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27. März 2026

Von Kugelschreibern und Büroklammern

Zwei Anekdoten von Donald Trump

 
Wer hat sie entdeckt? (KI-generierte Illustration, erstellt 2026)

 
Die Entdeckung der Büroklammer

Auf die Frage eines Journalisten (Link zum Transkript), wessen Idee es gewesen war, Agenten der Einwanderungs- und Zollbehöre ICE bei der Abfertigung und dem Check-in von Flugreisenden zu helfen, gab Trump folgende kleine Anekdote zur Antwort:

Meine. Das war meine Idee. Das war wie mit der Büroklammer. Kennen Sie die Geschichte von der Büroklammer? Vor 182 Jahren hat ein Mann die Büroklammer entdeckt. Es war so einfach, und jeder, der sie gesehen hat, hat gesagt: Warum bin ich nicht darauf gekommen? ICE war meine Idee.

Faktencheck I: Die Büroklammer wurde nicht "entdeckt", sondern entwickelt oder erfunden und das auch nicht vor genau 182 Jahren. Die längere Entwicklungsgeschichte kann man hier lesen. Faktencheck II: Zur folgenden Anekdote bleibt festzuhalten, dass die Firma, die die dort beschriebenen Stifte herstellt, abstreitet, jemals mit Trump in diesem von ihm beschriebenen Austausch stand.

16. März 2026

Warum der Don jetzt Schuhe verteilt

Mindestens eine Nummer zu groß

Unsere Medien berichten professionell über die USA, über das White House und über den derzeitigen US Präsidenten, als ob man über das, was dort geschieht, professionell berichten könnte. Sie sagen Dinge wie, "der Präsident hat entschieden", "eine Pressemitteilung aus dem Weißen Haus lässt wissen" oder "Trump fordert von der NATO..." Klingt alles nach normaler Politik, nach "normal". 

Selbst über eine neue Merkwürdigkeit aus dem Weißen Haus berichtet das ZDF zwar leicht zwinkernd, aber immer noch, als sei es lediglich eine amüsante Randnotiz: Donald Trump verteilt offenbar Schuhe im Kabinett.
 

Eine Nummer zu groß für euch? (KI-generierte Illustration, erstellt 2026)

13. März 2026

Hai oder Elektrischer Stuhl?

Eine Anekdote von Donald Trump

(Mehr Anekdoten? Ja. Und warum? Hier entlang >>)

Lieber auf den Elektrischen Stuhl (KI-generierte Illustration, erstellt 2026)
 

Ich war bei einer Bootsfirma in South Carolina. Ich fragte: "Wie läuft’s?" Der Inhaber meinte: "Es gibt ein Problem, Sir. Die wollen, dass wir nur noch Elektroboote bauen." 

2. März 2026

KI, mein Onkel am MIT und der Unabomber

Eine Anekdote von Donald Trump

(Mehr Anekdoten? Ja. Und warum? Hier entlang >>

Als ich das erste Mal von Künstlicher Intelligenz hörte... wisst ihr, das ist nicht so mein Ding. Mein Onkel war zwar am MIT, einer der großen Professoren, 51 Jahre lang, oder so. Er war der dienstälteste Professor in der Geschichte des MIT. Drei Abschlüsse in Nuklear, Chemie und Mathematik. Ein wirklich kluger Mann.

Kaczynski war einer seiner Studenten. Kennen Sie Kaczynski? [Auch bekannt als Unabomber, weil er Paketbomben an Universitäten und Fluggesellschaften (universities ’nairlines) schickte und damit 3 Menschen tötete und viele weitere verletzte.] Zwischen einem Wahnsinnigen und einem Genie gibt es kaum einen Unterschied. Aber Kaczynski... ich fragte meinen Onkel: "Was für ein Student war er, Onkel John?“ Dr. John Trump.

Er antwortete: "Was für ein Student? Ein wirklich guter. Er hat ständig alle um ihn herum korrigiert, jeden." Aber das lief dann nicht so gut für ihn. Nicht so gut. Aber so ist das Leben. Ich sage euch eins: Wir haben die klügsten Köpfe, wir haben die größte Macht, und wir werden noch mehr Elektrizität für Künstliche Intelligenz haben. 

 Donald J. Trump, 15. Juli 2025, Rede beim ersten Pennsylvania Energy and Innovation Summit 

Faktencheck: Die Identität des Unabombers war zu Lebzeiten von John G. Trump unbekannt. Dr. Trump starb 1985. Ted Kaczynski wurde erst 1996 – elf Jahre nach Dr. Trumps Tod – als Unabomber identifiziert und verhaftet. Folglich konnte Dr. Trump nicht wissen, dass Kaczynski der Unabomber war, um ihn mit Donald Trump unter diesem Namen zu erwähnen. Ebenso wenig hätte Donald Trump einen Grund gehabt, seinen Onkel nach einem anonymen, noch nicht gefassten Flüchtigen zu fragen.

Das passt dazu:

  • Creedmoor: Bösartiger Stahl
  • Hai oder Elektrischer Stuhl? 
  • Donald Trump ist ein Politroboter aus der Zukunft 
  •  

    20. Januar 2026

    Creedmoor: Bösartiger Stahl

    Eine Anekdote von Donald Trump

    (Mehr Anekdoten? Ja. Und warum? Hier entlang >>

    Building  40, Creedmoor Psychiatric Center (Matt Green, CC BY-NC-SA 2.0)
     

    Ich bin in Queens aufgewachsen. Wir hatten da so einen Ort namens Creedmoor. Creedmoor. Kannte das überhaupt jemand, Creedmoor? Ein großes... 

    21. September 2025

    Aktenzeichen XY Ungeliebt

    Ein komisch-autokratischer Versuch, die Medien unter Kontrolle zu bringen

    Zu wenig Lob für des Königs fragiles Ego

    In den USA sehen wir gerade die historisch größten Zensurbemühungen gegen die freie Meinungsäußerung in den Medien. Ich konnte mir das bisher nicht vorstellen, in einem Land, in dem man sogar den Holocaust leugnen darf oder frei mit Hakenkreuzen und Runen um sich schmeißen kann, wenn man will. 

    Die Regierung setzt mithilfe ihrer Behörden Fernsehsender und Medienhäuser unter Druck, Comedians zu feuern, wenn sie sich über Trump lustig machen oder verklagt Zeitungen wie die New York Times oder das Wallstreet Journal, wenn sie unliebsame Fakten beispielsweise über Trump und seinen "long time buddy" Epstein veröffentlichen.

    Natürlich ist das furchtbar, denn selbst wenn das nicht erfolgreich ist, macht es immer Druck und Medien versuchen, diesem Druck durch vorauseilendem Gehorsam zu entgehen. Aber es ist auch echt komisch, denn wie bei allem, was diese Regierung macht, ist es stümperhaft, auf Grundschullevel. Denken wir an die unausgegorenen Zölle; an eine Mauer, die gebaut und von Mexiko bezahlt werden sollte oder an den Versuch, Trumps Freundschaft zum Sexualstraftäter Epstein zu vertuschen und sich dabei um Kopf und Kragen zu reden... das alles ist echtes Comedy-Gold.

    12. Dezember 2020

    Glücklich durch die Pandemie

    Meine Überlebensstrategien in Krisen

    Es kann ziemlich niederschmetternd sein, dieses Jahr so zu beenden, wie es anfing: beschränkt in unseren Sozialkontakten, besorgt über uns selbst und unsere Nächsten, behindert in unserem Bewegungsdrang. Hinzu kommen all die idiotischen Zumutungen durch ängestigende Nachrichten, unklare Zufunftsaussichten oder tatsächliche Einkommenseinbrüche. Mich nerven auch verwirrte Mitmenschen, die sich nicht anders zu helfen wissen, als gegen die objektive Realität anzustürmen, indem sie sich weigern Masken zu tragen, indem sie so tun, als seien sie unverwundbar und/oder indem sie ihrer Verwirrtheit mit messianischem Eifer über Verschwörungsgeschrei Ausdruck geben müssen. 

    Ab in den Wald ist eine meiner Strategien (Bild von mir, Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE)


    Ich verstehe sehr gut, dass man das alles am liebsten gar nicht wahr haben möchte. Und ich denke auch, dass all die Maßnahmen noch lange nach Corona nachwirken werden und dass wir einen Preis dafür zahlen werden. So mache ich mir beispielsweise Sorgen über unseren noch nicht ganz fünfjährigen Sohn, der in einem Alltag auwfächst, der von Infektionsangst geprägt ist. Ich weiß nicht, welche langfristigen Ängste all das tägliche Fiebermessen, die maskierten Gesichter und die vielen Verbote im Umgang miteinander nach sich ziehen werden. Es würde mich nicht wundern, wenn wir als eine langfristige Folge mit zunehmenden Angsterkrankungen unter Erwachsenen und Kindern zu kämpfen haben würden: ständige Angst vor Infektion, Angst vor körperlicher Nähe und Agoraphobien zum Beispiel.

    Hier sind ein paar Strategien, die mir und meiner kleinen Familie helfen, durch diese Zeit zu navigieren. Über all dem steht so ein bisschen das populäre royale Mantra in Vorbereitung der Briten auf den zweiten Weltkrieg:

    12. August 2016

    Donald Trump ist ein Politroboter aus der Zukunft

    Die Künstliche Intelligenz hat noch ein paar Bugs

    Es ist oft beobachtet worden, dass Donald Trump kein Politiker (im herkömmlichen Sinne) ist, etwa mit Überzeugungen, Werten oder einer Agenda. Vielmehr erstaunt er alle Beobachter dadurch, wie er innerhalb von wenigen Minuten eine Sache und ihr Gegenteil behaupten kann und wie er es schafft, selbst Verbündete zu erbitterten Gegnern zu machen. Das liegt vor allem daran, dass seine Agenda keine andere ist, als Aufmerksamkeit zu erzeugen und zu erhalten. Aber damit gibt es ein Problem...


    Trump mag zwar keine Überzeugungen und Werte haben, aber er hat eine binäre Methode. Cathy O'Neil (aka Mathbabe) hat gezeigt, dass hinter Trump ein ganz einfacher, aber fehlerhafter Algorithmus stecken könnte. Cory Doctorow von Boingboing erklärt die Technik so:

    17. Dezember 2014

    Willst du eine romantische Disney-Fantasie leben?

    Wir Unglücklichen wissen das Unglück nicht zu schätzen



    Ich bin ein großer Fan von Comedy, besonders wenn sie tragisch ist. Guter Humor hat immer eine philosophische Dimension und konfrontiert uns mit uns selbst und unseren absurden Hoffnungen, unseren dummen Überzeugungen und peinlichen Schwächen. Kein Komiker macht das im Moment so gut wie Louis C.K. aus New York mit seiner Figur Louie. Er macht das so gut, dass es oft schwer ist, seine Show noch lustig zu finden.

    Perlen vor die Säue: Verschwende dein Unglück nicht!

    Zuletzt sah ich die zehnte Folge aus der vierten Staffel, in der es um seine verlorene Liebe geht - eine Frau, die nach einem romantischen Intermezzo von New York zurück nach Ungarn ging. Natürlich war Louie extrem traurig, er bemitleidet sich selbst und sucht Trost oder Rat beim abgeklärten Dr. Bigelow und dessen dreibeinigen Hund (den der Doktor übrigens für den glücklichsten Hund der Welt hält). Louie sagt, dass er zu traurig ist, dass es diese kurze Liebe nicht wert war, wenn sie nur hierhin in diese Trauer geführt hat. Hier ist Dr. Bigelows Antwort von mir ins Deutsche übersetzt:
    Die Unglücklichen wissen das Unglück nicht zu schätzen... Du bist ein Vollidiot. Denkst du, es ging darum, Zeit mit ihr zu verbringen, sie zu küssen, Spaß zu haben? Du denkst, das war der Sinn des Ganzen? Du meinst, das sei die Liebe? Nein, DAS HIER ist Liebe: sie zu vermissen, sterben wollen, weil sie verschwunden ist. Du bist so ein Glückspilz, ein umherlaufendes Gedicht. Wärst du lieber irgendeine Art von Fantasie, so ein Disney-Märchen? Willst du das? Verstehst du nicht, dass DAS HIER der beste Moment deines Lebens ist. Das ist, wonach du die ganze Zeit gesucht hast. Nun hältst du es endlich in der Hand, diesen kleinen Diamanten der Liebe, süß und traurig und nun willst du es wegschmeißen? Du hast gar nichts verstanden! [...] Schlimm ist es erst, wenn du sie vergisst, wenn sie dir egal wird, wenn dir alles egal wird. Das kommst noch früh genug, also genieße dein gebrochenes Herz, so lange du noch kannst, verdammt noch mal... Kannst du mal bitte die Hundescheiße aufsammeln? Du verdammter Glückspilz...
    Mehr muss man dazu eigentlich gar nicht sagen. Es passt wie die Faust aufs Auge unserer überzogenen Erwartungshaltung ans Leben als Glücksspender. Das Leben ist alles andere als Disney-Romantik und wer als umherlaufendes Gedicht Leid und Trauer kennt, ist ein Glückspilz. Es geht dann nur noch darum, das zu erkennen.



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    18. Oktober 2014

    Von freien Menschen und passiven Kunden

    Was ist unser Selbstverständnis als souveräne Bürger?

    Unser eigenes Verständnis von dem, was wir als Menschen sind und sein können, wird darüber mit entscheiden, wie unser Leben gelingt. Vom Erdulden der Umstände und Mitschwimmen im neusten Trend, wenn wir uns passiv verhalten bis hin zum Gestalten und Revolutionieren unseres Lebens, wenn wir es aktiv analysieren und führen. Natürlich sind wir alle mal passiv und mal aktiv, das ist ganz selbstverständlich. Passivität ist zur Orientierung wichtig, zum Auftanken und zum Genießen. Gefährlich wird es, wenn unser Selbstverständnis darauf eingeschränkt wird, dass wir als Menschen vom Konsum abgesehen eine lediglich passive Lebensform seien. Und ich meine, dass wir in einer Welt leben, die uns gern auf die Rolle als ein nur sehr eingeschränkt aktiver König-Kunde festlegt und ansonsten davon ausgeht, dass wir uns möglichst passiv verhalten.

    Wo der Mensch heute noch frei sein kann (CC0)

    25. Mai 2014

    Unsere Heiterkeit kennt kein Übermaß

    Bubble Joy
    Alles, was Lust macht, ist gut (Bubble Joy von Davide Gabino via Flickr CC)

    Gut ist, was Lust macht

    Es gibt ganz fundamentale Gegensätze in unserem Leben: Spaß/Horror, Gut/Schlecht, Lust/Unlust usw. Wir sind sozusagen gespalten. Warum ist das so? Vom Menschen sagt Alexander Kluge in Die Lebensbahn des Zwerchfells: Sein Kopf, das Herz, die Atmung ziehen nach oben, zum Höheren. Das Niedere - die Verdauungsorgane, die Geschlechtsorgane, die Beine - verbindet ihn mit der natürlichen Welt. Und was liegt dazwischen? "Weder auf die Kommandos von oben noch auf die von unten wirklich hörend, ein starker Muskel: das Zwerchfell..."¹ Und in der Tat scheint auch der aufs Zwerchfell zielende Humor die Entladung der Spannungen zwischen Gegensätzen zu ermöglichen. Im Interview in der Epilog, sagt Alexander Kluge:

    Jedes Baby will die Kugel, die ihm vorgeführt wird, greifen. Wir wollen zur Wirklichkeit hin, und wir wollen, wenn uns Wirklichkeit schädigt und Angst macht, von ihr weg. Diese Gefühle können Sie nicht trennen. Das ist der Antagonismus des Gefühls. Das ist eine Revolte der menschlichen Empfindung gegen die Wirklichkeit. Hier liegt die Quelle des Witzes, das ist aber gleichzeitig auch sehr ernst.²

    Dieser grundlegende Antagonismus ist in der Philosophie vielfach beschrieben. Baruch de Spinoza beschrieb schon im 17. Jahrhundert sehr fern von jeder Moralisierung mit Lust und Unlust das Grundprinzip der Lebenserhaltung: Wir streben zur Lust, die uns zur Selbsterhaltung führt und weg von der Unlust, die eine verringerte Selbsterhaltungsfähigkeit anzeigt. Als Beispiel der Hunger: Er bereitet uns Unlust, wir werden sogar launisch und aggressiv, wenn er andauert. Essen und Trinken jedoch bereiten uns Lust und dienen der Selbsterhaltung. Über erotische Triebe muss man gar nicht reden, denn sie sorgen über die Selbsterhaltung hinaus für die Arterhaltung. Alles, was Lust macht, ist gut.

    Erkenntnis ist lustvoll

    Das Zusammendenken von Körper und Geist (oder Leib und Seele) als zwei Aspekte eines Wesens macht neben dem Verzicht auf Moralisierung Spinoza so modern. Er wollte "geometrisch über Unfreiheit und Freiheit, das gelingende und misslingende Leben, über Schmerz, Trübsal, Lust und Liebe nachdenken", so Michael Hampe in Spinoza und die Lebenslust im neuen Philosophie Magazin. Das heißt, anstatt über das menschliche Verhalten moralisch zu urteilen, will er es nach den Gesetzen der Natur wissenschaftlich untersuchen. Nach diesem aufklärerischen Verständnis ist Lust gut, denn sie hilft uns bei der Selbsterhaltung als grundlegendes Streben jedes natürlichen Wesens.

    Doch um uns dem auszusetzen, was für uns gut ist, müssen wir wissen, was für Individuen wir sind. Wir müssen wissen, was in der Welt unser Tätigkeitsvermögen steigert. Selbsterkenntnis und Welterkenntnis können unsere Lust steigern. Überhaupt sind wir, wenn wir erkennen, tätig, und wenn wir dabei Neues herausbekommen, steigern wir unsere Selbsterhaltungsfähigkeiten und empfinden Lust.*

    Spinoza ist kein reiner Hedonist: Auch Lust kennt ein Übermaß, besonders dann, wenn wir sie isoliert auf bestimmte körperliche Regionen oder Zustände beschränken. Die Grenze von Lust zu Sucht und damit zu Unlust ist fließend. Bei einem Lusterleben, das den Exzess zur Normalität erhebt und uns in die Sucht und Unlust treibt, bleibt die Erkenntnis dessen auf der Strecke, was dem Triumph der Lust über die Unlust dauerhaft dient.

    Die Heiterkeit (hilaritas), die eine Form der Lust ist, hat jedoch niemals ein Übermaß, so Spinoza. Denn in der Heiterkeit werden alle Teile des Körpers in ihrer Fähigkeit, tätig zu sein, gesteigert. [...] Es ist die Heiterkeit und nicht die erotische Ekstase, die die absolute Lust Spinozas darstellt. Sie ist immer gut, birgt kein Suchtpotenzial. Es mag sein, dass die Intensitäten der fokussierten Lust oder Unlust, eines organisch fixierbaren Hochgenusses oder Schmerzes viel größer sind als jede Heiterkeit und jede Melancholie. Doch wenn wir uns auf das konzentrieren, was unser Wesen ausmacht: unsere Fähigkeit, uns als Individuen zu erhalten, dann sind diese den Gesamtzustand betreffenden Lüste und Unlüste die relevanten Zustände.³

    Was mir hier auffällt ist auch noch eine andere Modernität: Die frühe Vorwegnahme unserer heutigen Obsession auf das individuelle, das Ich, das es gegen alles andere zu erhalten gelte. Aber sicher wäre es ein Missverständnis, wenn wir Spinozas Selbsterhaltung als Egoismus lesen. Denn auch hier greift die Erkenntnis der großen Zusammenhänge als Voraussetzung zu Lust und Heiterkeit: Ohne Du kein Ich, ohne Wir kein Individuum.

    Liebe stellt sich da ein, wo die Ursache eines Lustzustandes betrachtet wird. Wenn wir uns selbst und die Welt richtig erkennen, so bereitet das Lust. Wenn wir den Zusammenhang zwischen uns und der Welt erkennen, so bereitet das noch mehr Lust.

    [...]

    Das glückliche Leben ist lustvoll, weil es von der Liebe zu den unpersönlichen Strukturen der Natur bestimmt ist.³

    Was ist nun mit dem Zwerchfell? Ist es die Grenze zwischen Mensch und Tier? Dieser Muskel, den wir benötigen, um aufrecht zu gehen und der auf der anderen Seite unkontrollierbaren Spasmen ausgeliefert ist, wenn wir gekitzelt oder über alle Maßen belustigt werden. Der Mensch - so Helmut Plessner4 - kommt im Lachen an seine Grenzen, er verliert die Kontrolle und damit das, was ihn als Menschen auszeichnet. Wie ein Tier ist er im Lachen seinen Affekten ausgeliefert. Die Heiterkeit hingegen ist kein Lachen, sondern ein auf Dauer gestelltes Arrangieren und Verstehen des Menschen in seiner Umwelt. Kontrollverlust wie Lachen, gelegentliche Exzesse des Genusses oder die erotische Ekstase gehören aber dazu. Denken wir nächstens mal dran: Gut ist, was uns Lust macht.



    1) Alexander Kluge: Das fünfte Buch: Neue Lebensläufe. 402 Geschichten
    2) Die Epilog, Heft 04: "Ich beabsichtige das gar nicht."
    3) Michael Hampe in Spinoza und die Lebenslust im Philosophie Magazin Nr. 4 / 2014 | Das Ich-Syndrom
    4) Die Epilog, Heft 04: Der Sinn des Lachens — Helmuth Plessner entdeckt den Ursprung des Menschen von Maybrit Hillnhagen

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    15. September 2013

    Auch zur Bundestagswahl 2013 wieder: Dem Urnenpöbel ekelts!

    Ich habe heute beim Wahlomat den Test gemacht und in jeder Frage gegen meine Überzeugung gestimmt. Es war schon etwas eklig, aber das Ergebnis hat überzeugt. Mir wurde empfohlen, die FDP zu wählen, die CDU kam auf Platz zwei.

    Und wer könnte einem verübeln, wenn man die SPD nicht ins Herz schließen kann? Wer weiß denn nach Schröder, Hartz und deren Nachgeburt Steinmeier noch, wofür die überhaupt stehen? Soziale Kahlschlagpartei mit rotem Lippenstift? Oder erst die große Koalition: Wer könnte so ein gefesseltes und von allen Seiten vergewaltigtes Gebilde ernsthaft wollen? Was sonst? Rot-Rot-Grün, Schwarz-Gelb-Grün, Rot-Gelb-Grün? Da wird einem ja speiübel. Oder wie Georg Schramm die Stimmung der Wähler beschreibt: »Eine Melange aus Ekel, Überdruss und langer Weile.« Und das war bereits vor der vorletzten Bundestagswahl. Manche Dinge ändern sich einfach nicht.

    Den ganzen Text - bereits aus dem Jahr 2009 - können Sie auf Kolumnen.de lesen >>

    2. Februar 2013

    "Ich plane meine Flucht." Nicht ich...

    »Sie haben ja ihre Tabletten gar nicht genommen!?« Doch, die Entzündungshemmer. Die anderen brauche ich nicht; Schmerzen habe ich keine! »Sind sie sicher?« Nee, ich bilde mir meine Schmerzlosigkeit nur ein! Natürlich bin ich sicher. Ich plane meine Flucht.

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    Nicht ich. Auf dem Weg nach draußen (Foto von Cult Gigolo via Flickr.com)

    Aus dem Spiegel kuckt mich ein graues Gesicht mit mattem Blick an. Scheiß Haare. Nicht ich. Dann zieht mir ein junges Mädchen die Thrombosestrümpfe aus, wäscht meine Füße und zieht mir frische Strümpfe drüber. Mein Urin riecht hier ganz komisch. Ich habe einen Rhythmus angenommen, der mich gegen 6 Uhr aufwachen und ungeduldig auf das Frühstück warten lässt. Pieps. »36,4°C. Gestern Stuhlgang gehabt?« Um 12 gibts Mittag und um 18 Uhr Abendessen. Eine Scheibe Brot oder zwei? Jede noch so kleine Entscheidung wird mir abgenommen, nichts muss ich alleine machen, wenn ich nicht will. Eine große lange Pillenbox mit vier Fächern strukturiert den Tag: Morgens, Mittags, Abends, Nachts. Und in jedem Fach liegen starke Schmerzmittel. 12 Pillen pro Tag! Die Versuchung ist groß, weil diese Drogen den zu langen Tag verkürzen. Du schmeißt sie ein und fängst an zu dämmern und zu träumen. Ein Tag als Schmetterling. In Wahrheit bist du ein schwerer Klumpen Fleisch, zu dem du immer wieder aufwachst, um dann wieder abzutauchen und weiter zu dämmern. Lesen geht nicht, die Augen fallen dir immer wieder zu. Neben dir nuschelt ein Fernseher. Sonnige Grüße aus Mali oder sonst einem Ort, der dir rein gar nichts bedeutet. Nicht mal Onanieren scheint machbar, nicht das leiseste Aufbäumen gegen die unerbittliche Schwerkraft des Genesungsbetts.

    Lesen Sie den ganzen Text Nicht ich. Auf dem Weg nach draußen auf Kolumnen.de >>

    10. November 2012

    Es könnte Schlimmeres geben...

    Es ist eine Schande, dass wir nach dem ersten abgefahrenen Drittel unseres Lebens den absurd uncoolen Entwurf hinnehmbar finden, eine Familie zu gründen, ein Haus in einem Vorort zu beziehen und immer fleißig zur Arbeit zu fahren. Ist das nicht ein Betrug an uns selbst, an unseren Idealen wie Freiheit, Kreativität und Originalität? Ist es nicht wirklich eine Zumutung, unser Leben mit Arbeit zu verbringen, nur um den Kopf über Wasser zu halten? Ich glaube, Ehe und Kinder sind unglaublich narzisstische Projekte für Leute, denen die Ideen ausgegangen sind.

    Was ist von unserer Jugend eigentlich übrig geblieben?
    (Foto von Dark Silence In Suburbia)

    Als ich fünfzehn war, fragte mich eine mindestens drei Jahre ältere und viel zu geil aussehende Jacqueline in der Hohenschönhausener Jugend-Diskothek: »Soll ick dir een blasen?« Das Poetische dieses Moments traf mich wie der Blitz. Ich hatte einen spontanen Samenerguss und mir war klar, ich würde Rockstar werden oder Schriftsteller. Auf dem Weg nach Hause wurde ich dann von zwei Neonazis verkloppt.

    Die ganze Geschichte auf Kolumnen.de lesen >>

    21. Oktober 2012

    Warum ist die Liebe so schwer?

    Lovesick
    Neulich – nachdem die Tür ins Schloss gekracht war – saß ich alleine auf der Couch und machte mir Gedanken. Ich dachte, dass es merkwürdig ist, wie äußerst demokratisch die Kübel voll Liebeskummer über die Leute ausgegossen werden. Politiker, Arbeitslose, Kosmonauten und Filmstars, ja sogar so ich! Warum? Ich hab doch nun wirklich niemanden etwas getan. Wir angeblich Liebenden streiten uns in unseren Beziehungen auf Teufel komm raus. Obwohl wir uns sonst für sehr angenehme Zeitgenossen derer halten, die wir nicht lieben, Arbeitskollegen zum Beispiel. Die Liebe geht oft flöten, Lebensbunde brechen auseinander. Zum Beispiel hatte ich mal eine Freundin, die mich nach unserem ersten Sex fragte, wie lange ich eigentlich diese Klobürste schon hätte? Eine gute Frage. Hatte ich noch nie drüber nachgedacht. "Die müsste mal ausgetauscht werden!", sagte sie, noch ganz rot im Gesicht. Am Ende blieb die Bürste noch weitaus länger bei mir, als diese Freundin. Schade eigentlich, wenn man so drüber nachdenkt. Menschen verlassen und werden verlassen. An materiellen Gütern hingegen halten sie oft länger fest. Folgende Zusammenhänge des andauernden Scheiterns habe ich auf der Couch aufgedeckt.

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    7. Oktober 2012

    Happy End und Fortpflanzung

    Sie kennen das Märchen: Ein rechter Nichtsnutz wuchs den lieben Eltern über den Kopf und zu Hause ward es eng. Ein Hof, der vererbt werden könnte, war nicht übrig und so zog der Nichtsnutz von dannen, in ein entferntes Land, wo man noch an Feen und Elfen glaubte. Hier wuchs ihm ein Bart, er lernte ein solides Handwerk und verliebte sich ein wunderschönes Mädchen. Nach sieben Jahren kam er als gemachter Mann zu seinen Geburtsort zurück, wo die lieben Eltern mittlerweile gebückt am Stock gingen. Mit seiner wunderschönen Frau zog er in ein ebenso schönes Haus mit 4 Zimmern. Und sie lebten glücklich bis an ihr Ende. Der Horror liegt freilich in diesem nur angedeuteten, angeblich glücklichen Rest des Lebens...

    Snapshot of family life...
    im Happy End des bürgerlichen Lebens (Bid von SnapperDave)

    Was soll das bedeuten? Es kann nur eines heißen: Der Spaß ist vorbei. Angekommen im Happy End des bürgerlichen Lebens und noch fern jeder Erlösung. Lesen Sie den ganzen Artikel auf Kolumnen.de >>

    26. September 2012

    Du hast da was Schwarzes...

    Hassen Sie das auch, wenn Sie jemand nach dem Essen darauf hinweist, dass sich Spinat in Ihren Zahnlücken festgefressen hat? Oder geht das nur mir so? Haben Sie keine oder genügend weite Zahnlücken, sodass sich da nichts festsetzen kann? Oder ist es Ihnen egal, wie Ihre Körperöffnungen auf andere wirken? Das sollte es aber nicht, denn es kann einen ganz erheblichen Einfluss auf Ihren Fortpflanzungserfolg haben.

    Liebling, ich glaub du hast da was zwischen den Zähnen... (Bild von ownjunkyard)

    Ich wünschte mir nur, wir wären mit allem so unbestechlich. Schwarz zwischen den Zähnen ist ja noch relativ harmlos. Was ist mit all dem Schwarz in unseren Seelen? Lesen Sie den ganzen Artikel auf Kolumnen.de >>

    19. August 2011

    Das Streben nach Glück (und Tod)

    Neulich las ich im Internet etwas, das mich schwer traf: »Das Rezept, ein wunderbares Leben zu führen, heißt, ständige Angst vor dem Versagen und trotzdem weiter nach den Sternen zu greifen.« Ansonsten – so der amerikanische Autor – wirst du zunehmend nutzlos. »Du wirst dich rund um wohl fühlen, wenn du nicht an deinem Lebenswerk arbeitest.« Genau, das bin ich: Nicht besonders produktiv, nicht wunderbar, aber dafür nutzlos. Einfach nur rund um wohl fühlend. Sicher arbeite ich nicht an meinem Lebenswerk. Man kann es auch sterben nennen...

    Der vollständige Text erschien auf Deutsch hier auf Kolumnen.de und auf Englisch auf dem Blog der Schriftstellerin E. M. Dum In All The Write Places. Viel Spaß beim Lesen. Wie immer freue ich mich über Kommentare!
    Weiter lesen >>

    2. Juli 2011

    Schluss mit dem Scheiß!

    Als meine Kollegin Isabel ihren Job bei unserem durchaus fantastischen Arbeitgeber hin schmiss und sagte, dass sie jetzt die Schnauze voll hat und erstmal nichts machen wollte, blickte ich sie wohl etwas verständnislos an. Anstatt anzufangen, mir die Gründe für ihre Kündigung zu erklären, gab sie mir den Ausdruck eines Comics von xkcd, der seit dem mein Lebensbegleiter geworden ist. Der Ausdruck hängt jetzt - ironischer Weise - über meinem Schreibtisch auf Arbeit und immer, wenn ich ihn brauche, sehe ich ihn mir an. Dann lache ich los und fühle mich frei und weiß, dass ich sagen und schreiben sollte, was immer mir in den Kopf kommt und dass ich gehen kann wohin ich will. Hier ist meine Übersetzung dieses grandiosen Comics:


    A: Du solltest vorsichtiger sein, mit dem was du schreibst! Du weißt nie, ob dein nächster Arbeitgeber das vielleicht liest!

    B: Wann haben wir eigentlich unsere Träume vergessen?

    A: Wie bitte?

    B: Die unendlichen Möglichkeiten, die jeder Tag in sich birgt sind überwältigend. Die enorme Zahl an Erlebnissen, die ich haben könnte, ist unglaublich und atemberaubend. Und ich sitze hier und checke meine E-Mails! Wir leben gefangen wie in einem Hamsterrad. Durchleben dieselben Tage immer und immer wieder. Wir sehen nur ganz wenige der vielen vor uns liegenden Möglichkeiten. Wir sehen dieselben Dinge jeden Tag, wir reagieren immer gleich, wir denken dieselben Gedanken. Jeder Tag ist nur eine kleine Variation des vorangegangenen. Jeder Moment folgt den sanften Kurven unserer gesellschaftlichen Normen. Wir tun so, als müssten wir nur heute überstehen und morgen kommen unsere Träume zu uns zurück.

    Natürlich habe ich nicht die Antwort auf alles. Ich weiß nicht, wie ich mich selbst dazu bringen kann zu verstehen, welches Potential jeder Moment birgt. Aber eines weiß ich: Die Lösung ist nicht, jede meiner kleinen Ideen oder kreativen Impulse hinwegzuwischen, nur damit ich leichter in irgendein Schema passe. Die Lösung ist nicht, mein Leben so zu manipulieren, dass ich die Erwartungen irgendeines anderen besser erfülle. Die Lösung ist nicht, mich immer zurückzuhalten aus Angst davor, an etwas zu rütteln.

    Das ist jetzt sehr wichtig, deswegen will ich es so deutlich sagen, wie ich kann:




    SCHLUSS. MIT. DEM. SCHEISS!

    19. Februar 2011

    Was würde Larry David tun?

    Larry (rechts): Die Begegnung mit anderen ist immer etwas unangenehm...

    Meine absolute Lieblingsfernsehshow ist Curb Your Enthusiasm (Deutsch: Lass es, Larry!) von und mit Larry David. Larry spielt sich in der Show selbst, also Larry David, der Autor einer der erfolgreichsten amerikanischen Sitcoms aller Zeiten: Seinfeld. In Curb Your Enthusiasm lebt Larry als reicher Mann mit seiner bezaubernden Frau in Los Angeles mehr oder weniger beschäftigt in den Tag hinein. Ohne Frage, es ist ein privilegiertes Leben, aber darauf kommt es gar nicht an.

    All die sinnlosen Regeln
    Larry ist ein etwas zwanghafter Mensch mit ausgeprägten Marotten und Überzeugungen einerseits und einer ausufernden Toleranz gegenüber den Eigenarten seiner Mitmenschen auf der anderen Seite. Nichts menschliches scheint ihm fremd. Er macht keine Unterschiede zwischen Geschlechtern, unterschiedlichen Hautfarben, Religionen oder Menschen mit und ohne Behinderungen. Er verlangt von allen dieselbe Integrität. Er liebt und beschimpft Schwarze genauso wie Weiße und er verlangt von einem Rollstuhlfahrer dieselbe Rücksicht im Straßenverkehr wie von einem Wrestler. Er behandelt seine Putzfrau mit demselben Respekt, wie den Boss eines Hollywood Studios und hat an alle dieselben Erwartungen: Sie mögen fair und vernünftig sein...

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