an - auf die Stimmungen, aber auch auf all die kleinen unbewussten Hinweise, die den Musiker durch ein Stück durchführen, und das braucht Power im Kopf. Deswegen gehe ich gerne beim Discounter einkaufen: Da läuft keine Musik.

    Ansonsten höre ich die Musik, die meine Stimmung ausdrückt, in der ich mich im Moment finde. Manchmal ist das auch Dio, oder Guano Apes oder sowas. Wenn ich inhaltlich dabei sein will, Zeug mit Textbotschaften. Da ist viel aus dem Songwriter-Bereich dabei, z.B. Dota Kehr, aber auch diverse Iren, oder z.B. Sophie Hunger. Die Sammlung ist groß und es wäre wenig nützlich, hier eine Liste zu machen.

    Welche Stimmung eine Musik widerspiegelt hängt dabei von der Musik selbst ab, aber auch von den Situationen, in denen sie mir das erste Mal begegnet ist.

    Spannend wird es immer dann, wenn gar nichts aus der Sammlung passt. Dann hat sich das Innenleben verändert.

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  5. Ha, das ist ja mal ein interessanter Artikel, also ich muss sagen, dass ich eigentlich viele Musikrichtungen gern höre, nur Heavy Metal nicht. Es ist tatsächlich so, dass mich das richtig aggressiv macht, ich hatte in der Schule Klassenkameraden, die waren Fans, und manchmal bei ihren Partys haben wir die Musik gehört. Und ich fand es immer total schrecklich. Ich höre sonst alles, HipHop, Dance, Pop, Klassik. Kommt immer auf meine Stimmung an, und ich habe meine Pubertät regelrecht in Phasen gelebt.
    Es gab die coole HipHop-Phase, dann gab es mit Guildo Horn die Schlager-/ NDW-Phase etc.
    Witzigerweise ist es tatsächlich so, dass ich mich wohl eher zu 3 und 4 zähle, wenn ich also offener sein möchte, muss ich dann nur mehr Heavy Metal hören? ;)

    Das wäre doch mal eine interessante Frage: Kann man seine Persönlichkeit im Alter noch verändern in dem man die besagte Musik hört? Also hat diese Musik solch einen Einfluss auf die Gehirnwellen, dass man dann automatisch anders handelt und denkt?

    Reflektive Grüße aus dem hohen Norden
    "Wackeeeen" ;)
    Ildikó Varga

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  6. Hallo Ildiko! Danke für deinen interessanten Kommentar. Nein, ich denke nicht, dass man als Erwachsener seine Persönlichkeit durch die Musik, die man hört, fundamental verändern kann. Sicher kann man anders drauf kommen, Verhaltensweisen ändern, weil man plötzlich mit anderen Menschen aus einer anderen Szene unterwegs ist, aber die darunter liegenden Persönlichkeitsstrukturen sind kaum veränderbar. Viele Grüße nach Wacken :)

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  7. Mir geht es wie Ildiko. Ich bin in erster Linie ein Hörer der Dimension 1, bewege mich aber auch gern in 3 und 4. Aber Dimension 2 - nein, überhaupt nicht! Das Video mit den Headbangern empfinde ich als gruselig, um nicht zu sagen beängstigend. Auf so ein Konzert würde ich nie gehen, und wenn mir irgendwo Heavy Metall zu Ohren kommt, dann schalte ich ab oder entferne mich. Ernsthaft.

    Neben der Heftigkeit, Lautstärke und Agressivität dieser Musik, die mich reflexhaft abschalten lässt, ist es aber auch die Tatsache, dass ich persönlich diese Musik einfach als unmusikalisch empfinde. Im Heavy Metall scheint es ja wirklich in erster Linie um das Erzeugen und Erleben bestimmter Emotionen zu gehen, wie im Artikel beschrieben. Die Musik wird zum reinen Vehikel, und künstlerische Musikalität wird eher nicht benötigt, es reicht, mit Karacho auf die Instrumente zu hauen und ins Mikro zu brüllen.

    Ich suche aber gerade jene künstlerische Qualität, die es erlaubt der Musik wirklich zuzuhören, das Spiel von Klängen und Stimmungen, das Musikalische eben. An Stil oder Genre ist diese Qualität nicht gebunden, sie kann überall auftauchen, und so höre ich oft ziemlich querbeet: Beatles, Bach, Pink Floyd, Arvo Pärt, Fatboy Slim, Miles Davis. Oder zum Beispiel Weltmusik: eine Zeitlang bin ich regelrecht mit dem Finger über den Globus gewandert und suchte Weltgegenden, deren Musik ich noch nicht kannte. So entdeckte ich z.B. die paraguayanische Harfe, mongolischen Oberton-Gesang, traditionelle chinesische Musik, den Dreigesang des Alpenraums oder jetzt kürzlich ghanaischen Funk.

    Und was den Nucleus Accumbens angeht: Musik, die man bereits kennt, ist tatsächlich oft genußvoller als zum ersten Mal Gehörtes. Neues kann durchaus interessant und anregend sein, aber wirkliche Glücksgefühle erzeugt nur bereits Gewohntes. Vertrautes = Sicherheit???

    Dabei können sich die gespeicherten Muster im Gehirn bei übermäßiger Wiederholung aber auch schnell abnutzen. Ein paar Mal ist mir das passiert. Da entdeckt man einen tollen Song, hört ihn den ganzen Tag über immer wieder und wieder - und schon ist er "durch". Da erlege ich mir selbst inzwischen Mäßigung auf, man betrügt sich sonst um etwas ;-)

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    1. Danke für diese Perspektive.

      Ich will kurz etwas zu dem weit verbreiteten Vorurteil sagen, Hard Rock sei unmusikalisch. Wie in jedem Genre gibt es unzählige unterschiedliche Richtungen, Stile und natürlich auch Niveaus der unterschiedlichen Musiker. Auch bei Heavy Metal gibt es Genies und Nichtskönner und es gibt anspruchsvolle Musiker und eher populäre, so ist es überal. Es wäre also eine schwere Verallgemeinerung, alle die Hard Rock oder Metal machen, unmusikalisch zu nennen.

      Ich kann nachvollziehen, was du meinst: Diese Musik ist oft dissonant, schnell und dicht. Man kann das mit Beethoven vergleichen, der zu seiner Zeit ähnlich polarisierte, weil seine Musik laut und aggressiv war. Es ist auch legitim, dass man zu mancher Musik keinen Zugang findet. Gerade, wenn Musik sehr komplex ist, kann es schwierig sein, sich reinzuhören. Und nicht jeder mag komplex. aber deswegen ist es noch nicht unmusikalisch.

      Auch im weiten Spektrum der harten Musik, gibt es für jeden etwas zu entdecken, nur muss man dafür offen sein. Und schon sind wir wieder bei der Persönlichkeitspsychologie ;)

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  8. gut recherchiert, interessantes thema, danke!

    aber was bedeutet "sie *halten (hüstel .. ) sich für intelligent (hüstel ..) " ;-)

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  9. Interessanter Artikel! Generell alle Artikel hier :)
    Ich höre hauptsächlich Metal, Rock, Alternative usw, obwohl die erste Beschreibung eigentlich besser zu mir passt... Aber solche Tests kann man natürlich nicht auf jeden Menschen übertragen. Manchmal höre ich aber auch ruhigere oder traurigere Musik, also passt die erste Beschreibung doch ganz gut. Ich finde es aber auch schlimm, wenn man sich auf eine Musikart festlegt und alles andere total verabscheut. Ich bin eigentlich für fast jede Musik zu begeistern (*hust* außer Schlager *hust*)^^

    Und bei der Erklärung was Musik in unserem Gehirn auslöst und dass man sich freut, wenn man weiß, wie das Lied gleich weitergeht, hab ich mich selbst so wieder erkannt! :D

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    1. Danke, Lena, für deine Sicht auf dieses Thema. Da scheint es uns also ähnlich zu gehen :)

      Beste Grüße und "rock on"!

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  10. Warum klingt Moll traurig?

    Die Strebetendenz-Theorie sagt, dass Musik überhaupt keine Emotionen vermitteln kann, sondern nur Willensvorgänge, mit denen sich der Musikhörer identifiziert. Beim Vorgang der Identifikation werden die Willensvorgänge dann mit Emotionen gefärbt.

    Bei einem Durakkord identifiziert sich der Hörer mit dem Willensinhalt „ja, ich will!“, bei einem Mollakkord mit dem Willensinhalt „ich will nicht mehr!“. Der Willensinhalt „ich will nicht mehr!“ kann als traurig oder als wütend erfahren werden, je nachdem, ob ein Mollakkord leise oder laut gespielt wird. Wir unterscheiden hier genauso, wie wir unterscheiden würden, wenn jemand die die Worte „ich will nicht mehr!“ einmal leise flüstert und einmal laut herausschreit. Im ersten Fall klängen sie traurig, im zweiten wütend. Auf ähnliche Weise kann die Strebetendenz-Theorie die Wirkungen anderer Harmonien erklären. Weitere Informationen unter Google: "Strebetendenz-Theorie" oder "Theory of Musical Equilibration".
    Bernd Willimek

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    1. Danke für diese interessante Anmerkung! Philosophisch und auch psychologisch wäre jetzt sehr interessant, wie man Willensvorgänge genau von Emotionen trennen kann. Immerhin ist in der Etymologie von "Emotion" das "In-Bewegung-Setzen" des Willens bereits angelegt. Das gängige Verständnis wäre also, dass wir erst die Emotionen benötigen, um den Willen in Gang zu setzen. Aber gut, das kann ich jetzt hier nicht alleine klären.

      Mit besten Grüßen!

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