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12. Dezember 2021

Über Misanthropie: Hass und Verachtung reflektiert

Ein Gespräch über enttäuschte und missglückte Menschenliebe

Im Sommer sprach der Journalist Rolf Cantzen mit mir über Negativität, Misanthropie und verwandte Variationen des menschlichen Erlebens. Das Ziel war Cantzens Radio Feature Über Misanthropie: Missglückte Menschenliebe, das schließlich am 5. Dezember im Deutschlandfunk ausgestrahlt wurde.


Im Folgenden kann man das Zweiergespräch als Transkript lesen. Allerdings lege ich jedem ernsthaft ans Herz, sich das gesamte Feature anzuhören, es lohnt sich und ist überraschend komisch.

25. Februar 2017

Was bedeutet es, reich zu sein?

"Reich sein" scheint ein objektiv zu beschreibender Zustand zu sein, denn man kann das an Zahlen ablesen: Was auch immer das Zahlungsmittel in einer Gesellschaft ist, man ist reich, wenn man viel davon hat. Egal ob es Gold ist, ob es Muscheln sind oder Gewürze – wenn es als Zahlungsmittel taugt, weil alle sich über die Stabilität des Werts dieses Mittels einig sind, dann ist derjenige reich, der viel davon hat. Bei uns sind diese Mittel lange schon im Geld abstrahiert. Geld ist in dieser Hinsicht nahezu magisch, denn wir können mit Geld alle anderen Mittel und noch vieles mehr erwerben. Kein Wunder also, dass bei uns derjenige als reich gilt, der viel Geld hat.

7. Oktober 2016

Warum die Liebe nicht gelingt

Die neue Wertschätzung des Bauchgefühls ist
das Erbe einer kollektiven traumatisierten Reaktion
gegen zu viele Jahrhunderte unvernünftiger Vernunft.
(Alain de Botton, S. 37)

Wie ich neulich schon auf dem Blog der School of Life schrieb, war ich bei einem Vortrag des Gründers der School of Life Alain de Botton. In dem Vortrag ging es darum, wie schädlich die romantische Idee der Liebe für unsere Beziehungen sein kann. Warum?

"Nun, weil die mit diesen Ideen einhergehenden Ansprüche und Erwartungshaltungen kaum zu befriedigen sind und daher für so viele Missverständnisse, den ganzen Frust und die enorme Enttäuschung verantwortlich sind, die nun beinahe jedes einmal so romantisch verliebte Pärchen früher oder später einholen und oft zugrunde richten." (G. Dietrich, Alain de Botton spricht über die romantische Liebe)

Inzwischen lese ich Alain de Bottons neues Buch Der Lauf der Liebe. Es hat die Genrebezeichnung "Roman" und es hat auch romanhafte Elemente, nämlich eine fiktive Geschichte zwischen den zwei erst verliebten und dann verheirateten Kirsten und Rabih. Allerdings hat es auch etwas von einem Lehrbuch, denn die Geschichte wird von meistens kurzen und immer kursiv gedruckten Absätzen mit historischen, psychologischen und philosophischen Einlassungen, Abhandlungen oder Aphorismen unterbrochen. Das ist sicher erst einmal gewöhnungsbedürftig, trägt aber dann erheblich zum Lesespaß bei.

Wenn de Botton im Zitat oben sagt, dass die neue Wertschätzung des Bauchgefühls das Erbe einer kollektiven traumatisierten Reaktion gegen zu viele Jahrhunderte unvernünftiger Vernunft sei, so ist das nicht nur ein cleveres Bonmot, das auch wie die Faust aufs Auge unserer postfaktischen Politik passt, sondern es beschreibt ziemlich genau, warum die Liebe mit dem 19 Jahrhundert plötzlich von der typischen Vernunftehe zu einer romantischen Raserei geworden ist, deren Luftschlösser allenthalben für irdische Enttäuschung sorgen. De Botton schreibt:

30. Juni 2016

Der Staat bin ich!

"Es ist gefährlich Recht zu haben, wenn die Regierung falsch liegt." – Voltaire. Wie siehst du die politische Situation in Europa bzw. die wirtschaftsliberale Politik, das uneingeschränkte Streben nach Shareholder Value, Hyperkapitalismus und die damit zusammenhängenden ethischen Fragen? Ist es Zeit für selbstkritische Besinnung?

Es ist immer Zeit für selbstkritische Besinnung. Und Voltaire hatte sicherlich damals Recht, aber das ist etwas, das wir inzwischen auch mit seiner Hilfe in Europa erreicht haben: Es ist nicht mehr gefährlich, eine andere Meinung zu haben.

Occupy Berlin, Reichstag, Berlin (Corner of a Life CC BY 2.0)

Mir fällt auf, dass wir es uns angewöhnt haben, Meinungsbürger und Wutbürger zu sein, aber wir haben es verlernt, Bürger zu sein. Anstatt der Staat zu sein, grenzen wir uns ab und schimpfen über alles, was die Politik macht. Ein Grund mag sein, dass die Problemlagen so komplex geworden sind, dass wir sie nicht mehr durchschauen und stattdessen meinen, "die da oben" hätten die Kontrolle verloren (oder wahlweise: kontrollieren uns alle). Deine Stichworte Shareholder Value und Hyperkapitalismus stehen ja auch für solche "Angstbegriffe". Frag mal jemanden im Einkaufscenter, was Shareholder Value ist. Außer einer diffusen Meinung, werden die meisten dazu nichts sagen können.

1. Februar 2016

10 Thesen für eine aktuelle Philosophie

Das Philosophische Manifest des Magazins HOHE LUFT

"Verändern wir die Welt!" Das ist der Schlachtruf des philosophischen Magazins HOHE LUFT. Dazu hat das Magazin im letzten Jahr ein Manifest herausgegeben, dessen Lektüre mich heute sehr begeistert hat. Warum? Weil es mir zeigt, dass es einen neuen Zeitgeist gibt, der nach Philosophie fragt, die anwendbar auf unser modernes Leben ist. Aus diesem Bedürfnis heraus ist schließlich auch Geist und Gegenwart gegründet worden. Wir benötigen einen geistigen, sinnvollen, ja auch spirituellen Zusammenhang in unserem Leben und die dafür zuständigen Institutionen (z.B. Kirche), scheinen sich für viele überlebt zu haben, während New-Age-Spiritualität und Esoterik vielen einfach zu dumm und manipulativ sind. Mit diesem Manifest wird handgreiflich gemacht, wie Philosophie heute sein muss, um in diese Sinnlücke unserer Leben vorzustoßen.

19. Juni 2012

Den Arsch retten, ein neues Leben finden

Interview mit Tim von myMONK

Vor einer Weile entdeckte ich die Seite myMONK. Was mir erst mal auffiel, war der wirklich raffinierte Titel, der irgendwie Zen mit dem Internet und der iGeneration zu verbinden scheint. Auch die Optik macht was her: professionell, aber doch irgendwie bunt und auf eine schräge Weise persönlich. Über Twitter und die üblichen Kanäle lernte ich Tim kennen, der hinter myMONK steckt. Ihn und mich verbindet die Überzeugung, dass Selbsterkenntnis der entscheidende Schritt ist zu einem erfüllten Leben. Außerdem scheint er ein gutes Händchen fürs Internet zu haben und das interessiert mich immer. Grund genug, ihn hier in einem Interview mal etwas auszuquetschen.

Tim, lass mich mal gleich mit der Tür ins Haus fallen: Du hast BWL studiert. Verlangt das nicht nach einer Rechtfertigung?

Ja, sorry dafür! Nein, im Ernst: ich träumte schon in meiner Jugend von einem eigenen Unternehmen, da war meine Zeit fürs „Business“ aber irgendwie noch nicht gekommen. Und ich dachte mir, das BWL-Studium kann auf jeden Fall nicht schaden. Also saß ich da in den Prüfungen (Vorlesungen habe ich fast nie besucht) an der LMU München neben jungen Menschen, die gern Aktenkoffer und Sakkos mit sich herumtragen. Ist ja nicht unbedingt schlimm, war aber so gar nicht meine Welt. Gleichzeitig waren diejenigen, die mich mit ihrem dickem Gepose doch manchmal sehr genervt haben, ein guter Ansporn für mich, mich im Studium anzustrengen. Das hat mir zwar inhaltlich nicht viel gebracht, später aber ein paar Türen geöffnet...

5. August 2011

Überschneidungen von Psychologie und Philosophie

Ich habe einige Links zu Texten zusammengestellt, die sich mit den Überschneidungen von Philosophie und Psychologie befassen. Nicht zuletzt liegt ja da einer der Kernpunkte von Geist und Gegenwart. Es kann natürlich sein, dass einige der hier verlinkten Arbeiten ganz schön speziell sind. Aber das kann ja jeder selbst für sich entscheiden. Ich selbst mag PDFs, weil ich die überall und ganz in Ruhe auf meinem E-Reader lesen kann, ohne einen Bildschirm oder das Internet vor mir haben zu müssen. Dieses Wochenende schaue ich in Hartmanns Dissertation zu den philosophischen Grundlagen der Psychologie rein...

19. Juni 2011

Texte zum Minimalismus

Im Folgenden habe ich eine kleine Auswahl von Links zu Texten zum Minimalismus zusammengestellt. Vor allem, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Diese Auswahl ist nicht umfassend, reflektiert aber viele unterschiedliche Positionen.

Geist und Gegenwart
Über das Glücklichsein
Sieben Einsichten einer Philosophie der Ruhe und Gelassenheit
Downshifting - Legenden vom Kürzertreten
Zuflucht zu den inneren Wäldern
Mein unfreiwilliger Minimalismus
Wie man alles im Kopf behält
Zufriedenheit im individuellen und gesellschaftlichen Leben
Das Leben entrümpeln und frei durchatmen (auf Zeitzuleben.de)

Alex Rubenbauer
Minimalismus als Weg zum erfüllten Leben
Minimalist in 21 Tagen

Der rauhe Stein
Die innere Revolution und Minimalsimus

Finnsland
Downshifting

Goldgraberin
Frau Ding Dong´s Experimente

Mr. Minimalist:
Was ist Minimalismus?
Ich bin Maximalist

Oliver Peiss
Minimalismus ist tot, es lebe Minimalismus (offline)
Minimalist werden (offline)
5 Wege für mehr Fokus (offline)

Peter Hinzmann:
Minimalismus und kein Ende
Minimalismus als Mittel zum Zweck

Reduziert leben
Manuel reduziert

Thomas Bagusche (zen monkey - Übersetzungen von Leo Babauta)
Minimalistisch werden: Alle Infos, die Du im Blick haben solltest

Sicher gibt es noch viele andere tolle Texte zum Thema. Wenn ihr solche kennt oder geschrieben habt, dann hängt sie bitte mit Link über die Kommentarfunktion unten an.

27. März 2010

Martin E.P. Seligman: Authentic Happiness

Seligman, ein Psychologe der University of Pennsylvania, hat auf seiner Website Authentic Happiness viele verschiedene Tests rund um das individuelle Glücksbefinden kostenlos zur Verfügung gestellt. Man muss zwar ein Konto mit Nutzernamen und ein paar zusätzlichen Infos erstellen, aber das geht schnell und schmerzlos. Seligman nutzt die anonymen Testergebnisse dann für seine Forschungen und man selbst erlebt die Freude erhöhter Selbstwahrnehmung und Konfrontation durch die Tests und ihre Ergebnisse.

Ich kann das jedem empfehlen, der keine Probleme hat, solche Tests auf Englisch durchzuführen.

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