12. Dezember 2020

Glücklich durch die Pandemie

Meine Überlebensstrategien in Krisen

Es kann ziemlich niederschmetternd sein, dieses Jahr so zu beenden, wie es anfing: beschränkt in unseren Sozialkontakten, besorgt über uns selbst und unsere Nächsten, behindert in unserem Bewegungsdrang. Hinzu kommen all die idiotischen Zumutungen durch ängestigende Nachrichten, unklare Zufunftsaussichten oder tatsächliche Einkommenseinbrüche. Mich nerven auch verwirrte Mitmenschen, die sich nicht anders zu helfen wissen, als gegen die objektive Realität anzustürmen, indem sie sich weigern Masken zu tragen, indem sie so tun, als seien sie unverwundbar und/oder indem sie ihrer Verwirrtheit mit messianischem Eifer über Verschwörungsgeschrei Ausdruck geben müssen. 

Ab in den Wald ist eine meiner Strategien (Bild von mir, Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE)


Ich verstehe sehr gut, dass man das alles am liebsten gar nicht wahr haben möchte. Und ich denke auch, dass all die Maßnahmen noch lange nach Corona nachwirken werden und dass wir einen Preis dafür zahlen werden. So mache ich mir beispielsweise Sorgen über unseren noch nicht ganz fünfjährigen Sohn, der in einem Alltag auwfächst, der von Infektionsangst geprägt ist. Ich weiß nicht, welche langfristigen Ängste all das tägliche Fiebermessen, die maskierten Gesichter und die vielen Verbote im Umgang miteinander nach sich ziehen werden. Es würde mich nicht wundern, wenn wir als eine langfristige Folge mit zunehmenden Angsterkrankungen unter Erwachsenen und Kindern zu kämpfen haben würden: ständige Angst vor Infektion, Angst vor körperlicher Nähe und Agoraphobien zum Beispiel.

Hier sind ein paar Strategien, die mir und meiner kleinen Familie helfen, durch diese Zeit zu navigieren. Über all dem steht so ein bisschen das populäre royale Mantra in Vorbereitung der Briten auf den zweiten Weltkrieg:

Keep Calm and Carry On

Es hilft ja nichts: Wir wissen dass das Virus eine Bedrohung ist, die wir nur beherrschen werden, wenn wir uns diszipliniert verhalten. Das heißt also auch ein bisschen: Maske auf und durch! Gerade meinem kleinen Sohn gegenüber versuche ich das alles mit einer Menge Gleichmut hinzunehmen. Er soll nicht das Gefühl haben, dass etwas schlimmes passiert, denn das würde nur in diffusen Ängsten enden, die seine Zukunft prägen könnten, ohne dass er wüsste, warum oder eine Chance hätte, das aufzuarbeiten. Ich versuche so wenig wie möglich zu problematisieren, dass wir dieses und jenes "wegen Corona" nicht dürften. Dennoch erkläre ich ihm wahrheitsgetreu, wenn irgend etwas vorübergehend (!) nicht möglich ist, damit wir uns nicht mit einer Krankheit anstecken, für die noch kein Heilmittel zur Verfügung steht. Ihm zu vermitteln, dass das alles nicht so schlimm ist, dass es vorübergeht und wir uns in der Zwischenzeit etwas disziplinieren müssen, hilft auch mir selbst, das Drama aus der Pandemiesituation herauszunehmen.

Wenige ausgewählte und wichtige Kontakte

Ich habe meine Begegnungen mit anderen Menschen erheblich eingeschränkt, aber ich weiß auch, dass ich andere Menschen benötige, um ein ausgeglichenes Individuum zu sein. Neben meiner Frau und meinem Kind gibt es noch meine Eltern und einen Freund, den ich öfter sehe (außer es ist wirklich Lockdown). Bei diesen fünf Menschen kann ich einigermaßen einschätzen, welche Risiken sie eingehen. Sie zu sehen, erleichtert mir den Verzicht auf Kolleginnen und Kollegen, Freunde und Verwandte und die Leute aus meinem Sportverein erheblich. Als bekennender Introvertierter leide ich ohnehin nicht besonders daran, nur einige wenige ausgewählte Kontakte zu haben. Große Menschenansammlungen, Partys, Empfänge und Smalltalk sind sowieso nichts für mich.

Bewegung und Sport

Seit über 20 Jahren gehe ich regelmäßig boxen. Das ist für mich der ideale Sport, denn beim Boxen trainiert man jede Faser des eigenen Körpers und den Geist mindestens genauso hart. Außerdem ist es – wichtig für einen Introvertierten wie mich – kein Mannschaftssport wie Fußball, aber auch kein ganz vereinsamender Sport wie Schwimmen. Boxen, wo schon mal Schweiß und Speichel durch die Gegend fliegen, ist natürlich kein Sport für die Pandemie. Das heißt, dass ich über die meiste Zeit des Jahres nicht zum Training gehen konnte. Gleichzeitig fiel auch noch meine tägliche Radtour zur Arbeit und zurück weg, weil ich nun von Zuhause arbeite. Wie für so viele andere Sportbegeisterte sind für mich die sogenannten Calisthenics Parks überlebenswichtig geworden. Dort kann man an einfachen Geräten Klimmzüge machen, Bauchmuskeln trainieren oder Beugestütze trainieren. Manchmal renne ich auch einmal um den nahe gelegenen See und gehe auf dem Rückweg am Spielplatz vorbei, um mich kurz ans Klettergerüst zu hängen. Ich habe neuerdings sogar einen Fitness- und Schlaf-Tracker am Arm, damit ich über die Zeit hinweg sicherstellen kann, dass ich halbwegs gesund bleibe. Das alles ist natürlich kein gleichwertiger Ersatz zum professionell angeleiteten Training in der Gruppe, aber es ist besser als nichts. Auch Spziergänge über den Tag helfen, in Bewegung zu bleiben und – besonders jetzt im Winter – liefern uns das Tageslicht, das wir benötigen um tagsüber fit und abends müde zu sein.

Ab in den Wald

Inzwischen ein Klassiker, wie ich zunehmend wahrnehme: Menschen sind jetzt in großen Mengen zunehmend in der Natur. An manchen Tagen finde ich derzeit am Waldrand keinen Parkplatz und das sind genau dieselben Orte, an denen ich früher im Winter keine Menschenseele antraf: Schönower Heide, Bucher Forst, Teegler Fließ oder Hobrechtsfelde. Ich finde es gut, dass Menschen den Wald wieder entdecken, anstatt in die Stadt zum Shoppen zu fahren. Ich würde mir nur wünschen, dass ich weniger Hundescheiße in Plastiktüten oder Masken auf dem Boden oder an den Bäumen finden würde. Warum es immer und gerade jetzt so wichtig ist, in den Wald zu gehen, könnt ihr auch hier im Kapitel "Shinrin-yoku – mit dem Wald gegen Stress" lesen.

Bücher lesen, Filme sehen

Der Realität entfliehen, neu Horizonte erschließen, neue Realitäten erfinden? Das geht nicht nur mit Weltreisen oder Drogen, sondern auch mit Büchern oder Filmen. Ich würde wirklich jedem dringend raten, die Gedanken nicht noch weiter mit kleinen abgehackten Informationsbruchstücken aus dem Internet zu vergiften. Das macht unglücklich, verursacht Stress und überfordert den Geist. Menschen profitieren von Geschichten, von Erzählungen, von ganzen Sinnzusammenhängen, in denen sie sich verlieren und wiederfinden können. Dafür ist unser Gehirn gemacht, denn dadurch erzeugen wir Sinn und Orientierung für unser Leben. Zu viel Facebook, Spiegel Online oder YouTube-Videos zerhacken unsere Gedanken, lassen keine breiten Spielräume zur Entfaltung zu und behindern unsere Kreativität. Ich empfehle Bücher zu lesen, am besten keine Ratgeber oder nur Sachbücher, sondern Belletristik – schöne Romane, Memoiren, Erzählungen oder auch Science Fiction oder Fantasy. Filme machen dasselbe für uns, sie eröffnen virtuelle Welten. Das Lesen ist da natürlich kreativer, weil die Figuren und Welten erst einmal mit Hilfe unserer Vorstellungskraft aus den bloßen Buchstaben erzeugt werden müssen. Trotzdem haben gute Filme so wie gute Bücher die Kraft, uns mit den ewig menschlichen Spannungen zu konfrontieren oder sie vorweg zu nehmen und uns so auf Möglichkeiten oder Kommendes vorzubereiten und uns so zu besseren Menschen zu machen. In Zeiten der reduzierten Begegnung mit der Realität ist das sozusagen lebensrettend.

Comic Relief: Humor

Manche Dinge sind in Englisch viel besser auszudrücken, zum Beispiel die schöne Eigenschaft des Humors, uns von der Tragik des Lebens wenigstens zeitweise zu entlasten (relief). Und die Amerikaner haben es darin wahrlich zur Meisterschaft gebarcht. Ich glaube zum Beispiel, dass Donald Trumps Presidentschaft (besonders im Zusammenhang mit der sehr tragisch verlaufenden Pandemie in den USA) wenigstens einen sehr positven Effekt hatte: Noch nie gab es im Fernsehen so viel zu lachen wie in den letzten vier Jahren. Wer amerikanische, politische Stand-up Comedy mag, dem empfehle ich Jimmy Kimmel zu schauen. Einfach sehr kreativ, sehr sympathisch und dennoch sehr brutal. Mit Humor können wir die Dinge mal von ihrer absurden Seite betrachten und relativieren sie damit in ihrer Wichtigkeit. Darin liegt eine große Weisheit, denn am Ende des Lebens ist alles das, was uns heute aufregt, dann eben doch nicht mehr besonders wichtig. Wenn wir Humor zusammen mit anderen erleben, hat er auch die magische Kraft, uns mit diesen anderen Menschen zu verbinden. Kaum etwas gibt mehr Gemeinsinn, als zusammen lachen.

Meine oben genannten Strategien sind sicher nur eine kleine Auswahl aus vielen Möglichkeiten. Bei mir laufen sie darauf hinaus, trotz der Einschränkungen weiter ein breites und tiefes mentales und körperliches Leben zu haben und irgendwie auch an der Gemeinschaft mit anderen dran zu bleiben. Und all das ist auch nur deswegen wichtig, weil ich Glück hatte und das Wichtigste in dieser Zeit unangetastet blieb: meine körperliche Gesundheit, ich kann und konnte zu jedem Zeitpunkt ungehindert atmen. 

Wie erging und ergeht es euch in diesen Zeiten der Pandemie? 

Lasst mich und die Leser doch bitte an euren Strategien im Umgang mit der Pandemie teilhaben! Wir können alle von einander lernen und wer weiß, vielleicht brauchen wir solche Strategien auch in Zukunft wieder einmal, selbst wenn wir Covid-19 irgendwann besiegt haben sollten. Unten könnt ihr sofort und auch anonym kommentieren. 

Ganz lieben Dank fürs Lesen und eure Meinung, wenn ihr wollt.


Das passt dazu:

Kommentare:

  1. Ein schöner Text, der gute Strategien enthält, "das Drama raus zu nehmen"!

    Bei mir ist alles unverändert, genau wie ich im Blogpost zur 1.Welle schrieb:

    Bald leben alle wie ich

    Nur der "Raum der Möglichkeiten" hat sich verkleinert, was ich allerdings nur am Anfang der Einschränkungen als neuen Fakt bemerkt habe. Da es sich auf meinen Alltag nicht auswirkt, war es nur eine kurze Irritation.

    Zwischenzeitlich hab ich vielfach feststellen müssen, dass meine Situation eine privilegierte ist, weil ich auf nichts verzichten muss und auch keine Organisations- oder Existenzprobleme habe. Dabei lebe ich doch als schreibende Soloselbstständige "prekär", ohne Anstellung, ohne Vertragsbindungen, dafür im wesentlichen von 2 Auftraggebern im Bereich "Haus und Garten", die sich seit Corona-Start vor Bestellungen kaum retten können, so sehr boomt das.

    Umso intensiver verfolge ich die Ereignisse, fühle mit den Betroffenen und bemühe mich um ein gewisses Verständnis für die "Schwurbler". Wer weiß, welche eigene Lebenswirklichkeit sie zu solchen Haltungen bewegt, gewiss kein angenehmes!

    Mit den steigenden Zahlen der Neuinfektionen bin ich noch achtsamer geworden, trage jetzt vom Start weg Maske (ist auch wg. Kälte gut!), wenn ich mal ins Lädchen gehe und lasse mich eher beliefern.

    Dir und den deinen wünsch ich alles Gute! Und falls man sich nicht mehr liest: trotz allem eine schöne Weihnachtszeit!





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    1. Danke, liebe Claudia, für deinen Beitrag und deine schönen Wünsche. Auch dir ein gutes Ende dieses schrägen Jahres!

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  2. Hallo Gilbert, schöner Beitrag. Kann weitestgehend nur zustimmen.
    Ich gehe nach wie vor auch gern in den Wald und in die Natur; kostet nichts und gibt einem so viel ;)

    Mit Sport kann ich dagegen leider gar nichts anfangen. Diesbezüglich bin ich wohl irgendwie "fehlkonstruiert" ... egal was und wie ich es gemacht habe; jede sportliche Betätigung geht mir nach kurzer Zeit so extrem auf die Nerven und nichts davon macht mir Spaß. Das Schwitzen, das angestrengt sein, der hohe Puls, das keine Luft bekommen ... ich entwickle wohlmöglich einfach diese Endorphine oder was auch immer nicht. Sport ist für mich einfach schrecklich.

    Mich persönlich stört Corona ehrlich gesagt kaum. Natürlich ist man beunruhigt und macht sich sorgen um Eltern und ggf. besonders Großeltern wenn noch lebendig aber was mich selbst angeht ... wie hat Epikur gesagt ...„Der Tod [...] geht uns nichts an, denn solange wir sind, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, sind wir nicht mehr“

    Ich bin ein sehr einzelgängerischer introvertiert schizoider Typ. Das was jetzt für die meisten ungewohnte schmerzhafte Einschränkung von sozialen Kontakten ist das ist für mich gewollter und gewünschter normaler Altag. Ich bin gerne alleine, ich empfinde keine Einsamkeit.

    Das Maske tragen war am Anfang kurz ungewohnt aber jetzt halb so wild. Es ist echt lächerlich das wegen dieser Maske einige schon wieder nach "Freiheit" schreien usw.

    Ansonsten bin ich auch konsumkritisch und kaufe generell meistens nur das nötigste ein. Nicht weil ich muss, sondern weil ich es so will. Lockdown & Shutdown sind für mich daher auch unproblematisch. Selbst die Kurzarbeit die ich hatte war nicht der Rede wert. Das was ich an Freizeit gewonnen habe war mir sogar Wertvoller als das was ich an Geld verloren habe.

    Okay; ich muss mich eben auch nur ausschließlich um mich selbst kümmern. Keine Frau, keine Kinder ... materiell anspruchsloser Lebensstil ... ich kann mit wenigen hundert euro im Monat locker ohne Einschränkungen auskommen. Ich bin schon empahtisch genug das ich verstehe das es viele gibt die jetzt leiden und existenzssorgen haben ... das ist bitter und frustriend ... aber es ist nun mal so das ich selbst unter Corona nicht leide. Weder ökonomisch noch emotional. Liegt wohlmöglich einfach an meinen schizoiden eigenarten ... Autonomie als das wichtigste schlecht hin.

    Es scheint nur manchmal so das wir gerade in deutschland alles so "lammentiere" sind: jammern, meckern, motzen, kritisieren ... wohlstandsverwahrlost par excellence

    Bekloppt ist nur das Gefühl das man ein schlechtes Gewissen bekommt wenn ma sich Toilettenpapier kauft (wenn man wirklich keins mehr hat und welches braucht)... weil man nicht mit den ganzen Hamsternden Irren in einen Topf geworfen werden will!

    keep calm and carry on ... find ich gut, passt ;)

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    1. Danke für den Kommentar, lieber Leser! Ich beneide solch ein anspruchsvolles Leben immer wieder bzw. sehne mich zurück nach diesem, das ich einmal hatte. Finde es super, dass es solche Menschen gibt, wären wir mehr davon, hätten wir wohl weniger Probleme, weniger Konsum, weniger CO2. Mach dir wegen dem Klopapier keinen Kopf ;) Du hast mehr verdient, als du tragen kannst :)

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    2. Danke Dir :) Aber meintest Du nicht eher "anspruchsloses Leben" ? ;)
      Ich selbst sehe mich ja als materiell anspruchslos, kulturell und intellektuell dagegen habe ich schon "gehobene" Ansprüche. Bin kein Dogmatiker, alles hat irgendwie Vor- und Nachteile ... die Dosis macht das Gift ... aber ich hoffe inständig das die postpandemiezeit (Corona ansich wird in den Alltag über gehen, wie div. andere Viruserkrankungen auch ... alles andere wäre naiv) auch deutliche Veränderung in Wirtschaft und Gesellschaft mit sich bringt. Mehr sein, weniger haben ... kleine Erich Fromm Anspielung ;)

      Habe gerade gelesen das in Indonesien eine ganz andere Impfstrategie verfolgt wird: besonders aktive und (berufsbedingt) kontaktreiche Menschen werden priorisiert geimpft und nicht "die alten". Auch gar nicht so falsch denke ich. Man rottet das Virus gezielter aus indem man genau da ansetzt wo es sich verbreitet; eben bei den Kontakten. Die Frage die ich mir da als Laie stelle: Was geht schneller? Die (Herden)immunisierung oder die Mutation des Virus (also die Immunisierung des Virus gegen den Impfstoff) Das ist alles echt nicht so einfach ... da ist man schon fast froh nur ein Nobody zu sein und kein Gesundheitsminister/in, Virologe/in oder sonst ein/e Verantwortliche/r ... und da heißt es immer das "Trolley-Problem" (moralphilosophisches Gedankenexperiment) ist realitätsfern ... Thema Triage usw.

      Es ist ja immer zynisch wenn man der Krise auch was gutes abgewinnt. Stimmt.
      Aber ich bin ja auch ein erbitterter zyniker (oder kyniker ... i love diogenes von sinope)! Es beweist ja: Wir können mit vielem einfach aufhören und es sein lassen. Nur ein Beispiel: Homeoffice funktioniert, Präsenzarbeitsplätze sind in vielen Berufen völlig überflüssig geworden ... warum also daran festhalten? OK, klar, soziale Kontakte zur Arbeitskollegen usw ... verstehe ich ... aber da kann man Lösungen mit regionalen nachhaltigen CoWorkingenspaces finden ... mit Fahrgemeinschaft usw.

      Wenn wir die Millionen Pendler mit ihrenen eigenen PKWs von den Straßen bekommen ist schon viel gewonnen.

      Ich schreib mich hier gerade wieder in Rage ... mach jetzt mal n break ...

      Bleibt gesund ;)

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    3. Ach und "Anonym 16. Dezember 2020 um 16:37" bin ich ... hatte verpeilt mich anzumelden ...

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    4. Lieber Gast, dann lag ich mit meinem "anspruchsvoll" ja gar nicht so sehr daneben. Mir scheint, du hast einen weiteren Vorteil mir gegenüber: Du kannst abwarten und schauen, wie schlimm kann es für dic hselbst schon werden. Diese Leichtigkeit fehlt mir, seit ich vor fast 5 Jahren Vater geworden bin. Ich mache mir massive Sorgen über die Stabilität unserer Sozialgefüge, unserer Demokratien. Ich sehe auch die Hoffnung auf etwas Neues, wie du es skizzierst und denke auch, dass einige schöne kleine Dinge wie weniger Dienstreisen bleiben werden. Nur solche Krisen haben auch das Potenzial alle Machtgefüge zu erschüttern. Das war geschichtlich betrachtet langfristig auch nie schlimm. Aber wenn man reinzoomt in die Lebenszeit der betroffenen Menschen, dann war es für diese in Schnitt katastrophal. Ich hoffe, dass uns so etwas erspart bleibt. Aber was sollen die Heerscharen von neuen Armen in den USA, in Israel und auch bald in Großbritannien denn tun, wenn sie nichts mehr zu verlieren haben? Das treibt mich schon um.

      Bleib auch du gesund! Und frohe Festtage dazu.

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    5. Hi :) Passt denke ich noch ganz gut hier rein:
      Hab mich entschieden nur noch in Teilzeit zu arbeiten. Gut das es da einen Rechtsanspruch gibt. Habe von 40 auf 25 Std. reduziert. Ich gewinne dadurch jeden Tag 4 Std. Freizeit die ich in persönliche Weiterbildung und in das ein oder andere Ehrenamt investieren werde. Außerdem werde ich mich intensiv mit alternativen Lebensmodellen beschäftigen die auch gänzlich ohne Erwerbs- und Lohnarbeit funktionieren. Langfristig werde ich dann eventuell ganz "aussteigen".

      Das was ich an Freizeit (bzw. FreiHEIT) gewinne ist mir persönlich so viel wertvoller als das, was ich an Geld verliere. Ich habe schon so viele Ideen ...

      Wird denke ich ein toller neue Lebensabschnitt der, so hoffe ich, potenzielle in mir erweckt die vorher durch das ewige 9 too 5 ziemlich ausgetrocknet und abgestumpft sind. Zumal ich in den seltensten Fällen in Vollzeit tatsächlich ausgelastet war. Es ist so absurd das unsere Wirtschaft eher Zeit bezahlt, weniger sinnvolle produktive Arbeit. Hätte auch weiterhin Vollzeit arbeiten können und hätte für die 4 Std. beschäftigt tun ohne es zu sein ca 600,- Euro mehr bekommen ... soll das befriedigend sein? Sinnstiftend? Also ich weiß nicht ... da ist mir mein Leben zu Schade für ... YOLO ;) :)

      Relativierend natürlich immer der Hinweis das ich eben Einzelgänger ohne Frau, Kind(er) bin usw. Das ist alles was ganz anderes. Wenn man den Leerlauf bei der Arbeit erträgt oder gar nicht hat um eben, vereinfacht ausgedrückt, div. Mäuler zu stopfen ist das natürlich ne ganz andere Verantwortung. Davor habe ich Respekt.

      Andererseits ist es erschreckend wie sehr man sich heute häufig für Bescheidenheit rechtfertigen soll. Dieses ganze Leistungskultur/Leistungsgesellschaft-Dogma ist echt ganz schön tief in den Köpfen drin. Für mich alles eher Ideologie und keine Vernunft. Besitzende scheinen immer eine latente Angst vor der (materiellen) Anspruchslosigkeit derer zu haben die gar nicht besitzen wollen. Noch einfacher ausgedrückt: Wenn Arme gar nicht mehr reich werden wollen, verlieren reiche Ihre Macht über Arme. Da bekommen die reichen Panik. Bin ja jetzt nicht Arm. Aber ich will gar nicht reich sein. Also, an Besitz. Eher reich an Hirn und Herz ;)

      Es ist wie mit meiner Abstinenz gegenüber Alkohol: Viele fragen zuerst ob ich "trockener" bin oder so ... das ich mit Alkohol gar nichts anfangen kann kommt einigen gar nicht in den Sinn. So auch mit dem Thema Geld, Besitz etc.
      Das ich Teilzeit mache wird direkt darauf zurück geführt das ich entweder eine andere Geldquelle habe ... oder Kinder erziehe oder jemanden Pflegen muss (Hochachtung für alle die das machen!)
      Aber das ein bescheidener Lebensstil dahinter steckt. Das man das Geld gar nicht will, gar nicht braucht ... das scheinen viele gar nicht auf dem Zettel zu haben.
      Irgendwie enttäuscht mich das.

      Aber nun gut, Leben und Leben lassen. Wollte das hier nur nochmal los werden. Passt ganz gut denke ich.

      Alles gute, bleibt Gesund!

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    6. Wow, Gratulation zu dieser Entscheidung und Durchführung! Kann ich absolut nachvollziehen und würde mich auch gern so verhalten. Wo kommt meien Relativierung her? Genau: Familie am Laufen halten, erlaubt mir das im Moment nicht. Aber ich sage immer gern: Es gibt für alles im Leben Phasen. Und die nächste Phase kommt bestimmt.

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  3. Vor Corona habe ich wenig Angst. Vor der Panikmache der Medien und der Regierung dafür um so mehr. Die Angst frisst die Seele der Menschen auf. Ich glaube, dass eine sachliche Berichterstattung ohne Hysterie auch zum Ziel führen würde. Ich sehe viele verunsicherte Menschen, die sich in den Social Media Kanälen mit Worten bis aufs Blut bekriegen. Freundschaften und Familien zerbrechen an festzementierten Meinungen, deren Grundlage die Angst ist.
    Ich selbst brauche Menschen zur Inspiration und Freunde und Famlie fürs Herz.
    Das, was unsere Regierung an Lösungen bietet empfinde ich als blinden Aktionismus ohne sich die Mühe zu machen, die Komplexität der Situaiton und der daraus resultierenden Entscheidungen zu hinterfragen, um eben sinnvolle Entscheidungen treffen zu können. Ich sehe vielmehr die Fragmentierung unserer Demokratie im Namen der Pandemie.
    Nein, ich kann dem nichts abgewinnen. Und ich glaube auch nicht, dass wir Menschen danach klüger sein werden und achtsamer mit der Natur udn usneren Mitmenschen umgehen. Es wird viel eher so sein, dass ein großes Nachholbedüfnist die Menschen in die alte Muster zurücktreiben wird.
    Fakt ist, auch wenn es unpopulär ist dies auszusprechen, wir sind einfach viel zu viele Menschen für diesen Planeten.
    Jetzt bin ich etwas ausgeschweift. Ich hoffe, man es mir nachsieht

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    1. Liebe Anna, vielen Dank für Ihren Kommentar!

      Darf ich fragen, welchen Medien Sie folgen, in denen Sie Panikmache und und unsachliche Berichterstattung finden? Vielleicht folgen Sie einfach den "falschen" Medien. Ich zum Beispiel höre vor allem das Deutschlandradio und sehe die Tagesschau und muss sagen, dass ich das alles sehr sachlich finde und komplett frei von Panikmache. Ich kann mir vorstellen, dass das auf RTL oder in der BILD vielleicht anders ist, weiß ich aber nicht genau. Mit anderen Worten: Vielleicht finden Sie ja bessere Kanäle, die sachlicher sind und ohne Hysterie auskommen?

      Daran anschließend muss ich auch sagen, dass die Maßnahmen unserer Regierung, die ich ja v.a. aus ARD und DLF kenne, dort sehr nachvollziehbar dargestellt werden. Mirt erscheint das alles andere als blinder Aktionismus, viel mehr sind es Maßnahmen, die zwischen Ländern und Bund viel diskutiert und daher ausgewogen im Interesse aller sind. Dass auch die Regierenden in einer neuartigen Pandemie erst lernen müssen, was wirklich hilft und was nicht, ist ja nicht besonders überraschend, oder?

      Ich kann den Maßnahmen für mich selbst auch nichts abgewinnen, aber ich verstehe als solidarischer Bürger dieses Landes, dass meine Opfer sehr klein sind im Vergleich zu dem Risiko, selbst zu erkranken (siehe die oft starken und langfristigen Nachwirkungen von Covid) oder jemanden anzustecken, der vielleicht daran erkrankt oder stirbt.

      Ich mache mir auch Sorgen um die Demokratie, weil es zu viele Menschen gibt, die denen jede Destabilisierung recht ist, um die Demokratie anzugreifen. Man sieht das z.B. bei der AFD, die versucht, die Bevölkerung gegen norwendige Maßnahmen aufzuhetzen.

      Ich stimme ihrer Ahnung zu, dass die Menschen nicht viel klüger geworden sein werden. Einige kleine Dinge wie weniger Dienstreisen werden bleiben, aber das große Ganze braucht mehr als das.

      Klar sind wir zu viele Menschen. Sehe ich auch so. Aber ich frage mich schom immer, was aus so einer Erkenntnis folgt. Was machen wir jetzt mit dieser Information? Corona ist darauf auch keine Antwort ;)

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  4. Lieber Gilbert,
    sobald ich ins Internet gehe werde ich von Nachrichten zu Corona überflutet. Und ich denke, das wird wohl den meisten Menschen so ergehen. Freilich versuche ich mich davor zu schützen und lenke meinen Geist auf die Berichte der Süddeutschen Zeitung, Arte und weitere von denen ich denke, dass sie weniger Aufgeregt mit dem Thema umgehen.
    Ich stimme Ihnen natürlich zu, dass man lernen muss mit neuen Situationen umzugehen. Ich frage mich allerdings wie man lernt, wenn man die immer gleichen Entscheidungen trifft für dasselbe Problem mit fragwürdigen Erfolg? Bedeutet lernen nicht auch sich flexibel den Anforderungen anpassen? Neues zu wagen? Von anderen lernen und weiterentwickeln?
    Ich fand hierzu den Bericht zu Arte interessant:
    https://www.arte.tv/de/videos/098118-000-A/corona-sicherheit-kontra-freiheit/
    Bitte nicht falsch verstehen, ich habe kein Problem mich einzuschränken. Mich erschüttern aber die dogmatischen Einstellungen zum Umgang mit dem Virus. Die gespaltenen Lager. Die Angst sich kritisch zu den Maßnahmen zu äußern, weil man sich dann unvermittelt auf der Seite der Verschwörungstheoretiker wieder findet. Oder schlimmer noch, als unsolidarisch zurechtgewiesen wird. Als ob es nur schwarz/weiß gäbe ein Problem anzugehen. Mich erschreckt auch das Denunziantentum, das sich ausbreitet und durch Angst gefüttert wird.
    Ich stimme Ihnen absolut zu: Corona ist keine Antwort auf die Überbevölkerung im Sinne der Menschlichkeit. Corona und ggf. weiter Pandemien, Umweltkatastrophen und Klimaerwärmung sind und werden aber die Antwort der Natur sein. Ist es dann ethisch vertretbar dem tatenlos zuzusehen oder sich einzugestehen, dass es keinen Sinn macht sich uneingeschränkt zu vermehren? Ist es nicht weniger schmerzhaft auf mehr als zwei Kinder zu verzichten und in Kauf zu nehmen, dass wir für eine gewisse Zeit viele alte Menschen tragen müssen, um die Zukunft nachfolgender Generationen zu sichern? Freilich, dazu braucht es neue Werte und die sind nicht einfach zu implementieren. Oder sollen wir zusehen, wie der größte Teil der Menschheit in schrecklicher Armut lebt? Wäre es menschlich einfach weiterzumachen und abzuwarten bis die Natur abschüttelt was sie nicht ertragen kann. Letzteres stelle ich mir viel schmerzhafter vor....

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    1. Ja, Ihre Verstimmung finde ich sehr verständlich. Generell hat die Politik auch in Deutschland nach wie vor ein Problem, sich verständlich zu machen. Ich sehe da aber auch Verbesserungen. Und ich sehe auch, dass Entscheidungen angepasst werden, neue getroffen werden und alte revidiert werden. Ist das genug, um den Entscheidern ein gutes Zeugnis auszustellen? Vielleicht nicht. Aber es fällt mir auch schwer an denen rumzumeckern, die solche schweren Entscheidungen abwägen und letztlich durchsetzen müssen, denn ich bin mir sicher, ich selbst hätte auch keine besseren Ideen.

      Sie haben völlig Recht, vor dem Schwarz-weiß-Denken müssen wir uns hüten und bitte auch kritisieren, Vorschläge machen, sich auch mal bestimmten fragwürdigen Entscheidungen widersetzen.

      Ich weiß, was Sie meinen, wenn Sie sagen, "Pandemien, Umweltkatastrophen und Klimaerwärmung sind und werden die Antwort der Natur sein". Bildlich gesprochen kann man das so sagen. Aus philosophischer Perspektive bin ich da vorsichtig, denn das hieße, "die Natur" zu personalisieren und ihr eine Intention zu unterstellen. Das aber ist zumindest gewagt und kann nicht so einfach gezeigt werden.

      Das mit der "Überbevölkerung" ist ein schweres Thema. Gar nicht zu leugnen, dass es so ist und paradoxer Weise nur dadurch zu lösen, dass der Lebensstandard der betroffenen Regionen erhöht wird. Durch Frauenrechte, Bildung und finanzielle Sicherheit gibt es webiger Geburten. Daraus resultiert aber nicht unbedingt besserer ökologischer "foot print", denn der zunehmende Ressourcenverbrauch der abnehmenden Bevölkerung könnte jegliche erhoffte Einsparung einkassieren. Ich hoffe, dass ich mich irre und dass uns "der Fortschritt" noch einmal den Arsch rettet.

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