Pillen, Horoskope und Persönlichkeitstests
Was haben Tarotkarten, blaue Pillen und Horoskope gemeinsam? Sie funktionieren! Naja, solange wir es zulassen jedenfalls. Lars Lorber - Mastermind hinter typentest.de - untersucht in diesem Artikel, warum uns Persönlichkeitstests, Horoskope und Klischees selbst dann passend erscheinen, wenn sie in Wirklichkeit gar nicht zutreffen. Vorab so viel: Unsere Erwartungen spielen uns einen Streich und Sie werden den Barnum-Effekt kennen lernen.
Farbige Pillen lassen uns besser schlafen
Jeder kennt den faszinierenden Placebo-Effekt: ein angebliches Medikament zeigt beim Patienten die gewünschte Wirkung, obwohl es in Wirklichkeit gar keine Wirkstoffe enthält. Selbst die Farbe von Medikamenten wirkt sich manchmal auf deren Wirksamkeit aus: so schliefen bei einer Studie (1) Patienten mit einer blauen Schlaftablette deutlich früher ein als mit einer Orangen, da orange, rot und gelb als stimulierende Farben gelten, während wir blau und grün als beruhigend empfinden. Angeblich sind deswegen Schultafeln meist grün. Die Farbe Grün wirkt sich zudem messbar positiv auf unsere Kreativität aus (2). Und die Farbe Rot lässt sowohl Männer als auch Frauen deutlich attraktiver wirken (3). Unsere Erwartungen zu Farben haben also ganz reale Auswirkungen, obwohl die Farbe einer Tablette natürlich keine reale chemische Wirkung hat.
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| Sehen Sie etwa nicht so aus? |
Sind Deutsche pedantisch und Blondinen doof?
Ähnlich verhält es sich mit den Klischees über andere Länder: sicher kennen Sie die Vorstellungen vom emotionalen, mit Händen und Füßen redenden Italiener, vom schüchternen Skandinavier oder vom strebsamen Japaner. Auch von uns Deutschen gibt es jede Menge Klischees: extrem pflichtbewusst, ordnungsliebend, und pedantisch sollen wir sein. Doch trifft das wirklich auf Sie zu, liebe Leser?
Nein? Woher kommen dann diese Klischees über uns Deutsche? In diversen Studien (6) hat sich gezeigt, dass die Klischees über andere Länder zwar allgemein bekannt sind und meist auch auf die Kultur des Landes zutreffen. Nicht zutreffend sind sie allerdings auf die einzelnen Menschen in dem Land. Denn über den individuellen Menschen sagen solche Klischees nur wenig aus. Dennoch fühlen wir uns oft fälschlicherweise in unseren Erwartungen bestätigt, wenn wir einmal jemanden treffen, auf den diese Klischees ganz oder teilweise passen. Ähnlich wie beim alten Vorurteil über doofe Blondinen: Sehen wir eine Blondine, die dieses Klischee bedient, fühlen wir uns bestätigt, vergessen dabei aber die anderen zehn Blondinen die wir kennen, auf die es nicht zutrifft.