2. Oktober 2026

Alles verfügbar und nichts mehr spürbar?

Ein Gastbeitrag von Jasper Cole

Irgendwann hatte ich ungefähr 50 Gigabyte Musik auf meiner Festplatte. Das ist mehr als zwanzig Jahre her. Spotify gab es noch nicht, Musikstreaming spielte in meinem Leben keine Rolle und wer eine große digitale Musiksammlung haben wollte, fand trotzdem seine Wege. Nicht alle davon waren legal. Ich lud herunter, was ich finden konnte. Einzelne Lieder, komplette Alben, ganze Diskografien. Irgendwann waren es also rund 50 Gigabyte.

Resonanz Unplugged (2026 mit KI erstellt)


Am Anfang fand ich das großartig. Ich hatte plötzlich mehr Musik, als ich mir zuvor hätte leisten können. Ich musste mich nicht mehr entscheiden, welches Album ich kaufte. Ich konnte einfach alles haben. Dann passierte etwas, womit ich nicht gerechnet hatte: Ich hörte immer weniger davon wirklich. Natürlich lief Musik. Aber ich hörte sie anders. Wenn mir ein Lied nicht sofort gefiel, kam eben das nächste. Ein Album musste keine Chance mehr bekommen, weil daneben Hunderte andere lagen. Manche Dateien hatte ich vermutlich nur deshalb, weil ich sie haben konnte. Ob ich sie jemals anhören würde, spielte irgendwann kaum noch eine Rolle.

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