Seligman, ein Psychologe der University of Pennsylvania, hat auf seiner Website Authentic Happiness viele verschiedene Tests rund um das individuelle Glücksbefinden kostenlos zur Verfügung gestellt. Man muss zwar ein Konto mit Nutzernamen und ein paar zusätzlichen Infos erstellen, aber das geht schnell und schmerzlos. Seligman nutzt die anonymen Testergebnisse dann für seine Forschungen und man selbst erlebt die Freude erhöhter Selbstwahrnehmung und Konfrontation durch die Tests und ihre Ergebnisse.
Ich kann das jedem empfehlen, der keine Probleme hat, solche Tests auf Englisch durchzuführen.
Erkenne dich selbst. Der Rest kommt (fast) von allein.
27. März 2010
6. März 2010
Nachhaltigkeit - Halte ich das durch?
Wie im Leben allgemein - in der Natur, in der Wirtschaft, im Umgang mit dem eigenen Körper und seinen Reserven - spielt die Kategorie der Nachhaltigkeit auch bei der psychischen Befindlichkeit von Menschen eine grundlegende Rolle. Im Begriff Nachhaltigkeit - und noch deutlicher im englischen Wort sustainability - steckt eine nicht von der Hand zu weisende Logik: Unser Leben ist auf Selbst- und Gattungs-Erhalt ausgerichtet und das gelingt uns nur, wenn wir es verstehen, so mit unseren Resourcen umzugehen, dass wir ausreichend lange Zeitspannen ohne extreme Nöte verleben können.*
Wenn Sie wiedereinmal eine Entscheidung treffen, sei es einen Kredit aufzunehmen, eine persönliche Beziehung einzugehen oder einen anstrengenden Job anzunehmen, dann fragen Sie sich: Kann ich das auf Dauer durchhalten? Wenn die Antwort "nein" ist, dann können Sie gleich ehrlich zu sich sein und es entweder bewusst als Übergangslösung in Kauf nehmen (anstrengender Job) oder gleich als nicht nachhaltig ablehnen (zu hoher Kredit).
In vielen Sitzungen mit Klienten fiel mir diese Grundkategorie immer wieder auf: Verhalten und Befinden waren nicht über eine ausreichend lange Zeitperiode (beispielsweise über die Dauer eines Arbeitslebens oder einer Ehe) aufrecht zu erhalten. Wenn wir uns das nicht bewusst machen, wird es zum Problem. Jemand, der sich auf Arbeit konsequent verbiegen muss, um ins System zu passen, kann das nicht bis zur Rente ohne Schäden durchhalten. Ein Ehepaar, dass immer wieder heftig streitet, kann dieses Leben und den damit verbundenen Energieaufwand nicht ewig aushalten, ohne unglücklich zu werden. Also fing ich an, meine Klienten zu fragen: "Wie lange, denken Sie, können Sie das durchhalten?"
Diese Frage führt in vielen Fällen zur "Erleuchtung" und dadurch oft zu Einsicht und einer Änderungsabsicht. Ob das der Angestellte ist, der endlich seinem Boss sagt: "Ich kann das zwar vorübergehend machen, aber wenn du jemanden suchst, der das dauerhaft macht, müssen wir uns mal unterhalten." Oder das Ehepaar, das sich endlich zusammen setzt und diskutiert, ob sie sich nun besser trennen sollten oder ob sie eine Art und Weise finden, wie sie dauerhaft und zur beiderseitigen Zufriedenheit zusammenleben können.
Diese Kategorie, so könnte man weiter argumentieren, liegt auch dem Problem der "seelischen Gesundheit" zugrunde. Depression kann beispielsweise in Kriegssituationen, wo um einen herum Gewalt und Hunger herrschen, als Selbstschutz kurzzeitig funktionieren und somit sinnvoll und gesund sein. So wie Krieg und Hunger aber keine nachhaltigen Lebenssituationen sind, wird auch die Depression zur bedrohlichen Krankheit, wenn sie langfristig besteht. Der Trick in der "seelischen Gesundheit" ist, reduziert ausgedrückt, dass sie ein auf Dauer gestelltes Leben ermöglicht, in dem wir ausreichend funktionieren, um uns und unsere Nächsten zur Zufriedenheit zu versorgen. Den Anti-Psychiatern, die meinten, es gäbe keine Verrückten oder psychisch Kranke, sondern nur unangepasste Menschen, kann man widersprechen oder nicht. Die Kategorie der Nachhaltigkeit löst dieses Problem aber auf: Wenn jemand auf verrückte Art kreativ und unangepasst ist, dann ist das ok, wenn er es versteht, mit sich und seinen Mitmenschen zusammenzuleben, ohne permanente Verzweiflung hervorzurufen.
* Die kosmische Ironie hier ist, dass wir uns in einem Weltall befinden, dass nicht nachhaltig ist, weil es eben eine Explosion ist. Nur die astronomischen Zeiteinheiten lassen uns kurzfristig eine Insel der Nachhaltigkeit auf einem Planeten mit Biosphäre einrichten. Mit anderen Worten: Nachhaltigkeit ist nur dort eine Grundkategorie, wo sich Lebewesen befinden.
Wenn Sie wiedereinmal eine Entscheidung treffen, sei es einen Kredit aufzunehmen, eine persönliche Beziehung einzugehen oder einen anstrengenden Job anzunehmen, dann fragen Sie sich: Kann ich das auf Dauer durchhalten? Wenn die Antwort "nein" ist, dann können Sie gleich ehrlich zu sich sein und es entweder bewusst als Übergangslösung in Kauf nehmen (anstrengender Job) oder gleich als nicht nachhaltig ablehnen (zu hoher Kredit).
In vielen Sitzungen mit Klienten fiel mir diese Grundkategorie immer wieder auf: Verhalten und Befinden waren nicht über eine ausreichend lange Zeitperiode (beispielsweise über die Dauer eines Arbeitslebens oder einer Ehe) aufrecht zu erhalten. Wenn wir uns das nicht bewusst machen, wird es zum Problem. Jemand, der sich auf Arbeit konsequent verbiegen muss, um ins System zu passen, kann das nicht bis zur Rente ohne Schäden durchhalten. Ein Ehepaar, dass immer wieder heftig streitet, kann dieses Leben und den damit verbundenen Energieaufwand nicht ewig aushalten, ohne unglücklich zu werden. Also fing ich an, meine Klienten zu fragen: "Wie lange, denken Sie, können Sie das durchhalten?"
Diese Frage führt in vielen Fällen zur "Erleuchtung" und dadurch oft zu Einsicht und einer Änderungsabsicht. Ob das der Angestellte ist, der endlich seinem Boss sagt: "Ich kann das zwar vorübergehend machen, aber wenn du jemanden suchst, der das dauerhaft macht, müssen wir uns mal unterhalten." Oder das Ehepaar, das sich endlich zusammen setzt und diskutiert, ob sie sich nun besser trennen sollten oder ob sie eine Art und Weise finden, wie sie dauerhaft und zur beiderseitigen Zufriedenheit zusammenleben können.
Diese Kategorie, so könnte man weiter argumentieren, liegt auch dem Problem der "seelischen Gesundheit" zugrunde. Depression kann beispielsweise in Kriegssituationen, wo um einen herum Gewalt und Hunger herrschen, als Selbstschutz kurzzeitig funktionieren und somit sinnvoll und gesund sein. So wie Krieg und Hunger aber keine nachhaltigen Lebenssituationen sind, wird auch die Depression zur bedrohlichen Krankheit, wenn sie langfristig besteht. Der Trick in der "seelischen Gesundheit" ist, reduziert ausgedrückt, dass sie ein auf Dauer gestelltes Leben ermöglicht, in dem wir ausreichend funktionieren, um uns und unsere Nächsten zur Zufriedenheit zu versorgen. Den Anti-Psychiatern, die meinten, es gäbe keine Verrückten oder psychisch Kranke, sondern nur unangepasste Menschen, kann man widersprechen oder nicht. Die Kategorie der Nachhaltigkeit löst dieses Problem aber auf: Wenn jemand auf verrückte Art kreativ und unangepasst ist, dann ist das ok, wenn er es versteht, mit sich und seinen Mitmenschen zusammenzuleben, ohne permanente Verzweiflung hervorzurufen.
* Die kosmische Ironie hier ist, dass wir uns in einem Weltall befinden, dass nicht nachhaltig ist, weil es eben eine Explosion ist. Nur die astronomischen Zeiteinheiten lassen uns kurzfristig eine Insel der Nachhaltigkeit auf einem Planeten mit Biosphäre einrichten. Mit anderen Worten: Nachhaltigkeit ist nur dort eine Grundkategorie, wo sich Lebewesen befinden.
7. Februar 2010
Den Mund halten!
Eine der schwierigsten Sachen beim Coaching ist, nicht zu viel zu reden. Beispielsweise habe ich bei meinen letzten zwei Coaching-Sitzungen die Cochees je gefragt, ob sie sich an einen Moment erinnern könnten, an dem sie sozusagen überglücklich waren. Beide Cochees überlegten erst lange und beim ersten Klienten hielt ich es nicht aus und sagte: "Bei mir zum Beispiel war es ein Moment, als ich auf einen Berg geklettert war..." Ich erzählte also, was mich wirklich glücklich macht. Darauf hin sagte Klient 1: "Ja, stimmt... Reisen macht mich auch glücklich." Somit hatte ich also die Richtung vorgegeben und dem Klienten erspart, selbst nachzudenken und sich seine wirklich wichtigen Momente zu vergegenwärtigen. Beim zweiten Klienten biss ich mir auf die Zunge, sagte nichts und bekam dafür nach einigem Nachdenken einen wirklich dem Klienten eigenen Moment geboten. Das hilft dem Klienten natürlich viel mehr, weil er sich dann mit seinen eigenen Gefühlen in Verbindung setzt und seine tieferen, vielleicht verschütteten Schichten erreicht.
6. Februar 2010
Exkurs: Entlastung und Bewusstsein
Im Kapitel "The Nature of Coaching" in Coaching for Performance
nennt John Whitmore eine Lupe ein Beispiel dafür, wie wir unser Sehvermögen weit über das Normalmaß hinaus steigern können. Ebenso können wir unser Bewusstsein (im Sinne von Bewusstheit) steigern, also mehr von dem Wahrnehmen, was in uns und um uns herum vor sich geht.

Da stellt sich die Frage, warum wir eigentlich so gehemmt sind in unserer Wahrnehmung, warum es diese Schwelle gibt, die die meisten von uns vor den vielfältigen Informationen um uns herum abschirmt. Arnold Gehlen hat das in seinem anthropologischen Hauptwerk Der Mensch: Seine Natur und seine Stellung in der Welt
in dem Konzept "Entlastung" beschrieben. Der Kerngedanke ist, dass all die Informationen zu verarbeiten, die wir nicht zum unmittelbaren Vorankommen im Leben benötigen, schlicht zu belastend ist. Unser Organismus hat sich also daran angepasst, ausschließlich die Informationen bewusst zu verarbeiten, die wir im Alltag benötigen. Alltag ist etwas, dass sich historisch gesehen äußerst schnell ändert, während die evolutionär ausgebildete Wahrnehmungshemmschwelle unserer Spezies sich da nicht so flott anpassen kann. Im Endeffekt kommen wir also beim Autofahren, in der Beziehung oder im Büro ganz gut zurecht mit dem, was wir so bewusst verarbeiten. Optimale Ergebnisse erzielen wir in allen Bereichen jedoch nur, wenn wir unsere bewusste Aufmerksamkeit auf neue Bereiche ausdehnen können.
Schuld und Angst: Vergangenheit - Jetzt - Zukunft
Beim Frühstück habe ich darüber nachgedacht, warum es für einige Menschen einfach zu sein scheint, frei von Schuldgefühlen und Angst zu leben, während andere davon geplagt sind, sich ständig zu fragen, ob sie gestern richtig gehandelt haben und welche Entscheidungen sie heute treffen müssen, damit morgen alles glatt geht.
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