18. Juli 2012

Das Drei-Einige Gehirn und die Evolution der Persönlichkeit

Ich bin ja immer sehr an Typologien der Persönlichkeit interessiert und neulich fiel mir ein Buch mit dem vielversprechenden und umfassenden Titel Evolution der Persönlichkeit: Die Grundlagen der Biostruktur-Analyse in die Hände, das eine sehr einfache triadische Typologie skizziert. Geschrieben von Juergen Schoemen.

L'inactuel
Das Drei-Einige Gehirn
Die Biostruktur-Analyse geht von nur drei Grund-Komponenten der Persönlichkeit aus und ist damit Rekordhalter der Reduktion. Auch die Dreieinigkeit Gottes und alle anderen magischen Spielchen rund um die Zahl drei werden gleich mit erklärt und zwar durch die triadische Struktur unseres Gehirns: das Stammhirn, das Zwischenhirn und das Großhirn. Da unser Gehirn aus diesen drei Hauptstrukturen aufgebaut sei, verstünde es alle Dreier-Konzepte besonders gut. Die Reihenfolge der Ausbildung dieser Struktur entspräche der evolutionären Entwicklung der Wirbeltiere vom Reptil (Stammhirn) über die frühen Säugetiere (Stammhirn + Zwischenhirn) bis zu den Primaten (Stammhirn + Zwischenhirn + Großhirn). Zurück geht diese Idee auf den US-amerikanischen Hirnforscher Paul D. MacLean und seine Arbeiten in den 60er Jahren. Inzwischen sind einige der evolutionären Aspekte überholt, zum Beispiel weiß man, dass alle modernen Wirbeltiere inklusive der Reptilien das Stammhirn von noch älteren gemeinsamen Vorfahren "geerbt" haben. Außerdem zeigen "Stammhirn-Tiere" (insbesondere Vögel) außerordentlich kognitive Fähigkeiten, die weit über das hinausgehen, was McLean dem Stammhirn zuschreibt. Welche Funktionen schreibt die Biostruktur-Analyse den drei unterschiedlichen Hirnen nun zu?

6. Juli 2012

Wie unser Gehirn die Welt erschafft

Mysterien der Wahrnehmung

von Chris Frith
Wer glaubt, dass wir durch eine Welt laufen, die ganz genauso beschaffen ist, wie sie uns erscheint und dass es vor allem ganz einfach und selbstverständlich ist, diese Welt wahrzunehmen, der täuscht sich. So wie wir alle uns ununterbrochen in der Wahrnehmung unserer Umwelt täuschen. Das jedenfalls beschreibt Chris Frith in Wie unser Gehirn die Welt erschafft. Was man dem Buch wirklich zugute halten muss: Es ist sehr unterhaltsam geschrieben und lässt sich auch ohne viel Vorverständnis von Laien lesen. All die bekannten Wahrnehmungstricks vom Necker-Würfel über die Domino-Illusion bis hin zur Fremdkörpererfahrung meiner eigenen Hand sind hier erklärt. Das liest sich sehr gut, macht Spaß und man lernt tatsächlich etwas über die Mysterien der Wahrnehmung und der daraus resultierenden Konstruktion unserer Realität. Enttäuscht dürfte der Leser sein, der sich mehr Tiefe gewünscht hätte oder gar neue Erkenntnisse hinsichtlich der hirnphysiologischen und molekularen Grundlage unserer Wahrnehmung.

30. Juni 2012

Leise Menschen

Ein Interview mit Sylvia Löhken zum Thema Introversion


Heute habe ich die Gelegenheit, Dr. Sylvia Löhken zum Thema Introversion zu befragen. In ihrem neuen Buch "Leise Menschen – starke Wirkung" gibt sie zahlreiche Hinweise und Tipps für die Menschen, denen unsere auf Extroversion ausgerichtete Welt zu schaffen macht. Dr. Löhken ist Sprachwissenschaftlerin, zertifizierter Coach und nach eigener Aussage ausgeprägt introvertiert. Nach über einem Jahrzehnt in Intro-Biotopen wie Forschung und Wissenschaftsadministration hilft sie heute leisen Menschen bei der Verwirklichung ihrer beruflichen und privaten Ziele. Ihr neues Buch zeugt davon, denn es ist vor allem ein Ratgeber, der Introvertierten helfen soll, sich selbst besser zu verstehen und dadurch besser in einer extrovertiert geprägten Gesellschaft zurechtzukommen.

29. Juni 2012

Spontane Glücksmomente

Wir alle haben sie... nur viel zu selten: Spontane, völlig unerwartete Glücksmomente. Interessant ist, dass sie oft gar kein großartiges äußeres Ambiente benötigen. Meinen letzten sehr großen spontanen Glücksmoment habe ich im Auto erlebt. Ich war ganz alleine und fuhr auf meiner Camping-Tour durch die USA auf einer staubigen Schotterstraße in Arkansas. Es hätte auch ein sehr deprimierender Augenblick sein können, denn es war heiß und trocken, die Landschaft war recht unspektakulär, am Horizont brannten ein paar Felder und weit und breit war keine Menschenseele zu sehen. Ich fuhr so vor mich hin, hatte noch kein definitives Ziel für den Tag, sondern nur die Vorgabe, weiter Richtung Süden zu fahren.

Staubige Straße in Arkansas: Nicht unbedingt eine Glücksgarantie

So tun als ob

Fake it till you make it

Besonders, wenn wir mit etwas neuem anfangen, gut sein wollen, aber eben noch keine Erfahrung haben, stellt sich die Frage: Wie erlange ich das Selbstvertrauen und das Vertrauen meiner Mitmenschen, wenn ich doch selbst weiß, dass ich die Erwartungen kaum erfüllen kann? Es gilt besonders, die sich selbst erfüllende negative Prophezeiung zu vermeiden, die sich aus mangelndem Selbstvertrauen entwickelt. Dieser Mangel wird auch zu einem Mangel an Erfolgen führen und das produziert noch mehr Unsicherheit in die eigenen Fähigkeiten. Auf Englisch gibt es dagegen eine Redensart: Fake it till you make it. Spiel die Rolle so lange, bis sie dir passt. Aus psychologischer Perspektive hat das durchaus seine Berechtigung. Die Annahme ist, dass wir durch gespieltes Selbstvertrauen zu tatsächlichen Erfolgen gelangen werden. Diese tatsächlichen Erfolge wiederum führen zu echtem Selbstvertrauen und noch mehr Erfolgen. Das ist leichter gesagt, als getan. Im Artikel So tun als ob - bis man es kann führe ich folgende 10 Tipps und Tricks aus, die dabei helfen können, die neue Rolle so gut zu spielen, bis man sie bald vollkommen ausfüllt:
  1. Den Sprung wagen 
  2. Krawatten und Visitenkarten 
  3. Vorbilder beobachten und imitieren 
  4. Ihr Markenzeichen 
  5. Selbstbewusstsein zeigen 
  6. Lassen Sie sich nicht beirren 
  7. Entscheidungsfähigkeit zeigen 
  8. Bleiben Sie auf dem Boden 
  9. Setzen Sie sich Meilensteine 
  10. Erfolge registrieren und gutschreiben
Die ausführlichen Tipps können auf Zeit zu leben gelesen werden.

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