22. April 2012

Augen auf und durch

Wenn ich mich in Beruf und Privatleben so umschaue, dann sehe ich immer wieder zwei Hand in Hand gehende Mechanismen in unserer Kommunikation, die unser Zusammenkommen zu oft verhindern: Zum einen fressen wir Dinge in uns hinein, die besser mal gesagt werden sollten. Zum anderen sind wir so felsenfest von unseren Ansichten und Werten überzeugt, dass wir manchmal uns selbst nicht verstehen, von anderen ganz zu schweigen. In der Gestalttherapie nennt man diese zwei Mechanismen Retroflektion und Introjektion. Die gute Nachricht ist, dass wir uns dieser Mechanismen bewusst werden und damit über uns hinaus wachsen können...

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20. April 2012

Blinde Flecken und Kriege des Alltags

Andere kennen ist klug.
Sich selbst kennen ist weise.
Was ist der Keim eines jeden Konfliktes und was die Ursache des Scheiterns unserer Utopien? Urs Weth, Autor des Buches Selbst-Reflexion als soziale Kernkompetenz?, weist uns heute auf alltägliche und ursprünglich ganz menschliche Impulse hin: Vorurteile und Abgrenzung gegenüber den vermeintlich anderen haben uns seit der Steinzeit ermöglicht, den Gruppenzusammenhalt zu bewahren und den Fortbestand des eigenen Stammes zu sichern. In einer modernen und globalisierten Welt wird uns das immer mehr zum Verhängnis, ob im Alltag mit vereitelten Freundschaften oder in Bruder-, Bürger- und Religionskriegen.

Jeder Mensch outet sich in seinem Leben mehr oder weniger für bestimmte Dinge, die er tut, fühlt oder denkt (...und die er sich einhandelt). Der Eine fühlt sich dem Buddhismus zugeneigt, der andere dem Christentum. Einer sympathisiert mit dieser Partei, der andere mit jener und ein dritter wieder mit einer anderen. Manche sind angetan von Eisenbahnen und Flugzeugen, wieder andere interessieren sich für Bewusstseinsfragen oder für Philosophie und Psychologie, sind "Sophen", "Isten", uvm.

14. April 2012

Burnout: Warum gerade jetzt?

Auf meinen Artikel Burn-Out-Kultur, Selbstreflexion und Eigenverantwortung, in dem ich die Aspekte der Eigenverantwortung und der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen untersucht hatte, gab es einige sehr interessante und wichtige Reaktionen, z.B. von Markus Väth und Olaf Hinz, die die strukturellen Ursachen von Burnout betonten. Die Warnung davor, die "Schuld" für solche Überforderung beim Individuum zu suchen und als Gesellschaft business as usual zu machen, ist absolut notwendig.

Warum brennen wir gerade jetzt aus?
Trotzdem werde ich die Frage nicht los, warum sich psychische Probleme im Zusammenhang mit der Arbeit gerade jetzt epidemisch zu häufen scheinen. In einer Zeit, wo Hierarchien flach sind, sich die Arbeit humanisiert, immer besser dem Arbeitenden angepasst werden kann, in einer Zeit, wo bei Vorgesetzten angeblich immer stärker darauf geachtet wird, dass sie auch Führungskompetenzen haben. Warum in einer Zeit, wo die Sinnsuche auch am Arbeitsplatz erlaubt, ja wo kreative Selbstverwirklichung geradezu erwartet wird? Warum sind Erschöpfung, Burnout und Depression unsere großen Plagen im beginnenden 21. Jahrhundert?

10. April 2012

Nine to Five: Wann darf ich nach Hause gehen?

Meine ehemalige Cheffin Sheryl Sandberg ist zur Zeit wieder in aller Munde, weil sie jetzt plötzlich öffentlich entdeckt hat, dass ein normaler achtstündiger Arbeitstag OK ist. So lustig das ist, solche Sätze von absoluten Killer-Karriere-Frauen (Chief of Staff im Finanzministerium der Vereinigten Staaten, Vice President bei Google, Facebook COO) zu hören, so sehr habe ich mich doch in ihren Schilderungen wieder gefunden: Die heimliche Scham, wenn man seine Sachen pünktlich packt; die Blicke und Bemerkungen der anderen aushalten, die länger bleiben; die spät abends und ganz früh morgens gesendeten E-Mails, um den anderen zu sagen, dass man noch arbeitet, auch wenn man schon zu Hause ist. Warum schämen wir uns und machen solche lächerlichen Dinge?

3. April 2012

Lars von Trier: Melancholia

Eine Rezension des Films Melancholia von Lars von Trier
Am Wochenende habe ich den Film Melancholia gesehen. In Ankündigungen wird der Film als Weltuntergangsdrama oder gar als Science Fiction bezeichnet. Denn ein fremder Planet - Melancholia - nähert sich der Erde aus der finsteren Leere des Weltalls, rauscht an ihr vorbei und wird durch die Erdgravitation in eine Kurve gezwungen, in der beide Planeten letztendlich kollidieren.

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