Von gefährlicher Sprache und falscher Regulierung
In den derzeitigen Medienbeiträgen fällt mir immer wieder auf, wie vielsagend und unzureichend zugleich unser sprachlicher Umgang mit den Herausforderungen unserer Gegenwart ist. Von Anfang an war scheinbar klar, dass es sich um eine Flüchtlingskatastrophe handelt und nicht um eine Herausforderung und Gelegenheit, Menschen in der Not zu helfen, Völker zusammenzubringen und demographische Ungleichmäßigkeiten auszugleichen. Angela Merkel muss man hier überraschend aus der Haftung nehmen, denn sie scheint mindestens anfänglich eine Fürsprecherin der Solidarität und des Optimismus gewesen zu sein. Ansonsten hört man im Zusammenhang mit Flüchtlingen nur von Katastrophe, Versagen und Krise.
Wir alle kennen das Konzept von der selbsterfüllenden Prophezeiung: Was erwarten wir eigentlich von unserer eigenen Fähigkeit, eine Situation zu meistern, wenn wir die Situation schon zur Katastrophe erklären, bevor wir überhaupt angefangen haben, sie aktiv zu beeinflussen? Ich denke, dass es zu einfach ist, immer die Politik für ihr angebliches Versagen zu geißeln. Solche Situationen zu meistern, ist eine riesige Aufgabe. Die Aufgabe jedoch, die Deutschland vor 25 Jahren mit der Wiedervereinigung vor sich hatte, war um vieles komplexer und wirtschaftlich schwieriger, als die Situation, in der wir uns jetzt befinden. Und doch wäre anders als bei der jetzigen Herausforderung niemand auf die Idee gekommen, die historische Chance der Wiedervereinigung als Katastrophe bezeichnet. Die Gefühle vieler westlicher Mitbürger, die sich plötzlich von Ossis überrannt fühlten, waren im Übrigen dieselben wie heute.