7. November 2015

Warum Verschwörungstheorien beliebt und gefährlich sind

Eine philosophische und psychologische Einordnung

In diesem Artikel zeigen wir, warum Verschwörungstheorien gefährlich sind, welche psychologischen Mechanismen ihrer Beliebtheit zugrunde liegen, wieso sich ihre Anhänger systematisch irren, was philosophisch gegen solche Theorien einzuwenden ist und wie wir mit ihnen und Informationen im Allgemeinen umgehen können.

Aber zuerst meine Definition: Eine Verschwörungstheorie ist der Versuch, Ereignisse wesentlich durch das Wirken einer Gruppe zu erklären, die sich unter einheitlicher Zielsetzung und bewusster Ausschaltung fremden oder öffentlichen Einblicks zu einem illegalen oder illegitimen Zweck zusammengeschlossen habe.

Für manche reicht schon ein Dollar als Beweis dafür, dass die Welt von Illuminaten gesteuert wird

Natürlich gibt es Geheimniskrämereien in der Politik, Verschwörungen in der Wirtschaft und von beiden gemeinsam angezettelte Kriege. Solche Dinge sind Realität und sie kommen unter den in der obigen Definition genannten Umständen immer wieder zustande. Um so etwas zu erkennen, benötigt man keine an den Haaren herbeigezogenen Verschwörungstheorien. Was unterscheidet eine vernünftige Theorie der Verschwörung von einer Verschwörungstheorie? Im Grunde ist es das kleine Wörtchen “wesentlich” in unserer Definition oben. Eine Verschwörungstheorie stellt die Verschwörung ins Zentrum einer jeglichen Erklärung und schließt andere Elemente wie Zufall, komplexe Interessenlagen, historische Entwicklungen und - wie wir später sehen werden - sogar die Logik aus ihrer Argumentation aus. Es kommt noch ein Element hinzu: Die Erklärung sollte möglichst fantastische Elemente haben, die uns ins Erstaunen versetzen.

Warum sind Verschwörungstheorien gefährlich?

Für Verschwörungstheoretiker ist die Erkenntnis nicht genug, dass eigennützige Menschen unter dem Deckmäntelchen liberaler Wirtschaftspolitik unsere Zukunft versauen, sie müssen darüber hinaus fremdgesteuert sein, am besten von Archonten, Illuminaten oder mindestens von den bösen USA. Dieses Element des Fantastisch-Erstaunlichen ist ein Katalysator für die Verbreitung solcher Theorien, einfach weil es sich erst mal interessant anhört. Aufmerksamkeitsheischende Überschriften (zum clickbaiting siehe auch hier) sind ein wertvolles Gut, besonders im "kostenlosen" Internet, das von Werbung lebt. Eine typische Überschrift wäre etwa "Hier lesen Sie, wer die Welt wirklich regiert!" Natürlich will ich das auch lesen. Wer wollte nicht wissen, welche kleine Gruppe von Verschwörern unser Schicksal bestimmt? Wenn es nur so einfach wäre...

Tragisch ist, dass Verschwörungstheoretiker auf diese Art dafür mit verantwortlich sind, dass wirkliche Verschwörungen unentdeckt bleiben und dass sich so beispielsweise der ganz schnöde und offensichtliche Lobbyismus (das sind viele verschiedene mit einander konkurrierende Interessengruppen und keine Verschwörung) ungestört unserer Politik bemächtigen kann. Denn das zum Teil gewollte Versagen der Politik zugunsten der Wirtschaft ist einfach nicht aufregend genug, um noch irgendwen hinter dem Bildschirm hervorzulocken.

"Verschwörungstheorien bieten uns etwas, was seriöse Forschung und Rationalität nicht bieten können: Nämlich Action, das Gefühl in einem Live-Krimi mitzuspielen, Teil einer großen Aufklärungsbewegung zu sein, das Gefühl über geheimes Wissen und über Macht zu verfügen. David gegen Goliath." (MagicGuitar auf Freitag.de)

Verschwörungstheorien sind im Grunde Blendraketen: Wenn sie abgefeuert werden, lenken sie vom eigentlichen Feind ab. Ist das jetzt selbst schon eine Verschwörungstheorie? Nein, denn dahinter steckt keine Verschwörung irgend welcher Weltmächte, sondern in der Regel ein paar sensationshungrige, egozentrische Leute und eine kleine aber gut verdienende Verschwörungsindustrie (oft Verlage, die auch den Esoterikmarkt bedienen), die mit der Verbreitung ihrer verdummenden Materialien gutes Geld von ihren leichtgläubigen Anhängern eintreiben.

Es ist sogar vorstellbar, dass die eine oder andere Theorie in der langen Geschichte der Verschwörungstheorien zu großen Teilen oder an ihren Ausgangspunkten gestimmt hat. Nur wird ein Verschwörungstheoretiker eben nur von einer Schar verwirrter Menschen ernst genommen, nicht aber von relevanten Leuten, sodass solch ein Goldstückchen der Wahrheit dann in der Flut von Müll der anderen Verschwörungstheorien einfach unter geht. Ein Beispiel dazu wäre die Ermordung von John F. Kennedy, die wirklich nicht von einem einzelnen begangen worden sein kann. Es ist klar, dass Lee Harvey Oswald Helfer hatte, jedoch ist es an den Haaren herbeigezogen, dass es sich dabei um eine Verschwörung eines geheimen Bundes von CIA, Mafia, Vizepräsident und Kubanern gehandelt hat. Verschwörungstheorien liefern uns einen Bärendienst im Kampf gegen Verschwörungen. Ein anderes Beispiel von einer auf Fakten aufbauenden kruden Fantasie sind die Legenden um die sogenannten Chemtrails, mit denen Eliten um die Weltherrschaft ringen würden. Es gibt zahlreiche mögliche Manipulationen durch Wissenschaftler und Militär am Himmel, aber die Kondensstreifen am Himmel erklären sich sehr einfach durch den zunehmenden Flugverkehr und die jeweiligen Wetterbedingungen (in feuchter Luft verdunsten die Abgase nicht und bleiben als Dampfstreifen sichtbar). Wir sollten etwas gegen die zunehmende Verpestung durch den Verkehr unternehmen, anstatt in wilde und unfruchtbare Spekulationen zu flüchten.

Es gibt viele andere und gefährlichere Aspekte, besonders das Anstacheln von Feindseligkeiten, das wir jetzt wieder mit Pegida sehen. So etwas kann im Extremfall zum Genozid führen, wie wir am Naziregime sahen, dass sich ganz wesentlich auf Verschwörungstheorien stützte.

Warum sind Verschwörungstheorien so beliebt?

Sich die Welt vereinfacht zu erklären, ist eine völlig berechtigte Bewältigungsstrategie. Die Medien überfordern uns zunehmend durch die Masse und Komplexität der Informationen. Das, was alles auf uns einströmt, möchten wir gern auf ganz wenige Mechanismen zurückführen. Und das ist der erste Impuls zu einer Verschwörungstheorie: Komplexe Entwicklungen werden zurückgeführt auf eine einzige Ursache, die Verschwörung. Interessanterweise verrennen sich die Theoretiker dann sehr bald, weil sie immer weitere Annahmen machen müssen, um die zunehmend verrückter werdende These aufrecht erhalten zu können. So werden Erklärungsversuche, die aus dem Wunsch nach Komplexitätsreduzierung geboren werden, zu verwirrten und verwirrenden Legenden.

Ein anderer Impuls, die Welt völlig neu zu erklären, ist dass man Ungeheuerliches wie zum Beispiel den Holocaust nicht wahrhaben möchte. Also werden Geschichten akzeptiert, nach denen der Holocaust so nie statt gefunden hat oder eben von anderen, am besten den Juden selbst initiiert wurde. Man entlastet damit sein Erbe und ermöglicht eine nötige Re-Identifikation mit der eigenen Herkunft. Auch die durch uns selbst mit verschuldete Klimakatastrophe wollen viele nicht wahr haben und kaufen sich mit diversen Theorien frei von ihrer Mitschuld. Besonders lustig ist dann, wenn dieselben Leute an die sogenannten Chemtrails am Himmel glauben, mit denen kleine Eliten unser Klima auf der Erde verändern wollten.

Ein dritter Impuls ist der, Unvereinbares miteinander in Einklang zu bringen. Denken wir an all die Legenden um 9/11. Die USA sind doch so allmächtig, dass ein paar wenige daher gelaufene Studenten nie die World Trade Tower hätten zum Einstürzen bringen können. Also muss es doch gut geplant aus dem "Deep State" der USA selbst gekommen sein.

Das Sympathische an diesen Theorien ist, dass sie eigentlich aus einem gesunden Impuls kommen: Bloß nicht alles glauben, was uns andere sagen! Aus irgend einem Grund jedoch, schießen sie dermaßen über ihr Ziel hinaus, dass sie irgendwann nur noch solche Dinge glauben, die absolut verrückt sind. Anhänger von Verschwörungstheorien haben eine große Skepsis gegenüber plausiblen Erklärungen und keinerlei Skepsis gegenüber widersprüchlichen, haarsträubenden und verworrenen Gedankengebäuden.

Warum sind Verschwörungstheorien dumm?

Theorien können natürlich nicht dumm sein, sie sind ja keine Menschen. Ich würde nicht mal alle Verschwörungstheoretiker als dumm bezeichnen. Jedoch rechnen sie mit unserer Dummheit und tragen zu unserer weiteren Verdummung bei. Die eigentlich "vernünftige" Skepsis der Verschwörungstheoretiker und ihrer Anhänger hat ein Problem: sie ist asymmetrisch, richtet sich nicht gegen jegliche Information, sondern nur gegen die der etablierten Medien, gegen die System- oder Lügenpresse, die Pharmaindustrie oder wer sonst auch immer der Feind sein mag. Auf der anderen Seite werden keine Informationen, die gegen den "Feind" sprechen, hinterfragt, egal wie unwahrscheinlich und widersprüchlich diese Informationen sein mögen. Wie gesagt, eigentlich ist es ganz vernünftig, die Medien zu hinterfragen, aber dann bitte alle. Wenn ich schon den Journalisten der Tagesschau nicht glaube, wieso sollte ich dann ausgerechnet einem Video auf YouTube glauben, das von einem gemacht wurde, der sich in seinem vermieften Kämmerlein die Welt selbst zusammenstrickt?

Bei psychologischen Studien der University of Kent hat man herausgefunden, dass Verfechter von Verschwörungstheorien zum einen lieber die etablierte und oft einfachere Theorie kritisieren, als die eigene und oft verworrene Verschwörungstheorie zu verteidigen (was auch ungleich schwerer wäre). Ihre Diskussionsgegner verfuhren genau anders herum und verteidigten die einfache und etablierte Theorie, anstatt den Versuch zu unternehmen, die verworrene Verschwörungstheorie zu widerlegen. Zudem fand man in dieser Studie heraus, dass sich Anhänger von Verschwörungstheorien weniger an Widersprüchen in ihren Überzeugungen stören. Zum Beispiel akzeptierten die Probanden, die meinten, dass Prinzessin Diana einem Mordkomplott zum Opfer gefallen war, eher als andere Probanden die Theorie, dass die Prinzessin ihren eigenen Tod nur inszeniert habe und noch am Leben sei. Das zeigt, dass die Logik ihrer Überzeugungen Anhängern solcher Theorien nicht so wichtig ist, wie ihre Grundüberzeugung, dass wir alle systematisch belogen werden. Im Grunde ist es ihnen egal, welche der beiden sich widersprechenden Theorien stimmt, solange es nicht einfach nur ein schnöder Unfall eines betrunkenen Rasers war.

In Diskussionen mit Anhängern solcher Theorien nervt diese Verschlossenheit gegenüber Logik und intellektueller Redlichkeit ganz gewaltig. Man kann verzweifeln an Leuten, die sich lieber selbst widersprechen, um ihre Wahngebäude aufrecht zu erhalten, als dass sie einmal für einen Augenblick versuchen, ihre eigenen Theorien zu hinterfragen. Wann immer wir jemandem begegnen, der meint, die Wahrheit gepachtet zu haben, ist generell Vorsicht angebracht.

Vieles in der Psychologie von Verschwörungstheorien kommt aus dem Gebiet der sogenannten kognitiven Verzerrungen, zum Beispiel der Bestätigungsfehler (nur die Informationen auswählen, die eigene Erwartungen erfüllen), der Dunning-Kruger-Effekt (Tendenz inkompetenter Menschen, das eigene Können zu überschätzen und die Kompetenz anderer zu unterschätzen), die Illusorische Korrelation (fälschliche Wahrnehmung eines Kausalzusammenhangs) oder der Wahrheitseffekt aufgrund von Wiederholung. Die oben genannte Studie hat unter anderem gezeigt, dass Probanden die Verschwörungstheorien akzeptieren, mit denen sie häufiger konfrontiert wurden.

"Aus Sicht der Psychologen zeigt dies, dass Verschwörungstheorien eben auf einer grundlegenden Annahme fußen: in der Regel der, dass Regierungen oder andere mächtige Gruppierungen die Wahrheit verschleiern. Ob sich darauffolgende konkrete Thesen gegenseitig stützen oder widersprechen, scheint egal zu sein - Hauptsache, sie passen zur Grundannahme."
(Psychologie: Wie Verschwörungstheoretiker ticken)

Der deutsche Amerikanist Michael Butter hat sich ausgiebig mit Verschwörungstheorien befasst und fasst zusammen, was einen Verschwörungstheoretiker von einem ernst zu nehmenden Wissenschaftler unterscheidet:

"Verschwörungstheorien lassen sich nicht widerlegen. Wenn ein Verschwörungstheoretiker sich einmal die Grundzüge seiner Theorie zurechtgelegt hat, dann ändert sich daran nichts mehr. Gegenteilige Fakten werden entweder ignoriert oder zu weiteren Beweisen umgedeutet. Deshalb ist es so schwer, mit Verschwörungstheoretikern zu diskutieren."
(Verschwörungstheorien der Wirtschaft)

Auch aus philosophischer und wissenschaftstheoretischer Sicht lässt sich vieles gegen Verschwörungstheorien sagen. Zum einen das, was von Michael Butter hier bereits gesagt wird: Eine ernst zu nehmende Theorie muss falsifizierbar sein und kann sich nicht durch Hinzudichten neuer Argumente unverwundbar machen. Zum anderen sitzen solche Theoretiker und ihre Anhänger systematisch dem sogenannten genealogischen Fehlschluss auf: Sie halten Informationen schon deswegen für wahr oder falsch, weil sie einer bestimmten Quelle entstammen. Ich mag es zwar für ein gutes Indiz dafür halten, dass eine Information aufgebauscht ist, weil ich sie z.B. in der BILD finde, ein Beweis für Skandalisierung ist es deswegen jedoch noch lange nicht, dazu benötige ich weitere Erkenntnisse. Das gilt genauso für die “böse Systempresse” oder die sogenannten "gleichgeschalteten Medien". Für den Verschwörungstheoretiker ist klar, dass eine Information schon deshalb falsch ist, weil er sie in der Tagesschau hört. Das ist ein klassischer genealogischer Fehlschluss.

Die selektive Skepsis hatten wir oben bereits angesprochen: Es ist gut, Informationen gegenüber skeptisch zu sein, es ist jedoch schlicht dumm und leichtgläubig, diese Skepsis nicht auch gegenüber den YouTube Videos zu haben, die uns vermeintliche Beweise über Reptiloide oder eine inszenierte Mondlandung zeigen. Zuletzt bringe ich noch die Eleganz ins Spiel, die von guter Wissenschaft und Wahrheitssuche verlangt wird. In der Philosophie firmiert das unter Ockhams Rasiermesser: Steht man vor der Wahl mehrerer möglicher Erklärungen für ein und dasselbe Phänomen, soll man diejenige bevorzugen, die mit der geringsten Anzahl an Hypothesen auskommt und somit die "einfachste" Theorie darstellt.

Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft besteht in solchen Prinzipien, die man unter dem Begriff "intellektuelle Redlichkeit" zusammenfassen kann. Wissenschaftlern geht es nicht darum, Recht zu behalten. Für Verschwörungstheoretiker ist Recht behalten jedoch das Allerwichtigste. Wer mehr darüber lesen möchte, was Verschwörungstheorien von Wissenschaft und ihren Standards unterscheidet, welche erkenntnistheoretischen Merkmale ihnen zugrunde liegen und warum sie gerade jetzt so hoch im Kurs stehen, sollte Verschwörungstheorien: Eine philosophische Kritik der Unvernunft von Karl Hepfer lesen.

Vernünftiger Umgang mit Theorien und Informationen

Ich bin ganz beim ursprünglichen Anliegen vieler Anhänger von Verschwörungstheorien: Lasst uns skeptisch bleiben gegenüber den Medien, der Politik und Wirtschaft. Aber lasst und deswegen nicht leichtgläubig in die Arme von Verführern und Wahnsinnigen laufen, die mindestens ebenso niedere Beweggründe haben, wenn sie nicht einfach nur psychisch krank sind. Wenn wir uns das Denken von Theoretikern abnehmen lassen, die keine intellektuelle Redlichkeit zeigen, machen wir uns selbst dumm. Behalten wir die Skepsis gegenüber allen Informationen und Argumenten, egal von welcher Seite. Wir müssen selber denken und vorsichtig sein mit der Auswahl unserer Prämissen. Ein paar philosophische Prinzipien wie Ockhams Rasiermesser, die Vorsicht gegenüber denen, die immer Recht haben, die Vermeidung offensichtlicher Fehlschlüsse und die Überprüfung eigener Argumente auf ihre Kohärenz und inhärente Logik können uns dabei helfen.



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Kommentare:

  1. Lieber Gilbert,

    interessant, dass Du das Thema Verschwörungstheorie aufgegriffen hast, zeigt es mir doch, dass Du der einen oder anderen Information, die es in unseren Mainstreammedien nicht oder nur in geringem Maße behandelt werden, nachgegangen bist.
    Ja, es gibt eine Menge Material auf beiden Seiten, wo ich weiterhin sehr skeptisch bin.
    Es hat sich aber inzwischen gezeigt, dass viele der angeblichen Verschwörungstheorien sich als Wahrheit herausstellten. Um nur einige konkret zu nennen:
    Nun freigegeben Akten zeigten, dass die US-Verwaltung früh genug wusste, dass der Angriff auf Pearl Habor kommt. Es war Zeit für Warnung. Man wollte aber, dass dieses Chaos kommt, um so die Bürger für den Eintritt in den 2. Weltkrieg bewegen zu können.
    So haben nun ähnliche Aktenfreigaben gezeigt, dass die Versenkung des Marineschiffs vor Vietnam ein False Flag war, das Millionen von Menschen das Leben kostete.
    Ebenso zeigten Aktenfreigaben, dass die CIA den Putsch im Iran organisierte, so dass am Ende der US-Amerikanisch-treue Schah für den Zugang zu den Ölquellen dran kam.
    Das Gleiche in Chile mit Alliende.
    Und weiter geht es mit den angeblichen Babies, die irakische Soldaten in Kuwait auf den Boden geworfen haben sollte. Insziniert von einer PR-Agentur in den USA.
    Und weiter ging es mit den angeblichen Massenvernichtungswaffen der Iraker. Grund für einen Krieg, in dem weitere 1 Millionen Menschen den Tod fanden.
    Wer sich die Studien von Daniele Ganser zum 9/11 anschaut, bemerkt ebenfalls sehr schnell, welche Verschwörungstheorie uns hier seitens der US-Verwaltung erzählt wird. Das ist einfach nur stümperhaft.
    Ich denken nicht, dass die so genannten "Verschwörungstheorien" von den eigentlichen Gefahren ablenken. Ganz im Gegenteil, sie sensibilisieren zunehmend. Es ist schon erstaunlich, wie schnell inzwischen neue False Flag Versuche entlarvt werden, oder Falschmeldung, bzw. Halbmeldungen unsere Medien zur Diffarmierung unliebsamer Gegner des Systems als solche aufgedeckt werden.

    Ich gehe davon aus, dass es in den nächsten Monaten zunehmend weitere Aufdeckungen geben wird, die die Theorie in einen Fakt wandeln werden. Spannende Zeiten.

    Und ja: lasst uns skeptisch bleiben und nicht jeder Meldung, egal von welcher Seite auf den Leim gehen, denn das nützt nur dem Falschmelder ...

    Danke für Deinen denkanstößigen Artikel.
    Martin

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    1. Lieber Martin,

      danke für deinen Kommentar.

      Wie du bemerkt hast, maße ich mir gar nicht an zu sagen, was wahr und was falsch ist, weil ich mir im Gegensatz zu all denen, die die Wahrheit gepachtet haben, darüber im Klaren bin, dass ich keinen klaren Zugang zu den Fakten habe. Alles, was mir zugänglich ist, ist gefiltert durch irgend wen oder was. Und ich bin mir sicher, dass deine Beispiele leider nah genug an der Wahrheit sind.

      Mir geht es also nicht darum, einzelne Ereignisse zu beurteilen (Ufos und Reptiloide mal ausgenommen), sondern die Strukturen aufzuzeigen, nach denen die Rattenfänger vorgehen, um Leute zu verführen. Leider sehe ich zunehmend intelligente Menschen, die solchen Leuten auf den Leim gehen und auf ihren Blogs oder Facebook-Profilen (warum nimmt sich eigentlich kein Verschwörungstheoretiker mal Facebook vor?) hirnrissigen Quatsch verbreiten, anstatt an einer besseren, aufgeklärten und von mir aus auch spirituellen Welt mitzuarbeiten. Das ist schade.

      Viele Grüße!

      PS: Mal abgesehen von der totalen Ignoranz gegenüber wissenschaftlichen oder auch nur journalistischen Prinzipien der Wahrheitsfindung (du hast ja auch deinem Blog zahllose Leute, die in ihren Kommentaren völlig haarsträubende Theorien mit absoluter Überzeugung aber ohne jegliche wissenschaftliche Fundierung vortragen) sind all diese Theorien in den sozialen Netzwerken immer nur negativ und rückwärtsgewandt. Was für eine Verschwendung an menschlicher Leistungsfähigkeit.

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  2. Vielleicht hilft es weiter, wenn man einen sehr deutlichen Unterschied setzt zwischen ganz eigenen persönlichen Erfahrungen, den Lebenslügen, die jeder schon erlebt hat, ja man kann sich sogar selbst belügen, eine Selbsttäuschung. Wer bin ich? Dann gibt es den Unterhaltungswert. Es gibt Fernsehsendungen in Quizform. Jemand erzählt eine Geschichte. Ist sie wahr oder nicht? Wer ist ein guter Lügner? Selbst Richter haben sich schon geirrt. Hier kann nur ein guter Profiler weiter wissen mit sehr viel Erfahrung. Deswegen übt es einen starken Reiz auf mich aus, denn wie eine Person spricht, welche glaubhaften Bewegungen macht sie währenddessen, passen die Bewegungen in der Synchronisierung zur Aussage? Spätestens dann bemerke ich, wie ich als Laie dastehe. Die Fernsehspielchen finde ich eigentlich langweilig, weil von vornherein klar ist, dass einer lügt. Als Übung aber vielleicht ja ganz interessant. Aber nun der deutliche Unterschied: Wenn sich jemand einen wissenschaftlichen Anstrich gibt, dann folgt gleich eine wissenschaftliche Begründung mit.
    Ich habe mich selbst schon in Mutmaßungen verfangen, alles könnte ja wirklich ganz anders gewesen sein. Die Darstellung der Erklärungen hat mich auch interessiert. Wie entsteht eine Versch.theorie?
    Die Interessengruppen: Nehmen wir z.B. zwei Interessengruppen. Eine Person fällt auf, weil sie geschlossen einer Interessengruppe zugehört, jetzt aber mit großem Engagement in das Interesse einer neuen, vielleicht sogar irgendwie schwächeren Gruppe tritt. Diese Person bemerkt im Eifer nicht, dass sie die Interessen der ursprünglichen Gruppe im schlechten Fall verletzt oder übergeht, weil eine Wende vorgenommen wird. Ein Konflikt, ein Machtkampf, ein "Machtkrieg" kann erwachsen. Die Person steht zwischen den Stühlen und bemerkt es nicht einmal (eventuell). Eine andere Variante ist, dass eine Person aus einem zwielichtigen Dunstkreis heraustreten möchte. Da ist das Dilemma ja schon vorprogrammiert. Oder eine letzte Variante: Das Opfer, dem sowieso keiner glaubt, befindet sich in einem in der Öffentlichkeit angesehenen Kreis. Der Kreis ist völlig gesetzeskonform, immer korrekt, anständige Leute eben. Aber da lebt mittendrin ein einzelnes Opfer. Dem Opfer gegenüber zeigt der Kreis ein anderes grausames Gesicht. Das Opfer ist bewusst ausgewählt von diesem Kreis, weil es irgend einen Makel hat, aber keine Lobby. Sprich: Makel gegen Ansehen. Das könnte ja alles sein? Oder?
    Manchmal mache ich mir wiederum einen Witz aus den ganzen Geschichten, ein Spiel, ein Quiz, falle ich drauf rein oder nicht. Chemtrails und Reptiloide etc. :-) Aber nun wieder zum Ernst:
    Eine Frau im Video machte auf mich einen unglaublich hellen Eindruck, wirklich sympathisch. Aber sie zweifelte den Holocaust an. Zuerst ich: Das kann nicht sein? Spinne ich jetzt? Schon allein, dass ich es angezweifelt habe, zeigt mir ja, wie empfänglich ich sein kann. Dann aber dachte ich mir, sie stützt sich nur auf ein einziges Buch. Das ist zu wenig. Mein ganzes Geschichtswissen war im Moment wie ausgeblendet. Aber eine Erklärung fand ich dann doch für ihre Zweifel, also der Frau. Es wurden sehr viele Juden in anderen Gebieten erschossen. Auschwitz kannte die Frau "nur" als ... also ich brauche es nicht weiter auszuführen. Ich frage mich nur, weil ich schon gehört habe, dass die Leute damals nicht davon wussten. Der Holocaust hat stattgefunden und viele wussten es nicht. Verstehe ich ehrlich gesagt immer noch nicht. Warum wussten sie es nicht? Wieso hat die Frau behauptet, dass es hauptsächlich Arbeitslager waren? Entweder Versch.theor. verstehen es wirklich nicht besser oder sie möchten mit Absicht die Wahrheit ausblenden oder gar als Rattenfänger auf eine falsche Fährte lenken. Und dann hat sich das Ganze auch für mich erledigt.
    Lügen existieren dennoch oder einfach nur Irrtümer. Die Wissenschaft nimmt eine Sonderstellung ein.

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  3. Noch ein Nachtrag: Soeben habe ich noch den Artikel des Spiegel hierzu gelesen. Das Beispiel des Versuchs mit Studenten. Ich greife den Tod Lady Di heraus. Die echte Version, dazu gab es für das Anzweifeln der echten Version zwei verschiedene Theorien, die sich widersprechen zur Auswahl. Das Ergebnis war, dass die Studenten sowohl die eine Theorie als auch die andere Theorie für möglich hielten. Es hätten (füge ich jetzt hinzu) auch noch weitere Theorien existieren können. Gehe ich richtig in der Annahme, dass unter den mehreren Theorien nur eine die richtige sein kann. Dann wäre auch ich ein solcher Kandidat. Denn, wenn die Ursprungsversion in Zweifel gezogen wird, obwohl sie der Wahrheit entspricht, ist für mich ehrlich gesagt logisch, dass praktisch alles wieder möglich erscheinen kann. Existiert die erste Version der Wahrheit nicht mehr, dann ist ALLES möglich. Man fängt von ganz vorne wieder an. Man muss alle Versionen zunächst (fiktiv) als wahr betrachten. Alle Versionen untersuchen, was am Ende das Ergebnis ist, kann der Student zum Zeitpunkt des Tests doch gar nicht wissen. Insofern stimmt es doch, dass zunächst alle Versionen weder falsch noch richtig sind. Das irre dabei ist, dass der Widerspruch zunächst eher wahr ist, weil ja wieder alles möglich ist. Sozusagen, mein Name ist Hase, ich weiß nichts, aber ich grase auf allen Gebieten. Sich gleich auf eine der anderen Theorien festzulegen, wäre doch einseitig, deswegen muss alles möglich sein. Könnte sein, dass die eine Alternative tatsächlich wahr ist, ohne weiter gehen zu müssen. Aber sicher ist es absolut nicht. Aber ich stelle soeben fest: Ich hab den Denkfehler. Warum schließe ich diese Version aus, dass es so einfach sein könnte und die eine Variante sofort ein Volltreffer mit allen Beweisen sein könnte. Nein, bei mir ist jetzt auf einmal gleich alles möglich. Beides könnte wahr sein: Alles offen oder gleich die eine Alternative.

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    1. Danke, Gabriele Fritz, für die offenen Gedanken! Es stimmt schon, dass es ok ist, für viele "Theorien" offen zu sein, viel mehr als wir oft meinen, ist tatsächlich möglich. Das ist für mich gar kein Problem. Mein Problem die Leute, die sich dermaßen in Verschwörungstheorien versteigen und aus Prinzip nicht die naheliegenden Erklärungen in Erwägung ziehen, für einen vernünftigen Austausch der Argumente nicht zugänglich sind. Lieber widersprechen Sie sich selbst, als jemandem anderen zuzugestehen, dass auch er im Recht sein könnte. Sie sind also nicht an Wahrheitsfindung interessiert, sondern rein ideologisch daran, die "akzeptierte" oder "etablierte" Theorie zu diskreditieren. Ich hingegen wäre offen, jede Version zu diskreditieren, wenn ich dadurch die Wahrheit herausfände.

      Psychologisch ist das mit den Leugnern auch bereits gut verstanden. Besonders die kognitiven Verzerrungen (denen wir alle mehr oder weniger unterliegen) Bestätigungsfehler, Dunning-Kruger-Effekt, Illusorische Korrelation und der Wahrheitseffekt aufgrund von Wiederholung lassen Menschen tatsächlich glauben, im Recht zu sein. Das ist erst mal nicht verwerflich (man kann irren, wie du sagst), aber man muss zur Reflexion offen sein und sich selbst hinterfragen.

      Mein Fazit wäre: Wir sollten immer dann vorsichtig sein, wenn irgend jemand behauptet, er oder sie kenne die Wahrheit und alle anderen seien nur naiv. Die Wahrheit gepachtet zu haben, ist ein Zeichen einer wahnhaften Persönlichkeit. Leider lassen sich zu viele von solchen wahnhaften Personen verführen.

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    2. Gefällt mir. Es ist so mit Struktur kompakt und übersichtlich und dennoch ist genau der Knackpunkt drin enthalten. Man findet Personen und denkt, sie haben dieselben Ideale, wird verleitet, weil man erst später bemerkt, dass ein weiteres Hinterfragen plötzlich nicht möglich ist. Dann fragte ich mich selbst: Bin ich stur? Einen Willen haben nur um des Willens willen ist auch irgendwie dann fad und langweilig.

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  4. 750.000 Follower können nicht irren. Doch!
    (Vor allem wenn es gekaufte Follower sind, gibt's im 1000er Pack ;-) ;-) )
    http://www.sueddeutsche.de/politik/instagram-selfies-aus-der-steinzeit-1.2725402
    Verschwörungstheorien gedeihen vor allem auf Grundlage falsch wahrgenommener Statistik.
    Die Wahrnehmung wiederum ist relativ einfach an einem Beispiel zu 'begreifen'.
    Google wird heute zurecht als Firma wahrgenommen, der vieles gelang.
    Was kaum jemand weiß: Die google-Gründer wollten ihre Firma für weniger als 1 Mio $ (!!!) verkaufen, dem Käufer war der Preis zu hoch ...
    Aus heutiger Sicht: LOL ROFL
    Die Geschichte von google hätte(!) mehrmals eine vollkommen andere Wendung nehmen können,
    was wir nicht wahrnehmen (bzw. schlecht wahrnehmen können).

    Kahneman sagt dazu:
    "Das menschliche Gehirn beschäftigt sich nicht mit Nichtereignissen" also mit (mehreren!) Ereignissen, die recht wahrscheinlich waren, jedoch per Zufall nicht eingetroffen sind und dem Verlauf eine vollkommen andere Wendung gegeben hätten", #system1, S. 248

    Ein ähnlicher Zufall geschah übrigens bei Android ;-)

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    1. Interessante Antwort: Mehrere Ereignisse, die möglich gewesen wären. Würde man das alles aufdröseln wollen, wäre das Gehirn überfordert. Es scheint tatsächlich unmöglich zu sein. Haben daher vielleicht Algorithmen ihren Reiz. Sie können superschnell analysieren. Aber die Eingaben, die Daten müssen irgendwie immer komplett sein , Aber ich beende meinen Kommentar, davon verstehe ich nichts weiter.

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