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| C5: Was sind wirklich gute Vorsätze? (Bild: Pinterest John F. Ptak) |
Erkenne dich selbst. Der Rest kommt (fast) von allein.
29. Dezember 2012
Wie gute Vorsätze denoch gelingen
Gute Vorsätze - sind das nicht die hohlen Sprüche, die wir uns ziemlich beschwipst am 31.12. gegenseitig schwören oder spätestens morgens über die Kloschüssel gebeugt am 1. Januar uns selbst? Nie wieder Alkohol und Zigaretten, dafür aber mehr Sport! Und man weiß eine Sekunde später, dass daraus nix wird. Dabei ist es gar keine dumme Idee, mal inne zu halten, Bilanz zu ziehen und zu überlegen, was man im nächsten Jahr anders machen könnte. Aus der Psychologie wissen wir, dass uns solche Vorsätze motivieren, die konkret und gut begründet sind und das wir eher die Ziele umsetzen, denen wir uns auch verpflichtet fühlen. Daraus leiten sich ein paar Tipps ab, wie man gute Vorsätze in realistische Ziele verwandeln und die Chancen der Umsetzung drastisch erhöhen kann.
19. Dezember 2012
Wie bleiben wir menschlich in den Zeiten der Superhelden?
Was ist der Preis der Spezialisierung? Elisabeth Göhring vom Unternehmens-Kulturmagazin schreibt von der Notwendigkeit des lebenslangen Übens, vom Erhalt menschlicher Soft Skills und vom Mut zum Dilettantismus. Aber lesen Sie selbst...
Meine Dienstag Abende verbringe ich damit, einen gefiederten Ball über ein Netz zu schlagen, und das möglichst so, dass mein Gegenüber ihn nicht zurückschlagen kann. Das macht einen Heidenspaß, ist sehr anstrengend, und ab und zu verletzt man sich. Ich bemühe mich stets darum, besser zu werden. Leider bemühen sich die Anderen auch, und deshalb bleibt der Erfolg selten und außerordentlich köstlich.
Hier wirkt ein antikes Ideal, das in der Neuzeit wieder aufgegriffen wurde: In einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist.
Im Mittelalter entwickelte sich die Turnier-Kultur anders. Die Männer kämpften um Sieg und Ehre und die Frauen, zumindest einige, betreiben das Kinder-Kriegen wie einen Extremsport - schließlich ging es auch hierbei darum, etwas zu werden: nämlich geachtete Ahnfrau. Sowohl bei den turnierreitenden Kämpfern als auch bei den todesmutigen Frauen galt es, seinen Platz im Leben zu behaupten: Stärke und Gottes Gunst zu beweisen.
Globalisierung des Entwicklungsgedanken
| Olympiasiegerin Charlotte Cooper, 1900 |
Hier wirkt ein antikes Ideal, das in der Neuzeit wieder aufgegriffen wurde: In einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist.
Im Mittelalter entwickelte sich die Turnier-Kultur anders. Die Männer kämpften um Sieg und Ehre und die Frauen, zumindest einige, betreiben das Kinder-Kriegen wie einen Extremsport - schließlich ging es auch hierbei darum, etwas zu werden: nämlich geachtete Ahnfrau. Sowohl bei den turnierreitenden Kämpfern als auch bei den todesmutigen Frauen galt es, seinen Platz im Leben zu behaupten: Stärke und Gottes Gunst zu beweisen.
Globalisierung des Entwicklungsgedanken
Mit dem Beginn der Neuzeit ändert sich das Ideal: Der Entwicklungsgedanke, dass jeder etwas Neues hinzuzufügen hat, damit die Menschheit weiterkomme, entsteht und wirkt bis heute. Man bildet sich als menschliches Wesen weiter. Es geht darum, immer etwas besser zu werden. Das gilt für die ganze Gesellschaft und für die Individuen.
16. Dezember 2012
Strategien narrativer Psychologie als Lebenshilfe
Wie das Erzählen der eigenen Geschichte zum positiven Erleben hilft
"Wenn du etwas nicht magst, dann ändere es.Unsere im sogenannten Big Five Modell beschriebenen, sehr grundlegenden Persönlichkeitsmerkmale (Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit, Neurotizismus) bestimmen zu einem erheblichen Teil unser alltägliches Erleben der Welt und unser Handeln darin. Während das bei einigen Merkmalen - z.B. Extraversion oder Offenheit - vor allem eine Frage unseres Umgangs mit der Außenwelt ist, birgt das Merkmal des Neurotizismus bei hoher Ausprägung ein erhebliches Leidenspotenzial. Denn ständige Besorgnis und eine vorwiegend negative Einschätzung der Umwelt und des eigenen Lebens haben verständlicher Weise erhebliche und langfristige Auswirkungen auf die Gefühlswelt der betroffenen Person und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen. Das heißt also auch, dass kein Persönlichkeitsmerkmal so korrekturbedürftig wäre, wie eine hohe Ausprägung des Neurotizismus. Gleichzeitig ist kein Persönlichkeitsmerkmal so selbstbestätigend und damit schwer zu korrigieren wie die hohe Ausprägung des Neurotizismus. Dennoch: Wo manifestieren sich Persönlichkeitsmerkmale und welche Möglichkeiten haben wir, den schweren Nachteilen einer hohen Ausprägung des Neurotizismus zu begegnen?
Wenn du etwas nicht ändern kannst,
dann verändere deine Einstellung."
Maya Angelou
| Wir alle haben Deutungshoheit über unsere Geschichten |
11. Dezember 2012
Stadtkarawane - mit dem Rollstuhl durch Leipzig
Sind Sie schon mal im Rollstuhl durch die Stadt gefahren? Tobias Große gibt uns einen Einblick in eine außergewöhnliche Erfahrung, die uns viel über uns selbst lehrt. Tobias ist Mitinitiator der Stadt Karawane, die es sich zum Ziel gesetzt hat, ungewöhnliche Begegnungen mit Menschen zu ermöglichen, die im Alltag sonst nicht stattfinden würden. Aber lesen Sie selbst...
Morgens beim Frühstück hätte ich mir das nicht träumen lassen, aber jetzt saß ich in einem Rollstuhl und fuhr durch die Flure des Hauses der Demokratie. Ein Glück ist es keine körperliche Notwendigkeit für mich, sondern eine Freizeitbeschäftigung die der ehrenamtliche Verein Stadt Karawane e.V. ermöglicht. Cordula, die erste der drei GastgeberInnen die wir an diesem Tag besuchten, ist seit Kindesbeinen an ihren Rollstuhl gebunden und engagiert sich in unterschiedlichsten Zusammenhängen für mehr Verständnis und Toleranz gegenüber Behinderten. Wir bekamen an diesem Tag die Chance die Perspektive zu wechseln und selbst alltägliche Situationen im Rollstuhl zu erleben.
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| Im Rollstuhl: Cordula, Tobias und Maria - alle noch im Gleichgewicht |
Morgens beim Frühstück hätte ich mir das nicht träumen lassen, aber jetzt saß ich in einem Rollstuhl und fuhr durch die Flure des Hauses der Demokratie. Ein Glück ist es keine körperliche Notwendigkeit für mich, sondern eine Freizeitbeschäftigung die der ehrenamtliche Verein Stadt Karawane e.V. ermöglicht. Cordula, die erste der drei GastgeberInnen die wir an diesem Tag besuchten, ist seit Kindesbeinen an ihren Rollstuhl gebunden und engagiert sich in unterschiedlichsten Zusammenhängen für mehr Verständnis und Toleranz gegenüber Behinderten. Wir bekamen an diesem Tag die Chance die Perspektive zu wechseln und selbst alltägliche Situationen im Rollstuhl zu erleben.
10. Dezember 2012
Wozu ist Neurotizismus gut?
Wie sieht eine Welt aus, in der wir alle nur positiv zu denken?
Im Artikel zum Thema mit Neurotizismus leben und lieben stellten wir fest, dass "Neurotizismus wirklich eine sehr große Herausforderung für den Alltag ist", weil neurotische Menschen sehr empfindlich auf die kleinen und großen Störungen im Leben (inklusive ihrer Lebenspartner und Kollegen) reagieren und damit oft Kreisläufe in Gang setzen, die tatsächlich zu weitaus mehr negativen Erlebnissen führen, als im Durchschnitt zu erwarten wäre (siehe "selbsterfüllende Prophezeiungen"). Das ist statistisch und praktisch so dramatisch, dass hoher Neurotizismus, so verlässlich wie kein anderes Persönlichkeitsmerkmal, das Scheitern von Beziehungen voraussagt.Zu irgend etwas muss Neurotizismus doch auch gut sein. In der Natur zum Beispiel: Neurotische Fische, die sich schnell ängstigen, ständig nach dem räuberischen Hecht ausschau halten und nur vorsichtig die Gegend nach Nahrung erkunden, haben eine bessere Überlebenschance als ihre sorglosen und risikofreudigen Artgenossen. Jedenfalls dann, wenn wirklich ein Hecht in der Gegend ist. In einem Teich, in dem es keinen großen Feinde gibt, da haben die Neurotiker unter den Fischen eine geringere Chance zu überleben. Denn ehe sie sich trauen, nach Nahrung zu suchen, haben ihre sorglosen Kameraden schon alles aufgefressen und zwar ohne dabei in Lebensgefahr zu schwimmen.
6. Dezember 2012
Reiss Profile: Ein Motiv kommt selten allein
Leben und schreiben mit dem Reiss Profile
Eva-Maria Oberauer, freie Onlinetexterin, Schriftstellerin, ausgebildeter Coach und Reiss Profile Master, untersucht für uns, was sowohl fürs Leben als auch für die Literatur am Reiss Profile dran ist. Als Ellen Dunne hat sie den Roman Wie Du mir veröffentlicht und sich dort mit Werteterror und zugespitzten Motivationen ausgetobt.Hach, waren das noch Zeiten. Im Streit über die unterschiedlichen Definitionen von Ordnung dem Partner ein pauschales "So bin ich eben" entgegenrotzen. Im Job mit einem Schultertätscheln oder einer Gehaltserhöhung "motiviert werden". James Bonds stoische Unverwundbarkeit in allen Lebenslagen bewundern. Vorbei!
Jetzt stehen wir einander an den Spitzenpositionen der Maslow'schen Bedürfnispyramide auf den Füßen, der Partner will nicht mehr so recht in die alten Rollenschablonen passen, und James Bond schießt wegen posttraumatischem Stress-Syndrom daneben. Ja, die Welt ist eindeutig komplexer geworden. Wir haben begonnen, dem vermeintlich Klaren, Vordergründigen zu misstrauen und suchen gleichzeitig nach einer Landkarte, wollen Beweggründe, Motivation verstehen – in der Realität genauso wie in der Fiktion.
| Realität und Fiktion: Was treibt Charaktere an? Z.B. 007 oder Anton Chigurh in No Country for Old Men |
1. Dezember 2012
Typisch: Warum wir immer anders und doch dieselben sind
In welchen Zusammenhängen stehen unser Erleben und unsere Persönlichkeit?
Wenn ich mit Klienten oder Kollegen über Persönlichkeitspsychologie rede und wir an einem Punkt sind, wo sie mit Testergebnissen konfrontiert werden, die etwa eine deutliche Introversion nahelegen, dann kommt es fast immer zu Gegenreaktionen. Die häufigste ist: Ich bin doch nicht immer dieselbe Person. Das hängt doch von der Situation ab. Klar bin ich oft still, aber manchmal rede ich auch ganz viel oder ich mag allein sein, aber neulich war ich auf einer Party, habe bis zum Ende durchgetanzt, getrunken und Leute kennengelernt. Ich bin also beides: introvertiert und extrovertiert. Natürlich! Niemand ist eindimensional. Aber die Situation kann nicht das Persönlichkeitsmerkmal bestimmen, sondern die Persönlichkeit sucht sich die Situation, wie wir gleich zeigen werden.| Sind und bleiben wir immer dieselben Personen? Foto: Paige Nolan via Flickr |
26. November 2012
Wie können wir mit Neurotizismus leben und lieben?
Kein Wesenszug sagt so zuverlässig ein Scheitern von zwischenmenschlichen Beziehungen voraus, wie ein hoher Wert an Neurotizismus.
Was ist Neurotizismus?
"Neurotizismus ist das Ausmaß der emotionalen Labilität (Störbarkeit, Ängstlichkeit) bzw. Stabilität als Persönlichkeitsdimension; wird durch Persönlichkeitstests ermittelt und soll Aussagen über eine Disposition für neurotische Störungen ermöglichen (H. J. Eysenck)" Lexikon-Institut Bertelsmann, 1995, S. 328.
Wir haben hier schon öfter vom Big Five, dem Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit gesprochen, aus dem sich fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit ableiten. Dieses lexikalische Modell der Persönlichkeitspsychologie wurde über Langzeitsudien und in verschiedensten Kulturkreisen immer wieder bestätigt.
Eine der Dimensionen wird Neurotizismus genannt und gibt darüber Auskunft, wie emotional stabil eine Person ist. Wer in einem Persönlichkeitstest einen niedrigen Wert beim Neurotizismus hat, wird in der Regel ausgeglichen, entspannt und sorgenfrei sein, seltener negative Gefühle erleben und insgesamt emotional stabil sein. Wer hingegen einen hohen Neurotizismuswert hat, der wird eher emotional labil sein, zu Nervosität neigen, öfter über körperliche Schmerzen klagen, sich oft mit Ärger und Ängsten herumplagen, schnell und intensiv auf Stress reagieren und von seinem hohen Stresslevel nur langsam wieder herunter kommen. Neurotische Menschen fühlen sich schnell unsicher und verlegen und neigen eher zu negativen Stimmungslagen.
Was ist Neurotizismus?
"Neurotizismus ist das Ausmaß der emotionalen Labilität (Störbarkeit, Ängstlichkeit) bzw. Stabilität als Persönlichkeitsdimension; wird durch Persönlichkeitstests ermittelt und soll Aussagen über eine Disposition für neurotische Störungen ermöglichen (H. J. Eysenck)" Lexikon-Institut Bertelsmann, 1995, S. 328.
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| Michelangelos David: Nervös, besorgt, ängstlich |
Wir haben hier schon öfter vom Big Five, dem Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit gesprochen, aus dem sich fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit ableiten. Dieses lexikalische Modell der Persönlichkeitspsychologie wurde über Langzeitsudien und in verschiedensten Kulturkreisen immer wieder bestätigt.
Eine der Dimensionen wird Neurotizismus genannt und gibt darüber Auskunft, wie emotional stabil eine Person ist. Wer in einem Persönlichkeitstest einen niedrigen Wert beim Neurotizismus hat, wird in der Regel ausgeglichen, entspannt und sorgenfrei sein, seltener negative Gefühle erleben und insgesamt emotional stabil sein. Wer hingegen einen hohen Neurotizismuswert hat, der wird eher emotional labil sein, zu Nervosität neigen, öfter über körperliche Schmerzen klagen, sich oft mit Ärger und Ängsten herumplagen, schnell und intensiv auf Stress reagieren und von seinem hohen Stresslevel nur langsam wieder herunter kommen. Neurotische Menschen fühlen sich schnell unsicher und verlegen und neigen eher zu negativen Stimmungslagen.
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Kommentare
20. November 2012
Sterben und Tod II
Was passiert mit Körper und Geist, wenn wir sterben?
Sterben ist ganz einfach: Du atmest aus und kannst nicht mehr einatmen – das war's. Sogyal Rinpoche
Was passiert eigentlich, wenn wir sterben? Wann ist unser Körper wirklich tot und was passiert mit unserem Bewusstsein, wenn wir sterben? Der Eintritt des Todes wird von uns in der Regel als ein Zeitpunkt vorgestellt. Vor diesem Zeitpunkt ist man am Leben, danach ist man tot. So einfach ist es nicht. Es ist ein Übergang, ein Prozess. Wenn das Herz aufhört zu schlagen, stellt das Hirn innerhalb von 10 Sekunden mangels Sauerstoff seine Aktivität ein. Mit einer Lampe kann man in den Pupillen prüfen, ob es dort noch Reflexe auf den Lichteinfall gibt. Wenn nicht, dann arbeitet der Hirnstamm, der für die Vitalfunktionen des Körpers sorgt, nicht mehr. Damit sind wir klinisch tot, obwohl es noch eine Menge Leben in uns gibt. Unsere Zellen leben weiter, jedoch geraten ihre Stoffwechselprozesse so außer Kontrolle, dass innerhalb weniger Minuten Zellschäden auftreten. Trotzdem können klinisch Tote heute - selbst nach vielen Minuten noch - wiederbelebt werden. Nach einer Stunde sind die zellulären Schäden aber so groß, dass der Körper und damit das Hirn ihre Vitalfunktionen auch nach einer Wiederbelebung nicht mehr selbständig aufrecht erhalten können. Doch auch damit ist das Sterben noch nicht vorbei, wie wir gleich sehen werden.
17. November 2012
Sterben und Tod I
Das Leben vom Ende her gedacht
Es ist nicht das Schlimmste für einen Menschen, festzustellen, dass er gelebt hat und jetzt sterben muss; das Schlimmste ist, festzustellen, dass man nicht gelebt hat und jetzt sterben muss.
Cicely Saunders
| Bist du bereit, hinabzusteigen? (Bild von TheCreatureWalks) |
Im Leben denken wir kaum an den Tod, schon gar nicht an den eigenen. Wir verdrängen gern den Fakt, dass auch wir sterben müssen. Dabei kann es jedem von uns enorm viel bringen, dass wir bewusst mit dem eigenen Tod umgehen. Zum einen eröffnet sich dadurch schon im Leben eine neue Dimension, nämlich eine hohe Wertschätzung unserer Lebenszeit durch die Erkenntnis, dass diese endlich ist - wiederbelebte Patienten berichten immer wieder von dieser neuen Wertschätzung nach ihrer Nahtoderfahrung. Zum anderen können wir durch entsprechende Vorbereitung am Ende gelassener sterben, wie es Saskia John im Interview Nach der Dunkelheit: Ich lebe heute mehr! ausdrückt. Das Sterben kann seinen Schrecken verlieren, wenn wir uns darauf vorbereiten und wissen oder gar beeinflussen können, was uns erwartet.
10. November 2012
Es könnte Schlimmeres geben...
Es ist eine Schande, dass wir nach dem ersten abgefahrenen Drittel unseres Lebens den absurd uncoolen Entwurf hinnehmbar finden, eine Familie zu gründen, ein Haus in einem Vorort zu beziehen und immer fleißig zur Arbeit zu fahren. Ist das nicht ein Betrug an uns selbst, an unseren Idealen wie Freiheit, Kreativität und Originalität? Ist es nicht wirklich eine Zumutung, unser Leben mit Arbeit zu verbringen, nur um den Kopf über Wasser zu halten? Ich glaube, Ehe und Kinder sind unglaublich narzisstische Projekte für Leute, denen die Ideen ausgegangen sind.
Als ich fünfzehn war, fragte mich eine mindestens drei Jahre ältere und viel zu geil aussehende Jacqueline in der Hohenschönhausener Jugend-Diskothek: »Soll ick dir een blasen?« Das Poetische dieses Moments traf mich wie der Blitz. Ich hatte einen spontanen Samenerguss und mir war klar, ich würde Rockstar werden oder Schriftsteller. Auf dem Weg nach Hause wurde ich dann von zwei Neonazis verkloppt.
| Was ist von unserer Jugend eigentlich übrig geblieben? (Foto von Dark Silence In Suburbia) |
Als ich fünfzehn war, fragte mich eine mindestens drei Jahre ältere und viel zu geil aussehende Jacqueline in der Hohenschönhausener Jugend-Diskothek: »Soll ick dir een blasen?« Das Poetische dieses Moments traf mich wie der Blitz. Ich hatte einen spontanen Samenerguss und mir war klar, ich würde Rockstar werden oder Schriftsteller. Auf dem Weg nach Hause wurde ich dann von zwei Neonazis verkloppt.
Die ganze Geschichte auf Kolumnen.de lesen >>
6. November 2012
Unternehmerisches Management unserer psychischen Energien?
Wir wissen, dass das Personalmanagement (HR) nicht nur eine Funktion in den Firmen und Organisationen hat, sondern selbst eine Branche ist, die (manchmal möchte man meinen: um jeden Preis) rentabel gehalten werden muss. Klar - es gibt HR-Software, Assessment-Tools, Bewerber-Management-Systeme, Personalvermittlungen und -berater und es gibt die tausenden Firmen, die Seminare, Schulungen und Coachings anbieten. Damit all diese Unternehmen auch rentabel bleiben, gibt es Kongresse, Messen, Zeitschriften und vor allem die halbjährliche Sau, die durchs Personaler-Dorf getrieben wird. Wir denken an solche Begriffe wie "Burnout", "Talentmanagement" oder die Dauersau "Fachkräftemangel", an die wir uns gewöhnt haben und die heute niemanden mehr schreckt. Verstehen wir uns richtig: Diese Themen sind wichtig und benötigen kontinuierliche Arbeit vor Ort, aber keine Medien-Konvulsionen. Es stellt sich der Verdacht ein, dass nicht gewollt ist, solche Probleme zu lösen, bevor nicht neue Geschwüre entdeckt wurden, die man teuer behandeln muss.
Ein neues großes Thema ist das "Gesundheitsmanagement". Keine Fachzeitschrift, kein Kongress, kein Seminar, wo dieses Thema nicht diskutiert wird. Langfristig ergeben sich daraus tolle Schulungen und Zertifikate, die man den Unternehmen verkaufen kann. Im von mir sehr geschätzten Magazin Human Resources Management kann man dazu ein Interview mit Professor Bernhard Badura lesen, dass mit dem kruden Titel Unsere psychischen Energien sind endlich überschrieben wurde. Ein Glück kommt dieser Satz im Interview selbst nicht vor. Er stimmt auch gar nicht. Unsere psychischen Energien sind nicht endlich, wenn man mal vom Tod des Gehirnträgers absieht, der hier aber nicht gemeint war. Die Metapher von der endlichen Energie legt nahe, dass wir da eine Art Kohlekraftwerk im Kopf haben, dem der Rohstoff ausgeht. Das ist natürlich totaler Quatsch. Wir Menschen als Produzenten der "psychische Energien" sind das Musterbeispiel von erneuerbaren Energien, wenn wir mit uns selbst nachhaltig umgehen. Und dieser Umgang will gelernt werden, z.B. indem wir gesund essen, uns genug bewegen und uns nicht überarbeiten. Dafür sollen nun also verstärkt die Unternehmen sorgen.
| Selbstmanagement unendlicher psychischer Energien (Bild von special marys) |
Ein neues großes Thema ist das "Gesundheitsmanagement". Keine Fachzeitschrift, kein Kongress, kein Seminar, wo dieses Thema nicht diskutiert wird. Langfristig ergeben sich daraus tolle Schulungen und Zertifikate, die man den Unternehmen verkaufen kann. Im von mir sehr geschätzten Magazin Human Resources Management kann man dazu ein Interview mit Professor Bernhard Badura lesen, dass mit dem kruden Titel Unsere psychischen Energien sind endlich überschrieben wurde. Ein Glück kommt dieser Satz im Interview selbst nicht vor. Er stimmt auch gar nicht. Unsere psychischen Energien sind nicht endlich, wenn man mal vom Tod des Gehirnträgers absieht, der hier aber nicht gemeint war. Die Metapher von der endlichen Energie legt nahe, dass wir da eine Art Kohlekraftwerk im Kopf haben, dem der Rohstoff ausgeht. Das ist natürlich totaler Quatsch. Wir Menschen als Produzenten der "psychische Energien" sind das Musterbeispiel von erneuerbaren Energien, wenn wir mit uns selbst nachhaltig umgehen. Und dieser Umgang will gelernt werden, z.B. indem wir gesund essen, uns genug bewegen und uns nicht überarbeiten. Dafür sollen nun also verstärkt die Unternehmen sorgen.
3. November 2012
Warum irren wir uns systematisch?
Die häufigsten kognitiven Verzerrungen
Faustregel, Milchmädchenrechnung, über den Daumen gepeilt. Hand aufs Herz: Wir alle irren uns wohl mal hier und da. Oder auch ständig, überall und systematisch. Gut, wenn wir uns unsere Irrtümer eingestehen, das macht uns zu erwachsenen Menschen. Aber was, wenn wir nicht mitkriegen, dass wir uns irren. Und was, wenn auch andere es nicht mitkriegen, weil wir uns kollektiv irren? Zum Beispiel neigen wir alle dazu, negative Nachrichten stärker zu bewerten, als positive (negativity bias). Das hat evolutionär auch seinen Sinn: Wenn in einem Urmenschen-Habitat ein Säbelzahntiger gerade sein Unwesen trieb, war diese Information im Zweifel wichtiger, als die gleichermaßen wahre Information, dass man im selben Gebiet gerade süße Früchte pflücken konnte. Heute, da wir hier solcher elementaren Sorgen enthoben sind, führt diese Tendenz jedoch vor allem noch dazu, dass alle von schlechten Nachrichten besessen sind: Only bad news are good news.| Typischer Fall von Kontrollillusion (Bild von Quabit) |
Solche kognitiven Verzerrungen liegen vielen unserer Entscheidungen und Überzeugungen zugrunde. Sie sind mentale Short Cuts, die unserem Gehirn eine gewisse Effizienz ermöglichen. Man könnte sie auch in die anthropologische Kategorie der Entlastung einordnen. Wir sind evolutionär darauf getrimmt, schnell Entscheidungen zu treffen, das sorgsame, aber energie- und zeitaufwendige Abwägen der Wahrnehmungen und Informationen wurde zugunsten der Schnelligkeit und Sparsamkeit geopfert. Auf einige bekannte kognitive Verzerrungen möchte ich hier etwas genauer eingehen.
27. Oktober 2012
Nach der Dunkelheit: Ich lebe heute mehr!
Ein Gespräch über bewusstes Leben, gelassenes Sterben und das innere Kind
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| Saskia John im Licht |
Frau John, wie wir lesen konnten, haben Sie recht extreme Erfahrungen hinter sich, nämlich bis zu 24 einsame Tage in einem kleinen, stockfinsteren Raum. In Ihrem Buch darüber wird deutlich, dass diese Erfahrungen an sehr tiefe Schichten, körperliche und emotionale Schichten des Seins rührten. Bevor wir dazu kommen, aber die Frage, die mich am meisten umtreibt: Was hat sich jetzt nach einiger zeitlicher Distanz auf der Ebene der Erkenntnis für sie aus diesen Erfahrungen ergeben?
Ich habe in der Dunkelheit sehr tiefe Seins-Schichten kosten dürfen, wodurch mir sehr viel klarer wurde, wer ich bin und wer ich nicht bin. Rückblickend kann ich sagen, dass in der Dunkeltherapie hart verkrustete Schalen aufgebrochen sind und etwas Neues, das Alte zugleich beinhaltend, zum Vorschein kam. Damit einher ging und geht nach wie vor – auf der Ebene des Raum-Zeit-Gefüges – ein tiefgründigeres Verstehen und ein fundamentaler Wandlungs-, Erkenntnis- und Wachstumsprozess. Ich lebe heute mehr und überlebe weniger, was ein grundlegend anderes Lebensgefühl in allen Bereichen ist.
23. Oktober 2012
Erfahrungen in völliger Dunkelheit
Ein Bewusstseinsexperiment von Saskia John, Tag 8
22. Oktober 2012
Die schizoide Persönlichkeitsstörung
Der folgende Artikel ist als ein Einstieg in das Thema für Interessierte und Betroffene gedacht. Er ist keine strikt wissenschaftlich-psychologische Betrachtung und dient weder Diagnose- noch Therapiezwecken. Tipps zu weiterführender Literatur zum Thema gibt es in meiner Bibliothek unter Bücher speziell für Schizoide empfohlen.
Der Artikel Schizoid - die Angst vor dem Ich-Verlust ist der bei weitem meist gelesene und kommentierte Artikel auf Geist und Gegenwart. Das zeigt, dass es trotz der Seltenheit der schizoiden Persönlichkeitsstörung (weniger als ein Prozent Betroffener in der Bevölkerung) einen enormen Bedarf an Aufklärung gibt. Und es freut mich einerseits, dass Leser diesen Artikel hilfreich finden (siehe all die Kommentare dort), andererseits möchte ich nicht, dass sie ihn als Grundlage zur "Eigendiagnostik" nehmen, nur weil sie sich in ihm wiedererkennen. Denn dieser Artikel ist ein eher persönlicher Bericht meiner Lektüre von Fritz Riemanns Grundformen der Angst (wo gründlich auf die schizoide Disposition eingegangen wird) und wie mich die daraus erworbenen Erkenntnisse über mich selbst als leicht schizoide und introvertierte Persönlichkeit durch Höhen und Tiefen meines Lebens begleitet haben. In dem Artikel ging es auch weniger um Persönlichkeitsstörungen, als um die Disposition des Schizoiden. Zwischen der Disposition, also einer Art Veranlagung, und einer Störung liegen enorme graduelle Unterschiede. Deswegen möchte ich heute genauer untersuchen, wo eine schizoide Persönlichkeitsstörung anfängt und wie man mit ihr lebt.
| Sichere Distanz und emotionale Kälte (Dark Silence in Suburbia) |
Der Artikel Schizoid - die Angst vor dem Ich-Verlust ist der bei weitem meist gelesene und kommentierte Artikel auf Geist und Gegenwart. Das zeigt, dass es trotz der Seltenheit der schizoiden Persönlichkeitsstörung (weniger als ein Prozent Betroffener in der Bevölkerung) einen enormen Bedarf an Aufklärung gibt. Und es freut mich einerseits, dass Leser diesen Artikel hilfreich finden (siehe all die Kommentare dort), andererseits möchte ich nicht, dass sie ihn als Grundlage zur "Eigendiagnostik" nehmen, nur weil sie sich in ihm wiedererkennen. Denn dieser Artikel ist ein eher persönlicher Bericht meiner Lektüre von Fritz Riemanns Grundformen der Angst (wo gründlich auf die schizoide Disposition eingegangen wird) und wie mich die daraus erworbenen Erkenntnisse über mich selbst als leicht schizoide und introvertierte Persönlichkeit durch Höhen und Tiefen meines Lebens begleitet haben. In dem Artikel ging es auch weniger um Persönlichkeitsstörungen, als um die Disposition des Schizoiden. Zwischen der Disposition, also einer Art Veranlagung, und einer Störung liegen enorme graduelle Unterschiede. Deswegen möchte ich heute genauer untersuchen, wo eine schizoide Persönlichkeitsstörung anfängt und wie man mit ihr lebt.
21. Oktober 2012
Warum ist die Liebe so schwer?
| Lovesick |
Lesen Sie den ganzen Artikel auf Kolumnen.de >>
18. Oktober 2012
Spiritualität und das Vertrauen in die Wissenschaft
| Buch zum Thema |
14. Oktober 2012
Erster Klasse zur Endstation Abgestempelt
Katrin Hentschel geht heute der Frage nach, warum wir uns eigentlich so bereitwillig abstempeln und in Schubladen stecken lassen. Aber lesen Sie selbst...
Guten Tag meine Damen und Herren, in Kürze erreichen wir den Bahnhof "Abgestempelt", bitte steigen Sie in Fahrtrichtung rechts aus. Der Zug hat hier seine letzte Station. So, nun sitze ich mal wieder hier, im Abteil: Zu sensibel. Inzwischen kenne ich mich hier schon ganz gut aus. An den Sitzen klebt der Selbstzweifel, der manchmal ganz schön hartnäckig an mir kratzt. Die Decke hängt voller Gedanken, die wohl noch keinen passenden Platz gefunden haben und der Boden liegt wie immer voller Fettnäpfchen. Eigentlich würde ich gerne sitzen bleiben und mich ein bisschen selbst bemitleiden, aber wie ich aus Erfahrung weiß, hat das keinen Sinn. Also streife ich mit einem tiefen Atemzug meine Angst ab und packe meinen Rucksack voller Mut auf den Rücken.
Guten Tag meine Damen und Herren, in Kürze erreichen wir den Bahnhof "Abgestempelt", bitte steigen Sie in Fahrtrichtung rechts aus. Der Zug hat hier seine letzte Station. So, nun sitze ich mal wieder hier, im Abteil: Zu sensibel. Inzwischen kenne ich mich hier schon ganz gut aus. An den Sitzen klebt der Selbstzweifel, der manchmal ganz schön hartnäckig an mir kratzt. Die Decke hängt voller Gedanken, die wohl noch keinen passenden Platz gefunden haben und der Boden liegt wie immer voller Fettnäpfchen. Eigentlich würde ich gerne sitzen bleiben und mich ein bisschen selbst bemitleiden, aber wie ich aus Erfahrung weiß, hat das keinen Sinn. Also streife ich mit einem tiefen Atemzug meine Angst ab und packe meinen Rucksack voller Mut auf den Rücken.
Viele von uns kennen sicher das Gefühl, nicht erwünscht zu sein, oder das Gefühl anders zu sein. Wenn ich das Leben als eine Stadt betrachte, in welche nur Menschen passen, die der Norm entsprechen, dann finde ich den Zug mit seinen vielen Abteilungen ein passendes Beispiel dafür, wie wir uns selbst abstempeln.
| Drang zur Selektion: Die Fahrkarte zur Station Abgestempelt ist selbst gekauft (una.knipsolina) |
10. Oktober 2012
Warum wir vom Buddhismus fasziniert sind
Und was da nicht passt
| Buddha schaut auf den Fuji-san |
Buddhismus light
Da ist zum einen die etwas romantische Faszination an der Askese, dem vermeintlich Sanften, der Leere und der Abwendung von der Moderne. Wir denken gern, dass es sich bei Buddhisten um gereinigte Menschen handelt, die durch und durch gut sind und ein höheres Licht erblickt haben. Man findet dann bei Facebook oder Google Plus so Sätze wie: "Das Ziel ist die Leere!" oder "Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken." So etwas lässt sich ohne selbst viel zu denken schnell irgendwo posten und es findet immer zahllose Leute, die "Gefällt mir" klicken oder selbst noch einen Nicht-Gedanken hinzufügen. Dabei will ich es gar nicht diskreditieren - solche Sätze sind bedenkenswert und es gibt gute Blogger und Twitterer da draußen, die sich mit der Materie auskennen. Was ich nur bedaure, ist, wenn solche scheinbar leicht verdaulichen Häppchen nicht hinterfragt und durchdacht werden. Ich vermute dahinter einen Grund für die oberflächlich-romantische Faszination: So ein Satz wie "Das Ziel ist die Leere!" scheint uns dem hektischen und vollgestopften Alltag etwas entgegen zu setzen, ein kleiner paradiesischer Fluchtpunkt absoluter Leere und vollkommenen Stillstands. Da muss man auch nicht mehr denken. Das Leben ist schon anstrengend genug. Die Folge aber ist: Wir nicken einmal, klicken "Gefällt mir" und machen hektisch weiter wie bisher.
7. Oktober 2012
Happy End und Fortpflanzung
Sie kennen das Märchen: Ein rechter Nichtsnutz wuchs den lieben Eltern über den Kopf und zu Hause ward es eng. Ein Hof, der vererbt werden könnte, war nicht übrig und so zog der Nichtsnutz von dannen, in ein entferntes Land, wo man noch an Feen und Elfen glaubte. Hier wuchs ihm ein Bart, er lernte ein solides Handwerk und verliebte sich ein wunderschönes Mädchen. Nach sieben Jahren kam er als gemachter Mann zu seinen Geburtsort zurück, wo die lieben Eltern mittlerweile gebückt am Stock gingen. Mit seiner wunderschönen Frau zog er in ein ebenso schönes Haus mit 4 Zimmern. Und sie lebten glücklich bis an ihr Ende. Der Horror liegt freilich in diesem nur angedeuteten, angeblich glücklichen Rest des Lebens...
Was soll das bedeuten? Es kann nur eines heißen: Der Spaß ist vorbei. Angekommen im Happy End des bürgerlichen Lebens und noch fern jeder Erlösung. Lesen Sie den ganzen Artikel auf Kolumnen.de >>
| im Happy End des bürgerlichen Lebens (Bid von SnapperDave) |
Was soll das bedeuten? Es kann nur eines heißen: Der Spaß ist vorbei. Angekommen im Happy End des bürgerlichen Lebens und noch fern jeder Erlösung. Lesen Sie den ganzen Artikel auf Kolumnen.de >>
5. Oktober 2012
Was Sie heute sein lassen können...
...um morgen glücklicher zu sein
Was macht uns glücklich? Liebe, gutes Essen, Freunde, Familie, eine sinnvolle Aufgabe, der Garten, ein neues Auto, Sport, Natur? Jeder wird so seine Antworten haben. Aber was, wenn sich trotz aller erfüllten Umstände weder Glück noch Zufriedenheit einstellen wollen?3. Oktober 2012
Kritik der vernetzten Vernunft
Philosophie (nicht nur) für Netzbewohner
Großartig, dachte ich: Ein philosophisches Buch über das Netz und was es mit uns Menschen macht und was wir mit ihm machen können: Kritik der vernetzten Vernunft: Philosophie für Netzbewohner von Jörg Friedrich. Ein Buch für mich, für den Netzbewohner. Solche Themen machen mich neugierig.Erst einmal musste ich mich jedoch in Geduld üben, denn die ersten knapp 60 Seiten lesen sich wie ein Lehrbuch zur Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, immer entlang gehangelt an Kant, manchmal im Stile der Meditationen von Descartes (19 f., 34 f.), aber immerhin klar und interessant geschrieben und anhand alltäglicher Beispiele und Metaphern erklärt. Es wird deutlich, das Jörg Friedrich eine verlässliche Basis für sein Thema Vernetzte Vernunft mithilfe von exakten Definitionen legen möchte. Über das Wissen schreibt er beispielsweise:
"Wissen gibt es gar nicht, es gibt nur Überzeugungen. Die Idee des Wissens ist nur eine Konstruktion, die im Grunde nicht gebraucht wird. In der Philosophie gibt es eine alte Definition von »Wissen«, es sei »wahre gerechtfertigte Überzeugung«." (7)
2. Oktober 2012
Die Wahrheit der Philosophen
Und warum Philosophie nie endet
Was ist Wahrheit, was ist richtig und was ist falsch? Solche Fragen stellen wir uns im Alltag kaum. Komisch, denn unsere Überzeugungen und unser Handeln gründen sich auf solche Konzepte wie Wahrheit. Der Autor und Philosoph Jörg Friedrich geht diesen Fragen auf den Grund. Zuletzt hat er das Buch Kritik der vernetzten Vernunft geschrieben, das ich gerade mit viel Gewinn lese. Bevor ich meine Besprechung des Buches liefern werde, möchten wir hier einen Auszug aus dem Buch präsentieren, in dem es genau um alltägliche und doch so entrückte Fragen nach Wahrheit, Wissenschaft, Kunst und Philosophie geht. Jörg Friedrich studierte zunächst Meteorologie und Physik und schrieb seine Diplomarbeit über die Simulation von Strukturbildung und Chaos in der Atmosphäre. Seit dem Abschluss des Studiums der Philosophie beschäftigt er sich in Artikeln und Vorträgen vor allem mit Fragen der praktischen Philosophie. Seit 1994 ist Friedrich außerdem Geschäftsführer der Firma INDAL in Münster, einer Softwarefirma, die individuelle IT-Projekte durchführt.26. September 2012
Du hast da was Schwarzes...
Hassen Sie das auch, wenn Sie jemand nach dem Essen darauf hinweist, dass sich Spinat in Ihren Zahnlücken festgefressen hat? Oder geht das nur mir so? Haben Sie keine oder genügend weite Zahnlücken, sodass sich da nichts festsetzen kann? Oder ist es Ihnen egal, wie Ihre Körperöffnungen auf andere wirken? Das sollte es aber nicht, denn es kann einen ganz erheblichen Einfluss auf Ihren Fortpflanzungserfolg haben.
Ich wünschte mir nur, wir wären mit allem so unbestechlich. Schwarz zwischen den Zähnen ist ja noch relativ harmlos. Was ist mit all dem Schwarz in unseren Seelen? Lesen Sie den ganzen Artikel auf Kolumnen.de >>
| Liebling, ich glaub du hast da was zwischen den Zähnen... (Bild von ownjunkyard) |
Ich wünschte mir nur, wir wären mit allem so unbestechlich. Schwarz zwischen den Zähnen ist ja noch relativ harmlos. Was ist mit all dem Schwarz in unseren Seelen? Lesen Sie den ganzen Artikel auf Kolumnen.de >>
23. September 2012
Die Langeweile, die Zeit und das Geheimnis des Seins
Das letzte Mal, als ich mich richtig gelangweilt hatte, war als mein Zug im Niemandsland zwischen Köln und Leipzig für mehrere Stunden auf einem Gleis stand. Alle meine Zeitschriften hatte ich durchgelesen und auch meine Musik fing an, mich anzuöden. Mir war so langweilig, dass mich schon der Gedanke daran, irgend etwas zu tun, zu lesen oder zu hören anwiderte. Endlich hatte ich mal Zeit, nichts zu tun. Aber diese Zeit war mir aufgezwungen und ich wusste sie nicht richtig zu nutzen. Somit verschwand die Zeit und alles was übrig blieb, war eine Ewigkeit, die nicht vergehen wollte.
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| Winston Churchills letzte Worte vor seinem Tod: "Alles langweilt mich." (Bild von Galit Rodan) |
11. September 2012
Morgen geht die Welt unter
Die Bedeutung der Apokalyptiker
| Pessimist aus Saint-Rémy-de-Provence |
Ich lege mich jetzt mal fest und sage: Der Weltuntergang kommt nicht. Das zu sagen ist übrigens völlig risikolos für mich. Denn entweder werde ich Recht behalten oder - wenn der Untergang doch kommt - werde ich mich nicht mehr rechtfertigen müssen. Umgekehrt ist es anders. All die Propheten gehen das große Risiko ein, dass sie zugeben müssen, sich geirrt zu haben, wenn der Untergang ausbleibt. Komisch, dass sie es aber nie tun, sondern eine Erklärung finden, warum der Untergang noch einmal aufgeschoben wurde.
| Hunnen: Apokalyptische Reiter als Ursache der großen Völkerwanderung |
26. August 2012
Wie tickt mein Chef? Typologie der Bosse
Eines der größten Missverständnisse im Umgang untereinander ist die Annahme, dass wir eigentlich alle gleich sind. Wir alle gehen im Alltag mehr oder weniger davon aus, dass das, was ich sehe, auch mein Nachbar sieht, dass das, was ich höre, nur einen Schluss zulässt, dass das, was ich denke, auch mein Partner denken muss. Bist du blind? Bist du taub? Bist du blöd? Das sind die reflexartigen Reaktionen, wenn sich jemand anders verhält, als wir es erwarten. Dieses simple Missverständnis ist daran Schuld, dass wir uns zu Hause streiten, auf der Arbeit aneinander vorbei reden oder denken, unser Chef oder unsere Chefin lebe in seiner/ihrer eigenen realitätsfernen Welt.
Und meistens tun sie das auch tatsächlich: in ihren eigenen Welten leben. So wie jeder von uns. Nur wird es sich besonders bemerkbar machen, wenn jemand, dem der Auftrag gegeben wurde, eine Gruppe von Leuten zu einem Ziel zu führen, einen engen Horizont hat und nicht versteht, dass seine Interpretation der Welt nur eine von vielen möglichen ist. Chefs kriegen auch weniger Kritik, ihr Verhalten wird umfassender toleriert, was dazu führen kann, dass sie ihre Defizite aus den Augen verlieren und sich nicht mehr weiter entwickeln oder im schlimmsten Fall immer extremer werden. Zum erfolgreichen Führungsverhalten (hier z.B. die 25 Erfolgsfaktoren von Jack Welch) gibt es zahllose Tipps und Ratschläge. Einer der wichtigsten fehlt dabei häufig: Lern dich selbst sehr gut kennen, um andere gut zu führen!
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| Wie ist Ihr Chef drauf? Illustration: Martin Rathscheck |
Und meistens tun sie das auch tatsächlich: in ihren eigenen Welten leben. So wie jeder von uns. Nur wird es sich besonders bemerkbar machen, wenn jemand, dem der Auftrag gegeben wurde, eine Gruppe von Leuten zu einem Ziel zu führen, einen engen Horizont hat und nicht versteht, dass seine Interpretation der Welt nur eine von vielen möglichen ist. Chefs kriegen auch weniger Kritik, ihr Verhalten wird umfassender toleriert, was dazu führen kann, dass sie ihre Defizite aus den Augen verlieren und sich nicht mehr weiter entwickeln oder im schlimmsten Fall immer extremer werden. Zum erfolgreichen Führungsverhalten (hier z.B. die 25 Erfolgsfaktoren von Jack Welch) gibt es zahllose Tipps und Ratschläge. Einer der wichtigsten fehlt dabei häufig: Lern dich selbst sehr gut kennen, um andere gut zu führen!
23. August 2012
Zum Triumph der Unauffälligen
Im Spiegel Artikel Triumph der Unauffälligen liest man von all den Introvertierten, die es zu etwas gebracht haben: Albert Einstein, Abraham Lincoln, Bill Gates, Steve Wozniak oder Steven Spielberg. Nur ein Extrovertierter - ein ziemlich unangenehmer dazu - wird genannt: Steve Jobs. Man könnte meinen, introvertiert zu sein, ist eine Voraussetzung für Erfolg und Gutartigkeit. All die Extrovertierten seien nur laute penetrante Selbstdarsteller. Das ist natürlich Quatsch, aber offenbar ist es schwer, in einem Magazinartikel ein differenziertes Bild der persönlichkeitspsychologischen Dimensionen von introvertiert bis extrovertiert zu zeichnen. Solche Kategorien verleiten immer noch zu dualistischen Darstellungen und vernachlässigen die Grauzonen, in denen sich die meisten von uns bewegen.
| Neidisch? Wahrscheinlich introvertiert! (gefunden auf Frontier Justice) |
22. August 2012
Introversion - die neue mediale Faszination
Geist und Gegenwart widmet sich schon lange dem Thema Introversion. Wir stellen Bücher vor, erklären psychologische Hintergründe und helfen Introvertierten mit praktischen Tipps dabei, sich besser in einer extrovertierten Welt zu bewegen. Nun hat - nachdem das Thema durch die US-Amerikanische Öffentlichkeit getrieben wurde und sich auch hierzulande Susan Cains Still: Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt wie geschnitten Brot verkauft, der Spiegel die Introvertierten entdeckt. Das Titelthema der aktuellen Ausgabe ist: "Triumph der Unauffälligen. Warum Introvertierte zu oft unterschätzt werden." Faszinierend, wie sehr dieses Thema zur Zeit auch in die deutsche Öffentlichkeit drängt. Mich freut das, wenn es Introvertierten, die sich vielleicht selbst noch nicht im Klaren darüber waren, dass sie ganz normale und doch besondere Menschen sind, dabei hilft, sich besser kennen und lieben zu lernen.
21. August 2012
Müssen oder Dürfen? Was wir von Kindern lernen können
Katrin Hentschel ist Erzieherin und beobachtet im Alltag gern die Parallelen zwischen Kindern und Erwachsenen. So auch im folgenden Artikel, in dem sie nicht nur der Frage nachgeht, ob unsere als selbstverständlich begriffenen Ansprüche auch unseren Kindern genügen, sondern auch, was wir im Gegenzug von unseren Kindern lernen können, um besser zu uns selbst zu finden. Aber lesen Sie selbst...
Morgens aufstehen, ein Lächeln auf dem Gesicht haben, sich nochmal kurz umdrehen und dem Vogelgezwitscher lauschen. Das ist für mich die Freude des Lebens: Den Moment genießen. Leider schaffe ich das nicht immer, aber umso mehr freue ich mich über die Augenblicke, in welchen es mir gelingt.
Morgens aufstehen, ein Lächeln auf dem Gesicht haben, sich nochmal kurz umdrehen und dem Vogelgezwitscher lauschen. Das ist für mich die Freude des Lebens: Den Moment genießen. Leider schaffe ich das nicht immer, aber umso mehr freue ich mich über die Augenblicke, in welchen es mir gelingt.
| Was braucht das Kind? (Foto von Achim Lippoth gefunden bei NOTSOYELLOW) |
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17. August 2012
Wie es zur Liebe kommt und was dann daraus wird
Kennen Sie das auch: Je öfter wir einer Person wieder begegnen, desto mehr mögen wir diese Person. Wir finden sie sogar attraktiver und das beruht auf Gegenseitigkeit. Nicht immer funkt es gleich, manchmal schwelt es länger und dann brennt es um so doller. Das funktioniert allerdings nur, wenn die erste Begegnung nicht gleich negativ war, denn sonst wird nur die Abneigung stärker. Man nennt das den Mere-Exposure-Effekt, auf Deutsch also etwa: Effekt durch bloßen Kontakt. Geprägt wurde diese Idee 1968 von Robert Zajonc, der den Effekt evolutionspsychologisch* als Konditionierung über Sicherheitsreize erklärt.
| Wir lernen lieben, wen wir kennen (Bild bei sloth unleashed gefunden) |
12. August 2012
Freiheit, Individualismus und Selbstausbeutung
Die Gesellschaft nach Byung-Chul Han
In der Sommerausgabe des Philosophie Magazins findet sich ein Interview mit Byung-Chul Han, dem koreanischen Philosophen, der an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe lehrt und den ziemlich populären Essay Müdigkeitsgesellschaft geschrieben hat, in dem die "heutige Leistungsgesellschaft" als "eine Gesellschaft freiwilliger Selbstausbeutung" behandelt wird. Anders als sein Chef Peter Sloterdijk, ist Han jedoch ein Romantiker, der dem individualisierten Übermenschen, den Sloterdijk fordert, nichts abgewinnen kann. Das Interview ist recht deprimierend, denn man muss auf fünf Seiten unablässig Behauptungen wie die folgenden lesen:![]() |
| Unberechenbar und gar nicht müde: Street Art in Leipzig. Wir leben doch noch, hassen und lieben! |
"Es gibt keine Liebe mehr, weil wir uns frei wähnen, weil wir zwischen zu vielen Optionen wählen." Und: "Es ist kein langfristiges Projekt mehr möglich... Daher wird es keine Politik mehr geben." Oder: "Menschliche Handlungen, die emphatisch zukünftig sind, wie Verantwortung oder Versprechen, verkümmern heute." Aber auch: "Heute ist die Philosophie [...] ein Teil der Hölle des Gleichen geworden." Und erst recht: "Die akademische Philosophie in Deutschland ist leider total erstarrt und leblos. Sie lässt sich nicht auf die Gegenwart, auf gesellschaftliche Probleme der Gegenwart ein."
8. August 2012
Der Übermensch in uns und das richtige Leben
Den Schaffenden, den Erntenden, den Feiernden will ich mich zugesellen:
den Regenbogen will ich ihnen zeigen und alle die Treppen des Übermenschen.
(Nietzsche: Also sprach Zarathustra)
Stellen Sie sich vor, Sie müssten jeden Moment Ihres Lebens unendliche Male erneut durchleben, wieder und wieder bis ans Ende der Zeit. Wer kann das ertragen? Nur der, der das Leben in all seinen Facetten bejaht und keine Reue kennt. Wenn Sie mich fragen, ist das ein bisschen viel verlangt. Wir alle erleben Momente, die wir nicht noch einmal erleben möchten: schmerzhafte Besuche beim Zahnarzt, der Tod einer geliebten Person oder eine öffentliche Blamage. Es wäre nicht menschlich, solche Momente im Leben nicht zu bedauern. Wäre es übermenschlich? Wir wollen es untersuchen und erkunden, wie man solch einem Ideal wenigstens in Ansätzen näher kommen könnte.
4. August 2012
Lügen - Warum denn nicht?
Ein Autor, den ich wegen seiner Kreativität und Klarheit sehr schätze, Jonah Lehrer, hat sich dermaßen in Lügen über die Quellen seiner Arbeit (zuletzt: Imagine) verstrickt, dass das Buch aus dem Handel genommen wurde und er von seinem Posten bei der Zeitung The New Yorker gefeuert wurde. Jonah Lehrer ist noch jung, wird geläutert wiederkehren und an seine frühen Erfolge anknüpfen.
Er ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr Lügen unser Leben verkomplizieren können. Anstatt bei unsauberer Quellenlage zuzugeben, dass er unter dem großen Termindruck schlampig gearbeitet hat, erfand er Geschichten zu seinen Quellen, die leicht als Lügen enttarnt werden konnten. Ganz ähnlich die Plagiatsaffäre des Karl-Theodor zu Guttenbergs. Oder denken Sie an die tragische Gestalt des Christian Wulff: Es wäre nicht schön gewesen, wenn er gleich gesagt hätte, dass er Vorteile genossen hat, die er nicht hätte in Anspruch nehmen dürfen. Aber es hätte ihm sicherlich die Ehre gerettet. Statt dessen hat er sich öffentlich im Fernsehen und der Presse in Widersprüche verwickelt und gilt nun als hässliches Gesicht der deutschen Politik. Diese Beispiele machen mich neugierig, wie man aus ethischen Gesichtspunkten mit Lüge und Wahrheit umgehen soll. Ist es tatsächlich so, dass man Lügen auf jeden Fall vermeiden muss oder sind Lügen unter gewissen Voraussetzungen legitim? In wie weit schade ich mir selbst, wenn ich lüge? Ich habe dazu ein kleines Buch von Sam Harris gelesen: Lying. Harris geht hier kurz darauf ein, was Lügen sind und welche Art von Lügen wir uns erlauben. Der Hauptteil des Buches ist aber eine Rechtfertigung der strikt ethischen Position, dass Lügen unter allen zumutbaren Umständen vermieden werden müssen.
Wahrheit als Garant für Einfachheit
Wer nicht lügt, benötigt keine großen Erklärungen, keine Ablenkungsmanöver oder Verstellungen. Insofern ist ein Bekenntnis zur Wahrheit dazu geeignet, das eigene Leben einfacher und unkomplizierter zu machen. Mir als introvertierter Person kann es schwer fallen, ehrlich zu sein, wenn ich am Freitag Nachmittag von Kollegen gefragt werde, ob ich noch mitkomme, etwas trinken. Mein erster Reflex - obwohl ich weiß, dass ich nicht gehen werde - ist zu sagen: "Mal sehen, bin mir noch nicht sicher." Dann hoffe ich, die Sache wird vergessen. Wenn ich dann noch mal gefragt werde, dann kommt so etwas wie: "Geht mal vor, vielleicht komme ich noch nach." Oder ich erfinde irgend eine Geschichte, warum ich nun doch nicht kommen kann. Wahrscheinlich muss ich mich später noch rechtfertigen, warum ich dann nicht nachgekommen bin usw. usf. Das alles hätte ich viel einfacher und mit einem viel angenehmeren Gefühl der Treue zu mir selbst haben können, wenn ich einfach nur gesagt hätte: "Freitag Abend bin ich immer ziemlich erschöpft und will lieber allein sein."
Wenn man dieses Selbstbekenntnis zur Wahrheit anderen gegenüber hat, wird man auch sich selbst genauer prüfen müssen. Anknüpfend an das Beispiel oben, werde ich mich damit auseinandersetzen müssen, was die wahren Gründe dafür sind, dass ich freitags Abend nichts trinken gehen will. Ich werde feststellen, dass es nicht so ist, dass ich die Kollegen nicht mag, sondern dass ich als introvertierte Person schon rein physiologisch ein anderen Umgang mit Energie habe. Ich benötige die Stille und die Beschäftigung mit mir selbst, um nach einer anstrengenden Woche die Energie zu tanken, die es mir dann eventuell am Samstag erlauben wird, auf eine Party zu gehen... oder eben weiter die Ruhe zu genießen. Harris bringt ein Beispiel, wo er gebeten wurde, eine Rede zu halten und er aus gespielter Zurückhaltung und Höflichkeit einem älteren den Vortritt ließ. Später wurde ihm klar, dass er schlicht Angst hatte, vor vielen Leuten zu reden. Hätte er sich das damals eingestanden, anstatt die Bescheidenheit vorzuschieben, hätte er eventuell eher damit anfangen können, über Übung an seinem Selbstbewusstsein und seiner Redekunst zu arbeiten. Mit anderen Worten: Durch den Verzicht aufs Lügen anderen und sich selbst gegenüber, lernt man sich besser kennen und wird ein besseres Verhältnis zu sich selbst und seinen Mitmenschen aufbauen können. Und das ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben mit Liebe und Vertrauen in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Was meinen Sie? Wäre es ein Versuch wert? Sind Sie dabei? Was wird sich ändern oder was hat sich schon geändert durch Ihre neue Ehrlichkeit? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen...
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| Eine Lüge macht uns mindestens geringfügig nervös (gefunden bei Oddeveld) |
Er ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr Lügen unser Leben verkomplizieren können. Anstatt bei unsauberer Quellenlage zuzugeben, dass er unter dem großen Termindruck schlampig gearbeitet hat, erfand er Geschichten zu seinen Quellen, die leicht als Lügen enttarnt werden konnten. Ganz ähnlich die Plagiatsaffäre des Karl-Theodor zu Guttenbergs. Oder denken Sie an die tragische Gestalt des Christian Wulff: Es wäre nicht schön gewesen, wenn er gleich gesagt hätte, dass er Vorteile genossen hat, die er nicht hätte in Anspruch nehmen dürfen. Aber es hätte ihm sicherlich die Ehre gerettet. Statt dessen hat er sich öffentlich im Fernsehen und der Presse in Widersprüche verwickelt und gilt nun als hässliches Gesicht der deutschen Politik. Diese Beispiele machen mich neugierig, wie man aus ethischen Gesichtspunkten mit Lüge und Wahrheit umgehen soll. Ist es tatsächlich so, dass man Lügen auf jeden Fall vermeiden muss oder sind Lügen unter gewissen Voraussetzungen legitim? In wie weit schade ich mir selbst, wenn ich lüge? Ich habe dazu ein kleines Buch von Sam Harris gelesen: Lying. Harris geht hier kurz darauf ein, was Lügen sind und welche Art von Lügen wir uns erlauben. Der Hauptteil des Buches ist aber eine Rechtfertigung der strikt ethischen Position, dass Lügen unter allen zumutbaren Umständen vermieden werden müssen.
Was ist eine Lüge?
Die Lüge ist philosophisch betrachtet gar nicht so trivial. Mit Unwahrheit oder Fehlinformation ist es nicht getan. Harris schlägt folgende Definition vor: Lügen heißt, jemanden vorsätzlich zu täuschen, der eine ehrliche Kommunikation erwartet. Das lehnt sich eng an übliche Definitionen an, wie man sie auch in Enzyklopädien lesen kann. Dieser Begriff von Lüge vermeidet, dass man jemanden einen Lügner nennt, der sich einfach nur geirrt hat und deswegen die Unwahrheit sagt (kein Vorsatz) und auch Pokerspieler oder Magiker sind keine Lügner, wenn im Kontext der Kommunikation klar ist, dass die Mitspieler oder das Publikum gar nichts anderes erwarten, als getäuscht zu werden. Dieser Begriff der Lüge hat jedoch mindestens einen Nachteil: die Kontextabhängigkeit lässt Hintertürchen offen: Was, wenn ein kleiner Junge vom Magiker erwartet, dass er ihn nicht täuscht, während die Mutter des Jungen weiß, dass es nur eine Vorstellung ist? Dann haben wir nach dieser Definition die paradoxe Situation, dass der Magier zugleich ein Lügner und kein Lügner ist. Ebenso wird der Begriff problematisch, wenn wir ganz zynisch sagen: In unserer Gesellschaft erwartet sowieso niemand mehr vom anderen, dass er ehrlich ist. Ist dann alles Lügen legitim?Warum nicht lügen?
Wir wissen es alle: Lügen sind Teil unseres gesellschaftlichen Vertrags. Die Übergänge sind fließend, jede Höflichkeit verlangt von uns eine gewisse Verstellung im Umgang mit einander. Mehr noch: Implizit rechnen wir immer damit, dass jemand lügen könnte. In vielen Kulturen sind Lügen sogar nötig, um gesellschaftliche Zusammenhänge nicht zu gefährden. Wir waren alle mal in einer Situation, in der eine Bekannte sagte: "Ich hab kaum geschlafen, ich sehe grauenvoll aus!" Wir sagen: "So schlimm siehst du gar nicht aus, kuck mich mal an!" Wir denken aber, dass "grauenvoll" noch untertrieben ist, die Frau sieht aus wie ein Zombie! Jede kleine Lüge, die wir von uns geben - so Sam Harris - lässt uns insgeheim wenigstens ein kleines Bisschen schlecht fühlen. Denn wir wissen, dass jede Beziehung, die sich auf Vertrauen und Wahrheit gründet, besser ist, als eine Beziehung, in der gelogen und betrogen wird. Wir ahnen auch, dass wir uns das Misstrauen unserer Mitmenschen zuziehen, wenn wir lügen und schon werden wir nervös, fühlen wir uns schuldig und unsicher. Das äußert sich sogar in messbaren körperlichen Reaktionen, die in einigen Ländern selbst vor Gericht über Lügendetektoren (Polygraphen) ausgelesen werden. Auch ohne so einen Apparat leben wir dann mit der Angst, dass unsere Lügen durchschaut werden könnten. Lügen nehmen uns so die Freiheit und Selbstbestimmung. Sie haben die Eigenart, außer Kontrolle zu geraten, was uns dazu verleitet mit immer neuen Lügen den geschaffenen Fakten hinterher zu rennen, um die Löcher in der Realität zu stopfen.Wahrheit als Garant für Einfachheit
Wer nicht lügt, benötigt keine großen Erklärungen, keine Ablenkungsmanöver oder Verstellungen. Insofern ist ein Bekenntnis zur Wahrheit dazu geeignet, das eigene Leben einfacher und unkomplizierter zu machen. Mir als introvertierter Person kann es schwer fallen, ehrlich zu sein, wenn ich am Freitag Nachmittag von Kollegen gefragt werde, ob ich noch mitkomme, etwas trinken. Mein erster Reflex - obwohl ich weiß, dass ich nicht gehen werde - ist zu sagen: "Mal sehen, bin mir noch nicht sicher." Dann hoffe ich, die Sache wird vergessen. Wenn ich dann noch mal gefragt werde, dann kommt so etwas wie: "Geht mal vor, vielleicht komme ich noch nach." Oder ich erfinde irgend eine Geschichte, warum ich nun doch nicht kommen kann. Wahrscheinlich muss ich mich später noch rechtfertigen, warum ich dann nicht nachgekommen bin usw. usf. Das alles hätte ich viel einfacher und mit einem viel angenehmeren Gefühl der Treue zu mir selbst haben können, wenn ich einfach nur gesagt hätte: "Freitag Abend bin ich immer ziemlich erschöpft und will lieber allein sein."
Wahrheit als Weg zur Selbsterkenntnis
Das leitet über zu einem ganz großen Vorteil der strikten Wahrheit: Man muss sich seiner eigenen Persönlichkeit, seinen Taten und Gedanken stellen. Wenn ich lüge, werde ich automatisch auch vor mir selbst eine entschuldigende Position einnehmen, die nicht ganz den moralischen Anforderungen entspricht, die ich eigentlich selbst habe. Selbsttäuschung geht mit Lüge deshalb oft einher, weil wir versuchen wollen, konsistent zu sein und kognitive Dissonanzen so gering wie möglich zu halten. Es fällt uns auch einfacher zu lügen, wenn wir uns selbst von der Geschichte überzeugen können. Nicht zuletzt ist das auch ein Grund für das Phänomen, dass sich Erinnerungen über lange Zeit ändern und irgendwann kaum noch etwas mit dem tatsächlichen Erlebnis gemein haben. Oder war der Fisch, den Sie damals mit Ihrem Opa geangelt haben wirklich zwei Meter lang?Wenn man dieses Selbstbekenntnis zur Wahrheit anderen gegenüber hat, wird man auch sich selbst genauer prüfen müssen. Anknüpfend an das Beispiel oben, werde ich mich damit auseinandersetzen müssen, was die wahren Gründe dafür sind, dass ich freitags Abend nichts trinken gehen will. Ich werde feststellen, dass es nicht so ist, dass ich die Kollegen nicht mag, sondern dass ich als introvertierte Person schon rein physiologisch ein anderen Umgang mit Energie habe. Ich benötige die Stille und die Beschäftigung mit mir selbst, um nach einer anstrengenden Woche die Energie zu tanken, die es mir dann eventuell am Samstag erlauben wird, auf eine Party zu gehen... oder eben weiter die Ruhe zu genießen. Harris bringt ein Beispiel, wo er gebeten wurde, eine Rede zu halten und er aus gespielter Zurückhaltung und Höflichkeit einem älteren den Vortritt ließ. Später wurde ihm klar, dass er schlicht Angst hatte, vor vielen Leuten zu reden. Hätte er sich das damals eingestanden, anstatt die Bescheidenheit vorzuschieben, hätte er eventuell eher damit anfangen können, über Übung an seinem Selbstbewusstsein und seiner Redekunst zu arbeiten. Mit anderen Worten: Durch den Verzicht aufs Lügen anderen und sich selbst gegenüber, lernt man sich besser kennen und wird ein besseres Verhältnis zu sich selbst und seinen Mitmenschen aufbauen können. Und das ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben mit Liebe und Vertrauen in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Kann lügen legitim sein?
Sicher wäre es idiotisch, Lügen kategorisch abzulehnen. Wir können uns extreme Beispiele vorstellen, z.B. wenn wir einen Flüchtling vor seinen verbrecherischen Verfolgern verstecken. Wenn sie an unsere Tür klopfen und nach ihm fragen, müssen wir lügen, es sei denn, wir haben die Courage und berechtigte Hoffnung, dass wir mit "wenn ich es wüsste, würde ich es euch nicht sagen" davon kommen. Oder in Regimen mit ungerechten Gesetzen: Hier müssen Menschen lügen, um sich selbst treu zu bleiben und nicht gegen höhere Gesetze wie das Menschenrecht zu verstoßen. Theodor W. Adorno fasste das in seiner Minima Moralia in dem Satz zusammen: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." Daraus lässt sich natürlich keine generelle Rechtfertigung der Lüge ableiten. Jurek Beckers Roman Jakob der Lügner stellt genau diesen Konflikt zwischen der gut gemeinten Lüge (Jakobs angebliches Radio verbreitet Hoffnung im jüdischen Ghetto) und ihrer komplizierten und problematischen Folgen dar.Meine neue Ehrlichkeit
Die meisten von uns werden im Alltag nicht mit solchen Extrem-Situationen konfrontiert werden, sondern die Wahl zwischen Lüge und Wahrheit haben. Ich selbst ertappe mich oft dabei, eine kleine Lüge als den Weg des geringsten Widerstandes zu akzeptieren. Wenn ich jetzt darüber schreibe, kommt mir der Gedanke, dass es aber auch einfach nur Feigheit und Bequemlichkeit sein könnte. Vielleicht wäre es ganz spannend, von nun an auf jede Lüge zu verzichten. Ich werde mal beobachten, wie sich meine Beziehungen zu meinen Mitmenschen ändern. Eventuell wird sich auch die Spreu vom Weizen trennen: Werden alle mit der neuen Ehrlichkeit umgehen können? Und die Beziehungen, die das nicht überleben: Waren diese Beziehungen nicht von vornherein irgendwie auf Sand gebaut? Sie mögen es gar nicht wert sein, aufrecht erhalten zu werden. Und nicht zuletzt: Wie wird sich mein Verhältnis zu mir selbst ändern, wenn ich mich ganz ehrlich meinen eigenen Präferenzen, Schwächen und Haltungen stellen muss, weil ich sie anderen gegenüber offen vertrete? Könnte spannend werden.Was meinen Sie? Wäre es ein Versuch wert? Sind Sie dabei? Was wird sich ändern oder was hat sich schon geändert durch Ihre neue Ehrlichkeit? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen...
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18. Juli 2012
Das Drei-Einige Gehirn und die Evolution der Persönlichkeit
Ich bin ja immer sehr an Typologien der Persönlichkeit interessiert und neulich fiel mir ein Buch mit dem vielversprechenden und umfassenden Titel Evolution der Persönlichkeit: Die Grundlagen der Biostruktur-Analyse in die Hände, das eine sehr einfache triadische Typologie skizziert. Geschrieben von Juergen Schoemen.
Das Drei-Einige Gehirn
Die Biostruktur-Analyse geht von nur drei Grund-Komponenten der Persönlichkeit aus und ist damit Rekordhalter der Reduktion. Auch die Dreieinigkeit Gottes und alle anderen magischen Spielchen rund um die Zahl drei werden gleich mit erklärt und zwar durch die triadische Struktur unseres Gehirns: das Stammhirn, das Zwischenhirn und das Großhirn. Da unser Gehirn aus diesen drei Hauptstrukturen aufgebaut sei, verstünde es alle Dreier-Konzepte besonders gut. Die Reihenfolge der Ausbildung dieser Struktur entspräche der evolutionären Entwicklung der Wirbeltiere vom Reptil (Stammhirn) über die frühen Säugetiere (Stammhirn + Zwischenhirn) bis zu den Primaten (Stammhirn + Zwischenhirn + Großhirn). Zurück geht diese Idee auf den US-amerikanischen Hirnforscher Paul D. MacLean und seine Arbeiten in den 60er Jahren. Inzwischen sind einige der evolutionären Aspekte überholt, zum Beispiel weiß man, dass alle modernen Wirbeltiere inklusive der Reptilien das Stammhirn von noch älteren gemeinsamen Vorfahren "geerbt" haben. Außerdem zeigen "Stammhirn-Tiere" (insbesondere Vögel) außerordentlich kognitive Fähigkeiten, die weit über das hinausgehen, was McLean dem Stammhirn zuschreibt. Welche Funktionen schreibt die Biostruktur-Analyse den drei unterschiedlichen Hirnen nun zu?
| L'inactuel |
Die Biostruktur-Analyse geht von nur drei Grund-Komponenten der Persönlichkeit aus und ist damit Rekordhalter der Reduktion. Auch die Dreieinigkeit Gottes und alle anderen magischen Spielchen rund um die Zahl drei werden gleich mit erklärt und zwar durch die triadische Struktur unseres Gehirns: das Stammhirn, das Zwischenhirn und das Großhirn. Da unser Gehirn aus diesen drei Hauptstrukturen aufgebaut sei, verstünde es alle Dreier-Konzepte besonders gut. Die Reihenfolge der Ausbildung dieser Struktur entspräche der evolutionären Entwicklung der Wirbeltiere vom Reptil (Stammhirn) über die frühen Säugetiere (Stammhirn + Zwischenhirn) bis zu den Primaten (Stammhirn + Zwischenhirn + Großhirn). Zurück geht diese Idee auf den US-amerikanischen Hirnforscher Paul D. MacLean und seine Arbeiten in den 60er Jahren. Inzwischen sind einige der evolutionären Aspekte überholt, zum Beispiel weiß man, dass alle modernen Wirbeltiere inklusive der Reptilien das Stammhirn von noch älteren gemeinsamen Vorfahren "geerbt" haben. Außerdem zeigen "Stammhirn-Tiere" (insbesondere Vögel) außerordentlich kognitive Fähigkeiten, die weit über das hinausgehen, was McLean dem Stammhirn zuschreibt. Welche Funktionen schreibt die Biostruktur-Analyse den drei unterschiedlichen Hirnen nun zu?
6. Juli 2012
Wie unser Gehirn die Welt erschafft
Mysterien der Wahrnehmung
| von Chris Frith |
30. Juni 2012
Leise Menschen
Ein Interview mit Sylvia Löhken zum Thema Introversion
Heute habe ich die Gelegenheit, Dr. Sylvia Löhken zum Thema Introversion zu befragen. In ihrem neuen Buch "Leise Menschen – starke Wirkung" gibt sie zahlreiche Hinweise und Tipps für die Menschen, denen unsere auf Extroversion ausgerichtete Welt zu schaffen macht. Dr. Löhken ist Sprachwissenschaftlerin, zertifizierter Coach und nach eigener Aussage ausgeprägt introvertiert. Nach über einem Jahrzehnt in Intro-Biotopen wie Forschung und Wissenschaftsadministration hilft sie heute leisen Menschen bei der Verwirklichung ihrer beruflichen und privaten Ziele. Ihr neues Buch zeugt davon, denn es ist vor allem ein Ratgeber, der Introvertierten helfen soll, sich selbst besser zu verstehen und dadurch besser in einer extrovertiert geprägten Gesellschaft zurechtzukommen.
29. Juni 2012
Spontane Glücksmomente
Wir alle haben sie... nur viel zu selten: Spontane, völlig unerwartete Glücksmomente. Interessant ist, dass sie oft gar kein großartiges äußeres Ambiente benötigen. Meinen letzten sehr großen spontanen Glücksmoment habe ich im Auto erlebt. Ich war ganz alleine und fuhr auf meiner Camping-Tour durch die USA auf einer staubigen Schotterstraße in Arkansas. Es hätte auch ein sehr deprimierender Augenblick sein können, denn es war heiß und trocken, die Landschaft war recht unspektakulär, am Horizont brannten ein paar Felder und weit und breit war keine Menschenseele zu sehen. Ich fuhr so vor mich hin, hatte noch kein definitives Ziel für den Tag, sondern nur die Vorgabe, weiter Richtung Süden zu fahren.
| Staubige Straße in Arkansas: Nicht unbedingt eine Glücksgarantie |
So tun als ob
Fake it till you make it
Besonders, wenn wir mit etwas neuem anfangen, gut sein wollen, aber eben noch keine Erfahrung haben, stellt sich die Frage: Wie erlange ich das Selbstvertrauen und das Vertrauen meiner Mitmenschen, wenn ich doch selbst weiß, dass ich die Erwartungen kaum erfüllen kann? Es gilt besonders, die sich selbst erfüllende negative Prophezeiung zu vermeiden, die sich aus mangelndem Selbstvertrauen entwickelt. Dieser Mangel wird auch zu einem Mangel an Erfolgen führen und das produziert noch mehr Unsicherheit in die eigenen Fähigkeiten. Auf Englisch gibt es dagegen eine Redensart: Fake it till you make it. Spiel die Rolle so lange, bis sie dir passt. Aus psychologischer Perspektive hat das durchaus seine Berechtigung. Die Annahme ist, dass wir durch gespieltes Selbstvertrauen zu tatsächlichen Erfolgen gelangen werden. Diese tatsächlichen Erfolge wiederum führen zu echtem Selbstvertrauen und noch mehr Erfolgen. Das ist leichter gesagt, als getan. Im Artikel So tun als ob - bis man es kann führe ich folgende 10 Tipps und Tricks aus, die dabei helfen können, die neue Rolle so gut zu spielen, bis man sie bald vollkommen ausfüllt:- Den Sprung wagen
- Krawatten und Visitenkarten
- Vorbilder beobachten und imitieren
- Ihr Markenzeichen
- Selbstbewusstsein zeigen
- Lassen Sie sich nicht beirren
- Entscheidungsfähigkeit zeigen
- Bleiben Sie auf dem Boden
- Setzen Sie sich Meilensteine
- Erfolge registrieren und gutschreiben
26. Juni 2012
Das Betreuungsgeld - Weiberwirtschaft
Hundert Male sind die Demographie-Argumente bereits verkündet worden: Wir brauchen Fachkräfte, wir brauchen mehr MINT-Fachkräfte, und wir brauchen mehr weibliche MINT-Fachkräfte. Außerdem brauchen wir natürlich Lehrerinnen, Landärzte, Kindergärtnerinnen und Altenpflegerinnen und das Handwerk sucht auch ganz dringend. Doch der Reihe nach... Erich Feldmeier erklärt, warum Verwaltungs-Vorschriften die Menschheit nicht ändern werden und wie wir den Dilemmasituationen durch Erkenntnis beikommen können. Aber lesen Sie selbst...
Als die Welt noch in Ordnung war
Als die Welt noch in Ordnung war, lebten wir Menschen mehr oder weniger friedlich in Horden und Großfamilien zusammen. Die Kinder wurden nebenbei, im Alltag, erzogen, die Alten wurden freundlich umsorgt, bis der Hof übergeben war. Das personalisierte Sozialkapital waren Töchter und Schwiegertöchter, die für die Reproduktion sorgten. Wir müssen dieses Sozialmodell und dessen Konflikte nicht weiter ausführen, die Geschichten wurden tausendfach in Heimatromanen, und -filmen erzählt. Und in der Tradition geht es nun auch weiter. Sehen Sie sich beispielsweise das Bild der Demographie-Initiative der Bundesregierung (Juni 2012) an. Was stimmt daran nicht?
Als die Welt noch in Ordnung war
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| Bilderrätsel: Tradierte Beziehungsgrammatik versteckt in den Personalpronomen (bundesregierung.de) |
22. Juni 2012
Zynismus - das Gift in unseren Beziehungen
Zynismus kommt von Kynismus, einer antiken philosophischen Geisteshaltung. Die Kyniker waren die Minimalisten des alten Griechenlands. Sie lehnten Besitz ab, strebten nach Unabhängigkeit und Glück durch Natürlichkeit und Entsagung. Alles natürliche war ihnen frei von Scham und Schande. Nackt wie die Tiere wollten sie sein, aber selbstbewusst und um ihr Leben wissend. Im Grunde stellten Sie die ganze Gesellschaft, ihre Werte und Normen in Frage. Das machte die antiken Kyniker nicht eben beliebt. Man könnte meinen, sie schossen durch ihre Radikalität und den Spott, den sie über die herrschenden Normen und Sitten ausgossen, über ihr Ziel hinaus und versauten sich damit den guten Ruf. Sie verscherzten es sich dermaßen mit der Gesellschaft, dass wir heute nur noch negatives mit dem Begriff Zynismus verbinden.
Man begegnet dem modernen Zynismus überall: In der Politik ist es zynisch, wenn unsere Regierung gegen Tyrannen in Nordafrika wettert, aber gleichzeitig Waffen-Deals dahin unterstützt und Panzer exportiert. Das Ergebnis ist die berühmte Politikverdrossenheit oder gar die Abkehr von der Demokratie. Auf der Arbeit gibt es Zynismus, wenn Bosse und Mitarbeiter aneinander vorbei reden und sich nicht mehr über den Weg trauen. Und auch zu Hause kennen wir Zynismus, wenn wir zum Beispiel einen Streit schlichten wollen, aber der andere nur weiter Öl ins Feuer gießt, unsere ernsthaften Bemühungen und unsere Liebe karikiert.
| Der Kyniker als Minimalist des antiken Griechenlands: Diogenes von Jules Bastien-Lepage (1873) |
Man begegnet dem modernen Zynismus überall: In der Politik ist es zynisch, wenn unsere Regierung gegen Tyrannen in Nordafrika wettert, aber gleichzeitig Waffen-Deals dahin unterstützt und Panzer exportiert. Das Ergebnis ist die berühmte Politikverdrossenheit oder gar die Abkehr von der Demokratie. Auf der Arbeit gibt es Zynismus, wenn Bosse und Mitarbeiter aneinander vorbei reden und sich nicht mehr über den Weg trauen. Und auch zu Hause kennen wir Zynismus, wenn wir zum Beispiel einen Streit schlichten wollen, aber der andere nur weiter Öl ins Feuer gießt, unsere ernsthaften Bemühungen und unsere Liebe karikiert.
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