27. November 2010

Lieber den Spatz in der Hand...

...als die Taube auf dem Dach. Wieder so eine Redensart, die sehr zum protestantischen Lebensstil passt, wonach Bescheidenheit die größte Tugend sei. Viele unserer Redensarten stammen aus der Bibel, viele wurden durch Luther sprichwörtlich.

Im Satz steckt aber immerhin das Verlangen nach der "Taube". Es wird also anerkannt, dass es mehr gibt, als nur den mickrigen "Spatzen". Die Redensart rät jedoch davon ab, dem großen Glücksversprechen, für das die Taube steht, hinterherzujagen. Am Ende fällt man dabei noch vom Dach! Dann hat man weder das kleine noch das große Glück und steht am Ende mit leeren Händen da.

Aus lebenspraktischer Perspektive ist es so, wie meistens: Es kommt darauf an. Es wäre schlimm, wenn man sich selbst mit solchen Redensarten davon abhält, nach größerem zu streben und sich selbst zu verwirklichen. Wenn es jedoch um weniger wichtige Dinge geht, beispielsweise ein noch neueres Auto, als das eigene, dann kann es nicht schaden, sich klarzumachen, dass es auch kurze Zeit später wieder ein noch neueres Auto gibt. Solchen kurzen Glücksversprechen hinterherzujagen, trägt sicherlich wenig zu dauerhafter Zufriedenheit bei.

Bei der Partnerwahl ist es ähnlich: Bin ich eigentlich glücklich mit meinem Partner, plage mich aber dauernd mit dem Gedanken, dass andere noch attraktiver sind? Dann muss ich man an mir selbst arbeiten und erkennen, dass es auf Dauer nicht glücklich macht, wenn ich immer dem nächsten Kick hinterherjage. Bin ich jedoch dauerhaft und unkorrigierbar unglücklich mit meinem Partner und halte mich aus Verlustangst davon ab, eine glücklichere Partnerschaft anzustreben, dann sollte ich mir überlegen, woher die Angst kommt, allein zu sein. Manchmal ist es sogar besser, auch auf den Spatzen nicht zu bestehen, wenn man schon die Taube nicht bekommen kann.

In einem FAS-Artikel zur "Wissenschaft vom Seitensprung" las ich die folgende Ableitung: "Behalte den Spatz in der Hand, aber vergiss nie die Taube auf dem Dach." Auch eine Ansicht.

25. November 2010

Der Klügere gibt nach

Dies ist eine meiner Lieblingsredewendungen. Außerdem eine, die ich schon früh und oft zu hören bekam. Bereits im Kindergarten war das ein Konfliktlösungsmittel, dass die Erzieherinnen an wandten. Ob ich die Redewendung wohl deshalb so mag, weil ich sie so früh lernte? Kann sein. Auf jeden Fall zeigt mir meine Alltagserfahrung, dass es sich oft nicht lohnt, für jeden kleinen Keks zu kämpfen, immer Recht zu behalten oder die Vorfahrt zu bekommen.

Sicher kann es wehtun, wenn man etwas, das einem vermeintlich zusteht, nicht bekommt. Oft ist es jedoch nur das Ego, das da schmerzt. Warum ist nehmen wir es so ernst, wenn uns jemand die Vorfahrt nimmt? Im Grunde geht es uns ja nicht um die Sekunde, die wir anhalten und warten müssen.

10. November 2010

Gegensätze ziehen sich an...

Oder nicht? Jedenfalls ist das eine der vielen Redewendungen, die wir täglich so von uns geben. Oft wollen wir mit solchen Redewendungen Tatsachen oder Auffassung rechtfertigen, um uns nicht mit Änderungen herum plagen zu müssen. Eine der dümmsten und durchsichtigsten dieser Ausreden ist: "Ausnahmen bestätigen die Regel". Offenbar ist das Gegenteil der Fall: Ausnahmen stellen die Regel infrage. Wir alle möchten aber in verschiedenen Kontexten gerne verlässliche Regeln und wollen sie lieber nicht infrage stellen lassen.

Die Redewendung "Gegensätze ziehen sich an" ist jedenfalls nicht so dumm. Da könnte etwas dran sein...

7. November 2010

Sich selbst sehr gut kennenlernen

Psychologie, Neurobiologie, Verhaltensforschung und viele weitere Disziplinen und Fachrichtungen beschreiben die Grundlagen auf denen Coaching und andere Begleitungstechniken aufbauen. Der Knackpunkt liegt oft in der Selbsterfahrung und Selbstwahrnehmung von Individuen. Nicht umsonst war "erkenne dich slebst" (gnothi seauton) das Motto der Priesterinnen, die im Tempel von Delphi den Ratsuchenden weissagten, von aus dem Boden aufsteigenden Miasmen inspiriert. Um dieses lebenspraktische Motto der klassischen Philosophie kommt nicht einmal die moderne Neurobiologie herum. Ich denke, dass die Selbsterkenntnis auch heute noch Grundlage aller individuellen Weiterentwicklung und daher auch des Coachings ist.

"Viele Menschen, die sich ändern wollen, streben nach einem starken Charakter. Gibt es so etwas tatsächlich?" Auf diese Frage antwortet der Neurobiologe Gerhard Roth im Interview mit der ZEIT (PDF-Dokument):

Ich denke schon, ich würde aber eher das Wort »gefestigt« verwenden. Ein Mensch mit einem gefestigten Charakter kann Stress gut verarbeiten – er reagiert angemessen, kann sich aber auch hinterher wieder beruhigen. Er steckt Rückschläge weg, ohne deshalb in eine Krise zu stürzen, und hat eine realistische, im besten Fall leicht optimistische Einschätzung seiner eigenen Kräfte. Das muss nicht heißen, dass man ein Held oder wahnsinnig erfolgreich ist, es kann auch bedeuten, dass man eine Beförderung ablehnt, weil man mehr Zeit für die Familie haben will.


Anschließend diskutiert Roth die Frage, wie man denn einem solchen gefestigten Charakter nahe kommt:

Sie müssen sich selbst sehr gut kennenlernen. Das heißt nicht, dass Sie zum Psychiater rennen. Ich würde damit anfangen zu analysieren: Welche Projekte nehme ich mir vor, und wie erfolgreich bin ich damit? Fragen Sie sich, was Sie in Ihrem Leben noch erreichen wollen, und überprüfen Sie, ob diese Wünsche realistisch sind. Wenn Sie kurz vor der Pensionierung stehen, hat es keinen Sinn, sich aus Angst vor der großen Leere auf den nächsten Aufsichtsratsposten zu stürzen.

Als Nächstes müssen Sie klare Ziele formulieren und das, was Sie erreichen wollen, auf kleine Schritte herunterbrechen. Wenn Sie ständig Dinge sagen, die Sie später bereuen, versuchen Sie beim nächsten Mal zu schweigen. Vergessen Sie auf keinen Fall, sich für Erfolge zu belohnen – die Belohnung muss aber nicht materieller Art sein. Es kann einen schon sehr motivieren, wenn man merkt, dass man mit dem neuen Verhalten bei anderen besser ankommt. Am allerwichtigsten ist aber etwas anderes: Haben Sie mit sich selbst Geduld!


Um emotionale Muster und Barrieren zu durchbrechen, brauche man, so Roth "die Hilfe eines erfahrenen, außenstehenden Menschen – der hat deutlich bessere Chancen als man selbst, die tief liegenden Persönlichkeitsstrukturen zu erreichen und dort etwas zu verändern." Und hier - so denke ich - setzt der Coach an. Die Erkenntnis des Klienten muss eine Selbst-Erkenntnis sein. Ohne Hilfe eines Außenstehenden sind wir jedoch nur sehr begrenzt in der Lage zur Selbsterkenntnis.

30. Oktober 2010

Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß

Das ist nun einmal ein schlaues Sprichwort! Auf den ersten Blick jedenfalls: Ziemlich evident, praktisch und es weist auf den ganz wichtigen Umstand hin, dass Nichtwissen auch ein Segen sein kann...

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