Hi-T und Big Dick Energy
Nach anderthalb Wochen im Tiefkühler haben wir ihn im Garten begraben. Was bedeutet es, wenn dir plötzlich ein Haustier wegstirbt oder gar "entrissen" wird? Er war ja schon etwas klapprig... Und meine Sonnenbrille habe ich auch verloren, dachte ich. Auch die App meines Wearables zeigt Vitalparameter, die zu wünschen übrig lassen. Und habe ich nicht irgendwie einen Schnupfen (als solcher bei > 25°C nicht erkennbar) oder mindestens some brain fog? Manchmal denke ich, ich hätte die Kontrolle über mein Leben verloren.
Welche Homöostase kann man von sich selbst überhaupt verlangen, wenn sich so große, so globale Systeme wie das Klima, der Bitcoin oder die regelgeleitete Politik aus dem Gleichgewicht schaukeln? Habt ihr es gelesen: 35 °C in Berlin an einem Wochenende im Juni?
"Der Geist ist lebendig", sagt mein Physiotherapeut, "Er ist verkörpert. Das hatte die Philosophie zwischenzeitlich vergessen." Und dass ich lieb zu mir sein soll, sagt er auch – sanft, nicht so hart. Ja, "Physio", nicht "Psycho"! Er sieht es an meinen Schultern, sagt er. Alles Kompensation, alles Kybernetik mit Kontrollschleifen in einem nur schlecht zu steuernden System. Ein Knöchelchen gerät außer Kontrolle und schon verschiebt sich das ganze dumme System. Ich find's schon hart.
Das hatte ich bisher gar nicht gemerkt, dass ich zu hart mit mir war. Wahrscheinlich bin ich über die Jahre abgestumpft gegenüber dieser Härte mit mir selbst. Wie geht es eigentlich meinen Nächsten damit? Spüren sie meine Härte, meine Liebe? Ist es diese Härte, die die Influencer-Bros meinen, wenn sie von Hi-T (aka High Testosteron) sprechen? Ist meine Härte also eigentlich erstrebenswert männlich?
The oldest Fart
Und was bedeutet es für die westliche Zivilisation, wenn vor dem White House, "The People’s House", Motorräder zu Zirkusmusik Loopings machen, um "the people" darauf vorzubereiten, dass sich gleich darauf erwachsene Männer im Octagon gegenseitig ins Gesicht schlagen? Alles in Sichtweite des versteinerten Abraham Lincoln. Happy Birthday Donald, scheint er zu wispern. You are now officially the oldest fart ever in this house. Die Republikaner waren schon immer die Partei der familliären Werte.
Hat man eigentlich schon deswegen viel Testosteron, weil man mit seinem ganzen viszeralen Bauchfett anderen – eher durchtrainierten – Männern beim Kämpfen zuschaut? Ich zweifle. Das ist doch eher ein Colusseum-Moment, Dekadenz, Cesar, Imperial Overstretch u.ä. Einer der Kämpfer, Josh Hokit, behauptet anlasslos und laut ins Mokrophon (vor dem Weißen Haus), dass Michelle Obama ein Mann sei... "Am I right, America?" Ein anderer Kämpfer macht eine Nazigeste... Es wird gejohlt, einige Fans rufen "Canada is the 51st state". Bud Light, Monster Energy, Dodge und Crypto.com werden sehr sichtbar durch das White House Event beworben. Die Kämpfer laufen dramatisch und schwitzend durch das Oval Office und raus auf den Truman Balkon des Weißen Hauses. Das ist doch alles mindestens Hi-T. Wenn nicht sogar BDE (Big Dick Energy)? IDK. Vielleicht auch SDE.
Apropos Kontrollverlust. David Rothkopf fragt: Wie nennt man es, wenn man ein anderes Land bombadiert und dann einen teuren Deal inklusive Milliardenzahlungen machen muss, um den Zustand vor diesem Bombardement wieder herzustellen? Ich denke, man nennt das, "einen Krieg verlieren".
Sonnenbrille: Stellt sich heraus, sie war die ganze Zeit in einer Jackentasche, die mir bisher gar nicht bekannt zu sein schien. Stellt sich heraus, ich habe gar nicht die Kontrolle über mein Leben verloren. Stellt sich heraus, ich habe einfach die Kontrolle über all meine Hosen- und Jackentaschen verloren, was ja nicht ganz dasselbe ist.
Das passt dazu:
- Abschiede, Wiedergeburten, innere Welten, äußere Welten
- Für Faschismus zu inkompetent, zu faul und zu gierig
- Verschwenderisch, hell, die Nachtigall
Ich finde dieses Spektakel nur grauenvoll. Der Donald ist für mich eigentlich nur ein gefährlicher Irrer. Viele Menschen sind Attentätern zum Opfer gefallen; Martin Luther King, John Lennon... Aber solche Donalds sind wie die Adolfs, da findet sich wohl keiner...
AntwortenLöschenJa, bei gefährlich und irre können wir uns einigen. Attentate halte ich ganz grundsätzlich und auch empirisch für nicht wünschenswert. Zur Empirie: ganz viel Mist/Krieg/Märtyrertum fing mit Attentaten an. Auch Attentatsversuche (die es ja sowohl auf A als auch auf D gegeben hat) helfen eigentlich nur der irren Agenda dieser zurecht weggewünschten politischen Figuren. Aber das ist ja die Erkenntnis: Sie müssen verhindert werden, bevor sie an die Macht kommen. Dafür war die westliche Welt zwischenzeitlich strukturell ganz gut aufgestellt und das ändert sich nun schon seit 1989 zunehmend.
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