Die neue Wertschätzung des Bauchgefühls ist
das Erbe einer kollektiven
traumatisierten Reaktion
gegen zu viele Jahrhunderte unvernünftiger
Vernunft.
(Alain de Botton, S. 37)
Wie ich neulich schon auf dem
Blog der School of Life schrieb, war ich bei einem Vortrag des Gründers der
School of Life Alain de Botton. In dem Vortrag ging es darum, wie schädlich die romantische Idee der Liebe für unsere Beziehungen sein kann. Warum?
"Nun, weil die mit diesen Ideen einhergehenden Ansprüche und
Erwartungshaltungen kaum zu befriedigen sind und daher für so viele
Missverständnisse, den ganzen Frust und die enorme Enttäuschung
verantwortlich sind, die nun beinahe jedes einmal so romantisch
verliebte Pärchen früher oder später einholen und oft zugrunde richten." (G. Dietrich, Alain de Botton spricht über die romantische Liebe)
Inzwischen lese ich Alain de Bottons neues Buch
Der Lauf der Liebe. Es hat die Genrebezeichnung "Roman" und es hat auch romanhafte Elemente, nämlich eine fiktive Geschichte zwischen den zwei erst verliebten und dann verheirateten Kirsten und Rabih. Allerdings hat es auch etwas von einem Lehrbuch, denn die Geschichte wird von meistens kurzen und immer kursiv gedruckten Absätzen mit historischen, psychologischen und philosophischen Einlassungen, Abhandlungen oder Aphorismen unterbrochen. Das ist sicher erst einmal gewöhnungsbedürftig, trägt aber dann erheblich zum Lesespaß bei.
Wenn de Botton im Zitat oben sagt, dass die neue Wertschätzung des Bauchgefühls das Erbe einer kollektiven
traumatisierten Reaktion gegen zu viele Jahrhunderte unvernünftiger
Vernunft sei, so ist das nicht nur ein cleveres Bonmot, das auch wie die Faust aufs Auge
unserer postfaktischen Politik passt, sondern es beschreibt ziemlich genau, warum die Liebe mit dem 19 Jahrhundert plötzlich von der typischen Vernunftehe zu einer romantischen Raserei geworden ist, deren Luftschlösser allenthalben für irdische Enttäuschung sorgen. De Botton schreibt: