10. Oktober 2011

Wie Innovationen dennoch gelingen

Eine Rezension von Erich Feldmeiers Buch Sonntags Reden, montags Meeting: Wie Innovationen dennoch gelingen.

Ein Buch mit 7 Siegeln
und 5 Schlüsseln
Erich Feldmeier greift eine der rätselhaftesten Fragen der Menschheit überhaupt auf: Warum hören wir eigentlich nicht auf unsere Vernunft? Ob die Annahme, die hinter dieser Frage steht, so pauschal richtig ist, werden wir später noch beleuchten. Dem Eindruck jedoch, dass wir wahnsinnig viel Zeit, Energie und Annerkennung auf die Produktion von Vernunft zu verwenden, ohne dass wir die vernünftigen Erkenntnisse anschließend in Fortschritt ummünzen, kann man sich in Angesicht von Hunger-, Finanz- und Umweltkrisen kaum erwehren. Theroretisch wissen wir, was wir zu tun haben, um den nächsten Gau zu verhindern oder die Geißeln der Menschheit auszurotten. ABER: Wir tun es ganz einfach nicht. Einfach so. Ohne vernünftigen Grund. Wir lassen den ganzen Schlamassel so weiterlaufen, wie immer.

Feldmeier macht sich daran, Antworten für diese Frage zu finden. Dieses Feldmeier'sche Finden ist ein abenteuerlicher und amüsanter Ritt durch die Geistesgeschichte, die Politik, Wissenschaft und Gegenwartskultur. Von Platon über Machiavelli bis zu Precht und Jamie Oliver kommen alle zu Wort. Da wird links und rechts mitgenomen, was am Wegesrand wächst. Schnipsel aus der Computerwoche genauso wie aus der Süddeutschen oder der ZEIT. Das Buch gleicht einem faszinierend (in 7 Siegel und 5 Schlüssel) geordneten Zettelkasten, in dem sich alles um die Fragen dreht: Warum handeln wir nicht vernünftig? Und: Wie kommen wir da wieder raus?

9. Oktober 2011

Warum klappt eigentlich rein gar nichts?

Ich frage mich gerade, warum in dieser Welt eigentlich gar nichts zu klappen scheint, wenn es wirklich wichtig ist. Egal, wo man hinkuckt: Katastrophen, Krisen und Fehlschläge. Die wichtigsten Ziele, die wir uns stecken, werden nicht erreicht. Spätestens seit Erfindung der Eisenbahn scheint alles schief zu gehen. Nur ein paar Beispiele, wie man sie aus den Nachrichten der letzten Wochen kennen sollte:

  • Banken und Wirtschaft insgesamt scheinen trotz aller Mühen und bei Strafe des Untergangs dieses Systems nicht unter Kontrolle zu bringen sein.
  • Globale Umweltschutzziele und Vereinbahrungen sind immer schon ein Lacher gewesen.
  • Bekämpfung von Hunger, Krankheit und Armut. Müsste eigentlich machbar sein, kriegen wir aber nicht hin.
  • Die versuchten Befriedungen und Demokratisierungen im Nahen Osten, in Afrika, Irak oder Afghanistan - da haben wir offenbar keine Chance. Selbst die Revolutionen in Nordafrika drohen im Kanonenrohr zu krepieren.
  • auch im kleineren Rahmen, z.B. in der Innen- und Parteipolitik, läuft alles schief: Alle Parteien scheinen ständig irgendwelche Wahlen zu verlieren (außer gerade die Piraten und manchmal die Grünen); Bahnhöfe können weder gebaut noch verhindert werden, dasselbe gilt für Autobahnen und Stromtrassen; der DAX ist auf Talfahrt, genauso wie der Geschäftsklima-Index; seit Jahrzehnten scheitern wir mit der Gesundheits-, Verkehrs- und Bildungspolitik und so weiter und so fort.
Fazit: Alles scheint schief zu gehen. Es ist lange her, dass ich mal irgendwo gehört habe, dass mal etwas geklappt hat. Aber warum? Hier sind ein paar Interpretationsvarianten:

8. Oktober 2011

Weniger und Kleiner!

Wie überleben wir das 21 Jahrhundert?

< = >
(weniger ist mehr)

Noch jemand, der auf den Minimalismus-Trend aufgesprungen ist: Graham Hill, der Designer und Gründer von TreeHugger, einer Medien-Kampagne, die sich Nachhaltigkeit in den Mainstream der westlichen Gesellschaften etablieren möchte. In dem unten eingebetteten Video spricht er davon, dass Amerikaner ca. drei mal mehr Wohnraum haben, als noch 50 Jahre zuvor und dass es trotzdem für immer mehr von ihnen nötig wird, Container anzumieten, damit sie ihr ganzes Zeug, dass sie irgendwann mal gekauft haben, irgendwo aufbewahren können. Dieses Shopping-Leben führe zu Überschuldung, enormer Umweltverschmutzung, mehr Stress und weniger Zufriedenheit. Um diesen Irrsinn zu stoppen schlägt Hill vor, Folgendes zu tun:

4. Oktober 2011

Umgang mit psychisch Gestörten vom Mittelalter an

Zuletzt hatte ich beschrieben, wie die antiken Griechen auch ohne wissenschaftlich exakte Kenntnisse bereits zu humanen Behandlungsmethoden bei geistig Kranken gekommen sind. Mit der beginnenden Vorherrschaft des Christentums erst in Rom und später im gesamten Europa, änderte sich jedoch die Behandlung der Kranken. Man kehrte zu dämonologischen Ansichten zurück, die Hippokrates schon hinter sich gelassen hatte. Exorzismus und Hexenverfolgung traten an die Stelle von Therapie. Die im Vergleich zu den neuen christlichen Dogmen geradezu aufklärerischen Schriften der antiken Griechen wurden verboten.

Wenn geistige Verwirrung damit erklärt wird, dass jemand vom Teufel besessen oder zumindest sündigen Gedanken und Taten schuldig ist, dann ist die Behandlung eben vor allem Zucht und Strafe. Zu Zeiten der Inquisition ging man zudem davon aus, dass es sich bei den "Besessenen" nicht um Opfer von Dämonen handelte, sondern um willfährige Diener des Teufels, besonders wenn es sich um Frauen handelte. Zwischen dem 11. und dem 17. Jahrhundert blühte der Satanismus und mit ihm der Exorzismus. Symptome, die wir heute als Epilepsie kennen, waren damals ein Zeichen von Besessenheit. Folter von Hexen und Teufelsaustreibungen wurden damit gerechtfertigt, dass es ja den Besessenen helfen sollte, den Teufel loszuwerden...

2. Oktober 2011

Geschichte des antiken Gehirns

Alle Sinneseindrücke liefen im Herzen zusammen
In meinem letzten Beitrag ging es um die ersten - wenn man so will - psychiatrischen Anstalten, die griechischen Asklepios Tempel. Man kam da immerhin schon einem humanistischen Therapiegedanken nahe, ohne dass das Verständnis vom menschlichen Geist und seinen Krankheiten dem ähnelte, was wir heute glauben. Aber was glaubten die Griechen eigentlich und wo liegen die Wurzeln einer modernen und wissenschaftlichen Behandlung psychischer Leiden?

Der anatomische Aufbau des Gehirns war selbst den Medizinern der Antike ein Rätsel. Denn der menschliche Körper, auch der tote, war den Griechen und den Römern heilig und anatomische Sektionen von Leichen war undenkbar. Vielmehr obduzierte man Tiere, um von ihnen auf den Menschen zu schließen, oder auch mal eine Totgeburt, vielleicht auch heimlich mal eine Leiche. Das aber reichte nicht für eine Wissenschaft von der Anatomie des Menschen.

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